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Michael Schalter
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"Nachdem wir über alle Fragen gesprochen haben, sahen wir, dass wir das Problem noch nicht einmal berührt hatten."

Prof. Ludwig Wittgenstein (1889 - 1951, Philosoph, ZDF Nachtstudio vom 15. November 2009, www.zdf.de)

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Noch ein Hinweis in eigener Sache: Wir lieben unsere Kirche, und wir leiden mit unserer Kirche und würden uns deshalb freuen, auch (mehr) positive und Mut machende Beiträge/Standpunkte zur Evangelischen Kirche (EKD) zu erhalten. Danke!

Um nicht die Schubladenfachexperten (Menschen die sich unbehaglich fühlen, wenn sie nicht andere Menschen in Schubladen beilegen können) zu vergessen - ich habe einen "innerkirchlich pietistischen" Hintergrund, bin aber ausschließlich Mitglied der Evangelischen Kirche.

Danke übrigens, für alle Einsendungen und Beiträge!!

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Hintergrund

Was passiert, wenn ein Pfälzer Landei auf die Idee kommt mal an einer Evangelisch  Theologischen Fakultät einer großen Universität vorbeizuschauen (Zweitstudium)? Es wundert sich und staunt.. jedenfalls ist es mir so ergangen.




Goethe-Universität Frankfurt am Main, Campus Westend

 

Seither habe ich mal begonnen mehr oder weniger meine Eindrücke zu verarbeiten und exemplarisch Textfragmente zum Thema "Fundamentalismus" (im weitesten Sinne) zu sammeln. Die Betonung liegt auf "mehr oder weniger" - und "exemplarisch". Vielleicht werde ich irgendwann auch noch alles ordnen und die Quellen nach einheitlichen Standards verzeichnen. Positiv formuliert sind meine Quellenangaben zurzeit nach einem lustigen Prinzip aufgebaut, das sonst nirgends zu finden ist.

Selbstverständlich sind dabei die hier aufgeführten Zitate aus ihrem ursprünglichen Textzusammenhang roh herausgerissen worden und erscheinen so (in dem unerträglichen Kontext dieser Internetseite ;-) womöglich in einem ganz anderen Licht, als wenn diese - eingebettet in ihrer natürlichen Textlandschaft / Umgebung - gelesen werden würden.
Das Problem ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass nicht alle Texte (was ich ausdrücklich bedauere..) für die Textlandschaft der hiesigen (pfälzer) Internetseite, in Form von maximal einer Scrollseite, geschrieben wurden.

Daher kann ich nicht immer ein halbes Buch, oder einen ganzen Artikel zitieren - sondern muss kürzen. Nichtsdestoweniger bekomme ich immer noch einen Stapel von 600 Blatt Papier zu sehen, wenn ich die Webseite hier ausdrucke. Und das ist meiner Meinung nach wesentlich mehr als ein Student im Allgemeinen verkraften kann.

Notfalls müsste man die eine oder andere Quelle in ihrem ursprünglichen Buchvorkommen (oder dem Internet - dem Hort allen Wissens und allen Wahns) aufsuchen - und selber lesen. Quellenangaben für Selberleser sollten eigentlich immer vorhanden sein. Wenn nicht - bitte eine liebenswürdige Empörungsemail schreiben. Ich werde dann versuchen die Quellenangabe aufzuspüren.


Nebenbei bemerkt liebe ich meine evangelische Kirche noch immer - nur verstehen kann ich sie jetzt nicht mehr so richtig.

Wenn ich an die Pfarramtsstudierenden denke, die - wenn sie an der Uni für das eintreten würden, was sie später von der Kanzel predigen wollen, wohl nur Hohngelächter ernten würden. Und umgekehrt, wenn sie das was sie an der Uni in den Seminaren vortragen, von der Kanzel predigen würden - wohl noch den letzten Kirchenbesucher vertreiben würden.

Dass unter diesen Umständen Kirche überhaupt noch funktioniert, könnte meiner Meinung nach schon fast als "Gottesbeweis" durchgehen.


Ich will es mal so ausdrücken - meinem persönlichen Eindruck nach ist gelegentlich seitens der theologischen Aufklärer ein profiliertes Elitebewusstsein gegenüber dem "naiven Gemeindefrommen" erkennbar.

Fragen sie mal einen aufgeklärten Theologen, wie er unter Kollegen (nicht im Gespräch mit Laien) die Ergebnisse einschätzt, die ein Laie beim Lesen der Bibel gewinnt - der nicht mit den Segnungen des historisch-kritischen Methodenapparats unbedingt vertraut ist.


Ohne dass ich jetzt die Aufklärer und die Muslime aufregen möchte, und vielleicht Sand ins Getriebe des interreligiösen Dialogs (bis hin zur multikulturellen Religiosität bzw. mulitreligiösen Identität, oder auch aufgeklärten Religiosität etc.) zwischen Kulturprotestanten und Kulturmuslimen (oder Christen und Muslimen etc.) streue - die wir gemeinsam am Fachbereich Evangelische Theologie studiert haben (2008) - aber auch ich bekenne mich zu dem einen Gott.

Dem einen lebendigen Gott, der sich in Jesus Christus geoffenbart hat und aus Liebe am Kreuz von Golgatha Deine und meine Erlösung vollbracht hat.
Und ich bin damit nicht alleine. Wir, die wir an Jesus Christus als den Sohn Gottes glauben, wir sind auch noch da - hier, in unserer gemeinsamen Kirche.




Universitätsstadt Frankfurt a. Main

 

Unsere (Ur)Opas (die "Gründerväter" der EKD - Evangelische Kirche in Deutschland) haben das im Kirchenkampf 1934 so ausgedrückt (1. These der Barmer Theologischen Erklärung im Wortlaut):

"Jesus Christus spricht: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich. (Joh. 14, 6)

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer nicht zur Tür hineingeht in den Schafstall, sondern steigt anderswo hinein, der ist ein Dieb und Räuber. Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich hineingeht, wird er selig werden. (Joh 10,1.9)

Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben.
Wir verwerfen die falsche Lehre, als könne und müsse die Kirche als Quelle ihrer Verkündigung außer und neben diesem einen Worte Gottes auch noch andere Ereignisse und Mächte, Gestalten und Wahrheiten als Gottes Offenbarung anerkennen."  (1. These der Barmer Theologischen Erklärung, Mai 1934)


"Das ist der Stein, von euch Bauleuten verworfen, der zum Eckstein geworden ist. Und in keinem andern ist das Heil, auch ist kein andrer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir sollen selig werden." (Apostelgeschichte 4, 11+12)

"Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz. Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist" (Philipper 2, 8+9)


"Wer nicht an Gott glaubt, sollte das konsequent tun. Das Leben ist kurz, der Tod endgültig. Und jede Unentschiedenheit kostet unwiederholbare Lebenszeit." …

"Je wichtiger die Dinge für alle Menschen sind, desto allgemeinverständlicher und einfacher muss man sie ausdrücken können.
Auch Akademiker, die für ihren Glauben aufs Schafott gehen, können ihre Gründe für diesen existenziellen Schritt auf ganz einfache Weise kurz und bündig und ohne Fremdwörter ausdrücken, und ebenso können das Atheisten, die sich zum Freitod entschließen.
Dennoch sind das die wichtigsten Argumente, die sie jemals in ihrem Leben gehabt haben." (Dr. Manfred Lütz, September 2007)


Als Bonhoeffer in Flossenbürg (KZ Flossenbürg bei Weiden im Oberpfälzer Wald) nackt zum Galgen gehen musste, lautete sein letzter Satz: "Das ist das Ende. Für mich der Beginn des Lebens." (Dr. Dietrich Bonhoeffers, April 1945)

"Fürchte nicht, dass dein Leben enden wird, sondern fürchte lieber, dass es nie beginnen wird." (Prof. Dr. John Henry Kardinal Newman, 1801 - 1890)


"So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit die, die an Ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben." (Johannes 3, 16)

"Da stand der Herr Jesus und erlebte es, wie unter seiner Rede die Menschen wegliefen. „Das ist eine harte Rede!" sagten sie empört. Jesus wandte sich an seine Jünger: „Und ihr?"
Nun antwortete Petrus ... : „Herr! Wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. Und wir haben geglaubt und erkannt, dass du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!" (Johannes 6, 66-69)

Es ist wundervoll, wenn ein Herz nach mancherlei Kämpfen zu dem Entschluss kommt: „Dein sind wir, Dein in Ewigkeit!"
(
Pfarrer Wilhelm Busch, 1966)

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Die Rettungsstation

"An einer gefährlichen Küste, die schon vielen Schiffen zum Verhängnis geworden war, befand sich vor Zeiten sine kleine, armselige Rettungsstation. Das Gebäude war nicht mehr als eine Hütte, und dazu gehörte nur ein einziges Boot; aber die Handvoll Freiwilliger versah unentwegt ihren Wachdienst und wagte sich tags wie nachts unermüdlich und ohne Rücksicht auf ihr eigenes Leben hinaus, um Schiffbrüchige zu bergen.

Dank diesem kleinen Stützpunkt wurden so viele Menschen gerettet, dass er bald überall bekannt wurde. Viele der Erretteten und andere Leute aus der Umgebung waren nun auch gern bereit, Zeit, Geld und Energie zu opfern, um die Station zu unterstützen. Man kaufte neue Boote und schulte neue Mannschaften. Die kleine Station wuchs und gedieh. Vielen Gönnern dieser Rettungsstation gefiel das ärmliche und schlecht ausgerüstete Gebäude nicht mehr.


Die Geretteten benötigten doch einen etwas komfortableren Ort als erste Zuflucht. Deshalb wurden die provisorischen Lagerstätten durch richtige Betten ersetzt und das erweiterte Gebäude mit besserem Mobiliar ausgestattet. Doch damit erfreute sich die Seerettungsstation bei den Männern zunehmender Beliebtheit als Aufenthaltsort; sie richteten sie sich noch gemütlicher ein, da sie ihnen als eine Art Clubhaus diente.

Immer weniger Freiwillige waren bereit, mit auf Bergungsfahrt zu gehen. Also heuerte man für die Rettungsboote eine eigene Besatzung an. Immerhin schmückte das Wappen des Seenotdienstes noch überall die Räume, und von der Decke des Zimmers, in dem gewöhnlich der Einstand eines neuen Clubmitgliedes gefeiert wurde, hing das Modell eines großen Rettungsbootes.


Etwa zu dieser Zeit scheiterte vor der Küste ein großes Schiff, und die angeheuerten Seeleute kehrten mit ganzen Bootsladungen frierender, durchnässter und halbertrunkener Menschen zurück. Unter den schmutzigen und erschöpften Schiffbrüchigen befanden sich Schwarze und Orientalen.

In dem schönen Clubhaus herrschte das Chaos. Das Verwaltungskomitee ließ deshalb gleich danach Duschkabinen im Freien errichten, damit man die Schiffbrüchigen vor Betreten des Clubhauses gründlich säubern könne.


Bei der nächsten Versammlung gab es eine Auseinandersetzung unter den Mitgliedern. Die meisten wollten den Rettungsdienst einstellen, da er unangenehm und dem normalen Clubbetrieb hinderlich sei. Einige jedoch vertraten den Standpunkt, dass Lebensrettung die vorrangige Aufgabe sei und dass man sich ja schließlich auch noch als „Lebensrettungsstation" bezeichnete. Sie wurden schnell überstimmt.

Man ließ sie wissen, dass sie, wenn ihnen das Leben all dieser angetriebenen schiffbrüchigen Typen so wichtig sei, ja woanders ihre eigene Rettungsstation aufmachen könnten. Das taten sie dann auch.


Die Jahre gingen dahin, und die neue Station wandelte sich genauso wie die erste. Sie wurde zu einem Clubhaus, und so kam es zur Gründung gar einer dritten Rettungsstation. Doch auch hier wiederholte sich die alte Geschichte.

Wenn man heute diese Küste besucht, findet man längs der Uferstraße eine beträchtliche Reihe exklusiver Clubs. Immer noch ist die Küste gefährlich; immer noch wird sie vielen Schiffen zum Verhängnis; nur - die meisten der Schiffbrüchigen ertrinken."

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"Wenn mich die Verzweiflung an der Kirche überflutet, dann tröstet mich ein Wort, ein Wort der Bibel, ein gewaltiges Wort. Und mit diesem Wort grüße ich euch, meine Freunde: So spricht der Herr: Ich will mich meiner Herde selbst annehmen." [Hesekiel 34, 11]

Pfarrer Wilhelm Busch (1966, Dortmund, Bekenntnistag in Dortmund, 1929 bis 1962 protestantischer Jugendpfarrer - Essen, http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Busch_(Pfarrer)

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Dann war da noch..  Schlusslichter


"Bitte entschuldigen Sie den langen Brief, ich hatte keine Zeit, einen kurzen zu schreiben"

Blaise Pascal (1623 – 1662, französischer Mathematiker, Physiker u. Philosoph, Lettres Provinciales 16, http://de.wikiquote.org/wiki/Brief)

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Quellen
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Barmer Theologischen Erklärung, Die theologische Erklärung der Bekenntnissynode von Barmen, Mai 1934, www.ekd.de/bekenntnisse/142.html.

Dr. Dietrich Bonhoeffer, 9. April 1945, Evangelisch-lutherischer Theologe, Ein unbeugsamer Tröster. Zum 100. Geburtstag von Dietrich Bonhoeffer, 31.01.2006, ZDF, www.heute.de/ZDFheute/inhalt/18/0,3672,3792370,00.html.

Pfarrer Wilhelm Busch, 1966, protestantischer Jugendpfarrer - Essen, "365 x ER. Tägliche Andachten", Aussaat; 14. Auflage 2006, ISBN 9783761541586.

Prof. Dr. John Henry Kardinal Newman, 1801 - 1890, englischer Theologe, http://de.wikipedia.org/wiki/John_Henry_Newman.

Dr. Manfred Lütz, September 2007, Psychiater u. Theologe, Gott. Eine kleine Geschichte des Größten. Pattloch, ISBN 9783629021588.

 

 

 

 

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