
Diskussion:
Freikirchen im
Nationalsozialismus
siehe auch:
Kirche im
Nationalsozialismus
Hinweis in eigener Sache:
Die vielstimmigen Diskussionsbeiträge und Zitate dieser Website geben nicht
notwendig unsere eigene Meinung (www.Fundamentalismusdebatte.de) wieder.
Wir möchten uns an dieser Stelle ausdrücklich von antisemitischen Inhalten,
Verherrlichung der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, oder sonstigen menschenverachtenden und
diskriminierenden Zitaten distanzieren.
Diskussion
"Zwar liegen liegen viele Forschungen zum Verhalten der Landeskirchen während
der NS-Zeit vor, jedoch kaum zu den Freikirchen."
Ulrike Heitmüller (Oktober 2010, Mein
Großvater, der Antisemit: Prediger Friedrich Heitmüller. In: Wolfgang Benz
(Hg) 2010, Jahrbuch für Antisemitismusforschung Band 19, Metropol Berlin, S. 178-179)
Diskussion
"Auf meinen vielen Reisen kreuz und quer durch Deutschland stoße ich in
allen ernstchristlichen Kreisen beständig auf folgenden Tatbestand: Man
steht mit ganzer, freudiger Hingabe zu und hinter Adolf Hitler und bekennt
sich zum nationalsozialistischen Staat."
Friedrich Heitmüller (Februar 1934, Prediger und
Evangelist, 1933 Mitglied der NSDAP und der "Deutschen Christen",
stellvertretender Vorsitzender des Gnadauer Verbandes, Mitglied im
Hauptvorstand der Deutschen Evangelischen Allianz, ab 1954 Präsident des
internationalen Bundes freier evangelischer Gemeinden, Friedrich Heitmüller:
Sieben Reden eines Christen und Nationalsozialisten, Hamburg 1934, S. 5)
Diskussion
"Insgesamt muss man ... den Eindruck gewinnen, dass die Mehrzahl der
verantwortlichen Freikirchler in Deutschland politisch blind war und durch
eine partielle Sympathie die kritische Distanz zum „Führer" und seinen
Vasallen verloren hat. Keiner wagte einen offenen, heftigen Protest als
Weck- und Mahnruf."
Pastor Karl Heinz Voigt (September 2008,
evangelischer Kirchenhistoriker und Pastor der evangelisch-methodistischen
Kirche, Vizepräsidenten der World Methodist Society, Freikirchen in
Deutschland (19. und 20. Jahrhundert). Evangelische Verlags-Anstalt, Leipzig
2004, Reihe Kirchengeschichte in Einzeldarstellungen III/6, S. 164)
Diskussion

Deutsche Evangelische Allianz (DEA), Sitz Bad
Blankenburg
"Während des Nationalsozialismus fand auch die Evangelische Allianz in
Deutschland keinen Anlass oder Mut zu Widerspruch. […] Ihr Verhältnis zu
Barmen 1934 und zur Bekennenden Kirche ist bisher nicht aufgearbeitet. In
einem 1946 veröffentlichten Wort Hundert Jahre Evangelische Allianz wird
kurz formuliert:
"Auch darüber beugen wir uns, dass wir in den hinter uns liegenden Jahren
nicht immer sofort den Irrtum jener Zeit erkannt und ihm ein klares, mutiges
Bekenntnis entgegengesetzt haben." Gesamttext in: Karl Heinz Voigt, Schuld
und Versagen der Freikirchen im "Dritten Reich". Aufarbeitungsprozesse seit
1945. Frankfurt/M., 2005, 97 f."
Pastor Karl Heinz Voigt (September 2008,
Die Methodisten, die
Gemeinschaftsbewegung und die Evangelische Allianz, Edition Ruprecht
Göttingen, Aufl. September 2008, S. 246, u. Fußnote 105, S. 246)
Diskussion
"1945 bekannte der deutsche Zweig der Evangelischen Allianz "Wir sind den
Mächten des Unglaubens [...] nicht stark genug entgegengetreten [...]". Die
freikirchlichen Mitverantwortlichen in der Leitung waren, wie in den eigenen
Kirchen, nicht mutig und ihr Bekenntnis vor 1945 nicht stark genug. [...]
Es bleibt unbestreitbar, dass die Evangelische Allianz in vorökumenischer
Zeit eine wichtige Rolle für die einzelnen freikirchlichen Gemeinden und
ihre Leitungen gespielt hat. [...] Was heute für viele Christen ökumenische
Gesinnung bedeutet, wurde damals als „Allianzgesinnung" bezeichnet. Die
Evangelische Allianz hat der Ökumene in Deutschland den Boden bereitet."
Pastor Karl Heinz Voigt (September 2008,
Freikirchen in Deutschland (19. und 20. Jahrhundert). Evangelische
Verlags-Anstalt, Leipzig 2004, Reihe Kirchengeschichte in
Einzeldarstellungen III/6, S. 126-127)
Diskussion

2009, Pastor Karl Heinz Voigt, www.emk-del.de
"Im Jahr 1924 übernahm Nagel [Gustav Friedrich
Nagel, 1868 - 1944, Theologe des Bundes Freier evangelischer Gemeinden]
den zweiten Vorsitz und 1926 den ersten Vorsitzen der Evangelischen Allianz
in Deutschland. Schon 1918 hatte er die Schriftleitung des „Evangelischen
Allianzblattes“ übernommen […]
Nagels politische Einstellung war geprägt von einer tiefen Skepsis gegenüber
der Demokratie der Weimarer Republik. Seine Vorstellung entsprach einem
starken Nationalstaat nach der Prägung Bismarcks. Die Sozialdemokratie hielt
er für „gottlos“, Bolschewismus, Katholizismus und Judentum sah er als
bedrohlich an.
Als national-konservativer Mensch, geprägt durch die Endzeittheorien Johann
Albrecht Bengels, begrüßte Nagel die Machtergreifung Hitlers und erhoffte
sich von ihr eine Eindämmung der von ihm empfundenen sittlichen Verwüstung."
(Stand Mai 2011, http://de.wikipedia.org/wiki/Gustav_Friedrich_Nagel)
[Hartmut Weyel: Gustav Friedrich Nagel (1868–1944).
Biografische Porträts aus der Geschichte und Vorgeschichte Freier
evangelischer Gemeinden. In: Wolfgang Heinrichs, Michael Schröder, Hartmut
Weyel (Hrsg.): Zukunft braucht Herkunft. 2, Bundes Verlag, Witten 2010, ISBN
978-3-933660-03-9, S. 207-214]
Diskussion
"Als Hitler die Macht ergriff, schwieg man im Evangelischen Allianzblatt –
mehr als in den kirchlichen Blättern – über die bösen Dinge, die geschahen.
... Man wollte sich aus dem Kirchenkampf mit guten Gründen fernhalten"
Prof. Dr. Erich Beyreuther (1969, Prof. f.
Kirchengeschichte Uni Erlangen u. Uni München, Der Weg
der Evangelischen Allianz in Deutschland, R. Brockhaus Verlag Wuppertal
1969, ISBN 3417245893, S. 94)
Diskussion
"Flugschrift: Hundert Jahre Evangelische Allianz
[Flugblatt anlässlich einer Festveranstaltung der Ev. Allianz im September
1946 in Berlin] [...]
[Auszug] Das Ev. Allianzblatt hat
jahrzehntelang einen gesegneten Dienst getan. Beim Rückblick haben wir für
das alles Gottes unverdiente Barmherzigkeit zu preisen und ihm innigen Dank
zu sagen. Gott hat das von jenen Männern vor hundert Jahren begonnene Werk
der Allianz gesegnet und sein „Ja" dazu gesprochen.
Es gilt aber nicht nur „der Propheten Gräber zu schmücken" (Matth. 23, 29),
sondern dieses gesegnete Werk der Ev. Allianz tatkräftig weiterzuführen. Da
beugen wir uns tief vor Gott im Blick auf alle Not, die uns bedrückt, und
alle äußere und innere Zerrissenheit, die wir schmerzlich empfinden.
Wir bekennen, dass das Zeugnis der Evangelischen Allianz oft nicht klar und
geistesmächtig genug gewesen ist. Wir sind den Mächten des Unglaubens in
unserem Volk nicht stark und tapfer genug entgegengetreten und haben auch
die Bedürfnisse unserer Zeit zu wenig in treuer Fürbitte und heißer Inbrunst
vor Gott gebracht. Wir hätten mehr Leucht- und Salzkraft des Evangeliums
beweisen müssen.
Auch darüber beugen wir uns, dass wir in den hinter uns liegenden Jahren
nicht immer sofort den Irrtum jener Zeit erkannt und ihm ein klares, mutiges
Bekenntnis entgegengesetzt haben. Wir sind uns bewusst, dass die Kirche
Christi sich hier zu demütigen hat und sich viel entschlossener,
geschlossener und verantwortungsbewusster einsetzen muss für die ernsten und
großen Aufgaben der Gegenwart. [...]
[Unterzeichnet] Der Deutsche Zweig der Evangelischen Allianz
[...]
Das
Flugblatt [siehe Textauszug] ist nicht im Ev. Allianzblatt zu finden."
Prof. Dr. Erich Beyreuther (1969, Der Weg
der Evangelischen Allianz in Deutschland, R. Brockhaus Verlag Wuppertal
1969, ISBN 3417245893, S. 160-162)
Diskussion

Deutsche Evangelische Allianz (DEA), Sitz Bad
Blankenburg
"Auf der Weltkirchenkonferenz in Oxford am 22. Juli 1937
erschienen von Deutschland ... Bischof Dr. Melle
[Vorsitzender des Blankenburger Komitees d. Ev.
Allianz] von der Methodistenkirche und Bundesdirektor Paul Schmidt
[1935 - 1959 Bundesdirektor Bund
Ev-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland BEFG, 1958 - 1967 Vorsitzender
der Deutschen Evangelischen Allianz]
für die Baptisten. Sie erhielten ihren Auftrag
von der Vereinigung Evangelischer Freikirchen [...]
Bischof Dr. Otto Melle: "Oft wurde ich gefragt:
Wie ist denn eure, der Freikirchen, Stellung zum
nationalsozialistischen Staat? Darauf kann ich nur antworten, dass die in
der Vereinigung evangelischer Freikirchen verbundenen Kirchen dankbar sind
für die volle Freiheit der Verkündigung des Evangeliums von Christo und für
den Dienst in Evangelisation, Seelsorge, sozialer Fürsorge und
Gemeindeaufbau.
Sie haben die nationale Erhebung des deutschen Volkes als eine Tat
göttlicher Vorsehung betrachtet ... [Auslassung im
Buch von Prof. Dr. Erich Beyreuther: "ihre Gemeinden in den kritischen Tagen
des Umbruchs auf die grundlegenden Worte des Apostels Paulus über die
Stellung der Christen zum Staat in Römer 13 hingewiesen und sie ersucht, in
treuer Fürbitte für die Obrigkeit anzuhalten."]
Mit der Fürbitte (für die Obrigkeit) haben wir den Dank verbunden, dass Gott
in seiner Vorsehung einen Führer gesandt hat, dem es gegeben war, die Gefahr
des Bolschewismus in Deutschland zu bannen und ein 67-Millionen-Volk vom
Abgrund der Verzweiflung, an den es durch Krieg, Vertrag von Versailles und
dessen Folgen geführt worden war, zurückzureißen und ihm anstelle der
Verzweiflung einen neuen Glauben an seine Sendung und an seine Zukunft zu
geben."
Bischof Dr.
Otto Melle (22. Juli 1937, 1936-1946 Bischof der Methodistenkirche,
Vorsitzender des Blankenburger Komitees
d.
Ev. Allianz, Rede als Vertreter der Vereinigung evangelischer Freikirchen vor dem Plenum
der ökumenischen Weltkirchenkonferenz in Oxford 1937, Der Weg der
Evangelischen Allianz in Deutschland, R. Brockhaus Verlag Wuppertal 1969,
ISBN 3417245893, S. 100)
Diskussion
"Ganz offen ließ sich Paul Schmidt
[1935
- 1959 Bundesdirektor Bund Ev-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland BEFG,
1958 - 1967 Vorsitzender der Deutschen Evangelischen Allianz]
zusammen mit dem Methodisten Melle
[Vorsitzender des Blankenburger Komitees d. Ev.
Allianz] 1937 auf der ökumenischen Weltkonferenz in Oxford
[siehe Beitrag oben] vom NS-Staat instrumentalisieren, indem man
erklärte, dass in Deutschland Religionsfreiheit herrsche und man ungehindert
das Evangelium verkündigen könne.
Dies stieß vor allem in Kreisen der
Bekennenden Kirche auf Empörung, da man
hier besonders den Repressionen des Staates ausgesetzt war. Dieser
Anpassungskurs wurde bis zum Ende des Krieges fortgesetzt."
Dr. Andreas Liese (2009, Die Geschichte der
Baptisten in Deutschland, 1933 - 1945: Die Baptisten im Dritten Reich, 175
Jahre Baptisten in Deutschland, www.baptisten-nuertingen.de)
Diskussion

Bischof Dr. Otto Melle (1875 - 1947)
1936 - 1946 Bischof der Methodistenkirche
Vorsitz Blankenburger Komitees (Ev.Allianz)
Präsident Vereinigung Ev. Freikirchen (VEF)
"Der Führer ist tief religiös, aber ganz antichristlich."
Dr. Joseph Goebbels (29. Dezember
1939, 1933 - 1945 Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, Ralf
Georg Reuth, Joseph Goebbels Tagebücher, München 1992)
Diskussion
"Es ist erschreckend, dass Christen nicht erkannten, dass Hitlers Gott ein
völlig anderer als der christliche Gott war"
so Schirrmacher bei der Vorstellung seines Buches
[Thomas Schirrmacher. Hitlers Kriegsreligion. Die Verankerung der
Weltanschauung Hitlers in seiner religiösen Begrifflichkeit und seinem
Gottesbild. 2 Bände. VKW: Bonn, 2007]. Besonders die ‚Frommen im
Lande‘ seien wegen ihrer angeblichen politischen Abstinenz nicht nur auf
Hitlers politische Parolen hereingefallen, sondern letztlich auf eine
alternative Religion.
Hitler habe viel vom Schöpfer gesprochen, der das Naturgesetz des
Rassenkampfes geschaffen habe, nie aber vom Gott der Liebe, Barmherzigkeit
und Gerechtigkeit. Jesus erscheine zwar oft als das große Vorbild im Hass
gegen die Juden, nie aber als Begründer der christlichen Botschaft oder als
Gottes Sohn."
Prof. Dr. theol. Dr. phil. Thomas Schirrmacher
/
Bonner Querschnitte (28. Juni 2007,
Vorsitzender der Theologischen Kommission der
Weltweiten
Evangelischen Allianz,
Im Dritten Reich saßen die Christen einer Konkurrenzreligion auf, Bonner
Querschnitte 09b/2007 Ausgabe 38b)
Diskussion
"Daran sollt ihr den Geist Gottes erkennen: Ein jeder Geist, der bekennt,
dass Jesus Christus in das Fleisch gekommen ist, der ist von Gott; und ein
jeder Geist, der Jesus nicht bekennt, der ist nicht von Gott. Und das ist
der Geist des Antichrists"
1. Johannes 4, 2-3
Diskussion

1939, Pfarrer Ernst Modersohn
"Zur rechten Zeit hat Gott uns in Adolf Hitler den Führer gegeben, der unser
Volk aus seiner tiefen Erniedrigung herausgeführt hat ... Ich danke Gott,
dass ich diesen Aufstieg Deutschlands aus tiefster Schmach noch habe erleben
dürfen." [Textpassagen der Seiten 387 - 388 wurden in
späteren Auflagen entfernt]
Pfarrer Ernst Modersohn (1939, Leitung des
Thüringischen Gemeinschaftsbundes u. Allianzhauses der deutschen
Evangelischen Allianz in Bad Blankenburg, Vorstandsmitglied des Gnadauer
Gemeinschaftsverbandes, des Jugendbundes für entschiedenes Christentum und
des Gemeinschafts-Diakonieverbandes, Mitbegründer des Pfarrergebetbundes, Er
führet mich auf rechter Straße, Harfe-Verlag Bad Blankenburg, 3. Auflage
1940, S. 387-388)
Diskussion
"1940 blockierte die Gestapo seine
Wirksamkeit. Zwar hatte Modersohn dem Dritten Reich den verlangten Tribut
gebracht. Er druckte zu Hitlers Geburtstag 1938 dessen Foto mit der
Überschrift »Gott segne unsern Führer!« auf die Titelseite von »Heilig dem
Herrn«. In seinen Lebenserinnerungen »Er führet mich auf rechter Straße« (2.
Auflage 1940) schrieb er: »Zur rechten Zeit hat Gott uns in Adolf Hitler den
Führer gegeben, der unser Volk aus seiner tiefsten Erniedrigung
herausgeführt hat.«
Andererseits hatte er genügend Klarsicht, um die Abwärtsentwicklung im
Dritten Reich zu erkennen. Manches, was in den Nervenkliniken geschah,
wusste er. Auch ahnte er etwas von dem Geschehen in Buchenwald."
Werner Beyer (1995, 1989 - 2001 Direktor
Gnadauer Theologisches Seminar Falkenberg, Hrsg.: Einheit in der Vielfalt.
Aus 150 Jahren Evangelischer Allianz. Brockhaus, Wuppertal; Zürich 1995, S.
114)
Diskussion

1954 FeG Präsident
Friedrich Heitmüller

FeG Bund freier evangelischer Gemeinden
"Man wird sagen müssen, dass der Weg der Evangelischen Allianz im Dritten
Reich nicht nur schwierig, sondern auch schuldhaft war ... als man sich
ferner vom Weg der "Bekennenden Kirche" betont absetzte und alle die mied,
die infolge ihrer freimütigen Verkündigung des ganzen Ratschlusses Gottes
der Bestrafung durch die Gestapo verfallen waren."
Friedrich Heitmüller (1949, Prediger und
Evangelist, 1933 Mitglied der NSDAP und der "Deutschen Christen", stellvertretender Vorsitzender des Gnadauer
Verbandes, Mitglied im Hauptvorstand der Deutschen Evangelischen Allianz, ab 1954 Präsident
des internationalen Bundes freier evangelischer Gemeinden, Friedrich
Heitmüller: Aus vierzig Jahren Dienst am Evangelium, Bundes-Verlag Witten
(Ruhr)
1950, S. 128-129)
Diskussion
"Mein Großvater, der Antisemit [...] Heitmüller war erst Gegner, dann
Anhänger und schließlich Verfolgter der Nationalsozialisten. ... Sein
Antisemitismus ist fast vergessen. [...]
Friedrich Heitmüller erklärte öffentlich, dass in seinem Krankenhaus [Kranken- und Diakonissenhaus Elim, Hamburg]
kein jüdischer Arzt arbeiten dürfe."
Ulrike Heitmüller (Oktober 2010, Mein
Großvater, der Antisemit: Prediger Friedrich Heitmüller. In: Wolfgang Benz
(Hg) 2010, Jahrbuch für Antisemitismusforschung Band 19, Metropol Berlin, S.
178 f., 183)
Diskussion
"Wir haben es am Anfang des Jahres 1927 für nötig gehalten und gewagt, unser
Krankenhaus
[Kranken- und Diakonissenhaus Elim, Hamburg]
für jüdische Ärzte zu sperren. [... ] Wir kämpften um des Christen- und
Deutschtums willen gegen die zersetzenden Einflüsse des gottlosen
Reformjudentums nicht nur mit billigen Worten, sondern auch mit
folgenschweren Maßnahmen."
Friedrich Heitmüller (1934, Prediger und
Evangelist, 1933 Mitglied der NSDAP und der "Deutschen Christen",
stellvertretender Vorsitzender des Gnadauer Gemeinschaftsverbandes, Mitglied im
Hauptvorstand der Deutschen Evangelischen Allianz, ab 1954 Präsident des
internationalen Bundes freier evangelischer Gemeinden FeG,
Friedrich Heitmüller, Die Christliche Gemeinschaft Hamburg, Hamburg 1934, S.
9 in: 2011, Daniel Heinz (Hg.), Freikirchen und Juden im »Dritten Reich«.
Instrumentalisierte Heilsgeschichte, antisemitische Vorurteile und
verdrängte Schuld, Kirche – Konfession – Religion, Band 54, V&R unipress
Göttingen, Aufl. 2011, ISBN 978-3-89971-690-0, S. 187)
Diskussion
"Den Christen möchte ich das Grundsätzliche im Nationalsozialismus
deutlich machen, um sie aus ihrer Reserve zu herauszulocken und sie in die
freudige Mitarbeit am Dritten Reich zu führen. [...] Ohne die stille,
freudige Mitarbeit der "Stillen im Lande" wäre das h offnungsvolle Werk
Adolf Hitlers in Frage gestellt. [S. 6] [...]
Diejenigen Leser, die sich mit den einzelnen Fragen und Gegenständen, die ich
in meinen Reden anspreche, eingehender beschäftigen wollen, verweise ich auf
die von mir dankbar benutzen Quellen. Es sind folgende: Adolf Hitler: Mein
Kampf. Engelbert Huber: Das ist Nationalsozialismus. Hans Hofer: Die
Weltanschauungen der Neuzeit. Gerhard Kittel: Die Judenfrage.
[S. 7] [...]
Mit dem Durchbruch
der nationalsozialistischen Revolution sind Staat und Volk grundsätzlich auf
die "unerschütterlichen Fundamente des Christentums" gestellt worden. Denn
der nationalsozialistische Staat steht grundsätzlich auf dem Boden des
positiven Christentums [S. 39] [...]
Der zersetzende
Einfluss der Juden in der Welt war und ist immer noch auf allen Lebens- und
Kulturgebieten katastrophal. [S. 68]
Die Judenfrage ist zunächst eine Rassenfrage und dann eine Religionsfrage.
[...]
Der große Geschichtsforscher und Politiker Heinrich von Treitschke hat darum
in völliger Übereinstimmung mit dem Wort Gottes recht, wenn er sagt: "Die
Juden sind unser Unglück" [...] Rassenmischung ist und bleibt Verletzung
einer göttlichen Erhaltungsordnung [S. 67-68] [...]
Die Lösung der Judenfrage ist gegenwärtig nur möglich auf dem Weg der
Zurückdrängung des Judentums [...]
Ein jüdischer Minister des deutschen Reiches oder des Freistaates Sachsen,
ein jüdischer Polizeipräsident in Berlin, ein jüdischer Richter in Hamburg,
ein jüdischer Oberlehrer oder Professor an einer deutschen Schule oder
Universität usw. - das alles sind glatte Unmöglichkeiten für den, der
begriffen hat, dass das jüdische Volk nicht nur eine andere Religion,
sondern auch eine andere Rasse hat. [ S. 70] [...]
Weil ein Nationalsozialist das weiß, darum fordert er die Scheidung und
Reinigung des deutschen Blutes von dem Blute anderer Rassen. Und indem er
das fordert, ist es sich dessen bewusst, dass er zurückstrebt zu einer
"Erhaltungsordnung" des Gottes, der nicht nur der Schöpfer des einzelnen
Menschen, sondern auch des Volkes und der Völker ist.
Auch der entschiedene
christliche Nationalsozialist - und er erst recht! - fordert diese Rückkehr
zu göttlicher Ordnung und damit zur bestmöglichen Reinigung des deutschen
Blutes [...]
Auch die Rassenhygiene (= Gesundheitspflege der Rasse) und damit die
Kastrierung (= Entmannung) der Sittlichkeitsverbrecher und die
Sterilisierung (= Unfruchtbarmachung)
aller Minderwertigen: der
Verbrecher, Geisteskranken, Schwachsinnigen und Psychopathen."
[S. 83]
Friedrich Heitmüller (Februar 1934, Prediger und
Evangelist, 1933 Mitglied der NSDAP und der "Deutschen Christen",
stellvertretender Vorsitzender des Gnadauer Gemeinschaftsverbandes, Mitglied im
Hauptvorstand der Deutschen Evangelischen Allianz, ab 1954 Präsident des
internationalen Bundes freier evangelischer Gemeinden FeG, Friedrich Heitmüller:
Sieben Reden eines Christen und Nationalsozialisten, Hamburg 1934)
Diskussion

Friedrich Heitmüller, Antisemitische Hetzschrift, Febr.1934
Stellvertr. Vorsitzender d. Gnadauer Gemeinschaftsverband
1954 Präsident Bund
freier evangelischer Gemeinden FeG
Mitglied Hauptvorstand d. Deutschen Evangelischen Allianz
"Die Neugestaltung
des gesamten Staats- und Volkslebens im Dritten Reich überwindet
die bisherige Form der Jugendarbeit. Wir erkennen die einheitliche
staatspolitische
Erziehung der deutschen Jugend durch den nationalsozialistischen Staat und
die Hitlerjugend
als Trägerin der Staatsidee an […]
Im Hinblick darauf lösen wir mit dem 10.
Februar den Jugendbund der deutschen Baptistengemeinden mit all seinen
Gliederungen
auf. Wir stellen es unseren jugendlichen Mitgliedern anheim, sich in das
Jungvolk,
in die Hitlerjugend und den Bund deutscher Mädel einzugliedern."
Bundesdirektor
Paul Schmidt
(1934, 1958 bis 1967 Vorsitzender der Deutschen Evangelischen Allianz,
1935 -
1959 Bundesdirektor Bund Ev-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland BEFG, Leiter des Baptistischen Jugendbund BJB,
Der Wahrheitszeuge 56, S. 59, Herausgeber: Bund der Baptistengemeinden,
Kassel 1928–1939, Kösling, Baptisten, S. 233)
Diskussion
"Um weiter seine Loyalität unter Beweis zu stellen, bekundete man seine
Zustimmung zum NS-Staat öffentlich. So gratulierten die beiden Vorsitzenden
der VEF [Vereinigung Evangelischer Freikirchen]
– Melle
[1936 - 1946 Bischof der Methodistenkirche,
Vorsitzender des Blankenburger Komitees] und Paul Schmidt
[1935
- 1959 Bundesdirektor Bund Ev-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland BEFG,
Vorsitzender der Deutschen Evangelischen Allianz
von 1958 - 1967] – Hitler zu seinen Siegen im Krieg gegen die
Sowjetunion.
Besonders deplatziert wirkt heute ihre Glückwunschadresse an Hitler nach dem
misslungenen Attentat vom 20. Juli 1944.32 Es gelang dem BEFG
[Bund
Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland],
seine Existenz bis zum Ende des Krieges zu sichern – allerdings um den Preis
einer mehr oder minder großen Anpassung an den NS-Staat."
Dr. Andreas Liese (2007, Kleine
Religionsgemeinschaften zwischen Widerstand und Anpassung: Baptisten und
Brüderbewegung, S. 9, www.bruederbewegung.de, vgl. Strübind, Freikirche, S.
305 u. S. 308, vgl. Selbstbehauptung und Opposition. Kirche als Ort des
Widerstandes gegen staatliche Diktatur, hrsg. von Wolfgang Benz,
Perspektiven und Horizonte 1, Berlin Metropol 2003)
Diskussion
Glückwunschtelegramm der VEF [Vereinigung
Evangelischer Freikirchen] an Adolf Hitler zur Rettung vom Attentat des 20.
Juli 1944:
"Zur Rettung vor ruchlosem Attentat senden mit inniger Freude, Dank gegen
Gott und der Versicherung weiterer Fürbitte herzlichste Glückwünsche namens
der Vereinigung evangelischer Freikirchen."
Bundesdirektor Paul Schmidt
u. Bischof Dr. Otto Melle (20. Juli 1944, Amtsblatt des BEFG 8/44 v.
10. August 1944, Gieske, Uwe A., Die unheilige Trias. Nation – Staat –
Militär. Baptisten und andere Christen im Hitlerismus, Berlin 1999, S. 78)
Diskussion

1963, Bundesdirektor Paul Schmidt (1888
- 1970) (links im Bild)
1929 - 1959 Vorstandsmitglied Vereinigung Evangelischer Freikirchen VEF
1935 - 1959 Bundesdirektor Bund Ev-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland
BEFG
1958 - 1967 Vorsitzender der Deutschen Evangelischen Allianz
1961 - 1967 Vorsitz der Europäischen Evangelischen Allianz
"Vom damaligen
Bundeshaus hat Paul Schmidt [1935 - 1959
Bundesdirektor Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in
Deutschland BEFG] Johannes Brückner empfohlen, sich von seiner
[judenchristlichen] Ehefrau zu trennen,
um so allen Schwierigkeiten aus dem Weg zu gehen. Diese Lösung konnte
Johannes Brückner aus ethischen Gründen als Pastor und gläubiger Christ
nicht annehmen.“ [...]
In Chemnitz wird Prediger Brückner in einem offenen Brief von einem
Gemeindeglied 1933 wegen „nichtarischer Abstammung [seiner Frau],
judenfreundlicher Gesinnung, politischer Meinungs-verschiedenheiten“
angeklagt und beim Sächsischen Ministerium angezeigt"
Pastor Roland Fleischer (15. Oktober 2009,
Judenchristliche Mitglieder in Baptistengemeinden im „Dritten Reich“,
Katharina Elsa Brückner, geb. Bick, S. 161, aus Hans-Joachim Leisten, Wie
alle anderen auch. Baptistengemeinden im Dritten Reich im Spiegel ihrer
Festschriften, WDL-Verlag Hamburg 2010, ISBN 9783866821378)
Diskussion
"Ein düsteres Kapitel stellt das Verhalten der Baptisten gegenüber der
Judenverfolgung dar. So bezog der Baptistenbund
[Bundesdirektor Paul Schmidt]
beispielsweise keine
Stellung zum Novemberpogrom 1938. Über organisierte Hilfsmaßnahmen des
Bundes für verfolgte Juden ist nichts bekannt.
Christen jüdischer Herkunft erfuhren in einzelnen Fällen Unterstützung,
vielfach wurden sie aber in den Gemeinden ausgegrenzt, so beispielsweise
Joseph Haimos in der Baptistengemeinde in München; er kam 1943 in Auschwitz
um. Erst 1997 wurde diese Schuld in einer Handreichung des BEFG explizit
benannt."
Dr. Andreas Liese (2009, Die Geschichte der
Baptisten in Deutschland, 1933 - 1945: Die Baptisten im Dritten Reich, 175
Jahre Baptisten in Deutschland, www.baptisten-nuertingen.de)
Diskussion

Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in
Deutschland (BEFG)
"Am 13. April 1937 wurden die „geschlossenen“ Brüdergemeinden von den
Nationalsozialisten verboten, da man ihnen aufgrund ihrer starken Betonung
der Absonderung von der Welt eine staatsfeindliche (und damit
antinationalsozialistische) Haltung unterstellte (was auf die meisten aber
nicht zutraf).
Bereits im Mai 1937 konnte sich der größte Teil der „geschlossenen Brüder“
mit Erlaubnis der Behörden als Bund freikirchlicher Christen (BfC) neu
organisieren. Diesem Bund, zu dessen Statuten ausdrücklich das Bekenntnis
zum nationalsozialistischen Staat gehörte, traten im November 1937 auch die
„offenen Brüder“ bei. 1942 vereinigte sich der BfC mit dem Bund der
Baptisten zum Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland
(BEFG)."
(Stand Februar 2011, http://de.wikipedia.org/wiki/Brüderbewegung)
Diskussion
"Es dürfen nur
solche Christen aufgenommen werden [im Bund
freikirchlicher Christen BfC, siehe oben], die staatsbejahend sind. Staatsbejahung
ist nicht die Haltung, die zwar nichts gegen den Staat unternimmt, aber ihm
doch mit mehr oder weniger Gleichgültigkeit gegenübersteht."
Dr. jur. Hans Becker (30. Mai 1937, 1937 – 1942 Reichsbeauftragter
des Bund freikirchlicher Christen u. 1942 - 1963 2. Vorsitzende des Bund
Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland, Sandra Zimmermann:
Zwischen Selbsterhaltung und Anpassung. Die Haltung der Baptisten- und
Brüdergemeinden im Nationalsozialismus, Staatsexamensarbeit Siegen 2001, S.
57, www.bruederbewegung.de)
Diskussion

Dr. jur. Hans Becker (1895 - 1963)
Reichsbeauftragter Bund freikirchl. Christen BfC
1942 - 1963 2. Vorsitzende Bund Evangelisch -
Freikirchlicher Gemeinden Deutschland (BEFG)
Erlass über die die
Gründung des
BfC [Bund freikirchlicher Christen, siehe Beiträge oben]
v. Gestapo-Chef
Reinhard Heydrich:
Erlass v. 23.4.37 und FS-Erlass v. 24.5.1937 – II B 2 – 145/37 – S.
Dr. Hans Becker [siehe oben, 1937 – 1942
Reichsbeauftragter des Bund freikirchlicher Christen u. 1942 - 1963 2.
Vorsitzende des Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland], geb. am
13.3.1895 zu Essen-Borbeck, wohnhaft Dortmund, Adolf-Hitler-Allee 62, ist
... die Gründung eines ›Bundes freikirchlicher Christen‹ mit denjenigen
Mitgliedern der ehemaligen Christlichen Versammlung gestattet worden, die
durchaus auf dem Boden des Nationalsozialismus stehen und zum Teil alte
Parteigenossen sind.
Dr. Becker hat daraufhin in einem Rundschreiben die Mitglieder der
ehemaligen ›Christlichen Versammlung‹ zur Gründung des ›Bundes
freikirchlicher Christen‹ aufgerufen und gebeten, für diesen Zweck die
Erlaubnis zu Versammlungen der Mitglieder dieser aufgelösten Sekte zu
erwirken.[...]
Örtlich erfolgt die Gründung des ›Bundes freikirchlicher Christen‹ durch die
von Dr. Becker berufenen Personen. Mitgliederversammlungen dieses Bundes
dürfen erst dann abgehalten werden, wenn der örtliche Leiter des Bundes
seine Bestätigung durch Dr. Becker und eine Mitgliederliste der örtlichen
Organisation der zuständigen Staatspolizeistelle eingereicht hat und diese
überprüft sind."
Gestapo-Chef Reinhard Heydrich (3. Juni
1937, Gestapo-Chef u. SS-Gruppenführer Reinhard Heydrich,
1941 mit der „Endlösung der Judenfrage“ beauftragt als "Organisator des
Holocausts", Jordan, Volker: Widerstand der Brüderbewegung im Dritten Reich,
VTR; Auflage: 3., Aufl. 27. September 2004)
Diskussion
"Zwischen
5 und 12 % vor allem der „geschlossenen Brüder“ verweigerten
sich sowohl dem BfC [Bund freikirchlicher Christen,
siehe Beiträge oben] als auch dem BEFG
[1942 vereinigte sich der BfC mit dem Bund Evangelisch-Freikirchlicher
Gemeinden in Deutschland] und versammelten sich während der
NS-Zeit im Untergrund."
(Stand Februar 2011, http://de.wikipedia.org/wiki/Brüderbewegung)
Diskussion

1940, Gestapo-Chef u. SS-Gruppenführer Reinhard
Heydrich
1941 mit der „Endlösung der Judenfrage“ beauftragt als
"Organisator des Holocausts", Bundesarchiv 146196905416
"Gestapo-Chef
Reinhard Heydrich [siehe Beitrag oben]
war die Personifikation des Bösen."
stern (17. Februar 2005, Reinhard Heydrich:
Biografie eines Dämons, www.stern.de)
Diskussion
"Es gilt zunächst
festzustellen, dass die Brüdergemeine keine Ausnahme vom allgemeinen Trend
der evangelischen Bevölkerung darstellte, sondern die nationale Begeisterung
und die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 bis auf wenige
Ausnahmen begrüßte."
Dr. theol. Dietrich Meyer (Januar 2011,
Landeskirchenarchivdirektor i. R., Daniel Heinz (Hg.),
Freikirchen und Juden im »Dritten Reich«. Instrumentalisierte
Heilsgeschichte, antisemitische Vorurteile und verdrängte Schuld, Kirche –
Konfession – Religion, Band 54, V&R unipress Göttingen, Aufl. 2011, ISBN
978-3-89971-690-0, S. 247)
Diskussion
"Es kann keinen Deutschen geben, der in diesen Tagen nicht mit heißem Herzen
hinter
dem Führer und den Männern seines Vertrauens steht, die um die Beseitigung
des
Unrechts von Versailles ringen […] Als Christen stehen wir in unbedingter
Treue und in selbstverständlichem Gehorsam zu unserem Volk und seiner
Führung."
Bund der Baptistengemeinden (3. September 1939,
Zeitschrift Der Wahrheitszeuge 61, Herausgeber: Bund der Baptistengemeinden,
Kassel 1928–1939, Gieske, Uwe A., Die unheilige Trias. Nation – Staat –
Militär. Baptisten und andere Christen im Hitlerismus, Berlin 1999, S. 73.)
Diskussion
"Der nationalsozialistische Staat als Diener Gottes
vertritt die
Ordnungen der Gerechtigkeit, der Sittlichkeit und der Gemeinschaft. So sind
wir berufen, uns hierbei mit allen Kräften einzusetzen."
»Botschaft des Bundesältesten an die Gemeinden«
(22. April 1934, Zeitschrift Der Wahrheitszeuge 56, S. 123, Herausgeber: Bund der
Baptistengemeinden, Kassel 1928–1939, Andrea Strübind, Die unfreie
Freikirche. Der Bund der Baptistengemeinden im Dritten Reich, Neukirchener
Aufl. 1991, S. 141)
Diskussion

16. Mai 2010, Bischöfin Rosemarie Wenner, 2.
Ökumenischer Kirchentag in München
"Sehr spät hat man in den Freikirchen begonnen, das dunkle Kapitel der
weitgehenden Anpassung im Nationalsozialismus aufzuarbeiten.
Schuldbekenntnisse gegenüber dem Judentum ließen noch länger auf sich
warten. Dass die Freikirchen mit Ausnahme der Quäker zur Judenverfolgung und
zum Holocaust schwiegen oder gar Antisemitismus rechtfertigten, wurde lange
Zeit verdrängt.
In Festschriften, die in vielen Gemeinden zu Jubiläen erstellt werden,
erzählt man ausführlich von der Zeit der Gemeindegründung und dann wieder
von den Aufbrüchen der Nachkriegszeit. Was im »Dritten Reich« geschah, wird
kaum recherchiert oder gar verschwiegen.
Man berichtet allenfalls von einzelnen Persönlichkeiten, die zum Teil unter
großem persönlichem Risiko jüdische Mitbürger versteckten oder ihnen die
Ausreise ermöglichten."
Bischöfin Rosemarie Wenner (Januar 2011,
Präsidentin der Vereinigung Evangelischer Freikirchen u. Bischöfin der
Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland, Daniel Heinz (Hg.),
Freikirchen und Juden im »Dritten Reich«. Instrumentalisierte
Heilsgeschichte, antisemitische Vorurteile und verdrängte Schuld, Kirche –
Konfession – Religion, Band 54, V&R unipress Göttingen, Aufl. 2011, ISBN
978-3-89971-690-0, S. 7)
Diskussion
"Während der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland schon sehr bald nach
dem Ende des Zweiten Weltkrieges ein Schuldbekenntnis - die bekannte
Stuttgarter Erklärung vom 19. Oktober 1945 - formulierte, das zur Frage der deutschen Schuld »an vielen Völkern und Ländern« und damit indirekt auch an
den Juden Stellung bezog und die römisch-katholische Kirche auf dem Zweiten
Vatikanum (1962-1965) ausdrücklich die ununterbrochene Liebe Gottes zu
Israel betonte und jede Form von Antisemitismus beklagte, liegen ähnliche
Erklärungen und Stellungnahmen aus dem freikirchlichen Raum erst aus
verhältnismäßig später Zeit oder gar nicht vor.
Die Frage nach dem »Warum«
steht bis heute offen im Raum. Haben sich die Freikirchen in der Zeit des
NS-Regimes so grundsätzlich anders verhalten als die Volkskirchen? Hat ihnen
die aufgrund ihrer Strukturen und Geschichte aufgegebene Distanz zu
weltlicher Regierung und Politik ermöglicht, »neutral« zu bleiben oder gar
dem Zeitlauf zu widerstehen?
Oder trifft gerade auf die Freikirchen die
Feststellung zu, dass ein Eingeständnis von Schuld und Versagen umso
schwerer ist, je höher die eigenen ethischen Ansprüche an sich selbst und an
die Gemeinde sind? [...]
Aufgrund ihres Minoritätsstandes lebten die
Freikirchen im NS-Staat im Windschatten wachsender Konflikte zwischen den
großen Kirchen und dem Staat und konnten daraus gewisse Freiräume für sich
nutzen, die sie früher nicht hatten [...]
Diese ungewohnte Akzeptanz durch
den Staat, zumindest in den ersten Jahren der nationalsozialistischen
Herrschaft, entpuppte sich jedoch als große Versuchung und trug mit dazu
bei, dass die Freikirchen die Entwicklung im eigenen Land nicht nur
unkritisch, sondern sogar anerkennend würdigten.
Distanz und Widerstand geschahen - ähnlich wie in den Volkskirchen - zumeist nur auf der Ebene der
persönlichen Gewissensentscheidung. Falsch verstandener Obrigkeitsgehorsam,
irregeleitete nationale Begeisterung, ängstliche Anpassung,
Repressionsfurcht und resignative Passivität haben verhindert, sich mit dem
rassisch verfolgten Nachbarn, ja sogar mit dem judenchristlichen Bruder zu
solidarisieren. Eine gemeinschaftliche Ausnahme scheinen hier nur die Quäker
zu bilden.
Auch in den Freikirchen - ähnlich wie in der Mehrheit des Volkes - war man
vom völkischen Denken und vom Nationalismus geblendet.
[...] Als mit dem Jahr 1941/42 der erzwungene Exodus der Juden begann und,
wie wir heute wissen, in den Todeslagern endete, hatte man sich in den
Kirchenleitungen längst an das Schweigen und die Gleichgültigkeit gewöhnt.[...]
Christen, ganz gleich ob aus den Volks- oder
Freikirchen, hätten eine andere Wahl treffen können. Sie hätten es tun
müssen, denn es gibt immer eine bessere Wahl. Nachfolgende Generationen
können daraus nur ihre Lehren ziehen. Der Band ist schließlich all jenen
gewidmet, die damals gelitten haben, und denen, die nicht der »Menge zum
Bösen« (Ex 23,2a) gefolgt sind."
Daniel Heinz M.A., Ph.D. (November 2010,
Theologische Hochschule Friedensau, Freikirche der
Siebenten-Tags-Adventisten, Daniel Heinz (Hg.),
Freikirchen und Juden im »Dritten Reich«. Instrumentalisierte
Heilsgeschichte, antisemitische Vorurteile und verdrängte Schuld, Kirche –
Konfession – Religion, Band 54, V&R unipress Göttingen, Aufl. 2011, ISBN
978-3-89971-690-0, S. 9-12)
Diskussion
"Es steht uns, die wir nach dem Zweiten Weltkrieg geboren worden sind, nicht
zu, über unsere Mütter und Väter den Stab zu brechen. Doch wir haben die
Aufgabe, die Geschichte unserer Kirchen während des »Dritten Reiches«
aufzuarbeiten und speziell an das Schweigen zur Judenvernichtung zu
erinnern.
Wir sind dies den Opfern und den wenigen Überlebenden des Holocaust
schuldig, die unsägliches Leid zu erdulden hatten. Und wir sind es uns
selbst schuldig, um nicht nur die Stärken der freikirchlichen Existenz zu
erkennen und weiterzuentwickeln, sondern auch an ihre Gefährdungen zu
erinnern."
Bischöfin Rosemarie Wenner (Januar 2011,
Präsidentin der Vereinigung Evangelischer Freikirchen u. Bischöfin der
Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland, Daniel Heinz (Hg.),
Freikirchen und Juden im »Dritten Reich«. Instrumentalisierte
Heilsgeschichte, antisemitische Vorurteile und verdrängte Schuld, Kirche –
Konfession – Religion, Band 54, V&R unipress Göttingen, Aufl. 2011, ISBN
978-3-89971-690-0, S. 8)
Diskussion
5 "Und das ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch
verkündigen: Gott ist Licht, und in ihm ist keine Finsternis. 6 Wenn wir
sagen, dass wir Gemeinschaft mit ihm haben, und wandeln in der Finsternis,
so lügen wir und tun nicht die Wahrheit. 7 Wenn wir aber im Licht wandeln,
wie er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft untereinander, und das Blut
Jesu, seines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde. 8 Wenn wir sagen, wir
haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in
uns.
9 Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht,
dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit. 10
Wenn wir sagen, wir haben nicht gesündigt, so machen wir ihn zum Lügner, und
sein Wort ist nicht in uns."
1. Johannesbrief, Kapitel 1, Verse 5-10
Diskussion
Kein Video zu
sehen?
Adobe Flash Player installieren
Hintergrund:
http://de.wikipedia.org/wiki/Kinder_von_Izieu
Dann war da noch.. Schlusslichter
"Der verstorbene
Vorsitzende des Zentralrats der Juden, Paul Spiegel, hatte einen
Lieblingswitz. Vielleicht sollte ich den ihm zu Ehren hier erzählen:
Im Warschauer Ghetto schleicht ein alter Jude des Nachts in seine
ärmliche Behausung zurück. Plötzlich kommt aus der Dunkelheit ein SS-Mann
und hält ihm die Pistole vor die Brust:
»Jude, ich knall dich ab! Ach,
ich hab heute meinen guten Tag: Hier ist ein kleines Rätsel für dich, wenn
du richtig rätst, lasse ich dich laufen. Ich habe ein Glasauge, das ist
täuschend echt gemacht. Wenn du herausfindest, welches das ist, lasse ich
dich laufen.«
Da guckt der Jude ihm eine Minute lang tief in die Augen
und sagt: »Es ist das rechte.«
»Richtig«, sagt der Nazi und steckt die
Pistole zurück. »Wie hast du das rausgekriegt?«
»Es guckt so
menschlich.«"
Jürgen Becker
(22. September 2008, Religion ist, wenn man trotzdem stirbt: Ein Handbuch
für Humor im Himmel, Kiepenheuer & Witsch; Auflage: 1., S.147)
Diskussion
Zurück zur Themenliste
Diese Webseite stellt den Versuch dar, zumindest Teilbereiche der aktuellen FundamentalismusDebatte
abzubilden. Bitte beteiligt Euch an der Diskussion! Im
Weblog oder via Email:
Kontakt (Bei Zusendung
eines Zitats – bitte nachprüfbare Quellenangabe nicht vergessen. Danke!).
Die vielstimmigen Diskussionsbeiträge und Zitate dieser Website geben nicht notwendig unsere eigene
Meinung (fundamentalismusdebatte.de) wieder.
Hinweis in
eigener Sache:
Wir lieben unsere Kirche, und wir leiden mit unserer Kirche und würden uns deshalb freuen, auch (mehr)
positive und Mut machende Beiträge/Standpunkte zur
Evangelischen Kirche (EKD)
zu erhalten. Danke!
Besucher seit Januar 2011