Diskussion: Fundamentalismus-Debatte


Beiträge zum Thema christlicher Fundamentalismus

 

 

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Hinweis in eigener Sache: Die vielstimmigen Diskussionsbeiträge und Zitate dieser Website geben nicht notwendig unsere eigene Meinung wieder.

Die nachstehende "Textlandschaft" aus Textfragmenten und Zitaten stellt den Versuch dar, zumindest exemplarisch Teilbereiche der aktuellen Fundamentalismusdebatte abzubilden. Wobei der Einstieg gelegentlich "bibelkritisch" aufgebaut ist und im Wechsel mit "bibeltreuen" Textfragmenten (manchmal erst im unteren Abschnitt) eine Art "Debatte" abbildet.
Fundamentalismusdebatte.de ist keine "bibeltreue" Webseite, sondern stellt "bibelkritische" und "bibeltreue" Inhalte unkommentiert nebeneinander. Ein bibeltreues Projekt findest Du in der Bibel. ツ

Ein weites Feld für Missverständnisse in der Fundi-Debatte kann übrigens darin bestehen, dass unter dem Wort "Gott" ganz Unterschiedliches verstanden wird. Das reicht von "Gott als (gemeinsame) Idee" (eine Idee kann sich auf Menschen bzw. eine Gemeinschaft auswirken, aber z.B. keine Naturgesetze durchbrechen oder selbst etwas sagen bzw. tun) bis zu "Gott als Person" (wenn Gott Gott ist, dann ist Ihm nichts unmöglich) und allem dazwischen.
Dieser Unterschied, von welchem Ausgangspunkt in der Fundi-Debatte argumentiert wird und was der Autor jeweils unter dem Wort "Gott" versteht, kann in der Kürze der Beiträge nicht dargestellt werden.

Über uns: Wir selbst glauben an einen persönlichen Gott, der sich in Jesus Christus und durch den Heiligen Geist geoffenbart hat und das noch immer tut. Wir respektieren Menschen, die das anders sehen oder etwas anderes glauben.

 

 


"Meine Herren, es wackelt alles"

Prof. Dr. Ernst Troeltsch (5. Oktober 1896, Ev. Theologe, Eisenacher Tagung „Freunde der Christlichen Welt“, Walther Köhler: Ernst Troeltsch. Tübingen, J. C. B. Mohr 1941, S.1)

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"Fundamentalismus ist eine Angstreaktion auf die Verunsicherung der Moderne."  

Pfarrer Dr. Christoph Morgner (26.08.2009, Theologe, 1989 - 2009 Präses des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbands [Vereinigung Landeskirchlicher Gemeinschaften], Pietisten sind keine Fundamentalisten, ideaSpektrum 35/2009, S.15)

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"Fundamentalismus ist für mich die als Glaubensstärke verkleidete Angst"

Präses Dr. h.c. Nikolaus Schneider (16.11.2010, 2010 - 2014 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland - EKD, Integration von Muslimen: Präses Schneider fordert mehr Engagement, Rheinische Post, www.rp-online.de)

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"Unübersichtlichkeit provoziert die Sehnsucht nach Verlässlichkeit, nach Klarheit, nach Verbindlichkeit, auch nach Abgrenzung. Das für alle protestantischen Kirchen charakteristische Schriftprinzip wird in zahlreichen neuen freikirchlichen Gemeinschaftsbildungen zum Verbalinspirationsdogma gesteigert und gewissermaßen in den Rang des Bekenntnisses erhoben, um anfechtungsfreie Gewissheit herzustellen."

Dr. Reinhard Hempelmann (Dezember 2013, Leiter der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen - EZW Berlin, Stichwort. Neue freikirchliche Gemeinschaftsbildungen, EZW Materialdienst-Einzelheft 12/2013, S. 477)

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"Glauben heißt nicht „für wahr halten“ einzelner Sätze und Geschichten, sondern Glauben heißt „Gott vertrauen“. Die Bibel ist Gotteswort und Menschenwort in einem. Sie wurde vom Geist Gottes „inspiriert“, aber nicht „diktiert“."

Präses Dr. h.c. Nikolaus Schneider (2013, 2010 - 2014 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland - EKD, Interview mit Nikolaus Schneider und Martin Urban zu Ihrem Buch*: Was kann man heute noch glauben? Internetseite der Verlagsgruppe Random House, www.randomhouse.de, Stand 4. März 2014, *Nikolaus Schneider, Martin Urban: Was kann man heute noch glauben? Ein Disput, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh, 2013)

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"Es gibt so viele Christenleute, welche erschrocken sind, wenn sie sehen, wie man an der Burg des Wortes Gottes abreißen und dazu bauen will. Es wird ihnen angst und bange. Und nun meinen sie, man müsse in diesem Sturm die Mauern stützen - durch eine Lehre über die Bibel.

So taucht die alte Lehre von der Verbal-Inspiration wieder auf. In Amerika gibt es viele solche Mauern-Stützer. Man nennt sie Fundamentalisten. Da hat man eine Lehre über die Bibel, die so lautet: Jedes Wort der Bibel ist von Gott inspiriert.

Ich bin überzeugt, dass diese Fundamentalisten es ernst meinen mit der Bibel und dasselbe wollen wie wir. Aber aus solch einer Lehre spricht die Sorge und die Angst, die Mauern der Bibel würden umfallen, wenn man sie nicht durch ein Dogma stützt.

Es hat mich immer misstrauisch gemacht, dass diese Lehre von der Verbalinspiration zuerst von der Orthodoxie aufgebracht wurde. Und die Orthodoxie ist zu allen Zeiten der schrecklichste Feind alles geistlichen Lebens gewesen. Die Orthodoxie züchtet einen rechthaberischen Kopfglauben, wobei Herz und Gewissen umkommen können.

Es ist mir auch immer unheimlich, wenn Menschen ein Urteil über die Bibel abgeben wollen, das man glauben soll, ehe man die Bibel aufgeschlagen hat. Ich meine, wir sollten jedem raten: Lies Du ohne Vorurteil und ohne vorher gefasstes Dogma dies Wort, dann wirst Du bald merken, dass die Bibel ein Urteil über uns hat.

Zur Zeit Tersteegens hat man über die Bibel gestritten. Orthodoxe und Aufklärer gaben ihre Urteile über die Bibel ab. Die Stillen im Lande haben sich daran nicht beteiligt. Sie haben vielmehr die Bibel aufgeschlagen, und sie haben sich richten und trösten lassen von diesem lebendigen Wort Gottes.

Wir brauchen die Autorität der Bibel nicht zu stützen mit irgendwelchen Dogmen, die wir von den Orthodoxen entlehnt haben. Die Bibel erweist sich schon selbst als das, was sie ist:

„Das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer denn ein zweischneidig Schwert, und dringt durch, bis dass es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens. Und keine Kreatur ist vor ihm unsichtbar; es ist aber alles bloß und entdeckt vor seinen Augen; von dem reden wir" (Hebr. 4,12 und 13)."

Pfarrer Wilhelm Busch (1957, 1929 bis 1962 protestantischer Jugendpfarrer - Essen, http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Busch_(Pfarrer), Was bremst denn da?: Aufsätze für ein unverkrampftes Christensein, Neukirchener Verlagsges.; 2. Aufl. 2002, ISBN 9783761535530, S. 59-60)

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Prof. Dr. Siegfried Zimmer, Bild: www.worthaus.org (2015)

 


"Der protestantische Bibelfundamentalismus ist ein echtes Problem, das weltweit zunimmt und dessen Anhängerschaft im dreistelligen Millionenbereich liegt."

Prof. Dr. Siegfried Zimmer ‎(1. Mai 2015, Ev. Theologe, Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg, idea Artikel - Theologieprofessor Zimmer: Ich möchte die Bibel nicht relativieren, ideaSpektrum, www.idea.de)

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"Was die Gefährdung von sächsischen Jugendlichen angeht, bereiten etwa radikale Bibelgruppen viel größere Probleme als Islamisten."

Dr. Harald Lamprecht (13. Juli 2016, Beauftragter für Weltanschauungs- und Sektenfragen der Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens - EvLKS, Sekten-Beauftragter: So schützen Sie Ihre Kinder vor der Islamisten-Falle, Dresdner Morgenpost)

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"Christlicher Fundamentalismus ist nicht besser als islamischer. [...]

Das Problem ... ist, dass die Religion – obwohl ihre Freiheit im Grundgesetz geschützt ist – durchaus zum Problem für den freiheitlichen Staat werden kann. Schon für die Vergangenheit, gerade auch für die christliche, galt der Doppelsatz: Nie kann die Freiheit die Religion beschädigen, sehr wohl aber die Religion die Freiheit.
Nun sehen wir: Dieser Satz kann auch für die Zukunft gelten – auch hier nicht nur für islamischen, sondern durchaus auch für christlichen Fundamentalismus."

Prof. Dr. h.c. Robert Leicht (17. September 2007, 1997 bis 2003 Ratsmitglied der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präsident der Evangelischen Akademie zu Berlin, Christlicher Fundamentalismus ist nicht besser als islamischer, Der Tagesspiegel)

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Dr. Margot Käßmann:
"Fundamentalismus ist immer ein Problem." [...]

Alice Schwarzer: "Sie sehen den christlichen Fundamentalismus also nicht minder kritisch wie den islamischen?"

Dr. Margot Käßmann: "Selbstverständlich! Aber in Europa sind die christlichen Fundamentalisten in einer absoluten Minderheit. [...] In Europa gibt es die weltweit liberalsten Christinnen und Christen."

Prof. Dr. Dr. h.c.
Margot Käßmann (Mai 2005, Botschafterin des Rates der EKD für das Reformationsjubiläum 2017, 2009-2010 Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), 1999–2010 Bischöfin der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover, Interviewerin Alice Schwarzer, Margot Käßmann. Keine Lust, mich zu verstellen, EMMA 3/2005, www.emma.de)

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"Europa scheint von dem "fundamentalistischen" Bazillus aufgrund des Zaubertranks "Säkularität" weitgehend frei zu sein."

Prof. Dr. Volkhard Krech  (1. Juli 2005, Ev. Theologe, Ruhr-Universität Bochum, Europa als Wertegemeinschaft? Integralistische Tendenzen im Diskurs über die europäische Identität.
- Die europäische Situation. In: Stefan Alkier / Hermann Deuser / Gesche Linde (Hg.), Religiöser Fundamentalismus. Analysen und Kritiken, Tübingen: Francke, 2005, S. 48)

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"Fundamentalisten sind auch Menschen."

Prof. Dr. Dr. Heinrich Schäfer (30. Mai 2006, Ev. Theologe u. Soziologe, Universität Bielefeld, Fundamentalismen und Modernen, Evangelischer Pressedienst epd, epd-Dokumentation 22/2006, S. 11, Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik GEP)

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"Fundamentalismus im Christentum ist nichts, womit wir uns abfinden dürfen"

Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber (10. Juli 2007, 2003-2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD,  1994-2009 Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Keine Kollekte für Moschee, Kölner Stadt-Anzeiger)

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Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber, 2003 - 2009 Ratsvorsitzender der EKD

 


"Fundamentalismus – ob jüdischer, christlicher, islamischer oder hinduistischer Prägung – mag Bildung und Aufklärung nicht. [...] Den Kirchen der Reformation geht es um gebildeten Glauben und der schließt auch den historisch-kritischen Blick auf den biblischen Text ein."

Prof. Dr. Dr. h.c. Margot Käßmann (25. März 2014, Botschafterin des Rates der EKD für das Reformationsjubiläum 2017, 2009-2010 Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, 1999–2010 Bischöfin der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover, Kernbotschaft der Reformation: „Selbst denken!“, EKD-Botschafterin Margot Käßmann würdigt Jan Hus in Prag, Pressestelle der EKD, www.ekd.de)

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"Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit.

Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Anleitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen.

Sapere aude! [Wage es verständig zu sein!] Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung."
[Zitat im unteren Teil ausführlicher]

Prof. Dr. Immanuel Kant (1784, Philosoph, "Beantwortung der Frage: was ist Aufklärung?", Berlinische Monatsschrift, 1784,2, S. 481–494)

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"Die Aufklärung lässt sich auf Dauer nicht an die Ketten des Dogmas legen. Sie stürzt wie ein brausender Strom heran, gegen den alle Glaubensschleusen und -dämme machtlos sind. [...]

Die historische Methode beruht auf der Voraussetzung, dass die Erforschung geschichtlicher Phänomene sachgemäß nur unter Berücksichtigung ihres Kausalzusammenhangs, ihrer Wechselbeziehungen und ihrer Analogien erfolgen kann.

Ihre Arbeitsweise folgt dem methodischen Atheismus der neuzeitlichen Wissenschaft ... Die historische Methode verweigert eine Antwort auf die religiöse Wahrheitsfrage und kann nur verschiedene Wahrheitsansprüche registrieren und miteinander vergleichen."

Prof. Dr. Gerd Lüdemann (20. September 2008, Theologe, Georg-August-Universität Göttingen, Vertrag von Staat und Kirche, Ketten des Dogmas. Frankfurter Rundschau)

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"Das ist die offenkundige vor Augen liegende Wirkung der historischen Methode. Sie relativiert Alles und Jedes. [...] (S. 9)

Wer ihr den kleinen Finger gegeben hat, wird von ihr so energisch ergriffen, dass er ihr die ganze Hand geben muss. [...] (S. 7)
Jedenfalls können wir nun einmal nicht mehr ohne und gegen diese Methode denken und müssen wir alle unsere Forschungen über Wesen und Ziele des menschlichen Geistes auf sie aufbauen.

So hat die historische Methode auch die Theologie ergriffen, erst schüchtern und fragmentarisch mit allerhand Vorbehalten und Einschränkungen, dann immer energischer und umfassender, bis sie auch hier bewirken musste, was sie überall sonst bewirkt hat, eine prinzipielle Veränderung der gesamten Denkweise und der ganzen Stellung zum Gegenstande [Bibel]." (S. 8)

Prof. Dr. Ernst Troeltsch (1900, Ev. Theologe, Friedemann Voigt (Hrsg.): Ernst Troeltsch Lesebuch. Ausgewählte Texte. Über historische und dogmatische Methode in der Theologie (1900). UTB; Bd. 2452. Mohr Siebeck, Tübingen 2003, S. 7 ff.)

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"Anders als Sie [Martin Urban] halte ich es aber für vermessen zu meinen, nur eine historisch-kritische Forschung könne uns das »wahre« Jesusbild vermitteln. Auch sie wird das nicht schaffen.
Christliche Theologie hat für mich nicht erst nach der Aufklärung und durch die Aufklärung Annäherungen an die Wahrheit Gottes ermöglichen können. Und deshalb sehe ich weder für mich noch für meine Kirche die Notwendigkeit, dass sich heutige Theologie von allen Erkenntnissen und Bekenntnissen vor der Aufklärung zu verabschieden hätte. [...] (S. 105)

Jesus lebte und predigte nach den Zeugnissen der Evangelien ein Gottvertrauen, das Menschen mit Zuversicht und Nächstenliebe erfüllte und das ihnen eine Hoffnung über den Tod hinaus schenkte.
Ein solches Gottvertrauen vermag Menschen bis heute aus vielerlei »Gefangenschaften des Denkens« zu befreien: aus der Gefangenschaft in Vorurteilen, Selbstzweifeln und Denkfaulheit ebenso wie aus der Gefangenschaft in Überheblichkeit, Fundamentalismus, Skeptizismus und Wissenschaftsgläubigkeit.

Meines Erachtens kann nämlich auch die Überschätzung und Verabsolutierung wissenschaftlicher Methoden und Erkenntnisse in eine Gefangenschaft des Denkens führen und der Liebesfähigkeit des Menschen im Blick auf Gott und im Blick auf seine Mitmenschen im Wege stehen." (S. 116)

Präses Dr. h.c. Nikolaus Schneider (23. September 2013, 2010 - 2014 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD, 2003-2013 Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland EKiR, Nikolaus Schneider, Martin Urban: Was kann man heute noch glauben? Ein Disput, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh, 2013, S. 105 u. 116)

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Nikolaus Schneider, Martin Urban: Was kann man heute noch glauben? Ein Disput (2013)

 


DS: "Während die Pfingstkirchen wachsen, stagnieren die klassischen Kirchen wie die Lutheraner oder nehmen sogar ab. Sie sind anders als die Pfingstler von der Aufklärung geprägt und nehmen die Bibel nicht wörtlich, sondern interpretieren sie historisch-kritisch.

War es ein Irrweg, dass sich die evangelischen Kirchen für die Aufklärung geöffnet haben und die Bibel historisch-kritisch interpretieren und erklären?"

Bischöfin Käßmann: "Ich bin überzeugt, dass die Pfingstkirchen wie die anderen Kirchen Afrikas und die orthodoxen Kirchen die Aufklärung noch vor sich haben."  [Zitat im unteren Teil ausführlicher]

Bischöfin Dr. Margot Käßmann (21. April 2000, Oktober 2009 - Februar 2010 Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), 1999 - 2010 Bischöfin der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover, DS - DEUTSCHES ALLGEMEINES SONNTAGSBLATT, 21. April 2000 - Nr. 16/2000)

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F.A.Z.: "Bischof Huber, mangelt es der Kirche hierzulande an einer gewissen Leidenschaft im Glauben, die anderswo, in China oder Südamerika, vorgelebt wird?"

Bischof Huber: "Der Protestantismus, den ich in China und Südamerika erlebt habe, ist zu einem guten Stück eine Religion ohne Aufklärung." [Zitat im unteren Teil ausführlicher]

Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber (23.02.2007, 2003-2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, 1994-2009 Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Evangelische Kirche. Wir wollen, dass die Gottesdienste noch besser werden. Frankfurter Allgemeine Zeitung F.A.Z., 23.02.2007, Nr. 46, S. 42)

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Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang, 2003 - 2009 Ratsvorsitzender der EKD

 


"Die zahlenmäßig stark wachsende Christenheit in der Volksrepublik China wird die US-amerikanischen Christen als Führungsmacht in der weltweiten evangelikalen Bewegung in wenigen Jahrzehnten ablösen.
Davon ist der Direktor des Internationalen Instituts für Religionsfreiheit der Weltweiten Evangelischen Allianz, der Missionswissenschaftler Prof. Thomas Schirrmacher (Bonn), überzeugt. In China gebe es rund eine halbe Million freier Hausgemeinden, die fast alle evangelikal geprägt seien, sagte Schirrmacher am 24. Juni in Köln gegenüber idea."

Deutsche Evangelische Allianz e. V. - Nachrichten (26. Juni 2008, Christen in China die kommende evangelikale Führungsmacht, Prof. Schirrmacher: Ein freies China wird Millionen von Missionaren entsenden, www.ead.de)

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"Wenn die Alternative der religiöse Fundamentalismus ist, wie wir ihn in Teilen der Vereinigten Staaten von Amerika sehen, kann auch die christliche Religion dazu tendieren, Vielfalt, alternative Meinungen und Freiheit zu unterdrücken.

Deshalb wäre es ungeheuer wichtig, dass ein europäisches Christentum hier die Vernunft wahrt, für die Freiheit eintritt und Atheismus wie andere Religionen nicht durch Unterdrückung bekämpft, sondern im Diskurs aufnimmt.

Das ist umso wichtiger, als sich von den Europäern nicht beachtet in Afrika, Asien und Lateinamerika das Christentum rapide ausbreitet."

Prof. Dr. Dr. h.c. Margot Käßmann (2005, 2009-2010 Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischöfin der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover, Impulspapier - Strategien für die Gesellschaft von morgen, www.cap-lmu.de, Stand 2005)

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"Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) [2003 - 2009], Wolfgang Huber, hat sich kritisch über die gegenwärtige Annäherung zwischen Vatikan und orthodoxer Kirche geäußert.

Es gebe in beiden Kirchen eine unterschiedlich stark ausgeprägte Tendenz, eine Gestalt des christlichen Glaubens zu leben, "die mit der Aufklärung nichts zu tun hat", sagte der Berliner Bischof am Samstag im NDR-Hörfunk (Hamburg)."  [Zitat im unteren Teil ausführlicher]

epd /
Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber (29.12.2006, Huber kritisch zur Annäherung zwischen Vatikan und Orthodoxie, Evangelischer Pressedienst (epd) Hamburg,
http://nordelbien.de/nachrichten/epd.news, Stand 2006)

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"Insgesamt ... bedeutet das päpstliche Jesusbuch [Jesus von Nazareth, Dr. Joseph Ratzinger, April 2007] eine Rückkehr zu einem Jesusverständnis, das hinter die Aufklärung zurückführt" [Zitat im unteren Teil ausführlicher]


Prof. Dr. theol. Werner Zager (Dezember 2007, Evangelischer Theologe, Fachbereich Evangelische Theologie - Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main, Präsident des Bundes für Freies Christentum, Wer war Jesus wirklich? Deutsches Pfarrerblatt, Heft 12, S. 650/651)

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"Ist demnach der Anspruch des Christentums, religio vera zu sein, durch den Fortgang der Aufklärung überholt? [...]

Am Beginn des dritten christlichen Jahrtausends befindet sich das Christentum gerade im Raum seiner ursprünglichen Ausdehnung, in Europa, in einer tief gehenden Krise, die auf der Krise seines Wahrheitsanspruches beruht. […]

Die kritische Exegese relativiert die Gestalt Jesu und setzt Fragezeichen gegenüber seinem Sohnesbewusstsein; der Ursprung der Kirche in Jesus erscheint zweifelhaft und so fort … seine historischen Grundlagen stehen infolge der modernen historischen Methoden im Zwielicht.

So liegt es auch von daher nahe, die christlichen Inhalte ins Symbolische zurückzunehmen, ihnen keine höhere Wahrheit zuzusprechen als den Mythen der Religionsgeschichte […]

Alle Krisen im Inneren des Christentums, die wir gegenwärtig beobachten, beruhen nur ganz sekundär auf institutionellen Problemen. Die Probleme der Institutionen wie der Personen in der Kirche rühren letztlich von der gewaltigen Wucht dieser Frage her. Dies ist die grundsätzliche Herausforderung am Beginn des dritten christlichen Jahrtausends." [Zitat im unteren Teil ausführlicher]

Dr. Joseph Ratzinger (08.01.2000, 2005-2013 Papst Benedikt XVI., Der angezweifelte Wahrheitsanspruch. Die Krise des Christentums am Beginn des dritten Jahrtausends, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.01.2000, Nr. 6, S. I)

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Dr. Joseph Ratzinger (2005-2013 Papst Benedikt XVI.) u. Papst Franziskus

 


"Es gehört zu den Kernbehauptungen zumindest aller christlichen Fundamentalisten, dass man die Wahrheit mit absoluter Geltung gefunden hat. Von da aus geschieht direkte, distanzlose Berufung auf biblische Sätze in konkreten Lebenssituationen."

Prof. Dr. Hans-Günter Heimbrock (1. Juli 2005, Ev. Theologe, Goethe-Universität Frankfurt am Main, Wahrheit – Lebensform – Subjekt. Praktisch-theologische Anmerkungen zu christlichen Fundamentalismen - Wahrheit im Fundamentalismus?; in: Stefan Alkier / Hermann Deuser / Gesche Linde (Hg.), Religiöser Fundamentalismus. Analysen und Kritiken, Tübingen: Francke, 2005, S. 40)

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"Unser Zeitalter ist das eigentliche Zeitalter der Kritik, der sich alles unterwerfen muss. Religion, durch ihre Heiligkeit, und Gesetzgebung, durch ihre Majestät, wollen sich gemeiniglich derselben entziehen."

Prof. Dr. Immanuel Kant (1781, Philosoph, Kritik der reinen Vernunft - Vorrede, Fußnote, Vollständiger Text: http://de.wikisource.org/wiki/Critik_der_reinen_Vernunft_(1781)/Vorrede)

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"Christentum wie Islam sind Buchreligionen. […] In unseren beiden Religionen gibt es Gruppen, die sich einem reflektierten und wissenschaftlich fundierten Umgang mit den grundlegenden Schriften entziehen und fundamentalistische Auslegungen vertreten. [...]

Keine Religion kann mehr davon ausgehen, dass sie für sich allein existiert und eine absolute Wahrheit nur für sich beanspruchen kann."

Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber (16. März 2009, 2003-2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD, 1994-2009 Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, „Herausforderungen des interreligiösen Dialogs. Hermeneutische Fragestellungen.“ - Vorlesung in der Theologischen Fakultät in Ankara, www.ekd.de)

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"Die Religionen müssen sich von dem Gedanken verabschieden, die Wahrheit allein zu besitzen. Gott ist immer größer als unsere Wahrheitserkenntnis"

Präses Dr. h.c. Nikolaus Schneider (2. Juni 2011, 2010 - 2014 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD, 2003-2013 Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland EKiR, 33. Deutscher Evangelischer Kirchentag in Dresden: Dialogveranstaltung mit d. EKD-Ratsvorsitzendem Nikolaus Schneider u. Großmufti von Bosnien-Herzegowina Dr. Mustafa Efendi Cerić, EKD-Ratsvorsitzender: Absolutheitsanspruch von Religionen überholt, www.kirchentag.de)

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"Wenn eine Religion einen alleinigen Besitzanspruch auf die Wahrheit erhebt, dann kommt sie auch schnell in die Gefahr eines Fundamentalismus, der andere abwertet."

Prof. Dr. Dr. h.c. Margot Käßmann (8.10.2009, Botschafterin des Rates der EKD für das Reformationsjubiläum 2017, 2009-2010 Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, 1999–2010 Bischöfin der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover, The European: Das Interview der Woche. Landesbischöfin Margot Käßmann im Gespräch, www.theeuropean.de)

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"Wer Jesus über andere Religionen stellt, macht hier keinen Abschluss."

Prof. Dr. theol. Stefan Alkier (Sommersemester 2006, 2006 Dekan am Fachbereich Evangelische Theologie der Goethe-Universität Frankfurt am Main, Professur für Neues Testament und Geschichte der Alten Kirche, Proseminar: Theologie(n) der Auferweckung)

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"Fundamentalismus heißt nicht, einen Wahrheitsanspruch zu haben. Dann gäbe es auf dieser Welt fast nur Fundamentalisten [...]

Ein Mensch, der irgendetwas für absolut richtig oder falsch hält, wird dadurch nicht gefährlich. Ein Problem wird er für die Gesellschaft erst, wenn er daraus ableitet, dass er andere zwingen darf, dasselbe zu glauben, dasselbe zu tun, und dass die ganze Gesellschaft so zu funktionieren hat, wie er es für richtig hält."  [Zitat im unteren Teil ausführlicher]

Prof. Dr. theol. Dr. phil. Thomas Schirrmacher (29. August 2012, Vorsitzender der Theologischen Kommission der Weltweiten Evangelischen Allianz, Deutschland: CSU-Kongress: Christenverfolgung im 21. Jahrhundert, www.ead.de/nachrichten)

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"Was an der Fundamentalismusdiskussion indes bedenklich stimmt, ist eine oft geradezu irrationale Angst vor jeder Art von unbedingten Wahrheitsansprüchen und Glaubensgewissheiten. Als Gefahr für die liberale Gesellschaft gilt vielfach nicht nur, wer dem anderen seine Überzeugungen aufzwingen will, sondern schon, wer überhaupt welche hat.

Der Papst ist offenbar ein besonders schwerer Fall."

Jan Ross (September 2001, Redakteur der ZEIT, Glaubenswahn. Was ist Fundamentalismus? DIE ZEIT - Nr. 40, 2001, Aktualisiert am 4. September 2006, in: www.zeit.de/2001/40/200140_fundamentalismus.xml)

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Jan Ross, Bild: www.manfredweis.com (2013)

 


"Für ein christliches Selbstverständnis, das sich eng mit der säkularen Kultur verbunden hat, sind charismatisch und evangelikal geprägte Gemeinden und Gruppen ein Thema, das in direkten Zusammenhang mit der Fundamentalismusdiskussion gestellt und als Bedrohung für ein modernes, aufgeklärtes Christentum empfunden wird."

Dr. Reinhard Hempelmann (Dezember 2009, Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen - EZW, Evangelikalismus und nordamerikanische Erweckungsfrömmigkeit. In: Reinhard Hempelmann u.a. (Hg.), Evangelikale Bewegungen. Beiträge zur Resonanz des konservativen Protestantismus, EZW-Texte 206, Berlin: EZW, 2009, S. 6)

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"Zur großen Überraschung der meisten Experten haben seit den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts religiöse Bewegungen auf oftmals dramatische Weise wieder die Weltbühne betreten.
Kaum jemand hatte mit einer solchen Erneuerung der Religionen gerechnet, denn der westliche Modernisierungsmythos hatte uns einen unumkehrbaren Trend zur Säkularisierung und Privatisierung von Religion erwarten lassen."

Prof. Dr. Martin Riesebrodt (1. Dezember 2003, Soziologe, Martin Riesebrodt: Die fundamentalistische Erneuerung der Moderne - Die fundamentalistische Erneuerung der Religionen, in: Kilian Kindelberger (Hrsg.): Fundamentalismus. Politisierte Religionen. Brandenburgische Landeszentrale für Politische Bildung, Potsdam 2004, S. 10)

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"Vom neuen Interesse an Glaube und Seelenheil jedoch profitieren die beiden großen Amtskirchen kaum. Ihr aufgeblähter Apparat mit Konsistorien und Landeskirchenämtern, mit Oberkirchenräten und Generalsuperintendenten ist zu schwerfällig, um auf die neue religiöse Welle reagieren zu können.

Es ist jenes unübersichtliche Spektrum evangelikaler Gruppierungen, die in der Evangelischen Allianz [http://de.wikipedia.org/wiki/Evangelische_Allianz] vereint sind und von der neuen Sehnsucht nach Sinn profitieren - christliche Freikirchen, religiöse Vereine, freie Gemeinden, charismatische Gruppen, missionarische Zentren. Sie erleben einen Aufschwung Jesu.

Ihr Kirchenverständnis ist leger in der Form - ihre Gottesdienste sind unkonventioneller gestaltet als die der etablierten Kirche. Inhaltlich aber sind sie konservativ und streng bibeltreu, pietistisch. Viele dieser Gruppen sind aus frommen Erweckungsbewegungen hervorgegangen, manche haben ihre Zentren in den USA ...

Der Leiter der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen in Berlin, Reinhard Hempelmann, bestätigt das „Wachstumsphänomen" evangelikaler Kräfte. Es sei „offensichtlich größer, als die Statistiken nahelegen", und nicht nur „ein Protestphänomen gegen die fehlende Flexibilität" der Amtskirchen. „Es fordert die Kirchen heraus." [...]

Der traditionellen evangelischen Kirche bereitet die Entwicklung Sorgen. Sie befürchtet eine Abwanderung ihrer eigenen Mitglieder in die importierten Erweckungsgemeinden - oder eine schleichende Machtübernahme durch die Evangelikalen in ihren eigenen Reihen, die in immer mehr Gremien der EKD zu finden sind. [...]

Der Kampf, wer in Zukunft die religiöse Landschaft in Deutschland bestimmen wird, hat begonnen."

DER SPIEGEL
(28. April 2008, Aufschwung Jesu, Der Spiegel Nr. 18/2008, S. 38-41)

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"Trendforscher sehen in den "Bibeltreuen" sogar die Zukunft der Kirche; es spricht einiges dafür, dass innerhalb der protestantischen Christenheit in Deutschland jeden Sonntag mehr evangelikale als nichtevangelikale Christen an Gottesdiensten teilnehmen."

DIE WELT (20. Februar 2008, Gernot Facius, Die "Frommen" sind auf dem Vormarsch, www.welt.de)

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"Die evangelikalen Kirchen [in der Schweiz] ziehen jeden Sonntag zweimal so viele Gläubige an wie die traditionellen protestantischen Gotteshäuser. [...]

Am Anfang des 20. Jahrhunderts waren es 52 Millionen, heute sind es fast eine halbe Milliarde: In einem Jahrhundert haben die Evangelikalen die Welt erobert."

swissinfo.ch (26. Dezember 2011, Der Boom der Evangelikalen erfasst auch die Schweiz, www.swissinfo.ch)

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"Inzwischen hat der schleichende Machtanspruch der Evangelikalen ein unerträgliches Ausmaß angenommen. Wir haben inzwischen fast schon eine zweite evangelische Kirche in Deutschland. [...]

Das wortwörtliche Bibelverständnis, die theologische Enge, das Ausschalten der kritischen Vernunft, dass sie für den historischen Kontext der Heiligen Schrift nicht offen sind [vgl. Historisch- kritische Methode] - das ist für mich fundamentalistisch."

Pfarrerin Kathinka Kaden (01.03.2009, Vorsitzende Offene Kirche in Württemberg. Evangelikale schüchtern massiv ein, www.taz.de)

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"Immer deutlicher betont die »Allianz« ihre eigene »kirchliche« Rolle auch in der Öffentlichkeit. [...]

95–98% des Mitgliederzuwachses der neoevangelikalen Gruppen und Gemeinden sind nur Transfergewinne aus Landeskirchen und vor allem – und dort inzwischen besonders schmerzlich – aus den traditionellen Freikirchen und dem immer weiter abmagernden Gnadauer Verband [Vereinigung Landeskirchlicher Gemeinschaften].

Das Schlimme daran ist für uns, dass die von uns oft selbst zugelassene Abwerbung nicht kirchliche Randsiedler betrifft, sondern unsere Kerngemeinde" [Zitat im unteren Teil ausführlicher]

Dr. Richard Ziegert (Juni 2003, Ev. Theologe, bis 2011 Beauftragter für Weltanschauungsfragen der Evangelischen Kirche der Pfalz, Die EKD-Kirchen angesichts der Globalisierung, Deutsches Pfarrerblatt, Nr. 6 - Juni 2003; S. 291 f.)

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"Ansatzweise zeigt sich auch in Europa, was in globaler Perspektive vielfach beobachtet werden kann: Christliches Leben scheint gegenwärtig am augenfälligsten in den von den historischen Kirchen und Denominationen mehr oder weniger unabhängigen Gemeinschaftsgruppen, Gemeinden und Kirchen zu pulsieren."

Dr. Reinhard Hempelmann (Dezember 2013, Leiter der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen - EZW Berlin, Stichwort. Neue freikirchliche Gemeinschaftsbildungen, EZW Materialdienst-Einzelheft 12/2013, S. 477)

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Azusa Street 312, Los Angeles, 1906 Ausgangspunkt d. pfingstlerischen Erweckungsbewegung


 

"Die Pfingstkirchen sind in rund 100 Jahren zur zweitstärksten christlichen Konfessionsfamilie nach der römisch-katholischen Kirche geworden. Die Ursachen für das rasante Wachstum besonders in Afrika, Asien und Lateinamerika versuchten die Teilnehmer einer Fachtagung zu ergründen, die das Konfessionskundliche Institut des Evangelischen Bundes vom 28. Februar bis 1. März im südhessischen Bensheim veranstaltete.

Wie es hieß, wird der Anteil der Pfingstler an den rund 2,4 Milliarden Christen auf 20 bis 25 Prozent beziffert; das wären 480 bis 600 Millionen. Die römisch-katholische Kirche mit 1,2 Milliarden Mitgliedern geht von 400 Millionen Pfingstlern aus. Genaue Zahlen seien nicht vorhanden, teilte der an der lutherischen Augustana-Hochschule in Neuendettelsau (Mittelfranken) lehrende Pfingstkirchenforscher, Privatdozent Moritz Fischer, mit.
Angaben aus pfingstkirchlichen Kreisen, dass zwischen 500 und 600 Millionen Mitglieder zur Bewegung gehörten, hält er wegen unklarer Statistiken und Doppelzählungen für zu hoch gegriffen.

Pfingstler betonen übernatürliche Wirkungen des Heiligen Geistes wie Krankenheilung, Prophetie und das Beten in „Zungen“, also in menschlich unverständlichen Lauten.

Nicht eindeutig benannt werden kann der Start der Pfingstbewegung, erläuterte der Professor für Ökumenische Theologie an der CVJM-Hochschule (Kassel), Christoph Raedel. Oft werde die Erweckung in einer ehemaligen Methodistengemeinde in der Azusa-Straße in Los Angeles (Kalifornien) im Jahr 1906 als Beginn genannt.
Diese Gemeinde habe drei Jahre lang täglich Gottesdienste gefeiert, bei denen die Besucher in Ekstase geraten seien und in „Zungen“ gebetet hätten. Man habe aber auch eine gute Medienarbeit betrieben, so dass weltweit in christlichen Kreisen über sie berichtet wurde.

Zudem hätten dort die damals in den USA noch üblichen Rassenschranken zwischen Schwarzen und Weißen keine Rolle gespielt. Die Azusa-Gemeinde habe mehrere Tausend Missionare in alle Welt entsandt, so Raedel.
Unabhängig davon sei es zeitgleich in anderen Weltregionen – etwa in Wales, Indien und Südafrika – zu ähnlichen Erfahrungen mit dem Heiligen Geist gekommen.

Nach Raedels Angaben ist die Bewegung deshalb erfolgreich gewesen, weil ihre Lehre stark christozentrisch geprägt war. Nicht die Kraftwirkungen des Heiligen Geistes hätten im Vordergrund gestanden, sondern Jesus Christus, der als Heiland, Täufer mit dem Heiligen Geist, Heiler und wiederkommender Herr verkündigt wurde. Dies sei bis heute das einende Merkmal aller Pfingstler.

Allerdings sei die Bewegung von Anfang an auf viel Widerspruch gestoßen. Weil Männer und Frauen im Gottesdienst ohnmächtig geworden und umgefallen seien, hätten Puritaner in den USA ihnen „sexuelle Ausschweifung“ vorgeworfen. Die schärfsten Kritiker hätten sie sogar als „Werk Satans“ bezeichnet.
Auch in Deutschland distanzierten sich 1909 die Pietisten in ihrer „Berliner Erklärung“ von der aufkommenden Pfingstbewegung. Erst 1996 wurden die Vorwürfe in der „Kasseler Erklärung“ zurückgenommen. Wie Raedel ferner sagte, sei es aber bereits zuvor in der amerikanischen Heiligungsbewegung zu ähnlichen ekstatischen Phänomenen gekommen.

Paul Metzger, Referent am Konfessionskundlichen Institut, meinte, dass die starke Betonung der „Geistestaufe“ in der Pfingstbewegung nicht dem Neuen Testament entspreche. Denn dies führe zur Abwertung der Wassertaufe. Die Taufe mit dem Heiligen Geist, die mit den übernatürlichen Geistesgaben einhergeht, sei biblisch „als eigenständiges Erlebnis schlecht belegbar“.
Dieser Auffassung widersprach der frühere Dozent am Theologischen Seminar des Bundes Freikirchlicher Pfingstgemeinden in Erzhausen bei Darmstadt, Richard Krüger. Die Pfingstbewegung sei entstanden, weil Menschen Erfahrungen mit Gott und dem Heiligen Geist gemacht hätten.

Wie Krüger der Evangelischen Nachrichtenagentur idea sagte, sind die pfingstkirchlichen Phänomene bis heute erlebbar, vor allem in muslimischen Ländern und in China. Selbst islamische Gelehrte kämen zum Glauben an Jesus Christus. Um sie nicht zu gefährden, verzichte man weitgehend darauf, Bekehrungszahlen und die betreffenden Länder zu veröffentlichen.

Der 1886 gegründete Evangelische Bund ist das konfessionskundliche und ökumenische Arbeitswerk der EKD. Seit 1947 unterhält er das Institut. Dem Bund gehören über 6.000 Einzelpersonen und Kirchengemeinden an."

Evangelische Nachrichtenagentur idea e.V. (1. März 2014, Konfessionskunde. Was die Pfingstbewegung wachsen lässt, www.idea.de)

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"Lutheraner wurde Pflingstler und jetzt Katholik"

"Einer der prominentesten freikirchlichen Pastoren Schwedens wird Katholik. Der 64 Jahre alte Ulf Ekman, Gründer und Leiter der Wort-des-Lebens-Gemeinde in Uppsala, gab seinen Übertritt in einem Gottesdienst am 9. März bekannt.

Der Pfingstpastor wechselt mit seiner Ehefrau Birgitta die Konfession. Als Gründe gab er an, dass er über zehn Jahre hinweg durch den Kontakt mit charismatischen Katholiken seine Vorurteile gegenüber „Rom“ abgelegt habe. [...]
Wie Ekman sagte, hat er in der katholischen Kirche eine „große Liebe zu Jesus“ festgestellt, verbunden mit gesunder biblischer Lehre."

Evangelische Nachrichtenagentur idea e.V. (13. März 2014, Wechsel: Schwedischer Pfingstpastor wird Katholik, www.idea.de)

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"Mit einer ungewöhnlichen Botschaft hat sich Papst Franziskus [Jorge Mario Bergoglio] an amerikanische Pfingstler gewandt. In einem Handyvideo [http://youtu.be/NZ9Ssvs5cgY] bedauert er die Trennung der Kirchen. Er sehne sich nach Gemeinschaft mit seinen Geschwistern.

Wackelig und leicht unscharf ist das Video, das derzeit um die Welt geht und in dem sich das Oberhaupt der katholischen Kirche an eine Leiter-Konferenz christlicher Pfingstgemeinden in den USA wendet.
Er freue sich, dass die Christen sich versammelt hätten, um zu Gott zu beten und den Heiligen Geist zu empfangen, sagt der Papst, und weiter: „Das macht mich glücklich, weil wir sehen können, dass Gott überall in der Welt am Werk ist.“
Doch mit den verschiedenen Denominationen sei es wie mit Familien: Manche liebten einander, andere nicht. „Wir sind getrennt voneinander“, sagt er in der Botschaft an die Versammlung in der Kirche der Kenneth Copeland Ministries, einer Pfingstgemeinde in Texas. Die Sünde und viele Missverständnisse in der Geschichte hätten dazu geführt: „Wir sind alle Schuld daran.“

Er hoffe, dass diese Trennung endet und Christen verschiedener Richtungen Gemeinschaft haben könnten. „Ich sehne mich nach dieser Umarmung“, sagt er.

Christen müssten sich als Geschwister begegnen, egal, wie sie religiös oder kulturell geprägt seien. „Ich spreche zu euch als Bruder“, erklärt Franziskus und bittet die Pfingstler darum, für ihn zu beten. Auch er werde für sie beten. Gemeinsam sollten sie darum bitten, dass Gott die Kirchen vereinigt:

„Kommt schon, wir sind Brüder! Lasst uns einander eine spirituelle Umarmung geben und Gott das Werk vollenden, das er begonnen hat.“

Aufgenommen wurde das Video Medienberichten zufolge bereits im Januar im Vatikan. Ein langjähriger Freund des Papstes hat es aufgezeichnet: Tony Palmer, der Ökumene-Beauftragte der „Communion of Evangelical Episcopal Churches“, einer anglikanisch-christlichen Gemeinschaft.

Palmer überbrachte die Botschaft persönlich an die Pfingstkirche und nutzte die Gelegenheit zu einem Aufruf für mehr Ökumene. „Ich habe verstanden, dass Unterschiedlichkeit göttlich ist. Es ist die Trennung, die teuflisch ist“, sagte er und verwies auf die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre der Methodisten, Katholiken und Lutheraner aus dem Jahr 1999.
Sie besagt unter anderem, dass die Rechtfertigung vor Gott allein seiner Gnade entspringt und nicht von guten Taten abhängig ist. „Brüder und Schwestern, Luthers Protest ist vorbei. Ist es eurer auch?“, fragte Palmer. Bis heute trage keine evangelikale Gruppierung die Gemeinsame Erklärung mit. „Ich glaube, das ist etwas, das behoben werden muss“, forderte er.

Im Anschluss an das eingespielte Video des Papstes erhoben sich die versammelten Pfingstler zum Gebet für das Kirchenoberhaupt, wie eine weitere Aufnahme zeigt. Am Ende bat der Pastor und Fernseh-Prediger Kenneth Copeland den Ökumene-Beauftragten Palmer, ebenfalls eine Videobotschaft für den Papst aufzuzeichnen. Darin sagt er: „Wir segnen Sie mit all unserer Kraft – und wir danken Gott für Sie."

Medienmagazin pro (24. Februar 2014, Papst umarmt Pfingstler, www.pro-medienmagazin.de)

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"Papst Franziskus [Jorge Mario Bergoglio] hat in einem gemeinsamen Youtube-Auftritt [http://youtu.be/NZ9Ssvs5cgY] mit einem Bischof der evangelikalen Pfingstler-Bewegung seinen Wunsch zur Einheit mit allen Christen geäußert und die katholische Kirche für Spaltungen mitverantwortlich gemacht.

In seinem Arbeitszimmer im Gästehaus der Heiligen Martha sprach der Papst auf Italienisch in eine wackelnde Handykamera. Franziskus sagte, es sei sinnlos zu fragen, wer für die Spaltungen verantwortlich sei: „Wir sind es alle. Wir sind alle Sünder. Es gibt nur einen, der Recht hat, und das ist unser Gott”.

Der Papst äußerte, er bete zu Gott, „dass er uns wieder vereint“. Bisher hatte sich der Papst vor allem über den Wunsch engerer Bindungen zu orthodoxen Kirchen geäußert. Dass er sich jetzt mit dem evangelikalen Bischof Anthony Palmer in einem Video an eine Leiter-Konferenz von Pfingstgemeinden in Texas wendete, gilt in der Kurie als Sensation.
Palmer ist Ökumenebeauftragter der „Communion of Evangelical Episcopal Churches“, einer anglikanischen Gemeinschaft. Palmer kennt den Papst aus dessen Zeit als Erzbischof von Buenos Aires.

Mit den verschiedenen Denominationen sei es wie mit Familien, sagte der Papst. „Wir sollten voranschreiten. Wir sind Brüder.“ Man solle einander umarmen und sich öffnen, damit Gott das Werk beenden könne. „Ich habe noch nie gesehen, dass Gott Wunder tat, ohne sie abzuschließen“."

Dr. Jörg Bremer (25. Februar 2014, Historiker, FAZ-Korrespondent für Italien und den Vatikan, Youtube-Ansprache: Papst macht katholische Kirche mitverantwortlich für Spaltungen, Frankfurter Allgemeinen Zeitung, www.faz.net)

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Kardinal Kurt Koch

Kardinal Prof. Dr. Kurt Koch

 


"Man muss sich darüber im Klaren sein, dass der Pentekostalismus [Pfingstbewegung], also die pentekostalischen Bewegungen und die Pfingst-Kirchen, zahlenmäßig die zweitgrößte Realität in der Christenheit nach der römisch-katholischen Kirche sind. Man muss also von einer Pentekostalisierung des Christentums reden oder vielleicht sogar von einer vierten Form des christlichen Lebens: einer katholischen, einer orthodoxen, einer protestantischen und einer pentekostalischen Form.

Dass der Heilige Vater den Kontakt mit diesen Gruppierungen sucht, ist etwas sehr Positives. Diesbezüglich hat er in Argentinien, wo die pfingstlerischen und evangelikalen Strömungen sehr lebendige Wirklichkeiten sind, persönliche Erfahrungen machen können. Ich bin deshalb überzeugt, dass er uns in diese Welt hinein Türen öffnen kann, die bisher verschlossen gewesen sind. […]

Wir sind bereits im Gespräch mit der WEA, der „World Evangelical Alliance“. Wir haben Konsultationen mit den Pentekostalen. Wir können den Dialog aber nur mit solchen führen, die einen Dialog auch wollen, und da verspreche ich mir, dass Papst Franziskus die Herzen verschiedener Menschen in diesen Bewegungen öffnen kann, so dass ein Dialog vermehrt möglich wird."

Kardinal Prof. Dr. Kurt Koch (26. September 2014, Ein Papst, der Türen und Herzen öffnet, www.die-tagespost.de)"

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"Zu den Pfingstkirchen und der ihnen verwandten charismatischen Bewegung zählen nach Schätzungen weltweit rund 600 Millionen Menschen. Sie betonen besonders die Gaben des Heiligen Geistes wie Prophetie, Krankenheilung sowie das Beten und Reden in fremden Sprachen („Zungen“), also in nur Gott verständlichen Lauten (Glossolalie). Das geschah zuerst bei der Ausgießung des Heiligen Geistes an Pfingsten."

Evangelische Nachrichtenagentur idea e.V. (26. Mai 2015, Empowered21 in Jerusalem. Weltkongress der Pfingstler: Geistesgaben weitergeben!, www.idea.de)

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"Gehen „Rom“ und Evangelikale zusammen?" […]

"Die mit 1.200 Millionen Mitgliedern größte Kirche, die katholische, ist auf den stärksten protestantischen Block zugegangen, die rund 400 Millionen Mitglieder von Pfingstkirchen. Papst Franziskus bat letzte Woche beim Besuch einer Pfingstgemeinde nahe Neapel als „Hirte der Katholiken“ für jene unter seinen „Schafen“, die Pfingstler verurteilt haben, öffentlich um Vergebung. […]

Doch es geht offensichtlich nicht nur um den größten Teil der evangelikalen Bewegung, den die erst vor über 100 Jahren entstandene Pfingstbewegung bildet, sondern um die etwa 600 Millionen Evangelikalen insgesamt. Entsprechend titelte Radio Vatikan: „Vergebungsbitte des Papstes an Evangelikale“. Fest steht, dass sich theologisch konservative Protestanten (also Evangelikale) und „Rom“ in Gestalt der letzten beiden Päpste noch nie so nahestanden. Dazu beigetragen hat vor allem Papst Benedikt XVI., dessen drei Jesus-Bücher von evangelikalen Theologen als rundweg bibeltreu bezeichnet wurden.

Könnten sich nun die beiden größten Ströme der Weltchristenheit – Katholiken und Evangelikale – zusammentun? Das wäre weder praktikabel noch im Augenblick theologisch möglich. Denn so wie es unbiblische Erscheinungen innerhalb der Pfingstbewegung gibt (besonders in Brasilien mit einem Wohlstandsevangelium mit geradezu antichristlichen Folgen), so gibt es Teile der katholischen Lehre und Kirche, die ebenso dem biblischen Zeugnis diametral entgegenstehen (wie beispielsweise der Heiligen- und Marienkult in südlichen Ländern).

Neu jedoch ist, dass Benedikt XVI. und Franziskus, wie selten Päpste zuvor, betonen, dass der gekreuzigte, auferstandene und wiederkommende Christus das alleinige Zentrum der Kirche ist. Und hier ist die groteske Situation für Evangelikale in den Landeskirchen entstanden, dass ihnen in der entscheidenden Lehre – der von Christus – diese beiden Päpste näherstehen als leider viele evangelische Kirchenleiter in Deutschland" […]

Pfarrer Helmut Matthies (6. August 2014, Leiter der Evangelischen Nachrichtenagentur idea, Kommentar: Gehen „Rom“ und Evangelikale zusammen?, ideaSpektrum 32/33.2014, Seite 3)

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Pfarrer Helmut Matthies, Leiter der Ev. Nachrichtenagentur idea

 


"Der Generalsekretär der Weltweiten Evangelischen Allianz, Geoff Tunnicliffe (New York), sieht eine neue Ära in den Beziehungen zwischen Evangelikalen und Katholiken anbrechen. Das sagte er bei einer Begegnung zwischen Vertretern des evangelikalen Dachverbandes und der römisch-katholischen Kirche am 6. November im Vatikan. Dazu hatte Papst Franziskus eingeladen.

Nach Tunnicliffes Worten arbeiten beide Seiten auf einigen Gebieten bereits erfolgreich zusammen, etwa beim Engagement gegen Menschenhandel und gegen die Verfolgung religiöser Minderheiten in weiten Teilen der Welt. Je stärker Christen kooperierten, desto größer sei ihr Einfluss in der Gesellschaft, zeigte sich Tunnicliffe überzeugt.

Er plädierte dafür, ein Papier zu erarbeiten, das sowohl theologische Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede zwischen Evangelikalen und Katholiken benenne. Das könne sowohl für Kirchenmitglieder als auch für Suchende hilfreich sein. Tunnicliffe ermutigte Papst Franziskus, bei seinen Reisen auch künftig Vertreter der evangelikalen Bewegung zu treffen. Ende Juli hatte der Papst die evangelikal-pfingstkirchliche Versöhnungsgemeinde in Caserta bei Neapel besucht und dabei um Vergebung gebeten für Fehler, die Katholiken der Pfingstbewegung gegenüber begangen haben. [...]

Die Weltweite Evangelische Allianz vertritt nach eigenen Angaben rund 600 Millionen Evangelikale in 128 Ländern. [...]

Auch Papst Franziskus sprach sich bei der Audienz im Vatikan für eine engere Zusammenarbeit zwischen der römisch-katholischen Kirche und der Weltweiten Evangelischen Allianz aus. Beide Seiten könnten sich gegenseitig inspirieren und voneinander lernen.
Der theologische Dialog zwischen dem vatikanischen Einheitsrat und der weltweiten Vertretung der Evangelikalen habe bereits „neue Perspektiven eröffnet, Missverständnisse ausgeräumt und Wege zur Überwindung von Vorurteilen gewiesen“, erklärte Franziskus.

Zugleich beklagte er die bestehenden Spaltungen innerhalb der Christenheit und die anhaltenden Konflikte zwischen ihren Gemeinschaften. Dieser Zustand schwäche das christliche Zeugnis in der Welt: „Die Wirksamkeit der christlichen Verkündigung wäre zweifellos größer, wenn die Christen ihre Spaltungen überwinden und gemeinsam die Sakramente feiern, das Wort Gottes verkünden und die Nächstenliebe bezeugen könnten.“ Vonseiten der Allianz nahmen aus Deutschland der Theologe Thomas Schirrmacher und seine Frau, die Islamwissenschaftlerin Christine Schirrmacher (beide Bonn), teil."

ideaSpektrum (13. November 2014, Neue Ära: Evangelikale und Katholiken. ÖKUMENE Papst Franziskus empfing Vertreter des evangelikalen Dachverbandes Weltweite Evangelische Allianz im Vatikan, ideaSpektrum 46/2014, S. 12)

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Allianzchef Dr. Tunnicliffe und Papst Franziskus (2014)

 


"Papst Franziskus ist in der mehrheitlich protestantischen US-Bevölkerung binnen eines Jahres zur führenden religiösen Persönlichkeit geworden. Das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche ist 62 Prozent aller Erwachsenen bekannt.

Der 77 Jahre alte Argentinier lässt damit den 95-jährigen baptistischen Evangelisten Billy Graham knapp hinter sich, der einen Bekanntheitsgrad von 60 Prozent erreicht. Mit deutlichem Abstand – 49 Prozent – folgt das Oberhaupt des tibetischen Buddhismus, der Dalai Lama (78). Das geht aus einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Barna (Ventura/Kalifornien) unter mehr als 1.000 Erwachsenen hervor.

Die meisten US-Amerikaner (54 Prozent) haben eine gute Meinung vom Papst; 26 Prozent nehmen eine neutrale Haltung ein, und sieben Prozent sehen ihn kritisch. Die übrigen trauen sich nach der bisher einjährigen Amtszeit noch keine Bewertung zu.
Praktizierende Katholiken sehen den Papst fast einhellig (98 Prozent) positiv. Doch lediglich 45 Prozent der protestantischen Kirchgänger stehen ihm wohlwollend gegenüber; bei den Evangelikalen sind es nur 37 Prozent."

Evangelische Nachrichtenagentur idea e.V. (22. März 2014, USA - Der Papst ist der bekannteste Religionsführer, www.idea.de)

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"Papst Franziskus zeigt gegenüber Evangelikalen keine Berührungsängste. Beim Besuch eines Elendsviertels von Rio de Janeiro (Brasilien) während des Weltjugendtags begegnete das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche auch dem Pastor einer Pfingstgemeinde. Den weltweit wachsenden Pfingstkirchen laufen besonders in Brasilien Scharen von Katholiken zu. [...]

Wie aus einer am 18. Juli veröffentlichten Langzeitstudie des US-amerikanischen Forschungsinstituts Pew Forum (Washington) hervorgeht, sind zwar immer noch rund 123 Millionen der mehr als 192 Millionen Brasilianer katholisch, doch ihr Bevölkerungsanteil ist seit 1970 von 92 Prozent auf 65 Prozent gesunken. Im selben Zeitraum stieg der Anteil der Protestanten von fünf auf 22 Prozent, der Nichtreligiösen von ein auf acht Prozent und der Anhänger andere Religionen von zwei auf fünf Prozent."

Evangelische Nachrichtenagentur idea e.V. (27. Juli 2013, Weltjugendtag: Papst zeigt keine Scheu vor Evangelikalen, www.idea.de)

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"Die römische Kirche verliert den sogenannten Kontinent der Hoffnung. [...] Südamerika wendet sich vom Katholizismus ab, die Kirche verliert täglich Tausende Männer und Frauen. [...]

Seit Anfang der achtziger Jahre hat Lateinamerika etwa ein Viertel der Gläubigen verloren. Wo gehen die hin? Sie gehen in die evangelikalen Gemeinden, zu den Pfingstlern, die von den großen US-amerikanischen Geldgebern geschickt und finanziert werden, um den alten Traum des US-Protestantismus verwirklichen: Endlich dem 'päpstlichen' Aberglauben auf dem Kontinent ein Ende zu setzen."


Dr. Vittorio Messori (14. März 2013, Historiker und Schriftsteller, italienische Tageszeitung: Corriere della sera, in: Presseschau zur Papstwahl: "Schon wieder die Hand Gottes!", www.spiegel.de, Stand 14.03.2013)

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"Nachdem die Anhängerzahlen der Protestanten und Pfingstler [http://de.wikipedia.org/wiki/Pfingstler] in den letzten dreißig Jahren in die Höhe geschnellt sind, sind die katholischen Würdenträger zunehmend reizbarer und aufgebrachter geworden.

Mit Unterstützung des Vatikans werden lateinamerikanische Bischöfe nicht müde, die Zunahme von „Sekten“ zu verurteilen, einem Begriff, der nach römischem Sprachgebrauch eine gefährliche Randbewegung bezeichnet, was die amerikanischen Medien eher als Kult betiteln würden.

1992 warnte Papst Johannes Paul II. den Rat der lateinamerikanischen Bischöfe CELAM vor diesen „reißenden Wölfen“. Er sagte auch, dass die Evangelikalen sich wie eine Ölspur über die Region verbreiten und drohen, die Glaubensstrukturen in zahlreichen Ländern zu zerstören.

Der Journalist Diego Cevallos beschrieb die giftige Rhetorik, die zum Gemeinplatz geworden ist: „«Man muss schamlos sein, um Protestant zu sein,» erklärte der Kardinal von Guadalajara, Mexiko, Juan Sandoval Iñiguez, und der frühere päpstliche Nuntius in Mexiko, Girolamo Prigione, bemerkte, «diese Sekten sind wie Fliegen, die man mit der Zeitung totschlagen muss».”

Der honduranische Kardinal Oscar Rodríguez verglich die neuevangelischen Kirchen mit „einer Unternehmensneugründung … Dafür reicht es, eine Kirche zu eröffnen, und wenn es nur eine Garage ist.
Dabei zählen nur zwei entscheidende Faktoren: das Unternehmen ist anti-katholisch und verlangt einen Obolus. Damit wird es zu einem sehr lohnenden Geschäft. Man braucht keine theologische Ausbildung oder sonstige Vorbereitung. Es genügt, die Bibel in die Hand zu nehmen und irgendetwas zu sagen, Hauptsache die Gelder fließen.”

Noch schlimmer, die Evangelikalen werden bisweilen als ein Gringo Export [http://de.wikipedia.org/wiki/Gringo] bezeichnet. Eine brasilianische Studie über die neuen Kirchen trägt den Titel Os Demônios Descem Do Norte, „Die Dämonen kommen aus dem Norden.“ ...

"Andrew Chesnut stellt fest: „Die Katholische Kirche entschied sich für die Armen, aber die Armen entschieden sich für die Pfingstler“, sehr zum Ärgernis der Kirche."

Prof. Dr. Philip Jenkins (2. Mai 2006, Lehrstuhl für Religionswissenschaft an der Pennsylvania State University, USA. Referat: Verbreitung des Christentums – Wachstumstrends und Rückgangs-tendenzen. Vortrag beim Missionskongress 2006, http://dbk.de)

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Pew Research Center’s Forum on Religion & Public Life, Global Christianity, December 2011, S. 21.

 

Pew Research Center’s Forum on Religion & Public Life, Global Christianity, December 2011, S. 17 u. 67.

 


Zeitzeichen: "Weltweit wächst ja nicht ein aufgeklärter Protestantismus, wie er in Deutschland oder in West- und Nordeuropa verbreitet ist, sondern die Pfingstbewegung. Rechnen Sie damit, dass sie auch nach Deutschland überschwappt?"

Wolfgang Huber: "Ich halte es durchaus für möglich, dass die Pfingstkirchen auch in der religiös gemäßigten Zone Europas Resonanz finden, wenn auch sicher nicht so intensiv wie in Lateinamerika oder in Afrika.
Aber unabhängig davon, wie schnell und intensiv die Pfingstler ihre Präsenz bei uns verstärken können, müssen wir als evangelische Kirche schon vorher die Sehnsucht der Menschen verstehen und aufnehmen, die die Pfingstkirchen ansprechen.
Ich kann nicht einsehen, dass es ein besonderes Markenzeichen evangelischer Kirchen sein sollte, Gottesdienste so zu feiern, dass junge Leute sich in ihnen nicht zu Hause zu fühlen.

Genauso, wie mir die anlassbezogenen Gottesdienste neben dem Sonntagsgottesdienst wichtig sind, und genauso, wie mir wichtig ist, dass evangelische Gottesdienste zwischen Flensburg und Garmisch-Partenkirchen als evangelische Gottesdienste erkennbar sind, plädiere ich dafür, in der Gottesdienstgestaltung die Spielräume zu nutzen, die wir haben - und zwar besser als bisher.
Dazu gehören Gottesdienste, die auf Zielgruppen ausgerichtet sind, zum Beispiel auf junge Menschen, und die alle Sinne ansprechen, nicht nur das Gehör. An diesem Punkt kann man von den Pfingstkirchen lernen. Deren Gottesdienste sind oft näher an der Lebenswirklichkeit der Menschen als unsere Gottesdienste.

Das schließt eine theologische Kritik mancher Botschaften der Pfingstkirchen nicht aus, zum Beispiel an der Vorstellung, dass dem Menschen alles gelingt, wenn er nur kräftig genug betet. Da wird das Scheitern, das auch zu den fundamentalen Lebenserfahrungen gehört, vollkommen ausblendet.
Wir müssen in Europa vor der Pfingstbewegung keine Angst haben, wenn wir uns rechtzeitig, schon jetzt, mit ihr auseinandersetzen und ihre Impulse aufnehmen, statt darauf zu warten, dass sie irgendwann einmal bei uns übermächtig wird."

Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber (26. August 2009, 2003-2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, 1994-2009 Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Mein Glaube ist ganzheitlicher geworden: Gesrpäch mit dem scheidenden EKD-Ratsvorsitzenden Wolfgang Huberzeitzeichen Oktober 10/2009, http://zeitzeichen.net)

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Prof. Dr. Christoph Levin, Uni München

 


"Die wissenschaftliche Exegese hat die Aufgabe, den jüdischen und den christlichen Glauben vor dem religiösen Fundamentalismus zu bewahren, der sich auf die Bibel wie auf einen papierenen Fetisch beruft."

Prof. Dr. Christoph Levin (2001, Ev. Theologe, Lehrstuhlinhaber Altes Testament I - Ludwig-Maximilians-Universität München, Das Alte Testament, München 2006, S. 124)

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"Das Problem des Fundamentalismus besteht vor allem darin, dass er seinem Wesen nach eine Theorie intellektueller Verstocktheit ist und dem Aberglauben näher steht als der Theologie.

Der Fundamentalismus ist, wenn es um die Bibel geht, unbelehrbar, dialogunfähig und scheidet schon deshalb als ernsthafter Gesprächspartner für den alle paar Jahre in unseren Kreisen aufbrechenden Streit um das Schriftverständnis aus. […]

Wo immer man auch anfängt, konkreter und ernsthaft über das fundamentalistische Verständnis biblischer Inspiration nachzudenken, wird der ganze Unfug dieser Theorie nur umso deutlicher und absurder, die keinen anderen Zweck hat, als sich gegen kritische Anfragen von vornherein zu immunisieren und sich in ein ideologisches Nirwana zu verabschieden. Eine Art Wahabismus des Christentums. […]

Denn den Vater Jesu Christi für alles Morden und jede Bosheit verantwortlich zu machen, die in seinem Namen in der Bibel geschahen, hieße einen [Auslassung] zu verehren […] So sind etwa die im Zusammenhang der „Landnahme" durch die Israeliten vollzogenen Vernichtungsorgien an den Kanaanäern (Jos 1-11) - gottlob - gar nicht geschehen. […]

Auch die Überlieferungen der Erzväter Abraham, Isaak und Jakob, die kaum wirklich miteinander „verwandt" waren oder auch nur denselben Gott verehrten, verweisen historisch nicht auf die Zeit vor der Staatsgründung. […]

Es kann noch nicht einmal als gesichert gelten, dass der salomonische Tempel wirklich dem Gott [wir lassen hier den Namen Gottes aus] geweiht war. Vieles spricht dagegen, etwa die durchgängig El- oder Baalhaltigen Namen in Israel während [wir lassen hier den Namen Gottes aus], der ursprünglich wohl ein midianitischer Kriegs- und Wettergott war, wurden nun auch die Eigenschaften aller anderen und einst neben [wir lassen hier den Namen Gottes aus] verehrten Götter, zugeschrieben. […] [Anmerkung: Der Beweis für die im Text genannten Hypothesen steht noch aus.]

So hat die Religionsgeschichte eine die Gewissen entlastende Funktion, indem sie religiöse Vorstellungen der Bibel kontextualisiert und damit auch relativiert. Ohne solche notwendigen Relativierungen wird der Glaube Ideologien aller Art empfänglich sein.

Darum dürfen wir als Theologinnen und Theologen die Bibel nicht allein den theologischen Laien überlassen, deren manchmal schlichte Schrifterkenntnis einer Ideologisierung der Bibel Tür und Tor öffnen und in die Tyrannis der Unkundigen münden kann. "

Prof. Dr. theol. Kim Strübind (Mai 2008, Lehrstuhlverwalter Altes Testament - Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Warum die Bibel (nicht immer) Recht hat. Auf dem Weg zu einem „Schriftverständnis“ zwischen Fundamentalismus und Religionsgeschichte, Zeitschrift für Theologie und Gemeinde (ZThG) − 13. Jahrgang 2008, Verlag der GFTP e.V., Hamburg, S. 32–44)

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"In ihrem Bemühen, die ideale Ordnung der Urgemeinde wiederherzustellen, erweisen sich Fundamentalisten als Reformatoren religiöser Praktiken und Autoritätsstrukturen. Gestützt auf eine bemerkenswerte Mobilisierung religiöser Laien bildet sich eine neue Schicht von Predigern und Geistlichen heraus. [...]

Max Weber hat einst den religiösen Laienrationalismus als ein zentrales Element in Prozessen ethischer Rationalisierung identifiziert. Wenn er Recht hat, dann könnte die Mobilisierung religiöser Laien den interessantesten und auf Dauer kulturell folgenschwersten Aspekt der fundamentalistischen Erneuerung der Religionen darstellen."

Prof. Dr. Martin Riesebrodt (1. Dezember 2003, Soziologe, Martin Riesebrodt: Die fundamentalistische Erneuerung der Moderne - Fundamentalismus als Mobilisierung religiöser Laien, in: Kilian Kindelberger (Hrsg.): Fundamentalismus. Politisierte Religionen. Brandenburgische Landeszentrale für Politische Bildung, Potsdam 2004, S. 22 f.)

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"Das Urchristentum hat seine Lehre auch nicht „demokratisiert", sondern die Verantwortung dafür Aposteln, Propheten und Lehrern übertragen, was eine frühe Spezialisierung in den Gemeinden voraussetzt. […]

Älteste gerieren sich gerne als „religiöse Experten" der Gemeinde, auch wenn sie es de facto nicht sind, und den Pastorinnen und Pastoren sowohl hinsichtlich ihrer theologischen Kompetenz als auch ihrer pastoralen Berufserfahrung in professioneller Hinsicht gar nicht ebenbürtig sein können - dies betrifft besonders Fragen der Lehre und der Auslegung der kirchlichen oder gemeindlichen Traditionen.

Hinter der hybriden Annahme, Älteste seien eine Art Pastorinnen und Pastoren „nur ohne theologische Ausbildung", verdeckt eher die Probleme, als sie zu lösen. Hinter einer solchen Annahme verbirgt sich der Stolz einer Laienkirche, die das theologische und seelsorgerliche Amt und die dafür erforderliche Professionalität traditionell unterschätzt. […]

Für Fundamentalisten ist die Bibel nicht geschrieben, sondern für Menschen, die sich nach Immanuel Kant nicht scheuen, „sich ihres Verstandes ohne Hilfe (oder besser: Bevormundung) anderer zu bedienen"."

Prof. Dr. theol. Kim Strübind (Mai 2008, Lehrstuhlverwalter Altes Testament - Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Warum die Bibel (nicht immer) Recht hat. Auf dem Weg zu einem „Schriftverständnis“ zwischen Fundamentalismus und Religionsgeschichte, Zeitschrift für Theologie und Gemeinde (ZThG) − 13. Jahrgang 2008, Verlag der GFTP e.V., Hamburg, S. 32–44)

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Prof. Dr. Kim Strübind, Uni Oldenburg

 


"Der Baptistenpastor Dr. Kim Strübind [Wechsel zur Evangelischen Kirche 2012] … bezeichnete manche angeblich bibeltreue Überzeugungen als  »kollektive Verdummung«."

www.portal-oncken.de (7. Oktober 2005, Jahrestreffen der Gesellschaft für Freikirchliche Theologie und Publizistik (GFTP) in Berlin, Was heißt heute bibeltreu? Freikirchliche Theologen gegen »kollektive Verdummung«. www.portal-oncken.de/news/newsarchiv.php?lfdnr=1582, Stand 7. Oktober 2005)

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"Die Berufung von Fundamentalisten auf die absolute Geltung offenbarter Wahrheiten steht zweifellos in Widerspruch zu unseren Kriterien von Vernunft."

Prof. Dr. theol. Hans Gerhard Kippenberg (1996, Ev. Theologe, Fundamentalismus: es herrscht Klärungsbedarf. Nachwort zu M.E.Marty / R.S. Appleby, Herausforderung Fundamentalismus. Radikale Christen, Moslems und Juden im Kampf gegen die Moderne. Frankfurt: Campus 1996, S. 230)

Diskussion


"Vieles an der biblischen Überlieferung ist heute wunderlich und geradezu peinlich."

"Wir brauchen nur ... an die strikte Verurteilung homosexueller Praktiken, an die legendären Ausschmückungen der Weihnachts-, Oster- oder Himmelfahrtsgeschichten, an die vorwissenschaftlichen Schöpfungserzählungen, an Brutalitäten und Menschenrechtsverletzungen im Namen Gottes (z. B. bei der „Landnahme“) und die schier unüberwindliche Schwierigkeit, biblische Erzählungen und historische Ereignisse in Einklang zu bringen.

Eine Kirche die heute „aggiornamento“ sagt, muss deshalb Antwort geben können, ob und wie biblische Verankerung und moderne Wissenschaft in Übereinstimmung gedacht werden können.

Es ist doch kein Zufall, dass heute (!) besonders in bibelfesten und sogenannten „bibeltreuen“ Kreisen der Kampf gegen Evolutionstheorie, Frauenemanzipation und Bibelwissenschaft wieder so heftig entbrannt ist. …

Der Weg des Fundamentalismus scheidet aus!"


Dr. theol. Dietmar Lütz (Mai 2008, Pastor Oncken-Gemeinde Hamburg, 1996 - 2006 Freikirchen-Referent und Geschäftsführer des Ökumenischen Rates Berlin-Brandenburg, 2000 – 2007 Beauftragter der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) am Sitz der Bundesregierung, "Aggiornamento" − Aufbruch ins Heute. Kirche im 21. Jahrhundert,
Zeitschrift für Theologie und Gemeinde (ZThG) − 13. Jahrgang 2008, Verlag der GFTP e.V., Hamburg)

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Bild: Zentrum für evangelische Predigtkultur - Reformzentrum der EKD: Kirche im Aufbruch (2014)

"Wir haben uns von dem französischen Soziologen Bruno Latour zu einer Fastenaktion inspirieren lassen. Er schlägt in seinem Buch „Jubilieren“ vor, in der religiösen Rede auf diese großen Worte für eine bestimmte Zeit zu verzichten – „nicht weil die Worte an sich schlecht wären, sondern weil uns ihr Sinn abhanden gekommen ist“. Deswegen fordern wir Predigerinnen und Prediger an den Sonntagen in der Passionszeit 2014 zu einem Fasten in der Predigt auf." (www.ekd.de/zentrum-predigtkultur, www.ohne-grosse-worte.de, Stand Februar 2014)

 


"Homophob, selbstgerecht, geistig arm: Die Evangelikalen sind die Buhmänner unter den Christen. Die Wirklichkeit ist ein bisschen komplizierter.

Die Evangelikalen sind aus unterschiedlichen Gründen in weiten Kreisen unpopulär, und natürlich sind sie selbst schuld daran. Schlecht zu ertragen ist aber die Arroganz, mit der man ihnen begegnet, sei es – diskret – in der Volkskirche, sei es weniger diskret im säkularen Rest.

Die Evangelikalen, das sind in den Augen der meinungsbildenden Akademiker und Halbbildungsbürger die Naiven unter den Religiösen, diejenigen, die noch nicht zu den Segnungen der Abstraktion gefunden haben, geistig Arme, die mehr Spektakel brauchen und buntere Bilder.

Soweit der einfache Teil. Der schwierigere: Der Begriff „evangelikal“ ist ungefähr so weit wie „gläubig“.

Es gibt evangelikale Gemeinden in der Landeskirche, für den früheren EKD-Ratsvorsitzenden Huber bedeutet evangelikal schlicht die Fortsetzung des Pietismus, andere sagen, dass es das ist, was man früher fromm genannt hätte.
Und dann gibt es evangelikale Gemeinden, deren Weltbild die Größe einer Schuhschachtel hat, die freudige Koalitionäre von homophoben Rechtsaußen sind.

[...] vor allem aber zeigt es, dass ein Hamburger Pfarrer, dessen Gemeinde zur Landeskirche gehört, aber evangelikale Anteile hat, die Sache trifft, wenn er sagt: „Es ist sonderbar, wenn ich Christ bin, aber so tue als sei ich gar nichts.“
Für ihn ist Christentum eben keine philosophische Größe, die vor allem eine sympathische und gesellschaftlich förderliche Ethik nach sich zieht, sondern die Erfahrung von „Gottes Liebe, der eine Beziehung zu uns hat“.

Die Amtskirche, zumindest in ihrer norddeutsch-nüchternen Variante, bekommt Ausschlag bei solchen Gefühlsaufwallungen. Ihr Zentrum für Predigtkultur hat gerade empfohlen, auf große Worte wie Gott und Jesus in der Fastenzeit zu verzichten, da deren Inhalte „ausgewandert“ seien. [siehe Abbildung oben]

Die Evangelikalen sind der Stachel im Fleisch der Kirche, das macht sie nicht beliebt, notwendig sind sie trotzdem."

Friederike Gräff (14. Februar 2014, Redakteurin - taz Hamburg, freie Mitarbeiterin u.a. für ZEIT u. Süddeutsche, Christlicher Fundamentalismus, Stark im Glauben, www.taz.de)

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Friederike Gräff, Redakteurin - taz Hamburg

 


"»Bibeltreue« ist ein Kampfbegriff gegen die historisch-kritisch arbeitende Theologie. Auch die deutschen evangelischen Fundamentalisten (die neuerdings betonen, keine Fundamentalisten zu sein) - etwa jene von der Deutschen Evangelischen Allianz - berufen sich auf die in den USA ab 1910 erschienenen »Fundamentals«.

Daher kommt der Name. Als die fünf Fundamente des christlichen Glaubens wurden damals zusammengefasst:

Die Irrtumslosigkeit der Bibel,
die Gottheit Jesu Christi und seine Geburt von einer Jungfrau,
der Tod Jesu zur Sühne für die Sünden der Menschheit,
die leibliche Auferstehung Jesu, und
die Wiederkunft Christi.

Keine dieser Vorstellungen ist heute in der seriös forschenden Theologie unbestritten. Wenn ich von Fundamentalismus spreche, dann im Sinne dieser Definition.

Infolge der Kirchenpolitik des ehemaligen EKD- Ratsvorsitzenden Wolfgang Huber, der sich dessen öffentlich rühmt, sind die Fundamentalisten in Deutschland im Zentrum der Evangelischen Kirche angekommen. Ich sehe es umgekehrt: Die Evangelische Kirche ist unter Wolfgang Huber in Richtung Fundamentalismus abgedriftet."

Martin Urban (23. September 2013, Physiker, Wissenschaftspublizist u. Sachbuchautor, Nikolaus Schneider, Martin Urban: Was kann man heute noch glauben? Ein Disput, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh, 2013, S. 39)

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"Nicht alles, was einem liberalen Theologen religiös nicht passt, ist deswegen Fundamentalismus."

Dr. Karsten Fischer (4. Februar 2009, Politikwissenschaftler, Fundamentalismus – ein brauchbarer Begriff? Veranstaltung des Forschungsbereichs "Religion und Politik" an der Berliner Humboldt-Universität, www.religion-and-politics.de, www.pro-medienmagazin.de)

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"Seit mehr als hundert Jahren gibt es die historisch-kritische Theologie. Aber deren Erkenntnisse werden nicht beachtet. Das würde die gerne zitierten “geistlich Armen” beleidigen. Wenn diese Frömmsten der Frommen erfahren würden, wie brüchig die Fundamente ihres Glaubens sind, dann würden auch noch diese letzten Kirchgänger fortbleiben. [...]

Wolfgang Huber [2003 - 2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland] hat seine Kirche überdies den historisch-unkritisch bibeltreuen Fundamentalisten – den Evangelikalen, den Pietisten – geöffnet ... Die Brüchigkeit der Fundamente zeigt sich in der wissenschaftlich fundierten Deutung insbesondere der Bibel, des wirkmächtigsten Buchs der Weltgeschichte. Wer sie einfach nur liest, muss sie missverstehen, und das nicht erst seit heute."

Martin Urban (13. November 2009, Physiker, Wissenschaftspublizist u. Sachbuchautor, Der Außenseiter Vernunft. In der Amtskirche bleibt die kritische Theologie unerwünscht, Feuilleton, Süddeutsche Zeitung Nr.262, 13. November 2009 , S. 13)

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Martin Urban

 


"Manfred Kock (Ratsvorsitzender der EKD von 1997-2003) gab den Evangelikalen noch zu verstehen, sie seien verzichtbar. In einem Interview, ausgerechnet mit dem evangelikalen Stammblatt Idea-spektrum zeigte er sich gelassen. Wenn die Evangelikalen behaupteten, „die Landeskirchen seien so liberal, dass wir nur noch zum Ausmarsch blasen können, dann sollten sie auch konsequent sein und ausziehen.“ [Kock, Manfred 1998, Interview in idea-Spektrum Nr. 12 (1998), S. 14-17]

Wolfgang Huber, von 2003 bis 2009 Ratsvorsitzender der EKD, erkannte die Bedeutung der Evangelikalen innerhalb seiner Kirche. Er, der ausgewiesene Liberale, versuchte eine erfolgreiche Umarmungsstrategie.

Er band Gruppen und Personen in den kirchlichen Dienst ein, fand lobende Worte für evangelikale Initiativen (Großevangelisation ProChrist) und hinterließ den Eindruck, er hätte selbst eine innere Wandlung durchgemacht. Nähe und Sympathie der Evangelikalen erreichte er z. B. durch die Berufung des evangelikalen Vorzeigepredigers Ulrich Parzany als Prediger an die Berliner Gedächtniskirche im Jahr 2006.

Das Verhältnis der Evangelikalen zu den Landeskirchen wird ein Spannungsfeld bleiben."

Dr. Michael Hausin (September 2010, Politikwissenschaftler, Staat, Verfassung und Politik aus der Sicht der Evangelikalen Bewegung innerhalb des deutschen Protestantismus, Dissertation 1999, Grin Verlag: September 2010 (Überarbeitung), ISBN-13: 978-3640709601)

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Dr. Wolfgang Huber: "Wenn ich … für missionarische Aktivitäten eintrete, dann erlebe ich ja manche, die mir deswegen sagen: Wolfgang Huber ist offenbar evangelikal geworden, weil er für Mission ist. Da haben wir eine ungeheure Verdrehung der Debatte. […]

Also wenn da jemand sagt: ich mache mir Sorgen, dass junge Leute in eine andere Gemeinde gehen, weil sie eine andere, eine intensivere, eine fröhlichere Form von Frömmigkeit suchen, dann hat das zwei mögliche Antworten.
Die eine heißt, ich versuche in meiner eigenen Gemeinde jugendgemäßer Gottesdienste zu feiern. Die andere heißt, es ist gut, wenn es ergänzende Profile in Kirchengemeinden in der Nachbarschaft gibt.

Das einzige was ich nicht für eine kluge Reaktion halte ist, davor Angst zu haben - und zu sagen, ich muss versuchen die jungen Leute bei mir zu halten, auch wenn ich ihnen nichts anzubieten habe. Das funktioniert einfach nicht. […] Wenn es inhaltlich etwas zu kritisieren gibt, dann soll man es kritisieren. Aber man soll jetzt keine Angstfiguren aufbauen. […]

Erstens lasse ich keinen Menschen, der Mitglied unserer Kirche ist, irgendwo außen vor und ich weiß ganz genau, dass ProChrist [http://de.wikipedia.org/wiki/Pro_Christ] einen großen Überschneidungsbereich mit unseren Kirchen hat - und ich weiß ganz genau, habe das auch erlebt, dass auch beim Christival [http://de.wikipedia.org/wiki/Christival] viele junge Leute aus dem landeskirchlichen Bereich gewesen sind. […]

Ich habe noch nie einleuchtend gefunden, dass Dialogverweigerung, dass Ausgrenzung, dass Angst vor dem Gespräch mit anderen ein guter Ratgeber sein könnte. Und ich bin außerordentlich irritiert durch diejenigen Stimmen, die uns neue Formen der Abgrenzung, der Ausgrenzung des verweigerten Dialogs nahe legen wollen. Das kann ich überhaupt nicht gut finden."

Deutschlandradio Kultur: "Das heißt Umarmung als Strategie - oder politisch, Wandel durch Annäherung?"

Dr. Wolfgang Huber: "Ja, man muss dabei auch berücksichtigen, wenn man diese Formel - Wandel durch Annäherung, verwendet, dann muss man doch noch mal schauen wie sich bei uns die Haltung von evangelikalen Gruppen in unserer Kirche auch verändert hat."

Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber (16. März 2009, 2003-2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD, 1994-2009 Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Eine ungeheure Verdrehung der Debatte. Interview Deutschlandradio Kultur, www.dradio.de)

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2011, 2010-2014 EKD-Ratsvorsitzender Dr. h.c. Nikolaus Schneider, Evangelische Kirche in Deutschland

 


"Theologischer Fundamentalismus" [Nikolaus Schneider, 1993]

"Die Irrtumslosigkeit der Bibel,
die Jungfrauengeburt, die Gottheit Jesu Christi,
das stellvertretende Sühneopfer
und die leibliche Auferstehung
und Wiederkunft Jesu Christi. [...]

Letztlich ist ein Streit um unsere Kirche, die sie tragende Theologie und ihre verfassungsmäßige Ausrichtung entbrannt. [...] In diesen theologischen Zusammenhängen ist die Kontroverse mit den Fundamentalisten zu führen. […]
Der Eifer derer, die permanent Bekenntnisse fordern und deren Arroganz gegenüber der Volkskirche scheinen mir zu einer Kirchlichkeit zu führen, die Züge des Sektiererischen trägt. [...]

Wenn heute viele Menschen dem kirchlichen Leben zwar mit Reserve begegnen, sich aber dennoch als Christen verstehen und ihre Bindung an die Kirche nicht preisgeben … dann haben wir das der von der Aufklärung beeinflussten Gestalt der Kirche als Volkskirche zu verdanken."

Dr. h.c. Nikolaus Schneider (1993, 2010 - 2014 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland - EKD, 2003-2013 Präses der Ev. Kirche im Rheinland, zit. n. Regionale Informationen für das Rheinland - Bekenntnisbewegung „Kein anderes Evangelium“ Rheinland e.V., Nr. 20, März / April 1993. Vgl.: Rudolf Möckel u. Wolfgang Nestvogel (Hrsg.), Volkskirche am Abgrund? – „Fundamentalismus“ als Kampfbegriff, Neuhausen / Stuttgart: Hänssler 1996, S. 83)

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"Für deutliche Worte ist der 63-jährige Geistliche aus dem Rheinland bekannt. Bei Tacheles hatte Schneider jüngst vor Fundamentalismus – auch in christlichen Kirchen – gewarnt und für einen aufgeklärten Glauben plädiert."

Tacheles (November 2010, Evangelische Kirche: Schneider an der EKD-Spitze bestätigt, www.tacheles.tv)

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"Der neue Ratsvorsitzende [Präses Dr. h.c. Nikolaus Schneider] wird nicht wie Wolfgang Huber von der Kommandobrücke einen Kurs diktieren oder wie Margot Käßmann als Galionsfigur in der Sonne glänzen, sondern mit Beharrlichkeit vom Maschinenraum aus wirken.

Wie kaum ein anderer verkörpert Schneider den inneren Konsens in der EKD. [...]

Nötig ist nicht weniger als eine neue Säkularisierung des Evangeliums. Dafür müsste die Kirche es wagen, ihren Themenhaushalt gründlich zu durchlüften [...] Dem stehen freilich in der Kirche starke Beharrungskräfte entgegen, die solche Änderungen nicht wollen."

Frankfurter Allgemeine Zeitung (6. November 2010, Der Diskussion: Evangelische Kirche in Deutschland. Kraft und Lust zur Erneuerung? www.faz.net)

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idea:
"Bleibt die Frage: Wer ist eigentlich ein christlicher Fundamentalist?"

Huber: "Da ist es doch gut, sich an den Ursprung des Wortes „Fundamentalist" zu erinnern: Der Ausdruck „The Fundamentals" wurde Anfang des 20. Jahrhunderts in den USA für fünf Aussagen verwendet:

1. Die Unfehlbarkeit der Heiligen Schrift,
2. Christi Jungfrauengeburt,
3. der Sühneopfertod Jesu,
4. die leibliche Auferstehung,
5. die Wirklichkeit der in der Bibel bezeugten Wunder."

idea: "Zumindest Jungfrauengeburt und leibliche Auferstehung finden sich auch im Apostolischen Glaubensbekenntnis wieder."

Huber: "Es gibt dabei aber ein gewisses Spektrum von Auslegungsmöglichkeiten, die sich angesichts der unterschiedlichen Darstellungen in der Bibel auch förmlich aufdrängen.

Ohne jeden Interpretationsspielraum diese fünf Aussagen wortwörtlich bejahen zu müssen - das ist für mich Fundamentalismus!

Ob jemand Christ ist oder nicht, entscheidet sich nicht an solch einfachen Antworten. Eine Kirche mit der Spannweite von Positionen, wie wir sie haben -, einschließlich der Evangelikalen - kann gar nicht fundamentalistisch sein!"

Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber (29. April 2009, 2003-2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, 1994-2009 Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Herr Bischof, wer ist eigentlich ein Fundamentalist? Interview. ideaSpektrum 18/2009, S. 17)

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Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang, 2003 - 2009 Ratsvorsitzender der EKD

 


"Huber schließt die Fundamentalismus-Diskussion nicht ab, sondern weitet sie ins Uferlose aus, da nach seiner Definition [siehe Beitrag oben] u. a. auch die katholische Kirche fundamentalistisch ist. So lehrt die römisch-katholische Kirche:

1. die Unfehlbarkeit der Heiligen Schrift: „Da also all das, was die inspirierten Verfasser … aussagen, als vom Heiligen Geist ausgesagt gelten muss, ist von den Büchern der Heiligen Schriften zu bekennen, dass sie sicher, getreu und ohne Irrtum die Wahrheit lehren …“ (Dei Verbum 11),

2. Christi Jungfrauengeburt: „Diese Verbindung der Mutter mit dem Sohn im Heilswerk zeigt sich vom Augenblick der jungfräulichen Empfängnis Christi bis zu seinem Tod …“ (Lumen Gentium 57),

3. den Sühneopfertod Jesu: „Durch seinen Gehorsam bis zum Tod wurde Jesus zum leidenden Gottesknecht, der stellvertretend sein Leben als Sühnopfer hingab, ‚die Sünden der vielen trug‘ …“ (Weltkatechismus 615),

4. der auferstandene Jesus fordert die Jünger auf festzustellen, „… dass der auferstandene Leib, in dem er vor ihnen steht, wirklich der gleiche ist, der gequält und gekreuzigt worden ist…“ (Weltkatechismus, 645),

5. die Wirklichkeit der in der Bibel bezeugten Wunder: „Jesus begleitet seine Worte durch zahlreiche‚ machtvolle Taten, Wunder und Zeichen‘ …“ (Weltkatechismus 547)

Was aber hilft eine Fundamentalismus-Definition, unter die die Mehrheit der Christen weltweit fällt – und fallen will?"

Pfarrer Martin Fromm (6. Mai 2009, Evang.-luth. Theologe, Wolfgang Huber und seine Einschätzung der Evangelikalen, Uferlose Diskussion, ideaSpektrum 19/2009, S.4)

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"Die Evangelikalen sind nach der römisch-katholischen Kirche [1,214 Milliarden, Päpstliches Jahrbuch 2013] die größte Bewegung der Christenheit."

ideaSpektrum (28. Januar 2009, Ja zur Volkskirche, Nein zu Irrwegen. ideaSpektrum 5/2009 S. 22)


Die Mitglieder der Evangelischen Kirche in Deutschland stellen etwa 1,1 Prozent der weltweiten Christen [2,18 Milliarden]. 96 Prozent der Mitglieder der Evangelischen Kirche in Deutschland nehmen durchschnittlich nicht am Gottesdienst teil.

(Vgl.: EKD-Impulspapier: Kirche der Freiheit - Perspektiven für die Evangelische Kirche im 21. Jahrhundert, www.ekd.de/download/kirche-der-freiheit.pdf, 1. Juli 2006, S. 23)

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"Das Notwendigste für die Ökumene ist zunächst einmal, dass wir nicht unter dem Säkularisierungsdruck die großen Gemeinsamkeiten fast unvermerkt verlieren, die uns überhaupt zu Christen machen"

Dr. Joseph Ratzinger (23. September 2011, 2005-2013 Papst Benedikt XVI., Tag zwei des Deutschland-Besuchs: Papst gegen schnelle Fortschritte bei Ökumene, www.tagesschau.de)

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Prof. Dr. theol. Gerd Lüdemann (Georg-August-Universität Göttingen)

 


"Die Kirchenführung glaubt nicht mehr, was die zentrale Botschaft des Neuen Testaments ist [...]

Ich teile alle Einwände des rheinischen Präses [Präses Dr. h.c. Nikolaus Schneider, Ratsvorsitzender d. Evangelischen Kirche in Deutschland - EKD] gegen den Sühnetod Jesu, habe es aber vorgezogen, daraus die allein mögliche Konsequenz zu ziehen, nämlich meinen Unglauben gegenüber den zentralen Aussagen des Neuen Testaments zu bekennen.

Denn nicht nur der Sühnetod steht auf dem Prüfstand, die körperliche Auferstehung Jesu von den Toten und seine Wiederkunft am Ende der Tage auch.

Ich nehme an, dass der rheinische Präses - ebenso wie die meisten seiner Kolleginnen und Kollegen auch hier eine negative Haltung einnimmt."

Prof. Dr. theol. Gerd Lüdemann (8. April 2009, Theologe, Georg-August-Universität Göttingen, Pro und Kontra. Wozu starb Jesus Christus eigentlich am Kreuz? ideaSpektrum 15/2009, S. 4)

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"Lüdemann [siehe Beiträge oben] hatte deutlich ausgesprochen, was unter seinen historisch-kritisch arbeitenden Fachkollegen weltweit kaum noch umstritten ist: Es gibt und gab kein leeres Grab Jesu."

Martin Urban (23. September 2013, Physiker, Wissenschaftspublizist u. Sachbuchautor, Nikolaus Schneider, Martin Urban: Was kann man heute noch glauben? Ein Disput, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh, 2013, S. 103)

Diskussion


"Wie Bultmann vor knapp einem halben Jahrhundert, so erregte Lüdemann [siehe Beiträge oben] ... die Gemüter. Dabei geben selbst seine Kritiker zu, dass er mit seinen Aussagen eigentlich kaum über das hinausgeht, was andere Theologen auch schon gesagt haben.

Im Gegensatz zu diesen aber versteckt Lüdemann das Anstößige nicht, sondern sagt es offen, und er verklausuliert es nicht mithilfe beliebter theologischer Termini, die nur in der eigenen Zunft verstanden werden, sondern er sagt es geradeheraus und so verständlich, dass seine Kollegen reflexartig von »Vereinfachung«, »Verfälschung« und »Simplifizierung« reden.

Aber Lüdemann spitzt eigentlich nur zu, was seine Kollegen langatmig, unverständlich und zu Tode differenzierend auch sagen"

Christian Nürnberger (Dezember 2000, Journalist. Kirche, wo bist du?)

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"Die Entwicklung der Kirche geht heute in die falsche Richtung, in Richtung Fundamentalismus. Und zwar weltweit und in allen Offenbarungs- Religionen.

Meine Kirche soll jesuanisch sein. Dabei hoffe ich auf Gott als den HERRN, ohne an eine leibliche Auferstehung Jesu, seine Vergottung und das Konstrukt einer Trinität glauben zu müssen.
Das sehen, soweit für mich erkennbar, auch die historisch-kritisch arbeitenden Theologen nicht anders, zum Teil schon seit über hundert Jahren."

Martin Urban (23. September 2013, Physiker, Wissenschaftspublizist u. Sachbuchautor, Nikolaus Schneider, Martin Urban: Was kann man heute noch glauben? Ein Disput, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh, 2013, S. 85)

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"Drittens beobachte ich, dass diese Theologen prinzipiell davon ausgehen, dass es nichts Übernatürliches, Wunderbares gibt. [...]

Und ähnlich einleuchtend ist es, alle Stellen, die von Wundern berichten, als unhistorisch abzutun, wenn man von vornherein weiß, dass es ganz allgemein nichts Übernatürliches gibt."


Prof. Dr. theol. h.c., Dr. h.c. Clive Staples Lewis (1898-1963, britischer Schriftsteller und Literatur-wissenschaftler, Gedankengänge. Essays zu Christentum, Kunst und Kultur, Brunnen-Verlag GmbH Januar 1986, ISBN 978-3765523755)

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"Es ist nicht mehr unglaublich, wenn man an Gott glaubt."

Prof. Dr. Robert Spaemann (31. März 2010, Philosoph, Warum ich an die Auferstehung glaube, ideaSpektrum 13/2010, S. 16 f.)

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"Die Evangelische Kirche ist in der Selbstsäkularisierung schon weit vorangekommen, muss man sagen. […] Man sollte im Gegenzug nur nicht mehr erwarten, dass man weiterhin auch zu den Fragen verlässlich Auskunft bekommt, für die sie bislang das Privileg besaß - also alle, die über das Diesseits hinaus weisen." [Zitat im unteren Teil ausführlicher]

Jan Fleischhauer (20. Juli 2013,  SPIEGEL Redakteur, S.P.O.N. - Der Schwarze Kanal: Scheidung leichtgemacht, www.spiegel.de)

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"Kennt die evangelische Kirche überhaupt noch den Unterschied zwischen Christentum und einem diffusen Humanitarismus? Sie ersetzt den Skandal des Gekreuzigten zunehmend durch einen neutralen Kult der Menschheit. […]

Dieses Wohlfühlchristentum befriedigt ein tiefes Bedürfnis nach Betäubung. Jeder kennt ja Marxens Formel von der Religion als Opium des Volkes. Genau in diesem Sinne hat dann auch Nietzsche von einem opiatischen Christentum gesprochen und es scharf der ursprünglichen christlichen Erschütterung entgegengesetzt.
Gemeint ist bei Marx genau so wie bei Nietzsche: Nicht Religion selbst ist Opium, sondern die modernen Menschen machen aus Religion ein Opiat. Sie benutzen das Christentum als Droge, zur Beruhigung der Nerven. Jede Spur der christlichen Erschütterung ist sorgfältig getilgt. Man lässt sich zwar noch von der Jesus - Geschichte rühren, vor allem an Weihnachten. Aber vom Jüngsten Gericht will niemand mehr etwas hören. […]

Sowohl die Wohlfühlchristen als auch die intellektuellen Esoteriker hängen also einem halbierten Christentum an. […] Es gibt aber keinen christlichen Glauben ohne Kreuz und Auferstehung.
Das hat Papst Benedikt XVI., mit dem Luther sicher gerne diskutiert hätte, richtig gesehen. Sehr gut nennt er in seinem Jesus - Buch die Auferstehung einen ontologischen Sprung. Mit ihm beginnt eine neue Schöpfung. Gott greift hier nicht nur mit seinem Wort, sondern unmittelbar materiell in die Geschichtswelt ein. Das ist, ähnlich wie die Jungfrauengeburt, für das moderne Denken natürlich unerträglich.

Für die alten Griechen war das Wort vom Kreuz ein Ärgernis und für die Juden war es ein Skandal. Für die modernen Menschen aber ist die Auferstehung das Ärgernis, das sie mit ihrer Vernunft nicht vereinbaren können. Das leere Grab passt nicht ins moderne Weltbild.

Als Zivilreligion hat der Protestantismus die großen Themen wie Kreuz, Erlösung und Gnade aufgegeben und durch einen diffusen Humanismus ersetzt. Damit ist er in die Modernitätsfalle geraten. […]
Die evangelische Kirche leidet also an ihrer eigenen Realitätsgerechtigkeit. Ihr fehlt der Mut zur Unzeitgemäßheit. So heißt es bei Karl Barth in aller wünschenswerten Deutlichkeit: „Gerade das Unhandliche, Unbrauchbare des Paulinismus, gerade das Weltfremde, Unpraktische, Unpopuläre des Protestantismus ist sein bestes Teil."


Prof. Dr. Norbert Bolz (30. November 2015, Medienwissenschaftler an der TU Berlin, SWR2 Essay: Gnadenlose Neuzeit Luther und die Ausdifferenzierung der modernen Gesellschaft, www1.swr.de/podcast/xml/swr2/essay.xml)

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Prof. Dr. Norbert Bolz 

Prof. Dr. Norbert Bolz, Medienwissenschaftler an der TU Berlin (2015)

 


"Die Kirchen sind theologisch verarmt, sie wissen immer weniger zu vermitteln, was christlicher Glaube, Gott, Gebet, Gemeinde im 21. Jahrhundert überhaupt bedeutet. Sucht man nach großen, systematischen Entwürfen in der Theologie, die sich diesen Fragen stellen - man findet nichts. Hört man sich an, was auf den Kanzeln gepredigt wird - man hört kaum etwas dazu.

Dass christlicher Glaube kein Glaube an einen kuscheligen Wertekanon ist, sondern an eine deutliche Erlösungsbotschaft, dass er immer Wagnis und Offenbarung ist, sich weder berechnen noch vernutzen lässt, davon müsste die Rede sein. "Wir leben", hat der Theologe Eberhard Jüngel vor über 30 Jahren geschrieben, "im Zeitalter der sprachlichen Ortlosigkeit und der Sprachlosigkeit der Theologie." Das gilt noch immer, man kann es, unter anderem, an den Austrittszahlen ablesen.

Die Kirchen stehen also vor der theologischen Aufgabe einer geistlichen Reformation. Das ist nicht neu in der Kirchengeschichte, selten aber war sie so dringlich wie jetzt."

Dr. Dirk Pilz (21. April 2011, Redakteur, Theaterkritiker, Von guten Geistern verlassen, Berliner Zeitung, www.berliner-zeitung.de)

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2010, Dr. phil. Dirk Pilz, www.nachtkritik.de

 


"Ist Gott noch Mitglied der evangelischen Kirche?"

"Das letzte Mal überraschte mich die evangelische Kirche angenehm, als ein Pfarrer über das Böse sprach. Es war in einem Gottesdienst vor ein paar Wochen in Hamburg, und der Pfarrer sagte, dass die Kirche aufgehört habe, über das Böse zu sprechen, weil sie ihr bürgerliches Publikum nicht vertreiben wolle. Ich habe das oft gedacht, aber die Kirche wäre einer der letzten Orte, wo ich einen Verfechter dieser These vermuten würde.

Wenn ich mein Unbehagen an der evangelischen Kirche in einem Wort zusammenfassen müsste, dann ist es ihre Leisetreterei. Hauptanliegen der Kirche scheint es zu sein, niemanden vor den Kopf zu stoßen, sei es mit den unerfreulichen Geschichten des Alten Testaments, mit Ideen, was ein gläubiger Christ nicht tun sollte, oder laut gesprochenen Gebeten in kirchlichen Einrichtungen.
Als ich bei der für religionspädagogische Fragen Zuständigen in der EKD nachfragte, wie man es damit in kirchlichen Kindergärten halte, sagte sie, dass es da keine einheitliche Richtlinie gebe. Aber sie verwies darauf, dass Studien zufolge Religiosität zu größerer Resilienz bei Kindern führe. Ich finde es deprimierend, wenn die Kirche glaubt, Werbeargumente finden zu müssen; demnächst wird sie Statistiken suchen, wonach religiöse Jugendliche bessere Noten bekommen und später glücklichere Ehen führen.

Natürlich ist es nicht so, dass die Kirche keine Positionen vertreten würde: Sie ist für den Klimaschutz und gegen Menschenhandel, sie ist gegen Massenvernichtungswaffen und für gerechten Handel. Sie ist für alles, wofür bürgerliche Mehrheiten sind. Im Grunde vertritt sie das Prinzip Merkel, sich nicht zu früh und nicht zu spät die Meinungen des Wahlvolks auf die Fahne zu schreiben und dann so zu tun, als hätte man sie als Erste geschwungen.
Die evangelische Kirche prangert die Exzesse des Kapitalismus an, so wie es heute zum guten Ton gehört, und sieht mit der gleichen Verve wie die Mehrheit der Bevölkerung darauf, dass sich ihr Geld möglichst stark vermehrt. Sie fordert gerechte und sozial verträgliche Arbeitsbedingungen und wehrt sich gegen Tarifverträge für ihre Angestellten. Sie will Leben schützen und sagt gern, dass alles Leben gleich viel wert sei, aber ein klares Wort gegen Pränataldiagnostik kann sie sich nicht abringen.

Eigentlich könnte mir all das herzlich egal sein. Aber ich habe Sympathie für die Aufrechten in der Kirche, für die alten Damen, die sonntags vergeblich versuchen, Eine-Welt-Produkte an den Mann zu bringen, für die Kommunitäten, die es ernst meinen mit gelebtem Glauben, für die Freiwilligen, die unentwegt Kindergottesdienste anbieten, obwohl sich kaum mal ein Kind in den Gottesdienst verirrt. Und während ich das schreibe, sehe ich: Das ist nicht die Amtskirche, das sind Leute um sie herum.

Meine erste bewusste Erfahrung mit der Amtskirche war mein Konfirmandenunterricht. Wir waren vielleicht zehn Jugendliche und ein Pfarrer, der geschieden war, was damals noch ungewöhnlich war. Ein schmaler Mann, der aussah wie eine Mischung aus Luther und Prinz Eisenherz, es schien ihn etwas umzutreiben, aber das war sicherlich nicht der Konfirmandenunterricht.
Ich weiß nur noch, worüber wir nicht sprachen: biblische Texte, das Glaubensbekenntnis, das Vaterunser oder anderes, das etwas mit christlichem Glauben zu tun gehabt hätte. Soweit ich mich erinnere, führten wir ziellose Diskussionen, die irgendjemand vom Zaun brach.

Einmal gab es tatsächlich so etwas wie ein glaubensrelevantes Gespräch: Es ging um die Frage, warum wir uns konfirmieren ließen, und ein Junge sagte, dass seine Eltern ihm dafür eine Musikanlage versprochen hätten. Im Nachhinein glaube ich, dass das zwar stimmte, es zugleich aber ein Versuch war, so etwas wie eine Grenze zu erfahren, eine Reaktion des Pfarrers, der klargestellt hätte, dass das Ganze kein Kuhhandel sei.
Es kam nichts. Ich glaube, dass er ein religiöses Anliegen hatte, ich habe nur nicht erfahren, welches. Einmal fragte er mich, ob ich im örtlichen Altenheim Klavier vorspielen könnte, ich habe mich davor gedrückt und schäme mich immer noch dafür.

Später hatte ich eine Religionslehrerin, die im Unterricht vor allem soziale Anliegen vorbrachte, Christentum als sozial-politisches Engagement. Sie wurde abgelöst vom örtlichen Pfarrer, der stets unvorbereitet, aber im Anzug in die Stunde kam. Er hielt nichts vom sozial engagierten Christentum, er hielt auch nichts von der Lehrerin, und selbst wir Pubertierenden waren überrascht, wie unverhohlen er das kundtat. Wovon er etwas hielt, wurde nicht klar.

Ich frage mich, ob es etwas Verbindendes zwischen den Pastorinnen und Pastoren gibt, die ich inzwischen erlebt habe. Die wenigsten sind konservativ, die wenigsten sind radikal. Ein paar suchend, einige rhetorisch sehr gewandt, einige gebildet, einige den Bedürftigen in der Gemeinde zugewandt. Vielleicht kann man am ehesten sagen, dass sie bürgerlich sind, im Guten wie im Schlechten.
Es hat sich ergeben, dass ich Ordensleute privat kennengelernt habe, katholische Mönche und Nonnen. Bei der Begegnung mit ihnen hatte ich zum ersten Mal den Eindruck, dass hier die Beschäftigung mit dem Glauben die Essenz eines Lebens ist. Dass das Leben dieser Menschen durch ihren Glauben ein erfahrbar anderes ist als das von Nichtgläubigen.

Ich habe keine Pastoren so nah kennengelernt, deswegen kann ich nur vorsichtig sagen, dass ich bei keinem von ihnen einen solchen Eindruck hatte. Sie sind interessiert an Glaubensfragen, sie haben einen Beruf, der sie damit in Berührung bringt, aber sie leben nicht daraus. Und sie vermitteln nicht das Gefühl, dass Jesus Christus, dass Gott ihnen Zuversicht oder Kraft schenken.
Der letzte Pfarrer, den ich danach fragte, was ihm bei seiner Arbeit wichtig sei, nannte das Kirchencafé seiner Gemeinde. Das, so die Begründung, würden die Freiwilligen selbst auf die Beine stellen. Er belebte sich erst, als er von seinem Lieblings-Sportverein erzählte.

Pastoren müssen nicht stellvertretend für ihre lauen Gemeindemitglieder Kraftprotze des Glaubens sein. Es scheint ohnehin so, dass die Erwartungshaltung der Gemeinden, die darauf pochen, dass sie schließlich für das kirchliche Angebot zahlen, zu echter Erschöpfung bei den Pastoren führt. Sie sind Alleinunterhalter geworden für ein Publikum, das viel will und wenig tut und ohnehin nur sehr sparsam in Erscheinung tritt.
Und trotzdem: Ich erinnere mich an einen gemeinsamen Gottesdienst mit afrikanischen Christen, die von der Pastorin auf eine Art willkommen geheißen wurden, die so wohlmeinend und zugleich so freudlos war, dass man es hätte komisch finden können, wäre es nicht so schade gewesen.

Bei einer Podiumsdiskussion zum Thema Mission, bei der vier Leute zuhörten, erzählte die damalige Flüchtlingsbeauftragte der Kirche, wie die Freiwilligen und Hauptamtlichen der Amtskirche immer wieder zu den Flüchtlingen gingen, sie berieten und bei den Hausaufgaben halfen. Und dass einmal Freikirchler kamen und bei den Flüchtlingen plötzlich ein großes Bedürfnis nach christlichem Leben und Gottesdienst weckten.

Die Amtskirchler, so klang es, hatten nie über etwas anderes als Schulaufgaben und Formularhilfe gesprochen. Es ist auffallend, wie gönnerhaft in der Amtskirche über die Freikirchen gesprochen wird. Das klingt oft so, als seien es geistig wenig Bemittelte, die sich in lebhaften Gesang und enge Gruppenbindungen flüchteten. Angesichts der Zuwachsraten bei den Freikirchen, von denen die Lutherischen, Reformierten und Unierten nur träumen können, klingt es auch nach Trauben, die zu hoch hängen.

Die protestantische Kirche tritt so vorsichtig auf, dass man es getrost Leisetreterei nennen kann. Dass das nicht besonders attraktiv ist, müsste ihr eigentlich klar sein. Es ist, als schäme sie sich für das, was man ihr Innerstes nennen könnte, wie für eine unansehnliche und sozial inakzeptable alte Tante.
So wie es außerhalb der Kirche sonderbar geworden ist, über Glaubensdinge zu sprechen – jenseits von „natürlich glaube ich, dass es einen Gott gibt, aber…“ –, so ist es inzwischen auch innerhalb der Kirche unüblich. Ich erinnere mich, wie ungewohnt es für mich war, die katholischen Nonnen über ihre Beziehung zu Gott und Jesus erzählen zu hören.

Dieses Verdruckste setzt sich fort mit Pfarrerinnen, die sich, so erzählte es mir meine aufgebrachte Schwester, im Gemeindebrief darüber äußern, wie ungern und mit welchen Schwierigkeiten sie das Glaubensbekenntnis sprächen. Es setzt sich fort im zögerlichen Engagement für verfolgte Christen in den arabischen Ländern.

Als meine Schwester dem Pfarrer ihrer Gemeinde vorschlug, eine Kollekte für syrische Christen zu verwenden, meinte der, dass das Geld immer für die gesamten Innenstadtgemeinden gesammelt würde und die sich so eine Verwendung nicht vorstellen könnten. Man würde es lieber für überkonfessionelle diakonische Aufgaben nutzen. Zeitgleich bekomme ich E-Mails von einem Heer von Pressereferenten der Kirche, und es scheint Beauftragte für wirklich alles zu geben.

Die Kirche kommt allen entgegen. Sie findet so viele Bibelübersetzungen, bis alle mit dem Text zufrieden sind, sie traut Menschen, die aus der Kirche ausgetreten sind, sie hängt das Kruzifix ab, weil der Anblick verstörend sein könnte. Sie hat ihre Absolutheitsansprüche so weit über Bord geworfen, dass sie keinen erkennbaren Kurs mehr fährt. Sie ist unattraktiv, weil sie sich andient bis zur Gesichtslosigkeit.
Natürlich hat das eine Geschichte und eine Logik, natürlich war es wichtig, sich von einer autoritär-patriarchalen Kirche zu lösen, die ihren unmündig gehaltenen Mitgliedern zuverlässig mit Verdammnis drohte. Aber über diese Befreiung ist sie sich selbst abhandengekommen.

Ich wünschte mir, ich hätte in meiner Kirche ein Gegenüber. Eines, das sich nicht wegduckt, eines, das man respektieren kann."

Friederike Gräff (Februar 2014, Redakteurin - taz Hamburg, freie Mitarbeiterin u.a. für ZEIT u. Süddeutsche, Ist Gott noch Mitglied der evangelischen Kirche? In: Christ und Welt, Beilage in der Wochenzeitung "Die Zeit", Ausgabe 09/2014, www.christundwelt.de)

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Friederike Gräff, Redakteurin - taz Hamburg, freie Mitarbeiterin u.a. für ZEIT u. Süddeutsche.

 


"Nur noch der Islam nimmt heute einen religiösen Absolutheitsanspruch für sich in Anspruch."

Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber (22. Januar 2011, 2003-2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD, 1994-2009 Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Verschieden und doch gleich, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.01.2011, Nr. 18, S. 8, www.faz.net)

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"Die evangelische Kirche leidet schon seit Jahren an einer bemerkenswerten Selbsteinschüchterung. Wofür sie noch steht – außer verbaler sozialer Gerechtigkeit natürlich –, ist nicht ersichtlich; wirklich religiöse Inhalte traut sie sich offenbar nicht mehr zu verkünden."

Prof. Dr. Udo Schnelle (19. Januar 2011, Theologe, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, FAZ, 19.01.2011, Nr. 15, S. 32, www.faz.net)

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"An manchen Orten ist es so weit gekommen, dass man das Evangelium von Jesus für eine sektiererische, ketzerische Lehre hält, weil sie schon so lange nicht mehr gehört wurde."

Pfarrer Ludwig Hofacker (1798 – 1828, Evangelischer Theologe, 26. Januar 2011, Das Evangelium ist ganz einfach, ideaSpektrum 04.2011, Seite 18)

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"Was 2.000 Jahre Standard war, heißt heute christlicher Fundamentalismus."

Dr. Henrik Ullrich (18. August 2010, Dr. Henrik Ullrich zum Interview mit dem Leiter der Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, R. Hempelmann (Berlin): "Wer ist ein Fundamentalist?", ideaSpektrum 33.2010, S. 42, www.idea.de)

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"Es ist ein Fehler, der häufig von gebildeten Menschen ... gemacht wird, zu glauben, dass der Fundamentalismus eine neue und merkwürdige Form des Denkens ist. Das ist keineswegs der Fall. Vielmehr ist er das teilweise und wissenschaftlich nicht ausgeformte Überleben einer Theologie, die einmal weltweit von allen Christen vertreten wurde.

Wie viele gab es zum Beispiel in den christlichen Kirchen des achtzehnten Jahrhunderts, die die unfehlbare Inspiration der gesamten Schrift anzweifelten? Einige wenige vielleicht, aber nur sehr wenige.

Nein, der Fundamentalist mag sich irren, und ich glaube, dass er sich irrt, aber wir sind es, die von der Tradition abgewichen sind, nicht er."

Prof. Dr. Kirsopp Lake (1926, anglikanischer Theologe, 1914-1938 altchristliche Literatur und Kirchengeschichte an der Harvard University in Cambridge/USA, The Religion of Yesterday and Tomorrow, Boston: Houghton 1926, S. 61)

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"Selig ohne Gott […] Wir erleben einen Übergang von der Religion zur Religiosität."

Prof. Dr. Ulrich Beck (26.11.2009, Soziologe, Selig ohne Gott, stern Nr. 49, S. 60)

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"Nicht der Anschluss an fundamentalistische Wahrheiten, sondern eine aufgeklärte religiöse Identität ist das Ziel." [Zitat im unteren Teil ausführlicher]

Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber (09. Juni 2004, 2003 - 2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, Religion und Politik in Deutschland und den USA - ein Vergleich, Atlantikbrücke in Berlin)

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"Man sollte sich angewöhnen, zwischen gläubig und religiös zu unterscheiden."

"Wer gläubig ist, glaubt an ... Jesu... in der Grippen und am Kreuz, an die Auferstehung und die Unbefleckte Empfängnis Mariens. Das ist ein echter Märchenwald.

Ein religiöser Mensch hält es mit Kant, Goethe, Schiller: Er hält fest an Gott, der Unsterblichkeit und der Glückseligkeit."

Prof. Dr. Erwin Leibfried (04.06.2007, Institut für Neuere Deutsche Literatur, Justus-Liebig-Universität Giessen, DER SPIEGEL Nr.23/4.6.07, Seite 6)

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"In der philosophischen Tradition wurde vorrangig die Vorstellung von der Unsterblichkeit der Seele verhandelt. Kant zählt deshalb die Unsterblichkeit – neben Gott und der Freiheit – zu den großen Themen der Metaphysik. [...]

Wenn ein Theologe sich mit Kant beschäftigt, dann bejaht er das Ziel: die Frage nach Gott mit der Klarheit der Vernunft zu verbinden."

Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber (12.02.2004, 2003-2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD, 1994-2009 Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Unsterblichkeit und Würde. Kant zu Ehren, St. Michaelis zu Hamburg auf Einladung der Patriotischen Gesellschaft von 1765 und der ZEIT-Stiftung)

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"Das Argument des EKD-Ratsvorsitzenden [Wolfgang Huber], der Philosoph [Immanuel Kant] habe Vernunft und Glauben nicht auseinander gerissen, sondern einen Weg dazu gebahnt „dass der Gottesgedanke auch vor dem Forum der philosophischen Vernunft Bestand haben könne“ unterschlage, dass bei Kant nur noch ein schemenhafter Gottesgedanke übrig bleibe, „der gerade noch zur Unterscheidung von blankem Atheismus taugt“."

Die Tagespost (20.09.2007, Wider das kränkelnde abendländische Denken, Tagung in Schloss Spindlhof über Erwiderungen deutscher Gelehrter auf die Regensburger Vorlesung)

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"»Wir leben heute nicht im Zeichen der Aufklärung, sondern weit stärker unter dem allseitigen Einfluss fundamentalistischer Strömungen.« So Richard von Weizsäcker in einer Rede bei einem ökumenischen Gottesdienst aus Anlass des Jahrestages der Bombardierung der Stadt Dresden am 13. Februar 1945. [...]

In dieser Situation - so von Weizsäcker weiter- »können und müssen die drei abrahamitischen Religionen dazu beitragen«, die durch den Fundamentalismus entstehenden Gefahren zu beseitigen. Aber bedeutet das nicht, den Bock zum Gärtner zu machen?
Haben nicht Judentum, Christentum und Islam selbst einen fundamentalistischen Charakter und haben sie nicht zum Teil selber fundamentalistische Verfolgungen und Religionskriege in Szene gesetzt? [S. 9]

Ich behaupte, dass jeder Monotheismus bereits als solcher eine fundamentalistische Setzung ist. Es kann kein Zweifel daran bestehen, dass z.B. Judentum, Christentum und Islam ausgesprochene Monotheismen sind, also Religionen, in denen der Glaube an einen persönlichen Gott an zentraler, alles entscheidender Stelle steht.

Kein Zweifel kann aber auch daran bestehen, dass der Grundsatz: Es gibt einen persönlichen Gott (Jahwe, Abba, Allah) am Anfang und Ende dieser Religionen steht, d.h. nach ihrer offiziellen Verkündigung das Erste und das Letzte, das nicht mehr Hinterfragbare und das nicht Anzuzweifelnde ist.

Genau darin liegt schon der fundamentalste Fundamentalismus dieser Religionen. […] Der kritischen Vernunft kann die These der Existenz eines persönlichen Gottes nicht standhalten.

In Bezug auf die vermeintlichen Gottesbeweise hat das der größte deutsche Philosoph, Immanuel Kant, praktisch in allen Einzelheiten nachgewiesen. Den »Alleszermalmer« hat man ihn deswegen, d.h. im Hinblick auf die Zertrümmerung jeder rationalen Gottesgewissheit, genannt." [S. 108]

Prof. Dr. theol. Hubertus Mynarek (1992, Theologe, Denkverbot - Fundamentalismus in Christentum und Islam, Knesebeck 1992 u. ASKU-Presse 2005, S. 9 u. 108)

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"Nicht darin, dass er [Immanuel Kant] die Gottesfrage zu Ende gebracht, sondern darin, dass er sie offen gehalten hat, liegt sein großes Verdienst."

Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber (12. Februar 2004, 2003 - 2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD, Unsterblichkeit und Würde. Kant zu Ehren, St. Michaelis zu Hamburg auf Einladung der Patriotischen Gesellschaft von 1765 und der ZEIT-Stiftung)

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"Ob Christen, Juden, Muslime, Tierschützer oder Nichtraucher - unter ihnen allen gibt es einen Glauben, der weltweit die höchsten Zuwachsraten hat: den Fundamentalismus. Er ist der höchstpersönliche Ausweg aus der Individualismusfalle. Doch manchmal macht die neue Ausschließlichkeit krank. Und manchmal tötet sie. […]

Man kann sie sich kaum unterschiedlicher vorstellen, die amerikanischen Erweckungsprediger, jüdischen Heiliglandträumer, Islamisten. Und doch einte sie viel: Sie heiligten die Schrift. Sie teilten die Welt in Gut und Böse ein, sie verachteten das Unentschiedene des Liberalismus. […]

Es droht, verkürzt gesagt, die Mitte verlorenzugehen zwischen den Fundis und den Alles-egal-Menschen. Sich einfach einen strengen Gott zulegen, das ist die Versuchung des Fundamentalismus und sie wirkt. Sie wirkt umso stärker, je mehr man davon ausgehen kann, dass die Strenge dieses Gottes sich gegen die Anderen richtet - und einen selber rechtfertigt, das eigene Verhalten und Leben.

Das ist die eigentliche Häresie des Fundamentalismus: Er stellt sich über Gott, indem er das Deutungsmonopol über ihn beansprucht, sich zum Maßstab des richtigen Lebens erklärt.

Er versucht dem Transzendenten, dem Ersten und Letzten des Lebens, das Geheimnis zu nehmen: Wir wissen, was Gott will. Wir kennen ihn. Er hat uns gesagt, wo es langgeht. Was aber ist das für ein Gott, dem das Geheimnis genommen ist, der transparent ist wie ein vollständig ausgefülltes Facebook-Profil?"

Süddeutsche Zeitung (8. April 2012, Die Ketzerei des Fundamentalismus: Höher als Gott, Matthias Drobinski, www.sueddeutsche.de)

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"Egal, ob Piusbrüder, ob evangelikale Gruppierungen oder muslimische Salafisten, denen wir in diesen Wochen in den Fußgängerzonen begegnen können: Sie alle haben mehr gemeinsam, als ihnen wahrscheinlich lieb ist: Vor allem dieses Bemühen um größtmögliche Eindeutigkeit. [...]

Das Wichtige ist, dass die Menschen hier Fragende bleiben. Sie ziehen die Antwort, die Gott zusteht, nicht an sich. Das ist genau das Gegenteil dessen, was uns bei Fundamentalisten begegnet. Denn die lassen in der Regel keine Fragen zu, rechnen nicht damit, dass sie sich von den anderen noch etwas sagen lassen können, lassen sich nicht irritieren."

Pfarrer Dr. Wolfgang Beck (14. April 2012, Dozent f. Predigtlehre Priesterseminar Hildesheim, Seelsorger Katholische Hochschulgemeinde Hannover, Das Wort zum Sonntag [Auszug], Der liebevolle Blick auf meine Kompromisse, ARD, www.daserste.de)

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Pfarrer Dr. Wolfgang Beck, Bild: www.rundfunk.evangelisch.de, Oktober 2011

 


"Der katholische Pfarrer Wolfgang Beck aus Hannover [siehe Beiträge] durchbrach ein hierzulande verbreitetes Denkverbot und machte unerschrocken darauf aufmerksam, dass Piusbrüder, Evangelikale und Salafisten mehr gemeinsam hätten, als ihnen „wahrscheinlich lieb sei". Evangelikale fühlen sich nun verunglimpft, der Dachverband Evangelikaler Christen [www.ead.de] hat gestern Beschwerde beim NDR eingelegt. [...]

Die beste Maßnahme gegen die von den Golfstaaten mit viel Geld ausgestatteten und daher international zunehmend sichtbar werdenden Salafisten ist nicht die uninformierte Abwehr vor Männern mit dunklem Haupt- und langem Barthaar durch den Generalverdacht, es handele sich um Gewalttäter.
Sondern das Wissen um ihre krause Ideologie, das Wissen, dass ihre Behauptung, es gäbe nur eine richtige Lesart des Koran – nämlich die ihre – und damit auch nur eine richtige Lebensart – auch die ihre – reaktionärer Unfug ist.

Und zwar schon deswegen, weil der Koran wie die Bibel als historische Überlieferung unterschiedliche Auslegungen zulässt. Kurz gesagt: Keine heilige Schrift legitimiert die Verletzung der Meinungsfreiheit."

taz (17. April 2012, Was Demokraten zuzumuten ist, www.taz.de)

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"Ob islamistische Bewegungen in Indonesien und im Nahen Osten oder christliche Fundamentalisten in den USA, ob religiös fanatische jüdische Siedler auf palästinensischem Gebiet oder nationalistische Katholiken in Polen bzw. Orthodoxe in Russland: das religiöse Hasspotenzial ist dem Friedenspotenzial der Glaubensgemeinschaften wie das Unkraut dem Weizen beigesellt."

Präses Dr. h.c. Nikolaus Schneider (12. Januar 2009, 2010 - 2014 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland - EKD, Präsesbericht - BERICHT ÜBER DIE FÜR DIE KIRCHE BEDEUTSAMEN EREIGNISSE, www.ekir.de/ekir/dokumente/ekir2009praesesbericht.pdf)

Diskussion


"Die Gemeinsamkeiten zwischen islamischen und christlichen Fundamentalisten sind bemerkenswert, schon allein was den unhistorisch-unkritischen Umgang beider Gruppen mit ihren jeweils Heiligen Schriften angeht."

Martin Urban (23. September 2013, Physiker, Wissenschaftspublizist u. Sachbuchautor, Nikolaus Schneider, Martin Urban: Was kann man heute noch glauben? Ein Disput, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh, 2013, S. 53)

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"Ohne hier den Beweis zu erbringen, sei aber zumindest thetisch formuliert, dass jüdische und islamische Fundamentalisten ebenso ideologisch verengend und daher unsachgemäß mit ihren Heiligen Texten umgehen, wie es christliche Fundamentalisten zu tun pflegen."

Prof. Dr. Stefan Alkier (1. Juli 2005, Ev. Theologe, Goethe-Universität Frankfurt am Main, Die Bibel ist nicht vom Himmel gefallen. Sechs bibelwissenschaftliche Argumente gegen den christlichen Fundamentalismus. In: Stefan Alkier / Hermann Deuser / Gesche Linde (Hg.), Religiöser Fundamentalismus. Analysen und Kritiken, Tübingen: Francke, 2005, S. 192)

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Prof. Dr. Stefan Alkier

 


"Wenn Schüler sagen, Evangelikale - das sind doch ungefähr die Islamisten der protestantischen Kirche, haben sie natürlich in einem Punkt recht; unter den fundamentalistischen Muslimen, den fundamentalistischen Juden, Ultraorthodoxe und fundamentalistischen Protestanten, sind die letzteren die ungefährlichsten - zugegeben, aber in ihrer Art und Weise ihre heiligen Schriften zu lesen, sind sie vollkommen gleich. […]

Islamisten, christliche Fundamentalisten und ultraorthodoxe Juden sind Drillinge in der Hermeneutik – also sind Brüder im Geiste, wie man an einen heiligen Text herangeht."

Andreas Malessa (17. Januar 2012, Pastor im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden, Journalist u. Autor, Wartburg-Gespräche, Evangelikal - was ist das?, ERF 1, www.erf.de)

Diskussion


"Einer der wesentlichen Punkte [...] ist die hermeneutische Frage. Wie verhält sich die ja auch kirchlicherseits immer wieder betonte umfassende Autorität der Heiligen Schrift zu ihrer gegenwartsbezogenen Auslegung?

Aus der Beantwortung dieser Frage ergeben sich fast alle Spannungsfelder. Aktuell könnte ich da die Diskussionen um das Verständnis des Sühnetodes Jesu nennen, aber natürlich auch die bleibenden ethischen Differenzen, etwa in der Bewertung der Homosexualität."

Präses Dr. Michael Diener (19. Januar 2012, Vorsitzender der Deutschen Evangelischen Allianz DEA, Präses des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes, 2005 - 2009 Dekan d. Protestantischen Dekanat Pirmasens - Evangelische Kirche der Pfalz, Landeskirchen und Evangelikale kann man nicht trennen, www.evangelisch.de)

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Prof. Dr. Rüdiger Lohlker


 

"Der Salafismus ist laut dem Islamwissenschaftler Rüdiger Lohlker "gewissermaßen die islamische Ausprägung eines Evangelikalismus". Das hat er in einem Interview mit "Christ und Welt" erklärt. […]

Lohlker erklärt zum Salafismus: "Es ist gewissermaßen die islamische Ausprägung eines Evangelikalismus, in der Form der Gemeinschaftsbildung, die gegen die Auflösung bestehender Bindungen gerichtet ist. Das findet man in allen Weltreligionen."

Die Umkehrerfahrung sei für die Islamisten wesentlich: "Auch die Art der Konversion, das hat sehr große Ähnlichkeit mit Erweckungsgottesdiensten christlicher Prägung." Ob evangelikale Christen nun aufschrien, sei für ihn als Wissenschaftler nicht relevant.
Auf die Frage von "Christ und Welt", ob Salafisten die Reformatoren des Islam seien, antwortet Lohlker mit Ja. Reformatoren und Salafisten vereine der Wunsch, die Religion von "historischen Anhaftungen" zu befreien und "Widerstand gegen die Verfasstheit der Welt" zu leisten. […]

Das Interview in "Christ und Welt" steht unter der Überschrift "Evangelikale des Islam". Dem Vorsitzenden der Deutschen Evangelischen Allianz, Michael Diener, ist nicht nur das ein Dorn im Auge. Er wirft den Journalisten Unsachlichkeit und Stimmungsmache vor.
"Mich beunruhigt an dieser Stelle weniger, dass ein promovierter Islamwissenschaftler anscheinend über nicht genügend Unterscheidungskriterien verfügt, um essentiell Unterschiedliches auch als derartiges erkennen zu können.
Ich kann auch damit leben, dass Herr Lohlker sich derartig journalistisch instrumentalisieren lässt, aber ich finde es nicht hinnehmbar, wie unwidersprochen einseitig Titel und Fragerichtung von 'Christ und Welt' hier auf eine Diffamierung evangelikaler Christen zielen", erklärte Diener auf Anfrage von pro.

Das Interview könne getrost als Bankrotterklärung an einen seriösen und um Differenzierung bemühten Journalismus bezeichnet werden. Diener: "Es ist durch nichts gerechtfertigt, die Bezeichnung Evangelikale auf den Islam zu beziehen. Evangelikale in Deutschland und weltweit bekennen sich zur Gewaltfreiheit und zur Toleranz gegenüber Andersdenkenden. Sie achten das Gewaltmonopol des Staates und setzen sich weithin für demokratische Grundprinzipien ein.

Wie voreingenommen und interessengeleitet muss man eigentlich sein, um Christenmenschen derartig zu diffamieren und in Bezug zu einer religiösen Gruppe des Islam zu bringen, der zum Beispiel alle Terroristen des 11. September angehörten?"

pro (10. Januar 2013, Salafisten – Die islamischen Evangelikalen? www.pro-medienmagazin.de)

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"Religionen können Gewalt hervorrufen und legitimieren. Und sie können vor Gewalt warnen. Dazu sind alle Religionen in der Lage. Dazu ist der Islam in der Lage, aber das Christentum auch.
Der große Bernhard von Clairvaux hat im zwölften Jahrhundert zu Kreuzzügen aufgerufen, und er hat seine Gefolgsleute angestachelt mit der Parole: Gott will es! Das hat es auch bei bedeutenden Christen gegeben.

Nur, eines muss ich sagen: Wir haben unsere Lektion gelernt. Die furchtbaren Gewaltausbrüche im Mittelalter haben dazu geführt, dass wir gesagt haben, Gewalt und Religion gehen nicht zusammen, und da kam es in unserem Land am Ende zur Trennung von Staat und Kirche, damit die Kirchen nicht mehr die staatliche Gewalt zur Durchsetzung ihrer Interessen nutzen können. Die Lektion haben wir gelernt.

Das ist in islamischen Ländern anders. Eine christliche Republik Deutschland wäre undenkbar. Eine islamische Republik Iran gibt es aber! Da sind die Entwicklungen sehr unterschiedlich verlaufen.

Da, wo ein Glaube fundamentalistisch verstanden und gelebt wird, hat er eine Tendenz zur Gewalt, Weil es in allen heiligen Büchern, auch in der Bibel, Passagen gibt, die Gewalt legitimieren. Und die werden von Fundamentalisten als Selbstermächtigung genutzt, um andere mit Gewalt zu überziehen."

Präses Dr. h.c. Nikolaus Schneider (7. Oktober 2010, Theologe, 2010 - 2014 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, „Tacheles“ - die Talkshow der evangelischen Kirche: Marktkirche Hannover, Streit über Religion und Gewalt: Von Diskriminierung und Fundamentalismus, Sendung "Talk am roten Tisch", Ausgestrahlt von Phoenix am 17. Oktober 2010, www.tacheles.tv/streit-um-religion-und-gewalt.php)

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Bernhard von Clairvaux (1090-1153): "Gott will es!" (Kreuzzüge)

 


"Unsere Kirchenwelt wurde immer schwärzer gemalt und die Allianz [Evangelische Allianz] errichtete systematisch eine Parallelorganisation nach der anderen gegen die vorhandenen Kirchenstrukturen. [...] Immer deutlicher betont die »Allianz« ihre eigene »kirchliche« Rolle auch in der Öffentlichkeit. [...]

95–98% des Mitgliederzuwachses der neoevangelikalen Gruppen und Gemeinden sind nur Transfergewinne aus Landeskirchen und vor allem – und dort inzwischen besonders schmerzlich – aus den traditionellen Freikirchen und dem immer weiter abmagernden Gnadauer Verband [Vereinigung Landeskirchlicher Gemeinschaften].

Das Schlimme daran ist für uns, dass die von uns oft selbst zugelassene Abwerbung nicht kirchliche Randsiedler betrifft, sondern unsere Kerngemeinde und uns nach jeder neuen Aktion irgendwo wieder wichtige Mitarbeiter fehlen."

Dr. Richard Ziegert (2003, bis 2011 Beauftragter für Weltanschauungsfragen der Evangelischen Kirche der Pfalz, Deutsches Pfarrerblatt, Nr. 6/ Juni 2003; S.291ff, Die EKD-Kirchen angesichts der Globalisierung)

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"Die Evangelikalen ... geben sich proisraelisch - und missionieren dennoch auch unter Juden. Denn in ihren Augen wird nur errettet, wer Jesus als den Messias anerkennt."

taz (10.01.2009, Um Gottes willen! www.taz.de)

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"Die Christenheit hat nicht den Auftrag, das jüdische Nein zum Messias Jesus aufzubrechen. Im Gegenteil!"

Präses Dr. h.c. Nikolaus Schneider (17. September 2009, Theologe, 2010 - 2014 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland - EKD, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR), Rabbiner-Brandt-Vorlesung in der Evangelischen St. Mariengemeinde in Dortmund, Pressemitteilung Nr. 147/2009, www.ekd.de/PT_Praeses_zu_Judenmission_17092009.pdf)

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Thomas Plaßmann, Wir wollen nicht provozieren: Cartoons über Gott und die Welt. Herder, Freiburg; September 2009

Thomas Plaßmann, Wir wollen nicht provozieren: Cartoons über Gott und die Welt. 2009

 


"Fundamentalismus heißt nicht, einen Wahrheitsanspruch zu haben. Dann gäbe es auf dieser Welt fast nur Fundamentalisten und die edlen Menschen wären vor allem Westeuropäer, die stolz darauf sind, die Wahrheit nicht zu kennen und immer auf der Suche zu sein.

Der Fundamentalismusbegriff, der ab 1979 berühmt wurde, war derjenige, der für Ayatollah Chomeini geprägt wurde, der im Iran den Wahrheitsanspruch einer bestimmten islamischen Richtung allen Menschen im Land aufzwang und bis heute aufzwingt.

Ein Mensch, der irgendetwas für absolut richtig oder falsch hält, wird dadurch nicht gefährlich. Ein Problem wird er für die Gesellschaft erst, wenn er daraus ableitet, dass er andere zwingen darf, dasselbe zu glauben, dasselbe zu tun, und dass die ganze Gesellschaft so zu funktionieren hat, wie er es für richtig hält.

Und es ist diese Art des Fundamentalismus, die in allen möglichen Weltreligionen aufgetreten ist, die für die ganz große Menge der christlichen Märtyrer und für die Opfer anderer Religionen verantwortlich ist."

Prof. Dr. theol. Dr. phil. Thomas Schirrmacher (29. August 2012, Vorsitzender der Theologischen Kommission der Weltweiten Evangelischen Allianz, Deutschland: CSU-Kongress: Christenverfolgung im 21. Jahrhundert, www.ead.de/nachrichten)

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"Fundamentalistisch sind religiöse oder politische Bewegungen genau dann, wenn sie ihren "Mythos" zu rationalisieren versuchen; wenn dieser als "Logos" [griech.: Wort bzw. das rationale, logische oder wissenschaftliche Denken] einer wissenschaftlichen Wahrheit oder einer rationellen Ideologie verstanden wird.

Wer als Christ (oder Jude oder Muslim) meint, die Glaubensinhalte seiner Religion seien so etwas wie Wahrheit, oder wer als Jude (oder Christ oder Muslim) glaubt, seine Religion ("Mythos") zu säkularen Zwecken ("Logos") einsetzen zu können, der ist ein Fundamentalist. [...]

Alle diejenigen, die von ihrem Glauben, welcher er auch immer sei, überzeugt sind und ihn mit Wahrheitsanspruch verteidigen, sind Fundamentalisten und somit potentielle Terroristen. So einfach ist die Lösung. [...]

Mythos muss Mythos bleiben, das ist das Fazit des Buches [Armstrong, Karen: Im Kampf für Gott. Fundamentalismus in Christentum, Judentum und Islam. Siedler Verlag, München 2004]. Und in der Trennung jedes mystischen Mythos von dem strengen wissenschaftlichen Denken, dem "Logos", liegt das Heil unserer manichäistischen Welt [http://de.wikipedia.org/wiki/Manichäismus]."

Prof. Dr. Friedrich Niewöhner (4. Oktober 2004, Philosophiehistoriker, Lust und Leid der Sekundärquelle, Armstrong, Karen: Im Kampf für Gott, Feuilleton Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.10.2004, Nr. 231 / Seite 37)

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"Karen Armstrong [siehe Buchrezension oben] ist eine Expertin in religiösen Fragen, die weltweit höchste Anerkennung genießt. [...] Seit dem 11. September 2001 gehört Karen Armstrong zu den gefragtesten Spezialisten im Blick auf den Fundamentalismus. [...]

Den von der Moderne hervorgebrachten Versuch, den Logos [griech.: Wort bzw. das rationale, logische oder wissenschaftliche Denken] an die Stelle des Mythos zu stellen und den Mythos als „Irrtum und Aberglauben“ abzutun, sieht Armstrong als Wurzel aller fundamentalistischer Gegenbewegungen. [...]

Frau Armstrong, die Evangelisch-theologische Fakultät der Universität Tübingen ist stolz, Ihnen den Dr. Leopold Lucas-Gedächtnispreis 2009 verleihen zu dürfen!"
 
Prof. Dr. Friedrich Schweitzer (12. Mai 2009, Lehrstuhl für Praktische Theologie/Religionspädagogik, Dekan der Evangelisch-theologische Fakultät d. Eberhard Karls Universität Tübingen, Ansprache bei der Verleihung des Dr. Leopold Lucas-Preises 2009, www.uni-tuebingen.de)

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Dr. Karen Armstrong, 2009 Preisträgerin der Evangelisch-theologischen Fakultät d. Universität Tübingen:

"Unser modernes Gottesbild ist naiv und unser religiöses Denken primitiv. [...] Ungeachtet unseres wissenschaftlichen und technischen Scharfsinns ist unser religiöses Denken auffällig unterentwickelt [...]

Wir reden heute viel zu oft über Gott. ... Wie kommen wir eigentlich dazu, ihn als »gut«, »weise« oder »intelligent« zu apostrophieren? [...] Einige weise Theologen bezeichneten Gott als ein »Nichts«, weil er nun mal kein Wesen sei. Ganz sicher durfte man aus ihrer Perspektive die heiligen Schriften nicht wörtlich nehmen. [...] Heute hat man eine volkssprachliche Bibel oder einen Koran zu Hause und kann lesen, doch mit dem symbolischen Verständnis hapert es oft. [...]

Die Geschichten von Buddha, Jesus, Mohammed: Unterweisungen im Menschsein. [...]

Indem sich die Bedeutung des Wortes »Glauben« änderte, wurde eine gutgläubige Anerkennung von Dogmen zur Voraussetzung von Religion. Das ging so weit, dass wir religiöse Menschen heute »Gläubige« nennen, als ob ihre wichtigste Tätigkeit darin bestünde, das religiöse Dogma glaubend anzunehmen.

Diese rationalisierte Interpretation von Religion hat zu zwei modernen Phänomenen geführt: zu Fundamentalismus und Atheismus.
Die offensive Frömmigkeit, die man allgemein Fundamentalismus nennt, brach sich in fast jeder großen Religion im Laufe des 20. Jahrhunderts Bahn. In ihrem Wunsch, einen durch und durch rationalen Glauben zu schaffen, deuteten christliche Fundamentalisten die Bibel so buchstabengetreu wie nie zuvor.

Der klassische westliche Atheismus wurde von Feuerbach, Marx, Nietzsche und Freud zunächst als Antidogmatismus entwickelt, ihre Weltanschauung war im Wesentlichen eine Antwort auf die engstirnige theologische Gotteswahrnehmung, die sich in Europa und den Vereinigten Staaten entwickelt hatte.

Der jüngere Atheismus eines Richard Dawkins, Christopher Hitchens [siehe Beitrag unten] und Sam Harris jedoch unterscheidet sich deutlich davon, denn er konzentriert sich ausschließlich auf den Gott der Fundamentalisten, und alle drei Autoren bestehen fälschlicherweise darauf, dass der Fundamentalismus das Wesen aller Religion ausmache. Die Popularität ihrer Bücher lässt immerhin vermuten, dass das dogmatische Gotteskonzept viele Menschen verärgert.

Tatsächlich sind die neuen Atheisten in ihrer Religionskritik nicht radikal genug.

Jüdische, christliche und muslimische Theologen haben jahrhundertelang darauf bestanden, dass Gott nicht existiert und dass da draußen das »Nichts« ist; mit dieser Aussage wollten sie nicht die Wirklichkeit Gottes leugnen, sondern Gottes Transzendenz bewahren.

Was heute hart zu kritisieren wäre: dass wir jenen wichtigen Traditionsstrang der Religion aus den Augen verloren haben, der viele unserer gegenwärtigen Probleme lösen könnte. Der moderne Gott ist nur eine der Theologien, die sich im Laufe der dreitausendjährigen Geschichte des Monotheismus entwickelten. [...]

Obwohl so viele Menschen heute den Glauben ablehnen, erlebt die Welt ein Revival des Religiösen. Entgegen den zuversichtlichen Voraussagen der Säkularisten wird es in nächster Zeit nicht verschwinden.

Doch wenn wir dem gewalttätigen und intoleranten Druck nachgeben, wird die neue Religiosität heillos sein. Um das zu verhindern, müssen wir uns auf eine Tradition besinnen, die die Grenzen des Wissens anerkannte, müssen religiöse Gewissheiten verlernen und einsehen, dass es niemals leicht ist, über Gott zu reden. [...]

Wir müssen wieder lernen, dass Glauben mit Vertrauen, nicht mit Lehrsätzen zu tun hat. Dann finden wir vielleicht wie der Buddha aus dem Mythos zu einer wachen Haltung, die dem Göttlichen nahekommt"

Dr. Karen Armstrong (24. Juli 2010, englische Theologin und Religionswissenschaftlerin, 1962 – 1969 katholische Nonne, 2009 erhielt Karen Armstrong den Dr. Leopold-Lucas-Preis der Evangelisch-theologischen Fakultät der Universität Tübingen, Modernes Gottesbild: Zu wem beten die da? The Case for God« im New Yorker Verlag Alfred A. Knopf/Random House, DIE ZEIT, 24.06.2010 Nr. 26, www.zeit.de, http://de.wikipedia.org/wiki/ Karen_Armstrong, http://de.wikipedia.org/wiki/Dr.-Leopold-Lucas-Preis)

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Thai Buddha (siehe Beitrag oben) (Quelle: 2005, www.buddhanet.net)

 


Dr. Marilyn Sewell zu Christopher Hitchens: "Die Religion, die sie in ihrem Buch [2007, Der Herr ist kein Hirte, Wie Religion die Welt vergiftet] zitieren, ist im Allgemeinen der fundamentalistische Glaube in seinen verschiedenen Formen.

Ich bin ein liberaler Christ und ich glaube nicht wörtlich an die Geschichten der Schrift. Ich glaube nicht an die Lehre des Sühnopfers Christi (zum Beispiel, dass Jesus für unsere Sünden starb).

Machen sie irgendeinen Unterschied zwischen fundamentalistischem Glauben und liberaler Religion?"

Christopher Hitchens [
bekennender Atheist]: "Ich würde sagen, wenn sie nicht glauben, dass Jesus von Nazareth der Christus und Messias war und dass er von den Toten auferstand und dass durch sein Opfer unsere Sünden vergeben sind, sind sie in keiner sinnvollen Weise ein Christ." [Zitat im unteren Teil ausführlicher]

Portland Monthly (Januar 2010, Monthly City Magazines,  Interview: Questions of Faith, www.portlandmonthlymag.com)

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"Jetzt ist die Endzeit gekommen; »als die Zeit erfüllt war«, sandte Gott seinen Sohn. Dieser, ein präexistentes Gottwesen [Präexistenz Christi: Jesus Christus hat bereits vor seinem irdischen Leben existiert], erscheint auf Erden als ein Mensch; sein Tod am Kreuz, den er wie ein Sünder erleidet, schafft Sühne für die Sünden der Menschen.

Seine Auferstehung ist der Beginn der kosmischen Katastrophe, durch die der Tod, der durch Adam in die Welt gebracht wurde, zunichte gemacht wird; die dämonischen Weltmächte haben ihre Macht verloren. Der Auferstandene ist zum Himmel erhöht worden zur Rechten Gottes; er ist zum »Herrn« und »König« gemacht worden.

Er wird wiederkommen auf den Wolken des Himmels, um das Heilswerk zu vollenden; dann wird die Totenauferstehung und das Gericht stattfinden; dann werden Sünde, Tod und alles Leid vernichtet sein. Und zwar wird das in Bälde geschehen […] Die Glaubenden haben schon das » Angeld «, nämlich den Geist, der in ihnen wirkt und ihre Gotteskindschaft bezeugt. […]

Das alles ist mythologische Rede, und die einzelnen Motive lassen sich leicht auf die zeitgeschichtliche Mythologie der jüdischen Apokalyptik und des gnostischen Erlösungsmythos zurückführen."

Prof. Dr. Rudolf Bultmann (1941, Ev. Theologe, Neues Testament und Mythologie. Das Problem der Entmythologisierung der neutestamentlichen Verkündigung, München: Kaiser 3. Aufl. 1988, Seite 12-13)

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"All das sind Fabeln ... von den Dichtern erfunden, um ihrer Dichtung Reiz zu verleihen. Ihr habt sie allzu leichtgläubig ... für euren Gott wieder aufgewärmt." [Kontext: Christentum um 200 n.Chr.]

Caecilius Natalis
(200 n.Chr., Sprecher des Heidentums, Frühchristliche Apologeten und Märtyrerakten 1913, Bd. 2, Minucius Felix, Octavius.)

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"Wenn nun in den letzten 20 Jahren zurückgerufen wurde von der Kritik zur einfachen Übernahme des neutestamentlichen Kerygmas [griech. kérygma, Botschaft], so gerieten Theologie und Kirche in Gefahr, unkritisch die Mythologie des Neuen Testaments zu repristinieren [lat. aufwärmen von Gestrigem] und damit das Kerygma für die Gegenwart unverständlich zu machen.

Die kritische Arbeit früherer Generationen darf nicht einfach weggewischt werden, sondern sie muss positiv aufgenommen werden."

Prof. Dr. Rudolf Bultmann (1941, Ev. Theologe
, Neues Testament und Mythologie. Das Problem der Entmythologisierung der neutestamentlichen Verkündigung, München: Kaiser 3. Aufl. 1988, Seite 24-25)

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1941, Prof. Dr. Rudolf Bultmann (1884 - 1976), 1912 - 1951 Uni Prof.
Rudolf Bultmann in Alpirsbach im Juni 1941 (Photo Antje Bultmann Lemke), Gesine Diesselhorst.
Konrad Hamman: Rudolf Bultmann. Eine Biographie. Mohr Siebeck Tübingen, 2009, Seite 336

 


"Es fragt sich also, wie die Entmythologisierung zu vollziehen ist. An ihr arbeitet die Theologie nicht erst seit heute."

Prof. Dr. Rudolf Bultmann (1941, Ev. Theologe, Neues Testament und Mythologie. Das Problem der Entmythologisierung der neutestamentlichen Verkündigung, München: Kaiser 3. Aufl. 1988, Seite 24)

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"Das Neue Testament braucht nicht entmythologisiert zu werden, weil es keinen Mythos enthält"

Prof. Dr. Hermann Sasse (1942, lutherischer Theologe, Flucht vor dem Dogma. Bemerkungen zu Bultmanns Entmythologisierung des Neuen Testaments, Luthertum 53 - 1942, S. 161)

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"Denn wir sind nicht ausgeklügelten Fabeln gefolgt, als wir euch kundgetan haben die Kraft und das Kommen unseres Herrn Jesus Christus; sondern wir haben seine Herrlichkeit selber gesehen."

2. Petrus 1, 16

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1498 Leonardo da Vinci, Abendmahl, Dominikanerkloster Santa Maria delle Grade, Mailand

 


"Daran sollt ihr den Geist Gottes erkennen: Ein jeder Geist, der bekennt, dass Jesus Christus in das Fleisch gekommen ist, der ist von Gott; und ein jeder Geist, der Jesus nicht bekennt, der ist nicht von Gott. Und das ist der Geist des Antichrists"

1. Johannes 4, 2-3 

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"Das ist freilich die bequemste Weise, der kritischen Frage auszuweichen, indem man alles im wörtlichen Verstände bestehen lässt"

Prof. Dr. Rudolf Bultmann (1941, Ev. Theologe
, Neues Testament und Mythologie. Das Problem der Entmythologisierung der neutestamentlichen Verkündigung, München: Kaiser 3. Aufl. 1988, Seite 24-25)

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"Kann die christliche Verkündigung dem Menschen heute zumuten, das mythische Weltbild als wahr anzuerkennen? Das ist sinnlos und unmöglich. Sinnlos; denn das mythische Weltbild ist als solches gar nichts spezifisch Christliches, sondern es ist einfach das Weltbild einer vergangenen Zeit, das noch nicht durch wissenschaftliches Denken geformt ist."

Prof. Dr. Rudolf Bultmann (1941, Ev. Theologe, Neues Testament und Mythologie. Das Problem der Entmythologisierung der neutestamentlichen Verkündigung, München: Kaiser 3. Aufl. 1988, Seite 14)

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"Für den Menschen von heute sind das mythologische Weltbild, die Vorstellung vom Ende, vom Erlöser und der Erlösung vergangen und erledigt."

Prof. Dr. Rudolf Bultmann (1965, Theologe, Glauben und Verstehen: gesammelte Aufsätze, Band 4. J.C.B. Mohr (Paul Siebeck) Verlag Tübingen, 4. Aufl. 1984, Seite 144-145)

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"Die Schriftbeweise des Neuen Testamentes müssen fallen, nicht erst auf Grund rationaler historischer Kritik"

Prof. Dr. Rudolf Bultmann (1930, Ev. Theologe, Die Bedeutung des Alten Testaments für den christlichen Glauben, Glauben und Verstehen (GuV). Gesammelte Aufsätze, Band 1, 9. Aufl. Tübingen 1993, Seite 335)

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"Wer Gott von Seinem Wort trennt, schafft sich einen Götzen!"

Rolf-Jürgen Schmeißing (7. Februar 2009, Diskussion, Pietisten-Präses gegen fundamentalistisches Bibelverständnis, www.idea.de)

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"Zunächst ist Jahwe, Israels Gott, ein Stammesgott wie andere semitische Gottheiten [vgl. Baal]"
[Anmerkung: Der Beweis für die im Text genannten Hypothesen steht noch aus.]

Prof. Dr. Rudolf Bultmann (1949, Ev. Theologe, Das Urchristentum im Rahmen der antiken Religionen. Artemis & Winkler Verlag Zürich 1949 u. Patmos Verlag Düsseldorf Aufl. 2005, Seite 11)

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"Ein Opfer für Baal" (semitische Gottheit, siehe Beitrag oben)
Henri-Paul Motte (1846 - 1922) franz. Historienmaler

 


"[Wir lassen hier den Namen Gottes aus] [Gott Israels] und Baal sind ebenso wie der aramäische Hadad unterschiedliche Manifestationen eines verbreiteten ursprünglichen Wettergotttypus" [Anmerkung: Der Beweis für die im Text genannten Hypothesen steht noch aus.]

Prof. Dr. Sebastian Grätz (Mai 2006, Professur für Altes Testament: Evangelisch-Theologische Fakultät Johannes Gutenberg-Universität Mainz, JHWH und Baal, Wissenschaftliches Bibellexikon WiBiLex, Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart, www.bibelwissenschaft.de)

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"Mit wem wollt ihr mich also vergleichen, dem ich gleich sei?, spricht der Heilige. Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat dies geschaffen?"

Jesaja 40, 25-26

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"Wie lange hinket ihr auf beiden Seiten? Ist der HERR Gott, so wandelt ihm nach, ist's aber Baal, so wandelt ihm nach. Und das Volk antwortete ihm nichts."

1. KÖNIGE / 18. Kapitel, 21

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"Der Name Baal [siehe Beiträge oben] lebt in Balthasar und Hannibal (phönizisch für „Baal ist gnädig“) fort. Auch das Wort Beelzebub oder Baal-Sebub (Herr der Fliegen), geht auf Baal zurück und stellt im Neuen Testament eine Bezeichnung für den Teufel dar."

(Stand Juni 2010, http://de.wikipedia.org/wiki/Baal_(Gottheit)

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"C.S. Lewis [http://de.wikipedia.org/wiki/C.S._Lewis] hat sich intensiv mit der „Korruption der Sprache“ auseinandergesetzt. Sprache kann heilen oder zerstören, sagte er. Die Sprache heilt, wenn sie eine Wahrheit klar ausspricht. Die korrupte Sprache dagegen ist die unverständliche Sprache. …

Die Umdeutung von Gut zu Böse, sagte Lewis, zeigt sich zuerst in der Sprache. Wenn man die Worte oder ihre Bedeutung verändert, verändert sich die öffentliche Wahrnehmung einer Sache. Ziel dabei ist es, Menschen dazu zu bringen, etwas gutzuheißen, was sie nie tun würden, wenn sie genau wüssten, worum es geht."

Dr. med. Christl Ruth Vonholdt (2007, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, factum 6/2007, S.30)

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"Der lebendige Gott wurde in den Gott der Philosophie verwandelt, der nichts sieht, nichts hört, nichts sagt und nichts tut, der nur noch Götze ist, von dem man nichts erwarten darf. ...

Sie [die Theologie] hält das, was sie von ihren Kathedern lehrt, für wissenschaftliche Ergebnisse und kultiviert es als angeblich wissenschaftliche Methoden. Dadurch sichert sie sich ihren Verbleib an der Universität. ...
Es ist nichts in der historisch-kritischen Theologie, was nicht zuvor in der Philosophie gewesen ist. …

Wundern, Auferstehungsberichten und Ähnlichem wurde von vornherein die Historizität abgesprochen, weil die historisch-kritische Theologie im Gefolge der Aufklärungsphilosophie kein Handeln Gottes in der Geschichte gelten ließ.

Durch Vor-Urteil wurde das alles für mythisch erklärt. … Geschichte wurde auf das Menschliche begrenzt. Gott ließ man darin keinen Raum. Alles singuläre Handeln Gottes wurde ausgeschlossen. …

Lebendiger Glaube an Gottes Offenbarung in seinem Wort und eine „wissenschaftliche“ Theologie, die arbeitet „als ob es Gott nicht gäbe“ schließen sich aus. … Der Jesus der Bibel und der Jesus der Bibelkritik sind Gegensätze, die sich ausschließen. Jeder muss sich entscheiden, welchen Jesus er wählt. Er soll aber wissen, dass der Jesus der Bibelkritik nicht zu retten vermag." …

Eine Theologie, die auf antitheistische Voraussetzungen beruht, ist ein Widerspruch in sich selbst. Die Kirche kann nicht gedeihen, wenn sie sich mit solch einer Theologie die Ausbildung ihrer Pastoren betreibt, kann nicht gedeihen, wie man allerorten sehen kann." [Zitat im unteren Teil ausführlicher]

Prof. Dr. theol. Eta Linnemann (1. Oktober 2007, Theologin, Bibel oder Bibelkritik? Was ist glaubwürdig?, ISBN 9783937965864)

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"Die Faszination, die von der historisch-kritischen Theologie ausgeht ... beruht auf ihrem Anspruch der Wissenschaftlichkeit.

Man hält es für nötig, die wissenschaftlichen Ergebnisse zu respektieren und durchschaut nicht, dass diese »Ergebnisse« häufig nichts Anderes sind als unbewiesene Hypothesen, die vollmundig als Fakten ausgegeben werden, sobald sie eine breitere Zustimmung gefunden haben."

Prof. Dr. Eta Linnemann (1998, Theologin, "Bibelkritik auf dem Prüfstand: wie wissenschaftlich ist die wissenschaftliche Theologie?")

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"Zu welchen Skurrilitäten fundamentalistische Schriftauffassung führen kann (!, nicht muss, und auch nicht allein sie führt!), zeigt sich immer wieder in den ausdrücklich auch von Thomas Schirrmacher [Evangelische Allianz] kritisch bewerteten Arbeiten der sich trotz ihrer Konversion in ihrer Radikalität treu gebliebenen Theologin Eta Linnemann [siehe oben]." [Hintergrund: Prof. Dr. Eta Linnemann war vormals eine radikale Vertreterin der historisch-kritischen Theologie]

Prof. Dr. Heinzpeter Hempelmann (Dezember 2001, Oberkirchenrat der württembergischen Landeskirche, Gemeinsame Liebe. Wie Evangelikale die Autorität der Bibel bestimmen, Seite 58)

Diskussion

 

2002, Petersdom Rom, links: Dr. Joseph Alois Ratzinger (2005-2013 Papst Benedikt XVI.)
rechts: Dr. Karol Józef Wojtyła (1920 - 2005) (1978 - 2005 Papst Johannes Paul II.)

 


"Der Antichrist empfängt von der Universität Tübingen den Ehrendoktor der Theologie; er ist ein großer Bibelgelehrter. Solowjew hat mit dieser Darstellung seine Skepsis gegenüber einem gewissen Typ exegetischer Gelehrsamkeit seiner Zeit drastisch ausgedrückt.

Das ist kein Nein zur wissenschaftlichen Bibelauslegung als solcher, aber eine höchst heilsame und notwendige Warnung vor ihren möglichen Irrwegen. Bibelauslegung kann in der Tat zum Instrument des Antichrist werden." [Zitat im unteren Teil ausführlicher]

Dr. Joseph Ratzinger (16. April 2007
, 2005-2013 Papst Benedikt XVI., Jesus von Nazareth, Herder, ISBN 978-3451298615)

Diskussion


HNA: Was ist Ihr Hauptkritikpunkt? "Dass der Autor [Dr. Joseph Ratzinger, siehe oben] die historische Kritik abwürgt und sagt, dass letztendlich die Irrtumslosigkeit der Bibel gilt und die Inspiriertheit des Gotteswortes ... dass es in der Bibel kein unechtes Wort Jesu gebe. Das halte ich für wissenschaftlich skandalös. [...]

Das Buch [Jesus von Nazareth, Dr. Joseph Ratzinger, April 2007, siehe oben] offenbart ganz bedenkliche Tendenzen, weil es die Theologie als Wissenschaft disqualifiziert. Darauf läuft es letztendlich hinaus."


Prof. Dr. Gerd Lüdemann (29.04.2007, Theologe, Georg-August-Universität Göttingen, Interview HNA - Hessische/Niedersächsische Allgemeine)

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"Es fällt auf, dass sich Benedikt [siehe oben] immer wieder mit der sog. "liberalen Theologie" auseinandersetzt, einer im Protestantismus ausgebildeten theologischen Richtung, die Forschung und Lehre in Freiheit von dogmatischen Vorgaben, aber dem Evangelium verpflichtet und im Gespräch mit Wissenschaft und Kultur betrieb.
Obwohl die liberale Theologie ihre Blütezeit bei uns in Deutschland im Wilhelminischen Zeitalter [1890 bis 1918] hatte, so erlebte sie doch in unseren Tagen - aus gutem Grund! - eine Renaissance. Somit verhält sich Benedikt jedenfalls in dieser Hinsicht keineswegs zeitwidrig.

In den Brennpunkt der päpstlichen Kritik gerät Adolf von Harnack (1851 - 1930) mit seiner berühmten These: "Nicht der Sohn, sondern allein der Vater gehört in das Evangelium, wie es Jesus verkündigt hat, hinein." [...]

Insgesamt jedoch bedeutet das päpstliche Jesusbuch [siehe Beitrag oben] eine Rückkehr zu einem Jesusverständnis, das hinter die Aufklärung zurückführt"


Prof. Dr. theol. Werner Zager (Dezember 2007, Evangelischer Theologe, Fachbereich Evangelische Theologie - Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main, Präsident des Bundes für Freies Christentum, Wer war Jesus wirklich? Deutsches Pfarrerblatt, Heft 12, S. 650/651)

Diskussion


"Dass Benedikt  [siehe oben] ein konservativer Papst sein würde, war bei seiner intellektuellen Vita zu erwarten, aber dass er fundamentalistische Neigungen zeigt, ist dann doch überraschend, ja schockierend. [...]
Auch wenn Benedikt nach Protesten immer wieder zurückrudert, ist zu fragen, ob seine Ausrutscher sich nicht doch aus einer gefährlichen Nähe zum christlichen Fundamentalismus erklären."
[Zitat im unteren Teil ausführlicher]

Dr. Dieter Sattler (30.01.2009, Redakteur [Politik] Frankfurter Neuen Presse, PAPST: Gefährliche Nähe zum Fundamentalismus - Diskussion, Frankfurter Neuen Presse, www.fnp.de)

Kommenta

 

Zweifel

(Andrea & Stefan Waghubinger, 2001, Auf die Kanzel, fertig, los!, ISBN 3-532-62264-5)

 


"Vor allem die Evangelikalen [siehe auch Evangelikale] ... opponierten heftig gegen das, was ihnen die Theologie-Professoren mit - wie mir schien - heimlicher Lust an der Provokation vorsetzten. Und etliche Studenten gefielen sich sehr in ihrer Rolle als Aufklärer, gerierten sich wie kleine Voltaires [http://de.wikipedia.org/wiki/Voltaire] und zogen, ein Vierteljahr tausend nach Voltaire, viel Lustgewinn aus ihrem Bestreben, die Evangelikalen als bemitleidenswerte Hinterwäldler vorzuführen.

Ich selbst saß meistens eher still dabei, litt ein wenig mit den Evangelikalen, konnte sie gut verstehen, aber nicht verteidigen. Jahrelang hatten sie in ihren christlichen Jugendgruppen engagiert gearbeitet, waren sie in ihren Gemeinden meistens die Einzigen, die noch was auf die Beine gestellt kriegten, hatten sie für ihr Leben viel Kraft aus den wörtlich geglaubten Geschichten der Bibel gezogen.

Ihnen, denen es wirklich ernst war mit ihrem Glauben, wurde nun dieser Glaube ausgerechnet von der geistigen Elite der Kirche zertrümmert. Das musste ihnen teuflisch vorkommen - der Theologieprofessor als Antichrist."

Christian Nürnberger (November 2007, Journalist - "Atheistisch an Gott glauben", Jesus für Zweifler)

Kommenta


"Die Bibel gilt den christlichen Kirchen als die Heilige Schrift. Doch was heißt heilig? Welches Schriftverständnis entspricht dem Konzept „Heilige Schrift“? Achtet etwa so genannte „bibeltreue“ Auslegung per definitionem die Bibel als heilig? Missachtet liberale Auslegung die Heiligkeit?

Oder kann gerade gut gemeinte „Bibeltreue“ die Schrift entheiligen? [...]

Gegen die Angriffe des Rationalismus auf die Bibel versuchten Theologen die Bibel durch Bekenntnisse zu verteidigen. [...] Die Bibel ist eben auch durch diese „fundamentalistischen“ Bekenntnisse entheiligt worden. Es kann hier leider nicht analysiert werden, welch großen Schaden dieser Zugang in der Kirche angerichtet hat. [...]

Ein Zurück zu einer Bindung an Form und Inhalt der Bibel verbunden mit einer daraus entstehenden Vielfalt der Interpretationen gäbe der Fruchtbarkeit der Bibel Raum."

Prof. Dr. Peter Wick (2002, Theologe, Evangelisch- Theologische Fakultät der Ruhr- Universität Bochum, Die Bibel als Heilige Schrift auslegen und übersetzen, www.bibeluebersetzungen.ch/fisch/pwick.pdf)

Diskussion


"Unsere heiligen Texte sind oft nur heidnische Texte, die jüdisch umgearbeitet und später von Christen übernommen wurden."

Christian Nürnberger (November 2007, Journalist - "Atheistisch an Gott glauben", Jesus für Zweifler)

Diskussion


"Sie sehen, was Sie zu sehen erwarten."

Prof. Dr. Steven J. Sherman & Prof. Dr. David L. Hamilton (1989, Personality and Social Psychology Bulletin, Vol. 15, No. 4, 559-571. 1989, Attenuation of Illusory Correlation)

Diskussion


"Aus scheinbaren Ergebnissen der wissenschaftlichen Exegese sind die schlimmsten Bücher der Zerstörung der Gestalt Jesu, der Demontage des Glaubens geflochten worden.

Heute wird die Bibel weithin dem Maßstab des sogenannten modernen Weltbildes unterworfen, dessen Grunddogma es ist, dass Gott in der Geschichte gar nicht handeln kann - dass also alles, was Gott betrifft, in den Bereich des Subjektiven zu verlegen sei.

Dann spricht die Bibel nicht mehr von Gott, dem lebendigen Gott, sondern dann sprechen nur noch wir selber und bestimmen, was Gott tun kann und was wir tun wollen oder sollen.

Und der Antichrist sagt uns dann mit der Gebärde hoher Wissenschaftlichkeit, dass eine Exegese, die die Bibel im Glauben an den lebendigen Gott liest und ihm selbst dabei zuhört, Fundamentalismus sei; nur seine Exegese, die angeblich rein wissenschaftliche, in der Gott selbst nichts sagt und nichts zu sagen hat, sei auf der Höhe der Zeit." [Zitat im unteren Teil ausführlicher]

Dr. Joseph Ratzinger (16. April 2007
, 2005-2013 Papst Benedikt XVI., Jesus von Nazareth, Herder, ISBN 978-3451298615)

Diskussion


"Gott ist tot, er wurde auf der theologischen Werkbank zu Tode interpretiert."

Dr. Lutz Graf (2000, Langen,
Leserbriefe zu dem Artikel: Grabesstimmung: Haben die Theologen die Kirche im Stich gelassen? ... Das Thema Ostern - eine einzige Konfusion, DEUTSCHES ALLGEMEINES SONNTAGSBLATT, DS 21. April 2000 Nr. 16/2000
)

Diskussion

 

 


Dr. Marilyn Sewell (Unitarische Pastorin): "Die Religion, die sie in ihrem Buch [2007,
Der Herr ist kein Hirte, Wie Religion die Welt vergiftet] zitieren, ist im Allgemeinen der fundamentalistische Glaube in seinen verschiedenen Formen.

Ich bin ein liberaler Christ und ich glaube nicht wörtlich an die Geschichten der Schrift. Ich glaube nicht an die Lehre des Sühnopfers Christi (zum Beispiel, dass Jesus für unsere Sünden starb).

Machen sie irgendeinen Unterschied zwischen fundamentalistischem Glauben und liberaler Religion?"

Christopher Hitchens (Autor, Publizist): "Ich würde sagen, wenn sie nicht glauben, dass Jesus von Nazareth der Christus und Messias war und dass er von den Toten auferstand und dass durch sein Opfer unsere Sünden vergeben sind, sind sie in keiner sinnvollen Weise ein Christ."

Sewell: The religion you cite in your book is generally the fundamentalist faith of various kinds. I’m a liberal Christian, and I don’t take the stories from the scripture literally. I don’t believe in the doctrine of atonement (that Jesus died for our sins, for example). Do you make and distinction between fundamentalist faith and liberal religion?

Hitchens: I would say that if you don’t believe that Jesus of Nazareth was the Christ and Messiah, and that he rose again from the dead and by his sacrifice our sins are forgiven, you’re really not in any meaningful sense a Christian.


Portland Monthly (Januar 2010, Monthly City Magazines,  Interview: Questions of Faith, www.portlandmonthlymag.com)

(http://de.wikipedia.org/wiki/Christopher_Hitchens, www.marilynsewell.com)

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"Keiner glaubt uns, was wir selbst nicht glauben"

Prof. Dr. Dr. Otto. B. Roegele (März 1988, Kommunikationswissenschaftler, Keiner glaubt uns, was wir selbst nicht glauben, IKZ Internationale Katholische Zeitschrift Communio 2/1988 (17. Jg.), S. 144-153. www.communio.de)

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"Im Übrigen gilt für uns "Kirchenpersonal" der alte Spruch: Wer Opel verkaufen will, sollte möglichst auch Opel fahren."

Dr.
Joachim Wanke (08. April 2007, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 8.4.07, Nr. 14, Seite 7)

Diskussion


"Der deutsche Protestantismus, der 1950 noch 46 Millionen Gläubige versammelte, hat jetzt noch 23 Millionen. Das ist praktisch eine Halbierung in zwei Generationen. [...] Das ist keine Erosion mehr, sondern eine Implosion des Christentums. [...]

Gregor Gysi hat völlig Recht, wenn er sagt: Auch als Nichtgläubiger fürchte ich eine gottlose Gesellschaft. [...] Man muss nicht fromm sein, man muss nur die sozialwissenschaftlichen Daten studieren, dann wird man erkennen, dass sich das gesellschaftliche Klima erheblich verändern wird, wenn der christliche Glaube weiter verdampft.

Dann bekommen wir eine Klimakatastrophe ganz anderen Ausmaßes als die, von der heute unentwegt die Rede ist."

Dr. phil. Andreas Püttmann (10.Juni 2010, Politikwissenschaftler, Wenn das Christentum verdampft, Interview, Medienmagazin pro, www.pro-medienmagazin.de)

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Dr. Alfred Rosenberg

 


"Eine Religion, die ihr ganzes Dasein an dem Seidenfaden des Glaubens an ein überliefertes "Faktum" hängt, gegen alles innere Erleben ... gerät in ihren Grundfesten ins Wanken, wenn dieses "Faktum" immer mehr als Legende erkannt, bzw. aufgefasst wird.

Das "Faktum" aber (Sühnetod - Himmelfahrt - Auferstehung), an das das 16. Jahrhundert noch kindlich und in innerer Wahrhaftigkeit glauben konnte, ist heute in seinem entscheidenden Teil nicht mehr als geschichtliche Tatsache lehrbar [...]

Für den nordischen Menschen ist Religion von Eckard bis Lagarde steht's inneres Erleben gewesen, immer Gegenwart, kein Pochen auf ein Faktum [...]

Immer wieder tönt allem Seelenreichtum das wüstendürre Wort entgegen: "Außerhalb dieser Offenbarung [Bibel], der allein göttliche Autorität zukommt, kann Gott in seiner Gottheit nicht erkannt werden" [...]

Wie schon ausgeführt, darf in den Augen der neuen Sektierer auch innere Erfahrung nicht als echte Religion gelten [...] Aber von dieser "frohen Botschaft" wollen unsere düsteren, leichenbitteren "Bekenner" ... nichts wissen. [...]

Von welcher Seite immer man der heute verkündigten "Rechtgläubigkeit" auch nahen mag, immer trifft man auf grundsätzliche Starrheit dem Leben gegenüber ... auf verknöcherten Sektierergeist. Und deshalb auf grundsätzliche Feindschaft nicht nur der von mir persönlich vertretenen Religionsphilosophie"

Dr. Alfred Ernst Rosenberg (1932, 1941 - 1945 Reichsminister Ostministerium, führender Ideologe der NSDAP sowohl in der Weimarer Republik als auch in der Zeit des Nationalsozialismus, 1934 Beauftragter des Führers für die Überwachung der gesamten geistigen und weltanschaulichen Schulung und Erziehung der NSDAP, Als Leiter des Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete (RMfdbO) verfolgte er die systematische Ermordung der Juden.) [siehe auch Kirche im Nationalsozialismus]

Protestantische Rompilger. Der Verrat an Luther und der Mythus des 20. Jahrhunderts, Hoheneichen Verlag München 1937, Seite 48 - 50)

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"Alfred Rosenberg [siehe Beiträge] hat in seinen Werken in hervorragendstem Maße die Weltanschauung des Nationalsozialismus wissenschaftlich und intuitiv begründen und festigen geholfen. [...]

Erst eine spätere Zeit wird voll zu ermessen vermögen, wie tief der Einfluss dieses Mannes auf die geistige und weltanschauliche Gestaltung des nationalsozialistischen Reiches ist."

Dr. Joseph Goebbels (1937, 1933 - 1945 Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, Verleihung des Nationalpreises an Dr. Alfred Ernst Rosenberg. Der Deutsche Nationalpreis für Kunst und Wissenschaft war die höchste Friedensauszeichnung des nationalsozialistischen Deutschen Reiches. Er wurde 1937 durch Adolf Hitler gestiftet und sollte an die Stelle des Nobelpreises treten.  [siehe auch Kirche im Nationalsozialismus]

Raimund Baumgärtner, Weltanschauungskampf im Dritten Reich. Die Auseinandersetzung der Kirchen mit Alfred Rosenberg, Mainz : Matthias-Grünewald-Verlag, 1977)

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"Christlichen Legenden, die allen Ernstes noch heute den Europäern verkündet werden: "Jungfrauengeburt", stoffliche" Auferstehung" Christi, "Himmel- und Höllenfahrt [...]

Noch immer aber haben es Millionen nicht begriffen, dass Kopernikus ... die gesamte Höllenfahrts- und Auferstehungsmythologie restlos überwunden, ein für allemal erledigt hat."


Dr. Alfred Ernst Rosenberg (1
930, 1941 Reichsminister Ostministerium, führender Ideologe der NSDAP, Der Mythus des 20. Jahrhunderts. Hoheneichen - Verlag München 34. Aufl. 1934, S. 132-133)

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"So kann sich das Weltbild ändern etwa infolge der kopernikanischen Entdeckung [...] Welterfahrung und Weltbemächtigung sind in Wissenschaft und Technik so weit entwickelt, dass kein Mensch im Ernst am neutestamentlichen Weltbild festhalten kann und festhält. [...]

Erledigt sind damit die Geschichten von der Himmel- und Höllenfahrt Christi [...] Die Wunder des Neuen Testaments sind damit als Wunder erledigt [...]

Neben dem historischen Ereignis des Kreuzes steht die Auferstehung, die kein geschichtliches Ereignis ist. ... Neben der Behauptung der Präexistenz (Paulus, Johannes) steht ja die Legende von der Jungfrauengeburt (Matthäus, Lukas) ... stehen die Legenden vom leeren Grab und von der Himmelfahrt."

Prof. Dr. Rudolf Bultmann (1941, Ev. Theologe, Neues Testament und Mythologie. Das Problem der Entmythologisierung der neutestamentlichen Verkündigung, München: Kaiser 3. Aufl. 1988, S. 14-16,53)

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"Im kirchlichen Christentum ist nach Alfred Rosenberg die „große Persönlichkeit Jesu" „missbraucht worden". [...]


Der Mythos des 20. Jahrhunderts*, 1933, S. 74. Nach S. 76, Anm. liegt nicht der geringste zwingende Grund zu der Annahme vor, dass Jesus jüdischer Herkunft gewesen ist. [...]

Noch scharfer hat Johannes, der nach Rosenberg
* noch aristokratischen Geist atmet, und der sich gegen die Verbastardierung, Verorientalisierung und Verjudung des Christentums gewehrt haben soll, das ausgedrückt, dass Jesu Kommen die Wende der Zeit war, dass Gottes Gericht sich eben damit schon vollzogen hat"

Prof. Dr. Rudolf Bultmann (1936, Jesus und Paulus: Jesus Christus im Zeugnis der Heiligen Schrift und der Kirche. Beihefte 2 zur Evangelischen Theologie, 1936, Seite 68 - 70 u. 85; Vgl. Jesus und Paulus, Exegetica: Aufsätze zur Erforschung des Neuen Testaments, Tübingen, 1967, Seite 210 - 212 u. 224)

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Rudolf Bultmann (1884 - 1976), 1912 - 1951 Theologieprofessor

 


"Die Formel 'Christus ist Gott' ist falsch in jedem Sinn, in dem Gott als eine objektivierbare Größe verstanden wird, mag sie nun arianisch [der Vater allein ist Gott] oder nizäisch [wir glauben an einen Gott, den Vater ... den einen Herrn Jesus Christus, den Sohn Gottes ... Gott aus Gott, Licht aus Licht, wahrer Gott aus wahrem Gott] orthodox oder liberal verstanden sein.

Sie ist richtig, wenn 'Gott' hier verstanden wird als das Ereignis des Handelns Gottes."

Prof. Dr. Rudolf Bultmann (1954, Ev. Theologe, Glauben und Verstehen (GuV). Gesammelte Aufsätze, Band 2, Tübingen 1958, S. 258)

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"Diese Frage heißt nun nicht mehr, ob Gott ist oder nicht, sondern wo Gott geschieht, wo Gott sich ereignet."

Prof. Dr. Dorothee Sölle (1969, Ev. Theologin, Aufsatz: Gibt es ein atheistisches Christentum?,  Merkur 23-1969, S. 33 - 44)

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"Einen Gott, den es gibt, gibt es nicht."

Dr. theol. Dietrich Bonhoeffer (1930, Evangelisch-lutherischer Theologe, Habilitationsschrift: Akt und Sein. Transzendentalphilosophie und Ontologie in der systematischen Theologie, Seite 68)

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"Wir müssen so glauben, als wenn es Gott nicht gäbe."

Dr. theol. Dietrich Bonhoeffer (1944, Evangelisch-lutherischer Theologe, Gefängnis Berlin-Tegel, www.franz-sales-verlag.de/fsvwiki/index.php/Lexikon/Dreifaltigkeitssonntag-LJA)

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"Löst sich das Christentum in Ethik auf? Die Antwort auf diese Frage muss heißen: Ja, das tut es heute wie vor 2000 Jahren."

Prof. Dr. Dorothee Sölle (Dezember 1966, Ev. Theologin, Atheistisch an Gott glauben? Merkur. Nachdruck: Atheistisch an Gott glauben? Beiträge zur Theologie, dtv München 1983, Seite 86)

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"Wenn Jesus heute wiederkäme wäre er Atheist, d.h. er könnte sich auf nichts anderes als auf seine weltverändernde Liebe verlassen."

Prof. Dr. Dorothee Sölle (1969, Ev. Theologin, Aufsatz: Gibt es ein atheistisches Christentum?,  Merkur 23-1969, S. 33 - 44)

Diskussion


"Oben ohne" - Theologie"

"Der Atheismus hat auch da seinen Platz gefunden, wo man ihn eigentlich nicht vermutet: An den theologischen Fakultäten. […]

Wenn man systematisch mythologische Rede vermeiden wollte, musste man auch Gott als Person entmythologisieren und zum Beispiel durch „Liebe“ ersetzen."
[Zitat im unteren Teil ausführlicher]

Prof. Dr. Klaus Berger (29.12.2007, Theologe, Wider die „oben ohne“-Theologie, Die Tagespost)

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"Sie [Prof. Dr. Dorothee Sölle, siehe Beiträge] gehörte zu den Theologinnen, die Bultmanns Programm der Entmythologisierung als befreiend erlebten, weil sie dadurch den Widerspruch zwischen dem mythischen, im „Geheimnis des Glaubens" wurzelnden Weltbild der Bibel und einem wissenschaftlich fundierten, auf Vernunft basierenden Realitätsverständnis für überbrückbar hielt."

Dr. Klaus Aschrich (November 2006, Institut für Evangelische Theologie und Religionspädagogik - Uni Würzburg, Theologie schreiben: Dorothee Sölles Weg zu einer Mystik der Befreiung, LIT Verlag Münster)

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"Was die Kirche dem Denken Dorothee Sölles [siehe Beiträge] verdankt, ist längst nicht mehr eine ‚Randposition’. Es ist eine deutliche Linie unserer Kirche geworden, die sie vor der Konventikelhaftigkeit [Erläuterung siehe unten] bewahrt"

Präses Manfred Kock (28. April 2003, 1997 bis 2003 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD, 1997 bis 2003 Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Pressestelle der EKD, www.ekd.de/presse/pm82_2003_kock_soelle.html)


[„Der Ausdruck Konventikel (lat.: conventiculum, Diminutiv von conventus = „kleine Zusammenkunft“, vergleiche Konvent) bezeichnet allgemein eine im Wesentlichen private religiöse Zusammenkunft in einem Wohnhaus außerhalb eines Gotteshauses. In der Geschichte des Pietismus bezeichnet das Konventikel die häusliche, zu Zwecken der Erbauung und der Andacht veranstaltete Zusammenkunft von Personen, die nicht zu einer Familie gehören und gegenüber der Kirche mehr oder weniger bewusste Separationsziele verfolgen.“ 2008, http://de.wikipedia.org/wiki/Konventikel]

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Präses Manfred Kock (1997 - 2003 Ratsvorsitzender der EKD)

 


"Staatstheologen" [F.A.Z.]

"Kann die neue Universalreligion der Welt endgültig Frieden und Wohlstand bringen … selbstverständlich nach Beseitigung all der hinderlichen Bekenntnisse und nachdem eine moderne Bibelkritik die Person Jesu und die Gebote Gottes auf ein den Zeitgenossen zumutbares Maß zurückgestutzt hat."
 [Zitat im unteren Teil ausführlicher]

Erzbischof Dr. Dr. Johannes Dyba (5.4.1995, Theologe, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 81, S. 14)

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"Dieser Gott ist ihr ... privater Taschengott, ein handlicher Jack in the Box [...] In der Bibel ist er nicht zu finden."

Dr. Alexander Kissler (18. Mai 2010, Kisslers Kultur-Kolumne, Gelobt sei das Ich, www.theeuropean.de)

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"Aber jetzt kann ich ihnen etwas ganz schönes sagen. Rudolf Bultmann hat sich vor seinem Tode bekehrt und er hat sogar seine Schüler und Studenten um Vergebung gebeten.

Ich habe das jetzt erst im vergangenen Jahr [2003] erfahren und der Kronzeuge ist Ernst Käsemann. Er hat das erwähnt, bevor er gestorben ist. Und er hat das bestimmt nicht erfunden, denn er hatte sogleich gesagt, er würde sich nicht bekehren, weil er über die Ermordung seiner Tochter nicht hinwegkäme.

Aber so groß ist Gott. Er konnte es machen, so dass der Hauptkronzeuge der historisch-kritischen Theologie seine Knie vor Jesus gebeugt hat, seinem Heiland."

Prof. Dr. theol. Eta Linnemann (4. Juli 2004, Bibelkritik - Wissenschaft oder Manipulation? Vortrag im Rahmen einer Bibelausstellung in der Freien Evangelischen Schule Berlin, Audiodatei: Stelle 21:15 bis 22:05 http://bibelausstellung.fesb.de/download.php?filename=Linnemann.mp3)

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"Anlässlich der Erwähnung von Rudolf Bultmann möchte ich nicht versäumen zu erwähnen, dass er sich vor seinem Tode bekehrt und seine Schüler und Studenten um Vergebung gebeten hat.

Kronzeuge dafür ist Ernst Käsemann, der das vor seinem eigenen Tode erwähnt hat, seinem Lehrer darin aber leider nicht folgen wollte. Die Nachricht ist verbürgt, ich habe mit dem Ohrenzeugen, der seine Identität nicht preisgeben will, selber gesprochen."

Prof. Dr. theol. Eta Linnemann (1. Oktober 2007, Was ist glaubwürdig – die Bibel oder die Bibelkritik?, VTR: Nürnberg 2007, Fußnote S. 13)

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"Du kannst vielleicht mitfühlen, wenn ich Dir sage, dass ich schon manchmal Stunden hatte, in denen ich alles Denken und Wissen gern von mir geworfen hätte [...] unsereiner sieht sich am Abend nicht weiter als am Morgen und mag kaum auf das nächste Morgen hoffen."

Prof. Dr. Rudolf Bultmann (2. April 1905, Ev. Theologe, Brief an Walther Fischer, Mn 2-2198, Nachlass Rudolf Bultmann, Universitätsbibliothek Tübingen)

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"Wenn man auf dem Sterbebette liegt, wird man sehr empfindsam und weichselig, und möchte Frieden machen mit Gott […]

Ja, ich bin zurückgekehrt zu Gott, wie der verlorene Sohn, nachdem ich lange Zeit bei den Hegelianern [Hegel - deutscher Philosoph] die Schweine gehütet. War es die Misere, die mich zurücktrieb? Vielleicht ein minder miserabler Grund. Das himmlische Heimweh überfiel mich."


Heinrich Heine (30. September 1851, deutscher Dichter, Paris)

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"Besser ein Patient Christi als ein Doktor der Theologie."

Bodo Riedel (2003, Pädagoge, Bremen)

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Rudolf Karl Bultmann (Landeskirchliches Archiv, www.elk-wue.de)

 


"Ich gehöre zu denen, die [Bultmanns] Schrift begrüßt haben ... Grob gesagt: Bultmann hat die Katze aus dem Sack gelassen, nicht nur für sich, sondern für sehr viele (die liberale Katze aus dem Bekenntnissack), und darüber freue ich mich.

Er hat gewagt zu sagen, was viele in sich verdrängen (ich schließe mich ein), ohne es überwunden zu haben. Er hat damit der intellektuellen Sauberkeit und Redlichkeit einen Dienst geleistet.

Der Glaubenspharisäismus, der nun dagegen von vielen Brüdern aufgeboten wird, ist mir fatal. Nun muss Rede und Antwort gestanden werden. Ich spräche gern mit Bultmann darüber und möchte mich der Zugluft, die von ihm kommt, gern aussetzen. Aber das Fenster muss dann wieder geschlossen werden. Sonst erkälten sich die Anfälligen zu leicht."

Dr. theol. Dietrich Bonhoeffer (25. Juli 1942, Evangelisch-lutherischer Theologe, [Brief Bonhoeffers] 192. An Winfried Krause. Berlin, 25.7.1942, Dietrich Bonhoeffer Werke (DBW); Band 16: Konspiration und Haft 1940-1945. Jorgen Glenthoj, Ulrich Kabitz, Wolf Krötke (Hrsg.), Christian Kaiser Verlag/Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 1996, Seite 344)

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"Rudolf Bultmann entzauberte im 20. Jahrhundert radikal die Sprache der Bibel. [...] Er gilt heute als einer der bedeutendsten Theologen des Protestantismus.

Bultmann ist ein Symbol für den Dialog des Christentums mit der Moderne. In seiner Person als Wissenschaftler und Christ verkörperte er zugleich den Spagat zwischen Glauben und Verstehen. [...]

Seine Interpretation der Evangelien rüttelt bis heute an den Fundamenten der christlichen Bekenntnisse. [...] Schließlich war die äußerste Konsequenz dieses Programms „die Verneinung der leiblichen Auferstehung Christi“, wie die Tagesschau einen Tag nach Bultmanns Tod meldete. [...]

Lutherische Theologen warfen ihm vor, er betreibe die "Selbstauflösung der Theologie in eine atheistische Philosophie". [...]
Die Kontroverse um Bultmanns Entmythologisierungsprogramm war für die Kirche ein notwendiger Streit, erinnert sich der 1915 geborene Theologe Heinz Zahrnt. Bultmann habe die Christen vom zwanghaften Buchstabenglauben befreien wollen"

Evangelischer Pressedienst epd (Oktober 2001, Rudolf Bultmann - Spagat zwischen Glauben und Verstehen, Marburger UniJournal Nr. 10, 10/2001, Philipps-Universität Marburg, www.uni-marburg.de)

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"Fundamentalistische Haltungen entstehen ... wenn folgende Merkmale anzutreffen sind ... Ein nicht-symbolisches, wortwörtliches Verstehen und konkret-politisches Umsetzen heiliger Schriften."

Dr. Fritz R. Huth (Februar 2002, Theologe, Beauftragte für Weltanschauungsfragen der EKHN Evangelische Kirche in Hessen und Nassau, Arbeitshilfe Fundamentalismus. Herausgegeben vom „Zentrum Ökumene“ der EKHN)

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"So liegt es auch von daher nahe, die christlichen Inhalte ins Symbolische zurückzunehmen, ihnen keine höhere Wahrheit zuzusprechen als den Mythen der Religionsgeschichte - sie als Weise der religiösen Erfahrung anzusehen, die sich demütig neben andere zu stellen hätte.

In diesem Sinn kann man dann - wie es scheint - fortfahren, ein Christ zu bleiben; man bedient sich weiterhin der Ausdrucksformen des Christentums, deren Anspruch freilich von Grund auf verändert ist
" [Zitat im unteren Teil ausführlicher]

Dr. Joseph Ratzinger (08.01.2000, 2005-2013 Papst Benedikt XVI., Der angezweifelte Wahrheitsanspruch. Die Krise des Christentums am Beginn des dritten Jahrtausends, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.01.2000, Nr. 6, S. I)

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"Das Christuskerygma ist also Kultuslegende, und die Evangelien sind erweiterte Kultuslegenden."

Prof. Dr. Rudolf Bultmann (1921, Theologe, [laut http://www.bautz.de/bbkl/b/bultmann_r.shtml:
bedeutendster Exeget des 20. Jahrhunderts], Die Geschichte der synoptischen Tradition. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 8.Aufl. 1970 2. Aufl. 1931, S. 395)

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"Ein Satz wie: "Gott hat uns seinen Sohn gesandt" ist also symbolisch zu verstehen und nicht wörtlich."

Dr. Gerhard Kühlewind (August 2004, Paul Tillich: Progressive Theologie aus dem letzten Jahrhundert, www.evangelisch-in-leerstetten.de)

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"Wie aber können Sie zu einem bloßen Symbol beten?"

Prof. Dr. Gerd Lüdemann
(8. Mai 1998, Theologe, Georg-August-Universität Göttingen,Unter den Dächern von Göttingen, DS - DEUTSCHES ALLGEMEINES SONNTAGSBLATT, 8. Mai 1998 Nr. 19/1998)

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"Ich bin weiter davon überzeugt, dass mein Vorwurf der Scheinheiligkeit gerechtfertigt ist." […] Im "Grunde stellt das Vorgehen der wissenschaftlichen Theologen die Spitze der Heuchelei dar. Indem sie den Studierenden die Ergebnisse der historisch-kritischen Forschung vermitteln, nehmen sie ihnen den Glauben der Bekenntnisse, den sie in ihrem kirchlichen Dienst vertreten sollen."

Prof. Dr. Gerd Lüdemann (1999, Theologe, Georg-August-Universität Göttingen, "Kirche der Scheinheiligen" Evangelische Diskussione 3/1999)

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Prof. Dr. Gerd Lüdemann (Theologe, Georg-August-Universität Göttingen)

 


"Glaubenssätze sind symbolisch-gleichnishaft und nicht wortwörtlich zu verstehen. Dann passen sie mit dem Wahrheitsbewusstsein zusammen. […]

Hier muss man sich allerdings vor Beliebigkeit hüten, und damit vor einer Gleichgültigkeit gegenüber der Wahrheitsfrage. Man kann nicht jede beliebige religiöse Meinung damit retten, sie sei zwar nicht wortwörtlich, aber doch noch symbolisch wahr. […]

Eine derartige Gleichgültigkeit gegenüber der Wahrheitsfrage löst das Christentum auf."

Dr. theol. Andreas Rössler (26.7.2001, Theologe, Undogmatisches Christentum: ein Ideal im Konflikt mit der Wirklichkeit, IARF-Tagung in der Evangelischen Akademie Bad Boll)

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"Als wir Kinder waren, gab es einen Augenblick, wo wir, wenn uns eine Geschichte erzählt wurde, die Frage stellten: "War das mal wirklich?"
Wir erwarteten auf diese Frage eine schlichte Antwort, also nicht eine Antwort, die den Umfang des Begriffs "wirklich" so lange dehnte, bis auch Märchen und Träume darunter subsumiert[http://de.wikipedia.org/wiki/Subsumtion] werden konnten. [...]

Wenn der Gegensatz von Schein und Sein verschwindet, ist es gleichgültig, ob wir sagen, alles sei wirklich oder alles sei Schein. ... Gibt es keinen Unterschied? Doch, natürlich gibt es einen Unterschied, und es ist sogar der wichtigste aller Unterschiede."

Prof. Dr. Robert Spaemann (8. Februar 2000, Wirklichkeit als Anthropomorphismus, Vortrag Bayerischen Akademie der schönen Künste)

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"Es kommt ihm [Friedrich Josef Dürrenmatt] vor, als frage man einen Theologen, der eben Gott entmythologisiert hat, was denn Gott in Wirklichkeit sei: ein Prinzip, eine Weltformel oder was denn sonst?

Wer so fragt, hat laut Dürrenmatt nicht begriffen, dass diese Frage untheologisch ist, ja dass moderne Theologie nur noch unter der Bedingung möglich ist, dass solche Kinderfragen nicht mehr gestellt werden."

Elisabeth Emter (17. August 1995, Germanistin, Literatur und Quantentheorie. Gruyter, ISBN 9783110148732, S. 249)

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"Die Theologen haben doch längst die Bibel und den ganzen Volks- und Aberglauben entmythologisiert [...]
Kein Theologe sagt es so platt, aber auf diese Plattheit laufen all ihre Erklärungen hinaus, wenn man sie von den theologieüblichen Verschleierungen und Wissenschaftlichkeit vortäuschenden Komplizierungen befreit und über die Rücksichten auf die Kirche und religiöse Gefühle hinweggeht."

Christian Nürnberger (November 2007, Journalist - "Atheistisch an Gott glauben", Jesus für Zweifler)

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"Das liberale Christentum hat nicht nur Kritik an der Religion geübt, es hat die Religion aufgelöst."

Prof. Dr. Paul Tillich (1942, Theologe und Religionsphilosoph, Prinzipien des Protestantismus, Our Protestant Principles. In: The Protestant Vol.4, No.7, New York 1942, S.10-11, u. P. Tillich, Gesammelte Werke VII: Der Protestantismus als Kritik und Gestaltung. Schriften zur Theologie I, Stuttgart 1962, S.133-140)

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"Das ist die offenkundige vor Augen liegende Wirkung der historischen Methode. Sie relativiert Alles und Jedes."

Prof. Dr. Ernst Troeltsch (1900, Ev. Theologe, Friedemann Voigt (Hrsg.): Ernst Troeltsch Lesebuch. Ausgewählte Texte. Über historische und dogmatische Methode in der Theologie (1900). UTB; Bd. 2452. Mohr Siebeck, Tübingen 2003, S. 9)

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"Wäre ich ein fundamentalistischer Christ, wäre ich entsetzt von dieser wischi-waschi Version des christlichen Glaubens. Doch weil ich ein Ungläubiger bin, der sich vor der Barbarei vieler fundamentalistischer Christen fürchtet (z.B. vor ihrer Homophobie), heiße ich theologischen Liberalismus willkommen.

Vielleicht werden die liberalen Theologen einmal so eine wischi-waschi Version des Christentums entwickeln, dass niemand mehr Interesse daran hat, Christ zu sein. Wenn dem so wäre, dann wäre etwas verloren gegangen. Doch höchstwahrscheinlich hätten wir noch mehr gewonnen." [Zitat im unteren Teil ausführlicher]

Prof. Dr. Richard Rorty (Juli 2003, Philosoph, Truth, Evil, and Redemption. Interview Magazin Modern Reformation Juli/August Vol. 12 No. 4, 2003)

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"Die Ära der westlichen Christenheit ist innerhalb unserer Generation zu Ende gegangen" [Zitat im unteren Teil ausführlicher]

Prof. Dr. Philip Jenkins (2007, Lehrstuhl für Religionswissenschaft an der Pennsylvania State University, USA)

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"Wenn ... morgen alle haupt- und nebenamtlichen Mitarbeiter aller Kirchen für immer aufhörten zu arbeiten, würden es die meisten über eine lange Zeit gar nicht bemerken." [Zitat im unteren Teil ausführlicher]

Christian Nürnberger (21. September 2007, Das Christentum. Was man wirklich wissen muss.)

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"Wenn ... am Ende ... nur noch wenige Menschen Christen sein werden und das Christentum als eine unplausible Schrulle erscheint, dann braucht uns das jetzt nicht weiter zu interessieren. Es ist uns dies vorhergesagt, damit wir uns daran erinnern, wenn es soweit sein wird …

Wir wissen aber nicht, wann das sein wird. Es kann ja auch in Europa noch einmal eine Phase der christlichen Wiedergeburt geben, weil die Zahl derer, die gerettet werden sollen, noch nicht voll ist. [vgl. Römer 11,25] [...]

Wir sollen uns nicht zurückziehen ins Ghetto, wie häufig gesagt wird. Aber die Frage, ob Ghetto oder nicht, wird überhaupt nicht von uns entschieden.
Wenn wir das tun, was aufgrund des Gehorsams gegen das Evangelium notwendig ist, dann wird es sich zeigen, ob wir im Ghetto landen oder nicht. Diese Frage muss uns primär gar nicht interessieren."

Prof. Dr. Robert Spaemann (September 2007, Philosoph, Das unsterbliche Gerücht. Die Frage nach Gott und die Täuschungen der Moderne.)

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Prof. Dr. Robert Spaemann, Philosoph

 


"Die Natur wollte wissen, wie die Vernunft aussieht, da erschuf sie Kant."

Pfarrer Gerson Raabe (Februar 2004, Immanuel Kant: Philosoph des Protestantismus, www.erloeserkirche.de)

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"Kant ... nach meiner Überzeugung ... der Philosoph des Protestantismus."

Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber (12.02.2004, 2003 - 2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD, Unsterblichkeit und Würde. Kant zu Ehren, St. Michaelis zu Hamburg auf Einladung der Patriotischen Gesellschaft von 1765 und der ZEIT-Stiftung)

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"Kant ist der Ehrentitel »Philosoph des Protestantismus« verliehen worden - wobei zu fragen wäre, ob das für den Protestantismus oder für Kant oder für beide ehrenhaft ist. Wie dem auch sei - kein philosophisches Denken der Neuzeit, genauer: der Moderne dürfte auf die Theologie des Neuprotestantismus im 19. und 20. Jahrhundert nachhaltiger gewirkt haben als das Kants."

Prof. Dr. Falk Wagner (Januar 1985, Aspekte der Rezeption Kantischer Metaphysik - Kritik in der evangelischen Theologie des 19. und 20. Jahrhunderts, Neue Zeitschrift für Systematische Theologie und Religionsphilosophie. Band 27, Heft 1, S. 25)

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"Kants Stil ... lässt sich vielleicht treffend bezeichnen als eine glänzende Trockenheit [...] Die selbe glänzende Trockenheit finde ich im Stil des Aristoteles wieder, obwohl dieser viel einfacher ist. – Dennoch ist Kants Vortrag oft undeutlich, unbestimmt, ungenügend und bisweilen dunkel."

Prof. Dr. Arthur Schopenhauer (1819, Philosoph, Die Welt als Wille und Vorstellung, Band 1, Anhang: Kritik der Kantischen Philosophie, http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Welt_als_Wille_und_Vorstellung)

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"Wer ... die staubtrockene evangelische Synode betrachtet, denkt nicht an Gott, sondern eher an Versicherungsverträge. […]

Wer sich der schweren Prüfung eines protestantischen Gottesdienstes an einem beliebigen Sonntag unterzieht, muss auf einem harten Brett sitzen und auf ein nacktes Kreuz starren. Sachliche Seelsorger geben unablässig vernünftige Worte von sich [...] Das Ganze hat das Ambiente eines Mathematikunterrichts an einer Gesamtschule."

stern (26.11.2009, Selig ohne Gott, stern Nr. 49, S. 62)

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"Kants religiöse Entwicklung […]

Wie steht es mit seiner Stellung zum offiziellen Kirchenglauben in jener Zeit? […] Auffallender ist eine … Mitteilung von Kants Schüler und späterem Kollegen Pörschke (1751—1812) […]

"Er [Kant] sei schon lange Magister gewesen und habe noch an keinem Satze des Christentums gezweifelt; nach und nach sei ein Stück ums andere abgefallen. [...]

Wie befruchtend die kritische Methode in den letzten Jahrzehnten auf die verschiedensten Wissenschaftsgebiete gewirkt hat und noch wirkt, weiß jeder, der im wissenschaftlichen Leben steht."

Prof. Dr. Karl Vorländer (1924, Philosoph, Immanuel Kant. Der Mann und das Werk, Erneuerung des Kritizismus seit 1860)

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"Seit immer größere Teile des Protestantismus, durch die Philosophie Immanuel Kants beeinflusst, Religion nur noch als Moral denken können, gerät die evangelische Kirche in eine gefährliche Schieflage: Sie verliert immer mehr das Bewusstsein ihrer Kirchlichkeit und reduziert ihre öffentliche Rolle auf die einer moralischen Instanz."

Dr. Martin Schuck (7. März 2010, Verlagsleiter des Evangelischen Presseverlags Pfalz, Diskussion: Religion als Moral: Fall Margot Käßmann,  Evangelischer Kirchenbote 10/2010, S. 4)

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"Schließlich droht das Ideal des undogmatischen Christentums in die dürftige Wirklichkeit eines womöglich auf die Humanität eingeschränkten Christentums zurückzufallen. […]

Damit gibt das undogmatische Christentum keinem postmodernen Zeitgeist nach, im Sinn des Slogans
,,Anything goes, man kann glauben, was man will, und die Wahrheit ist nur das, was die Einzelnen dafür halten“."

Pfarrer Dr. Andreas Rössler (26.7.2001, Undogmatisches Christentum: ein Ideal im Konflikt mit der Wirklichkeit, IARF-Tagung in der Evangelischen Akademie Bad Boll)

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"Wenn alles gleich gültig ist, ist auch schnell alles gleichgültig."
"Wenn alles Wahrheit ist, ist nichts mehr Wahrheit."


Peter Hahne
(November 2004, Theologe, 1992 - 2009 Mitglied des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD, ZDF-Programmdirektion, Schluss mit lustig! Das Ende der Spassgesellschaft, ISBN: 3501051808)

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"Auf den religiösen Pluralismus unserer Zeit bildet weder der religiöse Relativismus eines „anything goes" noch der religiöse Fundamentalismus eine zureichende Antwort.

Vielmehr muss sich in einer solchen Antwort der Respekt vor der gleichen Würde der Verschiedenen mit der Bereitschaft verbinden, inmitten dieser Pluralität selbst einen Standpunkt zu finden und diesen auch beherzt zu vertreten.
Soweit schon dies als konservativ gilt, zu dem zu stehen, was man als verbindlich anerkennt, eignet der Religion unweigerlich ein konservativer Zug.

Doch wenn das in einer Weise geschieht, in der Diversität [Vielfalt] nicht verurteilt, sondern respektiert wird, blitzt etwas Neues auf: pluralismusfähige Überzeugungstreue, Interesse am Streit um die Wahrheit.
 
In einer Gesellschaft, in der das alles andere als vertraut ist, gewinnt ein beherzter Glaube, der dem Fremden und Andersgläubigen mit Achtung, ja mit Neugier begegnet, einen Zug nach vorn - und das lässt sich durchaus auch als progressiv bezeichnen."

Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber (Juli 2010, 2003-2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD, 1994-2009 Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Vernunft des Glaubens, Cicero 7/2010, Seite 63)

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"Glaubt, was ihr für glaubwürdig und wahr haltet, aber bleibt kritisch."

Pfarrer Friedrich Schorlemmer (25.04.2004, Speyerer Protokolle: Der Protestantismus als Kritik und Gestaltung, Symposium und Gottesdienst zum 475-jährigen Protestationsjubiläum, 24./25. April 2004 Speyer, hg.v. Ev. Akademie der Pfalz)

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Kant

Dr. Immanuel Kant (1724 - 1804)

 


"So viel ist gewiss: wer einmal die Kritik gekostet hat, den ekelt auf immer alles dogmatische Gewäsche, womit er vorher aus Not vorlieb nahm, weil seine Vernunft etwas bedurfte, und nichts Besseres zu ihrer Unterhaltung finden konnte."

Prof. Dr. Immanuel Kant (1783, Philosoph, Prolegomena zu einer jeden künftigen Metaphysik, die als Wissenschaft wird auftreten können, A 191, § 60, http://de.wikiquote.org/wiki/Immanuel_Kant)

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"Nicht der hat Religion, der an eine heilige Schrift glaubt, sondern der, welcher keiner bedarf und wohl selbst eine machen könnte."

Friedrich Schleiermacher
  (1799, Theologe, Klassiker neuzeitlicher Religionstheorie, "Über die Religion. Reden an die Gebildeten unter ihren Verächtern")

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"Schwärmer und Mucker [Anhänger des Pietismus, http://de.wikipedia.org/wiki/Mucker] sind beide schrifttoll."

Herrnhuter [http://de.wikipedia.org/wiki/Herrnhuter_Br%C3%BCdergemeine] und Pietist [http://de. wikipedia.org/wiki/Pietismus] Böhm [BÖHME, Anton Wilhelm, alias Anthony William Boehm, 1673 - 1722, einflussreichster Pietist in London, www.bautz.de]. Guyon [Jeanne Marie Guyon du Chesnoy, http://de.wikipedia.org/wiki/Jeanne_Marie_Guyon_du_Chesnoy]."

Prof. Dr. Immanuel Kant (1798, Philosoph, Kant: AA XV, Reflexionen zur Anthropologie, Seite 219, www.korpora.org/Kant/aa15/219.html)

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"Früher galten Fundamentalisten als Schwärmer [siehe oben]"

Das Erste (5. Dezember 2007, Dokumentation "Fanatisch, fundamentalistisch, fromm." "SWR, NDR und WDR begeben sich in den USA, in Israel und im Jemen auf Spurensuche, wie aus Frömmigkeit Fundamentalismus und Fanatismus werden kann." www.daserste.de)

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[Kant: Was ist Aufklärung? 1784] "Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit.

Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Anleitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen.

Sapere aude! [Wage es verständig zu sein!]
Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung. [...]

Dass der bei weitem größte Teil der Menschen (darunter das ganze schöne Geschlecht) den Schritt zur Mündigkeit, außer dem dass er beschwerlich ist, auch für sehr gefährlich halte, dafür sorgen schon jene Vormünder, die die Oberaufsicht über sie gütigst auf sich genommen haben.

Nachdem sie ihr Hausvieh zuerst dumm gemacht haben und sorgfältig verhüteten, dass diese ruhigen Geschöpfe ja keinen Schritt außer dem Gängelwagen, darin sie sie einsperreten, wagen durften, so zeigen sie ihnen nachher die Gefahr, die ihnen drohet, wenn sie es versuchen, allein zu gehen."

Prof. Dr. Immanuel Kant (1784, Philosoph, "Beantwortung der Frage: was ist Aufklärung?", Berlinische Monatsschrift, 1784,2, S. 481–494)

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"In irgendeinem abgelegenen Winkel des in zahllosen Sonnensystemen flimmernd ausgegossenen Weltalls gab es einmal ein Gestirn, auf dem kluge Tiere das Erkennen erfanden. Es war die hochmütigste und verlogenste Minute der Weltgeschichte"

Prof. Dr. Friedrich Nietzsche (1872, Philosoph, Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinn, KSA 1: 875, http://de.wikiquote.org/wiki/Friedrich_Nietzsche)

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"Der Mensch ist ein Tier, was eine Erziehung nötig hat."

Prof. Dr. Immanuel Kant (1798, Philosoph, Reflexionen zur Anthropologie, http://de. wikiquote.org/wiki/Immanuel_Kant)

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"Die Mohren, ingleichen alle Einwohner der heißen Zone haben eine dicke Haut, wie man sie denn auch nicht mit Ruthen, sondern gespaltenen Röhren peitscht, wenn man sie züchtigt, damit das Blut einen Ausgang finde und nicht unter der dicken Haut eitere." [Rassenlehre Immanuel Kants, siehe Kirche im Nationalsozialismus]

Prof. Dr. Immanuel Kant (1802, Philosoph, Physische Geographie, AA IX, S. 313. http://www.korpora.org/Kant/aa09/316.html, http://de.wikipedia.org/wiki/Neger)

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           Kant

           Marcel Verdier (1843, Die Strafe mit den vier Pfählen in den Kolonien)
           [Rassenlehre Immanuel Kants, siehe Kirche im Nationalsozialismus]

 


"Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne."

Prof. Dr. Immanuel Kant (1788, Philosoph, Kritik der praktischen Vernunft: § 7 Grundgesetz der reinen praktischen Vernunft, S. 54)

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Rassenlehre Immanuel Kants
 [siehe auch Kirche im Nationalsozialismus]

"Die Menschheit ist in ihrer größten Vollkommenheit in der Race [Rasse, http://de.wikipedia.org/wiki/Race_(Kant)] der Weißen. Die gelben Indianer haben schon ein geringeres Talent. Die Neger sind weit tiefer und am tiefsten steht ein Teil der amerikanischen Völkerschaften. […]

Der Einwohner des gemäßigten Erdstriches, vornehmlich des mittleren Teiles desselben, ist schöner an
Körper, arbeitsamer, scherzhafter, gemäßigter in seinen Leidenschaften, verständiger, als irgend eine andere Gattung der Menschen in der Welt.

Daher haben diese Völker zu allen Zeiten die andern belehrt, und durch die Waffen bezwungen."

Prof. Dr. Immanuel Kant (1802, Philosoph, Physische Geographie, AA IX, S. 313 u. 316, http://www.korpora.org/Kant/aa09/316.html, http://de.wikipedia.org/wiki/Neger)

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"Immanuel Kant lehnt in seinen veröffentlichten Werken ein Widerstandsrecht des Volkes und des Einzelnen – auch gegen evident ungerechte Gesetze – ab. Er beschäftigt sich vor allem in zwei Veröffentlichungen explizit mit der Problematik des Widerstandsrechts: In der Schrift Über den Gemeinspruch: Das mag in der Theorie richtig sein, taugt aber nichts für die Praxis (1793) und in seinem rechtsphilosophischen Hauptwerk Die Metaphysik der Sitten (1797). [...]

Unter dem Widerstandsrecht wird allgemein ein naturrechtlich bzw. durch ein positives Gesetz statuiertes Recht jedes Menschen verstanden, sich unter bestimmten Bedingungen gegen staatliche Gesetze auflehnen zu dürfen bzw. ihnen den Gehorsam zu verweigern. [...]

In Deutschland garantiert Art. 20 Abs. 4 des Grundgesetzes (GG) das Recht eines jeden Deutschen, gegen jedermann Widerstand zu leisten, der es unternimmt, die in Art. 20 GG niedergelegte Staatsordnung (Föderalismusprinzip, Demokratieprinzip, Sozialstaatsprinzip, Gewaltenteilung, Gesetzesbindung der drei Gewalten, Republikprinzip, freiheitliche demokratische Grundordnung) zu beseitigen, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist."

(http://de.wikipedia.org/wiki/Widerstandsrecht, Stand Dezember 2009)

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"Wer die Wahrheit verrät, verrät sich selber. Es ist hier nicht die Rede vom Lügen, sondern vom Handeln gegen die Überzeugung."

Novalis (1772 - 1801, Georg Friedrich Philipp Freiherr von Hardenberg, Schriftsteller, Philosoph und Bergbauingenieur, http://de.wikipedia.org/wiki/Novalis)

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"Im Deutschen wurde der Rassebegriff (in der französischen Schreibweise race) erst 1775 von Johann Friedrich Blumenbach und Immanuel Kant erstmals verwendet, die die gesamte Menschheit in fünf bzw. vier Rassen einteilten.

Die Vorstellung einer natürlichen Ordnung innerhalb der Menschheit nach Maßgabe der Hautfarbe war zu dieser Zeit bereits verbreitet. Blumenbach und Kant prägten dafür im Deutschen die Bezeichnung „Race“ und führten sie in den akademischen Diskurs ein."

(http://de.wikipedia.org/wiki/Rassentheorie, Stand Dezember 2009)

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"Auch in Tischgesprächen wurde Kants Ressentiment deutlich - 1798 gab er zu Protokoll, dass die Juden, solange sie Juden bleiben, der bürgerlichen Gesellschaft nicht nützlich werden könnten"

DIE WELT (7. Februar 2004, Das Gesetz ist erhaben. Warum jüdische Philosophen und Theologen Kant als einen der Ihren erkannten, www.welt.de)

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"Es wird nichts daraus kommen; so lange die Juden Juden sind, sich beschneiden lassen, werden sie nie in der bürgerlichen Gesellschaft mehr nützlich als schädlich werden. Jetzo sind sie die Vampyre der Gesellschaft."

Prof. Dr. Immanuel Kant (1798, Philosoph, Reisetagebuch von 1798, Johann Friedrich Abegg, Frankfurt am Main: Insel Verlag; Aufl. 1987, ISBN 978-3458327134, S. 190)

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"Auch der aufgeklärteste Jude bleibt doch immer ein Jude"

Prof. Dr. Friedrich Schleiermacher (September 1796, Theologe, Friedrich Schleiermacher: Kritische Gesamtausgabe, Bd.2, Schriften aus der Berliner Zeit 1796-1799: Schriften Und Entwuerfe, Part 1, Hrsg. Günter Meckenstock. New York: de Gruyter, Aufl.: 1. Januar 1984, ISBN 978-3110102666, Gedanken I, Seite 46)

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"Die unter uns lebenden Palästiner [Juden] sind durch ihren Wuchergeist seit ihrem Exil, auch was die größte Menge betrifft, in den nicht ungegründeten Ruf des Betruges gekommen. Es scheint nun zwar befremdlich, sich eine Nation von Betrügern zu denken; aber eben so befremdlich ist es doch auch, eine Nation von lauter Kaufleuten zu denken"

Prof. Dr. Immanuel Kant (1798, Philosoph, Anthropologie in pragmatischer Hinsicht, Meiner, 2003, ISBN 3-7873-1654-X, Seite 205, http://de.wikipedia.org/wiki/Antisemitismusforschung)

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"Die Euthanasie des Judentums ist die reine moralische Religion mit Verlassung aller alten Satzungslehren, deren einige doch im Christentum (als messianischem Glauben) noch zurück behalten bleiben müssen" [siehe auch Kirche im Nationalsozialismus]

Prof. Dr. Immanuel Kant (1798, Philosoph, Der Streit der Fakultäten, http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&xid=1374&kapitel=1)

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"Das Judentum ist schon lange eine tote Religion, und diejenigen, welche jetzt noch seine Farbe tragen, sitzen eigentlich klagend bei der unverweslichen Mumie"

Prof. Dr. Friedrich Schleiermacher (1799, Theologe, Klassiker neuzeitlicher Religionstheorie, Über die Religion. Reden an die Gebildeten unter ihren Verächtern. Hrsg. Carl Schwarz. Leipzig: Brockhaus, Aufl. 1868, Über die Religionen, Seite 221)

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"Schleiermacher musste klar sein, dass er mit dieser Kritik am Judentum zugleich die Fundamente des traditionellen christlichen Glaubens zur Disposition stellte […]

Die »unverwesliche Mumie« des Judentums [siehe oben] gerät - wie bei Voltaire und dem jungen Hegel - zur Chiffre des Christentums"

Prof. Dr. Micha Brumlik (2000, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main, •Deutscher Geist und Judenhass. Das Verhältnis des philosophischen Idealismus zum Judentum, München: Luchterhand Literaturverlag Aufl. 2002, ISBN 3630620280, Friedrich Schleiermacher, S. 148)

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"Die überragende Stellung Schleiermachers für die Geschichte des Protestantismus muss ich hier nicht eigens herausstellen. Sie ist anerkannt."

Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber (26. März 2006, 2003 - 2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD, Kristall von Perspektiven. Eröffnung des Internationalen Schleiermacher-Kongresses in der Humboldt-Universität Berlin. www.ekd.de)

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"Anders als in Frankreich und England, wo aus der eine deistische Religion [http://de.wikipedia.org/wiki/Deismus] hervorging, eignete sich in Deutschland die protestantische Theologie die Inhalte der Aufklärung an, setzte sich mit ihr geradezu gleich."

Prof. Dr. Micha Brumlik (2000, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main, •Deutscher Geist und Judenhass. Das Verhältnis des philosophischen Idealismus zum Judentum, München: Luchterhand Literaturverlag Aufl. 2002, ISBN 3630620280, Friedrich Schleiermacher, S. 140)

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"Ich bin mit meinen Schriften um ein Jahrhundert zu früh gekommen; nach 100 Jahren wird man mich erst recht verstehen und dann meine Bücher aufs neue studieren und gelten lassen."

Prof. Dr. Immanuel Kant (1724 - 1804, Philosoph, Immanuel Kant. Der Mann und das Werk, Erneuerung des Kritizismus seit 1860, Aufl. 1924, Prof. Dr. Karl Vorländer )

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"Kants Stil trägt durchweg das Gepräge eines überlegenen Geistes"

Prof. Dr. Arthur Schopenhauer (1819, Philosoph, Die Welt als Wille und Vorstellung, Band 1, Anhang: Kritik der Kantischen Philosophie, http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Welt_als_Wille_und_Vorstellung)

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               Dr. Arthur Schopenhauer, 1788 - 1860, Philosoph

 


"Das Christentum wird von Kant symbolisch-ethisch aufgefasst. »Ich unterscheide die Lehre Christi von der Nachricht, die wir von der Lehre Christi haben« (Immanuel Kant, An Lavater, 28. April 1775) [...]

Der Begriff Gott ist eine »Idee«, das »Ideal« der Vernunft. Wie alle Gegenstände von Ideen ist Gott unerkennbar. [...] Gott ist »nicht Substanz außer meinen Gedanken« (Immanuel Kant, XXI 326); »nicht ein Wesen außer mir, sondern bloß ein Gedanke in mir« (Immanuel Kant XXI. 412; vgl. 417, 573). [...]

Gott, Freiheit und Allheit sind »nur Gedankenwesen, subjektive Produkte der eigenen Menschenvernunft« (Immanuel Kant, XXI. 374, 416)"

Dr. Rudolf Eisler (1930, Philosoph, Kant-Lexikon, www.textlog.de)

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"Wer sich als Theologe an Kant hält, folgt der Verführung nicht, die Vernunft durch Gefühl zu ersetzen und das Resultat dann Glauben zu nennen. [...]

Nicht darin, dass er die Gottesfrage zu Ende gebracht, sondern darin, dass er sie offen gehalten hat, liegt sein großes Verdienst."

Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber (12.02.2004, 2003 - 2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD, Unsterblichkeit und Würde. Kant zu Ehren, St. Michaelis zu Hamburg auf Einladung der Patriotischen Gesellschaft von 1765 und der ZEIT-Stiftung)

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F.A.Z.: "Bischof Huber, mangelt es der Kirche hierzulande an einer gewissen Leidenschaft im Glauben, die anderswo, in China oder Südamerika, vorgelebt wird?"

Bischof Huber: "Der Protestantismus, den ich in China und Südamerika erlebt habe, ist zu einem guten Stück eine Religion ohne Aufklärung." [Zitat im unteren Teil ausführlicher]

Bischof Dr. Wolfgang Huber (23.02.2007, 2003 - 2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, Frankfurter Allgemeine Zeitung F.A.Z., 23.02.2007, Nr. 46 / Seite 42)

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"Die gelben Indianer haben schon ein geringeres Talent. Die Neger sind weit tiefer, und am tiefsten steht ein Teil der amerikanischen Völkerschaften."

Prof. Dr. Immanuel Kant (1802, Philosoph, Physische Geographie, AA IX, S. 316. http://www.korpora.org/Kant/aa09/316.html, http://de.wikipedia.org/wiki/Neger)

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"Ich bin überzeugt, dass die Pfingstkirchen wie die anderen Kirchen Afrikas und die orthodoxen Kirchen die Aufklärung noch vor sich haben."  [Zitat im unteren Teil ausführlicher]

Bischöfin Dr. Margot Käßmann (21. April 2000, Oktober 2009 - Februar 2010 Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischöfin der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover, DS - DEUTSCHES ALLGEMEINES SONNTAGSBLATT, 21. April 2000 Nr. 16/2000)

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"Die Negers von Afrika haben von der Natur kein Gefühl, welches über das Läppische stiege."

Prof. Dr. Immanuel Kant (1764, Philosoph, Beobachtungen über das Gefühl des Schönen und Erhabenen, Werke in sechs Bänden. Hg. v. Rolf Toman. Bd. 1: Träume eines Geistersehers und andere vorkritische Schriften. Köln: Könemann 1995. S.250,
http://de.wikipedia.org/wiki/Neger, http://www.korpora.org/Kant/aa02/253.html)

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"Diplomatie ist die Fähigkeit, so zu tun, als täte man nicht so."

Boleslaw Barlog (1906 - 1999, deutscher Regisseur)

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"Wenn die Alternative der religiöse Fundamentalismus ist, wie wir ihn in Teilen der Vereinigten Staaten von Amerika sehen, kann auch die christliche Religion dazu tendieren, Vielfalt, alternative Meinungen und Freiheit zu unterdrücken.

Deshalb wäre es ungeheuer wichtig, dass ein europäisches Christentum hier die Vernunft wahrt, für die Freiheit eintritt und Atheismus wie andere Religionen nicht durch Unterdrückung bekämpft, sondern im Diskurs aufnimmt.
Das ist umso wichtiger, als sich von den Europäern nicht beachtet in Afrika, Asien und Lateinamerika das Christentum rapide ausbreitet."

Bischöfin Dr. Margot Käßmann (2005, Oktober 2009 - Februar 2010 Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischöfin der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover, Impulspapier - Strategien für die Gesellschaft von morgen)

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"Zwei Berliner Schriftsteller gehen nach Südafrika. Sie wissen nicht genau, wonach sie suchen. Und dann finden sie Gott. Elke Naters und Sven Lager erzählen, wie sie zu Christen wurden. Eine moderne Erweckungsgeschichte. [DIE ZEIT] [...]

In unserem deutschen Freundeskreis wären wir auf mehr Verständnis gestoßen, wenn wir Buddhisten, Veganer oder alkoholabhängig geworden wären.

»Ihr glaubt echt an die Bibel?« – »Ja, wir leben danach.« – »Also seid ihr Fundamentalisten? Wie Bush und die Leute, die vor Abtreibungskliniken stehen?« – »Nein, aber wir glauben, dass Jesus wiederauferstanden ist und in uns lebt.«
»Ewiges Leben, Himmel und Hölle?« – »Genau. Und wir glauben an ein Leben vor dem Tod.« –»Oh...« Spätestens jetzt wird die zweite Flasche Pinotage entkorkt. […]

Die Jesusgeschichte, dass Gott am Kreuz für unsere Sünden gestorben und seine Wiederauferstehung Triumph über den Tod ist, das leuchtet jedem Afrikaner ein – während die Westeuropäer das Übernatürliche nur noch symbolisch verstehen. Also gar nicht." [Elke Naters und Sven Lager]

Elke Naters und Sven Lager, DIE ZEIT (12. August 2012, "Ihr glaubt echt an die Bibel?", www.zeit.de/2012/32/Glaube-Suedafrika-Religion)

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"Die steigende Religiosität ist nicht nur in Afrika, sondern global zu beobachten. [...] In vielen afrikanischen Ländern konnte man ... in den vergangenen Jahren beobachten, dass sich immer mehr Menschen einem fundamentalistischen Bibelverständnis zuwenden, wie es in den evangelikalen Gemeinden gepredigt wird. [...]

Der Glaube, der dort verbreitet wird, hat mit den Vorstellungen christlicher Amtskirchen nicht viel zu tun."

iz3w (September 2008, Religionskritik: "Flucht in jenseitige Versprechungen", Interview mit Bettina Rühl über den wachsenden christlichen Fundamentalismus in Afrika. iz3w Nr. 308 - September / Oktober 2008, www.iz3w.org)

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"Die Zuwendung zur Religion vollzieht sich in großem Umfang in Gestalt einer Abkehr vom Wissen, einer Abwendung von der Aufklärung. [...]

Ein religiöser Fundamentalismus greift um sich."

Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber (22.02.2004, 2003 - 2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, Die Rede von Gott und die Weltlichkeit der Welt, Humboldt-Universität zu Berlin)

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Hegel - Kant 

Hegel & Kant (http://home.wlu.edu/~mahonj/Kant&Hegel.jpg, Stand Dezember 2009)

 


"Für Hegel stellt die Philosophie den höchsten Kontext dar, dem er die Religion unterordnet. […]

Nur wenn man annimmt, dass sich in Offenbarung und Religion gar keine eigene Wirklichkeit zeigen könne, die über das hinausgeht, was die gewöhnliche menschliche Erfahrung der Welt zeigt, kann man die Religion mit Hegel zu einer uneigentlichen und bildhaften Rede von Dingen erklären, die angemessen nur in wissenschaftlicher und philosophischer Sprache ausgedrückt werden können.

Hegel scheint tatsächlich angenommen zu haben, dass es keine anderen intentionalen Strukturen in der Wirklichkeit geben könne als die, welche die enzyklopädischen Wissenschaften aufdecken.

Die religiösen Offenbarungen sind für ihn demgegenüber kein surplus an Absichtsbekundungen von Seiten der autarken Mächte, sondern sie sind in Hegels Augen viel weniger, nämlich bloß bildhafte Vorahnungen dessen, was jene Wissenschaften dann genauer und angemessener sagen."

PD Dr. Herbert Huber (2006, Philosoph, Ludwig-Maximilian-Universität München, Philosophie und Ethik. Eine Hinführung. Band I: Philosophieren – wie und wozu? Auer Verlag: Donauwörth, Seite 146

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"Nicht die unbedeutendste dieser Entwicklungen war das Hervortreten der Tendenz, den Wert von Beweisen zu erkennen und von einer Behauptung nur bis zu jenem Grad überzeugt zu sein, in dem diese Behauptung sich nachweisen lässt. [...]

Eine Fortentwicklung in der Religion, wie auch auf anderen Gebieten, müsste sich den Fragen von heute stellen, anstatt hartnäckig die Lehrmeinungen der Vergangenheit nachzubeten."
[Zitat im unteren Teil ausführlicher]

Dr. Sam Harris (September 2007, US-amerikanischer Schriftsteller, Philosoph u. Neurowissenschafter, Das Ende des Glaubens. Religion, Terror und das Licht der Vernunft.)

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"Neben die individuelle Vernunft tritt in Gestalt der Theologie die wissenschaftliche Vernunft."

Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber (31.10.2006, 2003 - 2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD, Religion im 21. Jahrhundert - Glaube und Vernunft, Frankfurter Allgemeine Zeitung F.A.Z.)

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"Bedarf die Welt einer Kirche, die der Weisheit der Welt bedarf?"
[Zitat im unteren Teil ausführlicher]

Christian Nürnberger (21. September 2007, Das Christentum. Was man wirklich wissen muss.)

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"Wäre ich ein fundamentalistischer Christ, wäre ich entsetzt von dieser wischi-waschi Version des christlichen Glaubens. Doch weil ich ein Ungläubiger bin, der sich vor der Barbarei vieler fundamentalistischer Christen fürchtet (z.B. vor ihrer Homophobie), heiße ich theologischen Liberalismus willkommen.

Vielleicht werden die liberalen Theologen einmal so eine wischi-waschi Version des Christentums entwickeln, dass niemand mehr Interesse daran hat, Christ zu sein. Wenn dem so wäre, dann wäre etwas verloren gegangen. Doch höchstwahrscheinlich hätten wir noch mehr gewonnen."

Prof. Dr. Richard Rorty (Juli 2003, Philosoph, Truth, Evil, and Redemption. Interview Magazin Modern Reformation Juli/August Vol. 12 No. 4, 2003)

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"Die Vorstellung, dass sich ein erheblicher Teil unserer Gesellschaft als "wiedergeborene Christen" verstehen würde, liegt uns fern. Die freikirchliche Tradition, in der diese Vorstellung verwurzelt ist, ist in Deutschland nach wie vor auf Minderheiten beschränkt.

Die gleitende Erosion volkskirchlicher Milieus hat noch keine derartige Gegenbewegung ausgelöst. Die kirchlichen Bemühungen um einen missionarischen Aufbruch kommen nur schrittweise in Gang und haben ein anderes Ziel:

Nicht der Anschluss an fundamentalistische Wahrheiten, sondern eine aufgeklärte religiöse Identität ist das Ziel."

Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber (09. Juni 2004, 2003 - 2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, Religion und Politik in Deutschland und den USA - ein Vergleich, Atlantikbrücke in Berlin)

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Evangelikaler "Amerikanismus missioniert bei uns in strategischer Breite, unterstützt von politischen Aktivitäten und ehrgeizigen Kirchenleuten, um die sie störenden Widerständigkeiten des alteuropäischen „sozialistischen“ Kirchen-Christentums auch bei uns auszutreiben. [...]

Es wird Zeit, aufzuwachen und mit einem entschlossenen „quod non“ die protestantische Identität zu bewahren, die es sehr wohl wert ist bewahrt zu werden."

Dr. Richard Ziegert (2006, Ev. Theologe,
bis 2011 Beauftragter für Weltanschauungsfragen der Evangelischen Kirche der Pfalz, 1. Abschnitt: 14. Oktober 2006, "Politik der Götter, Europa und der neue Fundamentalismus" OK [Offene Kirche] Mitgliederversammlung, Stuttgarter Erlöserkirche. 2. Abschnitt: 2006, "Das protestantische Schisma", Pfälzisches Pfarrerblatt)

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"In Europa gibt es keinen religiösen Fundamentalismus, wie es in den USA keinen Sozialismus gibt. In Europa sind zwar Staat und Kirchen institutionell koordiniert, Politik ist aber seit der Aufklärung dezidiert a-religiös. [...]

Fundamentalismus hat hier nur sektiererischen Raum."

Prof. Dr. Dr. Heinrich Schäfer (Mai 2006, Ev. Theologe u. Soziologe, Universität Bielefeld, Vortrag auf der Tagung "Fundamentalismus-Alarm. Neue religionspolitische Strategien in Zeiten der Rückkehr von Religion", Evangelische Akademie Loccum, 5. - 7.5. 2006, Evangelischer Pressedienst, Frankfurt am Main)

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"Es gibt christlichen Fundamentalismus, und es gibt ihn in Deutschland."

Pfarrerin Annette Kick (01. März 2007, Ev. Weltanschauungsbeauftragte der Württembergischen Landeskirche, SYM - Magazin der Evangelische Akademie Bad Boll, Ausgabe 1-2007 vom 01.03.2007)

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"Seinen Namen verdankt der Fundamentalismus einer Schriftenreihe, in der sich erzkonservative US-Protestanten gegen die liberalen Protestanten vor allem aus Europa abgrenzten. „The Fundamentals" erschienen zwischen 1910 und 1915. Ihr Anliegen: ein „wörtliches" Bibelverständnis. ...

Dass eine Sintflut den Globus bedeckte und Mose alle Bücher Mose geschrieben habe. Dass biblische Wunder wirklich geschehen seien und Jesus bald wiederkomme.
Jeden Versuch, die Bibel historisch zu verstehen, lehnen sie ab. Ihre Ethik ist konservativ, sie verteufeln Abtreibung und Homosexualität."

Pfarrer Burkhard Weitz (1. Juli 2006, Journalist u. Redakteur von chrismon PLUS, Was ist religiöser Fundamentalismus? Religion für Einsteiger: www.chrismonblogs.de, Chrismon ist eine vierwöchentlich erscheinende Zeitschrift der evangelischen Kirche.
http://de.wikipedia.org/wiki/Chrismon_%28Zeitschrift%29. Herausgeber Landesbischof Dr. Johannes Friedrich, Hermann Gröhe, MdB, Bischof Prof. Dr. Wolfgang Huber, Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann [Oktober 2009 - Februar 2010 Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland - EKD)

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"Die so genannten "Fundamentalismen" [vgl. 1910, The Fundamentals] waren folgende:

Die Unfehlbarkeit der Bibel;
die Jungfrauengeburt bzw. die Göttlichkeit Jesu;
der Sühnetod Jesu;
seine leibliche Auferstehung;
die sichtbare Wiederkunft Christi."

Katharina Reiss (2005, Fanatischer Fundamentalismus in christlichen Gemeinschaften, Merkmale und Entstehungsbedingungen, http://www.sekten-info-essen.de/texte/fundamentalismus.html)

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Dr. Joseph Ratzinger, 2005-2013 Papst Benedikt XVI.

 


"Einen eindeutigen Glauben zu besitzen, wie es dem Glaubensbekenntnis der Kirche entspricht, wird oft als Fundamentalismus bezeichnet, während der Relativismus, also dieses Hin-und-her-Getrieben-Sein vom Widerstreit der Meinungen, als einzige Einstellung erscheint, die auf der Höhe der heutigen Zeit ist.

Es begründet sich eine Diktatur des Relativismus, die nichts als endgültig anerkennt und die als letztes Maß nur das eigene Ich und seinen Willen gelten lässt.

Wir aber haben einen anderen Maßstab: den Sohn Gottes, den wahren Menschen. Er ist der Maßstab für den wahren Humanismus. "Reif" ist nicht ein Glaube, der der Mode und der letzten Neuheit folgt. Erwachsen und reif ist ein Glaube, der tief in der Freundschaft mit Christus verwurzelt ist."

Dr. Joseph Ratzinger (18. April 2005,
2005-2013 Papst Benedikt XVI., Predigt von Joseph Kardinal Ratzinger in der Messe "Zur Wahl des Papstes", Über die Freundschaft mit Christus und den Dienst an den Menschen, Rom, www.zenit.org)

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"Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) [2003 - 2009], Wolfgang Huber, hat sich kritisch über die gegenwärtige Annäherung zwischen Vatikan und orthodoxer Kirche geäußert.

Es gebe in beiden Kirchen eine unterschiedlich stark ausgeprägte Tendenz, eine Gestalt des christlichen Glaubens zu leben, "die mit der Aufklärung nichts zu tun hat", sagte der Berliner Bischof am Samstag im NDR-Hörfunk (Hamburg)."

"Das große Risiko der Annäherung zwischen der Orthodoxie und der römisch-katholischen Kirche bestehe darin, "dass es eine Annäherung vor der Aufklärung sein könnte", fügte Huber hinzu."

epd /
Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber (29.12.2006, Huber kritisch zur Annäherung zwischen Vatikan und Orthodoxie, Evangelischer Pressedienst (epd) Hamburg,
http://nordelbien.de/nachrichten/epd.news/index.html?key=et01-20061230t143248897)

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"Es fällt auf, dass sich Benedikt [Dr. Joseph Ratzinger] immer wieder mit der sog. "liberalen Theologie" auseinandersetzt, einer im Protestantismus ausgebildeten theologischen Richtung, die Forschung und Lehre in Freiheit von dogmatischen Vorgaben, aber dem Evangelium verpflichtet und im Gespräch mit Wissenschaft und Kultur betrieb.
Obwohl die liberale Theologie ihre Blütezeit bei uns in Deutschland im Wilhelminischen Zeitalter [1890 bis 1918] hatte, so erlebte sie doch in unseren Tagen - aus gutem Grund! - eine Renaissance. Somit verhält sich Benedikt jedenfalls in dieser Hinsicht keineswegs zeitwidrig.

In den Brennpunkt der päpstlichen Kritik gerät Adolf von Harnack (1851 - 1930) [http://de.wikipedia.org/wiki/Adolf_von_Harnack] mit seiner berühmten These: "Nicht der Sohn, sondern allein der Vater gehört in das Evangelium, wie es Jesus verkündigt hat, hinein." [...]

Insgesamt jedoch bedeutet das päpstliche Jesusbuch [Jesus von Nazareth, Dr. Joseph Ratzinger, April 2007] eine Rückkehr zu einem Jesusverständnis, das hinter die Aufklärung zurückführt"

Prof. Dr. theol. Werner Zager (Dezember 2007, Theologe, Fachbereich Evangelische Theologie - Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main, Präsident des Bundes für Freies Christentum, Wer war Jesus wirklich? Deutsches Pfarrerblatt, Heft 12, S. 650/651)

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"Der Beitrag der Kirche zur humanen Gesellschaft und zur Kultur, wird nur stattfinden, wenn die Kirche auf weite Teile der biblischen Inhalte verzichtet.

Das tun ihre Vertreter auch, aber wiederum nur auf doppelbödige Weise. Sie lassen oft stillschweigend die dunklen, grausamen, drohenden Seiten der frohen Botschaft aus. Die positiven Seiten werden dann beispielsweise so beschrieben, als ob die Bibel aus lauter Liebesgeschichten Gottes mit den Menschen bestände oder Kultur einen positiven Bezug in der heiligen Schrift hätte.

Auch das ist angesichts des Inhalts der Bibel unwahrhaftig. Die Kirche muss die Wahrheit unterdrücken, um in der Gesellschaft hoffähig zu bleiben. [...]

Es ist ein Alarmsignal für unsere Gesellschaft, wenn der zweitgrößte Arbeitgeber Deutschlands nicht nur unglaubwürdig, sondern auch in sich zerbrochen ist und eigentlich nur durch den Staat und durch die von ihm verliehenen Vorrechte am Leben erhalten wird."

Prof. Dr. Gerd Lüdemann (Dezember 2004, Theologe an der Georg-August-Universität Göttingen, Vortrag auf Einladung des Bundes für Geistesfreiheit (bfg) Fürth. „Warum die Kirche lügen muss“, Erstfassung 2000; modifizierte Fassung Dez. 2004; Kellmann-Stiftung Humanismus und Aufklärung, München)

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"Schon jederzeit hat es in den religiösen Lehren einen sichtbaren Widerspruch unter theoretischem Anspruch und praktischer Wirklichkeit gegeben.

Während solche Missstände im Mittelalter und der frühen Neuzeit nicht selten zu religiösen Erneuerungsbewegungen führten, haben sie heute eher eine Abkehr von der Religion zur Folge."

(http://ilexikon.com/Religion.html, 2007, "Religion - Definition und Bedeutung")

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Dr. Joseph Alois Ratzinger, 2005-2013 Papst Benedikt XVI.

 


"Dass Benedikt ein konservativer Papst sein würde, war bei seiner intellektuellen Vita zu erwarten, aber dass er fundamentalistische Neigungen zeigt, ist dann doch überraschend, ja schockierend.

Der Papst, der als Oberhaupt des Vatikans auch Diplomat sein müsste, ist schon in viele irdische Fettnäpfchen getreten: angefangen mit seiner Regensburger Rede von 2006 **, die von vielen als antiislamisch gewertet wurde [...]
** [http://de.wikipedia.org/wiki/Regensburger_Rede: Papst Benedikt XVI. zitiert am 12. September 2006 vor Wissenschaftlern an der Universität Regensburg eine Aussage des spätmittelalterlichen byzantinischen Kaisers Manuel II.: „Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat, und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden wie dies, dass er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten.“]

Er bringt Vertreter anderer Religionen gegen sich auf und verärgert mit seiner mittelalterlichen Denkweise auch viele Katholiken. [...] Auch wenn Benedikt nach Protesten immer wieder zurückrudert, ist zu fragen, ob seine Ausrutscher sich nicht doch aus einer gefährlichen Nähe zum christlichen Fundamentalismus erklären.
Letzten Endes geht aus fast allen Äußerungen dieses hochintelligenten Mannes hervor, dass er die katholische Lehre über alle anderen Glaubensrichtungen stellt."

Dr. Dieter Sattler (30.01.2009, Redakteur [Politik] Frankfurter Neuen Presse, PAPST: Gefährliche Nähe zum Fundamentalismus - Diskussion, Frankfurter Neuen Presse, www.fnp.de)

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"Was an der Fundamentalismusdiskussion indes bedenklich stimmt, ist eine oft geradezu irrationale Angst vor jeder Art von unbedingten Wahrheitsansprüchen und Glaubensgewissheiten. Als Gefahr für die liberale Gesellschaft gilt vielfach nicht nur, wer dem anderen seine Überzeugungen aufzwingen will, sondern schon, wer überhaupt welche hat.

Der Papst ist offenbar ein besonders schwerer Fall."

Jan Ross (September 2001, Redakteur der ZEIT, Glaubenswahn. Was ist Fundamentalismus?, DIE ZEIT - Nr. 40, 2001, Aktualisiert am 4. September 2006, www.zeit.de)

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Im Jahre 1900 waren zwei Drittel der christlichen Weltbevölkerung in Europa beheimatet: heute ist es weniger als ein Viertel, und bis zum Jahr 2025 wird der Anteil unter 20% fallen. (Center for the Study of Global Christianity)
"Die Ära der westlichen Christenheit ist innerhalb unserer Generation zu Ende gegangen, und das Zeitalter der Christenheit des Südens bricht an. [...]

Der Zulauf zu Pfingstkirchen, aber auch zu evangelikalen und orthodox-katholischen Bewegungen sind ein Ausdruck dessen."

Prof. Dr. Philip Jenkins (2007, Lehrstuhl für Religionswissenschaft an der Pennsylvania State University, USA)

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"Die Evangelikalen [http://de.wikipedia.org/wiki/Evangelikal] sind nach der römisch-katholischen Kirche die größte Bewegung der Christenheit. Weltweit rechnen sich etwa 460 Millionen Christen den theologisch Konservativen zu, die meisten davon sind Mitglieder protestantischer Volks- und Freikirchen."

ideaSpektrum (28. Januar 2009, Ja zur Volkskirche, Nein zu Irrwegen. ideaSpektrum 5/2009 S. 22)

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F.A.Z.: "Bischof Huber, mangelt es der Kirche hierzulande an einer gewissen Leidenschaft im Glauben, die anderswo, in China oder Südamerika, vorgelebt wird?"

Bischof Huber: "Der Protestantismus, den ich in China und Südamerika erlebt habe, ist zu einem guten Stück eine Religion ohne Aufklärung.

In Europa aber sind wir durch die Aufklärung gegangen, die nicht rückgängig zu machen ist." ... "Wir sind Christen, die die Aufklärung ganz bewusst bejahen."

Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber (23.02.2007, 2003 - 2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, Frankfurter Allgemeine Zeitung F.A.Z., 23.02.2007, Nr. 46 / Seite 42)

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"Die evangelische Kirche Deutschlands zeichne sich durch einen "historisch-kritischen Umgang mit den biblischen Texten" aus."

F.A.Z. / Bischof Dr. Wolfgang Huber (27.08.2007, 2003 - 2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD, Feuilleton Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.08.2007, Nr. 198, S. 35, Keine Angst vor Käfern, Bischof Wolfgang Huber warnt vor dem Kreationismus.)

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DS: "Während die Pfingstkirchen [http://de.wikipedia.org/wiki/Pfingstbewegung] wachsen, stagnieren die klassischen Kirchen wie die Lutheraner oder nehmen sogar ab. Sie sind anders als die Pfingstler von der Aufklärung geprägt und nehmen die Bibel nicht wörtlich, sondern interpretieren sie historisch-kritisch.

War es ein Irrweg, dass sich die evangelischen Kirchen für die Aufklärung geöffnet haben und die Bibel historisch-kritisch interpretieren und erklären?"

Bischöfin Käßmann: "Ich bin überzeugt, dass die Pfingstkirchen wie die anderen Kirchen Afrikas und die orthodoxen Kirchen die Aufklärung noch vor sich haben."

Bischöfin Dr. Margot Käßmann (21. April 2000, Oktober 2009 - Februar 2010 Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), 1999 - 2010 Bischöfin der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover, DS - DEUTSCHES ALLGEMEINES SONNTAGSBLATT, 21. April 2000 Nr. 16/2000)

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Dr. Margot Käßmann, 2009-2010 Ratsvorsitzende EKD, 1999-2010 Bischöfin EVLKA

 


"Die historisch-kritische Methode wird ... als unumgängliche Sicherung gegen Unwissenschaftlichkeit, Verwilderung der Theologie, Verarmung der Predigt, Schwärmerei und Gefährdung des Glaubens statuiert!

I
st diese Feststellung richtig, dann müssen die 1700 Jahre Kirchen- und Theologiegeschichte vor der Aufklärung geistlich-theologisch eine einzige Katastrophe gewesen sein!"

Prof. Dr. theol. Armin Sierszyn (1978, Schweizer Theologe, Die Bibel im Griff? − Historisch-kritische Denkweise und biblische Theologie, Hänssler; Auflage: 2001, ISBN 978-3775136853)

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"Die neuzeitliche Exegese wird bis in die Gegenwart hinein durch die historisch-kritische Methode bestimmt. Gegenüber dieser Methode erschien die Schriftauslegung der Väter als minderwertig, ja als nicht eigentlich »wissenschaftlich«."

Prof. Dr. Andreas Merkt (2006, Regensburg, http://www.uni-regensburg.de/Fakultaeten/Theologie/alte-kg/ntp/)

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"Es ist ein Fehler, der häufig von gebildeten Menschen ... gemacht wird, zu glauben, dass der Fundamentalismus eine neue und merkwürdige Form des Denkens ist. Das ist keineswegs der Fall. Vielmehr ist er das teilweise und wissenschaftlich nicht ausgeformte Überleben einer Theologie, die einmal weltweit von allen Christen vertreten wurde.

Wie viele gab es zum Beispiel in den christlichen Kirchen des achtzehnten Jahrhunderts, die die unfehlbare Inspiration der gesamten Schrift anzweifelten? Einige wenige vielleicht, aber nur sehr wenige.

Nein, der Fundamentalist mag sich irren, und ich glaube, dass er sich irrt, aber wir sind es, die von der Tradition abgewichen sind, nicht er. Und ich bedaure das Los eines jeden, der versucht, mit einem Fundamentalisten zu argumentieren.
Die Bibel und das corpus theologicum der Kirche sind auf der Seite der Fundamentalisten."


Prof. Dr. Kirsopp Lake (1926, anglikanischer Theologe und neutestamentlicher Textkritiker, Professor für neutestamentliche Exegese in Leiden (1904-1914), Professur für altchristliche Literatur und Kirchengeschichte an der Harvard University in Cambridge/USA (1914-1938), The Religion of Yesterday and Tomorrow, Boston: Houghton 1926, S. 61)

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"Den alten Glauben zu verteidigen ist freilich mühsam. Vielleicht ist er auch wirklich nicht mehr zu halten. Dann muss das aber gesagt werden.

Ihn einfach umzudefinieren, wegzuinterpretieren, in einen neuen Glauben umzumünzen und zu behaupten, es sei trotzdem weiterhin der alte, ist nicht redlich."

Christian Nürnberger (Dezember 2000, Journalist. Kirche, wo bist du?)

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"Die evangelische Theologie verdankt ihr Ansehen und ihre Existenzberechtigung innerhalb der deutschen Universität der rücksichtslosen Anwendung der historisch-kritischen Methode. [...]

Nur wenn zukünftige theologische Fakultäten in gleicher Weise sowohl mit kirchlich orientierten Forschern als auch mit solchen aus anderen Religionen und mit Religionskritikern (einschließlich Atheisten) besetzt sind, ist ein Erkenntnisfortschritt zu erwarten."

Prof. Dr. Gerd Lüdemann (2004, Theologe, Georg-August-Universität Göttingen, Das Unheilige in der heiligen Schrift)

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"Deshalb wäre es ungeheuer wichtig, dass ein europäisches Christentum hier die Vernunft wahrt, für die Freiheit eintritt und Atheismus wie andere Religionen nicht durch Unterdrückung bekämpft, sondern im Diskurs aufnimmt. […]

Wenn das europäische Christentum nicht hellwach bleibt und für die eigenen Traditionen entschlossen und mit Profil eintritt, räumt es den Platz für Leere oder Fundamentalismus."


Bischöfin Dr. Margot Käßmann (2005, Oktober 2009 - Februar 2010 Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischöfin der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover, Impulspapier - Strategien für die Gesellschaft von morgen)

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"Die Niederlande entwickeln sich zu einem „Land von Nicht-Kirchlichen“. Das erklärte der Präses der Protestantischen Kirche in den Niederlanden, Pfarrer Jan-Geert Heetderks, beim EKD-Zukunftskongress am 26. Januar in Wittenberg." […]
"Mittelfristig werde es nur noch zwei relevante religiöse Gruppen geben - die römisch-katholische Kirche und den Islam. Der organisierte Protestantismus wird Prognosen dieser Untersuchung zufolge zu „einer substantiellen Gruppe von kleinen Gemeinschaften“ gehören, so Heetderks.

Gehörten 1960 noch mehr als 30 Prozent der Niederländer zur evangelischen Kirche, werden es 2020 nur noch vier Prozent sein."

idea (27.01.07, Evangelische Nachrichtenagentur)

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Peter Scholl-Latour, 2002 Irakisch-Kurdistan, Journalist u. Publizist, merkur-online.de

 


"Peter Scholl-Latour [
http://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Scholl-Latour] hat das heutige Christentum mit dem Islam verglichen und im Ergebnis nur der römisch-katholischen Kirche noch einige Bedeutung zuerkannt.
Dem europäischen Protestantismus attestierte er, als wirklichkeitsgestaltende Kraft längst irrelevant geworden zu sein. Er führte es darauf zurück, dass die evangelische Christenheit als religiöse Kraft erlahmt sei. Eine Kirche, die geistlich-spirituell nichtssagend geworden sei, habe auch weltlich nichts mehr zu sagen."

Dr. Walter Schöpsdau (3. November 2003, Theologe, Protestantisches Profil. Protestantismus in der Außenperspektive,
Pfälzisches Pfarrerblatt)

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"Wir sind in einer gewissen geistlichen Leere angekommen."

Oberkirchenrat Dr. Thies Gundlach (11.02.2009, Ev. Theologe, Leiter der Abteilung "Verkündigung, Kirchliche Dienste und Werke" im EKD-Kirchenamt Hannover, Vortrag Evangelische Akademie Arnoldshain, Schmitten/Taunus, www.idea.de)

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"Viele erkennen, dass eine finanzielle Insolvenz nicht so dramatische Folgen wie eine spirituelle Insolvenz hat."

Pfarrer Peer-Detlev Schladebusch (14.05.2008, Theologe, Trainer im Projekt Spiritual Consulting. Haus kirchlicher Dienste der Evangelisch-lutherischen Landeskirch Hannover, Wenn der Zeitdruck chronisch wird. www.evlka.de)

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Spiegel:
"Es gibt kaum eine gesellschaftliche Debatte in Deutschland, auf die nicht unmittelbar eine Stellungnahme von Bischof Huber
[2003 - 2009 Ratsvorsitzender der
Evangelischen Kirche in Deutschland EKD] folgen würde." [...]
"Man weiß aber nicht so richtig, warum man zu Bischof Huber in den Gottesdienst kommen soll."

Bischof Dr. Huber: "Weil Sie im Gottesdienst das Wort Gottes hören. Ich lade Sie herzlich dazu ein."

DER SPIEGEL (29.04.2006, Gottes Wert, Seite 50, Nr. 18/2006)

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"Evangelisch Kirche sein" heißt: eine biblisch profilierte Zeitgenossenschaft jenseits von Selbstsäkularisierung [lat. saecularis = weltlich] und Fundamentalismus zu leben.

Im engagierten und offenen Gespräch mit Wissenschaft, Kultur, Wirtschaft, Bildung, Politik nimmt evangelische Kirche in den verschiedenen Feldern zivilgesellschaftlichen Lebens ihre Verantwortung wahr."

Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (07. November 2007, Kundgebung zum Schwerpunktthema "evangelisch Kirche sein", Beschluss der 10. Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland auf ihrer 6. Tagung zum Schwerpunktthema "evangelisch Kirche sein",
http://www.ekd.de/synode2007/beschluesse/56386.html)

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Jan Fleischhauer,  SPIEGEL Redakteur (2011)

 


"Die Selbstsäkularisierung der Protestanten strebt einem neuen Höhepunkt zu. Die Evangelische Kirche in Deutschland hat eine "Orientierungshilfe" für ihre Würdenträger zum Thema Familie herausgegeben. Drei Jahre hat eine 14-köpfige Expertenkommission über die Empfehlungen beraten, wie man hören konnte.

Das wichtigste Ergebnis vorneweg: Wer demnächst vor den Traualtar tritt, kann unbekümmert das Eheversprechen ablegen - auch wenn der Pastor sagt, es gelte, "bis dass der Tod euch scheidet". Keine Sorge, das ist nicht länger wirklich ernst gemeint. […]

Es wäre zu kurz gegriffen, den familienpolitischen Leitfaden als Kapitulation vor dem Wertewandel zu verstehen. Wir haben hier vielmehr das Dokument eines spektakulären Versuchs der Verweltlichung von innen, wie ihn so noch keine der großen Religionen unternommen hat. […]

Die Evangelische Kirche ist in der Selbstsäkularisierung schon weit vorangekommen, muss man sagen. […] Man sollte im Gegenzug nur nicht mehr erwarten, dass man weiterhin auch zu den Fragen verlässlich Auskunft bekommt, für die sie bislang das Privileg besaß - also alle, die über das Diesseits hinaus weisen."

Jan Fleischhauer (20. Juli 2013,  SPIEGEL Redakteur, S.P.O.N. - Der Schwarze Kanal: Scheidung leichtgemacht, www.spiegel.de)

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"Was die Kirche zu politischen und gesellschaftlichen Fragen sagt, unterscheidet sich oft kaum von dem, was andere Gremien aus Politik, Wirtschaft und Kultur auch schon zu Papier gebracht hatten.

Nach dem Motto: Es ist zwar schon alles gesagt - aber noch nicht von uns."

Wolfgang Polzer (2001, Journalist, ideaSpektrum, 46/2001, S.15)

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Der Tagesspiegel:
"Herr Huber, was ist, ganz persönlich, der Kern Ihres Glaubens?"

Bischof Dr. Huber:
"Gottvertrauen, Zuversicht und Nächstenliebe."

Der Tagesspiegel: "Warum war dann auf dem „Zukunftskongress“ der evangelischen Kirche in Wittenberg so viel von „Qualitätsmanagement“ und „Leistungsbewusstsein“ die Rede?

Verliert die evangelische Kirche ihre Seele?"

Bischof Dr. Huber: "Im Gegenteil. Wir wollen den Kern des christlichen Glaubens wieder ins Zentrum rücken. Menschen sollen ermutigt werden, klar zu sagen, was ihnen am Glauben wichtig ist. Alle, die Verantwortung in der Kirche tragen, müssen das Kerngeschehen von Kirche wichtig nehmen und intensiv an der Qualität der Gottesdienste und der Seelsorge arbeiten. Fragen der Organisation, der Finanzen, der Demografie bilden nur die Rahmenbedingungen.

Wittenberg war eine Arbeitstagung auf diesem Weg und keine Inszenierung ["Unter Inszenierung versteht man ein meist öffentliches Zurschaustellen von Werken, Taten oder Handlungen. Im Bereich der darstellenden Künste wird der Begriff oft auch synonym zu „Regie“ verwendet. Der Begriff der Inszenierung kommt aus dem Theater." Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Inszenierung] für die Öffentlichkeit."

Der Tagesspiegel / Bischof Dr. Wolfgang Huber (
11.02.2007, 2003 - 2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD, Der Tagesspiegel)

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EKD, Zukunftswerkstatt Kassel 2009

 


"Was passiert, wenn nichts passiert?" [...]

"Nach einer eigenen Prognose der EKD ergibt sich, wenn man den Trend zurückliegender Jahre fortschreibt, für den Zeitraum bis 2030 folgende Konsequenz: Die Zahl der Mitglieder der evangelischen Kirche würde dann von 26 Millionen (2003) um ein Drittel auf etwa 17 Millionen (67 Prozent) zurückgehen." [...] (Seite 21)

"Zusammengefasst heißt die Diagnose: Bei sinkender Mitgliederzahl um etwa ein Drittel geht die finanzielle Leistungsfähigkeit nahezu um die Hälfte zurück." (Seite 22)

"Die Amtshandlungen sind so etwas wie der Lackmus-Test dafür, wie es um die evangelische Kirche heute steht. ... Die Taufen sind im Zeitraum von 1991-2003 um über 25 Prozent zurückgegangen." [...]

"Der durchschnittliche Gottesdienstbesuch der Protestanten ist nicht zufriedenstellend; zwar gab es seit der Reformation aufgrund geringer Beteiligung immer wieder Anlass zur Klage, aber mit einer durchschnittlichen Gottesdienstbeteiligung von etwa 4 Prozent [der getauften Kirchenmitgliedern] können sich die evangelischen Kirchen in Deutschland nicht abfinden." (Seite 23)

Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) (06. Juli 2006, Impulspapiers des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) "Kirche der Freiheit. Perspektiven für die evangelische Kirche im 21. Jahrhundert", http://www.ekd.de/download/kirche-der-freiheit.pdf, Seite 21-23)

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"Die Kämmerer erschrecken mit apokalyptischen Prognosen ihre Bischöfe, und diese vergessen alles, was sie je von der Kanzel gepredigt haben ... sondern wenden sich rat- und hilfesuchend an die angeblichen Spezialisten des Überlebens, an McKinsey, die missionarischen Hohepriester des Glaubens an Markt und Technik.

Und diese helfen gerne, wenn auch nicht für Gotteslohn. Als Erstes verordnen die Missionare von der anderen Religion den Bischöfen eine «Konzentration aufs Kerngeschäft»: die Sorge um das individuelle Seelenheil. Schluss mit der Verzettelung. Beschränkung auf Seelsorge, Gottesdienst, Taufe, Abendmahl, Hochzeits- und Trauerfeier. Das aber müsse möglichst professionell gehandhabt werden, solle an den tatsächlichen Bedürfnissen orientiert sein, die es empirisch zu erforschen gelte.

Da der Rat der Berater teuer ist, glauben die Bischöfe, dass er auch gut sein müsse, und so öffnen sie sich gläubig der Botschaft, alles sei Markt, auch das Religionsbusiness, und in diesem Geschäft gelte es, um die Sinn und Orientierung suchende Kundschaft mit anderen Sinnanbietern zu konkurrieren und sich wettbewerbsfähig zu machen. «Lernen von der Weisheit der Welt» nennen die Seelenhirten das.

Dieser Weisheit trauen sie heute mehr als der Torheit des Kreuzes (1 Korinther 1, 23).

Sie probieren es jetzt tatsächlich mit Marketing, meinen ernsthaft, ihre in Jahrhunderten verspielte Glaubwürdigkeit lasse sich mit Werbung, PR, Events und Imagekampagnen im Instantverfahren zurückgewinnen. Ohne rot zu werden, definieren sie die Botschaft vom Kreuz als ein Produkt, das es zu verkaufen gilt. Allen Ernstes betrachten sie sich als ein Unternehmen auf dem Sinnstiftungsmarkt, bezeichnen ihre Mitglieder als Kunden, fragen deren Wünsche ab, trimmen ihr Personal auf Kundenorientierung, offerieren ein spirituelles Angebot, denken über ihre Corporate Identity nach, beschäftigen sich mit Profilschärfung und Professionalisierung, und statt Weltgestaltung stand in den letzten Jahren die Gestaltung des kirchlichen Briefpapiers auf ihren Tagesordnungen.

Ihr Gottesdienst mutiert zum Kundendienst. Aus Kirchtürmen sollen Leuchttürme werden, und auf deren Spitze kräht der Hahn, dass der Mann am Kreuz schon wieder verraten und verkauft wird.

Statt nach der Wahrheit des Kreuzestods zu fragen, fragen sie: Welche neuen Gottesdienstformen, Liturgien, Events locken den modernen Sinnkonsumenten in die Showrooms der Kirchen? Mit zeitgemäßen zielgruppengerechten Dienstleistungen - gefühligen Taufzeremonien, professionellem Kommunions- und Konfirmations-Service, rauschenden Hochzeitsfesten, schicken Begräbnispartys - soll die Kirche wieder massenkompatibel werden und der Kunde spendenbereit. [...]

Wir erleben derzeit, wie die stets unbequeme, überall aneckende, zu allen Zeiten provokante, unverkäufliche Botschaft Jesu von seinen Nachfolgern umfunktioniert wird zur gefälligen, stromlinienförmig an den Markt angepassten Wellness-Religion. [...]

Es ist die Einladung zum Tanz ums Goldene Selbst. ... Die Religion wird wieder Opium fürs Volk. Die New Church, die da nach einer Blaupause aus den McKinsey-Büros mit marktgängigen Sinnkonstruktionen dealt, taugt gut als Schmiermittel des sich als alternativlos gebärdenden Totalkapitalismus und passt bestens in jene postindustriellen Brachen der Freizeit- und Spaßgesellschaft:, in denen sich schon die Beauty-Farmen, Badelandschaften und Ayurveda-Tempel angesiedelt haben. Unter den säkular-esoterischen Zirkusnummern, die dort gespielt werden, ist auch noch Platz für ein paar kirchlich-spirituelle. [...]

Bedarf die Welt einer Kirche, die der Weisheit der Welt bedarf? Brauchen Politik und Wirtschaft den Rat der von McKinsey beratenen Kirche? [...]

Die Bischöfe gleichen heute den Besitzern eines Dampfers, der im Hafen liegt, schon lange nicht mehr fährt und vermutlich nie wieder fahren wird, weil der Motor kaputt ist. Es gibt eine Crew, die jeden Tag mehr oder weniger eifrig das Schiff putzt, Lecks abdichtet, das Dach streicht und tausend andere Dinge tut, um den alten Kasten zu erhalten, aber niemand aus der Crew kümmert sich um den Motor. Der Versuch, ihn zu reparieren oder auszutauschen, unterbleibt.
Finanziert wird die Mannschaft aus Tradition von jenen vielen Menschen, die ganz woanders arbeiten. Die Mannschaft hofft, ihre Finanziers für ihre Arbeit zu interessieren und in das Schiff zu locken. Diese aber sehen nicht recht ein, warum sie ein Schiff besteigen sollen, das nicht einmal für eine Hafenrundfahrt taugt.

Noch zahlen sie für den alten Kasten, wenn auch mit sinkender Bereitschaft, sinkender Überzeugung und wohl eher aus Gründen der Nostalgie und Tradition, auch aus dem pragmatischen Grund, die besonderen Anlässe des eigenen Lebens -Taufe, Hochzeit, Begräbnis - in den repräsentativen Räumen dieses Museumsschiffs mit dem dort üblichen Zeremoniell feiern zu können, ein teurer Luxus, wenn man die Beiträge addiert, die im Lauf eines Kirchensteuerzahlerlebens zusammenkommen.

Weil die Zahl der Finanziers sinkt und zugleich deren Bereitschaft, diesen Museumsbetrieb weiter zu unterstützen, ist die Crew jetzt mit viel Eifer dabei, das stillgelegte Schiff neu aufzumöbeln, Versammlungsräume herzurichten, einen gastronomischen Service zu bieten, mit Promis, Konzerten, Partys und Events zu locken. Man entwirft auch dauernd neue, modern aussehende, auf unterschiedlichste Zielgruppen abgestimmte Kleinschiffe, Vergnügungsboote, Rettungsboote, baut zuweilen sogar den einen oder anderen Prototypen - fahren tun sie alle nicht.

Sonntags, wenn sich eigentlich alle versammeln sollten, aber die meisten daheim bleiben, erzählt der Pfarrer den Wenigen, die erscheinen, Geschichten aus den Zeiten, in denen das Schiff noch über alle Meere fuhr. Wer aber tatsächlich sein Fernweh stillen will, geht dann realistischerweise doch besser ins Reisebüro.

Einmal aber, in ferner Vergangenheit, muss das Schiff tatsächlich seetüchtig gewesen sein ... das Wissen wäre da. Es müsste nur ausgegraben werden. Und dann bedürfte es nur noch des Willens, das Wissen anzuwenden. Wenige würden genügen, um einen Anfang zu machen. Damals, als alles anfing, hatte einer genügt."

Christian Nürnberger (21. September 2007, Das Christentum. Was man wirklich wissen muss.)

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Christian Nürnberger, Journalist u. Schriftsteller, pro-medienmagazin.de, 12.11.2010

 


"
Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun."

Jesus Christus (Johannes 15, 5)

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"Wenn mich die Verzweiflung an der Kirche überflutet, dann tröstet mich ein Wort, ein Wort der Bibel, ein gewaltiges Wort. Und mit diesem Wort grüße ich euch, meine Freunde: So spricht der Herr: Ich will mich meiner Herde selbst annehmen."
[Hesekiel 34, 11]

Pfarrer Wilhelm Busch (1966, Dortmund, Bekenntnistag in Dortmund d. Bekenntnisbewegung „Kein anderes Evangelium“, 1929 bis 1962 protestantischer Jugendpfarrer - Essen,
http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Busch_(Pfarrer)

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"Wir sind es doch nicht, die da die Kirche erhalten könnten, unsere Vorfahren sind es auch nicht gewesen, unsere Nachkommen werdens auch nicht sein; sondern der ists gewesen, ists noch, wirds sein, der da spricht: "Ich bin bei euch bis an der Welt Ende" wie Hebr, 13 stehet: "Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit«, und Offb. 1, 4: »Der da war, der da ist, der da kommt". [...]

"Denn du und ich sind vor tausend Jahren nichts gewesen, da dennoch die Kirche ohne uns erhalten worden ist, und hats der tun müssen, der da heißt: "Der da war" und "gestern". So sind wirs jetzt auch nicht bei unserm Leben, denn die Kirche wird nicht durch uns erhalten."

Dr. Martin Luther (1539, Reformator, WA 50, S. 476, WA = Weimarer Ausgabe, D. Martin Luthers Werke, Kritische Gesamtausgabe, Weimar 1883 ff..)

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"Der ungeheuerlichste und unglaublichste Satz im Neuen Testament ist der von Jesus:
Niemand kommt zum Vater, denn durch mich [JOHANNES / 14. Kapitel, 6].

Das ist der Satz, der uns von allen anderen Religionen unterscheidet."

Volker Kauder
(13. September 2007, Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Tage der Begegnung - Gebetsfrühstückskreis im Deutschen Bundestag, http://www.tage-der-begegnung.eu)

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"Man erlebt den konservativen Rollback und Bestseller-Triumphe, die sich unmöglich verknarzten Unionswählern allein verdanken können." … "In Bibelkreisen werden die Stühle knapp, Eltern entdecken den Katholizismus, um ihre Kinder in konfessionellen Schulen unterzubringen.

Es wird wieder geglaubt in Deutschland, und wo das nicht der Fall ist, wird es als Defizit begriffen (West) oder als historischer Defekt (Ost)." [...]
"Die Zahl derjenigen aber, die es entweder mit Woody Allen [
http://de.wikipedia.org/wiki/Woody_Allen] halten – „Natürlich gibt es eine jenseitige Welt. Die Frage ist nur: Wie weit ist sie von der Innenstadt entfernt, und wie lange hat sie offen?“ – oder die ganz ohne Himmelreich auskommen – diese Zahl schrumpft." [...]

"Der Kampf der Kulturen wogt längst nicht mehr zwischen Islam und Christenheit, sondern zwischen Frommen und Ungläubigen. Die Fundamentalisten beider Seiten verstehen sich nämlich blind. Selbst wenn die Kirche – nicht der Papst! – sich plötzlich weichgespült und modern gibt"

Süddeutsche Zeitung
(21.07.2006)

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"Was soll ich glauben?" [DIE ZEIT]

"Ein Aufatmen geht durch die bürgerliche Mitte, und auch die Gebildeten unter den Verächtern können es nicht mehr leugnen: Die totgesagte Religion ist ins Bewusstsein zurückgekehrt, auch wenn in Europa die Kirchenbänke nicht voller und die Ungläubigen nicht fromm geworden sind.

Eigentlich hätte es die Religion unter den lebenden Gestalten des Geistes gar nicht mehr geben dürfen. Eigentlich hätte sie unter der Sonne der Aufklärung still verbleichen oder vor der Alltagsvernunft Reißaus nehmen sollen.

An der Rückkehr der Religion gibt es keinen Zweifel. Und mit ihr ist auch ihr uralter Schatten zurück-gekehrt, die Religionskritik.
Der amerikanische Philosoph Richard Rorty, einer der Großen seiner Zunft, möchte den Glauben in den Hobbykeller verbannen - solange in seinem Namen Freiheitsrechte bekämpft oder völkerrechtswidrige Kriege geführt werden. Sein Landsmann, der Evolutionsbiologe Richard Dawkins [siehe unten], organisiert gar einen regelrechten Kreuzzug gegen die Kirche."

DIE ZEIT (8. Februar 2007, Nr. 7, 62. Jahrgang, Seite 1, Thomas Assheuer, Hamburg)

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"Gemeinsam sind wir stark: Gottesmänner gegen "Gotteswahn" [Prof. Dr. Richard Dawkins (Oxford), englischer Evolutionsbiologe und Autor des Bestsellers „Der Gotteswahn“]. Atheist Richard Dawkins zu Gast bei Kerner [ZDF-Talkshow Johannes B. Kerner]." [...]

"Aus Angst vor dem Gottseibeiuns [volkssprachlich Satan] waren gleich drei Gegner der Thesen des streitbaren Evolutionsbiologen eingeladen: der eloquente evangelische Bischof von Berlin-Brandenburg, Wolfgang Huber [2003 - 2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD], der Ratzinger-Schüler und katholische Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke, und Heiner Geißler von Attac. ...

Um es vorwegzunehmen: Dawkins machte keine glückliche Figur ... schließlich ist sein Buch vor allem geschrieben für den amerikanischen Markt, wo Glaube noch Glaube ist und das Wort der Bibel Gewicht hat. Mit weichgespülten westeuropäischen Theologen ... hatte Dawkins sichtlich seine Schwierigkeiten.

Wenn der Abend bei Kerner dennoch intellektuell interessant war, so eben deshalb, weil die Ausführungen der Dawkins-Gegner klar machten, wie sehr die christliche Religion in Deutschland heute einerseits zur reinen Lebensphilosophie, andererseits zur Magd der Politik verkommen ist.

Sie gebe Antwort auf Menschenfragen wie "Warum lebe ich? Warum liebe ich? Warum leide ich?" (Jaschke); ohne sie könne man die Liebe nicht verstehen (Huber); Politik ohne Gott gehe in die Irre - siehe den Nationalsozialismus und Kommunismus (Geißler).

Dawkins Erwiderung, dass weder die unterstellte Nützlichkeit der Religion für die öffentliche Moral noch die Tröstungen derselben für das Individuum etwas über die Wahrheit ihrer Behauptungen etwas aussagen, ging im Sperrfeuer der Gottesmänner unter."

DIE WELT (16. November 2007, Alan Posener, Gemeinsam sind wir stark: Gottesmänner gegen "Gotteswahn". Atheist Richard Dawkins zu Gast bei Kerner)

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"
Ist es wissenschaftlich?, Ist es veraltet?, Ist es zeitgemäß?, Ist es nützlich?, Ist es unbarmherzig?

- aber nicht:  Ist es wahr?"

Prof. Dr. theol. h.c., Dr. h.c. Clive Staples Lewis (1898-1963, britischer Schriftsteller und Literatur-wissenschaftler, Nach der Wahrheit fragen, Dr.phil. Jürgen Spieß, Brunnen-Verlag, Gießen; Aufl. 2007, ISBN: 978-3765532238)

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"Die Kirche war doch einmal anders. Es wurden doch einmal die Fragen des Lebens und des Todes hier ausgetragen und entschieden. Warum ist das nicht mehr so?

Weil wir selbst die Kirche zu etwas gemacht haben und immer wieder machen, was sie nicht ist. Weil wir zu viel von falschen, nebensächlichen, menschlichen Dingen und Gedanken in der Kirche reden und zu wenig von Gott selbst." […]

"Weil wir zu gemütlich von Gott reden und denken und uns von ihm und seiner Gegenwart nicht stören und beunruhigen lassen wollen; weil wir selbst im Grunde nicht glauben wollen, dass er wirklich jetzt hier mitten unter uns ist und unser Leben und Tod, Herz und Seele und Leib von uns fordert." [...]

"Gottes ewiges Wort, Gottes ewige Entscheidung, Gottes Gericht und Gottes Gnade, Gottes Zorn und Gottes Barmherzigkeit, Heil und Verdammnis, Versöhnung durch Christus" [...]

"Lasset euch versöhnen mit Gott. D.h. doch nichts anderes als: Lasset euch ein Königreich schenken, lasset euch den Himmel zum Geschenk geben, lasset euch die Liebe des Höchsten, des Herrn aller Welt schenken, werdet seine Freunde, seine Kinder, seine Schützlinge: Kommt, ergebt euch ihm und seinem Willen und ihr werdet frei sein von allem Bösen, von aller Schuld, von allen Fesseln. Ihr werdet frei sein von euch selbst, ihr werdet die Heimat gefunden haben, ihr werdet zu Hause sein bei eurem Vater."

Pfarrer Dr.
Dietrich Bonhoeffer (22. Oktober 1933, Theologe, Dietrich Bonhoeffer Werke (DBW), Bd. 13: London 1933-1935, Christian Kaiser Verlag/Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 1994, S. 313-319)

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"Mehr Gott wagen!" ... "Glaube erhebt Wahrheitsansprüche"

DIE ZEIT (Mai 2003, Jan Ross, "Mehr Gott wagen")

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Prof. Dr. Richard Dawkins, Evolutionsbiologe

 


"Ich bin ein Kultur-Christ." [Prof. Dr. Richard Dawkins, Evolutionsbiologe]

"Prof. Richard Dawkins (Oxford), englischer Evolutionsbiologe und Autor des atheistischen Bestsellers „Der Gotteswahn“, sieht sich selbst als einen „Kultur-Christen“ an. Wie die meisten Briten singe er gerne Weihnachtslieder.
Er wolle das Land keineswegs seines christlichen Erbes berauben, sagte er in einer Diskussionssendung der Rundfunkanstalt BBC (London). So wie einige seiner Freunde „Kultur-Juden“ oder „Kultur-Muslime“ seien, so würde er sich als einen „Kultur-Christen“ beschreiben."

idea.de (13.12.07, Ein Atheist singt gerne Weihnachtslieder, www.idea.de, 2007/12/10 BBC NEWS. London, http://news.bbc.co.uk/2/hi/uk_news/politics/7136682.stm)

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"Dawkins: I'm a cultural Christian

Scientist Richard Dawkins, an atheist known worldwide for arguing against the existence of God, has described himself as a "cultural Christian".
He told the BBC's Have Your Say that he did not want to "purge" the UK of its Christian heritage. [...]

Prof Dawkins, who has frequently spoken out against creationism and religious fundamentalism, replied: "I'm not one of those who wants to stop Christian traditions.

"This is historically a Christian country. I'm a cultural Christian in the same way many of my friends call themselves cultural Jews or cultural Muslims.

"So, yes, I like singing carols along with everybody else. I'm not one of those who wants to purge our society of our Christian history."

BBC NEWS (10.12.2007, http://news.bbc.co.uk/2/hi/uk_news/politics/7136682.stm)

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"Natürlich sind wir nicht antireligiös. Wir sind nur gegen intolerante Fundamentalisten, die versuchen, uns ihren Glauben aufzuzwingen. ... Eigentlich sind wir auch gar nicht gegen die Fundamentalisten selbst, sondern nur gegen den Fundamentalismus als Weltanschauung.

Wäre jeder ein moderater, liberaler Religiöser, der glaubt, dass am Ende sowieso alle in den Himmel kommen, dann hätten wir diese Auseinandersetzung nicht. ... Sollen die Leute doch glauben was sie wollen, so lange sie sich nicht auf überfüllten Marktplätzen in die Luft sprengen. Vor allem, wenn wir die gerade besuchen."

hpd humanistische pressedienst (17.10.200
8, Die Kuschel-Atheisten, www.hpd-online.de)

Diskussion


"Nur ein Atheist kann ein guter Christ sein, gewiss aber auch: Nur ein Christ kann ein guter Atheist sein."

Prof. Dr. Ernst Bloch (1968, Philosoph, Band 14 - Atheismus im Christentum,
http://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Bloch)

Diskussion


"Um Christ zu sein, brauche ich nicht an Gott zu glauben."

Prof. Dr. Dorothee Sölle (1929 - 2003, Evangelische Theologin, "Sölle vertrat eine politische Theologie, die sich durch eine radikale Diesseitigkeit und eine Entmythologisierung der Bibel auszeichnete." http://de.wikipedia.org/wiki/Dorothee_S%C3%B6lle)

Diskussion


"Als „atheistischen Pastor“ beschreibt sich ein niederländischer Pfarrer [Klaas Hendrikse, evangelische Kirchengemeinde Middelburg NL, „An einen Gott glauben, der nicht existiert – Manifest eines atheistischen Pastors“], der nicht an die Existenz Gottes glaubt." [...]

"Gott sei für ihn kein Wesen, sondern ein Begriff für eine Beziehung, erläutert Hendrikse. Wenn jemand sage: „Ich will dich nicht verlassen“ und das auch einhalte, dann könne man diese Beziehung als „Gott“ bezeichnen." ...

"Die Zeitung De Volkskrant verglich ihn mit einem „Vegetarier, der als Metzger arbeitet“."

idea (27.12.07, Niederlande: Pfarrer leugnet die Existenz Gottes, www.idea.de)

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"Der Gott des Menschen ist nichts anderes als das vergötterte Wesen des Menschen. Nicht Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde, sondern der Mensch schuf Gott nach seinem Bilde."

Dr. Ludwig Feuerbach (1841, Philosoph, D
as Wesen des Christentums)

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"Ich denke, Gott ist eine Erfindung der Menschen - vielleicht die größte. Darum ist er nicht etwa nicht wichtig; auch Kunst und Wissenschaft sind Leistungen der Menschen. Ich gehe gerne zum Gottesdienst und habe manchmal auch gepredigt, wenn mich ein befreundeter Pfarrer eingeladen hat. …

Letztlich glaube ich eher an die Kirche - ich erlebe sie als eine Gemeinschaft von Menschen, die guten Willens sind. Das ist viel, und es langt, um Mitglied der evangelischen Kirche zu bleiben. … Ich glaube, nach dem Tod kommt nichts mehr, und das ist auch recht so."

Prof. Dr. Bernhard Schlink (Juni 2008, Professor für Rechtswissenschaften u. Schriftsteller, Fragen an das Leben, chrismon. Das Evangelische Magazin, 06/2008, S. 28)

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"Wo evangelisch draufsteht, kann Atheismus drin sein. … Wer an Gott nicht glaubt, muss wohl an die Menschen glauben."

Bekenntnisbewegung „Kein anderes Evangelium“ (Oktober 2008, Aus Kirche und Gesellschaft, Informationsbrief Nr. 250)

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"Ich glaube nicht, dass Gott existiert, aber ich glaube an Gott."
"Gott ist der Name für eine Erfahrung."

"Was kann alles auf der Ebene der zwischenmenschlichen Erfahrungen passieren?
Eines der Worte, mit dem man das beschreiben kann, ist Gott.

Das ist es, wie ich Gott sehe."

Pfarrer Klaas Hendrikse (29.12.2007, Atheisten auf der Kanzel, Deutschlandradio Kultur)

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"Wir müssen ertragen können, dass ein Pfarrer sagt, Gott bestehe nicht.
Das ist Teil der theologischen Debatte.

Eine solche Meinung tastet die Fundamente der Kirche nicht an."

Pfarrer Michiel de Zeeuw (09.02.2010, Kirchenleitung der Protestantische Kirche in den Niederlanden [ndl.:Protestantse Kerk in Nederland, PKN], Nach der römisch-katholischen Kirche ist die PKN die zweitgrößte Kirche der Niederlande. Reformierte Kirche, Der gottlose Pfarrer, Frankfurter Rundschau, www.fr-online.de)

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"Dass ein Pastor die Existenz Gottes nicht anerkennt, lässt die Kirche in den Niederlanden schon mal durchgehen; schließlich glaubt bereits jeder sechste niederländische Pastor nicht mehr an den Allmächtigen [Studie v. Prof. Dr. Hijme Stoffels, Religionssoziologe der Freien Universität Amsterdam, Berliner Morgenpost, 23.09.06]."

hpd humanistische pressedienst (13. Januar 2008, Atheistischer Pastor rüttelt an Grundfesten der Kirche, www.hpd-online.de)

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"Ich hatte nicht erwartet, dass so viele Pastoren einen so existenziellen Zweifel an Gott haben würden, eine kleine Gruppe schon, aber das einer von sechs Pastoren sagt: Ich bezweifle, dass es Gott gibt. Das hat auch einen kleinen Sturm in der Kirche verursacht." [Prof. Dr. Hijme Stoffels, Religionssoziologe der Freien Universität Amsterdam] [...]

"Der Amsterdamer Wissenschaftler [Prof. Dr. Hijme Stoffels] ist überzeugt, dass sich die Ergebnisse seiner Studie auf die deutsche Pfarrerschaft übertragen lassen."

Prof. Dr. Hijme Stoffels / Deutschlandradio Kultur
(29.12.2007, Religionssoziologe der Freien Universität Amsterdam, Atheisten auf der Kanzel, Deutschlandradio Kultur)

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"Theologe kann man auch sein, wenn man nicht glaubt."

Prof. Dr. Gerd Lüdemann (2001, Theologe, Georg-August-Universität Göttingen,
http://wwwuser.gwdg.de/~gluedem/ger/index.htm)

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Klaus Berger (links) u. Eugen Drewermann (rechts), 18. April 2010, ZDF-Nachtstudio

 


"Oben ohne" - Theologie"

"Der Atheismus hat auch da seinen Platz gefunden, wo man ihn eigentlich nicht vermutet: An den theologischen Fakultäten." […]

"Wenn man systematisch mythologische Rede vermeiden wollte, musste man auch Gott als Person entmythologisieren und zum Beispiel durch „Liebe“ ersetzen.

So kam es, dass man bist heute regelmäßig mit der Formel konfrontiert wird „Gott ist die Liebe“; das steht zwar im ersten Johannesbrief, aber als isoliertes Zitat funktioniert diese Formel als verheerender Theologie-Ersatz.
Denn wenn Gott in Wahrheit nichts weiter als „die Liebe“ ist, hat man seine Personalität und seinen „Charakter“, seine Widerständigkeit und sein Geheimnis aufgelöst.

Ein solcher Gott ist kein Gegenüber mehr, das man mit „Du“ anreden kann, sondern er ereignet sich nur noch in der Begegnung von Menschen. Das Gesicht Gottes wird dann, wie man gesagt hat, nur (!) noch erkennbar als das Gesicht des anderen neben mir." […]

"Der Atheismus in der Theologie leugnet Gott als personales Gegenüber."

Prof. Dr. Klaus Berger (29.12.2007, Theologe, Wider die „oben ohne“-Theologie, Die Tagespost)

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"Atheistische Theologie ... Farbenlehre am Blindeninstitut"

(http://forum.fv-katheol.net, 14.09.2007)

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"Die Abwesenheit Gottes wird nicht einmal bemerkt."

Prof. Dr. Martin Heidegger (1889 - 1976, Philosoph, http://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Heidegger)

Diskussion


"Die wissenschaftliche Erforschung der Bibel in den letzten 150 Jahren hat gezeigt, wie sowohl im Alten Testament als auch im Neuen Testament Satz für Satz von Menschen gesprochen worden ist.

Es lässt sich nicht ein einziger Satz als von jenseits geoffenbartes Wort ausmachen. Diese Kritik spitzt sich zu auf eine zweite These. Sie lautet:

Redet der Mensch von Gott, dann redet er von sich selbst"

Pfarrer Dr. Paul Schulz (1979, Theologe, Frankfurter Rundschau 2.2.1979)

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"Das Christentum versteht sich seit alters als eine Religion, die auf den Geschichtstaten Gottes ruht, von denen im Alten und im Neuen Testament die Rede ist. In den Satz "Gott hat Israel aus Ägypten geführt und Jesus Christus von den Toten erweckt" konnten bisher die meisten Theologen einstimmen. Nun war die Auferstehung Jesu schon immer Gegenstand der Kritik auch in der Öffentlichkeit, während der Auszug Israels aus Ägypten davon verschont blieb.

Doch gerade am Exodus und dem mit ihm verbundenen Thema des vorstaatlichen Israel hat sich, fast unbemerkt, eine wissenschaftliche Revolution vollzogen. …
Das in der Bibel entworfene Bild des vorstaatlichen Israel (vor 1000 v. Chr.) [Landnahme Kanaans im 14.-13. Jahrhundert v. Chr.] entspringt theologischen Fiktionen [lat. fictio, Erdichtung] aus der nachstaatlichen Zeit (ab dem 6. Jh. v. Chr.) [babylonisches Exil von 598 v. Chr. bis 539 v. Chr. ]. ...

"Die Kirche betrachtet - weil sie sich als neues Israel auffasst - von Beginn an das im Alten Testament berichtete Handeln Jahwes an Israel als festen Bestandteil der Heilsgeschichte, die zu Jesus Christus führt.
Wenn jedoch der historische Rahmen der Geschichtsbücher des Alten Testaments fiktiv ist und es sich beim biblischen Israel, ja selbst bei dem exklusiven Gott Jahwe um theologische Konstrukte des nachstaatlichen Judentums [Zeit nach dem babylonischen Exil] handelt, dann sind die biblische Frühgeschichte Israels und damit die Vorgeschichte Jesu Christi vollständig entleert.

Sie lösen sich in Nebel auf und mit ihnen auch die Auferstehung Jesu, denn das Zentraldatum christlichen Glaubens gilt in der Theologie inzwischen auch als unhistorisch.
Diese Erkenntnisse besiegeln nicht nur den Tod des alttestamentlichen Geschichtsgottes, sondern auch das Ende des Vaters Jesu Christi."
[Anmerkung: Der Beweis für die im Text genannten Hypothesen steht noch aus.]

Prof. Dr. Gerd Lüdemann (01.10.2006, Theologe, Georg-August-Universität Göttingen, Gott wurde spät erfunden. Gerd Lüdemann beschreibt neue Entwicklungen in der Wissenschaft vom Alten Testament, DIE WELT)

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"Lüdemann spitzt eigentlich nur zu, was seine Kollegen langatmig, unverständlich und zu Tode differenzierend auch sagen"

Christian Nürnberger (Dezember 2000, Journalist. Kirche, wo bist du?)

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"Sie sehen, was Sie zu sehen erwarten."

Prof. Dr. Steven J. Sherman & Prof. Dr. David L. Hamilton (1989, Personality and Social Psychology Bulletin, Vol. 15, No. 4, 559-571. 1989, Attenuation of Illusory Correlation)

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"Es sind in Deutschland die Theologen, die ... Gott ein Ende machen."

Heinrich Heine (1797-1865, deutscher Dichter und Publizist)

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Heinrich Heine, 1797-1865, deutscher Dichter und Publizist

 


"Wer Gott von Seinem Wort trennt, schafft sich einen Götzen!"

Rolf-Jürgen Schmeißing (7. Februar 2009, Diskussion, Pietisten-Präses gegen fundamentalistisches Bibelverständnis, www.idea.de)

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"Die sog. „Religionsgeschichtliche Schule“ … umfasste beispielsweise die Überzeugung, dass das nationale Israel wesentliche Elemente von seinen (heidnischen) Nachbarn entlehnt und sich teilweise aus den heidnischen Religionen Vorderasiens heraus evolutionär weiterentwickelt habe (vom Polytheismus [Vielgötterei] zum Monotheismus [Eingottglaube] etc.), indem diese entlehnten Elemente in eine monotheistische Struktur integriert worden seien. [Der Gott Israels und der Vater Jesu Christi gehe dem Ursprung nach auf einen Götzenkult zurück. Siehe Beitrag unten.] [...]

Theologischer Liberalismus ist folglich kein anerkennenswerter Ausdruck des christlichen Glaubens, keine christliche Variante in Form eines konfessionell anerkennenswerten Bekenntnisses […] Er verkörpert gewissermaßen den Ausdruck heidnischer Religiosität im christlichen Gewand."

Dr. theol. Berthold Schwarz (August 2005, Theologe, Dozent für Systematische Theologie an der Freien Theologischen Hochschule Gießen, Die bleibende theologische Herausforderung des „Liberalismus“, Biblisch Glauben Denken Leben Nr. 69, http://www.bibelbund.de/pdf/bgdl69.pdf)

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"Wenn aber die Heilige Schrift nicht als Wort Gottes erkannt wird, dann rückt unweigerlich die jeweilige Situation und - nicht zu vergessen - die Autorität der Ausleger an die Stelle des Wortes Gottes."

Prof. Dr. Reinhard Slenczka (April 1994, Theologe, Die Autorität der Heiligen Schrift - Grund und Grenze kirchlicher Vollmacht, Vortrag beim Theologischen Konvent der Konferenz Bekennender Gemeinschaften in Erfurt)

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8 "Aber ihr sollt euch nicht Rabbi nennen lassen; denn einer ist euer Meister; ihr aber seid alle Brüder.
9 Und ihr sollt niemanden unter euch Vater nennen auf Erden; denn einer ist euer Vater, der im Himmel ist.
10 Und ihr sollt euch nicht Lehrer nennen lassen; denn einer ist euer Lehrer: Christus."

MATTHÄUS / 23. Kapitel, 8-10

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Prof. Dr. Jürgen Heumann

 


"Jürgen Heumann [Prof. Dr. Jürgen Heumann, Prodekan der Fakultät IV, Institut für Ev. Theologie und Religionspädagogik an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg] ... hat seine Kollegen vor Gruppen mit dem scheinbar harmlosen Label „christliche Gruppe" gewarnt: Sie sollten genau prüfen, ob deren Ansichten dem Grundgesetz widersprächen und Veranstaltungsräume deshalb zu verweigern seien."

DER SPIEGEL (28.04.2008, Aufschwung Jesu, S. 38-41, Der Spiegel Nr. 18/2008)

[Hintergrund: Prof. Dr. Jürgen Heumann riet u.a. davon ab, "Campus für Christus" an Universitäten Räume zur Verfügung zu stellen. http://www.gaynial.net/pdf/gutachten_heumann.pdf.
Campus für Christus ist der Arbeitsgemeinschaft Evangelikaler Missionen (AEM), der Arbeits-gemeinschaft Missionarische Dienste der EKD (AMD) und dem Ring Missionarischer Jugend-bewegungen (RMJ) angeschlossen.
Campus für Christus arbeitet auf der Glaubensgrundlage der Evangelischen Allianz [
http://de.wikipedia.org/wiki/Evangelische_Allianz] als über-konfessionelles Missionswerk mit (fast) allen Kirchen und Gemeinden zusammen. www.cfc-online.org/studentenarbeit]

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"Während es früher an den Hochschulen oft eine Gleichgültigkeit gegenüber unseren Angeboten [Campus für Christus, siehe oben] gab, ist in den letzten Jahren eine Hetze gegen Christen zu bemerken."

Hans Reil (8. Februar 2009, Leitungsteam der Studentenarbeit Campus für Christus, Spiegel Online: Christliche Eiferer hetzen an der Uni, www.idea.de)

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"Der Baptistenpastor Dr. Kim Strübind … bezeichnete manche angeblich bibeltreue Überzeugungen als „kollektive Verdummung“."

Zeitschrift Die Gemeinde / Prof. Dr. Kim Strübind (07.10.05, baptistischer Theologe,
Institut für Evangelische Theologie und Religionspädagogik, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Lehrstuhlverwalter für Altes Testament und Hebräisch, Was heißt heute bibeltreu? Freikirchliche Theologen gegen »kollektive Verdummung«. Zeitschrift Die Gemeinde. Herausgeber: Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland, K.d.ö.R.)

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"Ziehen Sie also mit mir in die letzte Schlacht zwischen Intelligenz und Dummheit."

William „Bill“ Maher (März 2009, Schauspieler, Schriftsteller und Fernsehproduzent, Bill Maher über Religulous. Religulous – man wird doch wohl Fragen dürfen. www.religulous.centralfilm.de)

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"Darum muss man sich allgemein entrüsten und ärgern, dass manche und dazu noch Leute ohne viel Studium, ohne wissenschaftliche Bildung ... etwas Bestimmtes über das gewaltige Weltall auszusprechen wagen. Und doch ist darüber seit so vielen, ja allen Jahrhunderten die Philosophie in ihren meisten Schulrichtungen im unklaren." […]

"Angenommen, von Anbeginn haben die Keime aller Dinge durch Selbstbefruchtung der Natur sich zusammengefunden, welcher Gott ist dann der Schöpfer? Oder wenn etwa die Teile des Weltganzen durch zufälliges Zusammenkommen aneinandergefügt, geordnet und gestaltet wurden, welcher Gott ist dann der Baumeister? ... Was ist's mit diesem Aberglauben? ...

Man braucht keinen Künstler, keinen Richter und keinen Schöpfer" [...]

"Wenn ihr also noch ein bisschen Klugheit oder Ehrgefühl habt, so höret auf, Himmelszonen, der Welten Schicksal und Geheimnisse zu ergründen. Es soll euch genügen, das zu erkennen, was euch sozusagen vor den Füßen liegt, zumal für Leute ohne Gelehrsamkeit und Bildung ... die nichts von politischen Dingen verstehen, um wie viel weniger göttliche Dinge erörtern können." […]

"Man muss zweifelhafte Dinge lassen, wie sie sind, und nicht kühn und keck sich für das eine oder andere entscheiden, während doch so viele große Männer über Zweifel nicht hinauskommen, Sonst greift entweder ein Altweiberglaube Platz oder wird jede Religiosität untergraben." [...]

"Doch welche Ungeheuerlichkeiten und Missgestalten schafft erst die Phantasie der Christen!" … "All das sind Fabeln einer krankhaften Einbildungskraft und schlechte Trostgründe, von den Dichtern erfunden, um ihrer Dichtung Reiz zu verleihen. Ihr habt sie allzu leichtgläubig schimpflicher Weise für euren Gott wieder aufgewärmt." […]

"Aber ich will nicht länger von allgemeinen Tatsachen reden. Doch seht! Euch treffen drohende Erlasse ... wie ihr es vorausverkündet und fürchtet."

Caecilius Natalis
(200 n.Chr., Sprecher des Heidentums, Frühchristliche Apologeten und Märtyrerakten 1913, Bd. 2, Minucius Felix, Octavius.)

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Emil Brunner (links) u. Karl Barth, 1965


 

"Jetzt aber, wo mit jedem Tage klarer wird, dass die Krisis der Religion … von innen, nicht von außen kommt … jetzt ist es wohl an der Zeit, die Hauptaufmerksamkeit von außen nach innen, auf den Krebsschaden im Innern unserer »Innerlichkeit«, auf die Pseudochristlichkeit und Ungeistigkeit unserer modernen Theologie und Religion zu werfen."

Prof. Dr. Emil Brunner (1928, Schweizer Theologe, Die Mystik und das Wort, »Unser Problem«. 2. Aufl., 1928, S. 12)

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"Die Aufklärung lässt sich auf Dauer nicht an die Ketten des Dogmas legen. Sie stürzt wie ein brausender Strom heran, gegen den alle Glaubensschleusen und -dämme machtlos sind. [...]

Die historische Methode beruht auf der Voraussetzung, dass die Erforschung geschichtlicher Phänomene sachgemäß nur unter Berücksichtigung ihres Kausalzusammenhangs, ihrer Wechselbeziehungen und ihrer Analogien erfolgen kann.

Ihre Arbeitsweise folgt dem methodischen Atheismus der neuzeitlichen Wissenschaft ... Die historische Methode verweigert eine Antwort auf die religiöse Wahrheitsfrage und kann nur verschiedene Wahrheitsansprüche registrieren und miteinander vergleichen."

Prof. Dr. Gerd Lüdemann (20.09.2008, Theologe, Georg-August-Universität Göttingen, Vertrag von Staat und Kirche, Ketten des Dogmas. Frankfurter Rundschau)

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"Unglaube ist der erste Schritt zur Philosophie."

[Original franz.: "Le premier pas vers la philosophie, c'est l'incredulité."]

Denis Diderot (31. Juli 1784, französischer Philosoph, Schriftsteller  und Aufklärer, Letzte Worte, http://de.wikiquote.org/wiki/Denis_Diderot)

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"Die atheistische Theologie und ihren … in die menschliche Subjektivität eingesperrten Religionsbegriff … dass die evangelischen Fakultäten der Wahrheitsfrage ausweichen, die Gottesfrage begraben und die Religion „aus der Welt erklären“." […]

"Die atheistische Methode sei die einzig wissenschaftliche: „Wir wollen die Welt (mit Einschluss der Religion …) aus der Welt erklären“; d.h. „wir wollen sie erklären aus den im Weltprozess liegenden Kräften ohne Zuhilfenahmen eines Gottesgedankens“. Das sei heute in allen Arbeitszweigen der Wissenschaft einzig und allein das Leitmotiv, also auch in der Theologie. …

Wer alles Geschehen, Jesu Gottessohnschaft … „aus der Welt erklärt“, der ignoriert Gott nicht, sondern negiert ihn. Die Erinnerung an Gott wird hier nicht nur zeitweilig aus dem wissenschaftlichen Denken ausgeschaltete, etwa im Interesse der Erzeugung einer reinen, echten Beobachtung, sondern endgültig ausgeschlossen.

Es wird zum wesentlichen Merkmal der Theologie, dass sie für Gott blind sei. „Die wissenschaftliche Methode“ sagt Paul Jäger, „ignorant deum, weiß nichts von ihm.“
Diese Blindheit für Gott soll natürlich nur innerhalb der wissenschaftlichen Funktion das Merkmal des Theologen sein; er hat sie nicht auch als religiöser Mensch. Der letztere behält sich seine Frömmigkeit abseits von seiner Wissenschaft vor. …

Das ist der alte, scharfzackige Dualismus, den wir von Kant, Jakobi, Schleiermacher, Fries usw. her kennen: der heidnische Kopf und das fromme Herz, die atheistische Wissenschaft und die religiöse Stimmung usw. usw. …
Der Dualismus, den er uns empfiehlt, hat folgende Form: Als Theologen erklärt ihr die Religion aus der Welt; als religiöse Menschen betrachtet ihr sie als Beziehung zu Gott;
ihr habt als Theologen zu beweisen, was ihr als Christen verneint, als fromme Leute zu bejahen, was ihr als Theologen bekämpft. …

Jäger gibt uns den freundlichen Rat, „die Entschlossenheit zu haben, aus der Universität auszutreten“, da wir uns mit der atheistischen Stimmung in derselben nicht im Einklang befinden. …

Wenn es einmal wirklich dazu kommt, dass unsere Studenten das Neue Testament nur so lesen wie Homer und unsere Exegeten es erklären wie Homer mit entschlossener Ausstoßung jedes aus Gott gerichteten Gedankens, dann ist es mit den theologischen Fakultäten vorbei.
Jäger fürchtet von seiner Methode keinen Verlust: Atheistisch sei ja … nur die Methode der wissenschaftlichen Arbeit, nicht die persönliche Stellung des Arbeiters. …

Wie soll Zweiseeligkeit vermieden werden, wenn in einer und derselben Persönlichkeit der Theologe und der Christ in unversöhnlichem Hader gegeneinander stehen? …
Natürlich muss auch Kant [http://de.wikipedia.org/wiki/Immanuel_Kant] als Tröster dienen: die Wissenschaft habe es ja nur mit der „Erscheinung“ zu tun, nicht mit dem „Wesen“ … „Alles nur Phänomen!“ … vom Theologen, der den religiösen Vorgang zuerst atheistisch erklärt und hernach sagt:
„Bitte nur die Erscheinung habe ich erklärt; über das Wesen könnt ihr denken was ihr wollt“ … wenn die evangelischen Fakultäten zwar noch „Religion“ kennen, aber von keinem Gott mehr wissen, und die katholischen Kollegen es allein sind, die die Gottesfrage stellen."

Prof. Dr. Adolf Schlatter (1905, Evangelischer Theologe, Atheistische Methoden in der Theologie. Eine Auseinandersetzung über "Das atheistische Denken der neueren Theologie" von Paul Jäger, R. Brockhaus Verlag Wuppertal, ISBN 9783417290431)

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"Wie konnte es dazu kommen, dass weithin die Kirche die Kritik an der Bibel zur Grundlage ihrer Theologenausbildung gemacht hat? ...

Indem die Theologie auch die Aufklärungsphilosophie zu ihrer Denkgrundlage machte, wurde sie zur bibelkritischen Theologie. Die Theologie hat also von der Philosophie nicht nur die antitheistische Denkvoraussetzungen übernommen, sondern auch die einzelnen Elemente der Bibelkritik. ...

Intellektuelle Gottesleugnung und Frömmigkeit ... die für die Aufklärung weithin charakteristisch ist und von der auch die liberale und die historisch-kritische Theologie geprägt sind. ...

Alle Waffen des Atheismus wurden in der Philosophie geschmiedet. In Gebrauch genommen hat man sie vor allem in der bibelkritischen Theologie und der Literatur. ... Eine Theologie, die sich leiten lässt durch die Philosophie anstatt durch Gottes Wort, verfehlt Gottes Offenbarung. ...

Der lebendige Gott wurde in den Gott der Philosophie verwandelt, der nichts sieht, nichts hört, nichts sagt und nichts tut, der nur noch Götze ist, von dem man nichts erwarten darf. ... Sie hält das, was sie von ihren Kathedern lehrt, für wissenschaftliche Ergebnisse und kultiviert es als angeblich wissenschaftliche Methoden. Dadurch sichert sie sich ihren Verbleib an der Universität. ...

Es ist nichts in der historisch-kritischen Theologie, was nicht zuvor in der Philosophie gewesen ist. …Wundern, Auferstehungsberichten und Ähnlichem wurde von vornherein die Historizität abgesprochen, weil die historisch-kritische Theologie im Gefolge der Aufklärungsphilosophie kein Handeln Gottes in der Geschichte gelten ließ.
Durch Vor-Urteil wurde das alles für mythisch erklärt. … Geschichte wurde auf das Menschliche begrenzt. Gott ließ man darin keinen Raum. Alles singuläre Handeln Gottes wurde ausgeschlossen. …

Lebendiger Glaube an Gottes Offenbarung in seinem Wort und eine „wissenschaftliche“ Theologie, die arbeitet „als ob es Gott nicht gäbe“ schließen sich aus. … Der Jesus der Bibel und der Jesus der Bibelkritik sind Gegensätze, die sich ausschließen. Jeder muss sich entscheiden, welchen Jesus er wählt. Er soll aber wissen, dass der Jesus der Bibelkritik nicht zu retten vermag." …

Eine Theologie, die auf antitheistische Voraussetzungen beruht, ist ein Widerspruch in sich selbst. Die Kirche kann nicht gedeihen, wenn sie sich mit solch einer Theologie die Ausbildung ihrer Pastoren betreibt, kann nicht gedeihen, wie man allerorten sehen kann."

Prof. Dr. theol. Eta Linnemann (1. Oktober 2007, Theologin, Bibel oder Bibelkritik? Was ist glaubwürdig?, ISBN 9783937965864)

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Dr. Heinz Zahrnt, 2001

 


"Die Bibel ist von Menschen geschrieben, sie ist ein menschliches Buch, und darum kann sie nicht anders gelesen und verstanden und nicht nach anderen Methoden ausgelegt werden als andere menschliche Bücher auch."

Dr. theol. Heinz Zahrnt (1960, 1915 – 2003, 1971 bis 1973 Präsident des Evangelischen Kirchentags, 25 Jahre theologischer Chefredakteur des "Deutschen Allgemeinen Sonntagsblatts",  Es begann mit Jesus von Nazareth, Gütersloh 1960, S. 30)

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"Die Genesis [griech.: Schöpfung, 1. Buch Mose] ist eine Sammlung von Sagen. […] Das deutlichste Kennzeichen der Sage ist, dass sie nicht selten Dinge berichtet, die uns unglaubwürdig sind. […] So werden in der Genesis viele Dinge berichtet, die unserem besseren Wissen widersprechen. [...]

Viele der Erzählungen oder Erzählungsstoffe müssen schon vorher bestanden haben, ehe sie im Munde Israels diesen neuen Sinn erhalten haben. Sie müssen als schöne Geschichten längst umgelaufen sein und werden ihrem Ursprung nach reine Gebilde der Phantasie sein […] vielleicht wird man den Ausdruck „märchenhaft“ vorziehen."

Prof. Dr. Hermann Gunkel (1901, Theologe, Hauptvertreter der Religionsgeschichtlichen Schule und Begründer der Form- und Gattungsforschung am Alten Testament. Genesis (GenesisDiskussion), 9. Aufl.: 1977, Auflage: 9. A. Juni 1999, ISBN 978-3525516515)

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"Dabei hat Israel auf Schöpfungsvorstellungen aus seiner altorientalischen Umwelt zurückgegriffen und sie im Rahmen seiner Erfahrungen mit Gott und seines Weltverständnisses völlig neu interpretiert."

Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) (01. April 2008,  EKD-Orientierungshilfe. Rat der EKD: Weltentstehung, Evolutionstheorie und Schöpfungsglaube in der Schule, EKD-Text 94, http://www.ekd.de/download/ekd_texte_94.pdf)

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"Hermann Gunkel [siehe Abschnitt oben] gehört zu den großen Gelehrten, die für das 20. Jahrhundert das wissenschaftliche Fundament zur Auslegung biblischer Texte und ihrem religionsgeschichtlichen Verständnis gelegt haben."

Pressemitteilung d. Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (16. Mai 2008, Akademische Ehrung von Prof. Dr. Hermann Gunkel, Prof. Dr. Ernst-Joachim Waschke, Theologische Fakultät, Altes Testament)

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"Wie mit der Sintflut-, der Mose- und der Sinai-Geschichte verhält es sich mit vielen Geschichten der Bibel. Sie transportieren ältere Erzählstoffe aus anderen Kulturen. Unsere heiligen Texte sind oft nur heidnische Texte, die jüdisch umgearbeitet und später von Christen übernommen wurden."

Christian Nürnberger (November 2007, Journalist - "Atheistisch an Gott glauben", Jesus für Zweifler)

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"Die Grundannahme des "Priesterbetruges", die bei uns seit dem Hamburger Philosophen Hermann Samuel Reimarus (1694-1768) herrscht und behauptet:
Jesus sei einfach ein guter Mensch gewesen, alles andere hätten Kirchenleute hinzugedichtet.

Seitdem kämpft die aufgeklärte Exegese gegen die Kirche. Ziel ist zu zeigen: Die Priester (bzw. Kirchenvertreter) sind Lügner und Betrüger. Das gipfelt nun in neuesten amerikanischen Forschungsthesen, die besagen: Vielleicht gibt es überhaupt kein echtes Jesus-Wort.

Solche Aussagen gelten als flott, sind aber völlig willkürlich."

Prof. Dr.
Klaus Berger (Dezember 2004, Theologe, Interview mit dem Neutestamentler Klaus Berger in Heidelberg)

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"In der historisch-kritischen Theologie wird als "wissenschaftliches Arbeiten" deklariert, wenn man eine Hypothese aufstellt, sie durch eigene Argumente stützt und durch weitere Hypothesen stabilisiert. [...]

Als wissenschaftliche Erkenntnis wird gewertet, was sich im Spiel der Meinungen durchgesetzt hat."

Prof. Dr. Eta Linnemann (1998, Theologin, "Bibelkritik auf dem Prüfstand: wie wissenschaftlich ist die wissenschaftliche Theologie?")

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"Gegenüber der, modern gesprochen, liberalen antiken Auffassung, dass viele Götter ein Spiegelbild der vielfältigen Lebenserfahrungen der Menschen sind und sich sehr wohl untereinander vertragen können, zeigt sich im Dekalog ein autoritärer Gott, der andere Gottheiten in "seinem Angesicht" nicht erträgt, ja, der den Anbeter solcher Götter verfolgt "bis ins dritte und vierte Glied".

So etwas würde man heute wohl als Sippenhaft bezeichnen mit Erinnerung an schlimmste Vergangenheit."

Prof. Dr. Jürgen Heumann (Mai 2008, Prodekan der Fakultät IV, Institut für Ev. Theologie und Religionspädagogik an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Zeitschrift für Theologie und Gemeinde (ZThG) − 13. Jahrgang 2008, Verlag der GFTP e.V., Hamburg)

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"Jedes Volk akzeptiert die Götter der anderen Völker. Den Begriff „tolerant“ auf diesen Zustand anzuwenden, wäre verfehlt. Toleranz heißt ja Duldung. Duldung von etwas, das stört.
Bei den Heiden störte nichts, da gab es nichts zu dulden. Die Götter der anderen konnten nicht stören, weil man unausgesprochen davon ausging, dass es sich um dieselben Götter handelte, die nur anders benannt wurden.

Es gab keinen Grund, um der Götter willen miteinander in Streit zu geraten." […]

"Wenn mein Christentum nur die zufällig historisch gewachsene Gestalt eines allgemeinen religiösen Empfindens ist, dann ist es nicht mehr besonders sinnvoll, an diesen Zufällen festzuhalten und sie weiter zu pflegen.
Es scheint dann vernünftiger, sich vom trennenden Ballast der bloß zufälligen christlichen Spezifika zu befreien und sich auf jene kulturunabhängigen Inhalte zu konzentrieren, die allen Religionen gemein sind.

Mit anderen Worten: Dann kann man das Christentum auch bleiben lassen.

Auch das Religiössein kann man dann bleiben lassen. … Man kann, wenn überhaupt, nur noch auf aufgeklärte Weise religiös sein."

Christian Nürnberger (21. September 2007, Das Christentum. Was man wirklich wissen muss.)

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"Der nicht erklärte, aber praktizierte Grundsatz alttestamentlicher und neutestamentlicher Wissenschaft ist: So, wie es dasteht, kann es auf keinen Fall gewesen sein. [...]

Der kritische Verstand entscheidet in der historisch-kritischen Theologie darüber, was in der Bibel Realität ist."

Prof. Dr. theol. Eta Linnemann (1994, Theologin, Original oder Fälschung. Historisch-kritische Theologie im Licht der Bibel.)

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"Man kann nicht elektrisches Licht und Radioapparat benutzen, in Krankheitsfällen moderne medizinische und klinische Mittel in Anspruch nehmen und gleichzeitig an die Geister- und Wunderwelt des Neuen Testaments glauben."

Prof. Dr. Rudolf Bultmann (1948, Theologe [laut http://www.bautz.de/bbkl/b/bultmann_r.shtml: bedeutendster Exeget des 20. Jahrhunderts], "Kerygma und Mythos I", Bartsch, 1967)

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"Es geht um Religion, die nur durch das Nadelöhr der Wissenschaft zugänglich wird, freilich einer Wissenschaft, die sich nicht durch ihren jeweiligen Wissensstand, sondern durch methodische Wissenssuche definiert."

Frankfurter Allgemeine Zeitung (02.01.1996, Vermutungen über das Rätsel)

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"Gott ist tot, er wurde auf der theologischen Werkbank zu Tode interpretiert."

Dr. Lutz Graf (2000, Langen,
Leserbriefe zu dem Artikel: Grabesstimmung: Haben die Theologen die Kirche im Stich gelassen? ... Das Thema Ostern - eine einzige Konfusion, DEUTSCHES ALLGEMEINES SONNTAGSBLATT, DS 21. April 2000 Nr. 16/2000
)

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"Es sei denn, wir verstünden Gott mit einigen Theologen als »Sprachereignis«, als die in religiöser Rede geschehende Selbsttranszendenz des Menschen." ... "Gott als offene Zukunft des Menschen, Gott als Sinn seines Daseins, das wird zur schönen, aber leeren Formel" [...]

Ein Gott, der nicht Alpha [erste Buchstabe des griechischen Alphabets] ist, kann auch nicht Omega [letzter Buchstabe des griechischen Alphabets] sein. Ohne Schöpfungslehre keine Eschatologie [griech.: ta és-chata - die letzten Dinge].

Ein Gott, der mit dem Alpha der Centauren [Alpha Centauri ist das mit ca. 4,4 Lichtjahren dem Sonnensystem nächstgelegene Mehrfachsternsystem und zugleich das hellste Gestirn des auffälligen Sternbildes Centaurus am Südhimmel] nichts zu tun hat, kann auch für uns nichts bedeuten, was der Rede wert wäre: er kann uns nicht vom Tode retten"

Prof. Dr. Robert Spaemann (Januar 1969, Philosoph, Was ist das eigentlich – Gott? Band 119 - Die Bücher der Neunzehn)

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"Leute, die an nichts mehr glauben, stellen die Behauptung auf, dass der christliche Glaube nichts ist.

Mit Hilfe dieser Kongruenzbehauptung [
http://de.wikipedia.org/wiki/Kongruenz] wird von ihnen der Berechtigungsnachweis geführt, dass sie weiter ihre Gehälter den Christen aus der Tasche ziehen können - als Pastoren in einer evangelischen Kirche oder als Professoren theologischer Fakultäten, die ihre Existenz lediglich dem Gegebensein von Kirche verdanken."

Prof. Dr. theol. Eta Linnemann (1978, Theologin)

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"Seit den sechziger Jahren hat sich in den Leitungsgremien vieler evangelischer Landeskirchen ein theologischer Pluralismus durchgesetzt. Das bedeutet im Klartext, dass in ein und derselben Landeskirche biblische Grundaussagen gegenteilig ausgelegt werden können.

Das betrifft so wesentliche Aussagen wie die Auferstehung Jesu, die Einsetzung von Taufe und Abendmahl, die Echtheit der Worte Jesu, aber auch ethische Fragen wie die Stellung zur Homosexualität oder zu Ehe und Familie.

Es gibt kirchenleitende Persönlichkeiten, die begeistert sind über die feministisch orientierte „Bibel in gerechter Sprache”, während andere sie als häretisch und ganz schlimm bezeichnen. Das Chaos ist schier grenzenlos! Kein Wunder, dass auch in der säkularen Presse der Eindruck vorherrscht, die evangelische Volkskirche sei ein „großer Gemischtwarenladen”." [...]

"Die einzelne Gemeinde ist in der geistlichen Kursbestimmung auf sich selbst gestellt. Darum ist zu prüfen, zu welcher Gemeinde man gehören will. Es gibt genügend bibeltreue Gemeinden, in denen ein evangelischer Christ ein geistliches Zuhause haben kann.

Es gibt daneben andere Gemeinden, in denen die kirchliche Arbeit zwar nicht auf ganzer Linie bibeltreuen Grundsätzen folgt, aber durchaus offen für sie ist. Auch da lohnt es sich, zu bleiben und wenn möglich verantwortlich mitzuwirken.

Sollten aber in einer Gemeinde, bibeltreue Überzeugungen als „fundamentalistisch” bzw. „sektiererisch” vom Pfarramt abgelehnt und alle Versuche, eine geistliche Kurskorrektur zu bewirken, zurückgewiesen werden, haben Gemeindeglieder nicht nur das Recht, sondern die Pflicht, eine solche Gemeinde zu verlassen und sich an anderer Stelle geistlich versorgen zu lassen.

Eine Gemeinde sollte - im Bilde gesprochen - ein Ort sein, an dem man Kraft für den Alltag tanken kann und nicht ein TÜV, auf dem Sonntag für Sonntag die Leidensstärke der Gläubigen geprüft wird.

Wenn man bedenkt, wie viele Menschen weite Wege auf sich nehmen, um an kulturellen Ereignissen oder am sportlichen Leben teilzunehmen, dann sollte es auch selbstverständlich sein, dass wir für die Teilnahme am geistlichen Leben keine Wege scheuen. Auch hier gilt die Verheißung des Herrn: „Suchet, so werdet ihr finden."

Pfarrer Jens Motschmann (Juni 2007, seit 1987 Pastor der Ev. St. Martini-Gemeinde in Bremen, stellvertretender Vorsitzender des Gemeindehilfsbundes, In welche Gemeinde soll ich gehen?, www.sankt-martini.de)

[Die Ev. St. Martini-Gemeinde in Bremen ist Teil d. Bremischen Evangelische Kirche BEK. Die BEK ist eine von 23 Gliedkirchen (Landeskirchen) der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD]

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"Die Liebe zur Kirche wird diesem Hirten der Gemeinde [Pfarrer Jens Motschmann, siehe oben] jeder abspüren; aber doch ist ihm die Liebe zum Herrn der Kirche das ungleich höhere Gut. Darum seine aus der Not geborene Empfehlung, die Gemeinde gegebenenfalls zu wechseln, um nicht geistlich auf eine Nulldiät gesetzt zu werden." […]

"Es gibt in unserem Lande geistlich total versteppte Gebiete … Da sollten dann getrost und fröhlich kirchliche Grenzen überschritten und Gemeinschaft der Gläubigen gelebt werden. Ja, auch in der anderen Richtung: von einer verkarsteten bibelkritischen Freikirche hin zu einer bibeltreuen, missionarischen landeskirchlichen Gemeinde."

Pfarrer Dr. Wilfried Reuter (04.07.2007, Theologe, ideaSpektrum Nr. 27/2007, Seite 5)

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"Siehe, es kommt die Zeit, spricht Gott der HERR, dass ich einen Hunger ins Land schicken werde, nicht einen Hunger nach Brot oder Durst nach Wasser, sondern nach dem Wort des HERRN, es zu hören; dass sie hin und her von einem Meer zum andern, von Norden nach Osten laufen und des HERRN Wort suchen und doch nicht finden werden."

Amos 8, 11-12

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              Dr. Joseph Ratzinger, 2005-2013 Papst Benedikt XVI.


 

"Am Beginn des dritten christlichen Jahrtausends befindet sich das Christentum gerade im Raum seiner ursprünglichen Ausdehnung, in Europa, in einer tief gehenden Krise, die auf der Krise seines Wahrheitsanspruches beruht." […]

"Die kritische Exegese relativiert die Gestalt Jesu und setzt Fragezeichen gegenüber seinem Sohnesbewusstsein; der Ursprung der Kirche in Jesus erscheint zweifelhaft und so fort … seine historischen Grundlagen stehen infolge der modernen historischen Methoden im Zwielicht.

So liegt es auch von daher nahe, die christlichen Inhalte ins Symbolische zurückzunehmen, ihnen keine höhere Wahrheit zuzusprechen als den Mythen der Religionsgeschichte - sie als Weise der religiösen Erfahrung anzusehen, die sich demütig neben andere zu stellen hätte.
In diesem Sinn kann man dann - wie es scheint - fortfahren, ein Christ zu bleiben; man bedient sich weiterhin der Ausdrucksformen des Christentums, deren Anspruch freilich von Grund auf verändert ist:

Was als Wahrheit verpflichtende Kraft und verlässliche Verheißung für den Menschen gewesen war, wird nun zu einer kulturellen Ausdrucksform des allgemeinen religiösen Empfindens, die uns durch die Zufälle unserer europäischen Herkunft nahe gelegt ist." […]

"Ist demnach der Anspruch des Christentums, religio vera [wahrer Glaube] zu sein, durch den Fortgang der Aufklärung überholt?

Muss es von seinem Anspruch heruntersteigen und sich in die neuplatonische oder buddhistische oder hinduistische Sicht von Wahrheit und Symbol einfügen, sich - wie Troeltsch [
http://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Troeltsch] es vorgeschlagen hatte - damit bescheiden, die den Europäern zugewandte Seite des Antlitzes Gottes zu zeigen?

Muss es vielleicht sogar einen Schritt weiter gehen als Troeltsch, der noch meinte, das Christentum sei die für Europa angemessene Religion, während doch heute gerade Europa an dieser Angemessenheit zweifelt? Dies ist die eigentliche Frage, der sich heute Kirche und Theologie zu stellen haben.

Alle Krisen im Inneren des Christentums, die wir gegenwärtig beobachten, beruhen nur ganz sekundär auf institutionellen Problemen. Die Probleme der Institutionen wie der Personen in der Kirche rühren letztlich von der gewaltigen Wucht dieser Frage her. Dies ist die grundsätzliche Herausforderung am Beginn des dritten christlichen Jahrtausends."

Dr. Joseph Ratzinger (08.01.2000, 2005-2013 Papst Benedikt XVI., Der angezweifelte Wahrheitsanspruch. Die Krise des Christentums am Beginn des dritten Jahrtausends, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.1.2000, Nr. 6, S. I)

Diskussion


"Christentum wie Islam sind Buchreligionen. […] In unseren beiden Religionen gibt es Gruppen, die sich einem reflektierten und wissenschaftlich fundierten Umgang mit den grundlegenden Schriften [vgl. Historisch- kritische Methode] entziehen und fundamentalistische Auslegungen vertreten. [...]

Keine Religion kann mehr davon ausgehen, dass sie für sich allein existiert und eine absolute Wahrheit nur für sich beanspruchen kann."

Bischof Dr. Wolfgang Huber (16. März 2009, 2003 - 2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD, „Herausforderungen des interreligiösen Dialogs. Hermeneutische Fragestellungen.“ - Vorlesung in der Theologischen Fakultät in Ankara, www.ekd.de)

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"Die Religionen müssen sich von dem Gedanken verabschieden, die Wahrheit allein zu besitzen. Gott ist immer größer als unsere Wahrheitserkenntnis"

Präses Dr. h.c. Nikolaus Schneider (2. Juni 2011, 2010 - 2014 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD, 2003-2013 Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland EKiR, 33. Deutscher Evangelischer Kirchentag in Dresden: Dialogveranstaltung mit d. EKD-Ratsvorsitzendem Nikolaus Schneider u. Großmufti von Bosnien-Herzegowina Dr. Mustafa Efendi Cerić, EKD-Ratsvorsitzender: Absolutheitsanspruch von Religionen überholt, www.kirchentag.de)

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"Wenn eine Religion einen alleinigen Besitzanspruch auf die Wahrheit erhebt, dann kommt sie auch schnell in die Gefahr eines Fundamentalismus, der andere abwertet."

Bischöfin Dr. Margot Käßmann (8.10.2009, Oktober 2009 - Februar 2010 Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischöfin der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover, The European: Das Interview der Woche. Landesbischöfin Margot Käßmann im Gespräch, www.theeuropean.de)

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"Keine Religion ist statisch, weder Islam noch Christentum.[...] Europa ist jüdisch-christlich geprägt. Aber nicht nur: Die heidnische Antike und der mittelalterliche Islam haben uns ebenfalls beeinflusst - denken Sie nur an Philosophie, Naturwissenschaften und Mathematik! [...]

Wir Christen glauben: Diese Welt ist Gottes Welt, und damit ist Europa auch Gottes Kontinent. Hier haben alle seine Kinder Platz. Und Muslime sind Gottes Kinder."

Präses
Dr. h.c. Nikolaus Schneider (27. März 2010, 2010 - 2014 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland - EKD, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR), Ein beängstigendes Islambild, Interview: Der EKD-Ratsvorsitzende Schneider über fremde Facetten des Islam, deutsche Skepsis und unchristliche Radikale, DIE WELT, www.welt.de)

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"Endlich können die Christen ehrlich sein und ihren so lange mit Gewalt, Kattun und Gelehrsamkeit verteidigten Anspruch auf die Alleinvertretung Gottes aufgeben und sich in die Gemeinschaft der Weltreligionen einreihen" [...]

Daher geht die Christenheit unserer Tage ... auf eine größere Ökumene als bisher zu: auf die Ökumene der Religionen."

»
Appell aus Baden« (Mai 2006, Baden-Baden, Vorwort v. Bischof Dr. Ulrich Fischer - Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Baden, Hans-Joachim Girock, Dr. Gerhard Liedke u. Prof. Dr. Gottfried Gerner-Wolfhard, Baden-Baden, epd Dokumentation 26/2006, Wortlaut/Quelle:
http://www.ekiba.de/images/Was-jetzt-dringlich-ist.pdf)

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"Wir weichen weiter und weiter zentrale Aussagen der Bibel auf. Wir verlassen mehr und mehr die biblische Grundlage zugunsten einer allgemeinen beliebigen, multikulturellen und international akzeptierten Religiosität."

Pfarrer Eberhard Hoppe (15.03.08, Kirche öffnet Tür für „weichgespültes Evangelium“. Kritik an einer Stellungnahme des Leitenden Geistlichen Amts (LGA) der hessen-nassauischen Kirche zur Lehre vom Sühnetod Jesu Christi haben pietistische Gemeinschaftsverbände geübt. www.idea.de)

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"Staatstheologen" [F.A.Z.]

"Kann die neue Universalreligion der Welt endgültig Frieden und Wohlstand bringen … selbstverständlich nach Beseitigung all der hinderlichen Bekenntnisse und nachdem eine moderne Bibelkritik die Person Jesu und die Gebote Gottes auf ein den Zeitgenossen zumutbares Maß zurückgestutzt hat.

Heute aber, da diese Forderungen von unseren Schriftgelehrten ... tatsächlich und lauthals erhoben werden, sollten wir da nicht endlich wach werden?" […]
"Weil ihre Theologieprofessoren an den Fakultäten staatlicher Universitäten … lebenslänglich auf hohem Niveau alimentiert werden, ohne jede Rücksicht darauf, ob sie ihrem Auftrag nachkommen ...

Ja selbst wenn sie, wie mehrfach geschehen, aus der Kirche austreten und nur noch gegen die Kirche agieren, ist nach geltendem Recht der Staat (das heißt der Steuerzahler) verpflichtet, nicht nur sie, sondern auch noch ihre Ersatzmänner zu finanzieren...
Der Missbrauch dieser Rechtsstellung hat inzwischen einen Umfang und eine Wirkung in der Öffentlichkeit erreicht, dass es berechtigt erscheint, die Frage nach der Überprüfung des ganzen Systems zu stellen. Dies auch im Hinblick auf unsere Verantwortung gegenüber dem theologischen Nachwuchs.

Kaum hatte ich dieses Tabu aber einmal angerührt, da hörte ich von hoher Warte, dass ein Eingriff in diesen Gral "den Anfang vom Ende einer wissenschaftlichen Theologie" bedeuten würde.

Das klingt zunächst beeindruckend.
Wenn man dieses Argument aber wirklich ernst nehmen wollte, müsste man folgerichtig zu dem Schluss kommen, dass es in den letzten zwei Jahrtausenden nirgendwo - mit Ausnahme Deutschlands im vergangenen Jahrhundert - wissenschaftliche Theologie gegeben hat oder geben konnte:

Nie und nirgendwo gab es ja je die Voraussetzungen unserer heimischen Konkordate [lateinisch concordatum: Vereinbarung, Vertrag]."

Erzbischof Dr. Dr. Johannes Dyba (5.4.1995, Theologe, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 81, S. 14)

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Erzbischof Dr. Dr. Johannes Dyba, 1929 - 2000

 


"Der schottische Philosoph und Historiker David Hume (1711-1776) ging trotz seiner skeptischen Ansichten ab und zu in den Gottesdienst zu einem rechtgläubigen Geistlichen namens John Braun.

Auf die Frage, wie er das mit seinen Anschauungen vereinbaren könne, antwortete Hume: "Ich glaube nicht alles, was er sagt, aber er glaubt es. Und dann und wann höre ich gern einem Mann zu, der glaubt, was er sagt."

(Das große Buch des christlichen Humors, Annegret Kokschal, St. Benno; Auflage: Mai 2006)

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"Für Martin Luther war der biblisch fundierte Glaube an Jesus Christus die alles bestimmende, klare und verbindliche Mitte. Gerade das ist innerhalb der Volkskirche zum Riesenproblem geworden. Nicht einige Details am Rande, sondern das Zentrum ist ins Wanken geraten." […]

"Sie vertritt nur noch Teilwahrheiten, Teilerkenntnisse und Teilüberzeugungen, die heute gelten und morgen wieder verworfen werden können. Aber der Anspruch auf die eine, verbindliche .. Wahrheit ist längst aufgegeben. Natürlich werden angehende Pastoren offiziell noch auf Bibel und Bekenntnisschriften verpflichtet. Aber im tatsächlichen Leben der Kirche haben Bibel und Bekenntnis längst ihre normierende Kraft verloren." [...]

"In den letzten Jahren zeigte sich immer deutlicher, dass dieselbe Volkskirche, die mit dem Anspruch der Toleranz auftritt, sich ausgesprochen intolerant zeigte, wann immer und wo immer Menschen für die absolute Gültigkeit und Wahrheit der Bibel eintraten." [...]

"Wer immer dieses volkskirchliche Tabu brach und den Anspruch der Bibel, Gottes zuverlässiges und verbindliches Wort zu sein, öffentlich zur Sprache brachte, musste - und muss - mit scharfem Gegenwind rechnen."

Pfarrer Rudolf Möckel (1996, Volkskirche am Abgrund?, Hänssler 1996)

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"Aus scheinbaren Ergebnissen der wissenschaftlichen Exegese [Auslegung der Bibel] sind die schlimmsten Bücher der Zerstörung der Gestalt Jesu, der Demontage des Glaubens geflochten worden.
Heute wird die Bibel weithin dem Maßstab des sogenannten modernen Weltbildes unterworfen, dessen Grunddogma es ist, dass Gott in der Geschichte gar nicht handeln kann - dass also alles, was Gott betrifft, in den Bereich des Subjektiven zu verlegen sei.

Dann spricht die Bibel nicht mehr von Gott, dem lebendigen Gott, sondern dann sprechen nur noch wir selber und bestimmen, was Gott tun kann und was wir tun wollen oder sollen.

Und der Antichrist sagt uns dann mit der Gebärde hoher Wissenschaftlichkeit, dass eine Exegese, die die Bibel im Glauben an den lebendigen Gott liest und ihm selbst dabei zuhört, Fundamentalismus sei; nur seine Exegese, die angeblich rein wissenschaftliche, in der Gott selbst nichts sagt und nichts zu sagen hat, sei auf der Höhe der Zeit." [...]

"Der Gedanke, dass Gott sich die Vergebung der Schuld, die Heilung der Menschen von innen her, den Tod seines Sohnes hat kosten lassen, ist uns heute sehr fremd geworden: Dass der Herr „unsere Krankheit getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen" hat, dass er „durchbohrt wurde wegen unserer Missetaten, wegen unserer Sünden zermalmt", dass wir „durch seine Wunden geheilt wurden" (Jes 53,4-6), will uns heute nicht mehr einleuchten." [...]

"Dem Verstehen des großen Geheimnisses der Sühne steht dann aber auch unser individualistisches Menschenbild im Wege: Wir können Stellvertretung nicht mehr begreifen, weil für uns jeder Mensch in sich allein eingehaust ist; die tiefe Verflochtenheit aller unserer Existenzen und ihrer aller Umgriffensein von der Existenz des Einen, des menschgewordenen Sohnes, vermögen wir nicht mehr zu sehen.

Wenn wir von der Kreuzigung Christi sprechen werden, werden wir diese Fragen aufgreifen müssen. Einstweilen mag ein Gedanke von Kardinal John Henry Newman genügen, der einmal gesagt hat, dass Gott zwar die ganze Welt mit einem Wort aus dem Nichts erschaffen konnte, aber die Schuld und das Leiden der Menschen, die konnte er nur überwinden, indem er sich selbst ins Spiel brachte, in seinem Sohn selbst ein Leidender wurde, der diese Last getragen und durch seine Hingabe überwunden hat."

Dr. Joseph Ratzinger (16. April 2007
, 2005-2013 Papst Benedikt XVI., Jesus von Nazareth, Herder, ISBN 978-3451298615)

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"Gottes rechte Kirche. Katholische Fundamentalisten auf dem Vormarsch." [...]

"Die Fundamentalisten ... sind auf dem Vormarsch. Papsttreu und gottergeben kämpfen sie für eine Kirche, die sich auf mittelalterliche Werte besinnt. Unter Laien, Priestern und Bischöfen gewinnen sie immer mehr an Einfluss."

Thomas M. Hofer (Februar 1998, Publizist u. Redakteur, www.amazon.de)

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Dr. Wolfgang Huber, 2003 - 2009 Ratsvorsitzender der EKD

 


"Ich selbst bin auch schon Fundamentalist genannt worden, ich habe das gelassen hingenommen. Oft wird die Klarheit bestimmter religiöser Grundüberzeugungen abwertend als Fundamentalismus bezeichnet."


Bischof Dr. Wolfgang Huber (20.11.2003, 2003 - 2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, DIE WELT)

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"Im Rahmen des Weltjugendtages wurde der Teilnehmer Joseph Ratzinger wiederholt als „Heiliger Vater“ bezeichnet.

Nach der in Matthäus 23 Vers 9 aufgezeichneten Anweisung Jesu ist dies aber unzulässig. Der Text sagt aus, dass niemand auf der Erde als Vater angeredet werden soll. Sicher ist damit nicht untersagt, einen buchstäblichen Vater mit diesem Ausdruck zu bezeichnen und anzureden.

Die Aussage ist aber eindeutig, dass niemand das Recht hat, sich durch diesen Titel über seine Mitgläubigen zu stellen. Vielmehr sind alle Nachfolger des Christus Brüder (Matthäus 23 Vers 8). Es steht also keinem religiösen Führer zu, sich als Vater oder gar als Papst (abgeleitet von Papa = Vater) über andere zu erheben."

(16.09.2005, www.bistum-augsburg.org Glaube: Referat für Glaubenslehre und Hochschulen - FAQ: Frequently Asked Questions)

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"Zum Unterschied zur römisch-katholischen Kirche gibt es ... keine der Bibel übergeordnete Autorität. Gegenüber der röm.-kath. Kirche hat die Reformation das "sola scriptura" [lat. Allein die Schrift] betont."

Prof. Dr. Samuel R. Külling (2001, Theologe, Gründer und erster Rektor der STH - Staatsunabhängige Theologische Hochschule Basel, Generalangriff gegen den biblischen Fundamentalismus)

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"Die wesentlichen Punkte der Reformation, die auch heute noch gemeinsamer Nenner der protestantischen Kirchen sind, werden oft mit dem vierfachen "allein ..." ausgedrückt:

- sola scriptura - allein die Schrift ist die Grundlage des christlichen Glaubens, nicht die (nur mit der Autorität der Bischöfe oder des Papstes entstandene) Tradition (Galater 2, 6-9)

- solus Christus - allein Christus, nicht die Kirche, hat Autorität über Gläubige (Epheser 5, 23-24)

- sola gratia - allein durch die Gnade Gottes wird der glaubende Mensch errettet, nicht durch eigenes Tun (Römer 1, 17)

- sola fide - allein durch den Glauben wird der Mensch gerechtfertigt, nicht durch gute Werke (Galater 2, 16)"

(
http://de.wikipedia.org/wiki/Reformation, Stand Januar 2008)

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"Die Protestanten haben aber weithin seit der Aufklärung das verlassen, wofür sie einst bereit waren zu sterben: Die Bibel wird nicht mehr als Gottes Wort verstanden, sondern nur noch als religionsgeschichtliches Zeugnis der Antike."

Dr. theol. Friedhelm Jung (4. Januar 2007, Theologe, Was ist evangelikal?, CV Dillenburg, 2007, S. 9)

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"Der „Kirche des Wortes“ ist die Bibel als Wort Gottes verloren gegangen. Genauer gesagt: Die Evangelische Kirche hat sich von der „Heiligen Schrift“ entfernt und betrachtet sie aus kritischer Distanz als ein altes Buch unter vielen anderen."

Pfarrer Wolfgang Sickinger (28.07.2005, Kirche ohne Bibel?)

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"Wir wären schon einen riesigen Schritt weiter, wenn wir uns darauf verständigen könnten, dass wir es in der Bibel nicht nur mit Menschen, sondern auch mit Gott zu tun haben"

Prof. Dr. mult. Thomas Schirrmacher (08.06.2007, Theologe, Deutscher Evangelischer Kirchentag in Köln)

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"Unsere Kirche, die in diesen Jahren nur um ihre Selbsterhaltung gekämpft hat, als wäre sie ein Selbstzweck, ist unfähig, Träger des versöhnenden und erlösenden Wortes für die Menschen und für die Welt zu sein. …
Es ist nicht unsere Sache, den Tag vorauszusagen - aber der Tag wird kommen - , an dem wieder Menschen berufen werden, das Wort Gottes so auszusprechen, dass sich die Welt darunter verändert und erneuert. …
Bis dahin wird die Sache der Christen eine stille und verborgene sein; aber es wird Menschen geben, die beten und das Gerechte tun und auf Gottes Zeit warten. Möchtest du zu ihnen gehören?"

Pfarrer Dr. theol. Dietrich Bonhoeffer (Mai 1944, Evangelisch-lutherischer Theologe, Vertreter der Bekennenden Kirche und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus, Widerstand und Ergebung. Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft. Gütersloher Verlagshaus; Auflage: 17., 2002, ISBN 9783579004570)

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"Wir müssen die heilige Schrift erst wieder kennen lernen wie die Reformatoren, wie unsere Väter sie kannten. Wir dürfen die Zeit und die Arbeit dafür nicht scheuen. Wir müssen die Schrift kennen lernen zuallererst um unseres Heiles willen.

Aber es gibt daneben genug gewichtige Gründe, um uns diese Forderung ganz dringlich zu machen. Wie sollen wir z. B. in unserm persönlichen und kirchlichen Handeln jemals Gewissheit und Zuversicht erlangen, wenn wir nicht auf festem Schriftgrund stehen?
Nicht unser Herz entscheidet über unsern Weg, sondern Gottes Wort. Wer aber weiß heute noch etwas rechtes über die Notwendigkeit des Schriftbeweises?

Wie oft hören wir zur Begründung wichtigster Entscheidungen ungezählte Argumente „aus dem Leben“, aus der „Erfahrung“, aber der Schriftbeweis bleibt aus, und gerade er würde vielleicht in genau entgegengesetzter Richtung weisen?"

Pfarrer Dr. theol. Dietrich Bonhoeffer (1906 - 1945, Evangelisch-lutherischer Theologe, Vertreter der Bekennenden Kirche und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus.)

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"Spengler: Ich zitiere den Publizisten Robert Leicht. Er hat kritisiert: "Wir sind nicht islamisch, wir sind nicht katholisch, aber was evangelisch sein heißt, sagen wir nicht". Haben Sie eine Antwort?

Schröder: Ja, das hätte ich schon. Luther hat ja eine schöne Schrift geschrieben über die Freiheit eines Christenmenschen und den Inhalt kann man so zusammenfassen: Ein Christenmensch beugt sich dankbar vor seinem Gott und dann nie wieder vor einem anderen, wohl aber für andere." [...]

"Spengler: Professor Schröder, ist diese Tendenz nicht nur zur Oberflächlichkeit, sondern zur Abkehr von der Religion umkehrbar?

Schröder: Ob sie generell in Deutschland umkehrbar ist? Ich bin ja kein Prophet, aber ich möchte annehmen, wenn das kirchliche Leben sich denjenigen öffnet, die noch nicht Rentner sind, dass dann auch das kirchliche Leben sich so verändert, dass die Betreffenden auch das was sie suchen finden."

Deutschlandfunk (06.11.2007, Evangelischer Theologe: Wir müssen die Ausstrahlungskraft verstärken, Deutschlandfunk, www.dradio.de)

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"Wenn sich die Theologie im gegenwärtigen pluralistischen Stimmengewirr der Meinungen Gehör verschaffen will, dann muss sie zuerst und vor allem wissen, was sie selbst ist. […]

Relevanz kann sie nur haben, wenn sie ihre unverwechselbare Identität als Theologie, das heißt als Rede von Gott festhält. Tut sie das nicht, dann verkommen Theologie und Kirche zu ethisch-moralischen Anstalten […]

Es ist Zeit, es ist höchste Zeit, von Gott zu reden."

Kardinal Prof. Dr. Walter Kasper (13. Jan. 2009, Die Gottesfrage als Zukunftsfrage. Die Politische Meinung Nr. 470, Januar 2009, Monatszeitschrift Konrad-Adenauer-Stiftung e.V., S. 48)

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Kardinal Dr. Walter Kasper

 


"Gott bewegt die Deutschen" [Die Welt]

"Eine umfassende Studie zur Religiosität widerlegt zahlreiche Klischees. Glauben hat in Deutschland eine große Bedeutung … Die Deutschen sind religiöser als bislang angenommen.

Religion ist für 70 Prozent der deutschen Bevölkerung über 18 Jahren bedeutsam. Fast jeder fünfte Deutsche ist sogar tiefreligiös. Er besucht regelmäßig Gottesdienste, betet häufig und beschäftigt sich intensiv mit religiösen Fragen.
Zu diesem Ergebnis kommt eine umfassende internationale Studie der Bertelsmann Stiftung, deren Ergebnisse der "Welt am Sonntag" vorliegen.
[Religionsmonitor 2008, Bertelsmann Stiftung (Herausgeber), Verlag: Medienfabrik Gtersloh; Auflage: 18. Dezember 2007, ISBN 978-3579064659]

Besonders viele Tiefreligiöse gibt es unter den Katholiken. Mit 27 Prozent sind es dort fast doppelt so viele wie in der evangelischen Kirche." […]
"41 Prozent der 18- bis 29-Jährigen glauben an Gott und ein Weiterleben nach dem Tod …. Religiöse tun sich nicht nur mit Sinnfragen weniger schwer. In ihnen steckt, so die Studie, auch ein großes Potenzial für den Zusammenhalt der Gesellschaft. Fast jeder Zweite der sehr Religiösen (43 Prozent) widmet sich einer freiwilligen und unbezahlten Aufgabe."

DIE WELT (16. Dezember 2007, Gott bewegt die Deutschen,
Miriam Hollstein)

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"48 Prozent der Frauen und 32 Prozent der Männer glauben [in Deutschland] an ein Leben nach dem Tod."

DER SPIEGEL (21.04.2008, Was die Deutschen glauben, hoffen und fürchten. 17/2008, S. 71)

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"Gott ist an allem Schuld - Der Kreuzzug der Gottlosen" [Der Spiegel]

"In den letzten rund 20 Jahren, sagt Richard Dawkins
[Prof. Dr. Richard Dawkins, Evolutionsbiologe], ist es der Religion sehr leicht gemacht worden. [...]

Manche Denkmuster wie "Es gibt ein Leben nach dem Tod" sind wie Viren. Sie verbreiten sich und man kann sie nicht ausrotten. Nur vorsehen kann man sich: Kein ungeschützter Verkehr mit Gläubigen! Die friedliche Koexistenz mit den Gläubigen ist vorbei. [...]

Vorbei die Zeit der bequemen Toleranz gegenüber dem Glauben. [...] Es ist das Coming-out all jener, die lange glaubten, die Gottesfrage würde sich von selbst erledigen. Und jetzt merken, wie ihre Gesellschaften den Glauben an die Gottlosigkeit zu verlieren beginnen. Und wie in der Politik und auf Cocktailpartys immer öfter über Religion und Glauben gesprochen wird. [...]

Es ist, als würde nun auch die Aufklärung ihre Fundamentalisten hervorbringen. Mit Eifer und Zorn wird gegen alles zu Felde gezogen, was nur entfernt nach Unvernunft ... Weihrauch riecht. [...] Ihre Waffen sind Wissenschaft und Vernunft und ... das Internet - Hort allen Wissens und allen Wahns.

Die Botschaft ... lässt sich in zehn Geboten zusammenfassen:

"Du sollst nicht Glauben." ... "Gott ist ein Produkt der Menschen und nicht umgekehrt." ... "Du sollst keine Götter neben Dir dulden." ... "Du sollst keinen Schöpfer haben" ... "Der Mensch ist Schöpfer und Herr der Norm" ... "Du sollst nicht knien als Schöpfer" ... "Du sollst keine anderen Götter neben der Wissenschaft haben." [...]

"Zurück zu der Fackel der Aufklärung" [...] "das letzte Gefecht gegen den theologischen Hokuspokus ... Wir brauchen  keinen Gott " [...]
Dr. Richard Dawkins: "Es ist wahr, dass es bis vor kurzem ein religiöses Revival gab. Aber das wird enden. Und wir helfen dabei." [...] Dawkins genießt es, auf alles eine Antwort zu haben."

Zu den heftigsten Kritikern ... gehören kurioserweise jene, die es laut Dawkins gar nicht geben dürfte: Wissenschaftler, für die "Gott" keinen Angriff auf ihr Weltbild darstellt. Sie fühlen sich von der Unbedingtheit, dem missionarischen Habitus Dawkins abgestoßen"

DER SPIEGEL (26. Mai 2007, Alexander Smoltczyk: Gott ist an allem Schuld. Der Kreuzzug der Gottlosen, DER SPIEGEL Nr.22, 26.05.2007, S. 56 f.)

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"Der spätmoderne Rationalismus und Relativismus bläst zur Christenjagd. Dem, der die Bibel ernst nimmt, wird das Etikett „Fundamentalist" angeheftet; damit wird er in die Nähe zu islamistischen Fundamentalisten gerückt, so als sei auch er fanatisch, militant und gewaltbereit. [...]

Die intellektuelle Philosophie der Aufklärung lehnte Gott und alles, was mit Religion zu tun hat, ab und ersetzte Gott durch das "Licht" der menschlichen Vernunft."

Werner Graf (Oktober 2007, Studiendirektor, Die Gottesfrage in der Postmoderne)

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"Dass Gott tot ist, wird gern von denen ausgestreut, die sein Erbe anzutreten hoffen."

Prof. Dr. Erwin Chargaff (1905 - 2002, österreichisch-amerikanischer Biochemiker)

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"Die Zeit ist reif für uns Brights [von engl. bright – hell, klar, heiter, aufgeweckt], uns zu bekennen. Was ist ein Bright? Ein Bright ist eine Person mit einem naturalistischen Weltbild, frei von Übernatürlichem. Wir Brights glauben nicht an Geister, Elfen oder den Osterhasen - oder an Gott."

Daniel C. Dennett (12. Juli 2003, The Bright Stuff, New York Times)

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"Ich bin ein Bright. Sie sind (wahrscheinlich) ein Bright. Die meisten der Menschen, die ich kenne, sind Brights. Die Mehrzahl der Wissenschaftler sind Brights."

Prof. Dr. Richard Dawkins (11.10.2003, Evolutionsbiologe, Let There Be Brights, Wired Magazine)

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"Mein Großvater predigte das Evangelium Christi. Mein Vater predigte das Evangelium des Sozialismus. Ich predige das Evangelium der Wissenschaft."

Sir Richard Gregory (1952, Professor für Astronomie, ehemaliger
Herausgeber von "Nature", Epitaph-Inschrift, www2.hu-berlin.de/religion/dokumente/pr181.doc)

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Friedrich Nietzsche, 1882, Philosoph

 


"Was sind denn diese Kirchen noch, wenn sie nicht die Gräber und die Grabmäler Gottes sind?"

"Wohin bewegen wir uns? Fort von allen Sonnen? Stürzen wir nicht fortwährend?
Und rückwärts, seitwärts, vorwärts, nach allen Seiten? Gibt es noch ein Oben und ein Unten?

Irren wir nicht wie durch ein unendliches Nichts?
Haucht uns nicht der leere Raum an?
Ist es nicht kälter geworden?

Kommt nicht immerfort die Nacht und mehr Nacht?"

Friedrich Nietzsche (1844 - 1900, Deutscher Philosoph, Die fröhliche Wissenschaft, München 1959, S. 166 f)"

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"Die Welt wäre vermutlich erschüttert, wenn morgen der Kölner Dom zu Staub zerfiele. Wenn aber morgen alle haupt- und nebenamtlichen Mitarbeiter aller Kirchen für immer aufhörten zu arbeiten, würden es die meisten über eine lange Zeit gar nicht bemerken."

Christian Nürnberger (21. September 2007, Das Christentum. Was man wirklich wissen muss.)

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"Erstmals wird in Württemberg eine evangelische Kirche an einen Bauträger verkauft und abgerissen." […]
"Ihre Entwidmung findet am 15. Juli statt. Dabei werden die liturgischen Gegenstände wie Altarbibel, Taufschale und Kanne sowie Abendmahlsgerät und Altarleuchter in einem feierlichen Auszug aus der Kirche getragen."

idea (10.07.07, Ulm, Württemberg: Kirche wird abgerissen, www.idea.de)

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"Sag beim Abschied leise Amen" [DIE ZEIT]

"Das Bistum Essen schließt fast hundert Kirchen. Eine Reise durch das Revier der verletzten Seelen." … "Sie raten »bei der Profanisierung« [Entweihung] zu einem Ritus »mit aller Feierlichkeit«.

Am besten ist die Kirche beim Abschied »festlich geschmückt, alle Kerzen sind entzündet.«"

DIE ZEIT (12.04.2006 Nr.16, Sag beim Abschied leise Amen, Hanns-Bruno Kammertöns, DIE ZEIT)

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"Viele der 21.000 evangelischen und 24.000 katholischen Gotteshäuser können aufgrund der zurückgehenden Mitgliederzahlen und Kirchensteuern nicht mehr finanziert werden – Experten sprechen von bis zu einem Drittel."

ideaSpektrum (5. März 2008, Gottes Nachmieter, ideaSpektrum Nr.10, Seite 24)

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"In den 23 Landeskirchen gibt es rund 27.000 Kirchengebäude, deren Erhalt jährlich rund 1,224 Milliarden Euro kostet. Den EKD-Prognosen zufolge wird auch im Jahr 2030 dieselbe Summe benötigt werden, obwohl bis dahin die Zahl der Kirchenmitglieder um ein Drittel zurückgegangen und die Kirchensteuern von derzeit 9,95 Milliarden Euro um die Hälfte geschrumpft sein werden."

idea (13.04.08, Kirchengebäude ehrenvoll sterben lassen, www.idea.de)

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"Deutschland schleift seine Gotteshäuser" [F.A.Z.]

"Von dem Verlust, der die deutsche Kulturlandschaft bedroht, hat sich die Öffentlichkeit noch keine Vorstellung gemacht. Ein Bildersturm fegt über das Land. Die Ruhrdiözese, die ihre Probleme mit größerer Offenheit darlegt als andere Kirchenprovinzen, erklärt, sie werde sich von einem Drittel ihrer Kirchen trennen müssen." [...]

"Da nichts mehr ist, wie es war, müssen die Gemeinden lernen, sich auf ihre neue Diaspora-Situation [griech.: diaspora = Verstreutheit] einzulassen: nur kleine Raumteile noch nutzen, wenn das Ganze nicht mehr zu bewirtschaften ist. Lange Bedenkzeiten bei der Suche nach anderen Nutzungen einräumen.

Und wenn Nutzungsphantasie und Verhandlungsgeschick auf Dauer nicht fruchten, wäre dann nicht zu handeln, wie frühere Jahrhunderte gehandelt haben? Nämlich ein Bauwerk stillzulegen statt es abzuräumen. Es zu schließen und zu sichern.
Gelegentlich Wallfahrten zu den aus dem Gebrauch gefallenen Sakralstätten zu organisieren. Notfalls die Natur ihr Werk verrichten zu lassen. Den Verfall planend zu begleiten.

Ruinen binden Erinnerung auf lange Zeit. Erinnerung angesichts eines lädierten Bestandes ist allemal besser als der bald vergessene Totalverlust."

Frankfurter Allgemeine Zeitung (04. März 2008, Deutschland schleift seine Gotteshäuser, F.A.Z., 30.08.2005, Nr. 201 / Seite 35)

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"Mit der Heiligengeistkirche wird die erste evangelische Kirche in Hamburg nach 1945 abgerissen. ... Gutachten hatten einen Sanierungsbedarf für die evangelische Heiligengeistkirche in Hamburg-Barmbek in Höhe von 2,8 Millionen Euro ergeben - eine Summe, die weder die Gemeinde noch der Kirchenkreis aufbringen konnte." ...

"Das Denkmalschutzamt hatte angesichts des Zustandes der Kirche zugestimmt. Im Anschluss sollen auf dem kircheneigenen Gelände 65 Neubauwohnungen entstehen." ...

"Unterdessen hat der Vorsitzende der Kirchlichen Sammlung um Bibel und Bekenntnis in Nordelbien, der Eppendorfer Pastor Ulrich Rüß, den Kirchenabriss in Barmbek kritisiert. Er sei „Indikator für eine fehllaufende Entwicklung“.
Während die nordelbische Synode jetzt ihre Finanzmittel für ein Gender-Mainstreaming-Projekt [http://de.wikipedia.org/wiki/Gender_Mainstreaming] aufgestockt habe, werde an anderen Stellen gespart."

DIE WELT (12. Februar 2008, Hamburg. Erstmals seit Jahrhunderten fällt eine Kirche)

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Pastor Ulrich Rüß (siehe oben)

 


"Früher stand das Kirchengebäude nicht nur im Zentrum des Ortes, sondern es bildete auch dessen geistige Mitte. Doch gegenwärtig geht ein Gespenst mit dem Namen Profanierung um. Gotteshäuser werden umgewidmet, stillgelegt. Und jedes Mal, wenn eines geschlossen wird, stirbt ein Stück Kirche." ...
"Bundesweit sind 700 katholische Kirchen akut von Schließung oder Umwidmung bedroht und bei den Protestanten sieht es nicht besser aus. Im Gegenteil: Sie werden in den nächsten Jahren 3 500 Gotteshäuser profanieren." ...

"In Bayern hält sich die Zahl der bedrohten Kirchen in Grenzen, der protestantische Norden Deutschlands jedoch steht vor einem historischen Auflösungsprozess. Fast die Hälfte der rund 20 000 evangelischen Kirchen und Kapellen auf dem Gebiet der Bundesrepublik wird bis zum Ende des Jahrzehnts nicht mehr für Gottesdienste benötigt.

Wohin also mit den sakralen Bauten? Die Palette der Ideen reicht von der „Kulturkirche“ bis hin zum Ärztehaus, von der Musikschule bis zum Büro für Architekten. ... So wurde ein Kloster nahe bei Köln verkauft und die frühere Kirche dient nun als „Wellness-Tempel“.
Bei den protestantischen Kirchen gibt es kaum Beschränkungen, da sich die EKD nicht auf einen Kriterienkatalog festlegen konnte. Deshalb finden sich auch Angebote beim Internet-Aktionshaus Ebay, (die Martini-Kirche in Moringen, angeboten für 480 000 Euro), wurde die Lutherkirche in Spandau zu Wohnungen umgebaut, finden in der St.Johannis Evangelist-Kirche in Berlin Modeschauen statt, wurde das Gotteshaus in Milow (Brandenburg) zu einer Sparkassenfiliale, das in Willingen zu einem „Speiselokal mit Tanz“, die Eliaskirche auf dem Prenzlauer Berg zu einem Kindermuseum und St.Martini in Bielefeld zu einem Restaurant mit dem sinnigen Namen „Glückundseligkeit“. ...

"In den Niederlanden werden jedes Jahr ungefähr fünfzig Kirchen einer weltlichen Nutzung übergeben, rund sechzig Prozent aller Sakralbauten dienen dort bereits einem profanen Zweck, der durchaus auch eine Diskothek sein kann – mit dem Diskjockey auf der Kanzel." ...

"Wir alle wissen, welch ein Unterschied ist zwischen einer durchbeteten Kirche und einer solchen, die zum Museum geworden ist. ... Sie leben nicht mehr. ... Jedes Mal, wenn eine Kirche geschlossen oder einer weltlichen Nutzung zugeführt wird, stirbt auch ein Stück Kirche. ... Man kann Gebäude „auf Zeit stilllegen“. Mit dem Glauben geht das nicht. Mauern können stehen, als stumme Zeugen.

Der Glaube lebt – oder stirbt."

Die Tagespost (31.05.2007, Eine Frage der Identität, DT)

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"Wir haben die Wege des Bruders nicht in der Hand, wir können nicht zusammenhalten, was zerbrechen will, wir können nicht am Leben erhalten, was sterben will.

Aber Gott verbindet im Zerbrechen, schafft Gemeinschaft in der Trennung, gibt Gnade durch Gericht. Sein Wort aber hat er in unseren Mund gelegt. Durch uns will er es gesagt haben."

Pfarrer Dr. Dietrich Bonhoeffer (
September 1938, Gemeinsames Leben, 28. Aufl., Juli
2006, Seite 91, ISBN: 978-3579071312)

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"Gotteshäuser ohne Gläubige"

"Von Martin Luther stammt das Wort, wenn in eine Kirche keine betenden Christen mehr kämen, «sollt man dieselben kirchen abbrechen, wie man allen anderen hewßern thutt, wenn sie nymmer nütz sind»." [sollt man dieselben Kirchen abbrechen, wie man allen anderen Häusern tut, wenn sie nimmer nütze sind] [Martin Luther, Kirchenpostille, WA 10 I, 1,252]

Neue Zürcher Zeitung (24. Dezember 2007, Gotteshäuser ohne Gläubige)

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"Bevor ein Gotteshaus abgerissen wird, würde ich es lieber als Moschee an eine islamische Gemeinde abgeben. Das dürfte in Zukunft noch ein Thema werden."

Kirchentagspräsidentin Prof. Dr. Karin von Welck (2. März 2008, Präsidentin des 32. Deutschen Evangelischen Kirchentags 2009, seit 2004 Kultursenatorin der Freien und Hansestadt Hamburg, Kultursenatorin macht Kirchen zur Chefsache: „Jeder Abriss ist eine Kapitulation“. Die Nordelbische, Ausgabe 9/08)

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"Von Welcks [Kirchentagspräsidentin Prof. Dr. Karin von Welck, siehe oben] Position steht der Auffassung des Rates der Evangelischen Kirchen in Deutschland (EKD) entgegen.
In der Schrift "Klarheit und gute Nachbarschaft" (2006) verweist dieser auf den Symbolwert von Kirchen. "Die Umwidmung wird von vielen Christen nicht nur als ein persönlicher Verlust empfunden, sondern kann auch zu Irritationen in der öffentlichen Wahrnehmung führen", heißt es. Es entstehe der Eindruck, "die Christen würden vor dem Islam zurückweichen".

Eben darum agieren die Muslime zum Teil sehr vorsichtig. Wir haben vor zehn Jahren beschlossen, keine sichtbaren Gotteshäuser anderer Glaubensgemeinschaften zu kaufen", sagt Ahmed Yazici, der stellvertretende Vorsitzende des Bündnisses islamischer Gemeinden in Norddeutschland (BIG).

Es sei schwierig, ein Gebäude zu übernehmen, mit dem viele Menschen Erinnerungen an Taufen, Hochzeiten und Trauerfeiern verbänden. "Das wäre kein Beitrag unserer Gemeinde zum Frieden in unserer Stadt", findet Yazici. Im Stadtteil Wilhelmsburg hat die Türkisch-Islamische Gemeinde (Ditib) eine Neuapostolische Kirche übernommen. Der Bau ist allerdings erst auf den zweiten Blick als Kirche erkennbar."

taz (05.03.2008, Allah ante portas. taz Ausgabe 9/08)

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"Wird eine Kirche zur Moschee, erwecken wir den Anschein, der Unterschied zwischen Christentum und Islam sei geringfügig. Das würde den Eindruck nahe legen, es sei derselbe Gott, zu dem Christen wie Muslime beten.

Christen bekennen sich zu dem Gott, der sich in Jesus Christus offenbart, während der Islam die Selbstoffenbarung Gottes in Jesus Christus ablehnt."

Bischof Dr. Wolfgang Huber (22. November 2004, 2003 - 2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, FOCUS Nr. 48, "Nicht der gleiche Gott. Der Vorsitzende der EKD [2003 - 2009], Wolfgang Huber, definiert die Grenzen des Dialogs mit dem Islam härter und enger denn je.")

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SPIEGEL ONLINE: "Wofür steht der Protestantismus im Jahr 2012? Was sind ureigenste protestantische Themen?"

Schneider: "Der Protestantismus steht für den Glauben an Gott, der in Jesus Christus Mensch geworden ist. Und die Themen sind im Evangelium vorgegeben: Die Würde des Menschen, der Umgang mit den Armen, Kranken, Schwachen und Benachteiligten, soziale Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit."

Präses Dr. h.c. Nikolaus Schneider (15. Juni 2012, 2010 - 2014 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD, 2003-2013 Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland EKiR, Evangelische Kirche. EKD-Chef Schneider lehnt Betreuungsgeld ab, www.spiegel.de)

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"Es kommt mir darauf an, die Klarheit im Dialog zu haben und sich nicht wegzudrücken in Schönwetter-Reden, bei gleichzeitigem Respekt vor der anderen Religion. Ich will gerne dafür eintreten, dass Muslime bei uns Moscheen bauen dürfen, aber genauso trete dafür ein, dass es toleriert wird, wenn Christen in Pakistan, Indonesien und Südindien Kirchen bauen. […]

Wir beten zu Jesus Christus. Das könnte ein Moslem gar nicht. Das soll niemanden abwerten oder angreifen, aber es ist ein Unterschied, den wir nicht leugnen dürfen.
Bei allen Versuchen, interreligiös zu beten kommt Jesus Christus meist gar nicht mehr vor. Da wird der Gottesbegriff sehr diffus. Für mich ist das eine Verschleierung von Differenz, die uns nicht weiterhilft. Ich möchte mit Muslimen in einen Dialog kommen, aber ich kann nicht verschleiern, dass Jesus Christus für mich der Sohn Gottes ist. Das wäre merkwürdig."

Bischöfin Dr. Margot Käßmann (8.10.2009, Oktober 2009 - Februar 2010 Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischöfin der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover, The European: Das Interview der Woche. Landesbischöfin Margot Käßmann im Gespräch, www.theeuropean.de)

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"Schließlich halten viele muslimische Gelehrte den Kern christlichen Glaubens - das Vertrauen auf die Menschwerdung Gottes in Jesus - für ein religiöses Kapitalverbrechen. Die islamischen Gründungsdokumente sind da so unmissverständlich wie die Exegeten einig: Was Christen als Zeichen größtmöglicher Liebe Gottes erscheint, ist laut Koran und Prophetenaussprüchen "Shirk", also ein von Gott verfluchter, höllenwürdiger Irrglaube.

In der Sache haben die Kirchen daher gar keine Wahl: Einen Glauben, der das Innerste des Christentums als sündig verunglimpft, können sie nur zum Preis des spirituellen Selbstmords als gleich wahr anerkennen. […]
Selbst die lauesten und liberalsten Landesbischöfe bekennen inzwischen, "niemals" werde die EKD eine entweihte Kirche in eine Moschee umwandeln lassen (wie in den Niederlanden)."

DIE WELT (20. November 2008, Der Islam als Potenzmittel für Christen, Till-Reimer Stoldt, www.welt.de)

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"Wenn eine Kirchengemeinde sagt, sie sei überzeugt, dass eine Nutzung als Moschee in tiefstem Frieden geschehen kann, bin ich einverstanden" "Im Moment sehe ich aber nicht, dass das möglich ist."

Bischöfin Dr. Margot Käßmann (22.01.2009, Oktober 2009 - Februar 2010 Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischöfin der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover, Muslime verärgert über Bischöfin Margot Käßmann, Hannoversche Allgemeine Zeitung, www.haz.de)

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"In der Neuköllner Flughafenstraße 43 erinnern nur noch die Orgelpfeifen daran, dass hier christliche Gottesdienste stattfanden. Das Kirchenschiff ist leer, wo die Bänke standen, liegt rotbrauner Teppichboden. An der Stelle des Altars steht ein Treppchen für den Imam. Draußen weisen Schilder darauf hin, dass Frauen und Männer getrennte Eingänge benutzen sollen.

Vor zwei Wochen wurde das Gebäude für 550 000 Euro an den muslimischen „Verband interkultureller Zentren“ verkauft. ... Im Juli wechselte auch die Kirche in der Manteuffelstraße 4B in Tempelhof den Besitzer. Hier ist der arabische Verein „Al Torath“ („Erbe“) eingezogen. Auch hier wurden die Kirchenbänke abtransportiert.
In der Neuapostolischen Kirche gehe die Zahl der Mitglieder zurück, deshalb müsse man sich von Gebäuden trennen, sagt Finanzchef Werner Kiefer. „Warum sollen wir nicht an Muslime verkaufen“, fragt er, „schließlich gibt es den Gleichbehandlungsgrundsatz“. Außerdem habe man bei Gesprächen den Eindruck gewonnen, dass eine Nutzung als Moschee nicht angedacht war, sagt Kiefer. Die Vereine sehen das jetzt aber anders. ...

Unter Berlins Muslimen machte das Gerücht von der Übernahme zweier Kirchen schnell die Runde. In der Flughafenstraße schauten am Donnerstag auch Glaubensbrüder aus Reinickendorf vorbei: „Wir haben viel gehört, nun wollen wir uns selbst informieren“.
Der Migrationsbeauftragte des Bezirks Neukölln hält es für „normal und okay“, wenn eine Kirche als Moschee genutzt wird. „Ein Gotteshaus ist ein Gotteshaus."

DER TAGESSPIEGEL (5.10.2007, Aus Kirchen werden Moscheen)

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"Nachmieter Allah […] Das Schicksal der Kapernaumkirche im Hamburger Stadtteil Horn beschäftigt die Öffentlichkeit schon seit mehr als zehn Jahren. Nun zieht das Gebäude wieder die Aufmerksamkeit auf sich, denn es soll eine Moschee werden.

In den nächsten Monaten soll es für mehr als eine Million Euro umgebaut werden, um die Moschee am 3. Oktober eröffnen zu können. Das ist nicht nur der Tag der Deutschen Einheit, sondern auch der „Tag der offenen Moschee“."

Frankfurter Allgemeine Zeitung (7. Februar 2013, Nachmieter Allah, www.faz.net)

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"Die Volkskirche alter Prägung ist im Ruhrgebiet definitiv Geschichte. Gottes neue Häuser zwischen Duisburg und Dortmund zeigen den Halbmond, nicht das Kreuz."


F.A.Z. (24.10.08, Gottes neue Häuser, Frankfurter Allgemeine Zeitung)

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DITIB-Merkez-Moschee Duisburg d. Türkisch-Islamischen Union d. Anstalt f. Religion, 2007

 


"In Deutschland leben etwa 15 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund ... Etwa ein Viertel aller unter 25-Jährigen in Deutschland stammen aus Migrantenfamilien, bei den unter Sechsjährigen ... ein Drittel."

DIE RHEINPFALZ (11. April 2008, Zahlen und Fakten. Zuwanderung und Bildung in Deutschland)

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"Die Deutsche Islamkonferenz (DIK) hat sich für muslimischen Religionsunterricht an Schulen, den Bau von Moscheen und eine bessere Zusammenarbeit zwischen Muslimen und Sicherheitsbehörden ausgesprochen." [...]

"Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) unterstützte die Forderung nach islamischem Religionsunterricht. Der Ratsvorsitzende [2003 - 2009], Bischof Wolfgang Huber, sagte der «Bild»-Zeitung, Voraussetzung seien allerdings staatliche Aufsicht, Unterricht in deutscher Sprache und in der Bundesrepublik ausgebildete Lehrer."

Islamische Zeitung (13.03.2008, Ein wichtiger Schritt zur Integration des Islam in Deutschland. Islamkonferenz für muslimischen Religionsunterricht, http://www.islamische-zeitung.de)

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"Dürfen islamische Gelehrte an einer evangelischen Fakultät lehren? Darüber gehen die Meinungen in Hessen auseinander.
Anlass der Kontroverse ist, dass der Fachbereich Evangelische Theologie der Universität Frankfurt am Main zwei Stiftungsprofessuren für Islamische Religion eingerichtet und mit zwei muslimischen Theologen besetzt hat. ... Finanziert werden die Professuren von der staatlichen türkischen Religionsanstalt Diyanet, die auch der Türkisch-Islamischen Union DITIB Prediger und Religionslehrer zur Verfügung stellt.

Nach Ansicht der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau verletzt der Fachbereich das Konfessionalitätsprinzip. Es besagt, dass die Ausbildung von Pfarrern und Religionslehrern aus der Perspektive eines bestimmten Bekenntnisses geschehen soll. Dieser Kritik widerspricht der Dekan des Fachbereichs, Prof. Markus Witte. Die Stiftungsprofessuren seien mit ausdrücklicher Zustimmung der Kirche eingerichtet worden, stellt er in einem Interview mit dem Wissenschaftsmagazin der Universität fest."

idea (8.05.08, Muslime lehren an evangelischer Fakultät, www.idea.de)

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"Wie soll eine Referendarin, die ein muslimisches Kopftuch trägt, biblische Geschichte unterrichten?" fragt sich die Junge Union. ... JU-Landesvorsitzender Denis Ugurcu: "Davon auszugehen, dass eine Referendarin mit Kopftuch im Fach Religion den Schulfrieden nicht stört, ist nicht zu verstehen." Toleranz sei keine Einbahnstraße."

taz (28.06.2008, Weiter Kopftuch-Streit, in aller kürze, Bremen Aktuell, www.taz.de)

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"Wie sollen sich die etablierten Gottesgelehrten verhalten, wenn ihre wichtigste Aufgabe – die Ausbildung von evangelischen wie katholischen Geistlichen – zunehmend unwichtiger wird? Sich auf das Bewährte zurückziehen und den Schutz der Kirche suchen oder die konfessionellen Schranken niederreißen und (wie im Ausland) zu quasi neutralen Religionsexperten werden?

Die evangelische Theologie in Frankfurt geht einen mittleren Weg. Hier gibt es nicht nur einen Lehrstuhl für Jüdische Religionsphilosophie; auch zwei muslimische Professoren und ein Sikh lehren und forschen am Main – als Mitglieder des Fachbereichs. Selbst die Landeskirche gab dazu ihren Segen. Denn sie musste kurioserweise – der Staatskirchenvertrag verlangt es – der Berufung der Koranexperten zustimmen.
Toleranz hat in Frankfurt Tradition. Die Gründungsurkunde der mit finanzieller Hilfe jüdischer Bürger entstandenen Hochschule bestimmt ausdrücklich, die Theologie der neuen Universität nicht konfessionell auszurichten. Zwar bekam 1987 nach langen Kämpfen die evangelische Kirche in Hessen-Nassau ihre »Hausfakultät« für die Ausbildung des Pfarrer- und Lehrernachwuchses. Doch nun besinnt man sich wieder auf die Wurzeln – auch mit Blick auf die veränderten religiösen Realitäten.

200 Religionsgemeinschaften gebe es allein in Frankfurt, sagt Dekan Markus Witte: »Auf diese Entwicklung muss die Universitätstheologie reagieren.« Dazu kommt: Wie an vielen Orten strebt auch in Frankfurt nur ein Bruchteil der Studenten ins Pfarramt. Die meisten studieren auf Magister oder wollen Lehrer werden. Dafür brauchen sie jedoch zunehmend Kenntnisse in anderen Glaubenssystemen. Denn es kann einem Lehrer sogar im evangelischen Religionsunterricht passieren, dass vor ihm hauptsächlich nichtprotestantische Schüler sitzen.

Witte spricht von einem »Frankfurter Modell«. Für die Zukunft schwebt dem Professor für das Alte Testament eine »Theologie der Religionen« vor, in der sich die verschiedenen Glaubensüberzeugungen unter dem Dach eines Fachbereichs mit dem »Wahrheitsanspruch der anderen auseinander setzen«. Die theologische Fakultät des 16. Jahrhunderts, in dem Professoren, Studierende und Lehrinhalte demselben Bekenntnis folgen, habe keine Perspektive mehr.

Wo, wenn nicht an der Universität, könne man den Dialog der Religionen auf gleicher Augenhöhe führen? Tahsin Görgün, islamischer Stiftungsgastprofessor in Frankfurt, kann den Ideen viel abgewinnen. »Irgendwann werden vielleicht Pfarrer und Imame an derselben Fakultät studiert haben«, schwärmt der Korankenner. …

Was in Frankfurt zaghaft beginnt, ist in anderen Nationen weiter fortgeschritten. In Großbritannien gibt es bereits interreligiös zusammengesetzte theologische Departments, in denen auch einmal ein Muslim den Vorsitz führen kann. Und in Schweden finden sich Einrichtungen, in denen Theologen glaubensübergreifend mit Religionswissenschaftlern forschen. Die nicht konfessionell gebundene Religionsforschung hat in solchen Ländern schon deshalb ein stärkeres Gewicht, weil sie auch für die Ausbildung von Religionslehrern zuständig ist. In Deutschland dagegen dürfen nur die Absolventen theologischer Studiengänge Religion als ordentliches Schulfach unterrichten. …

Wenn an einer Fakultät kaum noch Priester oder Pastoren ausgebildet werden, könnten irgendwann findige Juristen sogar die Staatskirchenverträge infrage stellen. Schließlich ist darin als wesentliche Aufgabe der Fakultäten die Ausbildung des kirchlichen Nachwuchses definiert.

Es kommt hinzu, dass andere religiöse Gemeinschaften Ansprüche an den Staat stellen. Nicht nur die islamischen, auch christlich-freikirchliche Gruppen werden dies tun. Sie haben, etwa in Gießen, eigene private Hochschulen aufgebaut, die sich eines bemerkenswerten Zuspruchs erfreuen. Anträge auf offizielle Anerkennung (Akkreditierung) beschäftigen zurzeit den Wissenschaftsrat. Forderungen nach staatlichem Geld könnten irgendwann folgen. Mit welcher Begründung bezahlt dann die Öffentlichkeit die Ausbildung eines katholischen Pfarrers, nicht aber jene eines evangelikalen Predigers?

Die Hoffnung vieler Theologen, angesichts der Aktualität des Themas Religion könne es künftig zusätzliche Mittel geben, sieht der Vorsitzende des Wissenschaftsrates, Peter Strohschneider, skeptisch: »Es wird vermutlich keinen Aufwuchs geben, eher eine Umverteilung.« … Einer Theologie, der es gelingt, Kompetenz für andere Glaubensrichtungen aufzubauen, muss vor einer pluralen Gesellschaft nicht bange sein. Wer als Theologe jedoch einzig und allein auf die schützende Hand der Kirche vertraut, braucht vor allem eines: Gottvertrauen."

Ulrich Schnabel (28. Dezember 2006, Redakteur im Ressort Wissen der ZEIT u. Autor, Götter und Gelehrte, DIE ZEIT 01/2007)

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Bischof Johannes Friedrich, Landesbischof ELKB u. VELKD (siehe unten)

 


"Die lutherischen Kirchen haben einer Angstmacherei vor dem Islam eine klare Absage erteilt und sich für den Bau neuer Moscheen in Deutschland ausgesprochen.

Die evangelische Kirche dürfe sich nicht von jenen instrumentalisieren lassen, die Angst vor Muslimen schüren wollten, sagte der Leitende Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), der Münchner Landesbischof Johannes Friedrich, auf der VELKD- Generalsynode in Goslar (Niedersachsen). Darunter seien leider auch Christen."

ntv (21. Oktober 2007, Im Namen der Toleranz. Protestanten für neue Moscheen, www.n-tv.de)

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"Die Warnungen von Beckstein [http://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%BCnther_Beckstein] und Huber [http://de.wikipedia.org/wiki/Erwin_Huber] vor zu großen Moscheen muten seltsam an. Sie schüren Ängste vor zu großen Moscheen, die durch Größe oder Ausstattung Macht demonstrierten.

Die Errichtung von Gebäuden, auch von Gotteshäusern, findet in unserem Land im Rahmen baurechtlicher Vorschriften statt. Der Staat und das Baurecht sind weltanschaulich neutral. Deshalb müssen Moscheen im Baurecht wie Kirchen behandelt werden."

Volker Beck (15. März 2008, Erster Parlamentarischer Geschäftsführer und menschenrechtspolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, Mitglied des Deutschen Bundestags, Moscheen im Baurecht wie Kirchen behandeln - Keine Ängste schüren, Pressemitteilungen: www.volkerbeck.de)

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"Derzeit gebe es eine "groß angelegte Moscheebau-Initiative", sagte Huber [Bischof Dr. Wolfgang Huber, 2003 - 2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland]. Vor diesem Hintergrund sei die Frage erlaubt, inwieweit dies eine "Befriedigung religiöser Bedürfnisse" sei oder "hier Machtansprüche zum Ausdruck kommen".
Zurzeit seien mehr Moscheen geplant oder im Bau als bereits in Deutschland vorhanden seien. Der EKD-Ratsvorsitzende erklärte, die evangelische Kirche habe immer wieder klar gesagt, dass die Religionsfreiheit auch die Freiheit Andersgläubiger sei. Kritische Fragen dürften dabei aber nicht ausgeklammert werden."

epd (15. Oktober 2007, Bischof Huber grundsätzlich für Bau von Moscheen, www.ekd.de)

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"Für das Religionsverständnis von Muslimen sei es normal, dass in Deutschland Moscheen gebaut werden dürfen, in ihren Heimatländern aber keine Kirchen."

idea (10.09.08, Benediktiner-Abtprimas: Deutsche Gesellschaft neigt zur Ideologie, www.idea.de)

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"Die DITIB-Zentralmoschee Köln (türk.: Merkez-Camii) ist eine noch in Planung befindliche Moschee in Köln-Ehrenfeld der Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (DITIB). ...

Das fünfstöckige Gebäude mit einer 35 Meter hohen Kuppel und zwei Minaretten von je 55 Metern Höhe soll 1.200 Gläubigen Platz bieten."

(2008, http://de.wikipedia.org/wiki/DITIB-Zentralmoschee_K%C3%B6ln)

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"Die Demokratie ist nur der Zug, auf den wir aufsteigen, bis wir am Ziel sind. Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette, die Kuppeln unserer Helme und die Gläubigen unsere Soldaten."

Tayyip Erdogan (6. Dezember 1997, seit 2003 Ministerpräsident der Türkei, Wahlveranstaltung; Der Islamist als Modernisierer. DIE WELT, 6. Mai 2007, http://de.wikiquote.org/wiki/Demokratie)

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"Türkische Nation, wir wissen, dass du es satt hast, dass deine Demokratie bevormundet wird, dass ausländische Vertreter und Missionare auf unserem Boden herumlaufen und dich herumkommandieren"

Ex-General Osman Pamukoglu (4. September 2008, Parteigründer „Partei für Recht und Gleichheit“, Neue türkische Partei wendet sich gegen christliche Missionare, www.kathweb.at, www.osmanpamukoglu.com.tr)

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"In ungewöhnlicher Schärfe hat der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) angegriffen. Die EKD glaube, "ihr Profil polemisch am Islam schärfen zu müssen" und führe damit "Stellvertreterdebatten um die Muslime hierzulande und Sündenbockdiskussionen auf dem Rücken von Minderheiten", schreibt ZMD-Generalsekretär Aiman Mazyek im "Kölner Stadt-Anzeiger" (Mittwoch-Ausgabe).

Die Fundamentalisten gäben in der evangelischen Kirche immer mehr den Ton an, beklagt Mazyek. "Aber statt die Fundis zu entlarven, lässt sich die EKD auf sie ein."

presseportal.de (06.11.2007, Kölner Stadt-Anzeiger: "Zentralrat der Muslime" greift EKD scharf an, www.presseportal.de)

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"Bau von Minaretten entzweit Bischofskonferenz" [DER STANDARD, Wien]

"Küng fürchtet offenkundig das Sichtbarwerden des Islam in Österreich. Der Bau von Minaretten sei "derzeit wenig förderlich", ist der konservative Gottesmann überzeugt. In vielen islamisch dominierten Ländern dürften keine christlichen Kirchen gebaut werden, solche Länder würden "zum Teil sogar jeden christlichen Gottesdienst verbieten, unter Strafe", erklärte Küng." [...]

"Die Meinung des Bischofs ist nicht die Meinung der Kirche. Ich frage mich, warum der Bischof plötzlich eine andere Meinung vertritt", so er Bregenzer Pfarrer Rudi Siegel im STANDARD-Gespräch.

Eine mögliche Antwort sieht Siegl in "Ängsten, die auch beim Bischof vorhanden sind". Siegl: "Angst kommt von Enge. Wenn wir uns nicht kennen, haben wir Angst voreinander." Eine andere Antwort könnte die Beeinflussung durch christliche Fundamentalisten sein. "Die werden ihn ständig anrufen, vielleicht liest er auch zu viele fundamentalistische Schriften."

DER STANDARD (20. März 2008, Bau von Minaretten entzweit Bischofskonferenz. DER STANDARD, Wien)

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"Einfacher, eine Moschee zu bauen als einen biblischen Themenpark?"

"Massive Kritik aus Kirche und Politik an einem geplanten biblischen Themenpark in Nordbaden hat dazu geführt, dass die Chancen für die Verwirklichung des Projekts beträchtlich steigen. Der Schweizer Unternehmensgruppe Genesis-Land seien mehrere alternative Standorte angeboten worden, teilte der Initiator, der Unternehmensberater Gian Luca Carigiet (Zürich), idea mit. …

Gegen die Pläne protestierten zunächst die Weltanschauungsbeauftragten der badischen und württembergischen Landeskirche. Nach ihrer Ansicht würde der Park der kirchlichen Verkündigung schaden. Besuchern werde ein falsches Bild von der Bibel vermittelt …

Nachdem die Medien die Kritik aufgegriffen hatten, meldeten sich auch Lokalpolitiker zu Wort. Die Heidelberger Stadtverwaltung und der Regionalverband Rhein-Neckar kündigten an, kein Gelände zur Verfügung zu stellen. „Mit einem Kreationisten-Freizeitpark würden wir uns überall lächerlich machen“, zitiert die Stuttgarter Zeitung einen Verbandssprecher. Der Zeitung zufolge ist die Unternehmensgruppe eine „besonders rückständige Form einer christlichen Sekte“.

Diesen Vorwurf weist die Präsidentin des Verwaltungsrats von Genesis-Land, Marion Carigiets, zurück. Die Gruppe repräsentiere das ganze Spektrum bibeltreuer Christen und verfolge ausschließlich das Ziel, „Geschichte und Botschaft der Bibel auf eine erlebnisreiche und spannende Art zu vermitteln, ohne dabei theologische und weltanschauliche Interpretationen zu geben“.

Die Kritik zeige, dass es im Lande Luthers offenbar einfacher sei, eine Moschee zu bauen als einen biblischen Themenpark."

kath.net/idea (10. Juni 2008, Einfacher, eine Moschee zu bauen als einen biblischen Themenpark?, www.kath.net)

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Koptische Kirche, Alt-Kairo (Ägypten)


 

"Seit Jahrhunderten lebten und leben Christen und Muslime im Orient zusammen, oft zum gegenseitigen Nutzen: Armenier in der Türkei, Maroniten im Libanon, Kopten in Ägypten, Chaldäer im Irak und Syrien sowie Orthodoxe im ganzen Nahen Osten.

Doch Islamisierung und Nahostkonflikt, Vertreibung und Drangsalierung haben die Zahl der Christen dezimiert: Rund zehn Millionen leben heute noch in Ländern mit islamischer Bevölkerungsmehrheit. Nirgendwo ist ihnen freie Religionsausübung, Kirchenbau oder unbeschränkte Gemeindearbeit gestattet."

Berliner Morgenpost (7. Dezember 2009, Christliche Minderheiten. Das Kreuz in den Ländern des Halbmondes, www.morgenpost.de)

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"Die Ereignisse in Tibet verursachen im Westen eine etwas haltlose Erregung - der als Dalai Lama wiedergeborene Buddha und seine Mönche genießen hier etwa dasselbe Ansehen wie gewisse vom Aussterben bedrohte Walarten, möglicherweise sind sogar die Quellen dieser Sympathie benachbart.

Dass zur selben Zeit das Christentum im muslimisch beherrschten Teil dieser Welt ausgerottet wird, interessiert im Westen weniger. Dabei wird die im Machtbereich des Islams übliche Christenverfolgung durchweg damit begründet, die Christen seien "Spione des Westens". ...

Derzeit vollendet sich offenbar ein Prozess, der schon Jahrhunderte dauert: die Ausrottung des Christentums in der islamischen Welt. Im Westen hat man durchweg vergessen, dass der hier als islamisches Kerngebiet betrachtete Raum Vorderasiens zum Teil mehr als tausend Jahre lang christlich war.
Im Westen schwärmen Gebildete von den kulturellen Hochzeiten des Islams, Schüler erfahren, der Islam habe uns das Wissen der alten Griechen vermittelt - doch die Vermittler waren die Christen des Ostens, die diese Texte bewahrt und übersetzt haben, auch ins Arabische. ...

In der Türkei gibt es auf einst byzantinischem Boden noch 100 000 Christen, sprich 0,15 Prozent. Trotzdem beklagte der türkische Religionsminister unlängst in der Konversion von 368 Muslimen zum Christentum den Versuch, die Türkei zu zerstören.

In Saudi-Arabien, das mit seinen Ölmilliarden den Moscheenbau auf der ganzen Welt finanziert, ist selbst die private Ausübung der christlichen Religion verboten; dort trauen sich die wenigsten Christen, in den eigenen vier Wänden zu beten.
In Pakistan sind die Christen rechtlos gestellt, sie werden in vielen Geschäften nicht bedient; immer wieder werden Christen mit Blasphemie-Verfahren überzogen ...

Kleine christliche Gemeinschaften erlöschen derzeit, nicht zuletzt auf dem Boden des Iraks. Dort naht nach dem Ende der Gewaltherrschaft Saddam s nun das Ende der dort uralten christlichen Kirchen.
Geht all das so weiter, wird es noch in diesem Jahrhundert im Orient, wo Christus wandelte, so gut wie keine Christen mehr geben. Doch jetzt zurück nach Tibet."

Frankfurter Allgemeine Zeitung F.A.Z. (16. April 2008, Volker Zastrow. FAZ-Redakteur für den Bereich "Die Gegenwart", Die Christenverfolgung. Diskussion)

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"Die Analyse Deutschlands im Zeitverlauf hat gezeigt, dass der Prozess der Säkularisierung [mlat. saecularis = weltlich] einschließlich der Entkirchlichung ungebrochen voranschreitet und unabhängig von der Lebensform alle Personen nahezu gleichermaßen betroffen sind." (31. Mai 2007, Wiedererstarken der Religionen?, http://fowid.de) [...]

"Kein Zweifel herrscht unter Fachleuten - auch kirchlichen - ferner darüber, dass etwa um 2025 die Mehrheit der bundesdeutschen Bevölkerung keiner der beiden großen Kirchen mehr angehören wird."

fowid (21.11.2006, Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland - fowid,
Datenblatt Religionszugehörigkeiten, 1950-2005, http://fowid.de)

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"Erstmals gehört die Mehrheit der Briten keiner Religionsgemeinschaft an. Das geht aus einem Bericht der Vereinten Nationen hervor.
Die Zahlen überraschen: Noch 2001 hatte eine Volkszählung rund 72 Prozent der Einwohner Großbritanniens als Christen geführt. Dem UN-Bericht zufolge sagen nun aber zwei Drittel der Bevölkerung, sie gehörten keiner Religionsgemeinschaft an. Das berichtet die britische Tageszeitung „The Times“ (London).

Die Sonderberichterstatterin für Religions- und Glaubensfreiheit der UN, die pakistanische Menschenrechtlerin Asma Jahangir, fordert deshalb, die bevorzugte Stellung der Anglikaner in Großbritannien aufzugeben.
Die Kirche von England spiegele nicht länger die religiöse Bevölkerungsmehrheit des Landes wider. Ferner werde die Staatskirche der wachsenden Bedeutung anderer christlicher Kirchen nicht gerecht. Die Privilegien und die Rolle der anglikanischen Kirche müssten neu überdacht werden."

idea (24.02.08, Großbritannien: Mehrheit gehört keiner Religion an. www.idea.de)

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"Der viktorianische Dichter Matthew Arnold schrieb von Gläubigen, die das Zurückweichen des Glaubensmeers als schmerzlichen Verlust erleben. Heute verebbt der säkulare
[lat. saecularis = weltlich] Glaube, und es sind die Apostel des Unglaubens, die mit leeren Händen dastehen."

Prof. John N. Gray (29.03.2008, britischer Philosoph, Professor an der London School of Economics, Was führen die Atheisten im Schilde?, F.A.Z., 29.03.2008, Nr. 74 / Seite Z1)

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Prof. John N. Gray, britischer Philosoph


 

"Wenn wir die sieben Sendschreiben [Offenbarung Kapitel 2+3] anschauen, dann fällt die Tendenz der beiden letzten Schreiben auf.
Nicht wenige Ausleger sind ja der Meinung, dass die sieben Sendschreiben nicht nur an konkrete Gemeinden zur Zeit des Apostel Johannes geschrieben wurden, dass sie weiter eine allgemeine Botschaft an die Gemeinden aller Zeiten enthalten, sondern dass sie im Ablauf ein Schema der Entwicklung der Gemeinde Jesu bis zur Wiederkunft unseres Herrn darstellen.

Das letzte Sendschreiben an die Gemeinde in Laodizea hat bezeichnenderweise überhaupt keinen an außen gehenden Auftrag mehr. Es ist nur noch der Ruf zur Buße an eine abgefallene Christenheit.

Sollte diese Auslegung Recht haben, dann stünde die Christenheit wohl am Übergang von Philadelphia zu Laodizea. Am Übergang von einer Gemeinde, die in der Gefahr steht alles zu verlieren, zu einer Gemeinde, die alles verloren hat."

Pfarrer Jakob Tscharntke
(Juni 2007, Bekenntnisbewegung „Kein anderes Evangelium“, Informationsbrief Nr. 242, Seite 20)

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"Man liest überall eine Reklame für ein Erfrischungsgetränk, das nur „eisgekühlt" genießbar ist. Man hat heute oft den Eindruck, als wenn wir Christen Reklame machen wollten für ein eisgekühltes Christentum.

Die Bibel kennt das nicht. Als die beiden Jünger in Emmaus den auferstandenen Herrn erkannten, war ihr erstes Wort: „Brannte nicht unser Herz in uns, als er mit uns redete auf dem Wege?" Und der Apostel Paulus sagt: „Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unser Herz." Das ist Leidenschaft des Glaubens! Da sehen wir Herzen, in denen Jesus ein Feuer angezündet hat.

Wie armselig ist doch unser kalter Christenstand!
Wie könnte es denn anders werden? Unsere Liebe zu unserm Erlöser wird in dem Maße wachsen, in dem wir erfüllt und überführt werden von seiner Liebe. Und seine Liebe finden wir gewaltig am Kreuz, wo er unser Bürge wird, der vor Gott für uns einsteht; wo er für unsere Schuld bezahlt."

Pfarrer Wilhelm Busch (1929 bis 1962 protestantischer Jugendpfarrer - Essen, "365 x ER. Tägliche Andachten", Aussaat; 14. Auflage 2006, ISBN-13: 978-3761541586,
http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Busch_(Pfarrer)

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"Glaube an Jesus Christus ... ist das scharfe Gegenteil von Religion, die Gott „eigenmächtig“ mit uns zu versöhnen sucht." [...]

"Jesus Christus allein ist Gottes Selbstoffenbarung mitten in der Zeit. Daher kann Gott, der Vater und Schöpfer, nur von Gott, dem Sohn, durch den Heiligen Geist als der Gott erkannt werden, der seine Welt mit sich versöhnt und so unsere Gotteserkenntnis schafft.
"

(http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Barth, 2007)

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Die "offizielle Religiosität, wie sie in unseren Kirchen Gestalt gewonnen hat, hat ihren Einfluss auf uns verloren. Sie erschließt uns nicht mehr das Christentum, sie verhüllt es uns."
 
Franz Spemann (1907, Landeskirche oder biblische Glaubensfreiheit?)

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Dieser neue Rationalismus - unter weitgehender Beibehaltung des biblischen Vokabulars - raubt der Gemeinde die Heilsereignisse. Die Heilsbotschaft bleibt auf der Strecke.

"Wenn wir nicht aufpassen, haben wir zuletzt nur noch die Hülsen geistreicher Worte und kunstvoller Liturgien, aber nicht mehr den Kern der frohen, errettenden Botschaft."


Pfarrer
Paul Tegtmeyer (1886-1967, Zuallererst ein Zeuge Christi)

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Prof. Dr. Ulrich Körtner, 2009

 


"Gute Theologie muss es wagen, von Gott zu reden, nicht nur über irgendwelche »Gottesgedanken« als Restbestände einer Religionskultur, deren Schwundstufen offenbar die ganze Hoffnung einer neuen Generation von Kulturprotestanten sind. [...]

Das aber wird nicht schon dadurch erreicht, dass überhaupt und allgemein von Gott gesprochen wird, sondern dadurch, dass - ausgehend von den biblischen Texten - die Erlösungsbedürftigkeit der Welt und die im Christusgeschehen gegebene Wirklichkeit der Erlösung beschrieben werden.

Alles Nachdenken über Gott verfehlt diesen jedoch, wenn sich das Denken vom Glauben ablöst.

Damit das Recht der Erkenntnis seine Gültigkeit habe, muss man sich ins Leben hinauswagen, hinaus aufs Meer, und muss einen Schrei erheben, ob Gott ihn nicht hören wolle."

Prof. Dr.
Ulrich Körtner (2004, Theologe, "Wissenschaftler des Jahres 2001", Was ist gute Theologie? Stuttgart: Kreuzverlag, Seite 85
)

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"Wenn du auf dem Wasser gehen willst, dann musst du aus dem Boot steigen. Wir müssen uns auf Gott und sein Wort einlassen, sonst können wir nicht erwarten Gott zu erleben. Wir müssen unsere Füße »nass machen«.
Watchman Nee [
http://de.wikipedia.org/wiki/Watchman_Nee] hat es treffend formuliert: »Wir können nicht erwarten, dass Gott sein Leben in uns auslebt, wenn wir nicht bereit sind, ihm unser Leben zu geben, in dem er leben soll.«"

Hans Peter Royer (2007, Leiter einer Bergsteigerschule und Direktor des Christlichen Schulungszentrums "Tauernhof" Österreich, Nach dem Amen bete weiter. Hänssler; 5. Aufl. 2007, ISBN 978-3775140270, Seite 92)

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"
Über die menschlichen Dinge kann man auf zweifache Weise sprechen, aus der Innen- und aus der Außenperspektive.

Stellen wir uns beispielsweise ein junges Paar vor, das einen Lebensversicherungsvertrag abschließt. Worum es dabei geht, ist klar: Die beiden wollen im Alter eine bestimmte Summe ausgezahlt bekommen und sich so gegen das Abgleiten in Armut schützen. Ob der Vertrag sinnvoll war, zeigt sich erst, wenn der Versicherungsfall eintritt und das Geld ausgezahlt wird.
Die jungen Leute müssen einstweilen auf die Bonität der Versicherungsgesellschaft vertrauen und glauben, dass die Liquidität ausreichend ist.

Allerdings hat ein solcher Vertrag auch eine Außenseite, die von der Berechtigung dieses Vertrauens unabhängig ist. Das Verhalten des Paares kann Gegenstand soziologischer und psychologischer Untersuchungen sein.
Man kann untersuchen, wie viele junge Paare eine solche Versicherung abschließen und von welchen Faktoren dies abhängt. Man kann nach der Rückwirkung eines solchen Vertrags auf den gegenwärtigen Lebensstil der Menschen fragen, auf ihr Lebensgefühl, auf ihr Konsumverhalten, auf die Stabilität ihrer Beziehung, auf ihre Risikobereitschaft sowie ihre Bereitschaft, Kinder in die Welt zu setzen.

Die Außenperspektive verspricht mancherlei Erkenntnisse, aber sie lebt von der Innenperspektive. Wäre das Paar nicht überzeugt, dass die Versicherung imstande ist, den Vertrag bei Eintritt des Versicherungsfalls zu erfüllen, dann würde es den Vertrag nicht abschließen, und alle anderen Gesichtspunkte wären gegenstandslos.

In diesem Sinn schreibt der Apostel Paulus an die Korinther: »Wäre Christus nicht auferstanden, dann wäre unsere Hoffnung vergeblich.« (1 Kor 15,14)

Die christliche Religion ist nämlich in der gleichen Lage wie alle menschlichen Dinge, eine Innenseite und eine Außenseite zu haben.
Ihre Innenseite ist der Glaube an die Wirklichkeit Gottes und die Hoffnung auf das ewige Leben bei Gott. Aber solange sie lebendiger Glaube an diese Wirklichkeit ist, erfüllt sie zugleich vielfältige soziale und psychische Funktionen: Sie wirkt auf den Lebensstil der Menschen und auf ihre seelische Befindlichkeit zurück. Aber sie kann von diesen Wirkungen her nicht definiert werden. Sie steht und fällt mit ihrem kognitiven [
http://de.wikipedia.org/wiki/Kognition] Gehalt.

»Das ist das ewige Leben«, sagt Christus im Johannesevangelium, »dass sie dich, den allein wahren Gott, erkennen und den, den du gesandt hast, Jesus Christus.« (Joh 17,3)
Und der oft zitierte Satz aus dem ersten Timotheusbrief »Gott will, dass alle Menschen gerettet werden...« ist nicht vollständig und deshalb irreführend ohne seinen zweiten Teil »...und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen.« (1 Tim 2,4)

Die Welt ist pluralistisch [
http://de.wikipedia.org/wiki/Pluralistisch] und war es immer. In einer pluralistischen Welt aber konkurrieren unvermeidlich Innen- und Außenperspektive miteinander.

Wer Leute tanzen sieht, aber die Musik nicht hört, der versteht die Bewegungen nicht, die da vollführt werden. Und wer den christlichen Glauben nicht teilt, wird geneigt sein, ihn durch etwas anderes als durch die Wahrheit seines Gegenstandes zu erklären.

Verstehen wird er den Gläubigen letzten Endes nicht."

Prof. Dr. Robert Spaemann (September 2007, Philosoph, Das unsterbliche Gerücht. Die Frage nach Gott und die Täuschungen der Moderne.)

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"Als Ungläubiger hat man doch kein Gottesbild, sondern ein Bild von den Gottesbildern der Gläubigen."

Robert Misik (19.03.2008, österreichischer Journalist, Misiks Meinungen: Ich sag nicht, fahr zur Hölle - Besuch im Priesterseminar, http://taz.de/blogs/misiksmeinungen)

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"Es kommt ihm [Friedrich Josef Dürrenmatt] vor, als frage man einen Theologen, der eben Gott entmythologisiert hat, was denn Gott in Wirklichkeit sei: ein Prinzip, eine Weltformel oder was denn sonst?

Wer so fragt, hat laut Dürrenmatt nicht begriffen, dass diese Frage untheologisch ist, ja dass moderne Theologie nur noch unter der Bedingung möglich ist, dass solche Kinderfragen nicht mehr gestellt werden."

Elisabeth Emter (17. August 1995, Germanistin, Literatur und Quantentheorie. Gruyter, ISBN 9783110148732, S. 249)

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Charles H. Spurgeon, 1834-1892


 

[vor 1900] "Rings um uns her wächst immer mehr das ... Unkraut der modernen Theologie auf, das nichts anderes ist als Unglaube, der zu feige ist, seinen eigenen Namen zu tragen."

Charles H. Spurgeon (1834 - 1892, englischer Baptistenpastor - galt als einer der bekanntesten
Prediger des 19. Jahrhunderts, vgl. "Auf Dein Wort", 1982
)

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"Christlicher Fundamentalismus heute"

"1909 erscheint die erste kommentierte Bibel, die berühmte Scofield Reference Bible, ein Standardwerk des Fundamentalismus mehr oder weniger bis heute. Und dann erscheint ein Jahr später die erste Nummer (1910) der Schriftenreihe „The Fundamentals".

Ihr Ziel ist es, Zeugnis abzulegen, „damit der Unglaube, der auf der Kanzel und der Kirchenbank die Kirche Christi gelähmt hat, überwunden wird und daraus eine weltweite Erweckung folgt" (FO, 22).

Hier werden nun fünf fundamentale Glaubensaussagen formuliert:

1.  Verbalinspiration
     Die Bibel ist absolut irrtumsfrei und wahr und genügt vollkommen.
     Das heißt, dass der „Fundamentalismus" sich als protestantische Buchreligion zeigt:
     sola scriptura [lat. Allein die Schrift].
     Da sie das Buch hat, hat sie die Wahrheit. [...]
2.  Jungfrauengeburt [...]
3.  Sühneopfer Jesu
4.  Leibliche Auferstehung
5.  Wiederkunft Christi" [...]

"Diese fünf Fundamente sollen den verwirrten Kindern der Moderne zur eigenen Identität helfen, ihnen klare und einfache Entscheidungen ermöglichen im Entweder-Oder, damit sie in der verwirrenden Vielfalt der Moderne nicht zu Grunde gehen." [...]

"So steht der Fundamentalismus mit dem ersten Erscheinen des Begriffs sofort im deutlichen Gegensatz zu „Kanzel [Predigtort Kirche] und Katheder“ [Pult eines Schul- oder Hochschullehrers]."

"Auch, wenn im Deutschland des Jahres 1994 nicht mit Mordanschlägen fundamentalistischer Christen zu rechnen ist, müssen wir Geschichte und Gefahren des Fundamentalismus kennen, weil auch nur latente (lat.: latens = verborgen), auch nur geistige und geistliche Gewaltbereitschaft immer gefährlich ist. Zu sehr war und ist das Christentum für diese Gefährdung anfällig." [...]

"Es gibt wohl keine scharfe Trennlinie zwischen noch religiösem Fundamentalismus und schon kriminellem Terrorismus. Das macht es für uns alle so dringend, Geschichte und Denkweise des christlichen Fundamentalismus so gründlich zu studieren und auch seine feinsten Formen schon in unserem kirchlichen Alltag aufzuspüren und zu bekämpfen."


Melanchthon-Akademie - Evangelischer Kirchenverband Köln u. Region (07.02.2006, "Christlicher
Fundamentalismus heute", Vortrag in Overath, www.theologie-koeln.de/PDFs/Fundamentalismus.pdf)

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"Fundamentalisten geben auf Fragen, die eine sehr komplexe Lebenswirklichkeit aufwirft, sehr schlichte, geradezu billige Antworten. Das ist eine ängstliche Reaktion auf Verunsicherung. ...

Jesus begegnet mir im offenen Dialog mit anderen Menschen, vielleicht im obdachlosen Atheisten. ... Nehme ich den anderen als Betreuungsobjekt wahr, der meine Wahrheit einfach noch nicht verstanden hat oder ist er oder sie ein Subjekt, dem ich zuhöre? ...

Der Missionsbegriff erfährt tatsächlich gerade eine Renaissance in der Evangelischen Kirche und soll positiv besetzt werden. Ich finde, das geht nicht, weil Mission im Kolonialismus einfach mit Gewalttaten verbunden ist, da klebt Blut dran."

Pfarrer Bernd Klingbeil-Jahr (07.04.2008, Evangelischer Theologe, Evangelische Friedensgemeinde Bremen, Glaube als Sonderangebot, www.taz.de)

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"«Alles, was ich euch gebiete, das sollt ihr halten und danach tun. Ihr sollt nichts dazutun und nichts davontun.» ... Dies ist für die «Mäßigung» in der Religion kein geringes Problem: Sie wird von nichts anderem gestützt als von einer uneingestandenen Missachtung der Buchstaben des göttlichen Gesetzes.
Der einzige Grund, weshalb heute jemand in Glaubensfragen «gemäßigt» ist, besteht darin, dass er einige Früchte des menschlichen Denkens der letzten zweitausend Jahre (demokratische Politik, wissenschaftlicher Fortschritt an jeder Front, Einhaltung der Menschenrechte, das Ende der kulturellen und geografischen Isolation und so weiter) verinnerlicht hat.

Die Türen, die von einer wörtlichen Auslegung wegführen, lassen sich nicht von innen öffnen.

Die «Mäßigung», die wir unter Gläubigen vorfinden, die keine Fundamentalisten sind, ist kein wie auch immer geartetes Zeichen dafür, dass der Glaube sich weiterentwickelt hat; sie ist vielmehr das Resultat zahlreicher Hammerschläge der Moderne, die gewisse Glaubensinhalte dem Zweifel ausgesetzt hat.

Nicht die unbedeutendste dieser Entwicklungen war das Hervortreten der Tendenz, den Wert von Beweisen zu erkennen und von einer Behauptung nur bis zu jenem Grad überzeugt zu sein, in dem diese Behauptung sich nachweisen lässt." [...]

"Eine Fortentwicklung in der Religion, wie auch auf anderen Gebieten, müsste sich den Fragen von heute stellen, anstatt hartnäckig die Lehrmeinungen der Vergangenheit nachzubeten. ... Gemessen an diesen Maßstäben, erscheint das ganze Projekt Religion als rückwärts gerichtet. ...

Die Gemäßigten haben zwar nicht vor, jemanden im Namen Gottes zu töten, aber sie wollen, dass wir das Wort «Gott» weiterhin benutzen, als wüssten wir, was wir damit meinen. Und sie wollen nicht, dass allzu kritische Worte über Menschen gesagt werden, die wirklich an den Gott ihrer Väter glauben, denn die Toleranz ist heilig, vielleicht mehr als alles andere. ... Den Luxus einer solchen Political Correctness können wir uns aber nicht länger leisten." [...]

"Wir sollten endlich begreifen, dass Glauben keine Privatsache ist; er war nie etwas rein Privates. In der Tat ist Glauben kaum privater als Handeln, da jeder Glaube eine potenzielle Ursache von Handeln ist. [...]
Angesichts der Verknüpfung von Glauben und Handeln liegt es auf der Hand, dass wir einer Vielfalt religiöser Anschauungen nicht mehr Toleranz entgegenbringen können als einer Vielfalt von Anschauungen über Epidemiologie [
http://de.wikipedia.org/wiki/Epidemiologie] und Grundhygiene [Lehre von der Verhütung von Infektionskrankheiten]. ... Selbst scheinbar harmlose Glaubensinhalte können, wenn sie ungerechtfertigt sind, zu inakzeptablen Konsequenzen führen."

Dr. Sam Harris (September 2007, US-amerikanischer Schriftsteller, Philosoph u. Neurowissenschafter, Das Ende des Glaubens. Religion, Terror und das Licht der Vernunft.)

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"Unter dem Schlagwort Fundamentalist wird gleichsam ein neuer Jude aufgebaut, in den man alles Unliebsame und Gefährliche hinein interpretieren kann."

Pfarrer Christfried Kulosa (1993, Theologe, Argumentationsstrukturen der Fundamentalismusdebatte und Konsequenzen für das Selbstverständnis der Evangelikalen in Deutschland. Diplomarbeit, Die Fundamentalismusdebatte und die Evangelikalen, Idea-Doku 25/1993)

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Baptistischer Theologe Prof. Dr. Erich Geldbach


 

Meinhard Schmidt - Degenhard: "Wortterror, was meinen Sie damit?"

Prof. Geldbach: "Wortterror - damit meine ich, dass der Fundamentalismus am Buchstaben klebt."

Prof. Dr. Erich Geldbach (7. Oktober 2007, baptistischer Theologe, Hardliner Gottes - die Diskussion. Diskussion mit Meinhard Schmidt - Degenhard über christliche Fundamentalisten in Deutschland. Hessischer Rundfunk, Sonntag, 7. Oktober 2007, 10:00 Uhr, HR Horizonte)

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"Wir haben Mega-Kirchen auf dem Papier ... da ist ein Missverhältnis entstanden von Größe [25.385.618 getaufte evangelische Kirchenmitglieder in Deutschland - Stand 2005*] einerseits und Wenigen, die partizipieren [lat.: particeps = an etwas teilnehmend] [durchschnittliche Gottesdienstbeteiligung von etwa 4 Prozent** der getauften Kirchenmitglieder - d.h. rund 1 Million Kirchenmitglieder, "Evangelikale Christen" eingerechnet] und da sehe ich die große Gefahr, dass Fundamentalisten die Möglichkeit haben, gerade da einzubrechen."

Prof. Dr. Erich Geldbach (
7. Oktober 2007, Theologe, Hardliner Gottes - die Diskussion. Diskussion mit Meinhard Schmidt - Degenhard über christliche Fundamentalisten in Deutschland. Hessischer Rundfunk, Sonntag, 7. Oktober 2007, 10:00 Uhr, HR Horizonte)

*  [http://www.ekd.de/statistik/mitglieder.html]
** [
http://www.ekd.de/download/kirche-der-freiheit.pdf, Seite 23]

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"Trendforscher sehen in den "Bibeltreuen" sogar die Zukunft der Kirche; es spricht einiges dafür, dass innerhalb der protestantischen Christenheit in Deutschland jeden Sonntag mehr evangelikale als nichtevangelikale Christen an Gottesdiensten teilnehmen.

Aber amerikanische Verhältnisse haben sich nicht eingestellt: Von den geschätzten 1,4 Millionen Evangelikalen hat immerhin noch die Hälfte ihre Heimat in den 23 Landeskirchen, und die andere, freikirchliche, Hälfte ist in diverse Gruppierungen gespalten.

Tatsache aber ist: Landeskirchen und die oft in die religiöse Extremismusecke abgeschobenen Evangelikalen nähern sich immer weiter an."

DIE WELT (20. Februar 2008, Gernot Facius, Die "Frommen" sind auf dem Vormarsch)

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"Wenn das europäische Christentum nicht hellwach bleibt und für die eigenen Traditionen entschlossen und mit Profil eintritt, räumt es den Platz für Leere oder Fundamentalismus."


Bischöfin Dr. Margot Käßmann (2005, Oktober 2009 - Februar 2010 Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischöfin der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover, Impulspapier - Strategien für die Gesellschaft von morgen)

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"Zwar kommt es auch ... zu massiven Konflikten zwischen liberalen und evangelikalen Christen innerhalb der Kirchgemeinden. Die meisten konservativen Christen indes sind in den von der Landeskirche unabhängigen Freikirchen «ausgelagert».

Fundament des Fundamentalismus ist dort nicht die Institution Kirche, sondern eben die Heilige Schrift [die Bibel]."

Michael Meier (2005, Schweizer Journalist, Mit aggressiver Kulturkritik gegen die gottlose Welt, Tages-Anzeiger v. 13.07.2005)

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"Die Spannungen zwischen Landeskirchen und Evangelikalen sind heute eher zu vernachlässigen, wenn so gar nicht mehr vorhanden.

Dies liegt zum einen daran, dass sich verschiedene Gemeinden innerhalb der Evangelischen Allianz aus der landeskirchlichen Gemeinschaft zurückgezogen haben, d.h. die Mitglieder sind nicht selten samt Prediger aus der Landeskirche ausgetreten."

Bischof Prof. Dr. Friedrich Weber (7. März 2009, Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK), Die Herausforderung konfessionsüberschreitender christlicher Strömungen. Vortrag zur Tagung „30 Jahre ACK Sachsen-Anhalt“ am 7. März 2009 in Magdeburg, www.landeskirche-braunschweig.de)

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"In der Verschärfung der evangelikalen Sprache würde die Antwort auf die Frage, ob die Evangelikalen noch zu retten sind,  ›vielleicht‹  lauten.  
["Evangelikalismus ... ist eine theologische Richtung innerhalb des Protestantismus, die sich auf die Bibel als zentrale Grundlage christlichen Glaubens beruft." Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/ Evangelikalismus]

– Vielleicht, wenn die Evangelikalen abschwören
   der Instrumentalisierung Gottes als dualistischem Schöpfergott.

– Vielleicht, wenn sie abschwören
   der Begrenzung des befreienden Evangeliums auf Evangelisation.

– Vielleicht, wenn sie abschwören
   der Simplifizierung der biblischen Vielfalt durch »buchstabierten Glauben«." [...]
 
"Es gilt in die kommunikative Offensive umzusteigen, indem die Re-Missionierung der Evangelikalen durch Nutzung des evangelikalen Sprachmusters zu einer kirchlichen Aufgabe wird."


Pfarrer Dr. Dieter Becker (2003, Theologe, 1998–2000 Pfarrdienste für die Ev. Akademie Arnoldshain, Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 9/2003)

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"Als im Mittelalter der große Glaubensstreit entbrannte, stand Luther eines Tages vor dem Reichstag zu Worms. Alle weltliche und geistliche Macht war da mit großer Pracht versammelt. Und dann wurde er aufgefordert, er sollte alles, was er je geschrieben hatte, zurücknehmen.

Und was hat er geantwortet?
»Man soll mir aus der Bibel nachweisen, dass ich geirrt habe. Dann will ich widerrufen. Sonst nicht.«

Pfarrer Wilhelm Busch (1944, protestantischer Jugendpfarrer - Essen,
http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Busch_(Pfarrer),
Sonntag Invokavit 1944)

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Pfarrer Wilhelm Busch, 1929 bis 1962 protestantischer Jugendpfarrer, Essen

 


"Fanatisch, fundamentalistisch, fromm." [ARD]

"Würden sie sich selbst als Fundamentalist bezeichnen?", fragt der Filmautor eine Frau, die an der Expedition im Grand Canyon teilnimmt.

"Ja", antwortet diese, "wenn sie darunter verstehen, dass alle Christen, die an die Bibel als das Wort Gottes glauben, Fundamentalisten sind."

pro-medienmagazin.de / Das Erste (5. Dezember 2007, Dokumentation "Fanatisch, fundamentalistisch, fromm." "SW
R, NDR und WDR begeben sich in den USA, in Israel und im Jemen auf Spurensuche, wie aus Frömmigkeit Fundamentalismus und Fanatismus werden kann." www.daserste.de)

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"Ihre Waffe ist nicht Sprengstoff, sondern Mission"

"Der Film [„Jesus liebt dich – Evangelikale auf WM-Mission“, Filmfestspiele „Berlinale“ vom 7. bis 17. Februar in Berlin] rege zum Nachdenken „über die erschreckenden Konsequenzen von religiösem Fundamentalismus“ an. Er stelle die Evangelikalen als „ernst zu nehmende Bedrohung für rationale Aufklärung und demokratische Werte“ dar. ... Es sind 52.000 Neubekehrte jeden Tag weltweit."

idea (27.12.07, Film nimmt Evangelisation bei Fußball-WM aufs Korn, www.idea.de)

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"Andachten und Sermone [Predigten] langweilen mitunter durch ihre Harmlosigkeit – wer hört da noch hin? Die Bibel erscheint solide, doch alt, ein Stück Museum im eigenen Regal. Oder sie dient uns als Spruchsammlung für die Kanzel, die Karte am Grab.

Und doch kommt es mir vor, wie wenn ahnungslose Kinder spielen – mit einer gefundenen Granate. Unerkannte Sprengkraft in geringer Distanz. Was, wenn sie zündet? Ich meine die „Botschaft“.

„Ist mein Wort nicht wie ein Hammer, der Felsen zerschlägt?“ (Jer. 23, 29):
Solche Nachrichten stören unser westliches Bild: Christen werden weltweit verfolgt – wegen der Bibel. Ihr Besitz kostet bei uns vielleicht 9,90 Euro – wenige Flugstunden ostwärts in islamischen oder kommunistischen Staaten jedoch die Freiheit oder das Leben. Was wird am gedruckten Wort Gottes gefürchtet? Zwischen den Buchdeckeln ist keine Pistole versteckt. Die Autoren beschreiben nicht den Bau einer Bombe. Und doch wird die Bibel gehasst, verboten, verbrannt.

Es ist ihre verborgene Sprengkraft. Sie macht uns mutig: Wir werden ungehorsam den Menschen. Wir werden gehorsam dem Herrn." ... "Die Bibel - ein harmloses Buch? Vorsicht!"

Pfarrer Mathias Lauer (24.01.08, Theologe, Missionsleiter der Deutschen Zeltmission, Ein gefährlich-harmloses Buch, www.idea.de)

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"Christliche Fundamentalisten" - das klingt zunächst wie eine kleine Minderheit religiöser Fanatiker, die sich irgendwo unter der modernen, aufgeklärten Gesellschaft verstecken.

Laut dem Artikel Rechts und fromm von Susan Neiman [DIE ZEIT  Nr.42, 07.10.2004] sieht die Lage ganz anders aus: Die Weltanschauung, welche die Bibel für Gottes Wort und alleinige Wahrheit hält, gewinnt weltweit immer mehr Anhänger."

Andreas Mueller (18. August 2006, Redakteur beim Humanistischen Pressedienst (hpd), Christliche Fundamentalisten rüsten für den Endkampf)

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"Nach Meinung des Konfessionskundlers Prof. Dr. Erich Geldbach (Bochum) geht von den "christlichen Fundamentalisten" eine Gefahr für den Weltfrieden aus.

Wie der Leiter des Ökumenischen Instituts der Evangelischen Fakultät an der Ruhr-Universität Bochum [Prof. Dr. Erich Geldbach] in einem Interview mit der Tageszeitung "Heilbronner Stimme" über den Glauben in den USA sagte, sei der Unterschied zwischen christlichen und islamischen Fundamentalisten "höchstens graduell".

Nach seiner Überzeugung sind christliche Fundamentalisten in den USA dadurch zu charakterisieren, "dass sie die Heilige Schrift wortwörtlich verstehen und dass sie besonders großes Gewicht auf so genannte Endzeitaussagen legen". Gefährlich für den Weltfrieden sei dabei, "dass sie eine letzte Schlacht zwischen Gut und Böse mit der Existenz Israels verknüpfen und von daher eine vorbehaltlose Unterstützung Israels einklagen".

aref / Prof. Dr. Erich Geldbach (2003, www.aref.de/news/allgemein/2003/fundamentalismus-in-usa.htm)

[Prof. Dr. Erich Geldbach ist Mitglied im
Ökumenische Rat der Kirchen / ÖRK
(auch: Weltkirchenrat; engl. World Council of Churches / WCC),
http://library.wcc-coe.org/fileadmin/files/wcclibrary/individuals.pdf]

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"Einen gegen Israel gerichteten Boykottaufruf hat die ökumenische Konferenz „Kirchen gemeinsam für Frieden und Gerechtigkeit im Nahen Osten“ [einberufen v. Ökumenische Rat der Kirchen / ÖRK (auch: Weltkirchenrat; engl. World Council of Churches / WCC), http://www.ekir.de/ekir/ekir_45206.php] beschlossen."

www.idea.de (22.06.07, Ökumene-Konferenz ruft zum Teil-Boykott Israels auf)

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"Wer gegen islamischen Fundamentalismus mit allen Mitteln des Rechtsstaates vorgehen will, muss das auch gegen christlichen Fundamentalismus tun."

Jennifer
Becke (30.10.2006, Sprecherin der Jusos, Gießen. Jungsozialistinnen und Jungsozialisten in der SPD,
Jusos protestieren gegen christliche Bekenntnisschule, www.idea.de)

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"In der Zeitung [Schülermagazin "Q-rage", gefördert von der Bundeszentrale für politische Bildung] finden sich interessante Informationen, wie islamische und evangelikale Gruppen, die wichtige Freiheitsrechte in Frage stellen, Jugendliche umwerben."

Thomas Krüger (17.12.2008, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung [SPD], Evangelischer Theologe, Begleitbrief zum Schülermagazin "Q-rage", Auflage: 1 Million Exemplare an 20.000 Schulen, Bundeszentralen-Chef vergleicht Evangelikale mit Islamisten, DIE WELT, www.welt.de)

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Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb


 

"Man muss nicht Christ, Zeuge Jehovas oder Moslem sein, um Mitgefühl für eine löbliche Eigenschaft zu halten und Armut für ein zu bekämpfendes Übel, aber man muss ganz bestimmt Fundamentalist sein, um die Burka für Frauen zu fordern, seinen Kindern Blutkonserven zu verweigern oder Abtreibungsärzte zu erschießen."

PD Dr. theol. Gesche Linde (1. Juli 2005, Ev. Theologin, Goethe-Universität Frankfurt am Main, Christlicher Fundamentalismus in Downing Street No. 10?; in: Stefan Alkier / Hermann Deuser / Gesche Linde (Hg.), Religiöser Fundamentalismus. Analysen und Kritiken, Tübingen: Francke, 2005, S. 83)

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"Er war der prominenteste Abtreibungsarzt der USA. Jetzt wurde George Tiller, von Feinden "Massenmörder" genannt, in Kansas erschossen. Der mutmaßliche Todesschütze: ein militanter Abtreibungsgegner. Die Tat zeigt, dass der tot geglaubte Kulturkampf um die Abtreibung in Amerika immer noch läuft. [...]

George Tiller ist der vierte Abtreibungsarzt, der seit 1993 in den USA ermordet wurde. Es war das erste geglückte Attentat seit 1998, als Barnett Slepian in Buffalo in seinem Haus erschossen wurde. Der Krieg zwischen den Heeren von „Pro Choice“ und „Pro Life“, den Abtreibungsbefürwortern und den Gegnern, schien in den Jahren der Bush-Regierung erkaltet, wenn auch nie beendet. [...]

Scott P. Roeder (51) hatte ein gutes Gewissen, als er schoss. Er war einem Todesengel gleich gekommen, dem „Massenmörder“ in den Arm zu fallen, „dem Mengele unserer Tage in seinem Todeslager“. Der Kreuzzügler war gekommen, all die Ungeborenen zu rächen, die „Tiller the baby killer“ in seiner Abtreibungsklinik getötet hatte. Er hatte den Mord hundertfach erträumt und angekündigt, er wusste, dass das Auge des Herrn wohlgefällig auf ihm ruhte.

Roeder betrieb amerikanischen Dschihad. Auge um Auge, alttestamentarisch, der Scharfrichter Gottes.

Als ihn Polizisten drei Stunden nach der Tat auf der Autobahn in Kansas stoppten, ließ sich Roeder willig festnehmen. Auf seinem blauen 1993er Ford Taurus klebten die rote Rose der Abtreibungsgegner und das christliche Fischsymbol mit dem Wort „Jesus“."

DIE WELT (1. Juni 2009, Abtreibungsarzt ermordet, Dr. Tiller, Opfer eines amerikanischen Kulturkampfs, www.welt.de)

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"In Louisville (US-Staat Kentucky) hat ein Pfarrer seine Gemeinde eingeladen, bewaffnet zum Gottesdienst zu kommen. Damit will sich Ken Pagado nach US-Medienberichten vom Donnerstag (Ortszeit) für das Recht zum Tragen von Waffen einsetzen und den "verantwortungsvollen Umgang" mit ihnen fördern.

Vorbehalte gegenüber Waffen seien eine "ungesunde Paranoia", begründete der Geistliche seine Einladung zu einer "Open Carry Celebration" am 27. Juni - einem Gottesdienst, bei dem Waffen offen getragen werden können. [...]

"Jesus würde übel werden", sagte Pfarrerin Nancy Jo Kemper dem "Courier-Journal". "Selbst wenn ich kein Problem mit dem offenen Tragen von Waffen oder den entsprechenden Rechten hätte, ist es doch eine völlig andere Sache, diese Rechte mit Jesus Christus in Verbindung zu bringen", meint Pfarrer Jerry Cappel."

Frankfurter Rundschau (05.06.2009, US-Gottesdienst. Mit der Waffe vor dem Herrn, www.fr-online.de)

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"Christlicher Fundamentalismus ist nicht besser als islamischer." [...]

"Das Problem ... ist, dass die Religion – obwohl ihre Freiheit im Grundgesetz geschützt ist – durchaus zum Problem für den freiheitlichen Staat werden kann. Schon für die Vergangenheit, gerade auch für die christliche, galt der Doppelsatz: Nie kann die Freiheit die Religion beschädigen, sehr wohl aber die Religion die Freiheit.
Nun sehen wir: Dieser Satz kann auch für die Zukunft gelten – auch hier nicht nur für islamischen, sondern durchaus auch für christlichen Fundamentalismus.

Zählt man etwa die Attentate und Gewaltakte, die in den USA aus christlich deklarierter Motivation in den letzten ein, zwei Jahrzehnten verübt worden sind (nicht nur gegen Abtreibungskliniken und -ärzte), so kann man durchaus zu dem Ergebnis kommen, dass dieser religiöse Terrorismus es in der Summe mit dem 9/11-Anschlag
[http://de.wikipedia.org/wiki/9/11] aufnehmen kann."

Prof. Dr. h.c. Robert Leicht (17.09.2007, 1997 bis 2003 Ratsmitglied der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präsident der Evangelischen Akademie zu Berlin, Christlicher Fundamentalismus ist nicht besser als islamischer, Der Tagesspiegel)

Diskussion


"Der ehemalige Chefredakteur der ZEIT und Präsident der Evangelischen Akademie zu Berlin [Prof. Dr. h.c. Robert Leicht] schrieb für den Berliner Tagesspiegel einen Diskussion, in dem er den islamischen Fundamentalismus mit dem christlichen verglich."
[siehe Auszug oben - gesamter Text:
http://www.tagesspiegel.de/meinung/Diskussione-Integration;art141,2380944]
[...]

"Leicht nennt keine Fälle (bis auf die Gewaltakte gegen Abtreibungsärzte) und keine Zahlen, und deswegen müssen wir uns auf sein Wort verlassen. Ein ehemaliges Ratsmitglied der EKD
[EKD - Evangelischen Kirche in Deutschland] lügt nicht.

“In der Summe” kann es also der christlich-religiöse Terrorismus mit dem islamischen aufnehmen. Das entspricht auch unserer Alltagserfahrung.

Die Fatwah gegen Eugen Drewermann, die vom Ayatollah Ratzinger verhängt und nie zurückgenommen wurde; die Geiselnahmen unschuldiger Pilger und Touristen durch christliche Terroristen, die ihre Opfer erst mit Weihwasser foltern, bevor sie ihnen die Kehlen durchschneiden; die Selbstmordattentate vor Striptease-Lokalen, bei denen die Täter “Im Namen Jesu, des Allmächtigen!” rufen, bevor sie die Leine ziehen. “In der Summe” kommt da was zusammen."

Henryk M. Broder (18.09.2007, Journalist, Die Freiheit des Robert Leicht)

Diskussion


"Im September hatte der Präsident der Evangelischen Akademie zu Berlin, Robert Leicht, in der Tageszeitung „Tagesspiegel“ (Berlin) [siehe oben] einen Vergleich zwischen Toten durch islamisch-extremistisch motivierte Terrorakte und Opferzahlen von Gewalttaten des christlichen Fundamentalismus gezogen." [...]
"Zumindest im Blick auf Abtreibungsgegner sei dieser Vergleich unzutreffend, so das Institut für Religionsfreiheit.
Juristisch dokumentiert seien sieben Morde an Abtreibungsbefürwortern in den Jahren 1993 bis 1998. Die Vorfälle hätten sich ausschließlich in den USA ereignet, und die Täter seien zwar religiös motiviert gewesen, hätten aber keiner bedeutenden Lebensrechtsorganisation angehört. Ein Mörder habe vermutlich eine Verbindung zum Klu-Klux-Klan gehabt.

Niemals habe eine fundamentalistisch geprägte oder evangelikale Kirche Gewalt gegen Abtreibungsärzte oder –kliniken befürwortet oder sich hinter einen der Täter gestellt. Dies sei auch niemals von einer Pro-Abtreibungsorganisation behauptet worden.

Nach Ansicht des Institutsdirektors, Prof. Thomas Schirrmacher (Bonn), können Evangelikale erwarten, nicht wegen einiger weniger, teils ungeklärter Fälle vor zehn Jahren und in einem einzigen Land weltweit in „Sippenhaft“ genommen zu werden.

Schirrmacher [
http://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Schirrmacher] zog eine Parallele zu Verbrechen von muslimischen Extremisten. Wenn ein kleiner Prozentsatz Mord und Totschlag in aller Welt verübe und ein weiterer kleiner Prozentsatz dies begrüße, würden Politiker und Kirchenführer nicht müde, davor zu warnen, alle Muslime in einen Topf zu werfen. Eine ähnliche Fairness müsse es auch gegenüber den 420 Millionen Evangelikalen weltweit geben."

idea / Prof. Dr. mult. Thomas Schirrmacher
(20.10.07, Christliche Fundamentalisten sind keine Mörder, www.idea.de)

Diskussion


"Die Kirchen begeben sich in eine bedenkliche Kooperation mit dem Staat, etwa dort, wo es um die Eliminierung unerwünschter Fundamentalismen oder Sekten geht.

Kürzlich habe ich gelesen, dass ein französischer EU-Parlamentarier einen Gesetzentwurf eingebracht hat, der den Kreationismus, also die Behauptung, dass die Welt vor 6000 Jahren erschaffen und der Mensch aus Erde gemacht wurde, unter Strafe stellen will. [The dangers of creationism in education (Gefahren des Kreationismus im Bildungswesen) Resolution 1580 (2007)
http://assembly.coe.int/Main.asp?link=/Documents/AdoptedText/ta07/ERES1580.htm]

Da müssen bei uns die Alarmglocken schrillen. Es gibt auch einen – falschen – Totalitätsanspruch der Wissenschaft, etwa gegenüber der Homöopathie.
Dieser französische Abgeordnete behauptet, dass der Kreationismus [lat. creare „erschaffen“, Schöpfungsglauben] dadurch, dass er wissenschaftsfeindlich ist, notwendigerweise demokratiefeindlich sei und deshalb verboten werden müsse.
Die Kirchen müssten hier misstrauisch werden. Wir müssen sehr darauf aufpassen, dass auch Leute, die Unsinn reden, ohne Strafe dies tun dürfen."

Prof. Dr. Robert Spaemann (08.07.2007, Philosoph, Der Tagesspiegel, Es sind die Gläubigen, die die Vernunft verteidigen.)

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Quelle: Spektrum der Wissenschaft, Dossier 3/2005, http://www.spektrum.de


 

"Gefährlicher Glaube" [DIE ZEIT]

"Die einzige „passionierte“ Antwort auf die fundamentalistische Passion scheint ein aggressiver Säkularismus zu sein, so wie in Frankreich.

Dort hat die Regierung das Tragen auffälliger religiöser Kleidungsstücke in Schulen verboten, nicht nur des Kopftuches, sondern auch der jüdischen Kopfbedeckung und großer christlicher Kreuze."


DIE ZEIT
(11.03.2004, Gefährlicher Glaube. Die westliche Toleranz verfehlt das Wesen der Religion, Die Zeit Nr.12)

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"Belgien steht vor einem neuen Streit um die Trennung von Staat und Kirche. Laut einem Gesetzentwurf sollen religiöse Symbole aus öffentlichen Einrichtungen verbannt werden.

Kreuze sollen auf Friedhöfen an zentraler Stelle oder im Eingang, beispielsweise als Gedenkkreuz oder Friedhofssymbol, verboten werden. Nur Kreuze auf individuellen Gräbern sollen noch zulässig sein. [...]

Es ist völlig offen, wie das Parlament abstimmen wird."

DIE WELT (14. Dezember 2009, Belgien. Brüsseler Gesetzentwurf will religiöse Symbole verbannen, www.welt.de)

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"Freuen Sie sich mit mir, dass man in manchen Alpendörfern tatsächlich damit beginnt, Gipfelkreuze von den Bergen zu holen. Die haben lange genug die religiösen Gefühle von Muslimen verunglimpft. Schließlich gehören die Berge doch allen.

Es kommt endlich etwas in Bewegung im Abendland. Nach so vielen Jahren aggressiver Meinungsfreiheit wird Einhalt geboten, einfach alles zu sagen und zu schreiben, was man denkt. Das war ein Irrweg voller gefährlicher Provokationen."

Dr. Wolfram Weimer (April 2008, Chefredakteur Cicero, 1990 - 1994 Redakteur FAZ, 2000 - 2002 Chefredakteur Die Welt, Cicero-Kolumne: Das Kreuz mit dem "t", www.cicero.de)

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"Auf dem Landesparteitag der Grünen in Augsburg hat die Mehrheit der Delegierten dafür gestimmt, alle religiösen Symbole aus Schulzimmern des Bundeslandes zu verbannen. Der Entschluss der Grünen entfachte einen "neuen Kruzifix-Streit in Bayern", heißt es in der Online-Ausgabe der "Bild"-Zeitung. […]
Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) kritisierte den Grünen-Beschluss scharf: "Christliche Symbole gehören zu unserer Kultur und unseren Werten. Die Gleichsetzung von Kruzifix und Kopftuch ist geradezu absurd." …

Den ersten Kruzifix-Streit gab es in Bayern im Mai 1995. Damals gab das Bundesverfassungsgericht Beschwerden von Schülern und deren Eltern über Kreuze in Volksschulen Recht. Teile der Bayerischen Volksschulordnung, die das Anbringen von Kreuzen vorschrieben, wurden für verfassungswidrig und nichtig erklärt. Die Staatsregierung sorgte durch eine Gesetzesergänzung dafür, dass die Schul-Kruzifixe aufgrund der "geschichtlichen und kulturellen Prägung Bayerns" angebracht werden dürfen, was auch vor Gericht Bestand hatte."

PRO (9.06.08, Grüne gegen Kruzifixe in Schulzimmern, www.pro-medienmagazin.de)

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"Kruzifix im Klassenraum verletzt Menschenrechte"

"Italien hat vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte eine Niederlage erlitten. Die Richter erklärten, das obligatorische Anbringen von Kruzifixen in Schulräumen verstoße gegen die Menschenrechtskonvention. Die Religionsfreiheit werde verletzt. [...]

Die Richter in Straßburg ... erklärten, die Kruzifixe seien eindeutig ein religiöses Symbol. Dies könne für Kinder, die anderen oder keiner Religion angehörten, verstörend wirken."

DIE WELT (3. November 2009, Italien. Kruzifix im Klassenraum verletzt Menschenrechte, www.welt.de)

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"Das Verbot, sich leidenschaftlich zu seinem Glauben zu bekennen, erklärt, warum „Kultur“ zu einer zentralen lebensweltlichen Kategorie geworden ist.

Religion ist erlaubt – aber nicht als eine substanzielle Lebensweise, sondern als „Kultur“ und Lifestyle-Phänomen.

Was sie legitimiert, ist nicht ihr innerer Wahrheitsanspruch, sondern die Art, wie sie uns den Ausdruck innerster Gefühle erlaubt. Wir müssen nicht mehr „wirklich gläubig sein“, solange wir bloß (einige) religiöse Rituale und Sitten befolgen. Sogar die Religionen selbst, von der New-Age-Spiritualität bis zum Hedonismus des Dalai Lama, bedienen inzwischen den postmodernen Vergnügungshunger,  die Religion als „Kultur“.

Vielleicht ist „Kultur“ der Name für all jene Dinge, die wir praktizieren, ohne wirklich an sie zu glauben, ohne sie „ernst zu nehmen“.

Ist das nicht auch der Grund dafür, warum wir fundamentalistische Gläubige als kulturfeindliche „Barbaren“ abtun – nur deshalb, weil sie es wagen, ihre Überzeugungen ernst zu nehmen?" […]

"Wir kennen eine Reihe von Produkten, deren schädigende Eigenschaft neutralisiert wurde: Kaffee ohne Koffein, Sahne ohne Fett, Bier ohne Alkohol. Die Liste ließe sich fortsetzen" […]

"Auch die liberale und tolerante Einstellung gegenüber anderen Menschen gehört in dieses Bild, die Forderung nach Offenheit gegenüber seinem Anderssein bei gleichzeitig obsessiver Angst vor Belästigung: Der andere ist einem recht, solange er nicht wirklich anders ist."


DIE ZEIT
(11.03.2004, Gefährlicher Glaube. Die westliche Toleranz verfehlt das Wesen der Religion, Die Zeit Nr.12)

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"Das historische Thema „Kulturprotestantismus“ ist wieder Gegenstand heftiger Kontroversen geworden.

Wurde der Kulturprotestantismus von der Wort-Gottes-Theologie
[vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Barth] noch als Kapitulation der Theologie vor der Moderne abqualifiziert, so wird er heute vielfach als wegweisende Öffnung des Protestantismus angesichts der neuzeitlichen Kultur verstanden."

Prof. Dr. Traugott Jähnichen (2000, Theologe, Ruhr-Universität Bochum, Kulturprotestantismus – Bedeutung und Problematik eines klassischen Konzepts neuzeitlicher Theologie)

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"Glaubt, was ihr für glaubwürdig und wahr haltet, aber bleibt kritisch."

Pfarrer Friedrich Schorlemmer (25.04.2004, Speyerer Protokolle: Der Protestantismus als Kritik und Gestaltung, Symposium und Gottesdienst zum 475-jährigen Protestationsjubiläum, 24./25. April 2004 Speyer, hg.v. Ev. Akademie der Pfalz)

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"Eine Vorstellung ist wahr, solange es für unser Leben nützlich ist, sie zu glauben."

William James (1898, Pragmatist, Psychologe u. Philosoph,
http://de.wikipedia.org/wiki/William_James)

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"Wo Gottes Wort nicht mehr das Fundament ist, setzen sich Pragmatismus [vgl. W. James 1898, siehe oben] und Säkularisierung [mlat. saecularis = weltlich] durch."

Prof. Dr. theol. Eta Linnemann (22. Januar, 2002,
www.kath.net, kath.net/idea)

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"Anything goes, man kann glauben, was man will, und die Wahrheit ist nur das, was die Einzelnen dafür halten". ... "Eine derartige Gleichgültigkeit gegenüber der Wahrheitsfrage löst das Christentum auf."

Dr. Andreas Rössler (26.7.2001, Theologe, Undogmatisches Christentum: ein Ideal im Konflikt mit der Wirklichkeit, IARF-Tagung in der Evangelischen Akademie Bad Boll)

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"Gott lässt sich nicht säkularisieren
[mlat. saecularis = weltlich]" […]

"Deshalb ist es ein Trugschluss, wenn die Kirche selbst auf die Säkularisierung der ihr anvertrauten Glaubensgehalte mit einer Selbstsäkularisierung antwortet, statt unter der Asche der Säkularisierung die Glut der ursprünglichen Glaubensmotive freizulegen."

Dr. Wolfgang Huber (04. April 2006, 2003 - 2009 Ratsvorsitzender der
Evangelischen Kirche in Deutschland, Kirche der Reformation am Beginn des 21. Jahrhunderts - Eine Ortsbestimmung", Vortrag zum 450jährigen Reformationsjubiläums in Baden)

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"Gerne würde ich dieses Gottvertrauen auch an meine Kinder weitergeben. Geht aber nicht mehr, mein Kinderglaube ist weg, zu einem Erwachsenenglauben habe ich nie gefunden, für den Atheismus hat's aber auch nicht gereicht."

Christian Nürnberger
(3. November 2003, Journalist, 34. Rhein. Pfarrerinnen- und Pfarrertag Bonn)

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"Über lange Zeit haben wir es weithin akzeptiert, dass Glaubensfragen aus der Öffentlichkeit verdrängt wurden. Wir haben die öffentliche Unentbehrlichkeit unserer Kirche lieber mit anderen Themen unter Beweis gestellt als mit dem Bekenntnis zu Christus und dem unverschämten Zutrauen zum Heiligen Geist.

Wir haben dem Salz seine Kraft genommen. Nun wird wieder neu gefragt: Warum wurde Jesus gekreuzigt? Was ist der Heilige Geist? Warum bekennen wir Christen uns zu einem dreieinigen Gott? Jetzt müssen wir wieder zu dem Besonderen unseres Glaubens stehen. Jetzt geht es wieder um das Salz der Erde."


Bischof Dr.
Wolfgang Huber
(28. Mai 2007, 2003 - 2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, Predigt zum Bayerischen Kirchentag auf dem Hesselberg)

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"Das Wort Gottes wird das vornehmste Mittel sein, das die Kirche braucht, um in einen besseren Stand zu kommen."

Pfarrer Philipp Jakob Spener (1675, lutherischer Theologe u. Vertreter des Pietismus, Pia Desideria, Ausgabe 1964, S. 58, http://de.wikipedia.org/wiki/Philipp_Jacob_Spener)

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Peter Hahne, Publizist , ZDF-Programmdirektion

 


"Ich sehe den Hilfeschrei der jungen Generation und der Politiker, die in all ihrer Ratlosigkeit nach Fundamenten suchen. Dem neuen Papst schließe ich mich an, wenn er gegen die „Diktatur des Relativismus“ angeht. Das ist kein Fundamentalismus. So ein Vorwurf trifft auf den Islamismus zu, der mit Hasspredigern auftritt und Gewalttaten ausübt.

Die noch viel größere Gefahr sehe ich im atheistischen Fundamentalismus. Der geht nämlich davon aus, dass jeder seine eigenen Wahrheiten postuliert. Ganz aktuell sieht man das hier in Berlin, wenn der Senat den Religionsunterricht abschafft. Auf so eine Idee kämen selbst die politisch Linken in Niedersachsen oder Bayern nicht." [...]

"Heute wird alles, was auf Werte bezogen wird, unter Fundamentalismusverdacht gestellt. Das kann ja wohl nicht wahr sein. Ich bin Realist, kein Fundamentalist."

Peter Hahne
(14.05.2005, Theologe, 1992 - 2009 Ratsmitglied der EKD (Evangelische Kirche in Deutschland), ZDF-Programmdirektion, Neue Osnabrücker Zeitung)

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"Diffamierungskampagnen werden sich kaum gegen alle bibeltreuen Christen und Gemeinschaften gleichzeitig richten; vielmehr werden sie sich (zunächst) nur gegen solche richten, die die gegenwärtige geistliche und politische Situation am Klarsten erkennen und am deutlichsten nach außen artikulieren."

"Der Sinn dieser Vorgehensweise liegt zum Einen darin, in der Öffentlichkeit nicht den Eindruck aufkommen zu lassen, es finde so etwas wie eine Christenverfolgung statt. Zum Anderen sollen auf diese Weise die Gemäßigten unter den Bibeltreuen veranlasst werden, sich von den Radikaleren zu distanzieren.

Auf diese Weise soll eine Spaltung des bibeltreuen Lagers und eine Isolierung der engagiertesten Bekenner herbeigeführt werden. Schon jetzt gibt es deutliche Anhaltspunkte, dass diese Rechnung zumindest vorläufig aufgehen wird."

Thomas Zimmermanns (17. Februar 2005, Jurist, Christen unter Druck)

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"Als einziges unter all den Lastern ist die Feigheit ausschließlich schmerzhaft - sie ist entsetzlich, wenn man sie kommen sieht, entsetzlich, wenn man sie empfindet, und entsetzlich, wenn man sich ihrer erinnert."

Prof. Dr. theol. h.c., Dr. h.c. Clive Staples Lewis (1898-1963, britischer Schriftsteller und Literatur-wissenschaftler)

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Clive Staples Lewis, 1960, britischer Schriftsteller und Literaturwissenschaftler


 

»Appell aus Baden«

"Die Christen haben zwar Zwangschristianisierungen, Kreuzzüge, Hexen- und Ketzerverbrennungen inzwischen überwunden. Aber fundamentalistische Strömungen sind nach wie vor bereit, im Namen Gottes Absolutheits- und Dominanzansprüche zu erheben" [...]

Heinz Zahrnt hat "bereits 1980 zum »Dialog zwischen den Weltreligionen« aus neuen Zusammenhängen neue Schlüsse gezogen. „Angesichts der entstehenden einen Welt, des Zusammenwachsens der Völker zur einer Menschheit, verlangt er (im Piper-Bändchen: »Aufklärung durch Religion«) »von allen Weltreligionen, auch vom Christentum die Bewahrheitung ihrer Botschaft im Hinblick auf eine künftige Weltgesellschaft.

Daher geht die Christenheit unserer Tage ... auf eine größere Ökumene als bisher zu: auf die Ökumene der Religionen."

»Appell aus Baden« (Mai 2006, Vorwort v. Bischof Dr. Ulrich Fischer - Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Baden, Hans-Joachim Girock, Dr. Gerhard Liedke u. Prof. Dr. Gottfried Gerner-Wolfhard, Baden-Baden, epd Dokumentation 26/2006, http://www.ekiba.de/images/Was-jetzt-dringlich-ist.pdf)

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"Die Christenheit hat nicht den Auftrag, das jüdische Nein zum Messias Jesus aufzubrechen. Im Gegenteil!"

Präses Dr. h.c. Nikolaus Schneider (17. September 2009, Theologe, 2010 - 2014 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland - EKD, Präses [vgl. Kirchenpräsident bzw. Landesbischof] der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR), Rabbiner-Brandt-Vorlesung in der Evangelischen St. Mariengemeinde in Dortmund, Pressemitteilung Nr. 147/2009, www.ekd.de)

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"Nicht der hat Religion, der an eine heilige Schrift glaubt, sondern der, welcher keiner bedarf und wohl selbst eine machen könnte."

Prof. Friedrich Schleiermacher  (1799, Theologe, Klassiker neuzeitlicher Religionstheorie, "Über die Religion. Reden an die Gebildeten unter ihren Verächtern")

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"Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne."

Immanuel Kant (1788, Philosoph, Kritik der praktischen Vernunft: § 7 Grundgesetz der reinen praktischen Vernunft, S. 54)

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"Immer mehr zu werden, was ich bin, das ist mein einziger Wille."


Friedrich Schleiermacher (1800, Theologe, Monologe)

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"Ich glaube an die unendliche Menschheit, die da war, ehe sie die Hülle der Männlichkeit und der Weiblichkeit annahm."

Friedrich Schleiermacher (1800, Theologe, Idee zu einem Katechismus der Vernunft für edle Frauen)

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"Gott war mein erster Gedanke,

die Vernunft mein zweiter,
der Mensch mein dritter und letzter Gedanke."

Dr. Ludwig Feuerbach (1841, Philosoph, Das Wesen des Christentums)

[Ludwig Feuerbach: "In Ansbach machte Ludwig 1822 sein Abitur. Während seiner Schulzeit hatte ihn das Studium der Bibel fasziniert. Er hatte sich deshalb auch besonders stark den alten Sprachen Griechisch, Latein und Hebräisch gewidmet und plante Theologie zu studieren. Er begann dieses Studium auch 1823 in Heidelberg." (Helmut Steuerwald, 27. Mai 2004)
Feuerbach "studierte seit 1823 in Heidelberg evangelische Theologie bei Karl Daub, der ihn für die Philosophie Georg Wilhelm Friedrich Hegels gewann, und 1824-26 in Berlin, um Hegel zu hören. 1825 ging er von der Theologie zur Philosophie über, promovierte 1828 und habilitierte sich im gleichen Jahr in Erlangen."
(http://www.bautz.de/bbkl/f/feuerbach_l.shtml]

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"und wünsche nur, dass ich die... Aufgabe nicht verfehlt habe, ...

Sie aus Gottesfreunden zu Menschenfreunden,
aus Gläubigen zu Denkern,
aus Betern zu Arbeitern,
aus Kandidaten des Jenseits zu Studenten des Diesseits,
aus Christen, welche ihrem eigenen Bekenntnis und Geständnis zufolge‚ halb Tier, halb Engel’ sind,
zu Menschen, zu ganzen Menschen zu machen."


Dr. Ludwig Feuerbach (1848, Philosoph, Vorlesungen über das Wesen der Religion)

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"Der Mensch ist der Anfang der Religion, der Mensch der Mittelpunkt der Religion, der Mensch das Ende der Religion."

Dr. Ludwig Feuerbach (1841, Philosoph, Das Wesen des Christentums)

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"Der Mensch soll das Christentum aufgeben, dann erst wird er Mensch."


Dr. Ludwig Feuerbach (1804-1872, Philosoph)

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"Der Mensch schuf Gott nach seinem Bilde."

[Projektionstheorie Feuerbachs: Gott als Projektion des menschlichen Wesens.]

Dr. Ludwig Feuerbach (1804-1872, Philosoph, Projektionstheorie)

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"Die Kritik der Religion endet mit der Lehre, dass der Mensch das höchste Wesen für den Menschen sei"

Dr. Karl Marx (1844, Philosoph u. Theoretiker des Sozialismus und Kommunismus, Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Einleitung, MEW 1, 385,
http://de.wikisource.org/wiki/Zur_Kritik_der_Hegelschen_Rechtsphilosophie._Einleitung)

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"Am Ende steht der Mensch, der Gott für tot und die Wahrheit für abgeschafft erklärt hat, am Abgrund der Absurdität, zur Maschine degeneriert, funktioniere diese nun mechanisch oder biologisch."

Hans-Joerg Naumer (17. Dez. 2002, Die Kulturkritik der besonderen Art)

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Dr. h.c. mult. Francis A. Schaeffer (s.unten)

 


"Der moderne Mensch und die moderne Theologie gelangten durch ihren Versuch, allein vom Menschen auszugehen, an denselben Punkt wie der brillante deutsche Philosoph Friedrich Nietzsche (1844—1900. In den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts behauptete er als erster im »modernen« Sinne, dass Gott tot sei, und er hatte sehr wohl verstanden, wo es die Menschen hinbringt, wenn sie dies sagen. Wenn Gott tot ist, dann ist alles tot, für das Gott eine Antwort bedeutet oder dem Gott einen Sinn gibt." […]

"Ohne den unendlich-persönlichen Gott kann der Mensch - Nietzsche weist darauf hin - nur noch »Systeme« konstruieren." […]

"Der Mensch kann irgendein Gebäude errichten, irgendeinen Rahmen abstecken, in welchem er lebt, sich völlig abkapselt und nicht darüber hinausschaut. Darunter kann man vieles verstehen.
Es kann vornehm und edel klingen, indem man zum Beispiel idealistisch davon redet, das Beste für alle zu wollen.

Oder ein Wissenschaftler mag sich auf irgendein kleines Problem konzentrieren, damit er nicht an eine der großen Fragen denken muss … Oder es kann ebenso gut ein theologisches Spiel mit Wörtern innerhalb des Rahmens der existentialistischen Methodologie sein.

Zu diesem Punkt also kam der auf sich selbst bauende Mensch, und an diesem Punkt befindet er sich immer noch." [...]

"Paul Tillich (1886-1965) ... war einer der herausragenden neo-orthodoxen Theologen. Ein Student berichtete mir, dass Tillich, als er in Santa Barbara, Kalifornien, kurz vor seinem Tod gefragt wurde, ob er bete, geantwortet hat: »Nein, aber ich meditiere.«

Ihm blieb lediglich die Vokabel Gott, ohne die Gewissheit, ob es mehr gibt als nur diese Vokabel, oder ob dieses Wort mehr beinhaltet als nur den pantheistischen Pan-all-ismus. [Pantheismus (griechisch pan = „alles, ganz“; theós = „Gott“) bedeutet, die Gottheit bzw. „das Göttliche“ in allen Erscheinungen der Welt zu sehen (Allgottglaube). Dies kann sich entweder in der Ansicht ausdrücken, dass alles in der Welt „von Gott erfüllt“ ist (schwacher Pantheismus) oder in der Ansicht, dass das Universum gleichbedeutend mit Gott sei (starker Pantheismus). Anhänger des starken Pantheismus glauben an keinen persönlichen oder personifizierten Gott; sie sehen die ganze Welt vom Makro- bis zum Mikrokosmos als „göttlich“ an. Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Pantheistisch]

Die »Gott-ist-tot-Theologie«, die auf Tillich folgte, schloss folgerichtig, dass, wenn uns lediglich die Vokabel Gott bleibt, es keinen Grund gibt, weshalb wir nicht dieses Wort selbst durchstreichen sollten.

Für viele liberale Theologen (selbst wenn sie nicht behaupten, Gott sei tot) sind gewisse andere Dinge tot. Da sie die Tatsache ablehnen, dass Gott in der Bibel und durch die Offenbarung in Jesus Christus dem Menschen Wahrheiten mitgeteilt hat, die in klaren Sätzen ausgedrückt werden können, ist der Inhalt des Begriffes »Gott« tot und jegliches Wissen um die Existenz eines persönlichen Gottes ebenfalls.

Man hat damit nur noch religiöse Begriffe ohne Inhalt und die Gefühle, die durch gewisse religiöse Wörter hervorgerufen werden. Das ist alles."

Dr. theol. h.c, Dr. h.c., Dr. h.c. Francis A. Schaeffer (1983, Theologe, Wie können wir denn leben? 3. Aufl. Hänssler 1991, S. 176, 178-179)

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"Was meinen wir heute, wenn wir Gott sagen? Ist er unsere Idee, oder sind wir die seine?"

Prof. Dr. Robert Spaemann (September 2007, Philosoph, Das unsterbliche Gerücht. Die Frage nach Gott und die Täuschungen der Moderne.)

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"Ohne ein Vorverständnis dessen, was das heißt: »Gott«, besagt die Rede, Jesus sei Gott, Sohn Gottes, Zeuge Gottes, Stellvertreter Gottes, gar nichts. Und wenn Jesus Stellvertreter eines gestorbenen Gottes sein soll, dann kann das nur heißen: Stellvertreter eines nie gewesenen Gottes.

Es sei denn, wir verstünden Gott mit einigen Theologen als »Sprachereignis«, als die in religiöser Rede geschehende Selbsttranszendenz des Menschen." [...] "Gott als offene Zukunft des Menschen, Gott als Sinn seines Daseins, das wird zur schönen, aber leeren Formel"

Prof. Dr. Robert Spaemann (Januar 1969, Philosoph, Was ist das eigentlich – Gott? Band 119 - Die Bücher der Neunzehn)

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"Wie aber können Sie zu einem bloßen Symbol beten?"

Prof. Dr. Gerd Lüdemann
(8. Mai 1998, Theologe, Georg-August-Universität Göttingen,Unter den Dächern von Göttingen, DS - DEUTSCHES ALLGEMEINES SONNTAGSBLATT, 8. Mai 1998 Nr. 19/1998)

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"Der (spät)moderne Experte übt das Amt eines Priesters aus, der die Menschen mit symbolisch besetzten „Antworten“ auf das Rätsel ihres Daseins speist (vgl. hierzu: J. Hoff: Spiritualität und Sprachverlust, Paderborn u.a. 1999).

Das religiöse Zersetzungspotential derartiger „Expertenreligionen“ ist weniger offenkundig als im Falle des klassischen Atheismus."

Dr. Johannes Hoff (15.07.2004, Theologe, Das Verschwinden des Körpers. Eine Kritik an der „Wut des Verstehens“ in der Liturgie, Tübingen)

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"Man kann Begriffe wie Tod, Sterben und Auferstehung auch im übertragenen Sinne brauchen. Wichtig ist: Bei Tod und Leben handelt es sich nicht um Symbole, sondern um Realität. Jesus wurde mit seinem Leib gekreuzigt und ist in seinem Leib gestorben und begraben worden. Wenn der Tod den Leib nimmt, muss die Auferstehung ebenso konkret sein.
Das Schwierige an der Auseinandersetzung ist: Während die frühere liberale Theologie die Auferstehung grundsätzlich bestritt, reden moderne Theologen von Auferstehung, verstehen sie aber bloß symbolisch." [...]

"Wo die leibliche Auferstehung geleugnet wird, wird auch das Königtum von Jesus, seine Himmelfahrt, seine leibliche Wiederkunft und sein Sühnetod geleugnet. Jesu Tod wird dann nur als Märtyrertod verstanden. Dazu ist zu sagen: Der Tod muss dort besiegt werden, wo er zugeschlagen hat, und er hat am Körper Jesu zugeschlagen.

Man kann nicht einem körperlichen Geschehen ein rein symbolisches Geschehen entgegensetzen. Wenn Jesus nur symbolisch auferstanden wäre, gäbe es für uns keine Auferstehungshoffnung."


Prof. Dr. Johannes Heinrich Schmid (10.04.2004, Theologe, idea/Livenet)

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"Man kann nicht jede beliebige religiöse Meinung damit retten, sie sei zwar nicht wortwörtlich, aber doch noch symbolisch wahr." […] "Eine derartige Gleichgültigkeit gegenüber der Wahrheitsfrage löst das Christentum auf."

Pfarrer Dr. Andreas Rössler (26.7.2001, Theologe, Undogmatisches Christentum: ein Ideal im Konflikt mit der Wirklichkeit, IARF-Tagung in der Evangelischen Akademie Bad Boll)

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"
Im ... eben beschriebenen leeren Raum, können die modernen Theologen sich überhaupt nicht mehr vorstellen, dass der Begriffsinhalt, der durch das Wort Gott angedeutet wird, sich auf irgendeine wirkliche und wahre Substanz beziehen könnte.
Alles, was sie haben, ist eine semantische [Bedeutung sprachlicher Zeichen] Antwort auf Grund einer Assoziation [lat. associare; dt. vereinigen, verbinden, verknüpfen, vernetzen] … eben nichts als das philosophische Andere, das unendliche, unpersönliche Alles.

An dieser Stelle aber nähert sich das westliche Denken sehr stark dem des Ostens. Der moderne Theologe hat den einzigartigen unendlich-persönlichen Gott der biblischen Offenbarung und der Reformation verloren.

Die liberale Theologie der derzeitigen Denkwelt hat nur „Gott"-Wörter als Ersatz.

T. H. Huxley hat ... schon 1890 (Science and Hebrew Tradition vol. 4 of Huxley's Collected Essays, Macmillan, London 1902) erklärt ... dass eine Zeit kommen werde, in der die Menschen den Glauben jeglichen Inhaltes entleeren würden und dies ganz besonders in Bezug auf die biblischen Berichte der vorabrahamischen Zeit." […]

"Die modernen Theologen gebrauchen assoziationsreiche Wörter anstelle von definierten Wörtern - Wörter als Symbole … Jesus erweist sich aber hier als ein nicht-definiertes Symbol.
Das Wort wird gebraucht, weil es im Gedächtnis der Menschheit verwurzelt ist. Es ist der Humanismus mit einem religiösen Banner, das den Namen Jesus trägt, welchem aber jeder beliebige Inhalt verliehen werden kann." […]

"Wenn wir meinen, dem Druck der heutigen Auseinandersetzung zu entrinnen, indem wir die kategorischen Aussagen der Schrift abschwächen und lediglich das Wort „Jesus" oder „Erfahrung" über die Linie setzen, dann stehen wir vor dieser Frage: Worin besteht der Unterschied zwischen unserem Tun und dem Vorgehen der säkularen Welt mit ihrem semantischen Mystizismus, oder ... der modernen Theologie?
Zumindest geben wir dem Gedanken Einlass, es sei ein und dasselbe. Ganz gewiss werden in der nächsten Generation Männer sein, die versuchen, alle Unterschiede zu verwischen." […]

"Das eigentliche Wesen des Systems hat zur Folge, dass die Art der ... verwendeten Worte - selbst ein so viel geliebtes Wort wie „Jesus" - ohne Bedeutung ist. … Das Wort wird als inhaltloses Spruchband verwendet, dem unsere Generation nachfolgen soll. Es hat aber keinen rationalen, schriftgemäßen Gehalt mehr, anhand dessen es geprüft werden kann; so wird das Wort gebraucht, um das volle Gegenteil von dem zu lehren, was Jesus lehrte.
Die Menschen werden aufgerufen, dem Wort mit einer hochgespielten Begeisterung zu folgen und dies ganz besonders in der neuen Moral, die hinter der neuen Theologie einherschreitet." […]

"Wir sind damit in die beängstigende Lage gekommen, in der das Wort „Jesus" zum Feind der Person Jesu geworden ist und zum Feind von dem, was Jesus lehrte. Wir müssen das inhaltlose Banner mit dem Wort „Jesus" fürchten, nicht weil wir Jesus nicht lieben, sondern eben weil wir ihn lieben." […]

"Diese sich beschleunigende Tendenz bringt mich zu der Frage, ob Jesus, als Er sagte, dass auf die Endzeit hin andere Christusse auftreten würden, nicht diese Entwicklung im Auge hatte. Wir dürfen niemals vergessen, dass der große Feind, der kommt, der anti-Christ ist. Er ist nicht der anti-Nicht-Christus, er ist der anti-Christus.

Seit einigen Jahren wird das Wort „Jesus", vom Inhalt der Heiligen Schrift losgelöst,
mehr und mehr zum Feind des geschichtlichen Jesus,

des Jesus, der starb und auferstand,
der wiederkommt
und der der ewige Sohn Gottes ist. …

Wenn gläubige Christen in die Zwiespältigkeit abgleiten und die Begegnung mit Jesus vom Inhalt der Schrift (einschließlich des Diskutier- und Prüfbaren) trennen, dann sind wir, wenn auch ohne Absicht, im Begriffe, uns selbst und die nächste Generation in den Mahlstrom des modernen Systems zu werfen. Dieses System umgibt uns als ein fast monolithischer Meinungsblock." […]

"Die Tatsache, dass der Mensch gefallen ist, bedeutet nicht, dass er aufgehört hat, Gottes Bild zu tragen. Er hat nicht aufgehört, ein Mensch zu sein, weil er gefallen ist.

Trotz seines Falles kann er lieben. Es wäre ein großer Irrtum zu sagen, dass nur ein Christ lieben könne. Auch ein nichtchristlicher Maler kann immer noch Schönheit malen. Und weil sie diese Dinge immer noch tun können, offenbaren die Menschen, dass sie Träger des Bildes Gottes sind. Oder, um es anders auszudrücken, sie erweisen damit ihr einzigartiges Menschsein als Menschen.

So ist es wirklich eine wunderbare Tatsache, dass der Mensch, der durch den Sündenfall so verdreht, so verdorben und verloren ist, immer noch ein Mensch bleibt. Er ist weder eine Maschine noch ein Tier, noch eine Pflanze geworden. Die Zeichen des Menschseins sind noch an ihm zu erkennen - Liebe - Verstand - die Frage nach dem Sinn des Lebens - die Furcht vor der Nichtexistenz.

Dies ist selbst dann der Fall, wenn sein nicht-christliches System ihn lehrt, dass diese Dinge gar nicht existieren. Durch diese Züge unterscheidet er sich vom Tier, von der Pflanzenwelt und von der Maschine.

Anderseits, wenn er nur autonom von sich selbst ausgeht, ist es ganz klar, dass er als endliches Wesen niemals irgendeine absolute Antwort erreichen kann. Dies wäre allein schon auf Grund seiner Endlichkeit der Fall, dazu kommt aber, seit dem Sündenfall, die Tatsache seiner Auflehnung. In der Empörung verdreht er das Zeugnis des Bestehenden - das äußere Universum und seine Gestalt und das Menschsein des Menschen.

Auf diesem Hintergrund bezeugt die Bibel in eigenen Worten, was sie selbst ist. Sie stellt sich selbst vor als Gottes Mitteilung der Wahrheit in festen Aussagen, in menschlicher Sprache geschrieben für solche, die nach seinem Bilde geschaffen sind.
Von der Voraussetzung des Gesetzes der Naturkausalität in einem geschlossenen System ausgehend, würden sowohl das weltliche als auch das unbiblische, theologische Denken unserer Zeit sagen, dass solches unmöglich sei. Und trotzdem bleibt das Selbstzeugnis der Bibel das, was es ist." [...]

"Die Bibel sagt zunächst, dass am Anfang alle Dinge von einem persönlich-unendlichen Gott geschaffen wurden, einem Gott, der schon immer existiert hat. Alles, was ist, ist daher dem Wesen nach eher persönlich als unpersönlich.
Ferner erklärt die Bibel, dass Er alle Dinge außerhalb von sich selbst geschaffen hat. … Diese Umschreibung ist nicht in einem räumlichen Sinn zu verstehen, sondern sie dient dazu, die Vorstellung auszuschließen, dass die Schöpfung irgendeine pantheistische [Pantheismus (griechisch pan = „alles, ganz“; theós = „Gott“) bedeutet, die Gottheit bzw. „das Göttliche“ in allen Erscheinungen der Welt zu sehen (Allgottglaube). Dies kann sich entweder in der Ansicht ausdrücken, dass alles in der Welt „von Gott erfüllt“ ist (schwacher Pantheismus) oder in der Ansicht, dass das Universum gleichbedeutend mit Gott sei (starker Pantheismus). Anhänger des starken Pantheismus glauben an keinen persönlichen oder personifizierten Gott; sie sehen die ganze Welt vom Makro- bis zum Mikrokosmos als „göttlich“ an. Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Pantheistisch] Erweiterung von Gottes Wesen sei.

Gott existiert - ein persönlicher Gott, der schon immer existiert hat. … Was er geschaffen hat, besitzt objektive Realität, somit besteht ein wirklicher, geschichtlicher Ablauf von Ursache und Wirkung. Es gibt eine wirkliche Zeit und es gibt ein wirkliches Ich.
In diesen geschichtlichen Rahmen hat Gott - nach dem Wort der Bibel - den Menschen in besonderer Weise, nämlich nach seinem eigenen Bilde geschaffen, hineingestellt." […]

"Wenn wir den wesensmäßig persönlichen Ursprung der Welt verwerfen, welche Alternative bietet sich uns dann an? An dieser Stelle muss ganz deutlich gesagt werden, dass es in diesem Fall keine andere, letzte Antwort gibt als die, dass der Mensch ein Produkt des Unpersönlichen, plus Zeit, plus Zufall ist." […]
"Die Aussage der Bibel aber, dass der Mensch nach dem Bilde eines persönlichen Gottes geschaffen ist, gibt uns einen Ausgangspunkt. … Dies steht im totalen Gegensatz zu anderen Systemen, in denen der Mensch von sich selbst ausgeht."

Dr. theol. h.c, Dr. h.c., Dr. h.c. Francis A. Schaeffer (1970, Theologe,
Preisgabe der Vernunft, Haus der Bibel /Genfer Bibelgesellschaft; Auflage: 7., Aufl. 1985, ISBN 978-2826067016)

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"Es ist jedermanns gutes Recht, sich eine Religion zusammenzubrauen, in der eigene Ideen, Wünsche und Meinungen sowie ein selbst komponiertes Gemisch verschiedenster religiöser Aussagen … eingebracht werden. Niemand kann diesen Menschen auch verwehren, sich passende Versatzstücke der Bibel einzuverleiben.

Nur mit Glauben an den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs und Vertrauen in die einzig zu diesem Gott führende Erlösungstat durch den Sohn Gottes, Jesus Christus, hat das nicht mehr auch nur das Geringste zu tun.

Hier sind ganz separate, neue Religionen erdacht worden. So „christlich“ sich das auch immer nennen … mag."

Martin C.R. Krüger (2005, Prüfet alles, das Gute haltet fest, Seite 39)

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"Ich bin der Überzeugung, dass die größten Gefahren, die dem kommenden Jahrhundert bevorstehen, folgende sind:
eine Religion ohne den Heiligen Geist, eine Christenheit ohne Christus, eine Vergebung ohne Buße, eine Erlösung ohne Wiedergeburt, eine Politik ohne Gott und ein Himmel ohne Hölle."


Pfarrer Dr. h.c. William Booth (1829 -1912, Gründer der Heilsarmee, Ehrendoktor der Universität Oxford, London)

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"Ich freue mich sehr darüber, dass Kirchen in Deutschland nicht mehr an die Hölle glauben und diese nicht mehr lehren. Doch in Südamerika oder den USA wird das immer noch gelehrt."

Prof. Dr. Richard Dawkins (15.11.2007, Evolutionsbiologe,
Eine Frage des Glaubens JBK - ZDF)

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"Die Evangelikalen, die religiösen Rechten Amerikas und die derzeit weltweit wachsenden fundamentalchristlichen Pfingstgemeinden versuchen derzeit mit Macht, wieder weit hinter Bultmann [siehe unten] und die Aufklärung zurückzugehen." […]

"Diesen muss man entgegentreten, nicht der wissenschaftlichen Theologie. Sie wäre genau das Mittel, das es heute bräuchte, um die Gespenster der Vergangenheit in ihre Grüfte zurückzutreiben."

Christian Nürnberger (November 2007, Journalist - "Atheistisch an Gott glauben", Jesus für Zweifler)

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"Welterfahrung und Weltbemächtigung sind in Wissenschaft und Technik so weit entwickelt, dass kein Mensch im Ernst am neutestamentlichen Weltbild festhalten kann und festhält.

Welchen Sinn hat es, heute zu bekennen: "niedergefahren zur Hölle" oder" aufgefahren gen Himmel" ... den "Himmel" im alten Sinne gibt es für uns gar nicht mehr. Und ebenso wenig gibt es die Hölle, die mythische Unterwelt ...

Erledigt sind damit die Geschichten von der Himmel- und Höllenfahrt Christi; erledigt ist die Erwartung des mit den Wolken des Himmels kommenden "Menschensohnes" und des Entrafftwerdens der Gläubigen in die Luft, ihm entgegen."

Prof. Dr. Rudolf Bultmann (1941, Theologe, [laut http://www.bautz.de/bbkl/b/bultmann_r.shtml: bedeutendster Exeget des 20. Jahrhunderts], Neues Testament und Mythologie. Das Problem der Entmythologisierung der neutestamentlichen Verkündigung (1941). in: H.-W. Bartsch (Hg.): Kerygma und Mythos, Band 1. 1948. 4. Aufl. Reich, Hamburg, 1960, 15-48)

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"Versuche, über Bultmann [siehe oben] hinauszukommen, ihn gar zu „überwinden“, sind bisher alle gescheitert.

Seine zentrale These, dass die biblischen Geschichten Glaubensaussagen sind, die in das Kleid des Mythos gehüllt wurden, ist heute eine theologische Selbstverständlichkeit. An Bultmann kommt daher bis heute kein Theologe vorbei."

Christian Nürnberger (November 2007, Journalist - "Atheistisch an Gott glauben", Jesus für Zweifler)

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"In der Tat ist die Kritik der Höllenforschung einer der stärkeren Züge in der christlichen Theologie, und die Wiederholung einer im Übrigen heidnischen Vorstellung von der Hölle ist eine der schwächeren Züge der christlichen Theologie."

Bischof Dr. Wolfgang Huber (15.11.2007, 2003 - 2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD,  Eine Frage des Glaubens JBK - ZDF)

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"Unsere heiligen Texte [Bibel] sind oft nur heidnische Texte, die jüdisch umgearbeitet und später von Christen übernommen wurden."

Christian Nürnberger (November 2007, Journalist - "Atheistisch an Gott glauben", Jesus für Zweifler)

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"Unvergessen … der Moment, in dem der EKD-Vorsitzende [2003 - 2009] Wolfgang Huber bei „Kerner" [15.11.2007, Eine Frage des Glaubens JBK - ZDF] Richard Dawkins darüber aufklärte, dass die Hölle, wenn sie denn existiere, „leer" sei.

Ich für meinen Teil habe mich mittlerweile damit abgefunden, dass „Pseudo-Religiotisch" eine Art „Dialekt" ist, den ich als Rationalist ebenso wenig verstehen kann wie ein Oberbayer das Ostfriesische. Kapiert habe ich aber zumindest, dass für Pseudo-Religioten Wörter wie „Auferstehung", „Schöpfung", „Hölle", „Himmel", „Gott", „Teufel", „Wunder" oder „Dämonen" gänzlich andere Bedeutungen zu haben scheinen als für jeden anderen, der diese Worte gebraucht.

Welche Bedeutungen dies genau sind, vermochte ich bislang trotz aller Anstrengungen zwar nicht zu eruieren, doch es sollte klar sein, dass wir uns wegen der Pseudo-Religioten eigentlich keine größeren Sorgen machen müssen. Sie sprechen zwar zugegebenermaßen mit einem höchst seltsamen, religiotischen Akzent, sind aber im Grunde harmlos. […]

So habe ich mich in den letzten Jahren regelmäßig auf öffentlichen Podiumsdiskussionen mit Theologen gestritten, die, wie ich beim abschließenden Biere feststellen konnte, in Wirklichkeit keine Spur gläubiger waren als ich."

Humanistischer Pressedienst hpd (18. März 2009, Die wundersame Welt der Religioten, Diskussion, www.hpd.de)

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"Die Theologen haben doch längst die Bibel und den ganzen Volks- und Aberglauben entmythologisiert" [...]
"
Kein Theologe sagt es so platt, aber auf diese Plattheit laufen all ihre Erklärungen hinaus, wenn man sie von den theologieüblichen Verschleierungen und Wissenschaftlichkeit vortäuschenden Komplizierungen befreit und über die Rücksichten auf die Kirche und religiöse Gefühle hinweggeht."

Christian Nürnberger (November 2007, Journalist - "Atheistisch an Gott glauben", Jesus für Zweifler)

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"Das ist die offenkundige vor Augen liegende Wirkung der historischen Methode. Sie relativiert Alles und Jedes."

Prof. Dr. Ernst Troeltsch (1900, Ev. Theologe, Friedemann Voigt (Hrsg.): Ernst Troeltsch Lesebuch. Ausgewählte Texte. Über historische und dogmatische Methode in der Theologie (1900). UTB; Bd. 2452. Mohr Siebeck, Tübingen 2003, S. 9)

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17 Prozent der evangelischen Pfarrerinnen und Pfarrern der EKiBB [Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz] glauben an die Tatsache: "Himmel nach dem Tod."

[In einer Befragung aus 1997 antworteten evangelische Pfarrer (in %) auf folgende Fragen mit „ja“: Kann man nach dem Tod in den „Himmel“ kommen - Ja: 17%. Quelle: Religions- und kirchensoziologische Untersuchung  des Instituts für Religionssoziologie HUBerlin 1999 durch Jörns
]

"Die klassische Eschatologie [griech., ta és-chata, die letzten Dinge] ... ist offenbar kurz vor dem Verschwinden - auch bei den Theologengruppen. Klar aber ist, dass zwischen denen, die diese Vorstellungen noch teilen, und der großen Mehrheit, die das nicht tut, Welten klaffen."

Prof. Dr. Klaus-Peter Jörns (1999, "Die neuen Gesichter Gottes. Was die Menschen heute wirklich glauben", Seite 208)

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"Herr Dawkins
[Prof. Dr. Richard Dawkins, Evolutionsbiologe, Bekennender Atheist] … für den sehr unwahrscheinlichen Fall, dass nach ihrem Tod doch … Gott vor ihnen steht ... haben Sie einen Notfallplan?"

Johannes B. Kerner (15.11.2007, Eine Frage des Glaubens JBK - ZDF)

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Johannes B. Kerner, deutscher Fernsehmoderator

 


Jesus Christus: 28 "Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, doch die Seele nicht töten können; fürchtet euch aber viel mehr vor dem, der Leib und Seele verderben kann in der Hölle." [...]

32 "Wer nun mich bekennt vor den Menschen, den will ich auch bekennen vor meinem himmlischen Vater. 33 Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater."

MATTHÄUS / 10. Kapitel, 28 + 32 - 33

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"Wer Gott fürchtet, muss sich vor nichts mehr fürchten!"

Unbekannter Autor?

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"Die Menschen können sich zwar einen Gott zurechtmachen, den »lieben Herrgott« zum Beispiel, der einen ehrlichen Deutschen nicht im Stiche lässt, wenn er jeden Tag nur fünf Glas Bier trinkt. Aber das ist doch nicht Gott!" [...]

"Gott ist ein verborgener Gott. Das hat ein Mann, Jesaja hieß er, verstanden und aus Herzensgrund geschrieen: »Herr, wir können nicht zu dir kommen. Ach, dass du die Nebelwand zerrissest und kämest zu uns!«
Und denken Sie: Gott hat diesen Schrei gehört! Er hat die Nebelwand zerrissen und ist zu uns gekommen - in Jesus.“ „Ohne Jesus wüsste ich nichts von Gott. Er ist die einzige Stelle, wo ich Gewissheit über Gott bekommen kann! Wie kann man nur sagen: »Ich kann ohne Jesus auskommen«!“

„Vor einiger Zeit hatte ich ein Gespräch mit einem Journalisten, der mich interviewte und fragte: »Warum halten Sie eigentlich solche Vorträge?« Darauf habe ich ihm geantwortet: »Die halte ich, weil ich Angst habe, dass die Leute in die Hölle kommen.« Da lächelte er und erwiderte: »Gibt's doch gar nicht!« Und da habe ich gesagt: »Warten Sie's doch ab! In hundert Jahren wissen Sie es, ob Sie recht haben oder Gottes Wort.“

„Gott will, dass allen Menschen geholfen werde." "Und darum hat er seinen Sohn gegeben - zur Rettung, zur Versöhnung.
Gehen Sie mit mir nach Jerusalem. Da ist ein Hügel vor der Stadt.“ „Sehen Sie ihn an, den Mann mit der Dornenkrone, den Sohn des lebendigen Gottes!" «Warum hängt er da? Dieses Kreuz ist der Altar Gottes. Und Jesus ist das Lamm Gottes, welches der Welt Sünde trägt, das versöhnt mit Gott. Sehen Sie: Solange Sie Jesus nicht gefunden haben, stehen Sie unter Gottes Zorn, auch wenn Sie's nicht merken, auch wenn Sie's leugnen. Und nur wer zu Jesus gekommen ist, steht unter dem Frieden Gottes: »Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten.«“
„Ohne Jesus habe ich keinen Frieden im Herzen, da kann ich tun, was ich will. Ohne Jesus kann ich nicht sterben ohne tödliche Angst. Und nun ruhen Sie nicht, bis Sie diesen Frieden Gottes haben, bis Sie gerettet sind!"

"Seit die Menschen sich planmäßig von Gott abgesetzt haben, können sie auch ganz gemütlich und harmlos von Ihm reden." "Erst wenn ein moderner Mensch in die Nähe Gottes kommt, dann merkt er: «Unser Gott ist ein verzehrendes Feuer.»"
"Kein Mensch hält es ungeschützt aus bei dem lebendigen Gott, dem verzehrenden Feuer. Darum kann man schon verstehen, dass die Menschen sich von Ihm absetzen. Aber das ist Wahnsinn. Gott trifft uns ja doch eines Tages. Die Bibel zeigt den besseren Weg: Versöhnung mit Gott. Also: Wer Gott wirklich will, der braucht Versöhnung!

Das hebräische Wort, das in unserem Text steht, heißt «kafar». Das bedeutet zunächst «bedecken», dann «vergeben», und schließlich hat es die Bedeutung «versöhnen». Daraus wird uns klar, warum eine Versöhnung nötig ist: um unserer Schuld vor Gott willen. Betrügt doch eure Seelen nicht, dass ihr euch einredet, ihr hättet vor Gott keine Schuld. Diese Schuld muss «bedeckt» werden, wir müssen «Vergebung» der Sünden haben. Und so geschieht die «Versöhnung» mit Gott." "«Jesus ist unser großer Hohepriester, der uns durch Sein Blut mit Gott versöhnt. Darum wollen wir zu Ihm gehen und Frieden mit Gott finden.»

Es gibt keinen anderen, keinen schwierigeren und keinen bequemeren Weg, als dass man wirklich ernst macht mit Jesus und sich Ihm ausliefert."

Pfarrer Wilhelm Busch (1929 bis 1962 protestantischer Jugendpfarrer - Essen, Jesus unser Schicksal, Aussaat: Aufl. 2005, ISBN 978-3761553558, http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Busch_(Pfarrer)

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16 "Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.

17 Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde. 18 Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, denn er glaubt nicht an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes."

JOHANNES / 3. Kapitel, 16 - 18

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"Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich."

Jesus Christus (JOHANNES / 14. Kapitel, 6)

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"Die Aussage Jesu „Niemand kommt zum Vater denn durch mich“ sei eindeutig und gelte für alle Menschen, sagte Lehmann in einer Gesprächrunde zum Thema „Wozu Jesus? Ich habe doch meinen Gott“, zu der die Evangelische Nachrichtenagentur idea auf die Leseinsel Religion [Leipziger Buchmesse] eingeladen hatte.

„Wer in den Himmel möchte, kommt an Jesus Christus nicht vorbei“, so Lehmann. ... „Unsere Aufgabe ist es, die christliche Botschaft weiterzusagen und nicht nur, vorbildlich zu leben“, so der Theologe."

Pfarrer Theo Lehmann (16.03.08, Wer in den Himmel möchte, kommt an Jesus nicht vorbei. www.idea.de, http://de.wikipedia.org/wiki/Theo_Lehmann_%28Pastor%29)

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Bischof Dr. Ulrich Fischer, Vorwort »Appell aus Baden«

 


"Endlich können die Christen ehrlich sein und ihren so lange mit Gewalt, Kattun und Gelehrsamkeit verteidigten Anspruch auf die Alleinvertretung Gottes aufgeben und sich in die Gemeinschaft der Weltreligionen einreihen"

»Appell aus Baden« (Mai 2006, Baden-Baden, Vorwort v. Bischof Dr. Ulrich Fischer - Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Baden, Hans-Joachim Girock, Dr. Gerhard Liedke u. Prof. Dr. Gottfried Gerner-Wolfhard, Baden-Baden, epd Dokumentation 26/2006, Wortlaut/Quelle:
http://www.ekiba.de/images/Was-jetzt-dringlich-ist.pdf)

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"Schluss mit dem Christentum! Das hat 2000 Jahre Zeit gehabt, die Welt zu erneuern. Und was ist geschehen? In seinem Namen sind Menschen gemartert und getötet worden! In seinem Namen ist eine Welt von Heuchelei aufgebaut worden!
Schluss damit! Ein Neues muss kommen! Das Christentum ist tot! Das Christentum ist tot!" [...]

"Gut! Mag sein! Es mag sein, dass das Christentum tot ist.
Aber - Jesus Christus lebt!"

Pfarrer Wilhelm Busch (1929 bis 1962 protestantischer Jugendpfarrer - Essen,
http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Busch_(Pfarrer), Christus lebt! Erlebnisse und Kurzgeschichten)

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"Die Menschen zögern, die Vorstellung von einer abstrakten und negativen Gottheit zugunsten der Vorstellung von einem lebendigen Gott aufzugeben. Das wundert mich nicht.

Der Gott der Pantheisten
[http://de.wikipedia.org/wiki/Pantheist] tut nichts und verlangt nichts. Wenn man ihn wünscht, ist er da, so wie ein Buch auf dem Bücherbrett. Er verfolgt mich nicht... Es besteht auch nicht die Gefahr, dass Himmel und Erde irgendwann einmal vor seinem Angesicht fliehen. Wenn er der wahre Gott wäre, könnten wir mit Recht behaupten, dass alle christlichen Bilder von einer Königsherrschaft historische Zufälle seien, von denen unsere Religion unbedingt gereinigt werden sollte.

Mit Erschrecken stellen wir jedoch fest, dass diese Bilder unentbehrlich sind. Einen solchen Schrecken haben wir schon einmal erlebt, bei kleineren Anlässen, etwa, als irgendetwas in der Dunkelheit neben uns atmete. So auch hier: Der Schock überfällt uns in dem Augenblick, da an der Schnur, an der entlang wir uns vorwärtstasteten, jemand zieht. Es ist erschreckend, dort Leben anzutreffen, wo wir allein zu sein glaubten. „Schaut her", rufen wir, „es ist lebendig!" Und deshalb ziehen sich gerade hier so viele zurück und dringen nicht weiter in den christlichen Glauben ein.

Ein „unpersönlicher Gott" - schön und gut. Ein subjektiver Gott der Schönheit, Wahrheit und Güte in unseren eigenen Köpfen - noch besser. Eine gestaltlose Lebenskraft, die uns durchwallt, eine ungeheure Macht, die wir anzapfen können - am besten von allem.

Aber Gott selbst, der lebendige, der am anderen Ende der Schnur zieht, der sich vielleicht mit ungeheurer Geschwindigkeit nähert, der ... König, Bräutigam - das ist eine völlig andere Sache.
Es kommt der Augenblick, da Kinder plötzlich zusammenzucken: Waren da nicht wirkliche Schritte im Flur? Es kommt der Augenblick, da Menschen, die in der Religion herumgeplätschert haben („Des Menschen Suche nach Gott!"), sich plötzlich zurückziehen.

Angenommen, wir haben ihn wirklich gefunden! Dazu wollten wir es doch gar nicht kommen lassen! Schlimmer noch: Angenommen, er hat uns gefunden? So stehen wir vor einer Art Rubikon [Historisch war der Rubikon Grenzfluss zwischen der römischen Provinz Gallia cisalpina und dem eigentlichen Italien, das zu klassischer römischer Zeit keine Provinz war. Bekannt wurde der Rubikon durch den römischen Bürgerkrieg, den Gaius Julius Caesar ab 49 v. Chr. gegen Gnaeus Pompeius Magnus führte. Als der Römische Senat am 7. Januar beschloss, dass Caesar sein Heer entlassen müsse, überschritt dieser am 10. Januar den Grenzfluss (mit der Bemerkung, dass die Würfel geworfen seien; im Original ein Zitat des griechischen Dichters Menander ἀνερρίφθω κύβος, bekannt in der lateinischen Fassung alea iacta est – der Würfel ist geworfen/gefallen), und eroberte daraufhin ganz Italien und später Spanien. http://de.wikipedia.org/wiki/Rubikon.]
Man überschreitet ihn oder man überschreitet ihn nicht. Tut man es aber, so gibt es keine - wie auch immer geartete - Absicherung gegen Wunder. Man muss sich auf alles gefasst machen."

Prof. Dr. theol. h.c., Dr. h.c. Clive Staples Lewis (1898-1963, britischer Schriftsteller und Literatur-wissenschaftler, Nach der Wahrheit fragen, Dr.phil. Jürgen Spieß, Brunnen-Verlag, Gießen; Aufl. 2007, ISBN: 978-3765532238)

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"Jeder hat seine Gründe für seinen Unglauben. Der eine kann nicht glauben, weil die Christen ihn enttäuscht haben. Der andere, weil er „zuviel erlebt hat, was er mit Gottes Liebe nicht vereinbaren kann". Der dritte kann nicht glauben, weil ihm seine ungeheure naturwissenschaftliche Bildung im Wege steht. Und die meisten können nicht glauben, weil sie es gar nicht wollen." [...]

"Es sagte mir einst ein Mann: „ich glaube an ein höheres Wesen. Ob ich das nun Allah, Gott, Vorsehung oder Schicksal nenne, ist doch wohl gleichgültig." Ich erwiderte: „Vielleicht kommen Sie bald in eine Krise oder große Not. Flüchten Sie dann zur Vorsehung! Rufen Sie das Schicksal an! Ergreifen Sie die Hand des höheren Wesens!
Dann stellt es sich heraus: Sie kennen Gott nicht einmal dem Namen nach. Sie sind ihm fremd und er ist Ihnen fern."

"Aber Jesus! Der geoffenbarte Gott und Heiland! Der ist ein festes Schloss. Wer ihn anruft, kennt Gott mit Namen. Wer Jesus anrufen kann, wohnt in dem festen Schloss. Vor dem Namen Jesus flieht die Hölle. Beim Namen Jesus schweigt sogar Gottes Gericht, weil Jesus für uns Sünder am Kreuz gebüßt hat."

Pfarrer Wilhelm Busch (1929 bis 1962 protestantischer Jugendpfarrer - Essen, "365 x ER. Tägliche Andachten", Aussaat; 14. Auflage 2006, ISBN-13: 978-3761541586,
http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Busch_(Pfarrer)

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"Christen und Moslems [...] Die Anhänger beider Religionen glauben an einen einzigen und barmherzigen Gott, der am Jüngsten Tag die Menschheit richten wird."

Dr. Joseph Ratzinger (19.03.2009,
2005-2013 Papst Benedikt XVI., Papst an Moslems: „Glaube und Vernunft stützen sich gegenseitig”, www.radio-vatikan.de)

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"Unser höchster Schutz ... sind, welches die Artikel von Christo sind: nämlich dass Christus der Sohn Gottes sei, für unsere Sünden gestorben, wieder auferweckt, damit wir leben, dass wir durch den Glauben an ihn gerecht und durch die Vergebung der Sünden selig sind" ...

"Mahomet leugnet, dass Christus der Sohn Gottes sei, er leugnet, dass er auferstanden sei, um uns zum Leben zu bringen, er leugnet, dass durch den Glauben an ihn die Sünden vergeben und wir gerechtfertigt werden,
er leugnet, dass er kommen werde als Richter über die Lebendigen und Toten, wiewohl er eine Auferstehung der Toten und einen Tag des Gerichts glaubt, er leugnet den Heiligen Geist, er leugnet dessen Gaben.

Durch diese und ähnliche Artikel muss das Gewissen befestigt werden wider die Zeremonien des Mahomet."

Dr. Martin Luther (1530, Reformator, Vorrede: Von der Religion und den Sitten der Türken. Walch 2, Bd 14)

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Jesus Christus: 32 "Wer nun mich bekennt vor den Menschen, den will ich auch bekennen vor meinem himmlischen Vater. 33 Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater."

Matthäus 10, 32-33

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5 "Wer überwindet, der soll mit weißen Kleidern angetan werden, und ich werde seinen Namen nicht austilgen aus dem Buch des Lebens, und ich will seinen Namen bekennen vor meinem Vater und vor seinen Engeln."

Offenbarung 3, 5

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"Wenn es wirklich ein Wiederaufleben der Religion geben wird, dann wird es nicht von denen ausgehen, die einander darin übertrumpft haben, 'für den modernen Menschen relevant zu sein'."

Prof. Dr. Peter L. Berger (
* 1929 in Wien, Soziologe)

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"Vom Christentum bleibt nichts übrig, wenn der Christ sich anstrengt, der Welt nicht töricht zu erscheinen."

Nicolás Gómez Dávila (1913 - 1994, Philosoph)

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"Glaube erhebt Wahrheitsansprüche…

Eine moderne, liberale, offene Gesellschaft entsteht nicht dadurch, dass alle möglichst modern, liberal und offen sein wollen.
Sie lebt davon, dass jeder er selbst ist, erkennbar und deutlich redet. Es ist der Streit, der die Vielfalt hervorbringt, nicht die ängstliche Ausgewogenheit, die gleich mit dem Kompromisshaften und Konsensfähigen beginnen möchte."


DIE ZEIT (Mai 2003, Jan Ross, "Mehr Gott wagen")

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"Wie weit soll dieses in der evangelischen Kirche schon fast zur Folklore gewordene kirchliche Bemühen, sich bis zur eigenen Unkenntlichkeit mit der Welt zu "verständigen", noch führen?"

Frankfurter Allgemeine Zeitung F.A.Z. (16.11.02, Florian Illies)

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"Die einzige Grenzmarkierung, zu der eine solche Institution in der Lage ist, ist die tendenzielle Ausgrenzung jener, die die allgemeine Orientierungsvielfalt als Orientierungslosigkeit in Frage stellen." [...]
"Eine Kirche, die mehr sein will als eine funktionierende Großorganisation und mehr auch als ein Milieu frommer, netter oder friedliebender Menschen, eine solche Kirche wird fragen müssen, wie die Christen aus der Kraft evangelischer Fundamente glauben und leben können."


Prof. Dr. theol. Manfred Josuttis (1996, PTh 85, S.76)

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"Was die Kirche ... anbietet, unterscheidet sich oft nicht mehr von dem, was man in esoterischen Wochenendseminaren lernen kann."

DER SPIEGEL (29.04.2006, Gottes Wert, Seite 50, Nr. 18/2006)

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"Sinnfindungsklamauk"
(Sonntag Aktuell, Stuttgart)

"Esoterische Bespaßung" (21.07.2006, Süddeutsche Zeitung, München)

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"Nicht leere Kassen oder eine leer laufende Organisation fordern heraus, sondern leere Herzen - und Kirchen."

Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) (06. Juli 2006, Impulspapiers des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) "Kirche der Freiheit. Perspektiven für die evangelische Kirche im 21. Jahrhundert", http://www.ekd.de/download/kirche-der-freiheit.pdf, Seite 41)

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"Jetzt, in der Stunde der Not, spricht man nicht nur über Strukturen und ihre Veränderung, sondern allmählich auch wieder über Inhalte des Glaubens."

DIE WELT (06.07.2006, Artikel von Gernot Facius - DIE WELT, Zurück zum Glauben - Evangelische Kirche im Umbruch, Axel Springer Verlag AG)

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"In einer Zeit, in der alle Wahrheiten relativiert werden, kann die evangelische Kirche leicht in den Verdacht geraten, sich mit diesem Verständnis der Wahrheit Gottes dem Zeitgeist beugen zu wollen. Denn in einer Gesellschaft des weltanschaulichen und religiösen Pluralismus scheint der absolute Wahrheitsanspruch einer Religion per se wahrheitswidrig zu sein.

Besonders monotheistische Religionen sehen sich dem Vorwurf ausgesetzt, mit ihrem Glauben an den einen Gott dem Geist eines intoleranten Alleinvertretungsanspruchs der Wahrheit zu frönen. Wenn aber gefordert wird, den Glauben an die absolute Wahrheit Gottes aufzugeben, kann „Wahrheit“ nur noch als subjektiv beliebige Überzeugung verstanden werden. Dann gilt diese Wahrheit nur noch für diejenigen, die sie vertreten.

Wenn die evangelische Kirche einräumt, mit ihren menschlichen Unzulänglichkeiten der Wahrheit Gottes selbst immer wieder im Weg gestanden zu haben, unterwirft sie sich keineswegs diesem Wahrheitsverständnis. Denn trotz menschlicher Ungewissheiten und Unkenntnis, trotz Schwäche und Schuld auf Seiten der Christen ändert sich nichts an der Wahrheit Gottes, der Menschen rechtfertigt, bejaht, liebt und erlöst. Die demütige Erkenntnis des menschlichen „Wissens als Stückwerk“ (1. Kor. 13,9) stellt nicht den Horizont der Liebe und Gnade Gottes in Frage, die der Glaubende erfährt und die über alles menschliche Zeugnis hinausgeht.

Die Glaubensgewissheit an den dreieinigen Gott leitet die evangelische Kirche auch, wenn sie die Begegnung mit Muslimen sucht. Sie kann sich nicht auf die Ebene bloß menschlicher Gewissheiten begeben und die Wahrheit Gottes relativieren, der sich in Jesus Christus und in der Kraft des Geistes allen Menschen zu ihrem Heil zuwendet.

Eine Wahrheit zu verkündigen, die gleichzeitig Unwahrheit sein könnte, ist widersinnig. Darauf kann kein Mensch sein Leben bauen. [...] (Seite 16/17)

Da Christen und Muslime - jedoch auch Juden - an den Gott glauben, der zu Abraham als Stammvater gesprochen hat, scheint die Grundlage für ein gemeinsames Gebet gegeben. Trotz dieser Gemeinsamkeit besteht jedoch ein grundlegender Unterschied darin, dass Christen glauben, dass sich der Gott Abrahams in Jesus Christus als seinem Sohn geoffenbart hat.

Die Heilsbedeutsamkeit von Jesu Tod und der Glaube an den dreieinigen Gott sind christliche Glaubensüberzeugungen, denen Muslime bei aller Wertschätzung Jesu als Prophet nicht folgen, die sie vielmehr ausdrücklich ablehnen.
Ein gemeinsames Gebet in dem Sinne, dass Christen und Muslime ein Gebet gleichen Wortlautes zusammen sprechen, ist nach christlichem Verständnis nicht möglich, da sich das christliche Gebet an den Einen Gott richtet, der sich in Jesus Christus offenbart hat und durch den Heiligen Geist wirkt." (Seite 114/115)


Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) (November 2006, Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Klarheit und gute Nachbarschaft - Christen und Muslime in Deutschland, Eine Handreichung des Rates der EKD, http://www.ekd.de/download/ekd_texte_86.pdf, Seite 16/17 u. 114/115)

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"Christen bekennen sich zu dem Gott, der sich in Jesus Christus offenbart, während der Islam die Selbstoffenbarung Gottes in Jesus Christus ablehnt."


Bischof
Dr. Wolfgang Huber (22. November 2004,
2003 - 2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, FOCUS Nr. 48, "Nicht der gleiche Gott. Der Vorsitzende der EKD, Wolfgang Huber, definiert die Grenzen des Dialogs mit dem Islam härter und enger denn je.")

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"Der Protestantismus steht für den Glauben an Gott, der in Jesus Christus Mensch geworden ist."

Präses Dr. h.c. Nikolaus Schneider (15. Juni 2012, 2010 - 2014 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD, 2003-2013 Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland EKiR, Evangelische Kirche. EKD-Chef Schneider lehnt Betreuungsgeld ab, www.spiegel.de)

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"Es ist für die evangelische Kirche ausgeschlossen, das Zeugnis von Jesus Christus zu verschweigen oder es Angehörigen anderer Religionen schuldig zu bleiben. Das würde auch die Begegnung mit den Muslimen von vornherein unwahrhaftig machen."

EKD-Kirchenamtspräsident Dr. Hermann Barth (03.11.2006, Präsident des Kirchenamtes der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD), Frankfurter Allgemeinen Zeitung F.A.Z. 03.11.2006, Nr. 256 / Seite 4)

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"Wir nötigen niemandem unseren Glauben auf, aber wir verschweigen ihn auch nicht."

Bischof Dr. Wolfgang Huber (05.02.2007, DER SPIEGEL, Nr.6/2007, Seite 17, Hamburg)

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Wolfgang Huber (links) u. Karl Lehmann, 2009


 

"Christentum wie Islam sind Buchreligionen. […] In unseren beiden Religionen gibt es Gruppen, die sich einem reflektierten und wissenschaftlich fundierten Umgang mit den grundlegenden Schriften [vgl. Historisch- kritische Methode] entziehen und fundamentalistische Auslegungen vertreten. [...]

Keine Religion kann mehr davon ausgehen, dass sie für sich allein existiert und eine absolute Wahrheit nur für sich beanspruchen kann."

Bischof Dr. Wolfgang Huber (16. März 2009, 2003 - 2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD, „Herausforderungen des interreligiösen Dialogs. Hermeneutische Fragestellungen.“ - Vorlesung in der Theologischen Fakultät in Ankara, www.ekd.de)

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DIE WELT:
"Im Kontext der politischen Debatten der jüngsten Zeit ist von der Gefahr eines christlichen Fundamentalismus gewarnt worden. Wird jetzt die Fundamentalismus-Keule geschwungen?"

Huber: "Ich selbst bin auch schon Fundamentalist genannt worden, ich habe das gelassen hingenommen. Oft wird die Klarheit bestimmter religiöser Grundüberzeugungen abwertend als Fundamentalismus bezeichnet. Dem sollten wir widerstehen.

Es gibt aber Haltungen, die mit einer Abwertung des Fremden verbunden sind, auch mit der Legitimation von Fremdenfeindlichkeit aus religiösen Gründen. Damit kann man sich nicht abfinden. Ich erinnere an den christlichen Antijudaismus, der seinen Beitrag geleistet hat zum Antisemitismus des 20. Jahrhunderts."


Bischof Dr. Wolfgang Huber (20.11.2003, 2003 - 2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, DIE WELT)

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"Viele erklären heute das, was unaufgebbare Grundlage des Christenglaubens ist und bleiben muss, zur fundamentalistischen Sonderansicht." [...]

"Lange haben viele Menschen, und zwar mehr als die Verantwortlichen in den obersten Etagen der Kirchen ahnten, gehofft: »Die Bischöfe und Synoden müssen diesem Treiben doch endlich Einhalt gebieten!

Es muss doch endlich mal gesagt werden: „Schluss mit dem Ausverkauf des Glaubens!“ Doch darauf hat man vergeblich gewartet. Muss man sich also damit abfinden, dass die Konturen des Christenglaubens immer weiter abgehobelt werden?" […]

»Lasst euch doch nicht vom Wind des Zeitgeistes bewegen und umtreiben!« "Diesen Impuls möchte ich auch heute weitergeben. Christen sollen die Überzeugung gewinnen: »Ich will keine Wetterfahne sein!«" [...]

"Von einzelnen Bekennern kann neues Leben ausgehen. Von einzelnen Christen, die nicht wie Blätter im Wind sind. Von einzelnen Menschen, die das wiedergewinnen wollen, was doch eigentlich für alle Christen und für die ganze Christenheit unaufgebbar ist."

Pfarrer Rolf Scheffbuch (Juni 2006, "Ich will keine Wetterfahne sein!" Seite 5+6, Hänssler, ISBN: 3775141650)

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"Die Menschen haben sich ... von unseren Kirchen getrennt, weil sie das Zeugnis der Zeugen nicht überzeugend fanden"

Kirchenpräsident Helge Klassohn (April 2007, Theologe, Kirchenpräsident der Evangelischen Landeskirche Anhalts, Landessynode Dessau - April 2007)

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"Ich wäre schon dankbar, wenn ich auf Kirchenvertreter treffen würde, die glaubwürdig verkörpern, dass sie glauben."

Giovanni di Lorenzo (15.04.2008, Chefredakteur der Wochenzeitung DIE ZEIT, Mitherausgeber des Berliner Tagesspiegels, "Zeit"-Chefredakteur vermisst kirchliche Vorbilder, www.evlka.de, epd Niedersachsen-Bremen)

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"Im Übrigen gilt für uns "Kirchenpersonal" der alte Spruch: Wer Opel verkaufen will, sollte möglichst auch Opel fahren."

Dr. Joachim Wanke (08. April 2007, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 8.4.07, Nr. 14, Seite 7)

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"Die evangelische Kirche braucht Menschen, die in glaubwürdiger und authentischer Weise Zeuginnen und Zeugen des christlichen Glaubens sind"

Synode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (April 2007, Perspektive 2025, Drucksache Nr. 27/07, Seite 12, Frankfurt am Main)

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"Wenn ich bei der Predigt am Sonntag den Eindruck habe, dass der Pastor im Augenblick dabei ist, die Erkenntnisse zu vermitteln, die er in der vergangenen Woche im Feuilleton der ‚Frankfurter Rundschau’ gelesen hat, dann spüre ich, dass er vielleicht noch die Köpfe, aber nicht mehr die Herzen seiner Gemeindeglieder erreicht.

Es gibt Formen der innerkirchlichen Kulturkritik, die in jedem Bibeltext die ‚Dritte Welt’ entdeckt und den eigenen Konsumverzicht anmahnt – das ist mir zu wenig." […]

"Bei vielen Pastoren stelle ich eine große Differenz zwischen dem, was sie der Gemeinde sagen, und dem, was sie die Gemeinde singen lassen, fest … Die entscheidende Frage ist: Habt Ihr eine Existenzberechtigung, die sich aus Eurer Botschaft ergibt? Sagt Ihr das den Menschen auch? Da bin ich vielleicht ein alter Pietist
[http://de.wikipedia.org/wiki/Pietismus]." […]

"Die Boten müssen Boten bleiben!"

Altbundespräsident Johannes Rau (1994, 1931 - 2006, 1999 - 2004 achter Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland, Interview Rheinisches Pfarrerblatt)

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Johannes Rau, 2005, 1999 - 2004 achter Bundespräsident

 


"Warum ist es möglich, dass Tausende und Abertausende an der Kirche gelangweilt vorübergehen? Warum ist es so geworden, dass das Kino oft wirklich interessanter, aufregender, menschlicher, packender ist als die Kirche? Sollte das wirklich nur die Schuld der anderen sein und nicht auch unsere?

Die Kirche war doch einmal anders. Es wurden doch einmal die Fragen des Lebens und des Todes hier ausgetragen und entschieden. Warum ist das nicht mehr so?

Weil wir selbst die Kirche zu etwas gemacht haben und immer wieder machen, was sie nicht ist. Weil wir zu viel von falschen, nebensächlichen, menschlichen Dingen und Gedanken in der Kirche reden und zu wenig von Gott selbst." […]

"Weil wir zu gemütlich von Gott reden und denken und uns von ihm und seiner Gegenwart nicht stören und beunruhigen lassen wollen; weil wir selbst im Grunde nicht glauben wollen, dass er wirklich jetzt hier mitten unter uns ist und unser Leben und Tod, Herz und Seele und Leib von uns fordert.
Und schließlich, weil wir Pfarrer immer wieder zu viel von kurzlebigen Gedanken reden, von dem, was wir vielleicht selbst erdacht oder erfahren haben, statt zu wissen, dass wir nichts sind als die Botschafter der großen Wahrheit des ewigen Christus." […]

"So sendet nun auch der unsichtbare Herr des ewigen Reiches und der Kirche seine Botschafter in diese Welt, mit einem Auftrag, der um so viel größer ist als jeder andere, wie der Himmel größer ist als die Erde, wie die Ewigkeit größer ist als die Zeit.
Und die Vollmacht, die dieser Herr seinen Botschaftern gibt, ist ebenso viel größer als alle Vollmachten dieser Welt.

Gottes ewiges Wort, Gottes ewige Entscheidung, Gottes Gericht und Gottes Gnade, Gottes Zorn und Gottes Barmherzigkeit, Heil und Verdammnis, Versöhnung durch Christus, diese Worte sind in die Hände der Botschafter Christi gelegt als heiligstes und kostbarstes Gut, das auszuteilen sie mit der Gnade Gottes berufen sind." […]

"Und nun fragen wir: welcher Mensch kann das? Wer kann diesen Auftrag erfüllen? Wer kann diese Last tragen, ohne unter ihr zusammenzubrechen?

Kein Mensch kann es, auch der frömmste nicht, und kein Mensch wird sich nach diesem Auftrag vorwitzig drängen. Aber weil es Auftrag ist, weil Christus gepredigt werden muss, und weh uns, wenn wir ihn nicht predigten, darum trägt uns dieses muss, dieser Auftrag.

Wir können ja nicht anders, auch wenn wir es schlecht und verkehrt machen, auch wenn wir immer wieder zusammenbrechen und versagen unter dieser Last; aber wir müssen dann wissen, dass die Gemeinde mit uns trägt, uns hilft, uns beisteht, uns auf Fehler hinweist und für uns betet, und uns unsere Schuld vergibt.

Kein Pfarrer, der das nicht wissen darf, kann sein Amt recht führen, und es ist so mancher Pfarrer hieran gescheitert, dass er seine Gemeinde tragen wollte, aber seine Gemeinde ihn nicht getragen hat. Eine Gemeinde, die nicht für das Amt des Pfarrers betet, ist keine Gemeinde mehr. Ein Pfarrer, der nicht täglich für seine Gemeinde betet, ist kein Pfarrer mehr." […]

"Lasset euch versöhnen mit Gott. D.h. doch nichts anderes als: Lasset euch ein Königreich schenken, lasset euch den Himmel zum Geschenk geben, lasset euch die Liebe des Höchsten, des Herrn aller Welt schenken, werdet seine Freunde, seine Kinder, seine Schützlinge: Kommt, ergebt euch ihm und seinem Willen und ihr werdet frei sein von allem Bösen, von aller Schuld, von allen Fesseln.
Ihr werdet frei sein von euch selbst, ihr werdet die Heimat gefunden haben, ihr werdet zu Hause sein bei eurem Vater."


Pfarrer Dr.
Dietrich Bonhoeffer (22. Oktober 1933, Theologe, Dietrich Bonhoeffer Werke (DBW), Bd. 13: London 1933-1935, Christian Kaiser Verlag/Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 1994, S. 313-319)

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"Macht die Theologie unseren Glauben kaputt?"

"Eine der Hauptmerkmale der heutigen Theologie ist der Verlust des Vaterbildes Gottes. Christ sein bedeutet nicht Gott in einer Lehre zu vermitteln" […]

"Doch uns muss immer bewusst bleiben, dass wir Gott nicht in einem System vermitteln oder ihn begreifen können. Der Weg zu Gott führt durch das Kreuz"

Prof. Dr. Dr. Georg Huntemann (Mai 2002, Theologe, emeritierter Professor für Ethik und Apologetik an der Staatsunabhängigen Theologischen Hochschule in Basel (STH), 1957-58 u. 1974-87 Pfarrer der Martinikirche Bremen)

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"Weder seine Existenz noch seine Nichtexistenz lassen sich beweisen. Gelassen bleiben und abwarten. Es wird sich herausstellen. Leider nach dem Ende. So oder so."

Dr. Roland Brandel (04.06.2007, DER SPIEGEL, Nr.23/4.6.07, Seite 10)

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"Kann sein, dass nach dem Tod für immer alles vorbei ist, kann sein, dass Gott überhaupt nicht existiert. Kann aber auch sein, dass er existiert und am Ende unseres Lebens eine Überraschung für uns parat hat. Ich halte diese Frage in der Schwebe."

Christian Nürnberger (3. November 2003, Journalist, Autor,
34. Rhein. Pfarrerinnen- und Pfarrertag in Bonn)

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"Allen Menschen ist der Glaube an Gott ins Herz gesät. Es lügen jene, die da sagen, dass sie nicht an die Existenz Gottes glauben; denn in der Nacht und wenn sie allein sind, zweifeln sie."

Luciua Annaeus Seneca der Jüngere (4 v. Chr.-65 n.Chr., römischer Politiker, Philosoph und Dichter)

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"Ich finde, der Tod ist eine unerfreuliche Einmischung in mein Privatleben."

Axel Milberg (22.07.2007, deutscher Schauspieler, Bild am Sonntag: Axel Milberg - Ich glaube, dass ich unsterblich bin)

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"Angenommen es sei sicher, dass es Gott gibt oder ihn nicht gibt, und dass es keinen Mittelweg gibt.
Für welche Seite werden wir uns entscheiden?

Lassen Sie uns ein Spiel spielen, bei dem es zu einer Entscheidung für "Kopf oder Zahl" kommt.
Mit Vernunft können wir weder das eine noch das andere versichern;
mit Vernunft können wir weder das eine noch das andere ausschließen.

Verfallen Sie also nicht dem Irrtum, dass hierbei eine richtige Wahl getroffen werden könnte,
denn Sie wissen nicht, ob Sie falsch liegen oder schlecht gewählt haben ...
Sowohl wer sich für "Kopf" entscheidet, als auch wer sich für "Zahl" entscheidet, beide liegen falsch:

Die Wahrheit kann nicht durch eine Wette entschieden werden, aber es muss gewettet werden.
Es gibt keine Freiwilligkeit, Sie müssen sich darauf einlassen.

Wenn Sie nicht wetten, dass es Gott gibt,
müssen Sie wetten, dass es ihn nicht gibt.

Wofür entscheiden Sie sich?
Wägen wir den Verlust dafür ab, dass Sie sich dafür entschieden haben, dass es Gott gibt:
Wenn Sie gewinnen, gewinnen Sie alles, wenn Sie verlieren, verlieren Sie nichts."

Blaise Pascal (* 19. Juni 1623 in Clermont-Ferrand; † 19. August 1662 in Paris, französischer Mathematiker, Physiker, Literat und Philosoph, Zitat aus den Penseés Nr. 233)


"Pascalsche Wette" [siehe oben]

"Das Argument besagt, dass eine sorgfältige Analyse der Optionen hinsichtlich des Glaubens an Gott zu folgenden Möglichkeiten führt:

Man glaubt an Gott, und Gott existiert – in diesem Fall kommt man in den Himmel.
Man glaubt an Gott, und Gott existiert nicht – in diesem Fall gewinnt man nichts.

Man glaubt nicht an Gott, und Gott existiert nicht – in diesem Fall gewinnt man ebenfalls nichts.
Man glaubt nicht an Gott, und Gott existiert – in diesem Fall wird man bestraft.

Aus dieser Analyse der Möglichkeiten folgerte Pascal mit Hilfe der Prinzipien der Statistik, dass es besser sei, bedingungslos an Gott zu glauben. Es ist ein klassisches Verfahren der Spieltheorie, die Optionen und die jeweiligen Gewinne zu spezifizieren, und die Qualität dieser Annahmen bestimmt die Qualität der Ergebnisse.

Geht man von den Werten aus, die Pascal vorgeschlagen hat, dann ist der Gewinn, den man im Falle des Glaubens an Gott zu erwarten hat, stets mindestens so groß wie im Falle des Unglaubens – oder größer.

Pascal ordnete den beiden Möglichkeiten – Existenz oder Nichtexistenz Gottes – gleiche Wahrscheinlichkeiten zu.
Er begründete das damit, dass „die Vernunft durch die eine Wahl nicht stärker erschüttert werde als durch die andere“, infolge unseres Unwissens.

Spätere Autoren haben darauf hingewiesen, dass die Größe der angenommenen Wahrscheinlichkeiten keinen Einfluss auf das Ergebnis hat, solange beide Wahrscheinlichkeiten größer als 0 sind; denn jede positive Wahrscheinlichkeit würde bei der Multiplikation mit Unendlich einen unendlichen Erwartungswert ergeben."

(Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Pascalsche_Wette)

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"Die Krankheit zum Tode [...] Wenn der Mensch zum Äußersten gebracht ist, so dass da menschlich gesprochen keine Möglichkeit mehr ist. Dann gilt es, ob er glauben will, dass alles möglich ist bei Gott, das heißt, ob er glauben will. Aber dies ist ganz und gar die Formel für ‚den Verstand verlieren’ ..., um Gott zu gewinnen."

Søren Kierkegaard (1849, dänischer Philosoph, Theologe und Schriftsteller, Die Krankheit zum Tode, GW, 24. Abtlg., 1957, 35)

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"Ich glaube wirklich an die Bibel und denke, dass ich dabei keinen intellektuellen Selbstmord begangen habe."

Prof. David W. Gooding (1992, Die Bibel – Mythos oder Wahrheit?, Vortrag Universität Belfast, Nordirland)

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"Wenn man auf dem Sterbebette liegt, wird man sehr empfindsam und weichselig, und möchte Frieden machen mit Gott und der Welt. […]

Ja, ich bin zurückgekehrt zu Gott, wie der verlorene Sohn, nachdem ich lange Zeit bei den Hegelianern
[Hegel - deutscher Philosoph] die Schweine gehütet. War es die Misere, die mich zurücktrieb? Vielleicht ein minder miserabler Grund.  Das himmlische Heimweh überfiel mich."

Heinrich Heine (30. September 1851, deutscher Dichter, Paris)

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"Besser ein Patient Christi als ein Doktor der Theologie."

Bodo Riedel (2003, Pädagoge, Bremen)

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"Wir sind heutigentags sehr schüchtern, den Himmel auch nur zu erwähnen. Wir fürchten uns vor dem Spott über »das bessere Jenseits«. Der Vorwurf ist uns unangenehm, wir suchten uns vor der Pflicht zu drücken, hier und jetzt eine bessere Welt zu schaffen, und träumten stattdessen von einer glücklichen Welt anderswo.

Aber entweder gibt es das bessere Jenseits oder nicht. Wenn nicht, dann ist der christliche Glaube falsch; denn sein ganzes Gefüge ist von dieser Lehre durchwirkt. Wenn aber doch, dann muss ich mich dieser Wahrheit wie jeder anderen Wahrheit stellen - mag das nun in politischen Versammlungen zweckmäßig sein oder nicht. […]

Vielleicht bist du der Meinung, es gebe noch einen anderen Grund für unser Schweigen über den Himmel, dass wir nämlich gar nicht wirklich danach verlangen. Das kann aber eine bloße Täuschung sein. Was ich nun sagen werde, ist nichts als meine privateste Meinung ohne den geringsten Autoritätsanspruch; und ich unterwerfe sie dem Urteil besserer Christen und gelehrterer Männer, als ich es bin.

Es gibt Zeiten, da auch ich glaube, dass wir gar nicht nach dem Himmel verlangen. Noch häufiger aber frage ich mich, ob wir - im Innersten unseres Herzens - jemals nach etwas anderem verlangt haben."

Prof. Dr. theol. h.c., Dr. h.c. Clive Staples Lewis (1940, britischer Schriftsteller und Literaturwissenschaftler, The Problem of Pain, 1940; Über den Schmerz, Köln/Olten: Hegner 1954; Gießen: Brunnen, 7. Aufl. 2009, S. 147 f.)

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idea-Interview: „Ich werde meine Tochter in der Ewigkeit wiedersehen“ (www.ekir.de, EKiR-News, idea, November 2005)

Nikolaus Schneider, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR), über das Sterben seiner jüngsten Tochter, den Tod und die Ewigkeit: ein idea-Interview


„Mit dem Ewigkeitssonntag am 20. November geht das Kirchenjahr zu Ende (am 1. Advent beginnt ein neues). Im Volksmund heißt dieser Sonntag „Totensonntag“. Viele Menschen denken an die, die in ihrem Umfeld gestorben sind. Aber nur 45 Prozent der Mitteleuropäer glauben laut Umfragen an ein Leben nach dem Tode. Zu Sterben, Tod und Ewigkeit ein Interview mit dem Präses der zweitgrößten deutschen Landeskirche, der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider (58, Düsseldorf). Er gehört auch der Leitung der EKD, dem Rat, an. Am 3. Februar dieses Jahres starb die jüngste seiner drei Töchter, Meike, im Alter von 22 Jahren. Am Ende ihres ersten Semesters Theologie erfuhr sie, dass sie an Leukämie erkrankt sei. Zwei Jahre lang kämpfte sie gegen diesen Blutkrebs. Am 20. November wird im Ersten Fernsehprogramm um 17.30 Uhr in einer Sendung der Reihe „Gott und die Welt“ über sie berichtet. Mit Präses Schneider sprach Helmut Matthies.

idea: Herr Präses, Ihre Tochter musste lange leiden, bevor sie starb. Hatten Sie vorher anders über das Sterben gedacht?

Schneider: Ich habe meinen Vater beim Sterben begleitet und als Gemeindepfarrer an vielen Sterbebetten gesessen. Aber wenn das eigene Kind stirbt, ist es ein Stück weit, als wenn man selbst stirbt. Wir hatten viele Male um Heilung gebetet und auch immer wieder den Eindruck, dass dieses Gebet erhört worden war. Sowohl nach der Chemotherapie als dann auch nach der Rückenmarkstransplantation hieß es, sie sei geheilt. Nach nur fünf Wochen aber war der Krebs wieder da.

„Ich habe jetzt einige Fragen an Gott“

idea: Nimmt da das Bild von Gott Schaden?

Schneider: Natürlich ist dieses Bild angekratzt. Ich habe jetzt einige Fragen an Gott: Warum hat er unsere Tochter mit nur 22 Jahren sterben lassen? Er hätte doch die Macht gehabt, sie zu heilen! Warum ließ er dieses Auf und Ab zu? Andererseits wird die grundsätzliche Beziehung zu Gott nicht in Frage gestellt. Im Gegenteil: Wir sind dankbar auch für die schlimme Zeit, denn wir haben eine Tiefe in der Beziehung zu unserer Tochter, innerhalb unserer Familie und auch zu Gott erlebt, wie sie sonst nicht vorstellbar gewesen wäre. Wir bekamen ungeahnte Kräfte, aber auch genau die richtigen Worte in unserem Innern, die uns halfen zurechtzukommen.

Wenn man zweimal als „geheilt“ erklärt wird

idea: Wusste Ihre Tochter, dass sie sterben muss?

Schneider: In ihrem Innern, denke ich, ja, obwohl sie bis zu ihrem letzten bewussten Augenblick um ihr Leben gekämpft hat. Es war ja wie eine Achterbahnfahrt: geheilt – Rückfall – geheilt – Rückfall. Natürlich wurde auch ihr Verhältnis zu Gott dadurch mit Fragen versehen. Die Zeit bis zu ihrem Tod war dann ein Ringen um die Erfahrung von Gottes Nähe. Besonders die im Neuen Testament beschriebene Erfahrung Jesu am Kreuz wurde ihr zum Trost: dass Gott nämlich nicht ein ferner Gott ist, sondern in Jesus Christus unsere Tiefen, unsere Verzweiflung, unsere Hilflosigkeit und unsere Schmerzen – sie hatte ja auch erhebliche Schmerzen bei der Therapie – kennt. Auch Jesus hatte ja in seinem Leben Momente der Gottesferne erfahren. Sie durfte erfahren, dass Gott für sie in ihrem Leid da ist. Sie war aber gewiss, dass sie nach dem Tod in Gottes Armen geborgen ist.

idea: Sie war also bewusst Christin?

Schneider: Es ist für uns ein großes Geschenk, dass unsere drei Töchter sich durch die Erfahrung des Pfarrhauses nicht vom Glauben an Christus entfernt haben. Im Gegenteil: Alle setzen sich mit dem Glauben auseinander und sind der Kirche verbunden.

Nie wünschte jemand tatsächlich, dass er schneller stirbt

idea: Es gibt ja gegenwärtig eine breite Debatte über die Sterbehilfe. Hat Ihre Tochter je den Wunsch geäußert, dass man ihr hilft, schneller zu sterben?

Schneider: Auf den Gedanken ist sie überhaupt nicht gekommen. Sie genoss aber auch eine hervorragende Schmerztherapie. Das war eine gute Hilfe.

idea: Haben Sie das als Seelsorger je erlebt, dass Kranke den Wunsch geäußert haben, wegen ihres Leidens schneller sterben zu können?

Schneider: Nein. Letztlich war es stets ein Ja zum Unabänderlichen und dann
auch ein getrösteter Übergang.

Ich habe keine Angst mehr vor dem Sterben

idea: Nachdem Sie den Tod Ihrer Tochter so intensiv erlebt haben: Können Sie selbst jetzt auch leichter sterben?

Schneider: Bereits seitdem ich als Gemeindepfarrer Menschen beim Sterben begleitet habe, habe ich keine Angst mehr.

idea: Warum nicht?

Schneider: Weil ich gesehen habe, dass es geht. Es ist ein großes Privileg von Pfarrerinnen und Pfarrern, dass sie Menschen beim Sterben begleiten können. Denn dann können sie die Erfahrung machen, wie man stirbt. Dass man nämlich Bilanz ziehen, sich von anderen verabschieden kann und dass die Heilige Schrift dafür wundervolle Texte und Bilder bereithält, die Hoffnung machen auf das Leben nach dem Tod in der Gegenwart Gottes.

idea: Was ist da für Sie das eindrucksvollste biblische Bild?

Schneider: Ich denke besonders an das Wort Jesu: „Ich gehe voraus, euch in meines Vaters Haus eine Wohnung zu bereiten ... Ihr sollt sein, wo ich bin “ (Johannes 14,1 ff) oder an das, was in der Offenbarung des Johannes steht: „Und Gott wird (in der Ewigkeit) abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein“ (21,4).

Sie starb in unseren Armen

idea: Wie ist Ihre Tochter heimgegangen?

Schneider: Als uns der Arzt sagte, dass es soweit sei, lag sie auf einer Intensivstation in Essen. Unsere ganze Familie und ihre Tante waren die letzten fünf Stunden bei ihr. Wir haben gebetet und miteinander gesungen. Und sie ist dann in meinen und in den Armen meiner Frau heimgegangen.

idea: Hat Ihre Tochter für Ihre Beerdigung etwas festgelegt?

Schneider: Sie hat gesagt, welchen Pfarrer sie sich wünscht und dass die Bibeltexte von Hoffnung bestimmt sein sollten.

Sie wünschte eine große Beerdigung

idea: Seit langem gibt es den Trend, dass Beerdigungen „in aller Stille“ – also im kleinstmöglichen Rahmen – stattfinden. Was wünschte sich Ihre Tochter?

Schneider: Eine ganz große Beerdigung! Sie wollte, dass alle, die zu uns gehören und Anteil an ihrem Leid genommen haben, dabei sind. Wer sagt, man solle das im kleinsten Kreise machen, weiß nicht, was er sich selbst damit antut. Denn Sterben ist ein so mächtiger Prozess, dass man ganz viele Freunde und Freundinnen und Geschwister im christlichen Glauben braucht, die einen dabei begleiten und trösten. Sterben und Tod sind immer Sache der gesamten Gemeinde.

idea: Welche Erfahrungen haben Sie hier gemacht, die für andere hilfreich sein könnten?

Schneider: Das erste ist, dass man nicht vor dem eigenen Sterben und dem anderer „weglaufen“ sollte. Wir haben hier oft eine völlig falsche Vorstellung, nämlich die, dass das alles nur schrecklich sei. Doch wer andere beim Sterben begleitet, wird dadurch auch innerlich reicher. Tränen und Trauer können guttun. Vor allem aber dürfen wir nicht vergessen, dass wir als Christinnen und Christen eine gemeinsame Hoffnung haben, nämlich dass wir im Reich Gottes wieder zusammenkommen werden. Und das, was im Neuen Testament darüber gesagt ist, sollte man sich selbst und dem Sterbenden vergegenwärtigen. Dann können wir diese Situation bestehen.

Was tun bei Sterbenden?

idea: Was heißt das konkret?

Schneider: Man sollte sich erkundigen, welche Lieblingslieder im Gesangbuch der Sterbende hatte, und sie dann mit ihm zusammen singen. Man kann den wunderschönen Psalm 23 (Der Herr ist mein Hirte) vorlesen oder auch Psalm 139, wo es heißt, dass Gott uns von allen Seiten umgibt. Man sollte auf jeden Fall das Vaterunser beten, dem Sterbenden die Hand auflegen und ihn segnen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich dann selbst in den allerletzten Minuten noch die Lippen mit bewegten. Die Sterbenden nehmen also diese Tröstung bewusst wahr. Für Gemeinden sollte es zur Regel werden, dass ihre Geistlichen einmal das Angebot für einen Abend zum Thema „Die Begleitung Sterbender“ machen, wo man Fragen behandelt, wie man sich verhalten, welche Lieder und Texte man berücksichtigen sollte und welche Möglichkeiten es gibt, mit einem Sterbenden noch zu kommunizieren.

Auch sterbende Atheisten warten auf die Frage nach Gott

idea: Wie ist das, wenn man nicht weiß, ob der Sterbende an Gott glaubt: Soll man ihn trotzdem offensiv darauf ansprechen?

Schneider: Ich möchte dazu ermutigen, stets die Frage nach Gott zu stellen. Freilich sollte man das so tun, dass der andere auch die Freiheit hat, nein zu sagen. Oft ist es aber gerade so, dass Sterbende geradezu darauf warten, dass man sie fragt nach Gott oder, ob man mit ihnen beten darf. Das gilt auch für Atheisten. Denn auch sie kommen bei Sterben und Tod ins Fragen. Und da haben wir die große Chance, ihnen zu helfen.

„Ich möchte langsam sterben“

idea: Viele Menschen wünschen sich, plötzlich und schnell zu sterben. Wie möchten Sie sterben?

Schneider: Langsam. Der schnelle Tod ist ein böser Tod, weil man sich nicht verabschieden kann. Das Sterben ist doch eine ganz wichtige Phase unseres Lebens, und wenn wir sie nicht selbst mitgestalten können, dann fehlt uns und unseren Angehörigen etwas Entscheidendes.

idea: Haben Sie die Hoffnung, Ihre Tochter in der Ewigkeit wiederzusehen?

Schneider: Selbstverständlich, denn das steht ja auch klar im Neuen Testament, beispielsweise im 1. Korintherbrief im 15. Kapitel. Dann haben wir im Johannesevangelium (Kapitel 14) die Abschiedsreden Jesu, in denen er uns ganz klar sagt, dass wir mit ihm einst in der Ewigkeit zusammen sein werden.

idea: Haben Sie da auch mit Ihrer Tochter darüber gesprochen?

Schneider: Das war auch immer Thema. Im Übrigen spreche ich darüber bei allen Beerdigungen.

Was geschieht nach dem Tod?

idea: Im Neuen Testament gibt es ja zwei Aussagestränge im Blick auf die Ewigkeit. Nach dem einen ist es so, dass wir nach dem Tod so lange „schlafen“, bis wir wieder auferweckt werden zum Jüngsten Gericht (Joh. 11,11; 1. Thess. 4,15 ff, 1. Joh. 3,2). Nach anderen Stellen kann man davon ausgehen, dass wir gleich nach dem Tod in der Ewigkeit bei Christus sein werden, zum Beispiel wenn Jesus zum Schächer am Kreuz sagt: „Heute wirst du mit mir im Paradiese sein“ (Lukas 23,4).

Schneider: Wir haben tatsächlich beides, wobei mich die Aussage Jesu, die er gegenüber dem Schächer am Kreuz macht, am meisten überzeugt. Aber letztlich kann ich hier nur sagen: Warten wir einmal ab, wie es wird. Entscheidend ist, dass wir als Christinnen und Christen wissen dürfen, dass wir einmal in der Ewigkeit bei Christus sein werden. Darauf freue ich mich. Und ich habe geradezu eine gewisse Sehnsucht in mir, meine jüngste Tochter dort einmal wiederzusehen.

Es kann uns in die Hölle führen

idea: Rein statistisch ist im Neuen Testament mehr von der Hölle als vom Himmel die Rede. Was bedeutet Hölle für Sie?

Schneider: Dass unser Leben nicht belanglos ist, sondern Konsequenzen hat, dass Gott darüber beim Jüngsten Gericht ein Urteil fällen wird. Und dieses Urteil kann uns in Abgründe führen, also in die Hölle. Natürlich habe ich die Hoffnung, dass Gottes Gnade größer sein wird als alles, was ich mir vorstellen kann. Aber das darf ich nicht voraussetzen.

idea: Nun heißt es in der Rede Jesu an seine Jünger, dass das Kriterium dafür, ob ich in den Himmel komme, ist, dass ich mich zu Jesus Christus vor anderen bekenne (Mt. 10,32) ...

Schneider: Wir können unser Leben nur auf Jesus Christus allein begründen. Das ist tatsächlich der Grund, auf dem wir stehen, und das muss auch klar verkündigt werden.

Wenn ich nur noch einen Tag zu leben hätte

idea: Wenn Sie nur noch einen Tag zu leben hätten: Was würden Sie tun?

Schneider: Ich würde mich bei allen entschuldigen, denen ich wehgetan, die ich ungerecht oder gedankenlos behandelt habe. Wenn möglich, würde ich dann versuchen, mich mit so vielen Menschen wie möglich noch einmal zusammenzusetzen. Von meinen Lieben und insbesondere von meiner Frau würde ich mich unter Tränen und Trauer verabschieden. Gleichzeitig würde ich Gott für mein Leben danken. Ich möchte aber auch die Freude darüber zum Ausdruck bringen, dass ich jetzt in das ewige Reich Gottes gehe, und hoffe, viele von denen, mit denen ich hier gelebt habe, einmal wiederzusehen.

idea: Wir danken für das Gespräch.“

Präses Dr. h.c. Nikolaus Schneider (November 2005, 2010 - 2014 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland - EKD, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) , idea-Interview: „Ich werde meine Tochter in der Ewigkeit wiedersehen“, EKiR-News, idea, November 2005, www.ekir.de/www/service/8A1C46D57F6E4196A3AC4575F84026CA.php)

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Nikolaus und Anne Schneider (2013)

 


"Seltsam, wie still nachts um 2 Uhr die Grosstadtstrassen sein können, die am Tage mit Lärm erfüllt sind! Schwarz und schweigend stehen die Häuser. Trübe scheinen die Lampen durch den dunklen Nebel.
Fröstelnd biege ich ein in die Strasse, die zu dem Krankenhaus führt. Mitten in der Nacht hat mich das Telefon geweckt: Ein Sterbender verlangt nach dem Pfarrer.
Aus einem Hause fällt Licht. Zankende Stimmen stören die Ruhe der Nacht. Um welche Kleinigkeit man sich dort wohl streitet? Und in dem Krankenhaus schickt sich eine Seele an, in die Ewigkeit zu gehen.

Es ist so wunderlich: Ich sollte das Sterben doch gewohnt sein! Wie viele habe ich dahingehen sehen – auf Schlachtfeldern und auf Krankenbetten! Aber – es ist und bleibt eine erschütternde Sache, wenn der lebendige Gott ruft: „Kommt wieder, Menschenkinder!“
Ich muss mich beeilen! Bald stehe ich vor dem großen Gebäude. Der Pförtner weiß schon Bescheid und weist mich auf die richtige Station.
Und nun betrete ich das Krankenzimmer. Im Bett ein noch junger Mann. Seine Frau sitzt erregt bei ihm. Als sie mich sieht, springt sie auf: „Herr Pfarrer, geben Sie meinem Mann schnell das Abendmahl!“
Ich schaue auf den Patienten. Der Tod hat das Gesicht schon gezeichnet. Der Kranke nimmt keine Notiz mehr von meinem Kommen.

Nein! Ich werde den Mann nicht mehr mit einer Abendmahlsfeier quälen. Aber es ist meine Überzeugung, dass die Sterbenden unser Wort noch hören, auch wenn der Leib keine Zeichen des Verständnisses mehr gibt. Und darum will ich den Mann in die Ewigkeit begleiten mit meinem Gebet und mit den Worten der Gnade.
Die Frau hält meine Hand fest: „Herr Pfarrer, schnell! Geben Sie meinem Manne das Abendmahl!“
Ich schiebe sie beiseite. Ihre Unruhe ist bedrückend. Dann beuge ich mich zu dem Kranken und sage ihm ganz langsam das Bibelwort: „Das Blut Jesu Christi macht uns rein von aller Sünde …“
Langsam schlägt er die Augen auf und sieht mich an. Die Frau packt meinen Arm: „Schnell! Das Abendmahl!“
Wenn ich doch die Frau zur Ruhe bringen könnte! Ich führe sie auf den Korridor hinaus und versuche ihr klar zu machen, dass ihr Verlangen sinnlos sei. „Sehen Sie, Ihr Mann ist schon viel zu elend. Das Abendmahl quält ihn jetzt nur.“
Sie schluchzt auf: „Aber er soll doch selig werden!“
Was soll man da sagen? „Frau!“ erkläre ich ihr erregt, „meinen Sie denn, eine äußerliche Zeremonie könne vom Gericht Gottes erretten? Wenn Ihr Mann den Herrn Jesus Christus kennt als seinen Heiland und an Ihn glaubt, dann ist er errettet – auch wenn er jetzt nicht das Abendmahl nimmt. Und ohne Jesus – ja, da hilft auch kein Abendmahl!“
Aber sie lässt nicht nach! Sie erzählt, wie sehr ihr Mann nach dieser Feier begehre. Sie drängt …
Ach, ich war damals ein junger Anfänger im Amt. Auf der Universität hatte mich kein Mensch auf solche Fälle vorbereitet. Hilflos stand ich im Zweifel, was zu tun sei. Dann gab ich nach.
Wir gingen in das Zimmer. Schnell richtete ich die Geräte. Der Mann war durch die leise Unruhe aufgewacht. Still und – wie mir schien – gesammelt, war er jetzt ganz bei der Sache.
„Dies ist der Kelch des neuen Testaments in meinem Blute, das für euch und für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden …“ In der unendlich stillen Nachtstunde standen diese gewaltigen Worte wie Felsen der ewigen Errettung …
Betend wartet der Krankenwärter im Hintergrund. Ich kannte ihn als einen von Herzen gläubigen Christen.
Als die Feier zu Ende war, sank der Mann befriedigt zurück in die Kissen. Ich verließ mit dem Wärter das Zimmer. Nun sollten die beiden Eheleute allein sein, um Abschied zu nehmen.

Aber – ich kam noch nicht fort. Der Wärter verwickelte mich in ein Gespräch. Und ich ließ es gern geschehen. Mir war, als sei diese Sache noch nicht zu Ende.
Es verging eine halbe Stunde. Alles war still.
„Wir wollen nach dem Kranken sehen“, sagte ich und öffnete die Tür.
Da bot sich mir ein verblüffendes Bild: aufrecht saß der Mann im Bette. Lachend rief er uns zu: „Ich bin über den Berg. Es geht besser!“ Und lachend und weinend warf sich die Frau an seinen Hals.
Es war erstaunlich. Aber warum sollte das nicht stimmen? Es läuft mancher durch die Strassen, den die Ärzte einmal aufgegeben hatten. Und die Freude der beiden steckte einfach an. Da musste man sich mitfreuen.
Ich nahm die Hand des Kranken: „Wie glücklich bin ich, dass ich das miterleben darf.“ Und nun ergriff mich dieser Wechsel der Situation mächtig. Ich musste noch ein Wort sagen: „Lieber Mann, als Sie an den Pforten der Ewigkeit standen, ist der Herr Jesus zu Ihnen gekommen mit Seiner Gnade. Lassen Sie nun nicht mehr von diesem Heiland!“
Da ging auf einmal ein abscheuliches Grinsen über das Gesicht des Mannes – es war wie ein Flammenschein der Hölle. Spöttisch lächelnd sagte er: „Ach, das alles brauche ich doch nicht mehr. Ich lebe ja wieder!“
Erschüttert stand ich. Jedes Wort blieb mir in der Kehle stecken. Und während ich noch so stand, griff der Patient plötzlich nach seinem Herzen und – sank langsam zurück. Er war tot!
Da bin ich in die Nacht geflohen …

Pfarrer Wilhelm Busch (1929 bis 1962 protestantischer Jugendpfarrer - Essen,
http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Busch_(Pfarrer), Christus lebt! Erlebnisse und Kurzgeschichten)

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Eines Tages wirst Du mich fragen,
was mir wichtiger ist,
Du oder mein Leben.
Und ich werde Dir antworten - mein Leben
und Du wirst gehen.

Und es ist mein Leben - heute, 
mein Leben ohne Dich, Jesus.
Und ich habe mich verirrt
in meinem ungelebten Leben.

Unbekannter Autor?

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"Wer nicht an Gott glaubt, sollte das konsequent tun. Das Leben ist kurz, der Tod endgültig. Und jede Unentschiedenheit kostet unwiederholbare Lebenszeit." […]

"Je wichtiger die Dinge für alle Menschen sind, desto allgemeinverständlicher und einfacher muss man sie ausdrücken können.
Auch Akademiker, die für ihren Glauben aufs Schafott gehen, können ihre Gründe für diesen existenziellen Schritt auf ganz einfache Weise kurz und bündig und ohne Fremdwörter ausdrücken, und ebenso können das Atheisten, die sich zum Freitod entschließen.

Dennoch sind das die wichtigsten Argumente, die sie jemals in ihrem Leben gehabt haben."

Dr. Manfred Lütz (21. September 2007, Psychiater u. Theologe, Gott. Eine kleine Geschichte des Größten. Pattloch, ISBN 978-3629021588)

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"Als Bonhoeffer in Flossenbürg
[KZ Flossenbürg bei Weiden im Oberpfälzer Wald, 9. April 1945] nackt zum Galgen gehen musste, lautete sein letzter Satz:"

"Das ist das Ende. Für mich der Beginn des Lebens."

Dr. Dietrich Bonhoeffers (9. April 1945,
Evangelisch-lutherischer Theologe, Vertreter der Bekennenden Kirche, KZ Flossenbürg, http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/18/0,3672,3792370,00.html)

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"Fürchte nicht, dass dein Leben enden wird, sondern fürchte lieber, dass es nie beginnen wird."

Prof. Dr. John Henry Kardinal Newman (1801 - 1890, englischer Theologe)

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Jesus Christus: "Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt."

Johannes 11, 25

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"Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.
Wer überwindet, der wird es alles ererben, und ich werde sein Gott sein und er wird mein Sohn sein."

Offenbarung 21, 6-7

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"Teuer ist diese Gnade, die in die Nachfolge ruft.
Gnade ist sie, weil sie in die Nachfolge Jesu Christi ruft.

Teuer ist sie, weil sie den Menschen das Leben kostet.
Gnade, weil sie ihm gerade so das Leben schenkt."

Pfarrer Dr. Dietrich Bonhoeffer (1906-1945, Evangelisch-lutherischer Theologe, Vertreter der Bekennenden Kirche, http://www.ekiba.de/glaubeakt_6366.htm)

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"Jesus: Ich aber bin gekommen, um ihnen das Leben zu geben, Leben im Überfluss."

Johannes 10, 10

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5 "Spricht zu ihm Thomas: Herr, wir wissen nicht, wo du hingehst; wie können wir den Weg wissen?
6 Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich."
23 "Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen."

Johannes 14, 5-6 + 23

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37 "Alles, was mir mein Vater gibt, das kommt zu mir; und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen.

38 Denn ich bin vom Himmel gekommen, nicht damit ich meinen Willen tue, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat. 39 Das ist aber der Wille dessen, der mich gesandt hat, dass ich nichts verliere von allem, was er mir gegeben hat, sondern dass ich's auferwecke am Jüngsten Tage.

40 Denn das ist der Wille meines Vaters, dass, wer den Sohn sieht und glaubt an ihn, das ewige Leben habe; und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tage."

JOHANNES / 6. Kapitel, 37-40

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"So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit die, die an Ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben."

Johannes 3, 16

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"Und ich sage euch nicht, dass ich den Vater für euch bitten will; denn er selbst, der Vater, hat euch lieb, weil ihr mich liebt und glaubt, dass ich von Gott ausgegangen bin."

Johannes 16, 26+27

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"Ich habe Dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte."

Jeremia 31, 3

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"Und du sollst den HERRN, deinen Gott, lieb haben
von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft"

5. Mose 6,5 + Lukas 10, 27

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"Denn ihr habt nicht einen knechtischen Geist empfangen, dass ihr euch abermals fürchten müsstet; sondern ihr habt einen kindlichen Geist empfangen, durch den wir rufen:

Abba, lieber Vater!"
[Papa, lieber Vater]

[Abba (aramäisch) bedeutet Vater, im eigentlichen Sinne ist die kindliche Anrede eines Vaters
gemeint, so dass man das eher im Deutschen mit "Papa" übersetzen könnte.]

Römer
8, 15

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"Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bild, nach dem Bild Gottes schuf er ihn,
als Mann und Frau schuf er sie."

1. Mose 1, 27

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"Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig, der HERR, euer Gott."

3. Mose 19, 2

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"Gottes zu bedürfen ist des Menschen höchste Vollkommenheit"
[Gottesebenbildlichkeit]

Søren Kierkegaard (1844, dänischer Theologe u. Philosoph, Erbaulichen Reden)

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"Du hast uns zu Deinem Eigentum erschaffen und ruhelos ist unser Herz, bis es ruht in Dir."
[lat.: "Tu excitas, ut laudare te delectet, quia fecisti nos ad te et inquietum est cor nostrum,
donec requiescat in te."]


Augustinus von Hippo (354-430, Theologe und Philosoph, Confessiones 1, 1)

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"Alle Theologie ist ein Stillewerden vor Gott."

Pfarrer Friedrich von Bodelschwingh (1831- 1910, Theologe)

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"Das Christentum ist keine Lehre, sondern eine Existenz-Mitteilung. Christus hat keine Dozenten eingesetzt, sondern Nachfolger."

Søren Kierkegaard (1844 , dänischer Theologe u. Philosoph)

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"Neulich habe ich einen Bekannten getroffen, der drei süße kleine Kinder hat, einen Jungen und zwei Mädchen. Als er mir so entgegenkam, sah ich, wie die Kinder auf ihren Vater einredeten: wie die Bücher, alle zur gleichen Zeit. Und der Vater hatte Mühe, allen zu antworten. Da komme ich dazu und sage: »Guten Tag, Herr Sowieso! Guten Tag, ihr Kinderchen!« Wie man's so macht! Und siehe da: Die Kinder verstummten sofort. Dem Fremden gegenüber verstummten sie. Das heißt: Kinder können eigentlich nur mit ihrem Vater oder ihrer Mutter richtig reden. Wenn ein Fremder kommt, dann werden sie verlegen. So können wir nur richtig beten, wenn wir Kinder Gottes geworden sind! Darum können wir nicht beten, weil wir nicht Kinder Gottes sind.

Ach ja, wir sind »kirchlich«, wir sind konfirmiert; wir sind »christlich«, wir gehen Weihnachten in die Kirche; wir sagen dem Pastor »Guten Tag« und boxen ihm nicht in die Rippen, so höflich sind wir. Ein Erweckungsprediger hat einmal gesagt: »Sie sind getaufte Hasen!« Da hat einer gefragt: »Was soll das heißen?« Und da hat er geantwortet: »Wenn du einen Hasen fangen und taufen würdest, dann würde er doch gleich wieder weg ins Feld springen. So machen sie es auch: Gerade getauft - und dann geht's gleich wieder in die Welt hinein!«

Liebe Freunde, da kann man nicht beten. Nur Kinder Gottes können richtig beten!" "Ein Kind wird man nur durch Geburt, ein Kind Gottes wird man nur durch Wiedergeburt." "Ich will Ihnen kurz sagen, wie man ein Kind Gottes wird: Nur durch Jesus! Der sagt: »Ich bin die Tür. Wer durch mich eingeht, wird selig werden.« "Der erste Schritt, wie ich ein Kind Gottes werde, ist: Jesus erkennen. Und der zweite Schritt ist, dass ich gegen diesen Jesus ein großes Vertrauen kriege: Er kann mein Innenleben, meine Friedlosigkeit, meine heimliche Schuld, meine Jugendsünden in Ordnung bringen!

Im Alten Testament spricht ein Mann Gottes: »Du führst die Sache meiner Seele.« Auf einmal bekommt man Vertrauen zu Jesus. Und man vertraut ihm so, dass man es wagt, von seinem bisherigen Leben abzuspringen und ihm das ganze Leben in die Hand zu geben. Wir nennen das Bekehrung. Das war die Stunde in meinem Leben, als ich mit achtzehn Jahren absprang von einem Gott- losen Leben und mein Leben Jesus gab. Da hat mir kein Mensch geholfen. Ich kann Ihnen auch nicht helfen. Sie müssen es mit ihm alleine ausmachen. Aber riskieren Sie es nur und sagen Sie ihm: »Nimm mein Leben, Jesu, dir / Übergeb ich's für und für!« In dem Augenblick, wo Sie das tun, sind Sie ein Kind Gottes geworden.

Da kommen Leute zu mir und erklären mir, dass man auch auf andere Art und Weise selig werden kann. Versuchen Sie es! Ich sage Ihnen: Es gibt nur eine Tür ins Reich Gottes! Und diese Tür heißt Jesus!

Jesus: für uns gestorben und für uns auferstanden! Und sehen Sie: Wenn Sie ein Kind Gottes geworden sind - ach, suchen Sie doch Jesus, bitte, er sucht Sie schon so lange! -, dann können Sie beten, dann hört das Elend Ihres Lebens auf, dann können Sie Ihr Herz vor ihm ausschütten - wie ein Kind dem Vater." "Was tun, wenn man nicht glauben kann? Bitten Sie Gott um Licht! Er ist ja neben Ihnen. Sagen Sie: »Herr, lass mich doch zum Glauben kommen. lass mich doch Licht sehen!« Er hört das!"

Pfarrer Wilhelm Busch (1929 bis 1962 protestantischer Jugendpfarrer - Essen, Jesus unser Schicksal, Aussaat: Aufl. 2005, ISBN 978-3761553558, http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Busch_(Pfarrer)

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"Die Christen müssten mir erlöster aussehen, bessere Lieder müssten sie mir singen, wenn ich an ihren Erlöser glauben sollte."

Friedrich Nietzsche (1844 - 1900, Deutscher Philosoph)

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"Warum sehen die Christen nicht erlöster aus?" [...]

"Vielleicht haben wir uns schon zu lange bei dieser Frage aufgehalten. Wenn wir nämlich nur ein Argument gegen das Christentum suchen - und ich weiß noch genau, wie eifrig ich nach solchen Argumenten suchte, als ich zu fürchten begann, es könnte wahr sein -, dann werden wir leicht irgendeinen bornierten und wenig überzeugenden Christen finden, um sagen zu können: „Hier habt ihr euern vielgepriesenen neuen Menschen! Mir ist der alte lieber."

Sind wir aber einmal zu der Einsicht gelangt, dass vieles für das Christentum spricht, dann wissen wir genau, dass solch ein Satz den Kern verfehlt. Was können wir schon in Wirklichkeit von Seelen anderer Leute wissen, ihren Versuchungen, ihren Möglichkeiten, ihren Kämpfen?

Es gibt eine einzige Seele in der ganzen Schöpfung, die wir kennen, und es ist die einzige, deren Schicksal in unsere Hände gegeben ist. Wenn es einen Gott gibt, sind wir mit ihm allein.

Wir können ihn nicht abweisen mit Vermutungen über unsere Nachbarn oder Erinnerungen an Dinge, die wir irgendwo gelesen haben. Wie wenig wird all dieser Tratsch und dieses Gerede zählen (werden wir überhaupt noch daran denken?), wenn der betäubende Nebel zerreißt, den wir „Natur" oder „die wirkliche Welt" nennen, und die Gegenwart Gottes offenbar, unmittelbar und unausweichlich wird!"

Prof. Dr. theol. h.c., Dr. h.c. Clive Staples Lewis (1898-1963, britischer Schriftsteller und Literatur-wissenschaftler, Pardon - ich bin Christ, Aufl. 2006)

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"Wenn ein Mensch Gott begegnet, so wird er erleben, ob er es will oder nicht, dass all die Dinge von ihm abfallen, die ihn von Menschen anderer Epochen (oder sogar von seinem früheren Selbst) so verschieden zu machen schienen. Er ist dahin zurückgekehrt, wo er schon immer war, wo jeder Mensch immer ist. «Eadem sunt omnia semper» - alles ist immer dasselbe. Betrügen wir uns doch nicht selbst!

Wir können mit unserem Forschen bis zu den Grenzen des Möglichen vordringen und uns ein noch so komplexes Weltbild schaffen - es kann uns nicht vor Gott verbergen. Kein Gestrüpp, kein Wald, kein Dschungel ist dicht genug, um uns Unterschlupf zu gewähren. In der Offenbarung heißt es von ihm, «der auf dem Throne saß»: «Vor seinem Angesicht flohen die Erde und der Himmel.» [Offenbarung 20, 11]

Das kann jeder von uns schon im nächsten Augenblick erleben. Wirklich: In einem Augenblick, in einer unmessbar kurzen Zeit und an jedem beliebigen Ort kann alles, was scheinbar zwischen uns und Gott stand, fliehen, sich in nichts auflösen, und wir finden uns nackt und bloß vor ihm wie der erste Mensch, wie der einzige Mensch, als gäbe es sonst nichts mehr - nur ihn und mich.

Und weil wir dieser Begegnung auf lange Sicht nicht ausweichen können, und weil sie Freude oder grauenvollen Schrecken über uns bringen wird, gibt es im Leben nichts Wichtigeres, als dass wir lernen, uns darauf zu freuen. Das ist unsere erste und größte Lebensaufgabe."

Prof. Dr. theol. h.c., Dr. h.c. Clive Staples Lewis (1898-1963, britischer Schriftsteller und Literatur-wissenschaftler, Nach der Wahrheit fragen, Dr.phil. Jürgen Spieß, Brunnen-Verlag, Gießen; Aufl. 2007, ISBN: 978-3765532238)

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"Ich wünsche nur jedem, den Retter zu kennen und Gott nicht nur Herr, sondern Vater zu nennen."

Albert Frey (2006, Liedermacher, CD "Für den König")

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"Er hat den Schuldbrief getilgt, der mit seinen Forderungen gegen uns war, und hat ihn weggetan und an das Kreuz geheftet."

Kolosser 2, 14

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11 "Das ist der Stein, von euch Bauleuten verworfen, der zum Eckstein geworden ist. 12 Und in keinem andern ist das Heil, auch ist kein andrer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir sollen selig werden.

13 Sie sahen aber den Freimut des Petrus und Johannes und wunderten sich; denn sie merkten, dass sie ungelehrte und einfache Leute waren, und wussten auch von ihnen, dass sie mit Jesus gewesen waren. 14 Sie sahen aber den Menschen, der gesund geworden war, bei ihnen stehen und wussten nichts dagegen zu sagen. 15 Da hießen sie sie hinausgehen aus dem Hohen Rat und verhandelten miteinander und sprachen:

16 Was wollen wir mit diesen Menschen tun?
Denn dass ein offenkundiges Zeichen durch sie geschehen ist, ist allen bekannt, die in Jerusalem wohnen, und wir können's nicht leugnen. 17 Aber damit es nicht weiter einreiße unter dem Volk, wollen wir ihnen drohen, dass sie hinfort zu keinem Menschen in diesem Namen reden."

 Apostelgeschichte 4, 11 - 17

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"Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, denen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Blut noch aus dem Willen des Fleisches noch aus dem Willen eines Mannes, sondern von Gott geboren sind."

Johannes 1, 12-13

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"Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen."
  
Johannes 3, 3

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"Und er hat euch mit ihm [Jesus Christus] lebendig gemacht, die ihr tot wart"

Kolosser 2, 13

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"Jesus spricht zu ihm: Folge du mir, und lass die Toten ihre Toten begraben!"

Matthäus 8,22

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"Da stand der Herr Jesus und erlebte es, wie unter seiner Rede die Menschen wegliefen. „Das ist eine harte Rede!" sagten sie empört. Jesus wandte sich an seine Jünger: „Und ihr?"

Nun antwortete Petrus ... : „Herr! Wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. Und wir haben geglaubt und erkannt, dass du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!" [Johannes 6, 66-69]

Es ist wundervoll, wenn ein Herz nach mancherlei Kämpfen zu dem Entschluss kommt: „Dein sind wir, / Dein in Ewigkeit!"

Pfarrer Wilhelm Busch (1966, protestantischer Jugendpfarrer - Essen, "365 x ER. Tägliche Andachten", Aussaat; 14. Auflage 2006, ISBN-13: 978-3761541586,
http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Busch_(Pfarrer)

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"Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe."

Jesus Christus (Matthäus 10, 16)

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"Der Satan hat begehrt, euch zu sieben wie den Weizen. Ich aber habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre."


Jesus Christus (Lukas 22, 31-32)

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Dann war da noch..  Schlusslichter

 

Harald Schmidt über seine neue Rolle im Tatort (ab 2016 als Chef des neuen Ermittlerteams aus Freiburg):

"Ich glaube, dass die Figur die ich spiele, etwas radikal Neues ist - nämlich ein heterosexueller, katholischer Familienvater. Das gibt es meiner Meinung nach im Tatort derart nicht. Unsere Gesellschaft ist aber reif, sich ein derart radikales Lebenskonzept auch am Sonntagabend anzuschauen."

Harald Schmidt (8. Dezember 2015, deutscher Schauspieler, Kabarettist und Schriftsteller, Harald Schmidt im neuen Tatort: Heterosexueller katholischer Familienvater, Das Erste - Nachtmagazin, www.tagesschau.de, Stand 9.12.2015)

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"Ob ich Atheist bin, das weiß Gott allein."

Prof. Dr. Harald Lesch (7. Oktober 2009, Physiker, Astronom, theoretische Astrophysik - Ludwig-Maximilians-Universität München, Auf der Suche nach der Gottesformel, ZDF: Abenteuer Forschung, http://abenteuerforschung.zdf.de)

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"Für mich gilt der alte Satz der Atheisten: Gott existiert nicht, aber ich vermisse ihn sehr."

Dr. Paul Verhoeven (13. April 2009, 1964 Promotion in Mathematik und Physik, niederländischer Filmregisseur, Drehbuchautor und Filmproduzent, Ich protestiere gegen die Schöpfung, Frankfurter Allgemeine Zeitung, www.faz.net)

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"Ein Theologe sagt zu einem erklärten Atheisten: "Sie glauben also fest daran, dass Gott nicht existiert. Sehen Sie, ich dagegen bin Skeptiker. Ich glaube nicht einmal das."

Dekan Rheinhold Föckersperger (2007, Dipl.-Theol., Pfarrgemeinde St. Johannes, Erding,
DER SPIEGEL Nr.23/4.6.07, Seite 6)

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"Man glaubt nicht, wie viel man glauben muss, um ungläubig zu sein."

Prof. Dr. Kardinal Michael von Faulhaber (1869-1952)

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"Jemand schrieb auf eine Mauer: „Gott ist tot.“ Nietzsche."

"Am nächsten Tag fand sich darunter ein zweiter Satz: „Nietzsche ist tot.“ Gott."

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"Bei einem Empfang hatte ein Geistlicher einen Tischnachbarn, der sich in ziemlich abfälliger Weise über Religion und Kirche äußerte. So sagte er, direkt an den Geistlichen gewandt: „Wissen Sie, ich habe für den ganzen faulen Zauber, der in den Kirchen veranstaltet wird, nicht viel übrig. Ich glaube nur, was ich mit meinem Verstand begreifen kann.“

„Mit anderen Worten“, sagte darauf der Geistliche, „Sie glauben also an gar nichts."

(Das große Buch des christlichen Humors, Annegret Kokschal, St. Benno; Auflage: Mai 2006)

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"Gott ist lange tot", wusste der Student. "Seltsam", wundert sich der alte Pfarrer. "Vor einer Stunde sprach ich noch mit Ihm."

Unbekannter Autor?

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"Zwei Pfarrer über die Frage, wie man den Kirchenbesuch wieder beleben könne:

„Wir haben jetzt gepolsterte Sitze, die Kniebänke sind abgeschafft, jede Woche halten wir einen Vortrag über aktuelle Themen, und zweimal im Monat spielt eine Jazzkapelle. Aber die Kirche wird und wird nicht voll. Können Sie mir wohl sagen, was wir noch versuchen sollten?“

„Lieber Mitbruder, ich würde es mal mit Religion versuchen.“

(Das große Buch des christlichen Humors, Annegret Kokschal, St. Benno; Auflage: Mai 2006)

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"Ich bin völlig erschöpft", sagt der evangelische Pfarrer zu seiner Frau. "Wiso?" "Der Dekan hat heute eine Rede von über zwei Stunden gehalten." "Und worüber?" "Das hat er nicht gesagt."

(Das große Buch des christlichen Humors, Annegret Kokschal, St. Benno; Auflage: Mai 2006)

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Vier Geistliche sitzen nach getaner Arbeit am Montag zusammen. "Wisst Ihr“, sagt der eine, "wir sind doch wirklich gute Freunde. Vielleicht nutzen wir die Gelegenheit einmal, um uns über unsere Probleme auszusprechen." Alle nicken zustimmend.

"Lasst mich Euch anvertrauen, dass ich zu viel trinke.", bekennt der erste. Die anderen drei seufzen.

Der zweite: "Da du, lieber Bruder, so ehrlich zu uns warst, wage ich zu gestehen, dass ich der Spielleidenschaft fröne. Mich hat sogar schon der Wunsch heimgesucht, Geld aus dem Opferstock zu nehmen." Wieder seufzen die anderen drei.

Darauf sagt der dritte: "Liebe Brüder, ich bin ganz und gar durcheinander, ich habe Zuneigung zu einer Frau in meiner Gemeinde gefasst - und sie ist sogar verheiratet." Die anderen drei seufzen wieder.

Schließlich soll der Vierte auch sein größtes Problem äußern, doch er sträubt sich noch. Die anderen drei reden ihm aber gut zu: "Mach Dir keine Gedanken, Dein Problem ist bei uns gut aufgehoben. Wir sind verschwiegen und werden niemandem etwas sagen." "

Nun ja, ich weiß nicht, wie ich es ausdrücken soll, aber mein Problem ist: Ich bin eine furchtbare Klatschtante und kann kein Geheimnis für mich behalten..."

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"Eine Ordensschwester ist mit dem Auto auf einer einsamen Landstraße unterwegs. Plötzlich geht ihr das Benzin aus. Ein Reservekanister ist nicht an Bord. Sie marschiert zu Fuß zu einer kleinen Landtankstelle und fragt nach einem Kanister:

"Diese Woche ist vielleicht was los", klagt der Besitzer, "zwei waren schon vor Ihnen da, und jetzt habe ich keinen Kanister mehr."
"Es kann auch ein anderer Behälter sein", sagt die Ordensfrau.
Nach langem Suchen findet der Tankwart einen alten Nachttopf und füllt diesen voll Benzin.

Die Ordensschwester wandert mit dem Nachttopf zu ihrem Auto zurück und schüttet das Benzin vorsichtig in den Tank. Da hält ein Lastwagen neben ihr an. Der Trucker beobachtet eine Zeitlang die Szene und sagt: "Schwester, Ihren Glauben möchte ich haben!"

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Im Unterricht frag der Religionslehrer die Schüler nach der Bedeutung des Wortes Schalom.

Martha meldet sich: „Schalom heißt übersetzt Friede!“
Der Religionslehrer: „Richtig Martha! Und was heißt El-Schalom?
Der kleine Bob ruft dazwischen: „Elfriede!“

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