Diskussion: Kirche und Mission


Beiträge zum Thema christlicher Fundamentalismus

 

 

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Hinweis in eigener Sache: Die vielstimmigen Diskussionsbeiträge und Zitate dieser Website geben nicht notwendig unsere eigene Meinung wieder.

Die nachstehende "Textlandschaft" aus Textfragmenten und Zitaten stellt den Versuch dar, zumindest exemplarisch Teilbereiche der aktuellen Fundamentalismusdebatte abzubilden. Wobei der Einstieg gelegentlich "bibelkritisch" aufgebaut ist und im Wechsel mit "bibeltreuen" Textfragmenten (manchmal erst im unteren Abschnitt) eine Art "Debatte" abbildet.
Fundamentalismusdebatte.de ist keine "bibeltreue" Webseite, sondern stellt "bibelkritische" und "bibeltreue" Inhalte unkommentiert nebeneinander. Ein bibeltreues Projekt findest Du in der Bibel. ツ

Ein weites Feld für Missverständnisse in der Fundi-Debatte kann übrigens darin bestehen, dass unter dem Wort "Gott" ganz Unterschiedliches verstanden wird. Das reicht von "Gott als (gemeinsame) Idee" (eine Idee kann sich auf Menschen bzw. eine Gemeinschaft auswirken, aber z.B. keine Naturgesetze durchbrechen oder selbst etwas sagen bzw. tun) bis zu "Gott als Person" (wenn Gott Gott ist, dann ist Ihm nichts unmöglich) und allem dazwischen.
Dieser Unterschied, von welchem Ausgangspunkt in der Fundi-Debatte argumentiert wird und was der Autor jeweils unter dem Wort "Gott" versteht, kann in der Kürze der Beiträge nicht dargestellt werden.

Über uns: Wir selbst glauben an einen persönlichen Gott, der sich in Jesus Christus und durch den Heiligen Geist geoffenbart hat und das noch immer tut. Wir respektieren Menschen, die das anders sehen oder etwas anderes glauben.

 

Bild: Thomas Plaßmann, www.thomasplassmann.de (2014)

 


"Etwa 20.000 Pfarrerinnen und Pfarrer sind im Dienst für 23,6 Millionen evangelische Christinnen und Christen in Deutschland. Immerhin mehr als drei Viertel der evangelischen Kirchenmitglieder kennt einen Pfarrer oder eine Pfarrerin entweder namentlich oder vom Sehen."

Präses Dr. h.c. Nikolaus Schneider (6. März 2014, 2010 - 2014 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD, 2003-2013 Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland EKiR, Statement anlässlich der Vorstellung der Fünften Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung (V. KMU) „Engagement und Indifferenz“, Berlin, www.ekd.de)

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"Entschieden ist der verqueren, den Bibelfundamentalismus innerprotestantisch mehr und mehr tolerierenden Evangelikalisierung des Missionsverständnisses zu widerstehen, ebenso der daraus immer wieder quellenden Versuchung, dem heutigen Pfarrer viel zu schnell und zu umfänglich die Rolle des Volksmissionars aufzudrängen"

Dr. Richard Ziegert (2004, Ev. Theologe, bis 2011 Beauftragter für Weltanschauungsfragen der Evangelischen Kirche der Pfalz, Wohin entwickelt sich der Protestantismus?, Pfälzische Pfarrerblatt, www.pfarrerblatt.de/text_52.htm, Stand Dezember 2013)

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"Unsere Kirchenwelt wurde immer schwärzer gemalt und die Allianz [Evangelische Allianz] errichtete systematisch eine Parallelorganisation nach der anderen gegen die vorhandenen Kirchenstrukturen. [...] Immer deutlicher betont die »Allianz« ihre eigene »kirchliche« Rolle auch in der Öffentlichkeit. [...]

95–98% des Mitgliederzuwachses der neoevangelikalen Gruppen und Gemeinden sind nur Transfergewinne aus Landeskirchen und vor allem – und dort inzwischen besonders schmerzlich – aus den traditionellen Freikirchen und dem immer weiter abmagernden Gnadauer Verband [Vereinigung Landeskirchlicher Gemeinschaften].

Das Schlimme daran ist für uns, dass die von uns oft selbst zugelassene Abwerbung nicht kirchliche Randsiedler betrifft, sondern unsere Kerngemeinde und uns nach jeder neuen Aktion irgendwo wieder wichtige Mitarbeiter fehlen."

Dr. Richard Ziegert (2003, Ev. Theologe, bis 2011 Beauftragter für Weltanschauungsfragen der Evangelischen Kirche der Pfalz, Die EKD-Kirchen angesichts der Globalisierung, Deutsches Pfarrerblatt, Nr. 6 - Juni 2003, S. 291 ff.)

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Bild: ICF-Berlin, www.facebook.com/icfberlin (März 2014)

 


"Wir haben vieles versucht, und vieles hat nicht geklappt. Wir sind in mancher Hinsicht missionarisch ahnungslos und hilflos."

Prof. Dr. Michael Herbst (15. Januar 2014, Theologe, Uni Greifswald, Tagung der Arbeitsgemeinschaft Missionarische Dienste AMD in Berlin, Evangelisation: Zu Unkirchlichen kaum Kontaktaufnahme, ideaSpektrum, www.idea.de)

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"Ansatzweise zeigt sich auch in Europa, was in globaler Perspektive vielfach beobachtet werden kann: Christliches Leben scheint gegenwärtig am augenfälligsten in von den historischen Kirchen und Denominationen mehr oder weniger unabhängigen Gemeinschaftsgruppen, Gemeinden und Kirchen zu pulsieren."

Dr. Reinhard Hempelmann (Dezember 2013, Leiter der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen - EZW Berlin, Stichwort. Neue freikirchliche Gemeinschaftsbildungen, EZW Materialdienst-Einzelheft 12/2013, S. 477)

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"Vielmehr kann beobachtet werden, dass sich mehr und mehr neue Gruppen unter der Selbstbezeichnung „evangelische Freikirche" etablieren, die eine organisatorische Beziehung zu den klassischen Freikirchen nicht kennen und in ihrem Selbstverständnis teilweise hervorheben, dass sie konfessionsunabhängig (nondenominational) sind.

Die „neuen Freikirchen" verstehen sich dabei nicht nur im Gegenüber zu evangelischen Landeskirchen und zur katholischen Kirche, sondern auch als Alternative zu den „alten Freikirchen". Ihre Distanz zu den freikirchlich etablierten Kirchen kann kulturelle und religiöse Gründe haben. Wenn religiöse Gründe im Vordergrund stehen, fürchtet man beispielsweise, dass durch den Anschluss an etablierte Strukturen eine Verwässerung des eigenen Profils erfolgen könnte.

• Seit den 1980er Jahren sind allein in Deutschland mehrere hundert „konfessionsunabhängige" (nondenominational) freie pfingstlichcharismatische Gemeinden entstanden, die teils klein und unbemerkt blieben, teils sich zu großen Zentren pentekostalcharismatisch geprägter Frömmigkeit mit weit ausstrahlender Wirkung entwickelten.

Dieser erste Typ freikirchlicher Gemeinschaftsbildung konkretisiert sich u. a.
in zahlreichen christlichen Zentren (Christliches Zentrum Berlin, Frankfurt, Ruhrgebiet, Wiesbaden u. a.),
in Vineyard Gemeinden (Aachen, Dresden, Hamburg, München, Speyer, Nürnberg u. a.)´´, die als Gemeindegründungsbewegung, teilweise auch als innerkirchliche Laienbewegungen auftreten,
in Gruppen, die sich unter dem Einfluss der auch in der charismatischen Bewegung umstrittenen amerikanischen WortdesGlaubensBewegung gebildet haben (Gemeinde auf dem Weg, Berlin;
GospelForum, Stuttgart, das sich zur größten MegaChurch in Deutschland entwickelt hat),
in CalvaryChapels (Siegen, Leipzig, Hannover, Görlitz, Münster u. a.),
in International Christian Fellowship [ICF] Gemeinden (Augsburg, Berlin, Bielefeld, Freiburg, Karlsruhe, München, Nürnberg, Stuttgart u. a.), deren Ausstrahlungskraft in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen ist.

Zwischen Einzelgemeinden können netzwerkartige und freundschaftliche Verbindungen bestehen. Trotz zahlreicher Unterschiede zwischen neuen unabhängigen charismatischen Gemeinden in Lehre und Frömmigkeitspraxis lassen sich gemeinsame inhaltliche Anliegen benennen:

Anbetung, Lobpreis, Seelsorge, Evangelisation, Heilungsdienste;

das Erfasst und Erneuertwerden des ganzen Menschen wie auch der Gemeinde werden hervorgehoben. Dabei wird eine auf den Heiligen Geist und die Charismen (vor allem Heilung, Prophetie, Glossolalie) bezogene erfahrungsorientierte Frömmigkeit akzentuiert, die in einzelnen Gruppen auch umstrittene exorzistische Praktiken, einen unrealistischen Heilungsoptimismus und die enge Verknüpfung von Evangelium, Erfolg und Wohlstand beinhalten kann.
Diakonische Dienste werden in enger Zuordnung zum Evangelisationsauftrag praktiziert.

Sozialformen sind u. a. Haus und Gebetskreise, Glaubenskurse und Einführungsseminare, Anbetungs, Heilungs und Segnungsgottesdienste, Kongresse.

Vor allem junge Erwachsene und junge Familien finden in solchen Gemeinden Orte, an denen sie ihrem Glauben Ausdruck verleihen und ein Frommsein mit Begeisterung leben können, das bestimmt ist durch die Suche nach erfahrungsbezogener Glaubensvergewisserung und einer evangelistischen Praxis in der Kraft des Heiligen Geistes.

Ein geografischer Schwerpunkt neuer Gemeinden liegt in (großstädtischen Kontexten, wo die Lockerung der Kirchenbindung und der Abbruch christlicher Tradition am weitesten fortgeschritten sind. Ein zweiter Schwerpunkt bezieht sich auf Regionen, die durch den Pietismus und erweckliche Frömmigkeitsformen geprägt sind, wo vor allem junge Menschen die aus ihrer Sicht traditionelle Frömmigkeit verlassen und charismatische Ausdrucksformen des Glaubens aufgreifen.

• Ein zweiter, vergleichsweise weniger einflussreicher Typ neuer freikirchlicher Gemeinschaftsbildungen repräsentiert eine konservativ geprägte, evangelikalbibel fundamentalistisch orientierte Richtung.

Sie konkretisiert sich u. a. in der Konferenz für Gemeindegründung (KfG), die lockere Kontakte zu einigen hundert kleinen Gemeinden (freie Brüdergemeinden, freie Baptisten, Biblische Missionsgemeinden etc.) unterhält.
In diesen Gemeinschaften herrscht häufig eine dezidierte Ablehnung landeskirchlicher Strukturen, die, wie auch die römischkatholische Kirche, als „unbiblische Systeme" angesehen werden.

Dieser Typ setzt sich abgrenzend und kritisch mit in Deutschland populären evangelikalen Initiativen und Trends auseinander. Problematisiert werden z. B. die Gemeindewachstumsbewegung, Alpha Glaubenskurse oder die evangelistische Aktion „ProChrist" mit Satellitenübertragung in zahlreiche europäische Länder. Die KfG wendet gegen diesen modernen Evangelikalismus ein, dass Marketingmethoden mehr Gewicht hätten als Inhalte. Kritisiert werden auch das Zahlen und Wachstumsfieber, die Betonung von kulturellen Anpassungsprozessen und der Verzicht darauf, Kontrastgesellschaft zu sein.

Dem „modernen" Evangelikalismus wird eine „evangelikalbibelfundamentalistische" Position entgegengesetzt. Pointiert wird für die Beibehaltung patriarchalischer Autorität und die Nichtberücksichtigung von Frauen in Leitungspositionen plädiert.
Zur pfingstlichcharismatischen Bewegung hat dieser Typ ein distanziertes Verhältnis. Die Rezeption von Anliegen des Darbysmus spielt eine wichtige Rolle: im Verständnis der Bibel, der Kirche, der Heilsgeschichte. […]

Auch wenn einzelne der genannten Gemeinschaftsbildungen ihre Zukunftsfähigkeit noch unter Beweis stellen müssen, zeigen die skizzierten Entwicklungen, dass das freikirchliche Spektrum des Protestantismus in den letzten Jahrzehnten an Gewicht gewonnen hat, insbesondere unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen. […]

Neue Gemeindegründungen tragen Züge unserer Zeit und Kultur. Sie folgen den Trends der Individualisierung, der Erlebnisorientierung, der Profilierung: Individualität statt Konvention, Erfahrungsorientierung statt Verkopfung, Profil statt Beliebigkeit."

Dr. Reinhard Hempelmann (Dezember 2013, Leiter der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen - EZW Berlin, Stichwort. Neue freikirchliche Gemeinschaftsbildungen, EZW Materialdienst-Einzelheft 12/2013, S. 474 f.)

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Thomas Plaßmann, Bitte folgen! Neue Cartoons über Gott und die Welt, Herder 2004

 


"Zur großen Überraschung der meisten Experten haben seit den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts religiöse Bewegungen auf oftmals dramatische Weise wieder die Weltbühne betreten.
Kaum jemand hatte mit einer solchen Erneuerung der Religionen gerechnet, denn der westliche Modernisierungsmythos hatte uns einen unumkehrbaren Trend zur Säkularisierung und Privatisierung von Religion erwarten lassen."

Prof. Dr. Martin Riesebrodt (1. Dezember 2003, Soziologe, Martin Riesebrodt: Die fundamentalistische Erneuerung der Moderne - Die fundamentalistische Erneuerung der Religionen, in: Kilian Kindelberger (Hrsg.): Fundamentalismus. Politisierte Religionen. Brandenburgische Landeszentrale für Politische Bildung, Potsdam 2004, S. 10)

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"Vom neuen Interesse an Glaube und Seelenheil jedoch profitieren die beiden großen Amtskirchen kaum. Ihr aufgeblähter Apparat mit Konsistorien und Landeskirchenämtern, mit Oberkirchenräten und Generalsuperintendenten ist zu schwerfällig, um auf die neue religiöse Welle reagieren zu können.

Es ist jenes unübersichtliche Spektrum evangelikaler Gruppierungen, die in der Evangelischen Allianz [http://de.wikipedia.org/wiki/Evangelische_Allianz] vereint sind und von der neuen Sehnsucht nach Sinn profitieren - christliche Freikirchen, religiöse Vereine, freie Gemeinden, charismatische Gruppen, missionarische Zentren. Sie erleben einen Aufschwung Jesu.

Ihr Kirchenverständnis ist leger in der Form - ihre Gottesdienste sind unkonventioneller gestaltet als die der etablierten Kirche. Inhaltlich aber sind sie konservativ und streng bibeltreu, pietistisch. Viele dieser Gruppen sind aus frommen Erweckungsbewegungen hervorgegangen, manche haben ihre Zentren in den USA ...

Der Leiter der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen in Berlin, Reinhard Hempelmann, bestätigt das „Wachstumsphänomen" evangelikaler Kräfte. Es sei „offensichtlich größer, als die Statistiken nahelegen", und nicht nur „ein Protestphänomen gegen die fehlende Flexibilität" der Amtskirchen. „Es fordert die Kirchen heraus." [...]

Der traditionellen evangelischen Kirche bereitet die Entwicklung Sorgen. Sie befürchtet eine Abwanderung ihrer eigenen Mitglieder in die importierten Erweckungsgemeinden - oder eine schleichende Machtübernahme durch die Evangelikalen in ihren eigenen Reihen, die in immer mehr Gremien der EKD zu finden sind. [...]

Der Kampf, wer in Zukunft die religiöse Landschaft in Deutschland bestimmen wird, hat begonnen."

DER SPIEGEL
(28. April 2008, Aufschwung Jesu, Der Spiegel Nr. 18/2008, S. 38-41)

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"Trendforscher sehen in den "Bibeltreuen" sogar die Zukunft der Kirche; es spricht einiges dafür, dass innerhalb der protestantischen Christenheit in Deutschland jeden Sonntag mehr evangelikale als nichtevangelikale Christen an Gottesdiensten teilnehmen."

DIE WELT (20. Februar 2008, Gernot Facius, Die "Frommen" sind auf dem Vormarsch, www.welt.de)

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Engagement u. Indifferenz. Kirchenmitgliedschaft als soziale Praxis, V. EKD-Erhebung ü. Kirchenmitgl., März 2014, S. 64.

Grafik: Rund 40 Prozent der evangelischen unter 21-Jährigen denken über einen Kirchenaustritt nach (Westdeutschland).

 


"Bei den jugendlichen Westdeutschen 2012 besteht nach eigenen Äußerungen die höchste Austrittsbereitschaft [siehe Grafik oben]. Nahezu ein Fünftel aller bis zu 21-jährigen Kirchenmitglieder ist sich sogar relativ sicher, dass man diesen Schritt in naher Zukunft vollziehen wird.
In Ostdeutschland hat sich diese Bereitschaft auf eher niedrigem Niveau stabilisiert, auch wenn die jüngste Befragungsgruppe dies ebenfalls etwas häufiger als alle älteren Gruppen äußert.

Die Brisanz dieser Ergebnisse, die mit den bereits vorgestellten Resultaten zur Kirchenverbundenheit und Religiosität korrespondieren, wird deutlich, wenn man sich vergegenwärtigt, dass zwei von fünf der unter 21-Jährigen und immerhin noch ein Viertel der 22- bis 29-Jährigen in Westdeutschland ernsthaft über einen Austritt aus der evangelischen Kirche nachdenken (Grafik 4; fester Austritt und nicht sicher).

Die fünfte EKD-Erhebung über Kirchenmitgliedschaft, Evangelische Kirche in Deutschland (März 2014, Engagement und Indifferenz. Kirchenmitgliedschaft als soziale Praxis, V. EKD-Erhebung über Kirchenmitgliedschaft, www.ekd.de/download/ekd_v_kmu2014.pdf, ISBN 978-3-87843-029-2, S. 65)

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"Die Volkskirche könnte zur Seniorenkirche werden.

Der evangelischen Kirche geht die junge Generation verloren. Das geht aus der alle zehn Jahre erhobenen soziologischen Untersuchung der EKD zur Kirchenmitgliedschaft hervor. Das Papier mit dem Titel „Engagement und Indifferenz“ wurde am 6. März in Berlin vorgestellt. Für die Studie wurden 3.000 Personen repräsentativ befragt.
Danach gelingt es der Kirche immer seltener, jüngere Bürger zu erreichen. Sie könnte daher von einer Volkskirche zur „Seniorenkirche“ werden. Die EKD stehe „vor einem massiven Problem in der Überzeugungsarbeit Jugendlicher und junger Erwachsener“, heißt es.

Viele Junge planen Kirchenaustritt

Lediglich 22 Prozent der 14- bis 21-jährigen Mitglieder fühlen sich ihrer Kirche verbunden; bei den über 66-jährigen sind es 58 Prozent. Entsprechend ist bei jungen Kirchenmitgliedern die Bereitschaft, aus der Kirche auszutreten, am höchsten. 19 Prozent der 14- bis 21-jährigen Westdeutschen bekunden, sie hätten eine feste Austrittsabsicht (Ostdeutschland: zwölf Prozent).
Hingegen ist die Bereitschaft, die Kirche zu verlassen, bei den über 66 Jahre alten Westdeutschen mit zwei Prozent am geringsten (Ostdeutschland: sechs Prozent). Schwer dürfte es auch sein, ehemalige Kirchenmitglieder zurückzugewinnen: Zwei Prozent der aus der Kirche Ausgetretenen können sich einen Wiedereintritt vorstellen. [...]

Wie häufig wird der Gottesdienst besucht?

Erfragt wurde auch die Häufigkeit des Gottesdienstbesuches: 22 Prozent aller evangelischen Kirchenmitglieder teilten mit, mindestens einmal pro Woche in die Kirche zu gehen. 13 Prozent geben an, das ein- bis dreimal im Monat zu tun.
Allerdings liegen diese Selbsteinschätzungen deutlich über den Zählungen der EKD. Danach kamen 2011 an einem durchschnittlichen Sonntag 3,7 Prozent aller Kirchenmitglieder in die Gemeinde.
Gleichzeitig registriert die Untersuchung eine zunehmende Zahl von Mitgliedern, die nie einen Gottesdienst besuchen. Der Anteil stieg von zehn Prozent im Jahr 1992 auf 22 Prozent 2012. Hinzu kommt eine hohe Zahl derer, die kaum in die Kirche gehen.

Die Studie hält fest: „Fast jedem zweiten Kirchenmitglied kommt der Kirchgang nicht einmal mehr als sporadische Möglichkeit in den Sinn.“

Wie sich die Kirchenverbundenheit entwickelt

Positiv entwickelte sich der Anteil Evangelischer, die sich ihrer Kirche „sehr“ verbunden fühlen. Er stieg von elf Prozent im Jahr 1992 auf 15 Prozent 2012. Gewachsen ist allerdings auch der Anteil derer, die sich ihrer Kirche „überhaupt nicht“ verbunden fühlen: von neun Prozent auf 14 Prozent. Deutlich geschrumpft ist die Mittelposition – „etwas verbunden“ – von 33 Prozent auf 25 Prozent.

13 Prozent sind „intensive“ Mitglieder

Laut der Studie pflegen etwa 13 Prozent der 23,4 Millionen landeskirchlichen Protestanten in Deutschland eine intensive Mitgliedschaftspraxis. Sie ist gekennzeichnet durch häufigen Gottesdienstbesuch (mindestens einmal im Monat), persönlichen Kontakt zu einem Pfarrer im Laufe des letzten Jahres sowie Mitarbeit im kirchlichen Leben.

Dagegen sind 75 Prozent der Mitglieder „nicht engagiert“, nehmen also nicht an kirchlichen Veranstaltungen wie Gesprächskreisen, Seminaren, Chören teil und arbeiten nicht in der Gemeinde mit. 87 Prozent dieser Mitglieder sind auch in Zukunft nicht an einer Mitarbeit interessiert.
Abgenommen hat freilich die Neigung zum Kirchenaustritt: 1992 gaben 55 Prozent an, dass ein Austritt für sie nicht infrage komme; 2002 waren es 61 Prozent und 2012 73 Prozent. Allerdings halten derzeit 27 Prozent einen Austritt für denkbar; das sind 6,3 Millionen Personen."

idea – Evangelische Nachrichtenagentur (6. März 2014, EKD-Mitgliedschaftsstudie. Der Kirche geht die Jugend verloren, www.idea.de)

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V. KMU - Die fünfte EKD-Erhebung über Kirchenmitgliedschaft (2014)

 


"Die V. KMU [Die fünfte EKD-Erhebung über Kirchenmitgliedschaft, 2014] zeigt auf, dass die lang vertretene These von einem freien, kirchendistanzierten Christentum zunehmend »in der Luft hängt«.
Im Hintergrund der bisherigen KMU stand die Überzeugung, dass das Christentum in dreifacher Gestalt in der Moderne präsent sei:

(1.) Als privates Christentum, das sich z. B. im Gebet bei Tisch, im Abendlied am Bett, beim Besuch des kranken Nachbarn niederschlägt;

(2.) als öffentliches Christentum, das sichtbar ist in Feiertagen, im Status der theologischen Fakultäten, im Religionsunterricht usw.; und

(3.) als kirchliches Christentum, das auf Gemeinden bezogen ist.

Mit der V. KMU muss man wieder einmal nüchtern wahrnehmen, dass privates und öffentliches Christentum von Voraussetzungen lebt, die es selbst nicht garantieren oder herstellen kann.
Das kirchliche Christentum stellt Vergewisserungs- und Verbundenheits-Ressourcen zur Verfügung, die das private Christentum nicht (wieder) herzustellen vermag und auf die das öffentliche Christentum angewiesen ist, um plausibel zu bleiben [...] die Rolle der Kirche in der Öffentlichkeit verliert an Plausibilität.

Was bedeutet es aber für eine Kirche, wenn die »nahen Kirchenfernen« (III. KMU) oder jene vielen Mitglieder in Halbdistanz in Gefahr stehen, sich zu »Übergangsmitgliedern ins Konfessionslose« zu entwickeln? [...]

Die V. KMU zeigt auch auf, dass es vor allem die existenziellen Themen sind, wie die Frage nach Sinn, Leben und Tod u.a.m., die als spezifisch religiöse Themen wahrgenommen werden.
Dagegen spielen gesellschaftspolitische Themen wie Gerechtigkeit, Frieden und Umwelt eine geringere Bedeutung für die Identifikation religiöser Dimensionen und Kompetenzen der Kirche. […]

Ohne hier eine falsche Alternative aufzubauen, sollte der Frage nachgegangen werden, ob nicht eine gewisse Vernachlässigung typisch individueller Frömmigkeitsfragen im kirchlichen Diskurs zu konstatieren und also zu prüfen sei, was es bedeutet, wenn die Kirche für eine markante Mehrheit der eigenen Mitglieder Themen »bespielt«, die an deren Erwartungen vorbeigehen?
Hängt die Zukunft der Kirche daran, dass sie ihre Kompetenz in genuin religiösen Fragen stärker sichtbar macht?

Die »Extreme« werden gestärkt, man ist entweder stark engagiert oder vorwiegend biografisch-situativ dabei.
D. h. aber, dass die milde, gemäßigte Form der evangelischen Frömmigkeit und Kirchenverbundenheit – die sogenannte Mehrheits-Religion, auf die unsere Kirche weithin ausgelegt ist – im Schwinden ist.

Entsprechend spreizen sich die Erwartungen an die Kirche immer deutlicher: Die einen wollen klar erkennbare, religiös-profilierte Gemeinschaftskonturen, die anderen punktuell-situative, individuell zugewandte und qualitativ verlässliche Betreuung. Nehmen die sich gegenseitig exkludierenden Erwartungen unterschiedlicher Gruppen an die Kirche zu? Gerät kirchenleitendes Handeln immer stärker in eine Zwickmühle unvereinbarer Polaritäten? [...]

Ein gutes Drittel aller Deutschen gehört keiner der beiden großen christlichen Religionsgemeinschaften an, und diese Haltung »vererbt« sich exponentiell. Denn nüchtern muss man sagen: Wer einmal »weg« ist, kommt in aller Regel nicht wieder, sondern nimmt auch noch seine Familie, später seine Kinder und Enkel mit.
Die Weitergabe der »religiösen Nichtsozialisation« vererbt sich, die religiöse Indifferenz verfestigt sich.

Diese stetig zunehmende Ferne zu den Großkirchen in Deutschland ist ein Zeichen für die schwächer werdenden Bindungskräfte; die Jahrhunderte lang unbestrittene Rolle der christlichen Kirchen als religiöse Monopolisten geht zu Ende.

Vor diesem Hintergrund ist einerseits die nach wie vor hohe Kirchenmitgliedschaft ein ebenso erklärungsbedürftiges wie staunenswertes Phänomen.
Andererseits ist jene wachsende Indifferenz für die christlichen Kirchen eine zentrale geistliche und mentale Herausforderung, hängt an ihr doch die Frage der externen Relevanz und des inneren Selbstbewusstseins.

Wie aber geht eine Kirche sinnvoll und souverän mit ihrem Bedeutungsrückgang um? Ist der beständige Hinweis auf die doch noch vorhandene Relevanz weiterführend oder braucht es ganz andere Haltungs- und Handlungsoptionen?
Lässt sich die Kirche als »Bundesagentur für Werte« (Wolfgang Huber) oder als »Quelle für diakonisches Sozialkapital« gesellschaftlich plausibilisieren, oder wird das religiöse Selbstverständnis der Kirche so zu deutlich »verzweckt«?"

Die fünfte EKD-Erhebung über Kirchenmitgliedschaft, Evangelische Kirche in Deutschland (März 2014, Engagement und Indifferenz. Kirchenmitgliedschaft als soziale Praxis, V. EKD-Erhebung über Kirchenmitgliedschaft, Fragen anlässlich der V. KMU, www.ekd.de/download/ekd_v_kmu2014.pdf, ISBN 978-3-87843-029-2, S. 129-132)

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"Deutsche Amtskirchen stehen vor einem Dilemma: Während immer mehr Menschen auf Sinnsuche gehen, nach Spiritualität geradezu hungern, setzt das Funktionärschristentum auf Anpassung an den Zeitgeist. Das Ergebnis ist Kokolores, den kein Gläubiger braucht. [...]

Allein durch Christus, die Gnade, den Glauben und die Heilige Schrift finde der Mensch seine Bestimmung vor Gott. Das lehrte – knapp zusammengefasst – der große Reformator Martin Luther, der sich vor 500 Jahren aufmachte, schlimme Fehlentwicklungen wie den Ablasshandel der Römischen Kirche oder ihr aus seiner Sicht falsches Eucharistieverständnis öffentlich zu kritisieren. Stets galt sein Bemühen dabei der Suche nach dem richtigen Weg zu Gott. [...]

An jedem ganz normalen Sonntag gehen in Deutschland etwa 900.000 evangelische und 2,3 Millionen katholische Gläubige in die Gottesdienste. Über drei Millionen Menschen, jeden Sonntag. An hohen Feiertagen wie Ostern und Weihnachten sind es deutlich mehr.
Wer hat einen solchen Zulauf sonst noch in diesem Land? Die Parteien? Gewerkschaften? Pop-Idole? Nein, nein, der christliche Glaube lebt auch in Deutschland – sicher nicht bei allen 55 Millionen Kirchenmitgliedern, aber eben bei einer immer noch gewaltigen Zahl von ihnen.

Umso unverständlicher, dass die Amtskirchen sich mit so viel Kokolores beschäftigen, anstatt sich auf ihre Kernkompetenz zu besinnen: die Lehre Christi zu verkünden und in den Köpfen wachzuhalten. [...]

Ein hochrangiger Repräsentant eines großen deutschen Bistums (katholisch) zeigte mir vor Jahren mal voller Stolz eine aktuelle Studie, nach der ein weiterer Rückgang der Gottesdienstbesucher in den kommenden Jahren zu erwarten sei. Viele Tabellen gab es da und bunte Grafiken mit fallenden Kurven.
Schließlich fragte ich ihn: „Und was ist ihre Strategie gegen diese Entwicklung?“ Er schaute mich verwundert an und wechselte das Thema. Ich glaube, er hat bis heute nicht verstanden, was ich von ihm wissen wollte. Ihm genügte vollauf, den Niedergang professionell zu verwalten."

Focus / Klaus Kelle (10. April 2014, Vom guten Geist verlassen. Warum diesen Kokolores der Evangelischen Kirche kein Gläubiger braucht, Klaus Kelle, www.focus.de)

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"Wenn wir uns von Jesus Christus entfernen, so müssen wir das mit anderen, weltlichen Haltungen kompensieren. […] Jesus Christus … das ist der Mittelpunkt unseres Lebens. Wenn dies nicht gegeben ist, so verlieren wir alles. Und was werden wir dann den Leuten geben?"

Papst Franziskus (11. Januar 2014, Jorge Mario Bergoglio, Frühmesse im Vatikanischen Gästehaus Domus Sanctae Marthae, in: L'Osservatore Romano, Nr. 4, 24.01.2014, www.vatican.va)

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"Christ sein und Missionar sein, das ist dasselbe! Das Evangelium verkünden mit Worten und, allem voran, mit dem Leben – das ist der wichtigste Daseinsgrund der christlichen Gemeinschaft und jedes einzelnen ihrer Mitglieder. [...]

Es geht da nicht nur um soziale Hilfe, und noch weniger um politische Aktivität. Es geht darum, die Kraft des Evangeliums Gottes anzubieten: Sie ändert die Herzen, heilt die Wunden, verwandelt die menschlichen und sozialen Beziehungen in einer Logik der Liebe."

Papst Franziskus (24. Januar 2016, Jorge Mario Bergoglio, Sind wir dem Programm Jesu treu? Radio Vatikan, http://de.radiovaticana.va) 

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Bild: chrismon.evangelisch.de (April 2014)

 


"Stille Sympathie, wortloser Abschied"

"Es gibt einen stillen Abschied von der Kirche auf breiter Front, der kaum Schlagzeilen macht und der nur selten mit großem Ernst öffentlich diskutiert wird. [...] Wer auf Distanz zur Kirche geht, der tut dies nicht im Streit oder weil er einzelne Positionen oder Personen ablehnt, sondern weil ihm die Kirche nichts (mehr) bedeutet.

Dezidierte Kirchenkritik ist eine Übung, die immer mehr Menschen schlicht egal ist. Das Interesse an dem großen theologischen oder ethischen Streit hat nachgelassen. Diese Tendenz ist so sehr viel stärker und für die Institution Kirche bedrohlicher als alle Austrittswellen wegen diverser Missstände in der Kirche. Konfessionslosigkeit – auch dies eine Erkenntnis der Studie – wird schon lange nicht mehr als Makel angesehen. Im Gegenteil: Für eine wachsende Zahl an Menschen ist sie der „Normalzustand“. [...]

Erheblich gewandelt hat sich, was heute als religiös verstanden wird. Das Gewicht verlagert sich von den großen sozialethischen und politischen Projekten wie Frieden, Gerechtigkeit und Freiheit hin zu existenziellen Fragen (Lebensbeginn, Sinn des Lebens, Tod...).
Offensichtlich erleben wir nach der politisierten Kirche der 60er bis 90er Jahre eine Entwicklung, die die Kirche eher als Therapie- und Beratungskonzern missversteht, als Gefühls- und Sinngenerator.
Aber dieser Trend ist widersprüchlich: Die mit der Kirche eng Verbundenen wollen eine politische Kirche, die locker mit ihr Verbundenen eher biografische Unterstützung und Hilfe bei existenziellen Problemen."

Eduard Kopp (April 2014, Theologe, chrismon-Redakteur, Stille Sympathie, wortloser Abschied. chrismon.evangelisch.de)

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"Der Glaube spaltet das Land: Viele Deutsche können mit Religion nichts anfangen. Die anderen wollen Kirche – aber eine, an der sie sich aktiv beteiligen können. Gemeinden, die sich darauf einstellen, haben Erfolg. Es sind die wenigen, die überhaupt noch wachsen. […]

Jahr für Jahr treten aus beiden Kirchen insgesamt rund 250.000 Menschen aus. Schon mehr als ein Drittel der Bevölkerung ist konfessionslos. […] Wie an einem Grabenbruch nämlich reißt die deutsche Glaubenslandschaft entzwei. Immer größer wird der Abstand zwischen den Uninteressierten, denen Religion völlig egal ist, und jenen Christen, die sich … mit zunehmender Intensität auf das kirchliche Leben einlassen.

Diese Spreizung hat kürzlich eine Studie der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) auch in deren eigener Mitgliedschaft offenbart. Immer mehr Protestanten fühlen sich ihrer Kirche "kaum" oder "überhaupt nicht verbunden". Auf 32 Prozent ist ihr Anteil bei den Evangelischen gestiegen. Man zahlt zwar noch Kirchensteuer, erwartet aber ansonsten gar nichts mehr. Gleichzeitig sind mittlerweile 43 Prozent der Kirche "sehr" oder "ziemlich verbunden".
Was jedoch sinkt, ist die Zahl derer, die "etwas" dazugehören, die Glauben an sich okay finden, aber nicht in die Gottesdienste gehen, eine kirchliche Trauerfeier bei der eigenen Beerdigung jedoch wünschen.

Die meisten aber gehen in die eine oder die andere Richtung: Entweder ganz oder gar nicht. Entweder mitmachen oder weggehen. Das zwingt die Kirchen zum Umdenken. Sie müssen lernen, dass da draußen nicht mehr ein Riesenpotenzial von Halbchristen der kirchlichen Versorgung harrt. […]

Welche prominenten Protestanten sie so kennen, wollte man bei der Umfrage von den evangelischen Kirchenmitgliedern wissen. Martin Luther, antworteten viele. Okay, Prüfung bestanden, aber Luther ist tot. Margot Käßmann wurde genannt. Die jedoch steht seit ihrem Rücktritt nicht mehr für die Institution. Einigen fiel Joachim Gauck ein. Der ist allerdings Bundespräsident. Aber der aktuelle EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider? Gar die Bischöfe der Landeskirchen? Keine Kenntnis, kein Interesse. […]

Von einem "doppelten Paradigmenwechsel" spricht denn auch einer der besten Kenner evangelischer Gemeindeentwicklung, Hans-Hermann Pompe, der in Dortmund das "EKD-Zentrum Mission in der Region" leitet.
Zum einen setze sich "die Erkenntnis durch, dass die Ortsgemeinden weiterhin das beste Pferd im Stall sind". Der Blick auf die Ortsgemeinden, genauer auf die lokalen kirchlichen Strukturen, sei "sehr viel freundlicher als noch vor zehn Jahren".
Zum anderen, so Pompe, werde wieder deutlich, dass es dem Christentum gut gehe, wenn Christen freundlich seien, zugewandt. Wenn sie also "Neugier entwickeln für die realen, aktuellen Bedürfnisse der Menschen in der Nähe, wenn sie ihnen die Möglichkeit geben, das für sie Wichtige in großer Eigenverantwortung zu entdecken und in ihr Leben zu integrieren".

Pompe hat aber auch eine Mahnung auf Lager. Wenn sich Gemeinden auf die realen Bedürfnisse und Interessen im Hier und Jetzt einließen, könne Kirche nicht mehr nur als Religionsdienstleister für besondere Anlässe auftreten.
Das war auch so ein Glaubenssatz in den Reformdiskussionen der letzten Jahre: Weil man dachte, da draußen harrten aufgeschlossene Passive, die hin und wieder spirituell versorgt werden wollten, stürzten sich beide Konfessionen auf die Gottesdienste an den Lebenswendepunkten. Auf die Taufen, die Feiern der Erstkommunion, die Konfirmationen, die Trauungen und Beerdigungen.

Doch auch wenn diese natürlich gut gemacht werden müssen: Wenn sich jetzt zeigt, dass viele Leute das zwar gern mitnehmen, sich aber dadurch in ihren Aktivitätsbedürfnissen nicht gefordert fühlen, sondern sich anschließend wieder zurückziehen – dann müssen Gemeinden mehr machen als Grundversorgung. "Die Leute wollen im Alltag angesprochen werden", sagt Pompe, "sie fragen nach der Relevanz des Glaubens. Bei der Beerdigung ist es zu spät."

Dr. Matthias Kamann (20. April 2014, Politikredakteur, Die geteilte Gemeinde, Welt am Sonntag - Ausgabe 16, S. 17)

Diskussion

 

Dr. Matthias Kamann, Politikredakteur (2014)

 


"Ach, Sie sind Christ! Und was macht man da so? – Die Frage kommt nicht aus dem Kabarett, sondern aus der deutschen Wirklichkeit. Um sie zu beantworten, hat sich die evangelische Kirche jetzt Kurse zum Glauben ausgedacht, mit denen sie eine kirchenferne Öffentlichkeit besser erreichen will.

Aber das Schwierige ist nicht das wachsende Unwissen von Atheisten über das Christentum, sondern die wachsende Unsicherheit der Christen bei der Beantwortung der Frage.

Alle seriösen Studien der letzten Jahre zeigen, dass hierzulande die Religiosität nicht einfach abnimmt. Stattdessen verändern sich die religiösen Vorstellungen. Über sechzig Prozent der Deutschen sind Mitglied einer christlichen Kirche, aber fast jeder Dritte von ihnen glaubt nicht an ein Leben nach dem Tod. Nur jeder Fünfte geht regelmäßig zur Kirche. Jeder Zweite stellt sich Gott sowohl als Person als auch als abstrakte Größe vor.

Was heißt das? Dass man aus Kirchenmitgliederzahlen wenig über den Zustand des modernen Christentums lernt. Dass Gott nicht dasselbe wie Kirche ist. Und dass die Gretchenfrage aktuell bleibt."

DIE ZEIT (20. April 2011, Gott oder nicht Gott, Randnotiz v. Evelyn Finger, DIE ZEIT, S. 54, www.zeit.de)

Diskussion


"Die einen glauben an Gott, die anderen an die Wissenschaft, manche glauben an sich selbst und manche an gar nichts. Und wie ist das bei Ihnen? Woran glauben Sie?

Geht es Ihnen wie vielen, die christlich getauft sind, aber den Bezug zu Kirche und Glauben verloren haben? Gehören Sie zu denjenigen, die zwar regelmäßig in die Kirche gehen, aber trotzdem den Wunsch nach einer intensiveren Beschäftigung mit dem Glauben verspüren?
Oder sind Sie vor Jahren aus der Kirche ausgetreten, möchten nun aber mit Ihrer gewonnenen Lebenserfahrung nochmals über die Bedeutung des Glaubens nachdenken?

Die Evangelische Kirche lädt Sie ein, Ihren Glauben wieder neu zu entdecken. Oder zumindest, sich nochmals mit der Bibel, mit der Geschichte von Jesus Christus und mit der Frage zu beschäftigen, woran Sie eigentlich glauben. Dazu bieten viele Gemeinden und Bildungseinrichtungen Kurse zum Glauben an, die sich speziell an Erwachsene richten." [www.kurse-zum-glauben.de]

Evangelische Kirche EKD - Kurse zum Glauben (2011, Kurse zum Glauben ist ein Projekt der der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD, www.ekd.de, www.kurse-zum-glauben.de)

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"Kein Zweifel herrscht unter Fachleuten - auch kirchlichen - ferner darüber, dass etwa um 2025 die Mehrheit der bundesdeutschen Bevölkerung keiner der beiden großen Kirchen mehr angehören wird."

fowid (19. März 2014, Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland Religionszugehörigkeit, Deutschland. Bevölkerung 1990 - 2013, in: http://fowid.de/fileadmin/datenarchiv/Religionszugehoerigkeit/ Religionszugehoerigkeit_Bevoelkerung_2010_2013.pdf, S. 5, Fassung vom 19.03.2014)

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"Wenn an die 90% der Katholiken sich nicht mehr am Glaubensleben beteiligen und wenn bei den Evangelischen nicht einmal die "5 % - Hürde" übersprungen wird [durchschnittliche Gottesdienstbeteiligung von etwa 4 Prozent* der getauften Kirchenmitglieder], ist nüchtern festzuhalten, dass es die Getauften selbst sind, die von Christsein, Kirchesein nichts mehr wissen wollen."

Christ in der Gegenwart
CIG (16. Mai 2010, Katholisches Wochenblatt Christ in der Gegenwart, 62. Jahrgang CIG 21/2010, Freiburg, www.christ-in-der-gegenwart.de)

* [http://www.ekd.de/download/kirche-der-freiheit.pdf, Seite 23]

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"Deutschland ist wieder Missionsgebiet."

Dr. Günther Beckstein (27. Oktober 2009, 2007 - 2008 bayerischer Ministerpräsident, Vizepräses der EKD-Synode, EKD-Synode Ulm, EKD-Vizepräses Beckstein: Deutschland ist Missionsgebiet, www.idea.de)

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"Eine neue Studie der University of Chicago hat ergeben, dass in Ostdeutschland weniger Menschen an einen Gott glauben als in jeder anderen Region der Welt. Rund 46 Prozent der Befragten gaben an, noch nie an Gott geglaubt zu haben [8 Prozent glauben an einen personalen Gott] [...]

Laut der Studie ist Ostdeutschland die atheistischste Region der Welt."

DIE WELT (20. April 2012, Atheismus-Studie. Der Unglaube im Osten ist ein Erbe Preußens, www.welt.de)

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Im Jahre 1900 waren zwei Drittel der christlichen Weltbevölkerung in Europa beheimatet: heute ist es weniger als ein Viertel, und bis zum Jahr 2025 wird der Anteil unter 20% fallen. (Center for the Study of Global Christianity)

"Die Ära der westlichen Christenheit ist innerhalb unserer Generation zu Ende gegangen, und das Zeitalter der Christenheit des Südens bricht an." ... "Der Zulauf zu Pfingstkirchen, aber auch zu evangelikalen und orthodox-katholischen Bewegungen sind ein Ausdruck dessen."

Prof. Dr. Philip Jenkins (2007, Lehrstuhl für Religionswissenschaft an der Pennsylvania State University, USA)

Diskussion


"Wenn die Alternative der religiöse Fundamentalismus ist, wie wir ihn in Teilen der Vereinigten Staaten von Amerika sehen, kann auch die christliche Religion dazu tendieren, Vielfalt, alternative Meinungen und Freiheit zu unterdrücken.

Deshalb wäre es ungeheuer wichtig, dass ein europäisches Christentum hier die Vernunft wahrt, für die Freiheit eintritt und Atheismus wie andere Religionen nicht durch Unterdrückung bekämpft, sondern im Diskurs aufnimmt.
Das ist umso wichtiger, als sich von den Europäern nicht beachtet in Afrika, Asien und Lateinamerika das Christentum rapide ausbreitet."

Bischöfin Dr. Margot Käßmann (2005, Oktober 2009 - Februar 2010 Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischöfin der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover, Impulspapier - Strategien für die Gesellschaft von morgen)

Diskussion


"Die zahlenmäßig stark wachsende Christenheit in der Volksrepublik China wird die US-amerikanischen Christen als Führungsmacht in der weltweiten evangelikalen Bewegung in wenigen Jahrzehnten ablösen.
Davon ist der Direktor des Internationalen Instituts für Religionsfreiheit der Weltweiten Evangelischen Allianz, der Missionswissenschaftler Prof. Thomas Schirrmacher (Bonn), überzeugt. In China gebe es rund eine halbe Million freier Hausgemeinden, die fast alle evangelikal geprägt seien, sagte Schirrmacher am 24. Juni in Köln gegenüber idea."

Deutsche Evangelische Allianz e. V. - Nachrichten (26. Juni 2008, Christen in China die kommende evangelikale Führungsmacht, Prof. Schirrmacher: Ein freies China wird Millionen von Missionaren entsenden, www.ead.de)

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F.A.Z.:
"Bischof Huber, mangelt es der Kirche hierzulande an einer gewissen Leidenschaft im Glauben, die anderswo, in China oder Südamerika, vorgelebt wird?"

Bischof Huber: "Der Protestantismus, den ich in China und Südamerika erlebt habe, ist zu einem guten Stück eine Religion ohne Aufklärung. In Europa aber sind wir durch die Aufklärung gegangen, die nicht rückgängig zu machen ist. ... Wir sind Christen, die die Aufklärung ganz bewusst bejahen."

Bischof Dr. Wolfgang Huber (23.02.2007, 2003 - 2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, Frankfurter Allgemeine Zeitung F.A.Z., 23.02.2007, Nr. 46 / Seite 42)

Diskussion


DS:
"Während die Pfingstkirchen wachsen, stagnieren die klassischen Kirchen wie die Lutheraner oder nehmen sogar ab. Sie sind anders als die Pfingstler von der Aufklärung geprägt und nehmen die Bibel nicht wörtlich, sondern interpretieren sie historisch-kritisch.

War es ein Irrweg, dass sich die evangelischen Kirchen für die Aufklärung geöffnet haben und die Bibel historisch-kritisch interpretieren und erklären?"

Bischöfin Käßmann: "Ich bin überzeugt, dass die Pfingstkirchen wie die anderen Kirchen Afrikas und die orthodoxen Kirchen die Aufklärung noch vor sich haben. In unserer modernen Welt müssen nun einmal der Glaube und die Vernunft aufeinander bezogen werden. Das geschieht zum Beispiel durch die historisch- kritische Methode."

Bischöfin Dr. Margot Käßmann (21. April 2000, Oktober 2009 - Februar 2010 Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischöfin der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover, DS - DEUTSCHES ALLGEMEINES SONNTAGSBLATT, 21. April 2000 Nr. 16/2000)

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"Nur graduell unproblematischer geriert sich auch die religiöse Agitation der schulbezogenen Missionsveranstaltungen der in den letzten Jahren immer fundamentalistischer auftretenden SMD (Schüler und Studentenmission Deutschland), die mit »Gebetstagen für die Schule« Einfluss auf die Schule als Ganzes gewinnen wollen.

Ohne viel Rücksicht auf das in vielen Schwierigkeiten immer langsam gewachsene und gerade heute kostbar gewordene Vertrauen zwischen Schule und Kirche vor Ort betreibt sie im Namen Gottes eine aggressiv-frontale Missionierung, die sich um die in der Schule selbst u.U. verheerenden sozialen Folgen ihrer Trennung von Bekehrten und Unbekehrten nicht scheren will.

Auch darum nicht, dass dies unsere kirchliche Mission, die eine subjektive »Bekehrung« oder »Wiedergeburt« niemals zur Bedingung des Christseins machen kann, öffentlich diskreditiert. Wir sind hier durch die Propaganda eines nur durch Bekehrung »vollen Christentums« kirchlich gefordert."

Pfarrer Dr. Richard Ziegert (2003, bis 2011 Beauftragter für Weltanschauungsfragen der Evangelischen Kirche der Pfalz, "Deutsches Pfarrerblatt", Nr. 6/ Juni 2003; S.291-296)

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"Die SMD [siehe oben] hat nach eigenen Angaben Kontakt zu rund 800 Schülergebetskreisen. Anne Möbius, die als Reisesekretärin der Schüler-SMD Einblicke in die Situation hatte, berichtet von mehreren Fällen, bei denen christliche Gebetstreffen untersagt wurden.
So wurde an einem Gymnasium in Berlin-Neukölln mit einem sehr hohen Ausländeranteil ein christlicher Schülerbibelkreis verboten. Dies geschah auch an einem Oberstufenzentrum in Berlin-Charlottenburg. Der Kreis trifft sich jetzt in einer christlichen Gemeinde nahe der Schule.

Die Leiterin der Schüler-SMD, Kerstin Sulzberger, bestätigte auf Anfrage von idea, dass christliche Gebetskreise an Schulen keineswegs mehr selbstverständlich erlaubt würden."

idea (14.03.2008, www.idea.de)

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"Ich halte es für richtig, dass man nicht in Schulen missionarisch tätig ist. Die Ordnungsbehörden sollten möglichst untersagen, sich auf diese Art und Weise werbend zu betätigen; da muss man alle gleich behandeln."

Josef Winkler (19.04.2012, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, Sprecher der grünen Bundestagsfraktion für Kirchenpolitik und interreligiösen Dialog. Zutritt verboten! Der grüne Politiker Josef Winkler plädiert für eine Glaubens-Schutzzone um deutsche Schulen, ZEIT-Beilage Christ & Welt Ausgabe 17/2012, www.christundwelt.de, www.zeit.de)

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Josef Winkler, ZEIT-Beilage Christ & Welt 17/2012

 


"Wir haben Mega-Kirchen auf dem Papier ... da ist ein Missverhältnis entstanden von Größe [25.385.618 getaufte evangelische Kirchenmitglieder in Deutschland - Stand 2005*] einerseits und Wenigen, die partizipieren [lat.: particeps = an etwas teilnehmend] [durchschnittliche Gottesdienstbeteiligung von etwa 4 Prozent** der getauften Kirchenmitglieder - d.h. rund 1 Million Kirchenmitglieder, "Evangelikale" Kirchenmitglieder eingerechnet] und da sehe ich die große Gefahr, dass Fundamentalisten die Möglichkeit haben, gerade da einzubrechen."

Prof. Dr. Erich Geldbach (7. Oktober 2007, Theologe, Hardliner Gottes - die Diskussion. Diskussion mit Meinhard Schmidt - Degenhard über christliche Fundamentalisten in Deutschland. Hessischer Rundfunk, Sonntag, 7. Oktober 2007, 10:00 Uhr, HR Horizonte)

*  [http://www.ekd.de/statistik/mitglieder.html]
** [
http://www.ekd.de/download/kirche-der-freiheit.pdf, Seite 23]

Diskussion


"Trendforscher sehen in den "Bibeltreuen" sogar die Zukunft der Kirche; es spricht einiges dafür, dass innerhalb der protestantischen Christenheit in Deutschland jeden Sonntag mehr evangelikale als nichtevangelikale Christen an Gottesdiensten teilnehmen.

Aber amerikanische Verhältnisse haben sich nicht eingestellt: Von den geschätzten 1,4 Millionen Evangelikalen hat immerhin noch die Hälfte ihre Heimat in den 23 Landeskirchen, und die andere, freikirchliche, Hälfte ist in diverse Gruppierungen gespalten.

Tatsache aber ist: Landeskirchen und die oft in die religiöse Extremismusecke abgeschobenen Evangelikalen nähern sich immer weiter an."

DIE WELT (20. Februar 2008, Gernot Facius, Die "Frommen" sind auf dem Vormarsch)

Diskussion


"Wenn das europäische Christentum nicht hellwach bleibt und für die eigenen Traditionen entschlossen und mit Profil eintritt, räumt es den Platz für Leere oder Fundamentalismus."

Bischöfin Dr. Margot Käßmann (2005, Oktober 2009 - Februar 2010 Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischöfin der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover, Impulspapier - Strategien für die Gesellschaft von morgen)

Diskussion


"Die schönste Form von Mission kommt für mich in der Aufforderung zum Ausdruck: Lebe so, dass andere Menschen neugierig werden und wissen wollen, was dein Leben trägt."

Bischöfin Dr. Margot Käßmann (4. November 2009, Oktober 2009 - Februar 2010 Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischöfin der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover, Wir brauchen Evangelikale in unserer Volkskirche, ideaSpektrum 45/2009, S. 15, www.idea.de)

Diskussion

 

Dr. Margot Käßmann, 2009-2010 Ratsvorsitzende EKD, 1999-2010 Bischöfin EVLKA

 


"Die treuen Kirchenfernen."

"Das Kirchen- und Religionsverhältnis der "Distanzierten" bildet einen durchaus verlässlichen Faktor innerhalb des Mitgliedschaftsspektrums. Es ist weitgehend stabil.

Die kirchlichen Angebote [...] werden gelegentlich wahrgenommen, ausprobiert, bei den besonderen jahres- und lebenszyklischen Gelegenheiten mit Entschiedenheit gefordert. In den "Zwischenzeiten" bleibt man in der Halbdistanz, weder gleichgültig noch engagiert, weder areligiös noch fromm - ein treues Mitglied der Kirche, zu der man sich auf die eigene Weise ins Verhältnis gesetzt hat."

Studien- und Planungsgruppe der EKD (1993, "Fremde Heimat Kirche")

Diskussion


"Wir haben jetzt 50 Jahre lang versucht uns einzureden, dass diese treuen Kirchenfernen in der Mehrzahl als im Grunde überzeugte, ihr Christsein nur eben gemeindefrei im Alltag lebende Menschen zu betrachten seien. [...]

Wir haben vieles versucht, und vieles hat nicht geklappt. Wir sind in mancher Hinsicht missionarisch ahnungslos und hilflos."

Prof. Dr. Michael Herbst (15. Januar 2014, Theologe, Uni Greifswald, Tagung der Arbeitsgemeinschaft Missionarische Dienste AMD in Berlin, Evangelisation: Zu Unkirchlichen kaum Kontaktaufnahme, ideaSpektrum, www.idea.de)

Diskussion


"Gott bewegt die Deutschen" [Die Welt]

"Eine umfassende Studie zur Religiosität widerlegt zahlreiche Klischees. Glauben hat in Deutschland eine große Bedeutung … Die Deutschen sind religiöser als bislang angenommen.

Religion ist für 70 Prozent der deutschen Bevölkerung über 18 Jahren bedeutsam. Fast jeder fünfte Deutsche ist sogar tiefreligiös. Er besucht regelmäßig Gottesdienste, betet häufig und beschäftigt sich intensiv mit religiösen Fragen.
Zu diesem Ergebnis kommt eine umfassende internationale Studie der Bertelsmann Stiftung, deren Ergebnisse der "Welt am Sonntag" vorliegen.
[Religionsmonitor 2008, Bertelsmann Stiftung (Herausgeber), Verlag: Medienfabrik Gtersloh; Auflage: 18. Dezember 2007, ISBN 978-3579064659]

Besonders viele Tiefreligiöse gibt es unter den Katholiken. Mit 27 Prozent sind es dort fast doppelt so viele wie in der evangelischen Kirche." […]
"41 Prozent der 18- bis 29-Jährigen glauben an Gott und ein Weiterleben nach dem Tod …. Religiöse tun sich nicht nur mit Sinnfragen weniger schwer. In ihnen steckt, so die Studie, auch ein großes Potenzial für den Zusammenhalt der Gesellschaft. Fast jeder Zweite der sehr Religiösen (43 Prozent) widmet sich einer freiwilligen und unbezahlten Aufgabe."

DIE WELT (16. Dezember 2007, Gott bewegt die Deutschen,
Miriam Hollstein)

Diskussion


"48 Prozent der Frauen und 32 Prozent der Männer glauben [in Deutschland] an ein Leben nach dem Tod."

DER SPIEGEL (21.04.2008, Was die Deutschen glauben, hoffen und fürchten. 17/2008, S. 71)

Diskussion


"Die aktuelle Shell Jugendstudie zeigt allerdings, dass die meisten Jugendlichen in Deutschland nach wie vor eine nur mäßige Beziehung zu kirchlich-religiösen Glaubensvorgaben haben. Nur 30 Prozent glauben an einen persönlichen Gott, weitere 19 Prozent an eine unpersönliche höhere Macht. 28 Prozent der Jugendlichen stehen dagegen der Religion fern, der Rest (23 Prozent) ist sich in religiösen Dingen unsicher. […]

In der Öffentlichkeit wird gelegentlich behauptet, dass die Religionsferne der ostdeutschen Jugend, aber auch die religiöse Beliebigkeit vieler westdeutscher Jugendlicher dazu führe, dass das Wertesystem der Jugend immer instabiler und schwächer werde. In der Folge wird daher den Kirchen die Rolle zugeschrieben, hier gegenzusteuern.
Die Shell Jugendstudie zeigt allerdings, dass diesem Versuch zum gegenwärtigen Zeitpunkt nur geringe Chancen beschieden sind. Die Jugendlichen schreiben den Kirchen in wichtigen Lebensfragen nicht die entsprechende Kompetenz zu. [...]

Typisch für die heutige Jugend ist, dass sie zwar die Institution der Kirche grundsätzlich bejaht, gleichzeitig aber eine ausgeprägte Kirchenkritik äußert. 65 Prozent finden, die Kirche habe keine Antworten auf Fragen, die Jugendliche heute wirklich bewegen."

15. Shell Jugendstudie (September 2006, 15. Shell Jugendstudie: Jugend 2006, Eine pragmatische Generation unter Druck, www.shell.de/jugendstudie)

Diskussion


Woran Jugendliche glauben: Drei religiöse Kulturen (Shell Jugendstudie 2010)
Jugendliche im Alter von 12 bis 25 Jahren (Angaben in %)



Quelle: 16. Shell Jugendstudie, Stand: 2010

Diskussion


"Religion weiter im Abseits

Weiterhin spielt Religion für die Mehrheit der Jugendlichen in Deutschland nur eine mäßige Rolle. Allerdings gibt es Unterschiede zwischen drei sehr verschiedenen religiösen Kulturen:

Während Religion für junge Menschen in den neuen Bundesländern zumeist bedeutungslos geworden ist, spielt sie in den alten Bundesländern noch eine mäßige Rolle. Mittlerweile ist Gott nur noch für 44 Prozent der katholischen Jugendlichen wichtig.

Ganz anders sieht es hingegen bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund aus: Sie haben einen starken Bezug zur Religion, der in diesem Jahrzehnt sogar noch zugenommen hat."

16. Shell Jugendstudie (September 2010, 16. Shell Jugendstudie: Jugend 2010, Eine pragmatische Generation behauptet sich, Religion weiter im Abseits, www.shell.de/jugendstudie)

Diskussion


"In der vom Institut für Religionssoziologie und Gemeindeaufbau der Kirchlichen Hochschule Berlin (West) ebenfalls 1992 durchgeführten und 1997 bzw. 1998 veröffentlichten Umfrage haben wir eine andere Glaubenstypologie verwendet.

Wir unterscheiden Gottgläubige, Transzendenzgläubige, Unentschiedene und Atheisten:

Gottgläubige sind diejenigen, die ausdrücklich an einen persönlichen, d.h. personal vorgestellten Gott glauben, wie ihn die Bibel bezeugt; hier ordneten sich 54 % der Evangelischen und 65 % der Katholiken ein;

Transzendenzgläubige lehnen diese personale Komponente in der Vorstellung von Transzendenz gerade ab und glauben an unpersönliche überirdische Wesen oder Mächte: diese Form von Gläubigkeit haben 15 % der Evangelischen und 13 % der Katholiken für sich als zutreffend bezeichnet;

Unentschiedene sind in ihrer Vorstellung von Transzendenz unsicher. Sie können sich weder für den einen noch für den anderen Glaubenstyp entscheiden, sagen vielmehr, dass sie »vielleicht« an einen persönlichen Gott oder überirdische Wesen oder Mächte glauben. Gemeinsam ist ihnen aber, dass sie für sich einen Glauben an Gott oder an transzendente Wesen und Mächte auch nicht ausschließen wollen; als Unentschiedene verhalten sich 20 % der Evangelischen und 14 % der Katholiken.

Atheisten sagen zu beiden Formen des Transzendenzglaubens ein klares »Nein«. Zu ihnen zählen sich 11 % der Evangelischen und 8% der Katholiken.

Von den Menschen ohne Religionszugehörigkeit erwiesen sich 13% als gottgläubig, 16% als transzendenzgläubig, 21% als unentschieden und 50% als Atheisten.

Der Pluralismus ist also auf beiden Seiten - bei den Menschen mit und ohne Religionszugehörigkeit - zu finden, wenn auch mit umgekehrt pro­portionaler Ausrichtung."

Prof. Dr. theol. Klaus-Peter Jörns (9. September 2004, Ev. Theologe, Notwendige Abschiede: Auf dem Weg zu einem glaubwürdigen Christentum, Gütersloher Verlagshaus, 4. Auflage 2008, S. 50-51)

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"Ein wenig Dalai Lama, ein bisschen Marienwallfahrt, ein Schuss protestantischer Antiklerikalismus, ein großer Löffel Esoterik und drei Körnchen Hildegard von Bingen, angerichtet auf einem Salatbett aus Wir-haben-doch-alle-den-gleichen-Gott."

Landesbischof Dr. Johannes Friedrich (2006, Ratsmitglied der EKD, Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Leitender Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschland, München)

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"Die meisten schreiben Toleranz mit Doppel-l: Sie finden alles toll. Je nach Stimmungslage ist es mal der Dalai Lama, mal Jesus, mal der Papst, mal Marxismus oder Buddhismus, mal New Age oder die alte Bibel."

"Wenn alles gleich gültig ist, ist auch schnell alles gleichgültig."
"Wenn alles Wahrheit ist, ist nichts mehr Wahrheit."

Peter Hahne (November 2004, Theologe, Ratsmitglied der EKD (Evangelische Kirche in Deutschland), Stv. Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios, Berlin, Schluss mit lustig! Das Ende der Spassgesellschaft, ISBN: 3501051808)

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"Der katholische Pfarrsaal duftet exotisch. Er ist zum Hindu-Tempel geworden. … Im nüchternen Vorraum zum Pfarrsaal stehen Schuhe in Reihe, am Eingang zwei Männer in weißen Hemden und schwarzen Hosen, die darauf achten, dass die Gläubigen nur barfuss oder in Strümpfen eintreten.

Nichts erinnert mehr an den Pfarrsaal. … Der Raum mit exotisch duftenden Räucherstäbchen und Kerzen ist zum Hindu-Tempel geworden. Dieser Eindruck wird verstärkt von dem Mann mit entblößtem Oberkörper – der Priester Senathirasaha, der am Altar der mit Blüten geschmückten Göttin Sarasvathi Gaben bringt. Sie ist eine von zwölf Göttinnen und Göttern, die die Tamilen verehren. Sie wird innerhalb des zehntätigen Festes, das mit „Vanni Vila“ endet, angerufen für Kraft, Geld und gutes Lernen.

Vor dem Altar stehen auf dem Boden Öllämpchen, die von Frauen in malerischen Saris entzündet und von Männern jeweils mit Öl aus Plastikflaschen aufgefüllt werden. … Es schellt. Der Gottesdienst in tamilischer Sprache beginnt, dabei geben die von ihren Kissen aufgestandenen Gläubigen Milch und Kokosmilch mit der Hand auf den Kopf. Während der Priester die Zeremonie leitet, beten singend eine Frau und ein Mann Teile aus der Liturgie, die von der Gemeinde im Chor nachgesprochen wird."

DIE RHEINPFALZ (22.10.2008, Mit Räucherstäbchen, Öllämpchen und Kokosmilch. Tamilen feiern Hindufest „Vanni Vila“ erstmals im Pfarrsaal St. Marien, DIE RHEINPFALZ - NR. 247, Neustadt an der Weinstrasse)

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"„Ein Gotteshaus ist ein Gotteshaus.“ [...]

Der Migrationsbeauftragte des Bezirks Neukölln hält es für „normal und okay“, wenn eine Kirche als Moschee genutzt wird."

DER TAGESSPIEGEL (5.10.2007, Aus Kirchen werden Moscheen)

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"Die Volkskirche alter Prägung ist im Ruhrgebiet definitiv Geschichte. Gottes neue Häuser zwischen Duisburg und Dortmund zeigen den Halbmond, nicht das Kreuz."


F.A.Z. (24.10.08, Gottes neue Häuser, Frankfurter Allgemeine Zeitung)

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"Bevor ein Gotteshaus abgerissen wird, würde ich es lieber als Moschee an eine islamische Gemeinde abgeben. Das dürfte in Zukunft noch ein Thema werden."

Kirchentagspräsidentin Prof. Dr. Karin von Welck (2. März 2008, Präsidentin des 32. Deutschen Evangelischen Kirchentags 2009, seit 2004 Kultursenatorin der Freien und Hansestadt Hamburg, Kultursenatorin macht Kirchen zur Chefsache: „Jeder Abriss ist eine Kapitulation“. Die Nordelbische, Ausgabe 9/08)

Diskussion

 

Kirchentagspräsidentin Prof. Dr. Karin von Welck, Kirchentag Bremen 2009

 


"Christentum wie Islam sind Buchreligionen. […] In unseren beiden Religionen gibt es Gruppen, die sich einem reflektierten und wissenschaftlich fundierten Umgang mit den grundlegenden Schriften [vgl. Historisch- kritische Methode] entziehen und fundamentalistische Auslegungen vertreten. [...]

Keine Religion kann mehr davon ausgehen, dass sie für sich allein existiert und eine absolute Wahrheit nur für sich beanspruchen kann."

Bischof Dr. Wolfgang Huber (16. März 2009, 2003 - 2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD, „Herausforderungen des interreligiösen Dialogs. Hermeneutische Fragestellungen.“ - Vorlesung in der Theologischen Fakultät in Ankara, www.ekd.de)

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"Die Religionen müssen sich von dem Gedanken verabschieden, die Wahrheit allein zu besitzen. Gott ist immer größer als unsere Wahrheitserkenntnis"

Präses Dr. h.c. Nikolaus Schneider (2. Juni 2011, 2010 - 2014 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD, 2003-2013 Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland EKiR, 33. Deutscher Evangelischer Kirchentag in Dresden: Dialogveranstaltung mit d. EKD-Ratsvorsitzendem Nikolaus Schneider u. Großmufti von Bosnien-Herzegowina Dr. Mustafa Efendi Cerić, EKD-Ratsvorsitzender: Absolutheitsanspruch von Religionen überholt, www.kirchentag.de)

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"Wenn eine Religion einen alleinigen Besitzanspruch auf die Wahrheit erhebt, dann kommt sie auch schnell in die Gefahr eines Fundamentalismus, der andere abwertet."

Bischöfin Dr. Margot Käßmann (8.10.2009, Oktober 2009 - Februar 2010 Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischöfin der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover, The European: Das Interview der Woche. Landesbischöfin Margot Käßmann im Gespräch, www.theeuropean.de
)

Diskussion


"Wer Jesus über andere Religionen stellt, macht hier keinen Abschluss."

Prof. Dr. theol. Stefan Alkier (Sommersemester 2006, 2006 Dekan am Fachbereich Evangelische Theologie der Goethe-Universität Frankfurt am Main, Professur für Neues Testament und Geschichte der Alten Kirche, Proseminar: Theologie(n) der Auferweckung)

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"Keine Religion ist statisch, weder Islam noch Christentum.[...] Europa ist jüdisch-christlich geprägt. Aber nicht nur: Die heidnische Antike und der mittelalterliche Islam haben uns ebenfalls beeinflusst - denken Sie nur an Philosophie, Naturwissenschaften und Mathematik! [...]

Wir Christen glauben: Diese Welt ist Gottes Welt, und damit ist Europa auch Gottes Kontinent. Hier haben alle seine Kinder Platz. Und Muslime sind Gottes Kinder."

Präses
Dr. h.c. Nikolaus Schneider (27. März 2010, 2010 - 2014 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland - EKD, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR), Ein beängstigendes Islambild, Interview: Der EKD-Ratsvorsitzende Schneider über fremde Facetten des Islam, deutsche Skepsis und unchristliche Radikale, DIE WELT, www.welt.de)

Diskussion

 

2011, 2010-2014 EKD-Ratsvorsitzender Dr. h.c. Nikolaus Schneider, Evangelische Kirche in Deutschland

 


"Wird eine Kirche zur Moschee, erwecken wir den Anschein, der Unterschied zwischen Christentum und Islam sei geringfügig. Das würde den Eindruck nahe legen, es sei derselbe Gott, zu dem Christen wie Muslime beten.

Christen bekennen sich zu dem Gott, der sich in Jesus Christus offenbart, während der Islam die Selbstoffenbarung Gottes in Jesus Christus ablehnt."

Bischof
Dr. Wolfgang Huber (22. November 2004, 2003 - 2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, FOCUS Nr. 48, "Nicht der gleiche Gott. Der Vorsitzende der EKD [2003 - 2009], Wolfgang Huber, definiert die Grenzen des Dialogs mit dem Islam härter und enger denn je.")

Diskussion


"Eine strategische Islammission oder eine Begegnung mit Muslimen in Konversionsabsicht bedroht den innergesellschaftlichen Frieden und widerspricht dem Geist und Auftrag Jesu Christi und ist entschieden abzulehnen."

Evangelische Kirche im Rheinland (September 2015, Weggemeinschaft und Zeugnis im Dialog mit Muslimen. Arbeitshilfe. 2015, Seite 18) 

Diskussion


SPIEGEL ONLINE: "Wofür steht der Protestantismus im Jahr 2012? Was sind ureigenste protestantische Themen?"

Schneider: "Der Protestantismus steht für den Glauben an Gott, der in Jesus Christus Mensch geworden ist. Und die Themen sind im Evangelium vorgegeben: Die Würde des Menschen, der Umgang mit den Armen, Kranken, Schwachen und Benachteiligten, soziale Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit."

Präses Dr. h.c. Nikolaus Schneider (15. Juni 2012, 2010 - 2014 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD, 2003-2013 Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland EKiR, Evangelische Kirche. EKD-Chef Schneider lehnt Betreuungsgeld ab, www.spiegel.de)

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"Es kommt mir darauf an, die Klarheit im Dialog zu haben und sich nicht wegzudrücken in Schönwetter-Reden, bei gleichzeitigem Respekt vor der anderen Religion. Ich will gerne dafür eintreten, dass Muslime bei uns Moscheen bauen dürfen, aber genauso trete dafür ein, dass es toleriert wird, wenn Christen in Pakistan, Indonesien und Südindien Kirchen bauen. […]

Wir beten zu Jesus Christus. Das könnte ein Moslem gar nicht. Das soll niemanden abwerten oder angreifen, aber es ist ein Unterschied, den wir nicht leugnen dürfen.
Bei allen Versuchen, interreligiös zu beten kommt Jesus Christus meist gar nicht mehr vor. Da wird der Gottesbegriff sehr diffus. Für mich ist das eine Verschleierung von Differenz, die uns nicht weiterhilft. Ich möchte mit Muslimen in einen Dialog kommen, aber ich kann nicht verschleiern, dass Jesus Christus für mich der Sohn Gottes ist. Das wäre merkwürdig."

Bischöfin Dr. Margot Käßmann (8.10.2009, Oktober 2009 - Februar 2010 Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischöfin der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover, The European: Das Interview der Woche. Landesbischöfin Margot Käßmann im Gespräch, www.theeuropean.de)

Diskussion


"Es ist für die evangelische Kirche ausgeschlossen, das Zeugnis von Jesus Christus zu verschweigen oder es Angehörigen anderer Religionen schuldig zu bleiben. Das würde auch die Begegnung mit den Muslimen von vornherein unwahrhaftig machen."

EKD-Kirchenamtspräsident Dr. Hermann Barth (03.11.2006, Präsident des Kirchenamtes der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD), Frankfurter Allgemeinen Zeitung F.A.Z. 03.11.2006, Nr. 256 / Seite 4)

Diskussion


"Wir nötigen niemandem unseren Glauben auf, aber wir verschweigen ihn auch nicht."

Bischof Dr. Wolfgang Huber (05.02.2007, DER SPIEGEL, Nr.6/2007, Seite 17, Hamburg)

Diskussion

 

Wolfgang Huber (links) u. Karl Lehmann, 2009


"Wer nun mich bekennt vor den Menschen, den will ich auch bekennen vor meinem himmlischen Vater. Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater."

Jesus Christus (Matthäus 10, 32-33)

Diskussion


"Die Artikel von Christo sind: nämlich dass Christus der Sohn Gottes sei, für unsere Sünden gestorben, wieder auferweckt, damit wir leben, dass wir durch den Glauben an ihn gerecht und durch die Vergebung der Sünden selig sind" ...

"Mahomet leugnet, dass Christus der Sohn Gottes sei, er leugnet, dass er auferstanden sei, um uns zum Leben zu bringen, er leugnet, dass durch den Glauben an ihn die Sünden vergeben und wir gerechtfertigt werden,
er leugnet, dass er kommen werde als Richter über die Lebendigen und Toten, wiewohl er eine Auferstehung der Toten und einen Tag des Gerichts glaubt, er leugnet den Heiligen Geist, er leugnet dessen Gaben.

Durch diese und ähnliche Artikel muss das Gewissen befestigt werden wider die Zeremonien des Mahomet."

Dr. Martin Luther (1530, Reformator, Vorrede: Von der Religion und den Sitten der Türken. Walch 2, Bd 14)

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"Christen und Moslems [...] Die Anhänger beider Religionen glauben an einen einzigen und barmherzigen Gott, der am Jüngsten Tag die Menschheit richten wird."

Dr. Joseph Ratzinger (19.03.2009,
2005-2013 Papst Benedikt XVI., Papst an Moslems: „Glaube und Vernunft stützen sich gegenseitig”, www.radio-vatikan.de)

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"
Wenn die evangelische Kirche sich nur noch profilieren kann, indem sie sich absetzt einerseits von Rom und andererseits vom Islam, dann verleugnet sie im Grunde das, was in der ökumenischen Bewegung längst deutlich wurde: dass wir uns nicht gegenseitig zu profilieren suchen. [...]

Wir sind in ein Zeitalter eingetreten, in der auch die Religion wieder eine positive Rolle spielen kann, wie es sich von Polen über die DDR bis nach Südafrika und die Philippinen gezeigt hat, wo Religion prophetisch-konstruktiv, befreiend und nicht mehr reaktionär in Erscheinung trat. Aber das ist natürlich nur die eine Seite.
Wir haben leider Gottes auch die Religion, die wie alles Menschliche ambivalent ist, unter sehr hässlichen Vorzeichen wie Aggression, Hass und Feindschaft. Das gilt nicht nur für den Islam, das gilt auch für bestimmte Strömungen im Christentum, im Judentum und im Hinduismus.

Deshalb ist es unsere Aufgabe, diejenigen Kräfte in allen Religionen zu stärken, die eine Religion zum Wohl der Menschen wollen."

Prof. Dr. Hans Küng (17. März 2008, Schweizer Theologe u. katholischer Priester, Das Christentum ist keine Marke, DIE WELT)

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"Der Missionsbegriff erfährt tatsächlich gerade eine Renaissance in der Evangelischen Kirche und soll positiv besetzt werden. Ich finde, das geht nicht, weil Mission im Kolonialismus einfach mit Gewalttaten verbunden ist, da klebt Blut dran."

Pfarrer Bernd Klingbeil-Jahr (07.04.2008, Evangelischer Theologe, Evangelische Friedensgemeinde Bremen, Glaube als Sonderangebot, www.taz.de)

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"Missionare. Es gibt sie wirklich noch.

Angeworben von evangelikalen Missionswerken wollen sie den rechten Glauben vor allem in solchen Weltgegenden verbreiten, die sie als „unerreicht" beschreiben. Unerreicht von der Lehre Jesu: Und das sind weite Teile der Welt - Nordafrika, der Mittlere Osten, Asien. Willkommen sind die Verkünder des Gotteswortes dort nicht: Manche bezahlen ihr Missions-Abenteuer mit dem Leben. Und sind dazu auch bereit […]

Für Gott als Märtyrer zu sterben hat eine lange, unheilige Tradition. Auf dem Missionarsfriedhof in Korntal liegen jene, die den Evangelikalen noch heute als Vorbild dienen.
Bereit sein, für Gott zu sterben: Das klingt vertraut – bei islamischen Fundamentalisten. Doch auch für radikale Christen scheint das zu gelten."

ZDF - Frontal21 (4. August 2009, Beitrag: Sterben für Jesus – Missionieren als Abenteuer, ZDF - Frontal21-Sendung vom 4. August 2009, Arndt Ginzel, Martin Kraushaar und Ulrich Stoll, http://frontal21.zdf.de)

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"An der Mission von Evangelikalen kritisieren wir, dass sie glauben, sie haben die einzige Wahrheit gefunden, die für alle Menschen gut oder sogar das Beste ist.

Dahinter steht ein Verständnis, das sich aus unserer Sicht mit einem wirklichen fruchtbringenden Dialog nicht vereinbaren lässt. Wenn man etwa sagt, dass jeder, der nicht an Gott glaubt, vor einem Gericht oder in der Hölle landet, dann ist das für uns schon sehr abwertend.
Wenn man zum Beispiel jemanden "erretten" möchte, dann steht da zum Beispiel dahinter, dass man die Glaubensform oder das Nicht-Glauben des Anderen abwertet. Denn wenn man die nicht für falsch halten würde, müsste man den anderen ja nicht erretten.

Die Sprache und das Verständnis lassen erkennen, dass man selbst die Wahrheit gefunden hat.

Das heißt ja, dass alles andere falsch ist und es nicht darum geht, sich mit anderen Positionen auseinander zu setzen und zu akzeptieren, dass der andere vielleicht an einen anderen Gott glaubt oder nicht glaubt. Und wir haben doch den Eindruck, dass das Evangelikale nicht akzeptieren, weil es eben ihr tiefes inneres Ziel ist, andere zu missionieren. [...]

Unser Buch [Mission Gottesreich - Fundamentalistische Christen in Deutschland, Oda Lambrecht u. Christian Baars, Christian Links-Verlag. Berlin] ist auch ganz sicher kein Buch gegen Glaube oder gegen Kirche, sondern gegen fundamentalistische Positionen."

Oda Lambrecht (16.03.09, ARD-Journalistin, Lambrecht und Baars im pro-Interview: "Mission ist fundamentalistisch", www.pro-medienmagazin.de)

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Bischof Dr. Wolfgang Huber, 2003 - 2009 Ratsvorsitzender der EKD

 


"Keine Religion kann mehr davon ausgehen, dass sie für sich allein existiert und eine absolute Wahrheit nur für sich beanspruchen kann."

Bischof Dr. Wolfgang Huber (16. März 2009, 2003 - 2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD, „Herausforderungen des interreligiösen Dialogs. Hermeneutische Fragestellungen.“ - Vorlesung in der Theologischen Fakultät in Ankara, www.ekd.de)

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"Die Religionen müssen sich von dem Gedanken verabschieden, die Wahrheit allein zu besitzen. Gott ist immer größer als unsere Wahrheitserkenntnis"

Präses Dr. h.c. Nikolaus Schneider (2. Juni 2011, 2010 - 2014 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD, 2003-2013 Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland EKiR, 33. Deutscher Evangelischer Kirchentag in Dresden: Dialogveranstaltung mit d. EKD-Ratsvorsitzendem Nikolaus Schneider u. Großmufti von Bosnien-Herzegowina Dr. Mustafa Efendi Cerić, EKD-Ratsvorsitzender: Absolutheitsanspruch von Religionen überholt, www.kirchentag.de)

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"Nach meiner festen Überzeugung beschreiten Christinnen und Christen, Kirchen und ihre Missionsgesellschaften einen theologischen Irrweg, wenn sie im Namen des Evangeliums versuchen, Jüdinnen und Juden von jüdischem Glauben und jüdischer Lebensgestaltung abzubringen und sie zu Mitgliedern christlicher Gemeinden zu machen.

Verschiedene Rabbiner haben mit Recht Alarm geschlagen und uns darauf aufmerksam gemacht, dass christliche Missionare gerade in jüngster Zeit den jüdischen Gemeinden in Deutschland hart zusetzen.
Jüdinnen und Juden erleben solche christlichen Missionare – so höre ich mit Schrecken - wie Jäger und Sammler, die Beute machen. [...]
Ich meine, dass nicht nur die fragwürdigen neuerlichen judenmissionarischen Aktivitäten abzulehnen sind, sondern vielmehr ein generelles Nein zur Judenmission ohne Wenn und Aber ausgesprochen werden muss.[...]

„Juden, die Jesus als Messias anerkennen“? Ich weiß, dass das im gegenwärtigen Judentum für eine contradictio in adiecto, für einen Widerspruch in sich selbst gehalten wird. Annähernd 1900 Jahre lang hat das ja auch die christliche Kirche so gesehen: Wer Jesus als Messias anerkennt, hört auf, Jude zu sein. [...]
Die Christenheit hat nicht den Auftrag, das jüdische Nein zum Messias Jesus aufzubrechen. Im Gegenteil! [...]

Der jüdische Religionsphilosoph Martin Buber nahm einmal an einem Seminar für Juden und Christen teil. Er sagte: Wir haben viel gemeinsam. Ihr Christen glaubt, dass der Messias schon einmal hier war, wieder weggegangen ist und dass er wiederkommen wird. Wir Juden glauben, dass er kommen wird, aber dass er noch nicht hier war.
Mein Vorschlag: Lasst uns doch zusammen auf ihn warten. Und wenn er kommt, können wir ihn ja selbst fragen, ob er schon einmal hier gewesen ist. Und ich werde in der Nähe stehen und ihm ins Ohr flüstern: ‚Sag nichts!‘“ (Die Bubergeschichte ist zitiert nach: Dr. Johannes Friedrich, in GPM, 4/1996, Heft 1, S. 18)."

Präses Dr. h.c. Nikolaus Schneider (17. September 2009, Theologe, 2010 - 2014 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland - EKD, Präses [vgl. Kirchenpräsident bzw. Landesbischof] der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR), Rabbiner-Brandt-Vorlesung in der Evangelischen St. Mariengemeinde in Dortmund, Pressemitteilung Nr. 147/2009, www.ekd.de/PT_Praeses_zu_Judenmission_17092009.pdf)

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»Appell aus Baden«

"Die Christen haben zwar Zwangschristianisierungen, Kreuzzüge, Hexen- und Ketzerverbrennungen inzwischen überwunden. Aber fundamentalistische Strömungen sind nach wie vor bereit, im Namen Gottes Absolutheits- und Dominanzansprüche zu erheben" [...]

Heinz Zahrnt hat "bereits 1980 zum »Dialog zwischen den Weltreligionen« aus neuen Zusammenhängen neue Schlüsse gezogen. „Angesichts der entstehenden einen Welt, des Zusammenwachsens der Völker zur einer Menschheit, verlangt er (im Piper-Bändchen: »Aufklärung durch Religion«) »von allen Weltreligionen, auch vom Christentum die Bewahrheitung ihrer Botschaft im Hinblick auf eine künftige Weltgesellschaft.

Daher geht die Christenheit unserer Tage ... auf eine größere Ökumene als bisher zu: auf die Ökumene der Religionen."

"Endlich können die Christen ehrlich sein und ihren so lange mit Gewalt, Kattun und Gelehrsamkeit verteidigten Anspruch auf die Alleinvertretung Gottes aufgeben und sich in die Gemeinschaft der Weltreligionen einreihen"

»Appell aus Baden« (Mai 2006, Vorwort v. Bischof Dr. Ulrich Fischer - Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Baden, Hans-Joachim Girock, Dr. Gerhard Liedke u. Prof. Dr. Gottfried Gerner-Wolfhard, Baden-Baden, epd Dokumentation 26/2006, Wortlaut/Quelle:
http://www.ekiba.de/images/Was-jetzt-dringlich-ist.pdf)

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Bischof Dr. Ulrich Fischer, Vorwort »Appell aus Baden«

 


"Die evangelischen Kirchen in Deutschland werden gegenwärtig von einer fundamentalistischen Welle erfasst. Sie ist die eigentlich treibende Kraft der laufenden Veränderungen. […]

In unseren Breiten gilt Fundamentalismus als mordernitätsfeindlich und rückschrittlich. Das aber ist ein populäres Missverständnis, denn der Fundamentalismus ist ein Phänomen der Moderne. Er ist zu Beginn dieses Jahrhunderts in den USA entstanden und ist der Versuch, mathematisch- naturwissenschaftliches Denken in die Religion einzuführen. Entsprechend den Axiomen in der Mathematik sollte es fundamentale Wahrheiten und Sätze geben, auf denen das Christentum fußt.

Was hat die derzeitige Situation in der EKD [Evangelische Kirche in Deutschland] mit Fundamentalismus zu tun?

Dass evangelische Oberkirchenräte verschleiert oder mit Vollbart und Turban herumlaufen, wird niemand ernsthaft erwarten. Der Fundamentalismus in der evangelischen Kirche ist so schwer zu benennen, weil er in einem Gewand auftritt, unter dem man nichts Religiöses vermuten würde: Er spricht im Jargon der Organisationsberatung und -entwicklung und sein Credo heißt "Kirche als Unternehmen". […]

Nun "werden "Operative Teams" - eine Bezeichnung der hessen-nassauischen Kirchenverwaltung - eingesetzt, die die vielen schönen bunten Blumen im Garten eines weltoffenen und liberalen Protestantismus zurechtstutzen wollen. […]

Der gegenwärtige Umbau der Kirche nach marktökonomischen Prinzipien ist eine Revolte von oben gegen die Basis und die Pfarrerschaft, sie wird von den Kirchenverwaltungen angezettelt und gesteuert. […]

Es ist … ein interessanter Testfall, wie stabil eine in fünfzig Jahren gewachsene, offene, liberale und pluralistische Volkskirche in unserem Land denn nun wirklich ist und ob es noch genügend Menschen in ihr gibt, die diese fundamentalistische Attacke von oben abwehren."


Dekan Dr. Dietrich Neuhaus (29.01.1999, Theologe, 1986-1999 Studienleiter d. Evangelischen Akademie Arnoldshain/Taunus, DS - DEUTSCHES ALLGEMEINES SONNTAGSBLATT, 29. Januar 1999 Nr. 4/1999)

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"Dietrich Neuhaus
[siehe oben] ... beschäftigt sich mit einer "Revolte von oben", die finstere Gestalten in den Führungsetagen der evangelischen Landeskirchen gegen ihre eigenen Pfarrer angezettelt hätten.

Die Verschwörer, die er in seiner hessisch-nassauischen Landeskirche am Werke sieht (eigentlich aber überall im deutschen Protestantismus), nennt Neuhaus "Fundamentalisten", die der Religion die Kategorien der Marktökonomie überstülpen und ihre Pastoren entweder gängeln oder gleich rausschmeißen wollen.

Eigentlich ein ganz witziger rhetorischer Trick, dieser Fundamentalismus-Vorwurf, mit dem Neuhaus die Strukturreformer an die Wand zu treiben versucht.

Fundamentalisten - das löst beim Publikum die gewünschten Assoziationen aus: In finsterem Gemach planen Gesinnungstäter ohne Rücksicht auf Verluste die konsequente Gleichschaltung (oder Vernichtung) aller kritischen Geister in ihrer "bunten Vielfalt".

Schade, dass Neuhaus für seinen Fundamentalismus-Vorwurf keinerlei Beleg liefern kann."

Arnd Brummer (05.02.1999, Chefredakteur u. Geschäftsführer des evangelischen Monatsmagazin «Chrismon», Supplement d. Süddeutschen Zeitung, Sächsischen Zeitung, Frankfurter Rundschau, Tagesspiegel u. Die Zeit. Unternehmen Kirche, DS - DEUTSCHES ALLGEMEINES SONNTAGS-BLATT, 5. Februar 1999, Nr. 6/1999)

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Bischof Dr. Wolfgang Huber: "Wenn ich … für missionarische Aktivitäten eintrete, dann erlebe ich ja manche, die mir deswegen sagen: Wolfgang Huber ist offenbar evangelikal geworden, weil er für Mission ist. Da haben wir eine ungeheure Verdrehung der Debatte. […]

Also wenn da jemand sagt: ich mache mir Sorgen, dass junge Leute in eine andere Gemeinde gehen, weil sie eine andere, eine intensivere, eine fröhlichere Form von Frömmigkeit suchen, dann hat das zwei mögliche Antworten.
Die eine heißt, ich versuche in meiner eigenen Gemeinde jugendgemäßer Gottesdienste zu feiern. Die andere heißt, es ist gut, wenn es ergänzende Profile in Kirchengemeinden in der Nachbarschaft gibt.

Das einzige was ich nicht für eine kluge Reaktion halte ist, davor Angst zu haben - und zu sagen, ich muss versuchen die jungen Leute bei mir zu halten, auch wenn ich ihnen nichts anzubieten habe. Das funktioniert einfach nicht. […] Wenn es inhaltlich etwas zu kritisieren gibt, dann soll man es kritisieren. Aber man soll jetzt keine Angstfiguren aufbauen. […]

Erstens lasse ich keinen Menschen, der Mitglied unserer Kirche ist, irgendwo außen vor und ich weiß ganz genau, dass ProChrist [http://de.wikipedia.org/wiki/Pro_Christ] einen großen Überschneidungsbereich mit unseren Kirchen hat - und ich weiß ganz genau, habe das auch erlebt, dass auch beim Christival [http://de.wikipedia.org/wiki/Christival] viele junge Leute aus dem landeskirchlichen Bereich gewesen sind. […]

Ich habe noch nie einleuchtend gefunden, dass Dialogverweigerung, dass Ausgrenzung, dass Angst vor dem Gespräch mit anderen ein guter Ratgeber sein könnte. Und ich bin außerordentlich irritiert durch diejenigen Stimmen, die uns neue Formen der Abgrenzung, der Ausgrenzung des verweigerten Dialogs nahe legen wollen. Das kann ich überhaupt nicht gut finden."

Deutschlandradio Kultur: "Das heißt Umarmung als Strategie - oder politisch, Wandel durch Annäherung?"

Bischof Dr. Wolfgang Huber: "Ja, man muss dabei auch berücksichtigen, wenn man diese Formel - Wandel durch Annäherung, verwendet, dann muss man doch noch mal schauen wie sich bei uns die Haltung von evangelikalen Gruppen in unserer Kirche auch verändert hat.

Man muss nicht nur die Frage stellen, ob die Evangelische Kirche in Deutschland sich verändert, sondern auch, ob diese Gruppen sich verändern?
Es ist richtig, dass wir vor 20 Jahren eine Konfrontation in der EKD hatten, dass wir sehr belastende Flügelkämpfe gehabt haben. Wenn wir die jetzt nicht mehr haben, dann muss man doch darüber nicht traurig sein - sondern kann sagen, da hat sich offenbar auf beiden Seiten etwas bewegt. […]

Im evangelikalen Bereich hat sich verändert, dass man nicht mehr meint, dass man seine eigene Rechtgläubigkeit durch Abgrenzung von der Evangelischen Kirche meint beweisen zu müssen."

Bischof Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber (16. März 2009, 2003 - 2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD, Eine ungeheure Verdrehung der Debatte. Interview Deutschlandradio Kultur, www.dradio.de)

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Dr. Rüdiger Sachau, Direktor der Evangelischen Akademie Berlin, 2007

 


"Eine Kirche ohne Missionswunsch sei „mindestens halbtot“. Die sinkenden Zahlen [der Kirchenmitglieder] wecken allerdings auch neue Kräfte."

"Kirche der Zukunft ist missionarisch."

idea / Dr. Rüdiger Sachau (21. Januar 2006, Theologe, Direktor der Evangelischen Akademie Berlin, Werk d. EKD, www.idea.de)

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"Kirche lebt aus der Beziehung zu Gott. Von der Gottesbeziehung lebt auch jeder Aufbruch in der Kirche – von ihren Anfängen bis heute. […]

Doch ob der Kirche insgesamt und ihren Gemeinden ein Aufbruch gelingt, hängt nicht zuerst davon ab, ob wir überzeugungskräftige Perspektivpapiere formulieren. Was von Anfang an die Mitte der Gemeinde Jesu Christi ausgemacht hat, ist auch für ihre Zukunft entscheidend und maßgebend: Und sie waren täglich im Tempel einmütig beieinander und brachen in den Häusern das Brot, sie nahmen die Mahlzeiten ein voll Freude und lauterem Herzen, sie lobten Gott und waren beim ganzen Volk beliebt, so heißt es in dem Bericht der Apostelgeschichte (2, 46f.) über das Leben der ersten christlichen Gemeinde; ich höre diesen Text auch heute als einen Hoffnungstext.
Denn dein ist die Kraft. Die Gottesbeziehung ist der Dreh- und Angelpunkt der Kirche; das Gotteslob ist die Kraftquelle für jeden Aufbruch. Gott sei Dank steht und fällt die Zukunft der Kirche nicht mit uns.

"Wir sind es doch nicht, die da die Kirche erhalten könnten. Unsere Vorfahren sind es nicht gewesen. Unsere Nachfahren werden’s auch nicht sein; sondern der ist’s gewesen, ist’s noch und wird’s sein, der da sagt: ‚Ich bin bei euch alle Tage." (Martin Luther).


Das entbindet uns nicht von der Verantwortung für unser Tun und Lassen. Ein jeder ist an den von ihm verantworteten Bereich gewiesen; doch zugleich darf er wissen, Empfangender zu sein. […]

Evangelisches Glaubensverständnis hat seine Mitte darin, dass Jesus Christus die über Leben und Tod entscheidende Wahrheit ist. Zu deren Kraft bekennt sich das Johannesevangelium mit der Aussage: Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen (Johannes 8, 32). Evangelisches Christsein orientiert sich also an der Wahrheit, die Jesus Christus in Person ist. Weil er die Wahrheit ist, ist er der Herr der christlichen Existenz ebenso wie der Herr der Kirche. […]

Wir sind von Gott gesandt! – dieser Auftrag hat unserem Handeln eine klare missionarische Ausrichtung gegeben.
Ihr aber seid Gottes eigenes Volk; deshalb sollt ihr die großen Taten dessen verkündigen, der euch berufen hat (1 Petr 2,9). [...]

Aller Aufbruch in der Kirche beginnt mit Gottes Berufung.  Er lebt von der Hoffnung, dass Gottes Geist die Kirche und jeden Einzelnen immer wieder neu anrührt und lebendig macht - so dass das Gotteslob erklingt und wir nicht bei uns selber bleiben: Denn dein ist die Kraft."

Bischof Dr. Wolfgang Huber (18. September 2006, 2003 - 2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, "Kirche im Aufbruch" - Eine Zeitansage zum Kongressthema der Arbeitsgemeinschaft Missionarische Dienste in Leipzig)

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"Unsere Hauptaufgabe ist Mission im eigenen Land."

Landesbischof Dr. Johannes Friedrich (2006, Ratsmitglied der EKD,
Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Leitender Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschland, München)

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"Nicht so langsam, sie sterben sonst darüber!"

Pfarrer Friedrich von Bodelschwingh (1831-1910)

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Pfarrer Friedrich von Bodelschwingh (1831-1910)


"Was passiert, wenn nichts passiert?" [...]

"Nach einer eigenen Prognose der EKD ergibt sich, wenn man den Trend zurückliegender Jahre fortschreibt, für den Zeitraum bis 2030 folgende Konsequenz: Die Zahl der Mitglieder der evangelischen Kirche würde dann von 26 Millionen (2003) um ein Drittel auf etwa 17 Millionen (67 Prozent) zurückgehen. [...] (Seite 21)

Zusammengefasst heißt die Diagnose: Bei sinkender Mitgliederzahl um etwa ein Drittel geht die finanzielle Leistungsfähigkeit nahezu um die Hälfte zurück. (Seite 22)

Die Amtshandlungen sind so etwas wie der Lackmus-Test dafür, wie es um die evangelische Kirche heute steht. [...] Die Taufen sind im Zeitraum von 1991-2003 um über 25 Prozent zurückgegangen. [...]

Der durchschnittliche Gottesdienstbesuch der Protestanten ist nicht zufriedenstellend; zwar gab es seit der Reformation aufgrund geringer Beteiligung immer wieder Anlass zur Klage, aber mit einer durchschnittlichen Gottesdienstbeteiligung von etwa 4 Prozent [der getauften Kirchenmitgliedern] können sich die evangelischen Kirchen in Deutschland nicht abfinden." (Seite 23)

Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) (06. Juli 2006, Impulspapiers des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) "Kirche der Freiheit. Perspektiven für die evangelische Kirche im 21. Jahrhundert", http://www.ekd.de/download/kirche-der-freiheit.pdf, Seite 21-23)

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"Die Kämmerer erschrecken mit apokalyptischen Prognosen ihre Bischöfe, und diese vergessen alles, was sie je von der Kanzel gepredigt haben ... sondern wenden sich rat- und hilfesuchend an die angeblichen Spezialisten des Überlebens, an McKinsey, die missionarischen Hohepriester des Glaubens an Markt und Technik.

Und diese helfen gerne, wenn auch nicht für Gotteslohn. Als Erstes verordnen die Missionare von der anderen Religion den Bischöfen eine «Konzentration aufs Kerngeschäft»: die Sorge um das individuelle Seelenheil. Schluss mit der Verzettelung. Beschränkung auf Seelsorge, Gottesdienst, Taufe, Abendmahl, Hochzeits- und Trauerfeier. Das aber müsse möglichst professionell gehandhabt werden, solle an den tatsächlichen Bedürfnissen orientiert sein, die es empirisch zu erforschen gelte.

Da der Rat der Berater teuer ist, glauben die Bischöfe, dass er auch gut sein müsse, und so öffnen sie sich gläubig der Botschaft, alles sei Markt, auch das Religionsbusiness, und in diesem Geschäft gelte es, um die Sinn und Orientierung suchende Kundschaft mit anderen Sinnanbietern zu konkurrieren und sich wettbewerbsfähig zu machen. «Lernen von der Weisheit der Welt» nennen die Seelenhirten das.

Dieser Weisheit trauen sie heute mehr als der Torheit des Kreuzes (1 Korinther 1, 23).

Sie probieren es jetzt tatsächlich mit Marketing, meinen ernsthaft, ihre in Jahrhunderten verspielte Glaubwürdigkeit lasse sich mit Werbung, PR, Events und Imagekampagnen im Instantverfahren zurückgewinnen. Ohne rot zu werden, definieren sie die Botschaft vom Kreuz als ein Produkt, das es zu verkaufen gilt. Allen Ernstes betrachten sie sich als ein Unternehmen auf dem Sinnstiftungsmarkt, bezeichnen ihre Mitglieder als Kunden, fragen deren Wünsche ab, trimmen ihr Personal auf Kundenorientierung, offerieren ein spirituelles Angebot, denken über ihre Corporate Identity nach, beschäftigen sich mit Profilschärfung und Professionalisierung, und statt Weltgestaltung stand in den letzten Jahren die Gestaltung des kirchlichen Briefpapiers auf ihren Tagesordnungen.

Ihr Gottesdienst mutiert zum Kundendienst. Aus Kirchtürmen sollen Leuchttürme werden, und auf deren Spitze kräht der Hahn, dass der Mann am Kreuz schon wieder verraten und verkauft wird.

Statt nach der Wahrheit des Kreuzestods zu fragen, fragen sie: Welche neuen Gottesdienstformen, Liturgien, Events locken den modernen Sinnkonsumenten in die Showrooms der Kirchen? Mit zeitgemäßen zielgruppengerechten Dienstleistungen - gefühligen Taufzeremonien, professionellem Kommunions- und Konfirmations-Service, rauschenden Hochzeitsfesten, schicken Begräbnispartys - soll die Kirche wieder massenkompatibel werden und der Kunde spendenbereit. [...]

Wir erleben derzeit, wie die stets unbequeme, überall aneckende, zu allen Zeiten provokante, unverkäufliche Botschaft Jesu von seinen Nachfolgern umfunktioniert wird zur gefälligen, stromlinienförmig an den Markt angepassten Wellness-Religion. [...]

Es ist die Einladung zum Tanz ums Goldene Selbst. [...] Die Religion wird wieder Opium fürs Volk. Die New Church, die da nach einer Blaupause aus den McKinsey-Büros mit marktgängigen Sinnkonstruktionen dealt, taugt gut als Schmiermittel des sich als alternativlos gebärdenden Totalkapitalismus und passt bestens in jene postindustriellen Brachen der Freizeit- und Spaßgesellschaft:, in denen sich schon die Beauty-Farmen, Badelandschaften und Ayurveda-Tempel angesiedelt haben. Unter den säkular-esoterischen Zirkusnummern, die dort gespielt werden, ist auch noch Platz für ein paar kirchlich-spirituelle. [...]

Bedarf die Welt einer Kirche, die der Weisheit der Welt bedarf? Brauchen Politik und Wirtschaft den Rat der von McKinsey beratenen Kirche? [...]

Die Bischöfe gleichen heute den Besitzern eines Dampfers, der im Hafen liegt, schon lange nicht mehr fährt und vermutlich nie wieder fahren wird, weil der Motor kaputt ist. Es gibt eine Crew, die jeden Tag mehr oder weniger eifrig das Schiff putzt, Lecks abdichtet, das Dach streicht und tausend andere Dinge tut, um den alten Kasten zu erhalten, aber niemand aus der Crew kümmert sich um den Motor. Der Versuch, ihn zu reparieren oder auszutauschen, unterbleibt.
Finanziert wird die Mannschaft aus Tradition von jenen vielen Menschen, die ganz woanders arbeiten. Die Mannschaft hofft, ihre Finanziers für ihre Arbeit zu interessieren und in das Schiff zu locken. Diese aber sehen nicht recht ein, warum sie ein Schiff besteigen sollen, das nicht einmal für eine Hafenrundfahrt taugt.

Noch zahlen sie für den alten Kasten, wenn auch mit sinkender Bereitschaft, sinkender Überzeugung und wohl eher aus Gründen der Nostalgie und Tradition, auch aus dem pragmatischen Grund, die besonderen Anlässe des eigenen Lebens -Taufe, Hochzeit, Begräbnis - in den repräsentativen Räumen dieses Museumsschiffs mit dem dort üblichen Zeremoniell feiern zu können, ein teurer Luxus, wenn man die Beiträge addiert, die im Lauf eines Kirchensteuerzahlerlebens zusammenkommen.

Weil die Zahl der Finanziers sinkt und zugleich deren Bereitschaft, diesen Museumsbetrieb weiter zu unterstützen, ist die Crew jetzt mit viel Eifer dabei, das stillgelegte Schiff neu aufzumöbeln, Versammlungsräume herzurichten, einen gastronomischen Service zu bieten, mit Promis, Konzerten, Partys und Events zu locken. Man entwirft auch dauernd neue, modern aussehende, auf unterschiedlichste Zielgruppen abgestimmte Kleinschiffe, Vergnügungsboote, Rettungsboote, baut zuweilen sogar den einen oder anderen Prototypen - fahren tun sie alle nicht.

Sonntags, wenn sich eigentlich alle versammeln sollten, aber die meisten daheim bleiben, erzählt der Pfarrer den Wenigen, die erscheinen, Geschichten aus den Zeiten, in denen das Schiff noch über alle Meere fuhr. Wer aber tatsächlich sein Fernweh stillen will, geht dann realistischerweise doch besser ins Reisebüro.

Einmal aber, in ferner Vergangenheit, muss das Schiff tatsächlich seetüchtig gewesen sein ... das Wissen wäre da. Es müsste nur ausgegraben werden. Und dann bedürfte es nur noch des Willens, das Wissen anzuwenden. Wenige würden genügen, um einen Anfang zu machen. Damals, als alles anfing, hatte einer genügt."

Christian Nürnberger (21. September 2007, Das Christentum. Was man wirklich wissen muss.)

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Jesus Christus: "Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun."

Johannes 15, 5

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"Wenn mich die Verzweiflung an der Kirche überflutet, dann tröstet mich ein Wort, ein Wort der Bibel, ein gewaltiges Wort. Und mit diesem Wort grüße ich euch, meine Freunde: So spricht der Herr: Ich will mich meiner Herde selbst annehmen." [Hesekiel 34, 11]

Pfarrer Wilhelm Busch (1966, Dortmund, Bekenntnistag in Dortmund d. Bekenntnisbewegung „Kein anderes Evangelium“, 1929 bis 1962 protestantischer Jugendpfarrer - Essen, http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Busch_(Pfarrer)

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Pfarrer Wilhelm Busch, 1929 bis 1962 protestantischer Jugendpfarrer, Essen

 


"Wenn heute ein junger Pfarrer mit Ring im Ohr und lila und grün gefärbten Haaren Techno-Rhythmen im Gottesdienst einsetzt, dann gilt er als modern. Und er selber stilisiert sich vielleicht sogar hoch oder lässt sich hochstilisieren zum "Querdenker". In Wahrheit ist das aber nicht modern, sondern nur bloß modisch, trendy und zeitgeistig, und damit liegt der Pfarrer nicht quer, sondern stromlinienförmig im Mainstream.

Damit Sie mich nicht falsch verstehen: Ich habe nichts gegen Techno im Gottesdienst, nichts gegen Ringe in Pfarrersohren, und die Farben lila und grün passen gut zu unserer protestantisch-feministischen Kirche, ich bin nur dagegen, solche Konzessionen an die gerade herrschende Mode mit Querdenkertum zu verwechseln.

Man kann all diese modischen Sachen machen, man kann eine virtuelle Kirche im Internet errichten, man kann Öffentlichkeitsarbeit betreiben, sich allerlei Events ausdenken, kann die Pirouetten der Werbeleute mitmachen, die Litfasssäulen zukleistern, das nützt wahrscheinlich nicht viel, schadet aber auch kaum, außer dass es halt Geld kostet.
Was aber schadet, was die Kirche zerstören wird, ist die Neudefinition des Kirchenmitglieds als Kunden.

Wer das tut, der muss sich über eines im klaren sein: Wenn er mich als Kunden anspricht, dann verhalte ich mich auch wie ein Kunde, nämlich ökonomisch. Das heißt: ich versuche möglichst viel zu bekommen und dafür möglichst wenig zu geben. Das ist - nebenbei - die genaue Umkehr dessen, was Jesus wollte. Der wollte von mir das Maximum, nämlich mein Leben. Und was er mir dafür zu bieten hatte, das war das Kreuz, Hohn, Spott und Verfolgung.

Selbstverständlich erscheint so etwas dem durchschnittlichen, normalen Zeitgenossen als der Gipfel der Verrücktheit. Ich verstehe daher, dass die Pfarrer und Bischöfe unter dieser Verrücktheit, diesem ökonomischen Unsinn leiden. Aber auf diesem "Unsinn", dieser Torheit des Kreuzes gründet die Kirche. Als Jesus am See Genezareth Petrus fischen sah, sagte er: Folge mir nach. Er sagte nicht: Hey, ich geb heut' Abend eine coole Party, das ist der Event des Jahres, komm' doch heut' Abend mal vorbei, wenn du gerade Zeit hast, sondern er sagte: Hör' jetzt auf zu fischen, sofort, fische überhaupt nie mehr, häng' deinen Beruf an den Nagel und folge mir in eine ungewisse Zukunft. Und Petrus, dieser Verrückte tut das. […]

Dich altmodischen ewiggestrigen Betonkopf mögen wir verlieren, aber wenn wir dafür zehn junge Leute kriegen, verzichten wir gern auf dich.
Geht diese Rechnung auf? Schon die Erwartung, dass man zehn neue Mitglieder gewinnt, ist überzogen. Aber gut, wenn es nur drei wären, wären es immer noch zwei mehr. Also lohnt sich's, oder?

Nein, es lohnt sich nicht, denn was oder wen man mit Marketingmethoden gewinnt, ist doch klar: Es ist der Konsumbürger. Wenn ich sage: Kommt zu mir, hier gibt's was zu konsumieren, einen Event, etwas fürs Herz, für den Kopf oder den Bauch, dann kommen die, die konsumieren wollen, die Passiven, die betreut werden möchten, die etwas geboten bekommen wollen, und dann muss ich beständig dafür sorgen, dass sie wieder kommen, und dabei wird man merken, dass dieser Kunde von heute verwöhnt ist, schwer zufriedenzustellen, flatterhaft, untreu und oberflächlich. Der kauft heute hier, morgen dort, will heute dies und morgen das. Einen Laden, der nur ein einziges Produkt im Angebot hat, findet dieser Kunde von vornherein schon mal so was von daneben, dass er ihn gar nicht erst betreten wird. […]

Der moderne Sinn-Nachfrager von heute möchte bitteschön, wie überall, aus einem großen Sortiment auswählen können, und darum tut die Kirche gut daran, in ihren christlichen Spezialitätenhandel auch islamische, sufistische, buddhistische und esoterische Produkte aufzunehmen. Und das eigene originäre Angebot muss beständig umdesignt, den wechselnden Bedürfnissen des Marktes angepasst werden.

Zugegeben: Es gibt heute eine breite Akzeptanz von Marketing als einer Selbstdarstellungsform im öffentlichen Leben. Heute glaubt jeder und jede: Wer die Gesetze des Marketings nicht beachtet, wer meint, solcher Mittel nicht zu bedürfen und nicht mitspielen zu müssen, wird nicht mehr wahrgenommen. Wer nicht mehr wahrgenommen wird, kann gleich einpacken.
Jedoch: Wer mitspielt, akzeptiert die Spielregeln, unterwirft sich dem System. Spielt die Kirche nun auch mit, unterwirft auch sie sich dem System. Dass sie das tut, aus Angst nicht mehr wahrgenommen zu werden, ist verständlich, aber falsch, und die Kirche weiß das. Sie weiß, wem sie sich zu unterwerfen hat. [...]

Aber soll sie sich der Gefahr aussetzen, endgültig nicht mehr wahrgenommen zu werden?

Ja, genau das soll sie. Sie hat gar keine andere Wahl, und die Gefahr, nicht mehr wahrgenommen zu werden, wird ohnehin jeden Tag kleiner. Allmählich tritt nämlich der Stadioneffekt ein, und der geht so: Wer auf der Tribüne eines Fußballstadions sitzt, sieht viel besser als alle anderen, was gespielt wird, wenn er einfach aufsteht. Damit wirft er jedoch einen kegelförmig sich ausbreitenden Schatten auf die Leute hinter ihm, was diese zwingt, ebenfalls aufzustehen, um wieder besser zu sehen. Die Aufstehenden zwingen ihrerseits die Leute hinter ihnen zum Aufstehen, so dass nach kurzer Zeit die ganze Tribüne steht. Jeder sieht jetzt wieder genau so gut oder schlecht wie vorher und wie die Zuschauer auf den billigen Stehplätzen, hat aber teurer dafür bezahlt und muss nun stehen.
Dieser Stadion-Effekt wird über kurz oder lang auch das Marketingspiel beenden. […]

Je mehr Produkte, Dienstleistungen, Organisationen, Institutionen und Personen mit den Mitteln des Marketings gegeneinander konkurrieren, desto langweiliger, austauschbarer und wirkungsloser werden sie.
Und desto interessanter und unverwechselbarer werden die wenigen, die nicht mitmachen, sich außerhalb des Systems stellen und es damit kritisieren und in Frage stellen.

Wer trotzdem meint, die Kirche umbauen zu müssen zum Eventveranstalter und zum Supermarkt der Sinnangebote, kann sich derzeit noch für modisch, cool, geil, genial und total von heute halten. Aber schon morgen wird er von gestern sein, denn echt modern und nicht bloß modisch, zeitgeistig und mainstreamig, das ist etwas anderes.
Echt modern sind viele alte, scheinbar altmodische Geschichten, wie sie in der Bibel stehen. […]

Gott fehlte offenbar jegliches Gespür für Glamour, Show, Marketing und Öffentlichkeitsarbeit, denn er ließ die Frau des Zimmermanns in einem Stall gebären, weitab vom Weltgeschehen, in Gesellschaft von hinterwäldlerischen Hirten, Schafen, einem Ochsen und einem Esel - der Yuppie wendet sich mit Grausen. Jeder Nadelgestreifte hätte sofort gesagt: Vergiss es, daraus kann nie etwas werden.
Und wie war das, als der Prophet Samuel in Gottes Auftrag als "Headhunter" durch Israel reiste, um den Posten des Königs zu besetzen? Sieben Söhne führt ihm Isai vor, einer tüchtiger als der andere, aber an den achten, David, hat keiner gedacht. Den jüngsten und kleinsten, den nach allen herkömmlichen Maßstäben falschen Mann, der zur falschen Zeit am falschen Ort die Schafe hütet, den will Gott als König haben.

Auf wen baut Jesus seine Kirche? Auf Petrus, diesen wackeligen Fels, der seinen Herrn verraten hatte, noch ehe der Hahn zum ersten Mal krähte.

Und als ... Päpste im Mittelalter die Kirche moralisch immer weiter heruntergewirtschaftet, aber gleichzeitig eine prunkende Macht entfaltet hatten, wer hat sich diesen prunk-süchtigen Herrschern ... in den Weg gestellt? Ein kleines, feistes, grobschlächtiges Mönchlein aus einer deutschen Provinz. Ein absoluter Nobody namens Martin Luther war es, der die verkommene Weltmacht erbeben ließ.

So unprofessionell, so bar jeglicher Marketingstrategie, war Gott von Anfang an. Als er sich sein Volk erwählte, da herrschte an tüchtigen Völkern kein Mangel. Er hatte die Wahl unter Römern, Griechen, Ägyptern, Babyloniern, Hethitern, Phöniziern und Chinesen. Aber für wen entschied er sich? Für keinen der Sieger, sondern für die Fronarbeiter in den Steinbrüchen Ägyptens, für die Steineklopfer, die den Ägyptern ihre Pyramiden bauten. Diese kleine, ängstliche, zittrige, nervöse Loser-Truppe aus bunt zusammengewürfelten Völkern führte er aus Ägypten heraus in die Freiheit, mit ihnen schloss er einen Bund in der Wüste am Berg Sinai. Mehr als einmal erwiesen sich diese Bündnispartner als Luschen und Versager. Immer wieder ist er von ihnen enttäuscht worden […]

Ökonomie im Reich Gottes sieht eben doch ein bisschen anders aus als im Reich der over-designten Berater-Büros. Die größte Leistung im Reich Gottes bringen regelmäßig jene Schwächlinge, die sich in ihrer Schwachheit ganz der Führung Gottes anvertrauen und sich von ihm als Werkzeug benutzen lassen. Gott braucht keine Siegertypen, keine PR und keine Events, die ihm zum Erfolg verhelfen, sondern umgekehrt ist es: Gott will Verlierern zum Sieg verhelfen. Und wenn die Kirche und ihre Gläubigen dies geschehen ließen, dann würden nicht die Manager in die Kirche einsickern und diese falsch polen, sondern dann würden Pfarrer und Gläubige in die Wirtschaft einsickern und diese richtig polen."

Christian Nürnberger (3. November 2003, Journalist, Autor, "Warum Mc Kinsey für die Kirche keine Lösung ist" Auszüge des Vortrags von  beim 34. Rhein. Pfarrerinnen- und Pfarrertag in Bonn)

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Christian Nürnberger, Journalist u. Schriftsteller, pro-medienmagazin.de, 12.11.2010


"Ich habe herausgefunden, dass in jeder großen Arbeit Gottes drei verschiedene Stadien erkennbar sind: Erst ist es unmöglich, dann ist es schwierig, dann ist es passiert."

James Hudson Taylor (1832-1905, englischer China-Missionar und Begründer der China-Inland-Mission)

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16 "Da antwortete Simon Petrus und sprach: Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn!
17 Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Selig bist du, Simon, Jonas Sohn; denn Fleisch und Blut haben dir das nicht offenbart, sondern mein Vater im Himmel.
18 Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen."

Matthäus 16, 16-18

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"Petrus – auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen, hat Christus ... gesagt.

Nun wissen wir: Petrus, der Jünger, war keine felsenfeste Gestalt. Sein Mundwerk war größer als sein Mut. Bei vielen Gelegenheiten hat sich das erwiesen, von denen das Neue Testament ungeschminkt erzählt. Nirgendwo wird er als Person idealisiert.

Seine Bedeutung liegt in seinem Bekenntnis zu Christus: Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn.

Daraufhin sagt Jesus zu ihm: Auf dieses Fundament will ich meine Kirche bauen. Auf das Christusbekenntnis also."

Landesbischof Dr. Johannes Friedrich (2. Mai 2007, Theologe, Ratsmitglied der EKD, Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Leitender Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschland, "Worauf die Kirche gebaut ist", St. Michaeliskirche Hof)

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"Da dachte Petrus an das Wort, das Jesus zu ihm gesagt hatte: Ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Und er ging hinaus und weinte bitterlich."

MATTHÄUS 26. Kapitel, 75

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17 "Spricht er zum dritten Mal zu ihm: Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieb? Petrus wurde traurig, weil er zum dritten Mal zu ihm sagte: Hast du mich lieb?, und sprach zu ihm: Herr, du weißt alle Dinge, du weißt, dass ich dich liebhabe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Schafe!"

JOHANNES
21. Kapitel, 17

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"... und in derselben Nacht fingen sie nichts. Da es aber jetzt Morgen war, stand Jesus am Ufer.  Johannes 21,3 u. 4

Kennen wir die Tiefpunkte im Leben?
Petrus und seine Freunde waren an einem Tiefpunkt angekommen.

Ja, zuerst, als sie hörten und sahen, dass Jesus von den Toten auferstanden war, füllte Freude ihr Herz. Aber dann folgten stille Tage. Und da wird Petrus nachgedacht haben: „Die Nachfolge hinter Jesus her ist nichts für mich rauen Fischer. Also - zurück in den alten Fischerberuf!"

Dabei war es sicher sehr dunkel in seinem Herzen. Und dann kam eine Nacht, in der es noch viel dunkler wurde. „In derselben Nacht fingen sie nichts." Wir sehen den starken Mann, wie er verbissen immer und immer wieder das Netz auslässt. Immer vergeblich!

„Ja!" lacht Petrus verzweifelt - und es ist Hohn gegen sich selbst in dem Lachen. „Zurück in den alten Fischerberuf! Aber nun ist es damit auch nichts. Ich bin und bleibe ungesegnet!" Nacht ohne Sterne!

Vielleicht stand die Erinnerung an große Zeiten vor seiner Seele auf. Wie er bekannt hatte: „Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes." Und Jesus hatte ihn „Felsen" genannt. „Ach, was bin ich für ein Fels!"

Das ist Tiefpunkt, wo man sich ausgeschlossen sieht vom Reich Gottes und obendrein alles im Irdischen misslingt.
Das erlebte nicht nur Petrus! Wir alle kennen wohl solche Tiefpunkte.

Aber gerade jetzt heißt es: „Da stand Jesus am Ufer."

Die Jünger sahen ihn noch nicht [...]  Aber - er ist da! Und von dieser Treue unseres Erlösers leben wir Christen, dass er uns nicht lässt.
Herr! Mache an uns Dein Wort wahr: „Niemand soll meine Schafe aus meiner Hand reißen!"

Pfarrer Wilhelm Busch (1929 bis 1962 protestantischer Jugendpfarrer - Essen, "365 x ER. Tägliche Andachten", Aussaat; 14. Auflage 2006, ISBN-13: 978-3761541586,
http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Busch_(Pfarrer)

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14 "Weil wir denn einen großen Hohenpriester haben, Jesus, den Sohn Gottes, der die Himmel durchschritten hat, so lasst uns festhalten an dem Bekenntnis.
15 Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht könnte mit leiden mit unserer Schwachheit, sondern der versucht worden ist in allem wie wir, doch ohne Sünde.
16 Darum lasst uns hinzutreten mit Zuversicht zu dem Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zu der Zeit, wenn wir Hilfe nötig haben."

HEBRÄER / 4. Kapitel

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"Jesus Christus, welcher ist der treue Zeuge, der Erstgeborene von den Toten und Herr über die Könige auf Erden!
Ihm, der uns liebt und uns erlöst hat von unsern Sünden mit seinem Blut und uns zu Königen und Priestern gemacht hat vor Gott, seinem Vater, ihm sei Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen."

Offenbarung 1, 5-6

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"Und Jesus trat herzu und sprach zu ihnen: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe.

Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende."

Matthäus 28, 18-20

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Dann war da noch..  Schlusslichter

 

Zwei Pfarrer über die Frage, wie man den Kirchenbesuch wieder beleben könne:

„Wir haben jetzt gepolsterte Sitze, die Kniebänke sind abgeschafft, jede Woche halten wir einen Vortrag über aktuelle Themen, und zweimal im Monat spielt eine Jazzkapelle. Aber die Kirche wird und wird nicht voll. Können Sie mir wohl sagen, was wir noch versuchen sollten?“

„Lieber Mitbruder, ich würde es mal mit Religion versuchen.“

(Das große Buch des christlichen Humors, Annegret Kokschal, St. Benno; Auflage: Mai 2006)

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Eine feine Frau kommt zum katholischen Pfarrer: "Herr Pfarrer, ich möchte meinen Hund taufen lassen." "Das geht nicht", so der Geistliche. Die Frau: "Ja, dann gehe ich eben zum evangelischen Kollegen und bringe ihm die Spende von 5.000 Euro." Darauf der Pfarrer: "Warum haben Sie es nicht gleich gesagt, dass der Hund katholisch ist?"

Die Aktion bleibt aber nicht lange geheim und schon bald wird der Pfarrer zum Bischof zitiert. Nach einer Moralpredigt des Kirchenfürsten, erklärt der schuldige Pfarrer, dass die Hundebesitzerin immerhin 5.000 Euro gespendet habe. Da meint der Bischof: "Ist der Hund auch schon gefirmt?"

Unbekannter Autor?

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Irgendwo in Neuseeland. Ein Jeep, ein Schäfer und seine Schafherde treffen aufeinander. Der Fahrer des Jeeps, ein junger Mann in Brioni Anzug, Cerutti Schuhen, Ray Ban Sonnenbrille und einer YSL Krawatte steigt aus und fragt den Schäfer: "Wenn ich errate, wie viele Schafe sie haben, bekomme ich dann eins?"

Der Schäfer schaut den jungen Mann an, dann seine friedlich grasenden Schafe, und sagt ruhig "In Ordnung".
Der junge Mann parkt den Jeep, verbindet sein Notebook mit dem Handy, geht im Internet auf eine NASA Seite, scannt die Gegend mit Hilfe seines GPS Satellitennavigationssystems, öffnet eine Datenbank und 60 Excel Tabellen mit einer Unmenge Formeln. Schließlich druckt er einen 150 seitigen Bericht auf seinem Hi-Tech Minidrucker, dreht sich zu dem Schäfer um und sagt: "Sie haben hier exakt 1586 Schafe." Der Schäfer sagt "Das ist richtig, suchen Sie sich ein Schaf aus."
Der junge Mann nimmt ein Schaf und lädt es in den Jeep ein. Der Schäfer schaut ihm zu und sagt: "Wenn ich ihren Beruf errate, geben Sie mir das Schaf dann zurück? Der junge Mann antwortet: "Klar, warum nicht."

Der Schäfer sagt: "Sie sind ein Unternehmensberater." "Das ist richtig, woher wissen Sie das?" will der junge Mann wissen. "Sehr einfach," sagt der Schäfer, "erstens kommen sie hierher, obwohl sie niemand hergerufen hat. Zweitens wollen Sie ein Schaf als Bezahlung haben dafür, dass Sie mir etwas sagen, was ich ohnehin schon weiß, und drittens haben Sie keine Ahnung von dem, was ich mache, denn Sie haben sich meinen Hund ausgesucht!"

Unbekannter Autor
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Ein orthodoxer, ein katholischer und ein evangelischer Pfarrer teilen sich gemeinsame eine Kirche. Jedoch wird die Kirche von einer furchtbaren Fledermausplage heimgesucht. Man berät sich was zu tun sei.

Der orthodoxe Pfarrer hat einen Vorschlag: "Ich werde am Sonntag eine außerordentlich lange Predigt halten, dann wird ihnen wohl langweilig und sie werden entschwinden". Nach über 3 Stunden kommt der Pfarrer erschöpft aus der Kirche – aber die Fledermäuse sind allesamt noch da.

Der katholischen Pfarrer weiß besseren Rat: "Ich werde einen Gottesdienst mit besonders viel Weihrauch abhalten, dann werden die Fledermäuse sich verflüchtigen". Aus Kirchenfenstern und Kirchturm quillt der Weihrauch hervor. Nach 30 Minuten verlässt der Pfarrer hustend die Kirche – die Fledermäuse sind noch immer da.

Alle Augen sind nun auf den evangelischen Pfarrer gerichtet. Der verschwindet in der Kirche und 20 Minuten später sind sämtliche Fledermäuse ausgeflogen.

Verwundert fragen die Amtsbrüder wie er das zustande gebracht hat. Der evangelische Pfarrer: "Ganz einfach – zuerst habe ich sie getauft, dann konfirmiert - und danach habe ich sie nie wieder gesehen".

Unbekannter Autor?

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NICHTLUSTIG, www.nichtlustig.de

 


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