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Diskussion: Kirche u. Segnung gleichgeschl. Partner


Beiträge zum Thema christlicher Fundamentalismus


 

Hinweis in eigener Sache: Die nachstehende "Textlandschaft" aus Textfragmenten und Zitaten stellt den Versuch dar, zumindest Teilbereiche der aktuellen Fundamentalismusdebatte abzubilden. Wobei der Einstieg gelegentlich "bibelkritisch" aufgebaut ist und im Wechsel mit "bibeltreuen" Textfragmenten (manchmal erst im unteren Abschnitt) eine Art Debatte abbildet.

Fundamentalismusdebatte.de ist keine "bibeltreue" Webseite, sondern stellt "bibelkritische" und "bibeltreue" Inhalte unkommentiert nebeneinander. Ein bibeltreues Projekt findest Du in der Bibel :-)

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"Sexualität ist eine gute Gabe Gottes, nicht nur innerhalb der Ehe [...]

Jede sexuelle Beziehung, die heterosexuelle wie die homosexuelle, soll in gegenseitiger Annahme und auch frei von entwürdigendem Zwang und entehrender Gewalt gelebt werden.

Zu den Aufgaben der Kirche gehört es, dabei zu helfen und in der Gesellschaft dazu beizutragen, dass dauerhafte homosexuelle Partnerschaften sich entwickeln können und anerkannt werden."

Bischof Dr. Wolfgang Huber (23.04.1993, 2003 - 2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg, Typoskript: Biblische und ethische Überlegungen zur Homosexualität - Bezirkssynode Schwetzingen)

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"Acht ehemalige evangelische Bischöfe wollen verhindern, dass homosexuelle Pfarrer künftig mit ihren Partnern in Pfarrhäusern wohnen. In einem offenen Brief, den die Wochenzeitung Christ und Welt [Beilage in der Wochenzeitung Die Zeit] heute veröffentlicht, wenden sie sich in scharfen Worten gegen einen entsprechenden Beschluss der EKD-Synode.

Das Parlament der Evangelischen Kirche in Deutschland hatte im November ein neues Pfarrdienstgesetz verabschiedet, das die Landeskirchen ratifizieren müssen. Die Alt-Bischöfe um Initiator Ulrich Wilckens rufen dazu auf, die Liberalisierung zu kippen.

Gemäß der Heiligen Schrift habe „die Kirche Homosexualität als widernatürlich und schöpfungswidrig zu beurteilen“, heißt es in dem Brief. Dazu führen die Autoren unter anderem Briefe des Apostels Paulus an. Danach gehöre „gleichgeschlechtliches Zusammenleben in exemplarisch herausgehobener Weise zu den gottwidrigen Verhaltensweisen“, denen der Zorn Gottes gelte.

Daher gehe es bei der Entscheidung über das Gesetz um „nichts Geringeres als die Frage, ob die evangelischen Kirchen darauf bestehen, dass die Heilige Schrift die alleinige Grundlage für den Glauben und das Leben ihrer Mitglieder“ sei. Zudem blockiere ein Ja zu der Regelung auch Fortschritte in der Beziehung zur katholischen Kirche sowie den orthodoxen und einigen lutherischen Kirchen."

Frankfurter Rundschau (12. Januar 2011, Ex-Bischöfe: Gegen Schwule im Pfarrhaus, www.fr-online.de)

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Frankfurter Rundschau: "Präses Kock, Sie haben den Brief Ihrer Kollegen [siehe oben] nicht unterschrieben. Warum nicht?"

Präses Kock [1997 bis 2003 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland]: "Erstens hat mich keiner gefragt, und zweitens teile ich ihr Ansinnen nicht. Anders als die Autoren behaupten, sind homosexuelle Partnerschaften nach meiner Überzeugung nicht bibelwidrig. Darum hat die EKD hat ein gutes Gesetz beschlossen. Es schafft den Rahmen für solche Partnerschaften unter Pfarrern und lässt den Landeskirchen die Freiheit für eigene Regelungen.

Die gibt es im Übrigen vielerorts längst – zum Teil nach langen kontroversen Diskussionen. Ich wüsste aber nicht, dass das in der Praxis noch zu großen Irritationen führt. [...] Auf die Dauer werden wir überall eine Öffnung haben, ja. Das wird nicht aufzuhalten sein. Gut so, sage ich."

Präses Manfred Kock (13. Januar 2011, 1997 bis 2003 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD, 1997 bis 2003 Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Interview mit Manfred Kock: "Homosexualität ist nicht bibelwidrig", Frankfurter Rundschau, www.fr-online.de)

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Präses Manfred Kock (1997 - 2003 Ratsvorsitzender der EKD)

 


"Vom 12. bis zum 15. Mai [2010] findet in München der Ökumenische Kirchentag statt. Er steht unter dem Leitwort "Damit ihr Hoffnung habt".

Welche Fragen beschäftigen die Kirchen heute?

Das Programmheft erlaubt erste Schlussfolgerungen. In der Hoffnungskirche können wir an einem "Ökumenischen Queergottesdienst" unter dem Titel "LesBISchwul mit guter Hoffnung" teilnehmen. Wer damit Probleme hat, mag sich über "Christliche Homophobie" belehren lassen und bei einer "Vigil für die Opfer der Homophobie" innerlich Einkehr halten.

Helke Immel, Pfarrerin in München, trägt vor: "Gesegnet auf gemeinsamen Wegen. Kirchliche Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaft". Das Programm ist abwechslungsreich und bietet auch Cineasten etwas, zum Beispiel den Film "Homosexuell und christlich - das geht?!".
Oral History gibt es bei "Gefangen im falschen Körper - Transsexuelle erzählen". Der Vortrag "Sexualität und Spiritualität" mit anschließendem Workshop wird ausgerichtet von Wolfgang Perlak von der Gruppe Homosexuelle und Kirche.

Am nächsten Tag folgen Berichte über Kinder in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften. Wer Autorenlesungen schätzt, wird sich Rainer Hörmann nicht entgehen lassen: "Samstag ist ein guter Tag zum Schwulsein".

Ein "Netzwerk kath. Lesben" bietet unmittelbar im Anschluss den Frauenworkshop "Coming-Out als Kreuz-ung. Gott liebt mich - Ich liebe eine Frau". Das Kirchentagsmotto selbst findet ein hübsches Echo in dem Vortrag "Damit ihr Hoffnung habt - Zum Verhältnis von transidentem (transsexuellem/transgender) Leben und der Kirche", in dem wir Mari Günther aus Berlin hören werden, die sich als "Systemische Therapeutin und Väterin" vorstellt. Ja, Väti, gern! Es folgt - ein Mittagsgebet, wahr und wahrhaftig.

Danach ist man gestärkt für authentische Erfahrungsberichte in der Veranstaltung "Que(e)r durch Europa - Let our voices be heard! Christliche Lesben erzählen ihre Geschichte". Gilt es doch auch, eine besondere "Lesbische Spiritualität" kennenzulernen. "Aus dem Schrank in die Vitrine" ist ein rätselhafter Titel; immerhin sagt die Unterzeile, worum es geht: "Lesben schreiben ihre eigene Kirchengeschichte". Der Brief des Paulus an die Römer wird als "Das Seufzen der Schöpfung und die Hoffnung der Lesben" "feministisch-lesbisch que(e)rgelesen".

In zwei Teilen findet zum Thema "Lesbisch, schwul - und du?" ein Coming-out-Workshop statt. Bitte auch notieren: "Lesben und Schwule im Alter". Dazu eine Fotoausstellung "Die Verzauberten - Gesichter und Geschichten alter schwuler Männer". Ob man dann zum "Jugendfrühstück für Lesben, Schwule und ihre Freunde" gehen wird?"

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (11. April 2010, Exerzitien: Hoffnung vom Kirchentag, Lorenz Jäger, Redakteur im Ressort Geisteswissenschaften der FAZ, www.faz.net)

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"Theologisch konservative Kreise in Deutschland haben scharfe Kritik daran geübt, dass die Vorsitzende der nordelbischen Kirchenleitung, Maria Jepsen [Bischöfin Maria Jepsen, lutherische Theologin und seit 1992 die Bischöfin des Sprengels Hamburg der Nordelbischen Kirche. Mitglied der EKD-Synode, Vorsitzende des Evangelischen Missionswerkes in Deutschland, Mitglied im Rat des Lutherischen Weltbundes], die "Schirmfrauschaft" der Homosexuellen-Parade Christopher Street Day (CSD) in drei schleswig-holsteinischen Städten übernommen hat.

Beim CSD am 12. Juli in Lübeck war die Kirchenfrau zudem als Rednerin angekündigt. Zuvor war Jepsen auch Schirmfrau des CSD in Kiel, der unter dem Motto “LesBISchwul – sichtbar und selbstbewusst” stand.
In einem Grußwort an die Veranstalter hatte die Kirchenfrau geschrieben: “Wir stehen mit Ihnen zusammen im Einsatz um die volle Gleichberechtigung.” Die Tageszeitung “Kieler Nachrichten” kommentierte die Äußerungen mit den Worten “Jetzt steht die Kirche voll hinter der schwullesbischen Bewegung." [...]

"Frau Jepsen erklärte zu der Kritik: "Ich vertrete als Bischöfin und Vorsitzende der Kirchenleitung die Position der Nordelbischen Kirche, die wir in Stellungnahmen der Synode beschlossen haben und möchte jeder Diskriminierung von Homosexuellen entgegenwirken."

kath.net/idea (15. Juli 2003, Ist Maria Jepsen 'Hohepriesterin sexueller Beliebigkeit'?)

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Bischöfin Dr. Maria Jepsen

 


"Das Sein in der Welt ist wahr, weil Gott die Wahrheit in Person ist. Der Mensch aber macht oft sein eigenes Dasein unwahr, wenn er das Schöpfungsgedächtnis verliert.

Wenn er zum Beispiel meint, dass Mann und Frau nicht aufeinander bezogen sind, damit sie in der Ehe zur Familie werden.
Alle so genannten alternativen Modelle des menschlichen sexuellen Zusammenlebens sind aber unwahr und darum für den Menschen im Kern verderblich. Die Menschheit richtet sich hier selbst zugrunde." [...]

"Ehe und Familie sind nicht nur gesellschaftlich-soziologische Größen, sondern sie sind göttliche Realitäten und darum schützenswert und verteidigungswürdig" [...]

"Ich denke oft, wenn im Fernsehen eine Miss Amerika oder Miss Europa vorgestellt wird, ob Gott diesen Preis auch diesen konkreten Personen verleihen würde, oder würde er ihn nicht viel mehr einer Mutter inmitten einer großen Familie oder einer chronisch Kranken auf ihrem Krankenlager verleihen? Denn Schönheit ist nicht nur eine Frage nach der Figur, der Sportlichkeit und des Aussehens, sondern Schönheit ist der Widerschein der menschlichen Würde."

Kölner Erzbischof Kardinal Dr. Joachim Meisner (7. Oktober 2007, Die Menschheit richtet sich hier selbst zugrunde. Predigt im schweizerischen Wallfahrtsort Einsiedeln, Kölnische Rundschau)

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"Der Kölner Kardinal Meisner fällt immer wieder auf mit schrulligen Reden über die Verworfenheit von Zeit und Welt. [...]

Als über das Zuwanderungsgesetz beraten wurde, hat ein Politiker vorgeschlagen, Hasspredigern elektronische Fußfesseln anzulegen - als ob da die Füße das Problem wären! Man wünscht sich eher, es gäbe elektronische Mundfesseln; manchmal auch für Politiker und Kardinäle, für Beck [Bundestagsabgeordnete Volker Beck, siehe unten] und für Meisner."

Süddeutschen Zeitung (29.10.2007, Debatte um Kardinal Meisner. Das Schwertlein Gottes. Diskussion)

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"Der Konflikt zwischen Grünen-Politikern und katholischen Würdenträgern findet kein Ende. Der grüne Bundestagsabgeordnete Volker Beck bezeichnete den Kölner Kardinal Joachim Meisner jetzt als „Hassprediger“, wie das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ berichtet." [...]

"In einer Predigt im Schweizer Wallfahrtsort Einsiedeln [Auszug der Predigt siehe oben] hatte Meisner dem Bericht zufolge Anfang Oktober mit Blick auf die zunehmend legalisierten eheähnlichen Gemeinschaften formuliert: Die „sogenannten alternativen Modelle menschlichen sexuellen Zusammenlebens sind aber unwahr, und darum für den Menschen im Kern verderblich. Die Menschheit richtet sich hier selbst zugrunde“.

Beck, der selbst bekennender Homosexueller ist, sagte laut „Spiegel“: „Kardinal Meisner betätigt sich einmal mehr als selbstgerechter Hassprediger, denn er spricht ganzen Gruppen von Menschen die Existenzberechtigung ab.“
Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur stellte er später klar: „Nichts liegt mir ferner, als Herrn Meisner in die Nähe von Terroristen zu rücken.“ Dieser gehöre aber zu den „Menschen, die den rechten Glauben über die Rechte der Menschen stellen“.

Der Erzbistums-Sprecher sagte, Meisner habe mit seiner Predigt niemandem das Existenzrecht abgesprochen. Er habe vielmehr die Bedeutung von Ehe und Familie für die menschliche Gesellschaft unterstrichen. „Dies ist die ureigenste Aufgabe eines katholischen Bischofs.“"

Frankfurter Allgemeine Zeitung F.A.Z. (27. Oktober 2007, Beck nennt Kardinal Meisner „Hassprediger“)

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"Es ist das gute Recht der Grünen, sich kritisch mit der katholischen Kirche und mit Äußerungen ihrer führenden Repräsentanten auseinander zu setzen.
Doch mit der jetzigen Schmutzkampagne ist eine rote Linie überschritten. Mit ihren Beleidigungen und Attacken verletzen die Grünen die Gefühle vieler gläubiger Katholiken." [Hendrik Wüst] [...]

"Das Landgericht Köln sah ebenfalls eine rote Linie durch Beck überschritten ... und untersagte dem Politiker, den Erzbischof als "Hassprediger" zu bezeichnen."

Kölner Stadt-Anzeiger (31.10.2007, Landes-CDU empört über Grüne in NRW. Wüst: "Attacken gegen Meisner beenden", Nr. 253, Seite 7)

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"Grünen-Politiker Beck will Erzbischof Kardinal Joachim Meisner nicht mehr "Hassprediger" nennen. Aber gegen eine Einstweilige Verfügung, die ihm genau dies untersagt, hat er dennoch Klage eingereicht." [...]

"Es handele sich um eine "Frage der Meinungsfreiheit"."

Stern (19. November 2007, Streit um "Hassprediger". Grünen-Politiker Beck klagt gegen Meisner)

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Bundestagsabgeordneter Volker Beck (rechts) und Pfarrer Ulrich Parzany, 2008, idea.de


 

"Wir fordern noch in dieser Legislaturperiode das volle Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Partnerschaften umzusetzen. Wir haben dazu bereits einen Gesetzentwurf in den Bundestag eingebracht."

Volker Beck (7. März 2008, Erster Parlamentarischer Geschäftsführer und menschenrechtspolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, Mitglied des Deutschen Bundestags, Studie untermauert Forderung nach vollem Adoptionsrecht für Lesben und Schwule, Pressemitteilungen: www.volkerbeck.de)

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"Ob die Schwulen und Lesben, die sich ein Kind wünschen, auch die Pubertät des Kindes mit im Auge haben?“ Der das fragt, ist selbst schwul und hat die Pubertät seiner Tochter hautnah erlebt: Herbert K., 48 Jahre, Pfarrer in Hamburg.

Er war verheiratet, hat zwei Töchter, die heute 17 und 23 Jahre alt sind. Vor allem Tina, die Ältere, hat unter der Trennung gelitten. Als sie 14 war, zog sie bei der Mutter aus und beim Vater ein. Herbert lacht dröhnend: „Ein Teenager und ein Mann, der sich selbst sucht – und das unter den Bedingungen des Pfarrhauses!“
Heute leben Herbert und Tina getrennt, für dieses Gespräch sind sie zusammengekommen. Man spürt, dass sie aneinander hängen, aber auch, dass es zwischen ihnen mitunter heftig krachen kann.

In ihrer Pubertät sei sie nur von Schwulen und Lesben umgeben gewesen, sagt Tina: „Mit ganz normalen heterosexuellen Männern konnte ich lange Zeit nur schwer umgehen. Ich wusste nicht, wie sie denken und fühlen.“
Sie erinnert sich an Geburtstagspartys ihres Vaters, auf denen sie „niedergemacht“ wurde und am Ende froh war, als ihre Oma kam – „wenigstens noch ein zweiter heterosexueller Mensch“. Ihr Vater räumt ein: „Man bringt Kinder in eine Außenseiterposition."

DIE ZEIT (31.12.2003, hyxdWenn die Eltern schwul sind , TEIL 8 von Roland Kirbach und Martin Spiewak)

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"Erste Ergebnisse der vom Bundesministerium für Justiz beauftragten Studie zu Kindern in gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften [http://www.ifb.bayern.de/forschung/regenbogen.html] stützten unsere Forderung.
Sie räumt mit dem Vorurteil auf, gleichgeschlechtliche Eltern würden Kindern schaden. Wie die Saarbrücker Zeitung am 5. März 2008 berichtete, liegen entsprechende Zwischenergebnisse eines Forschungsprojekts vor, an dem das Münchner Institut für Frühpädagogik (IFP) beteiligt ist. Bei den befragten Kindern, die in lesbischen oder schwulen Partnerschaften aufwachsen, lassen sich keinerlei Nachteile für die Entwicklung feststellen.

Dieser Befund zeigt erneut, dass nichts gegen ein volles Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Partnerschaften spricht. Vieles spricht im Gegenteil dafür. Wenn zwei Elternteile rechtliche Verantwortung übernehmen wollen, sollte ihnen das im Sinne des Kindeswohls nicht verwehrt werden.

Es ist sehr zu hoffen, dass das Bundesministerium für Justiz, das die Studie in Auftrag gegeben hat, daraus die Konsequenzen zieht. Bisher gibt es für Lesben und Schwule nur die Möglichkeit der Einzeladoption oder der Stiefkindadoption."

Volker Beck (7. März 2008, Erster Parlamentarischer Geschäftsführer und menschenrechtspolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, Mitglied des Deutschen Bundestags, Studie untermauert Forderung nach vollem Adoptionsrecht für Lesben und Schwule,
http://www.volkerbeck.de/cms/index.php?option=com_content&task=view&id=1141&Itemid=1)

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Elisabeth Lingner: ... "Ich persönlich bedauere aber, dass schwule und lesbische Paare nicht die Möglichkeit bekommen, Kinder zu adoptieren."

DS: "Mit Ihrer Meinung sind Sie aber in der Kirche, auch in der evangelischen, in der absoluten Minderheit."

Elisabeth Lingner: "Das ist richtig. Aber das, was heute als Mehrheitsposition gilt, hat sich immer aus einer Minderheitenposition heraus entwickelt.
Denken Sie nur an die Zulassung von Frauen zum Pfarramt, die lange Zeit mit theologischen Argumenten, unter Berufung auf die Bibel, abgelehnt wurde, heute in den evangelischen Landeskirchen Deutschlands aber allgemein akzeptiert ist.
Die Kirche hat sich eben immer erst in der Auseinandersetzung mit Minderheitenpositionen weiterentwickelt."

Senatsdirektorin Elisabeth Lingner (21. Juli 2000, 1991 - 2003 Synodenpräsidentin der nordelbischen evangelischen Landeskirche, Mitglied der Nordelbischen Synode, Mitglied der Kirchenleitung, Mitglieder der 10. Synode der EKD, Kein Schaden für die Ehe, DS - DEUTSCHES ALLGEMEINES SONNTAGSBLATT Nr. 29/2000)

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"Die Kreissynode [Evangelische Kreissynode Dortmund-Nordost] bittet die Abgeordneten des Deutschen Bundestages und des Landtages NRW, sich dafür einzusetzen, dass die gesetzlichen Grundlagen für die gesellschaftliche Gleichberechtigung von Lesben und Schwulen geschaffen werden.

Gleichgeschlechtliche Partnerschaften müssen die gleichen Möglichkeiten zur rechtlichen Ausgestaltung ihrer Lebensgemeinschaften erhalten wie heterosexuelle Paare.

Dazu gehören unter anderem das Adoptionsrecht."
[Adoptionsrechtforderung auch für homosexuelle Männer bezüglich minderjährigen (nicht eigenen) Kindern. Die bisherige Regelung sieht für Deutschland seit 2005 nur die Stiefkindadoption vor.]

Evangelische Kreissynode Dortmund-Nordost (24.Juni 1996. Stellungnahme der Kreissynode Dortmund-Nordost zu Fragen der Homosexualität. Punkt 3: Gesellschaftspolitische Forderungen u. 3.1, http://dortmund.gay-web.de/kreuzundqueer/texte/stellungnahme.shtml)

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KStA: "Sind Sie dafür, dass homosexuelle Paare Kinder adoptieren dürfen?"

Dr. Margot Käßmann: "Ich finde, das sollte sehr individuell beurteilt werden. Schon heute wird vor jeder Adoption sehr genau geprüft, was die Lebensumstände bedeuten."

KStA: "Nicht so verklausuliert heißt das: Sie möchten auf homosexuelle Paare die gleichen Kriterien anlegen wie auf heterosexuelle - und damit im Grundsatz eine Adoption ermöglichen?"

Dr. Margot Käßmann: "Immer dieser Druck von Journalisten zu Bekenntnissen! Eigentlich stört mich das, weil das Thema Homosexualität wie kaum ein anderes emotionalisiert und spaltet. Daher antworte ich salomonisch: Als EKD [Evangelischen Kirche in Deutschland] haben wir dazu noch keine Position. Wir wollen im Herbst darüber reden."

Bischöfin Dr. Margot Käßmann / KStA (29. Juli 2004, Oktober 2009 - Februar 2010 Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischöfin der Ev.-Lutherischen Landeskirche Hannover, Interview - Kölner Stadt-Anzeiger Nr. 175)

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"Als vor ein einhalb Jahren die Pastorin und Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentags Dr. Margot Käßmann [Oktober 2009 - Februar 2010 Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland - EKD] zur neuen hannoverschen Bischöfin gewählt wurde, hörte man ein Aufatmen bei den homosexuellen Christen.

Pastor Hans Jürgen Meyer von der Gruppe Homosexualität und Kirche (HuK) ging sogar soweit, die neue Bischöfin in einem Interview übermütig und zuversichtlich als eine Art „Lichtgestalt" zu bezeichnen."

Roland Bottke (2000, Schwule Pastoren in Hannover ein Problem,
http://heimat.de/gaynews.obsolete/html/schwule_pastoren.html)

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"In ihrer neuen Rolle als Präses der Synode der Evangelischen Kirchen in Deutschland [EKD] forderte Katrin Göring-Eckhard ein volles Adoptionsrecht für Homosexuelle."

DER TAGESSPIEGEL (7.6.2009, Streit um Adoptionsrecht, www.tagesspiegel.de)

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Wolfgang Huber u. Katrin Göring-Eckhardt, Präses der Synode der EKD


 

"Bruch in der evangelischen Kirche" [DIE WELT]

"Die Differenzen in der evangelischen Kirche über die Segnung homosexueller Lebensgemeinschaften [http://de.wikipedia.org/wiki/Segnung_gleichgeschlechtlicher_Paare] führen zu einem offenen Bruch zwischen dem landeskirchlich organisierten Protestantismus und pietistischen, streng biblisch orientierten Gruppen, die sich mit den umstrittenen Beschlüssen mehrerer Landessynoden nicht abfinden wollen." [...]

"Ausgelöst wurde diese scharfe Konfrontation durch Entscheidungen der Synoden von Berlin-Brandenburg, Hessen-Nassau, Nordelbien, Rheinland und der Pfalz für Segnungshandlungen beziehungsweise „gottesdienstliche Begleitungen“ von homosexuellen Paaren.

Die evangelikalen Gruppen lehnen diese Beschlüsse als „ungültig“ ab – nicht aus ethischen Gründen, sondern aus einem anderen Bibelverständnis heraus. Sie argumentieren, die Heilige Schrift und die Bekenntnisse der reformatorischen Kirchen legitimierten ausschließlich die Ehe von Mann und Frau als menschliche Paarbeziehung. Homosexuelle Praxis sei nach der Bibel Sünde und Unzucht.

„Kirchliche Verlautbarungen, die eine Vereinbarkeit von christlichem Glauben und Unzucht behaupten, sind theologisch unhaltbar und seelsorgerisch verantwortungslos“, halten die „bekenntnistreuen“ Verbände den Kirchenleitungen vor. „Solche Verlautbarungen versperren den Weg zur Umkehr." [...]

"Die Unruhe in den Gemeinden ist längst auch ein Thema im Rat der EKD, der höchsten Repräsentanz des landeskirchlichen Protestantismus in Deutschland. Bei der jüngsten Ratssitzung im bayerischen Tutzing richtete sich der Unmut der Mehrheit vor allem gegen den Alleingang der Verantwortlichen in Berlin-Brandenburg, Hessen-Nassau und der Pfalz.

Die Kirchenleitungen und Synodalen dieser drei Landeskirchen hatten sich nicht an die Verabredung im EKD-Rat gehalten, ein möglichst gemeinsames Vorgehen anzustreben. Das Pikante daran: Der Bischof von Berlin-Brandenburg, Wolfgang Huber, ist Mitglied des Rates.

„Was sind Ratsbeschlüsse wert, wenn sie nicht einmal von den daran Beteiligten eingehalten werden“, wird Huber angekreidet.
Selbst der eher zurückhaltend agierende Präses der EKD-Synode, der frühere Bundesminister Jürgen Schmude (SPD), fand Worte der Kritik. Bischof Huber, so verlautete aus dem Gremium, sei wegen der Berliner Position ziemlich isoliert – ein bemerkenswerter Vorgang, galt Huber doch lange Zeit als aussichtsreicher Anwärter auf den Stuhl des EKD-Ratsvorsitzenden, den Präses Manfred Kock Ende dieses Jahres verlässt."

 DIE WELT (10. Feb 2003, Gernot Facius, Bruch in der evangelischen Kirche)

Diskussion


"Die Nordelbische Evangelisch-Lutherische Kirche [eine von 23 Gliedkirchen (Landeskirchen) der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD] steht vor einer neuen Belastungsprobe zwischen konservativen und liberalen Kräften.
Auslöser des Konflikts ist die Kandidatur des Altonaer Propstes Horst Gorski für das Amt des Schleswiger Bischofs. ... Die Evangelische Nachrichtenagentur "idea" bezeichnet den 51-jährigen Gorski, wenn er denn gewählt würde, als "weltweit ersten schwulen lutherischen Bischof". ... Der promovierte Theologe Gorski ist seit 1999 Propst im Kirchenkreis Altona. ...

Kritik bei den konservativen Christen löste auch eine Karfreitagspredigt von Gorski aus, die er im Internet veröffentlicht hat. Darin heißt es: "Der Tod Jesu war nicht notwendig, damit Gott sich mit uns versöhnt und uns vergibt. Diese Behauptung einer solchen Notwendigkeit ist eines der größten Missverständnisse der christlichen Geschichte." [vgl. Sühnopfer]

DIE WELT (24. Mai 2008, Edgar S. Hasse, Streit über schwulen Bischofs-Kandidaten)

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"Wenn die Kirche einen „Homo-Bischof“ [Propst Dr. Horst Gorski, siehe oben] an ihre Spitze setze, höre sie auf, eine evangelisch-lutherische Kirche zu sein, deren Grundlage und Maßstab die Bibel sei, heißt es in einer Stellungnahme [Lutherischer Konvent im Rheinland http://de.wikipedia.org/wiki/ Lutherischer_Konvent_im_Rheinland].
Der Lutherische Konvent weist darauf hin, dass im Alten wie im Neuen Testament Homosexualität ausdrücklich als Sünde und Gottes Schöpferwillen widersprechend abgelehnt werde Der Bischofskandidat nenne jedoch das, was dem Herrn ein „Greuel“ sei, „gut so“. Damit sei für alle bibeltreuen Christen die Grenze des Erträglichen überschritten.

Es gehe jetzt um eine Bekenntnisfrage („status confessionis“) [Der in der evangelisch-lutherischen Kirche fest geschriebene Bekenntnisstand oder Bekenntnisnotstand (status confessionis), der gegeben ist, wenn die Kirchenoberen sich vom lutherischen Bekenntnis – festgehalten im Augsburger Bekenntnis – entfernen.]. Bei einer Wahl Gorskis drohe die Einheit der Landeskirche und die Gemeinschaft des Lutherischen Weltbundes zu zerbrechen, wie es bei der anglikanischen Weltkirche bereits der Fall sei. Denn ein Homo-Bischof würde nicht nur den Austritt einzelner Christen, sondern ganzer Gemeinden aus der Landeskirche zur Folge haben, so der Konvent.

Dieser kritisiert ferner, dass Gorski den Sühnetod Christi in Frage gestellt habe. Dies widerspreche den Artikeln 3 und 4 des Augsburger Bekenntnisses, der wichtigsten Lutherischen Bekenntnisschrift." [...]

"Der zweite Kandidat für das Bischofsamt, Propst Gerhard Ulrich, hat unterdessen die Kritik an seinem Mitbewerber wegen dessen theologischer Aussagen und seiner Homosexualität als nicht akzeptabel zurückgewiesen.
Ulrich verwies auf die Erklärung der Nordelbischen Synode mit dem Titel „Ehe, Familie und andere Lebensformen“, die nach jahrelangen Auseinandersetzungen im Jahr 2000 verabschiedet worden war. Darin werde die Diskriminierung homosexueller Menschen strikt abgelehnt. Auch die Kirchengewerkschaft VKM Nordelbien mit Sitz in Kiel hat die Angriffe auf Gorski als „unwürdig“ kritisiert."

idea (26.06.08, Lutherischer Konvent: Keinen „Homo-Bischof“ wählen, www.idea.de)

Diskussion


"Horst Gorski hat es diesmal nicht ins Bischofs-Amt geschafft. Propst Horst Gorski ist bei der Wahl zum Bischof von Nordelbien seinem Gegenkandidaten Gerhard Ulrich unterlegen. ...

Vor der Wahl hatten konservative Kräfte innerhalb der evangelischen Kirche gegen Gorski wegen dessen Sexualität und liberaler Ansichten Stimmung gemacht. So kritisierte während des Wahlkampfes die "Kirchliche Sammlung um Bibel und Bekenntnis" offen den "Lebensstil" des 51-jährigen Kandidaten (queer.de berichtete).
Dass diese Kritik zur Niederlage beigetragen hat, wird vom Synodenpräsidium abgestritten. Offene Homosexualität sei kein Hindernis für ein leitendes geistliches Amt. Nach der Wahl erklärte auch Gorski, seine Homosexualität habe bei der Wahl keine Rolle gespielt. Die gleiche Ansicht äußerte die Hamburger Bischöfin Maria Jepsen, die Gorskis Kandidatur unterstützt hatte."

queer (14.07.2008, Bischofswahl: Schwuler Kandidat unterlegen, www.queer.de)

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Propst Dr. Horst Gorski, 2008, www.welt.de

 


"Wird die anglikanische Weltgemeinschaft ... auseinander brechen? Die US-amerikanische Episkopalkirche ... hatte vor vier Jahren durch die Weihe des schwulen Bischofs Gene Robinson die rund 70 Millionen Kirchenmitglieder umfassende Weltgemeinschaft in die Zerreißprobe geführt. Die wachsenden Kirchen im Süden lehnen aus theologischen Gründen die Segnung und Weihe von Homosexuellen ab. 1998 hatte die letzte Weltbischofskonferenz erklärt, praktizierte Homosexualität stehe im Widerspruch zur Bibel und zur Kirchenlehre." [...]

"Erzbischof Akinola – Oberhaupt der rasch wachsenden, 20 Millionen Mitglieder zählenden Kirche von Nigeria – beklagt, dass die US-amerikanische Kirche nicht auf die Bitten der Leiter der 38 Kirchenprovinzen eingehe, ihre Homo-Politik zu stoppen.
Die Kirchen des Südens ließen sich nicht länger vom Westen „an der Nase herumführen“. Das grundlegende Problem liege im Bibelverständnis.

„Wir sagen nur: Feiert doch nicht das, was die Bibel für falsch hält“, so Akinola. Wenn die westlichen Kirchen die Heilige Schrift nach eigenem Geschmack auslegen wollten, dann – so Akinola – „wohlan, aber nicht mit uns“."

idea (05.07.2007, Zerbricht die anglikanische Weltgemeinschaft?, www.idea.de)

Diskussion


"Mit einem Gebet zu „Gott unserer zahlreichen Verständnisse“ hat der erste bekennende schwule Bischof der USA, V. Gene Robinson (Concord/Bundesstaat New Hampshire), den religiösen Reigen zur Amtseinführung von Präsident Barack Obama eröffnet. [...] Der Gebetsgottesdienst in der Nationalen Kathedrale von Washington am Tag nach Obamas Amtseinführung wird zu einer interreligiösen Veranstaltung."

idea (19.01.09, Schwuler Bischof betet zu „Gott unserer zahlreichen Verständnisse“, www.idea.de)

Diskussion


"Der Streit in der anglikanischen Weltgemeinschaft hat sich weiter verschärft. Der theologisch konservative Flügel hat Ende Juni eigene Strukturen beschlossen, darunter die Einsetzung eines Bischofsrates als Gegenstück zu der am 16. Juli im südenglischen Canterbury beginnenden Weltbischofskonferenz, der so genannten Lambeth-Konferenz.

Dies ist das Ergebnis einer einwöchigen Zukunftskonferenz GAFCON in Jerusalem, an der rund 1.000 konservative Geistliche vor allem aus der Dritten Welt teilnahmen, darunter fast 300 Bischöfe. Sie repräsentieren etwa die Hälfte der weltweit rund 70 Millionen Anglikaner.

Wichtigster Streitpunkt ist der Umgang mit Homosexualität. Obwohl die letzte Weltbischofskonferenz 1998 festgestellt hatte, dass praktizierte Homosexualität mit der Bibel und der Kirchenlehre unvereinbar sei, weihte die anglikanische Episkopalkirche in den USA im Jahr 2003 den in einer schwulen Partnerschaft lebenden Geistlichen Gene Robinson zum Bischof.
Die kanadischen Anglikaner beschlossen, gleichgeschlechtliche Partnerschaften zu segnen. Die evangelikalen Anglikaner sehen darin einen klaren Verstoß gegen die Bibel und die Kirchengemeinschaft. Ihrer Ansicht nach wird „unter dem Einfluss von militantem Säkularismus und Pluralismus“ das Zeugnis der Kirche insgesamt gefährlich geschwächt. …

Nach Ansicht von Beobachtern werden die GAFCON-Teilnehmer Mühe haben, deutlich zu machen, dass ihre Entscheidungen keine Kirchenspaltung bedeuten. In der kirchlichen Wirklichkeit laufe es nämlich darauf hinaus.
Inzwischen unterstützten rund 800 englische Geistliche und führende Laien der anglikanischen „Kirche von England“ die „Jerusalemer Erklärung“. Dies werten Beobachter als ersten Schritt auf dem Weg zu einer „Kirche in der Kirche“. Eine förmliche Spaltung der „Kirche von England“ könne es allerdings nicht geben, da sie als Staatskirche der Autorität der englischen Königin untersteht. Die Kirche hat rund 25 Millionen Mitglieder."

idea (2.07.2008, Konservative bilden eigene Strukturen, www.idea.de)

Diskussion


"Theologisch konservative Anglikaner in den USA und Kanada haben ihre Kirchenprovinzen verlassen und eine eigene Kirche gegründet. Bei einer Versammlung in Bedford (US-Bundesstaat Texas) beschlossen die Vertreter der neuen „Anglikanischen Kirche in Nordamerika“ eine Kirchenverfassung und die Einsetzung eines Erzbischofs.

Dieses Amt übernimmt der Bischof von Pittsburgh, Robert Duncan. Zu seiner Amtseinführung am 24. Juni werden Bischöfe aus Südamerika, Afrika und Asien erwartet. Die neue Kirche zählt rund 700 Gemeinden mit etwa 100.000 Mitgliedern.
Offizielle anglikanische Kirchenprovinz in den USA ist die Episkopalkirche, die 110 Diözesen mit 2,1 Millionen Mitgliedern umfasst.

Das Zerwürfnis begann, als die Episkopalkirche im Jahr 2003 den in einer schwulen Partnerschaft lebenden Geistlichen Gene Robinson zum Bischof von New Hampshire weihte. Eine kanadische Diözese genehmigte zudem die Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften.
Dies wird von den Konservativen als Verstoß gegen die Bibel und gegen Kirchenbeschlüsse angesehen. 1998 stellte die Weltbischofskonferenz fest, dass praktizierte Homosexualität mit der Bibel und der Kirchenlehre unvereinbar sei."

idea (23. Juni 2009, Nordamerika: Konservative Anglikaner gründen eigene Kirche, www.idea.de)

Diskussion


"Als einen gravierenden Rückschritt für die Ökumene hat der braunschweigische Landesbischof Friedrich Weber (Wolfenbüttel), das Angebot des Vatikans bezeichnet, theologisch konservativen Anglikanern den Übertritt zu erleichtern.

Gegner der Frauenordination sowie der Weihe homosexueller Geistlicher und Bischöfe könnten innerhalb der katholischen Kirche eigene Sonderdiözesen bilden und Teile ihrer Liturgie und Tradition bewahren. Eine entsprechende „Apostolische Konstitution“ – eine Art päpstlicher Erlass – ist am 20. Oktober gleichzeitig im Vatikan und in London angekündigt worden.

Das geistliche Oberhaupt der rund 70 Millionen Anglikaner, Erzbischof Rowan Williams (London), sagte, es wäre aus seiner Sicht „ein ernsthafter Fehler“, den Schritt als Reaktion auf die Schwierigkeiten innerhalb der anglikanischen Weltgemeinschaft zu betrachten. Dieser droht die Spaltung wegen der Weihe von Homosexuellen zu Priestern und Bischöfen in einigen westlichen Kirchen.

Landesbischof Weber erklärte am 24. Oktober vor Journalisten in Ulm, man müsse prüfen, was der Schritt des Vatikans für die Beziehungen zwischen der anglikanischen Kirche von England und der EKD bedeute. Weber ist deutscher Mitvorsitzender der Meißen-Kommission, die für die Beziehungen der EKD zur Kirche von England zuständig ist. Außerdem ist er im Ehrenamt Ökumenischer Kanonikus (Domkapitular) der nordenglischen Diözese Blackburn."

idea (24. Oktober 2009; Gravierender Rückschritt für die Ökumene,www.idea.de)

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Dr. Friedrich Weber, Landesbischof d. Ev.-Luth. Landeskirche in Braunschweig

 


"Ist das nun das Ende der Kompromisse? Ist der Punkt erreicht, an dem auch die Evangelische Kirche in Deutschland dem Vormarsch der rot-grünen Koalition, gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften der grundgesetzlich geschützten Ehe gleichzustellen, ihr Nein entgegensetzt, so wie es die katholische Kirche von Anfang an getan hat? …
Die hamburgische Bischöfin Maria Jepsen dagegen begrüßte dagegen den Vorstoß der Regierungskoalition, homosexuellen Paaren schon ab dem nächsten Jahr die so genannte Stiefkindadoption zu ermöglichen, und kündigte damit einen achtjährigen Konsens auf. …

Es ist höchste Zeit, dass die evangelische Kirche klar argumentiert und votiert. In den Kirchenleitungen und Synoden fühlt man sich schon lange nicht mehr wohl mit der bisherigen Politik der Halbheiten und Kompromisse seit der Orientierungshilfe des Rats der EKD „Mit Spannungen leben“ von 1996.
Was als „Orientierungshilfe“ gedacht war, führte zur Desorientierung, da hier das Nein der Bibel zur praktizierten Homosexualität zwar bestätigt wurde, gleichzeitig aber homosexuelle „Lebenspartnerschaften“ (ohne gottesdienstliche „Segnung“) faktisch anerkannt wurden in der Hoffnung, dadurch zu einem Ehe-analogen Sexualethos zu verhelfen. …

In neun der 23 Landeskirchen wurde die Segnungsmöglichkeit beschlossen, in vieren abgelehnt, in acht berät man noch.
Widerspruch kommt nicht von finsteren fundamentalistischen Fanatikern, sondern aus der Mitte der Gemeinden. Auch distanzierte Kirchenmitglieder verstehen ihre Kirche nicht mehr.

Zum Widerspruch kommt der Widerstand, der sich in Dissenserklärungen und in Netzwerken bekennender Christen zu organisieren beginnt. Der Konflikt löst eine zentrifugale Bewegung aus: weg von der „Amtskirche“ hin zu autonomen „Richtungsgemeinden“ oder „Gemeinschaftsgemeinden“. …

Warum eigentlich stößt ein solches Minderheitenthema auf so breite Resonanz in kirchlichen Gremien? Ist es ein schlechtes Gewissen? Es ist ein hehres Motiv, sich gegenüber Diskriminierten als offen und tolerant zu erweisen, ihnen Raum zu geben in der Gemeinschaft der Christen. Fordert doch das Liebesgebot des Neuen Testaments, sich gerade den Ausgegrenzten zuzuwenden.
Die lästigen Hindernisse in einschlägigen biblischen Texten lassen sich ja durch spezielle Interpretationskünstler wie Landminen aus dem Wege räumen.

Und nun die Enttäuschung: Nur die Minderheit einer Minderheit, oft an einer Hand abzuzählen, wählt den Weg der Segnung. Die herrischen Forderungen aber gehen weiter. Gibt es bald ein Antidiskriminierungsgesetz, das denen den Mund verbietet, die ein kritisches Wort wagen? …

Dabei könnte entdeckt werden, dass das einzige „Wissenschaftliche“ an der Bewegung die in der Tat erfolgreichen Marketing und Überredungsmethoden sind, mit denen die Öffentlichkeit seit Jahren manipuliert wird: durch beständigen moralischen Druck, langsame Gewöhnung an das bisher Undenkbare, gezielte Desinformation, semantische Täuschungen, die von Ehe, Familie und Paar sprechen, wo es sich in Wirklichkeit um etwas anderes handelt.
Die Gegner aber werden als „Heterosexisten“ und als „homophobe“ Psychopathen diagnostiziert, als Spießer und Ewiggestrige verächtlich gemacht. Auch konkret betroffene Menschen fühlen sich zunehmend durch diese Bewegung politisch missbraucht. …

Vor allem aber: Die Botschaft der Bibel besteht nicht nur darin, dem Menschen zu versichern, dass er, so wie er ist, von Gott angenommen sei, und die Pflicht des Christen sei deshalb die allseitige und blinde Toleranz.
Die Bibel spricht von der Sorge und vom Kampf des Schöpfers um sein in Not geratenes Geschöpf, von der Liebe, die den Tod auf sich nimmt, um das geliebte Kind zu retten. Christliche Religion ist Erlösungsreligion, die um Schuld- und Todverfallenheit des Menschen weiß.
Sie ist intolerant gegenüber den Mächten, die den Menschen zerstören. Die Kirche wird dann erkennen, dass sie den homosexuell Empfindenden etwas anderes schuldet als Segnung und Anerkennung, nämlich helfende, sachkundige Seelsorge, die allerdings nicht so billig zu haben ist.

Es war schon von Anfang an die große Versuchung der protestantischen Kirchen, die eigene Existenz durch Anpassung an die Tendenzen des Zeitgeistes zu sichern. Sie wird den Menschen aber nur dann gerecht und von Nutzen sein, wenn sie sich dem verweigert, ihr eigenes unverwechselbares Profil zeigt und die im christlichen Erbe enthaltenen Kräfte der Heilung und der Hoffnung mobilisiert."

Kirchenrat Hans Lachenmann (16.07.2004, Halbheiten und Kompromisse, Rheinischer Merkur, Katholischer Mediendienst - http://kath.ch/mediendienst)

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Stephanie zu Guttenberg, 2010, www.welt.de

 


"„Der schlimmste Missbrauch geschieht noch immer in den Kinderzimmern“, sagt Guttenberg. Jedes fünfte Mädchen und jeder neunte Junge werden sexuell belästigt. Täter sei meist eine Vertrauensperson. Onkel. Lehrer. Vater. Manchmal auch die Mutter.

„Im Schnitt muss sich ein missbrauchtes Kind an acht Erwachsene wenden, bevor es erhört wird. Das sind sieben zu viel.“ "

Stephanie zu Guttenberg / DIE WELT (16. September 2010, Stephanie zu Guttenberg schockiert mit der Realität, www.welt.de)

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"In Deutschland melden sich immer mehr Opfer sexueller Übergriffe von Geistlichen. Mittlerweile haben die katholischen Bistümer mehr als 250 Verdachtsfälle von Berlin bis Regensburg registriert. SPIEGEL ONLINE dokumentiert die angezeigten Taten.

Hamburg - Mit dem Canisius-Kolleg in Berlin hat alles begonnen. Der Rektor des von Jesuiten geführten Elitegymnasiums, Pater Klaus Mertes, wendete sich damals per Brief an potentielle Missbrauchsopfer aus den siebziger und achtziger Jahren. Diese sollten sich bitte offenbaren.

Seitdem haben sich 61 frühere Schüler des Canisius-Kollegs gemeldet. Und nicht nur dort. Die 27 deutschen Bistümer berichten von mehr als 250 Verdachtsfällen, die sie inzwischen registriert haben. Die vom Jesuitenorden beauftragte Anwältin Ursula Raue kennt mittlerweile schon rund 160 Verdachtsfälle allein in Einrichtungen des Ordens. Vielerorts werden jetzt auch alte Akten neu durchgearbeitet. In vielen Fällen haben sich Opfer unter dem Siegel der Verschwiegenheit an die Kirchenleitung gewandt.

Probleme bereiten anonyme Beschuldigungen und Spekulationen - diese ließen sich kaum aufklären und schafften ein Klima des Misstrauens, hieß es. Meist geht es allerdings um strafrechtlich längst verjährte Taten aus den fünfziger bis achtziger Jahren.

Doch auch die Zahl der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahren gegen Geistliche steigt stetig. Nach einer SPIEGEL-Umfrage unter allen 24 deutschen Generalstaatsanwaltschaften, an der sich 15 beteiligten, wird derzeit gegen mindestens 14 Priester wegen des Verdachts auf sexuellen Missbrauch ermittelt. Hinzu kommen Verfahren gegen elf weltliche Lehrer und Erzieher.

Der Papst hat sich zu den deutschen Vorfällen noch nicht explizit geäußert. An diesem Samstag entschuldigt er sich allerdings in einem Hirtenbrief an die irischen Katholiken bei den Opfern sexueller Gewalt. Er fühle Scham und Reue, heißt es in Schreiben.

Die Deutsche Presse-Agentur hat eine Umfrage unter den deutschen Bistümern gemacht - SPIEGEL ONLINE dokumentiert die dabei zutage gekommenen 250 Verdachtsfälle:

Berlin: Zwei Patres sollen in den siebziger und achtziger Jahren Schüler des Canisius-Kollegs missbraucht haben. 61 Opfer haben sich bisher gemeldet.

Rottenburg-Stuttgart: 14 Geistliche sind unter Verdacht. Sieben Priester der Diözese, von denen vier bereits tot sind, und sieben Ordenspriester. Ein ehemaliger Pfarrer in der Pius-Pflege in Oggelsbeuren ist dement und kann nicht mehr vernommen werden.

Freiburg: Das Erzbistum weist Vertuschungsvorwürfe gegen den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, zurück. Während seiner Tätigkeit als Personalreferent in der Erzdiözese soll er nach Recherchen der TV-Sendung "Report Mainz" und der "Badischen Zeitung" 1991 einen Pfarrer, der mindestens 17 Kinder und Jugendliche missbraucht haben soll, lediglich in den vorzeitigen Ruhestand versetzt haben. 1995 nahm sich der Priester das Leben.

Regensburg: Zwei bereits vor langer Zeit gestorbene Priester sollen sich sich an Schülern des Domspatzen-Internats vergriffen haben. Ein ehemaliger Gymnasiast aus einer von Benediktinern betriebenen Schule in Metten beschuldigt einen Mönch des Missbrauchs. Das Bistum will am Montag einen Zwischenbericht geben.

München und Freising: Man nennt keine Zahlen. Bekannt wurden Fälle im Benediktinerkloster Ettal und von der Erzabtei St. Ottilien der Missionsbenediktiner. Zudem gibt es noch den Fall des vorbelasteten Pfarrers aus dem Bistum Essen, der unter dem Münchner Erzbischof Joseph Ratzinger und heutigen Papst Benedikt XVI. eine zweite Chance bekam. Der Priester wurde vor wenigen Tagen suspendiert, weil er sich nicht an die Auflage gehalten hatte, nach einer früheren Verurteilung nicht mehr mit Jugendlichen zu arbeiten. Nach SPIEGEL-Informationen wurde Ratzinger in seiner Zeit als Erzbischof 1980 besser über den Fall des Kinderschänders informiert als bislang bekannt. In einem Übergabebrief des Bistums Essen an die von Ratzinger damals geleitete Erzdiözese hatte klar erkennbar gestanden, dass Kaplan Peter H. sich sexuell an Kindern seiner Gemeinde vergriffen hätte. So erklärte es das Bistum Essen vorige Woche gegenüber dem SPIEGEL. Man habe München nicht im Unklaren gelassen, was für ein Problemfall da komme.

Passau: Ein Kapuzinermönch soll sich Mitte der achtziger Jahre als Direktor eines ehemaligen Studienseminars in Burghausen an mehreren Seminaristen vergangen haben.

Eichstätt: Ein Priester wurde im Landkreis Ansbach suspendiert, weil er 1971 als studentische Hilfskraft im Internat der Regensburger Domspatzen einen Minderjährigen sexuell missbraucht haben soll.

Bamberg: Im Internat Aufseesianum in Bamberg soll es zu sexuellen Übergriffen gekommen sein. Die beiden Beschuldigten sind gestorben.

Augsburg: Im Maristen-Internat in Mindelheim soll sich ein Erzieher an mindestens 10 bis 15 Jungen vergangen haben. Ein Bruder der Gemeinschaft wurde 2007 nach langjähriger Tätigkeit als Internatsleiter von seiner Aufgabe entbunden, ohne dass die Eltern der Schüler über den wahren Grund informiert wurden. Er wurde wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt. Vorwürfe betreffen auch ein ehemaliges Heim der Salesianer Don Boscos in Augsburg. Zudem hat sich ein Priester elf Jahre nach einem möglichen Missbrauchsfall auf Druck des Bistums selbst angezeigt.

Würzburg: Zwei Priester wurden beurlaubt. Einer von ihnen ist ein Franziskaner-Minorit, der in den siebziger Jahren in einem Bonner Internat des Ordens Kinder unsittlich berührt haben soll. Zugleich gibt es Beschuldigungen gegen den 76-Jährigen aus seiner Zeit in Würzburg, wo er seit dem Ende der siebziger Jahre lebt. Mehrere weitere Vorwürfe, dass Kinder in anderen katholischen Einrichtungen sexuell missbraucht worden seien, werden derzeit überprüft.

Fulda: Mindestens sechs Fälle soll es geben. Das Bistum will sich nicht dazu äußern. Es entschuldigte sich dafür, dass ein Priester in Großenlüder nach seinen Taten um das Jahr 1990 herum lediglich versetzt worden war. Anschließend soll er sich weiter an Kindern vergangen haben. 1995 wurde er wegen sexuellen Missbrauchs in zehn Fällen zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt.

Limburg: Zehn erhärtete Verdachtsfälle. Mitte Februar wurde ein Priester suspendiert. Er hat gestanden, dass er in den neunziger Jahren im Westerwald sexuelle Kontakte zu Jungen hatte. Die Staatsanwaltschaft Koblenz stellte das Verfahren wegen Verjährung ein. Der Priester soll zuletzt Seelsorger an zwei katholischen Schulen in Königstein im Taunus gewesen sein. Im Fall eines bereits 2007 entlassenen Kirchenmitarbeiters ermittelt die Staatsanwaltschaft Frankfurt.

Mainz: In einem Knabenkonvikt in Bensheim sollen Schüler von einem Sozialarbeiter, der das Internat von 1973 bis 1979 leitete, misshandelt worden sein. Drei Opfer haben sich gemeldet. Vom mutmaßlichen Täter fehlt jede Spur.

Speyer: Zwei Patres der Hiltruper Missionare haben sich wegen Missbrauchs am Gymnasium Johanneum in Homburg selbst angezeigt. Sie wurden aller Ämter enthoben. In zwei älteren Fällen sind die Täter schon gestorben. Ein Franziskanerpater zeigte sich nach Belästigungsvorwürfen von Messdienern im Dezember 2009 selbst an. Die Staatsanwaltschaft Landau hat die Ermittlungen gegen ihn eingestellt. Das kirchliche Untersuchungsverfahren läuft noch. Ein Gemeindepfarrer soll einen Jungen in den sechziger Jahren sexuell missbraucht haben.

Trier: Das Bistum macht keine Angaben. Am 29. März will man einen Zwischenbericht vorlegen. Die Staatsanwaltschaft Koblenz stellte am Donnerstag ein Verfahren gegen einen katholischen Priester und ehemaligen Religionslehrer wegen Verjährung der Taten ein. Er gab zu, im Zeitraum von 1985 bis 1987 drei 17- und 18-jährige Schüler missbraucht zu haben.

Köln: Die Bonner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Hausmeister einer Pfarrgemeinde. Der Mann wurde vom Dienst suspendiert und hat Hausverbot. Die sexuellen Übergriffe am Bonner Aloisius-Kolleg werden nicht vom Erzbistum aufgearbeitet, sondern vom Jesuitenorden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt in einem nicht verjährten Fall gegen einen Pater, der inzwischen in einem Pflegeheim lebt.

Aachen: Im katholischen Internat und Gymnasium Haus Overbach sollen Ordensleute, die als Lehrer arbeiteten, in den fünfziger Jahren drei Kinder missbraucht haben. Unter Verdacht steht auch ein Priester wegen sexuellen Missbrauchs vor 20 Jahren. Die Klärung einer Reihe weiterer möglicher Fälle steht erst am Anfang.

Münster: 50 frühe Fälle werden geprüft. Betroffen sind 15 Beschuldigte, von denen die meisten schon gestorben sind. Mehrere Missbrauchsvorwürfe aus jüngerer Zeit sind bereits aufgearbeitet: Von 13 Beschuldigten, die sich von 2002 bis 2010 an Kindern vergangen haben sollen, wurde fünf "nicht angemessenes Verhalten" attestiert. Ihre Akten liegen bei der Staatsanwaltschaft, sie wurden vom Dienst suspendiert. Im niedersächsischen Teil des Bistums werden sieben Verdachtsfälle zwischen 1930 und 1980 geprüft.

Essen: Weit mehr als ein Dutzend älterer Menschen rief an, die sich als Opfer sexueller Übergriffe von Geistlichen fühlen. Genaue Zahlen will das Bistum erst nennen, wenn die Fälle eingeordnet werden können.

Paderborn: Der Leiter des Erzbischöflichen Internats für Jungen "Collegium Aloysianum" in Werl soll sich an zwei ehemaligen Schülern vergangen haben.

Hildesheim: Es gibt Vorwürfe gegen vier Geistliche. Zwei von ihnen sind als Jesuitenpater in den Skandal am Berliner Canisius-Kolleg verwickelt. Ein beschuldigter Priester ist im Ruhestand. Ein Pfarrer in Wolfsburg wurde vom Dienst suspendiert. Weitere Vorwürfe betreffen eine vom Bistum nicht benannte Zahl bereits gestorbener Geistlicher. Die Zahl der Opfer liegt bei weit mehr als einem Dutzend.

Osnabrück: In einer früheren Internatsschule der Maristen in Meppen soll es Ende der sechziger Jahre zu sexuellen Übergriffen auf Minderjährige gekommen sein. Die Staatsanwaltschaft stellte Ermittlungen gegen einen Ordensmann wegen Verjährung ein.

Hamburg: Zwei Verdachtsfälle wurden an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet. Zuvor hatten sich vier ehemalige Schüler der Sankt-Ansgar-Schule gemeldet.

In den Bistümern Dresden-Meißen, Görlitz, Erfurt und Magdeburg sind nach eigener Auskunft keine Fälle bekannt."

DER SPIEGEL (20. März 2010, Missbrauch in der katholischen Kirche, Liste des Schreckens, sef/dpa, www.spiegel.de)

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Bischof Dr. Stephan Ackermann, 2010, www.spiegel.de

 


"Der Trierer Bischof Stephan Ackermann: "Wir werden uns nicht verstecken"

Die deutschen Bischofskonferenz hat ihre Leitlinien zum Umgang mit sexuellem Missbrauch verschärft. Die katholische Kirche will künftig bei jedem entsprechenden Verdacht die Staatsanwaltschaft einschalten. Einzige mögliche Ausnahme: wenn das Opfer dem widerspricht. [...]

Ackermann, der Sonderbeauftragter der Bischofskonferenz für die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle ist, sagte, nach wie vor werde es auch ein kirchliches Untersuchungsverfahren zu Verdachtsfällen von sexuellem Missbrauch geben.
Deutlicher als in den ursprünglichen Leitlinien aus dem Jahr 2002 wolle die Bischofskonferenz aber hervorheben, dass die kirchliche Untersuchung die staatliche Ermittlung nicht behindern dürfe. "Das kirchenrechtliche Verfahren ist in keiner Weise vorgeordnet."

Die Einschaltung der Strafverfolgungsbehörden sei ein zentraler Punkt der überarbeiteten Leitlinien, erklärte Ackermann. Auch falls ein Opfer die Einschaltung der Ermittler ablehne, sollten diese in jedem Fall informiert werden, wenn weitere mutmaßliche Opfer ein Interesse an einer Strafverfolgung haben könnten."

DER SPIEGEL (31.08.2010, Katholische Bischofskonferenz: Kirche zeigt Missbrauch schneller an, jjc/AFP/dpa, www.spiegel.de)

Diskussion

 

2002, Petersdom Rom, links: Dr. Joseph Alois Ratzinger (seit 2005 Papst Benedikt XVI.)
rechts: Dr. Karol Józef Wojtyła (1920 - 2005) (1978 - 2005 Papst Johannes Paul II.)

 


"Am Montag hatte sich in der Sala Clementina im Apostolischen Palast alles versammelt, was Rang und Namen hat. In seiner Weihnachtsansprache wandte sich Papst Benedikt XVI. mit einem persönlichen Gruß an die Kardinäle, Bischöfe und Prälaten, kurzum - an seine ganze "Familie".

Und eben diese Keimzelle allen Lebens war dann auch das zentrale Thema des Vortrags. "Es ist keine überkommene Metaphysik, wenn die Kirche von der Natur des Menschen als Mann und Frau spricht und fordert, dass diese Schöpfung auch respektiert wird."
Die lebenslange Verbindung von Mann und Frau sei ein "Sakrament der Schöpfung", erklärte der Papst - und erteilte damit jeder anderen Form des ehelichen Zusammenlebens, also vor allem der Homo-Ehe, eine Absage.

Nur allzu oft verstecke sich hinter der sogenannten Geschlechterdiskussion lediglich die Emanzipation des Menschen von Gottes Schöpfung. "Aber auf diese Weise lebt er gegen die Wahrheit und den Geist des Herrn", so der Papst.
"Nicht der Mensch entscheidet, nur Gott entscheidet, wer Mann und wer Frau ist."

Die Menschheit solle auf "die Stimme der Schöpfung" hören, um die vorgegebenen Rollen von Mann und Frau zu verstehen. Alles andere käme "einer Selbstzerstörung des Menschen und der Zerstörung von Gottes Werk selbst" gleich. [...]

Papst Benedikt XVI. hat mit seiner Ansprache zum Jahresende, in der er sich gegen Geschlechtsumwandlungen und die Homo-Ehe wandte, scharfe Kritik ausgelöst.
Der Grünen-Parlamentarier Volker Beck sprach von "hetzerischen Worten". Die Papst-Kritikerin Uta Ranke-Heinemann bezeichnete die Rede des katholischen Kirchenoberhauptes als "Drohbotschaft gegen die Homosexuellen". Sie dürfe "nicht unwidersprochen bleiben", sagte Ranke-Heinemann."

DER SPIEGEL (23. Dezember 2008, BENEDIKT XVI. Papst-Rede schockiert Schwule, www.spiegel.de)

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"Es ist ein Kardinalfehler, die Liebe zu bekämpfen." ...

"Herr Ratzinger sollte wissen: Es ist ein Kardinalfehler für die Kirche, die Liebe zu bekämpfen." ... "Die Bewegung zur gesetzlichen Anerkennung homosexueller Paare nahm im protestantischen Skandinavien ihren Ausgang.
Offenbar verstört es den Vatikan nachhaltig, dass nun zunehmend auch katholisch geprägte Länder gleichgeschlechtliche Partnerschaften anerkennen. Das katholische Belgien hat ihnen sogar die Ehe ermöglicht."

Volker Beck
(30. Juli 2003, Erster Parlamentarischer Geschäftsführer und menschenrechtspolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, Mitglied des Deutschen Bundestags, http://www.gruene-bundestag.de/cms/presse/dok/15/15283.html)

Diskussion


"Wie sagte Volker Beck unlängst angesichts homosexuellenfeindlicher Äußerungen der römischen Kurie: "Die Liebe bekämpfen zu wollen ist ein Kardinalfehler."

Der bloße Begriff "Liebe" rechtfertigt zwar nicht alle Dummheiten und fragwürdigen Handlungen, die jemand begeht, aber wir müssen hier einfach wissen: Wir betreten hier nicht nur ein ausgesprochen sensibles Gebiet, sondern alle Liebe hat etwas mit Gott zu tun und ist darum "heiliges Land".

Und wenn es eine homosexuelle Liebe ist, haben wir auch hier erst einmal unsere Schuhe auszuziehen und das zu akzeptieren."

Dr. Klaus Douglass (03.04.2005, Theologe, theologischer Referent Personalabteilung d. Kirchenverwaltung der EKHN [Evangelische Kirche in Hessen und Nassau], Gottes vergessene Kinder, http://www.zwischenraum.net)

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"Homosexualität kann eine Gabe sein"

"Homosexuelle haben in der Vergangenheit namenloses Leid durch die Kirche erfahren. In der Regel mussten sie ihre Veranlagung geheim halten und sind dadurch in ein unwürdiges Leben im Untergrund gedrängt worden. Ich glaube, dass wir heterosexuelle Christen hier geradezu eine historische Schuld auf uns geladen haben.

An dieser Stelle täte uns - ähnlich wie beim Umgang mit den Juden in der Geschichte - ein Schuldbekenntnis gut, verbunden mit der intensiven Bitte um Verzeihung." [...]

"Anfang der neunziger Jahre forderte der Religionspsychologe David Jordahl, die Kirche solle 2000 homosexuelle Pfarrer einstellen, weil diese einen viel ausgeprägteren Sinn für Schönheit und Ästhetik hätten als die meisten Heterosexuellen. Das käme nicht zuletzt der Sinnlichkeit unserer Gottesdienste zugute.

Diese in dieser Form sicherlich provokativ gemeinte Aussage hat meinem persönlichen Denken ein weites Tor geöffnet und einen faszinierenden Ausblick freigegeben. Auch wenn der besonders einfühlsame Homosexuelle als Pauschalvorstellung ein Klischee ist, so gibt es diese Menschen doch, und zwar keineswegs selten.

Ich glaube überdies mit David Jordahl, dass Homosexuelle mit ihrem oft stark ausgeprägten Sinn für Ästhetik und Körperlichkeit viel Wichtiges in die Gemeinde einbringen können. Aber damit das zum Tragen kommt, brauchen diese Menschen bei uns einen Raum, in dem sie das entfalten können und wo man offen dafür ist, dass Homosexualität auch eine Gabe sein kann."

Dr. Klaus Douglass (16.06.2005, Theologe, theologischer Referent Personalabteilung d. Kirchenverwaltung der EKHN [Evangelische Kirche in Hessen und Nassau], „Homosexualität kann eine Gabe sein“, Magazin "zwischendrin")

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"Ende der Neunzigerjahre boten wir in unserer Gemeinde einen Gästegottesdienst zum Thema „Wenn Männer Männer und Frauen Frauen lieben“ an. [...]

Meine Predigt vor rund 800 Besuchern war ein Spiegel meiner inneren Zerrissenheit. Ich war danach total unzufrieden mit mir und dachte: „Diese Predigt hast du tüchtig in den Sand gesetzt. So eine Uneindeutigkeit hilft wirklich niemandem.“ Und ahnte nicht, wie vielen Menschen ich scheinbar genau damit aus dem Herzen gesprochen hatte. Ich erinnere mich jedenfalls an keine andere Predigt in meinem Leben, die mehr Resonanz hatte als diese. [...]

Für mich hat Valeria Hinck [Streitfall Liebe. Biblische Plädoyers wider die Ausgrenzung homosexueller Menschen, 2007] den Nachweis angetreten, dass die Liebe zur Bibel und die Liebe zum eigenen Geschlecht sich nicht automatisch ausschließen müssen und dass man sehr wohl beiden die Treue halten kann: der Heiligen Schrift und seinen homosexuellen Freunden in der Gemeinde.

Ich habe das Buch [Streitfall Liebe, Valeria Hinck, 2007] mit großem Gewinn gelesen und bin tief berührt davon, tief berührt von der Klarheit, mit der Valeria Hinck die Bibel auslegt, von der Liebe zur Bibel und der Liebe zu Christus, die sie und ich miteinander teilen.
Wenn sie in unserer Gemeinde wäre, würde ich ihr ein – wie auch immer geartetes – „Lehramt“ anvertrauen: sei es als Hauskreisleiterin, als Predigerin oder was auch immer. In vielen Gemeinden indes dürfte sie allenfalls Handlangerdienste verrichten, weil sie seit Jahren in einer festen homosexuellen Partnerschaft lebt.

Wenn ich darüber nachdenke, packen mich Trauer und Zorn. Denn Valeria ist kein Einzelfall. Sie hat den Mut, offen zu ihrer Homosexualität zu stehen. [...] Freilich müssen einige damit den Anfang machen und den Mut haben, sich gegen den Strom an die Seite ihrer homosexuellen Brüder und Schwestern zu stellen."

Dr. Klaus Douglass (Juni 2007, Theologe, Vorwort v. Dr. K. Douglass: "Streitfall Liebe. Biblische Plädoyers wider die Ausgrenzung homosexueller Menschen", Valeria Hinck, Mayer-Scholz, 2. Aufl. Juni 2007, ISBN-13: 978-3866113435)

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Dr. Klaus Douglass, www.douglass.de


 

"Grüne und Katholische Kirche haben viele Berührungspunkte. Manches verbindet uns, über anderes setzen wir uns offen auseinander." ...

"Sexualität und die Rolle der Geschlechter ist in der Kirche ein angstbesetzes Thema. ... Die Bekämpfung der Homosexuellen-Emanzipation erklärt sich vor diesem Gedankengebäude: Homosexualität gilt als „objektiv ungeordnet.”
Die Lehre des Thomas von Aquin, auf dessen Naturrechtslehre die katholische Lehrmeinung auch heute noch fußt, bewertete die Sünden wider die Natur, zu der für ihn die Homosexualität zählte, als schwerere Sünde als Vergewaltigung oder Inzest. Hier zeigen sich schon überdeutlich die Irrtümer dieser Lehre.

Das eigentliche Problem der päpstlichen Homosexualitätslehre ist, dass sie keinen Respekt vor der homosexuellen Existenz hat. Die Haltung gegenüber dem Homosexuellen ist von theologischer Unbarmherzigkeit und pharisäerhafter Überheblichkeit gekennzeichnet.
Die Beschimpfung der gleichgeschlechtlichen Ehen als “Pseudo-Ehen”, die Ausdruck einer “anarchistischen Freiheit” seien, zeigt, dass der Papst vor einer Beleidigung der Homosexuellen nicht zurückschreckt.
Die katholische Morallehre Roms verliert durch ihre lebensfremde Haltung zur Homosexualität an Überzeugungskraft." ...

"Das katholische Lehramt erkennt zwar inzwischen an, dass Homosexualität wie Heterosexualität nicht selbst gewählte und auch nicht abwählbare Veranlagungen sind. Für den Homosexuellen kennt sie aber keinen Weg einer akzeptierten Lebensführung.
Dies ist ein kapitaler Widerspruch, um den sich die katholische Theologie bislang nicht schert. Sie lehnt im homosexuellen Mitmenschen etwas ab, was der Schöpfer offensichtlich so geschaffen hat und für eine große Anzahl von Menschen offensichtlich gewollt hat, nämlich die Homosexualität. In einem Dialog muss die Kirche bereit sein, hier ihre sexualethischen Positionen zu hinterfragen.

Ich bin sicher, viele von Ihnen sehen diese Fragen so ähnlich wie ich und wünschen sich hier eine theologische Neupositionierung der Kirche.
Sie sind gekommen, um IHN anzubeten. Gerade angesichts Jesu Gleichnis vom Schriftgelehrten und dem Zöllner muss man sich immer wieder fragen, ob man betet, wie der selbstgerechte Pharisäer, der sagt „Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die andern Leute” (Luk. 18:11) oder wie der Zöllner, der demutsvoll und nicht selbstgerecht, um die Gnade Gottes bittet. Den Zöllner hielt Jesus für gerechtfertigt."

Volker Beck (17. August 2005, Erster Parlamentarischer Geschäftsführer und menschenrechtspolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, Mitglied des Deutschen Bundestags, Grüner kritisiert Sexualethik der katholischen Kirche (Grußwort zum Weltjugendtag), www.volkerbeck.de: Pressemitteilungen 2005)

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idea: "Herr Beck, wenn Sie einem Menschen begegnen, der sagt, er sei homosexuell, komme damit aber nicht zurecht und wolle sich ändern – was antworten Sie dem?"

Volker Beck: "Ich sage ihm, dass er lernen sollte, sich selbst anzunehmen, wie er ist und wie ihn Gott geschaffen hat – und dass man ihm dabei helfen kann.
Das ist auch der Erkenntnisstand der Humanwissenschaften. Die Bundesregierung hat in ihrer Antwort auf unsere Kleine Anfrage festgestellt: Homosexualität ist weder therapiebedürftig noch einer Therapie zugänglich. Es gibt dazu andere Auffassungen, aber die sind nicht wissenschaftlich anerkannt. Es ist sogar gefährlich, wenn Menschen sich auf antihomosexuelle Therapien einlassen."

idea: "Aber es gibt doch Menschen, die von sich sagen, sie hätten eine Veränderung von der Homosexualität hin zur Heterosexualität erfahren. Täuschen die sich über sich selbst?"

Volker Beck: "Es existieren keine wissenschaftlichen Untersuchungen, die belegen, dass es tatsächlich eine Möglichkeit gibt, homosexuelle Prägung oder auch heterosexuelle Prägung durch Therapie oder Willensentscheidung zu beeinflussen.
Allenfalls gelingt es Bisexuellen, die also Neigungen zum eigenen wie zum anderen Geschlecht haben, ihre homosexuelle Komponente zeitweise zu unterdrücken. Aber Homosexualität ist eine Prägung, die ebenso wenig zu therapieren ist wie die Körpergröße eines Menschen. Hier zu behaupten, „da gibt es doch was von ratiopharm“, wäre Scharlatanerie." [...]

Ulrich Parzany: ... "Ehe und Familie seien die Leitbilder. Ist der Rat der EKD eine „fundamentalistische Randgruppe“, wenn er so etwas formuliert? Die Kritik an praktizierter Homosexualität hat übrigens mit Diskriminierung nichts zu tun. Die Kritik am Handeln eines Menschen ist zu verbinden mit der Wertschätzung der Person, die jedem Menschen gebührt. Das macht Paulus etwa im ersten Korintherbrief, Kapitel 6, deutlich."

Volker Beck (holt eine Taschenbibel heraus): "Wo steht das? Ich wusste bislang nur, dass im Römerbrief von Gleichgeschlechtlichem gesprochen wurde. (liest) „... Irrt euch nicht, weder Unzüchtige noch Götzendiener noch Ehebrecher noch Lustknaben noch Knabenschänder ... werden das Reich Gottes ererben.“ [1. Korinther 6, 9] – Da lese ich nichts von Homosexualität."

Ulrich Parzany: "Doch, das ist hier gemeint."

Volker Beck: "Das ist die in der Antike als soziale Institution anerkannte Päderastie [Knabenliebe, http://de.wikipedia.org/wiki/P%C3%A4derastie]. Es geht hier um Verkehr von erwachsenen Männern mit Knaben, wie es ihn in der griechischen Gesellschaft gab. Das hat mit einvernehmlicher Sexualität zwischen zwei Erwachsenen gleichen Geschlechts überhaupt nichts zu tun und ist heute ein Straftatbestand. Dies gleichzusetzen ist diffamierend."

idea-Streitgespräch Volker Beck / Ulrich Parzany (Februar 2008, www.idea.de,
http://www.volkerbeck.de/cms/index.php?option=com_content&task=view&id=1131&Itemid=1)

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"Die Christival-Verantwortlichen [http://de.wikipedia.org/wiki/Christival] [siehe Beiträge im unteren Themen-Abschnitt] haben nach den Ausschreitungen am Rande einer Kundgebung zum Auftakt des Treffens am 30. April erste Konsequenzen gezogen. Ein am 1. Mai ursprünglich frei zugängliches Seminar zum Thema „Jungen als Opfer sexuellen Missbrauchs“ wurde aus Sicherheitsgründen kurzfristig verlegt ...

An dem von der Initiative „Wüstenstrom“ (Tamm bei Ludwigsburg) angebotenen Seminar hatten im Vorfeld unter anderem Politiker von Bündnis 90/Die Grünen scharfe Kritik geübt. Sie warfen dem Verein vor, Homosexuelle als krank anzusehen und sie therapieren zu wollen. Zudem vermuteten sie, dass diese Thesen in dem Seminar zum sexuellen Missbrauch vertreten werden sollten.

Der Sprecher des Vereins, Stefan A. Schmidt, der auch Referent des Seminars war, wies die Vorwürfe zurück. Gegenüber Journalisten erklärte er am 1. Mai, man biete keine Therapie-Seminare für Homosexuelle an, damit diese ihre Orientierung änderten. Das Therapieziel sei grundsätzlich offen. Der Schwerpunkt liege in der Beziehungsproblematik und der Bearbeitung von Konflikten mit der eigenen Identität. Etwa ein Drittel der Ratsuchenden empfinde nach der Beratungsphase nicht mehr homosexuell.

Die Proteste im Vorfeld des Seminars führte Schmidt auf Fehlinformationen zurück. Auch dem Ersten Parlamentarischen Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck [siehe Beiträge oben], warf er eine Mitschuld an der aufgeheizten Stimmung vor.
Er habe das Christival-Seminar, in dem es nicht um Homosexualität, sondern um sexuellen Missbrauch ging, durch seine Anfragen im Deutschen Bundestag und andere Verlautbarungen immer wieder „in die Öffentlichkeit gezerrt“."

idea (2. Mai 2008, Christival. Seminar aus Sicherheitsgründen verlegt, www.idea.de)

Diskussion


"Entkriminalisierung der Pädosexualität" (Volker Beck, 1988)

"Allein eine Mobilisierung der Schwulenbewegung für die rechtlich gesehen im Gegensatz zur Pädosexualität völlig unproblematische Gleichstellung von Homo- und Heterosexualität durch die Streichung des §175 StGB [Im Zuge der Rechtsangleichung zwischen den beiden deutschen Staaten nach 1990 musste sich der Bundestag entscheiden, ob er den § 175 StGB streichen oder ihn in der bestehenden Form auf die östlichen Bundesländer ausweiten wollte. Im Jahr 1994, mit Ablauf der Frist für die Rechtsangleichung, entschied man sich – auch angesichts der inzwischen eingetretenen gesellschaftlichen Veränderungen – mit dem 29. Strafrechtsänderungsgesetz vom 31. Mai 1994 den § 175 StGB aus dem Strafgesetzbuch zu streichen. Das absolute Schutzalter für sexuelle Handlungen wie beispielsweise Geschlechtsverkehr mit Jugendlichen wurde einheitlich auf 14 Jahre festgelegt - § 176 StGB, http://de.wikipedia.org/wiki/%C2%A7_175] und für die Recht der der Homosexuellen wird das Zementieren eines sexualrepressiven Klimas verhindern können - eine Voraussetzung, um eines Tages den Kampf für die zumindest teilweise Entkriminalisierung der Pädosexualität aufnehmen zu können." [...]

"Eine Entkriminalisierung der Pädosexualität ["Pädosexualität bezeichnet die sexuelle Orientierung auf Kinder." ... "Das primäre Interesse der Pädophilen ist auf Kinder zwischen 4 und 14 Jahren ausgerichtet" Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/P%C3%A4dophilie] ist angesichts des jetzigen Zustandes ihrer globalen Kriminalisierung dringend erforderlich, nicht zuletzt weil sie im Widerspruch zu rechtsstaatlichen Grundsätzen aufrechterhalten wird."  [...]

"Wer für die Lebenssituation der pädophilen Menschen [http://de.wikipedia.org/wiki/P%C3%A4dophilie] etwas erreichen will, muss diese Diskussion mit Aufklärung und Entmythologisierung vorbereiten."

Volker Beck (1988, Erster Parlamentarischer Geschäftsführer und menschenrechtspolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, Mitglied des Deutschen Bundestags, http://de.wikiquote.org/wiki/Volker_Beck, Der Pädosexuelle Komplex. Handbuch für Betroffene und ihre Gegner, Berlin/Frankfurt 1988, Das Strafrecht ändern? Plädoyer für eine realistische Neuorientierung der Sexualpolitik. ISBN 9783922257660)

 

Hinweis in eigener Sache:

Die vielstimmigen Diskussionsbeiträge und Zitate dieser Website geben nicht notwendig unsere eigene Meinung (www.Fundamentalismusdebatte.de) wieder.

Wir möchten uns an dieser Stelle ausdrücklich von dem 1988 publizierten Artikel: Das Strafrecht ändern? Plädoyer für eine realistische Neuorientierung der Sexualpolitik. Volker Beck (siehe oben) - distanzieren.

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Exkurs zum Thema "legitimierte Pädophilie":


"Die religiös und juristisch legitimierte Pädophilie ist in vielen islamischen Ländern Praxis. Es gibt aber auch Widerstand gegen diesen Missbrauch von Kindern. Ein saudisches Gericht muss darüber entscheiden, ob die Ehe eines 70-Jährigen mit einem Kind, das 60 Jahre jünger ist, zulässig ist. Die Mutter des Kindes möchte die «Ehe» annullieren lassen.

In Saudi-Arabien kann ein Kind auch gegen seinen Willen durch den Vater als Ehevormund verheiratet werden. [...]
In vielen islamischen Ländern ist es an der Tagesordnung, dass minderjährige Mädchen, sprich Kinder, an ältere Männer zwangsverheiratet werden. Jetzt hat der Mufti von Saudi-Arabien, Scheich Abdulasis al-Alscheich, jede Kritik daran zurückgewiesen. Der Scheich ist die höchste religiöse Autorität des islamischen Königreiches. Er lehnt auch die Einführung eines Mindestalters für die Ehe ab.

Kinder mit zehn oder zwölf Jahren könnten «gute Ehefrauen» sein, so der Geistliche.

Mit seiner Entscheidung antwortete er einer Frau, die sich von ihm ein islamisches Rechtsgutachten gegen die Zwangsverheiratung von Minderjährigen erhofft hatte. Die Frau hatte argumentiert, eine Zwölfjährige könne nicht frei entscheiden, ob sie heiraten wolle oder nicht. Man tue einem Mädchen Unrecht, wenn man sage, dass es mit zehn Jahren zu jung sei, um zu heiraten, sagte er der Zeitung «Al-Hayat».

«Unsere Mütter und Grossmütter haben geheiratet, bevor sie zwölf Jahre alt waren», sagte der Islamgelehrte, «und das war nicht falsch.» Auch ein Mädchen in diesem Alter könne, wenn es «eine gute Erziehung genossen» habe, schon eine gute Ehefrau sein.

Die missbrauchten Kinder sind zum Teil noch jünger als die zehn Jahre, die der Geistliche für legitim hält. Im Jemen hatte der Fall der achtjährigen Nod-schud Ali Aufsehen erregt. Ihr war es mit Hilfe einer Anwältin gelungen, ihre Scheidung vor Gericht zu erstreiten. Ihr Ehemann habe sie immer geschlagen, wenn sie spielen wollte, und sie gezwungen, ins Schlafzimmer zu kommen. Sie habe vergeblich versucht, vor ihm zu fliehen."

factum (Februar 2009, factum 2/09: Kinder als «gute Ehefrauen», Berneck, Schweiz: Schwengeler Verlag, S. 9)

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Kinderbraut Saudi-Arabien,  Foto v. Stephanie Sinclair: Unicef Preis 2007, www.welt.de

 


"Berlin fördert christliche Fundamentalisten" [STUTTGARTER ZEITUNG]

"Vom 30. April bis zum 4. Mai veranstalten evangelisch-konservative Jugendverbände und Missionswerke aus Deutschland und Österreich ihren Jugendkongress Christival in Bremen [http://www.christival.de], zu dem bis zu 20 000 Gäste erwartet werden.
Obwohl Teile des Programms als angeblich schwulen- oder frauenfeindlich in die Kritik geraten sind, unterstützt Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) das Festival als Schirmherrin und fördert es sogar mit 250 000 Euro, wie das Ministerium auf Anfrage bestätigte." [...]

"Ursprünglich hatten die Veranstalter nicht nur Seminare wie "Leidenschaftlich predigen" oder "Rote Nase - der Clown als Chance der Verkündigung" anbieten, sondern auch Homosexuelle ins Gebet nehmen wollen: mit einer Veranstaltung über "Ursachen und konstruktive Wege heraus aus homosexuellen Empfindungen". Als der schwule Bundestagsabgeordnete Volker Beck (Grüne) gegen solche "gefährlichen Psychokurse" protestierte, wurde der Punkt gestrichen.

Unter den Organisatoren und Referenten finden sich weiterhin Verfechter von Schwulentherapien. Diese sollen Homosexuelle nicht darin bestärken, ihr Wesen zu akzeptieren, sondern diese umpolen. Für diesen Ansatz stehen der Verein Wüstenstrom, der in Bremen über sexuellen Missbrauch von Jungen referiert, und der Christival-Leiter Roland Werner, Beiratsmitglied des Deutschen Instituts für Jugend und Gesellschaft, welches das Homoseminar anbieten wollte.

"Die Bundesregierung vertritt weder die Auffassung, dass Homosexualität einer Therapie bedarf, noch dass Homosexualität einer Therapie zugänglich ist", ließ die Bundesfamilienministerin auf eine Anfrage des Grünen Volker Beck mitteilen. Solche "Konversionstherapien" hätten sogar häufig "negative und schädliche Effekte". Dennoch verteidigt die Christdemokratin von der Leyen ihre Schirmherrschaft als "Anerkennung der christlichen Kinder- und Jugendarbeit".

Die Grünen und die Beratungsorganisation Pro Familia kritisieren ein weiteres Christival-Seminar über die Abtreibung." ... "Wir haben nun mal kontroverse Referenten mit kontroversen Themen", verteidigt der Christival-Pressesprecher Stephan Volke das Abtreibungsseminar.
"Christival ist keine Indoktrinationsveranstaltung, sondern ein Diskussionsforum." Immerhin seien 230 Seminare geplant, von denen die allermeisten nicht umstritten seien. Und öffentliche Gelder seien auch schon bei früheren Christivals geflossen, sagt Sprecher Volke.

"Der mitveranstaltende Christliche Verein junger Menschen (CVJM) [http://de.wikipedia.org/wiki/CVJM] wehrt sich vehement: "Anstelle einer sachlichen Auseinandersetzung werden engagierte christliche Gruppen beschimpft und diffamiert."

STUTTGARTER ZEITUNG (16.02.2008, Eckhard Stengel, Berlin fördert christliche Fundamentalisten)

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"Die Kontroverse um ein abgesagtes Seminar zur Homosexualität beim christlichen Jugendkongress Christival [http://www.christival.de] wird schärfer. Der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Volker Beck, hatte Anfang Januar gegen das Seminar „Homosexualität verstehen – Chance zur Veränderung“ protestiert, das daraufhin aus dem Programm genommen wurde." ...

"Rückendeckung erhielt Beck vom bayerischen Landesbischof Johannes Friedrich (München) [http://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Friedrich], der dem Christival-Kuratorium angehört. Wie der „Lesben- und Schwulenverbandes Deutschland“ auf seiner Internetseite berichtet, habe Friedrich in einem Schreiben Beck versichert, „dass er dessen Kritik an dem abgesagten Seminar voll und ganz teilt."

kath.net/idea (14. Februar 2008 (Volker Beck vergleicht Homo-Heilungsangebote indirekt mit der NPD)

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"Im Streit um den evangelikalen Jugendkongress Christival droht eine Eskalation. Der Eröffnungsabend am 30. April kann möglicherweise nur unter Polizeischutz stattfinden.

Gegenwärtig gebe es entsprechende Gespräche mit der Polizei, sagte Christival-Pressesprecher Stephan Volke (Marburg) gegenüber idea. Die Veranstalter befürchteten massive Störungen durch ein „Antisexistisches Bündnis“, das zu einer „Antisexistischen (Walpurgis) Demo“ zum Christival-Start aufruft.
„Wir wollen Widerstand und Protest organisieren, weil dort in modernem Gewand (mit viel Popkultur) extrem konservative und rechte Weltbilder verbreitet werden, die gekennzeichnet sind von einer wortgetreuen Bibelinterpretation, Homophobie und Sexismus“, heißt es in einem Flugblatt des Bündnisses. ...

Unterdessen hat sich die EKD vor das Christival gestellt. Der Präsident des Kirchenamtes, Hermann Barth (Hannover), schrieb an den Christival-Vorsitzenden, Roland Werner (Marburg): „Wir nehmen das Christival und dessen Vorsitzenden vor den ungerechtfertigten und maßlosen Angriffen in Schutz.“

Die EKD teile zwar nicht „die sehr weit gehenden Vorstellungen der Seminaranbieter über die Therapiebedürftigkeit von Homosexualität und ihre Zugänglichkeit für Therapie“. Allerdings könne die EKD „die Verunglimpfung der Kreise“, die die Überzeugungen der Anbieter des Seminars teilten, nicht unwidersprochen lassen. ... Der EKD-Ratsvorsitzende [2003 - 2009], Bischof Wolfgang Huber (Berlin), wird das Christival am 2. Mai besuchen."

idea (19.03.08, Muss Christival-Start von der Polizei geschützt werden? www.idea.de)

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"EKD relativiert ihre Kritik an Volker Beck [siehe oben]: Kritik am Christival kein Angriff auf Meinungs- oder Glaubensfreiheit.

Nach Angaben des Büros des Grünen-Politikers Volker Beck hat Dr. Hermann Barth, Präsident des Kirchenamtes der EKD, in einem Schreiben vom Donnerstag seine jüngste Kritik an Beck relativiert.

In einem Brief an den Christival-Vorsitzenden Roland Werner hatte Barth in dieser Woche sein Unverständnis geäußert, dass „ein Rechtspolitiker wie Volker Beck … der Berufung auf die Meinungsfreiheit“ widerspreche. „Man kann nicht selbst Andersdenkende als ‚religiöse Fundamentalisten´ hinstellen“, so Barth, „und sich dann darüber beklagen, wenn die Angegriffenen für ihre Gegenwehr den Schutz der Meinungsfreiheit in Anspruch nehmen.“

In seinem Brief an Volker Beck nimmt Barth die Vorwürfe nun „mit dem Ausdruck des Bedauerns“ zurück. Er habe sich davon überzeugt, dass Beck mehrmals öffentlich seinen Willen bekundet habe, auch die Meinungsfreiheit der von ihm kritisierten Kreise „gegen jeden Repressionsversuch verteidigen."

Jesus.de (21.03.2008, EKD relativiert ihre Kritik an Volker Beck, www.Jesus.de)

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"Das "Christival" vom 30. April bis 4. Mai in Bremen spaltet die liberale Hansestadt. Theologisch konservative Christen, die "Evangelikalen", fiebern dem missionarischen Kongress freudig entgegen, zu dem die Organisatoren gut 15.000 Dauerteilnehmer im Alter zwischen 14 und 25 Jahren aus ganz Deutschland erwarten.

Kritiker nennen das Ereignis frauenfeindlich und sehen es als christlich-fundamentalistische Plattform gegen Homosexuelle.
Viele der Jugendlichen, die sich schon früh angemeldet haben, sind ehrenamtlich in der Kirche tätig [Von den Teilnehmern gehören 54,8 Prozent zur Evangelischen Kirche, 43 Prozent zu Freikirchen und die übrigen 2,2 Prozent zur Katholischen Kirche. 25.04.08, www.pro-medienmagazin.de] und erhoffen sich von Bremen neue Impulse für ihre Arbeit.

Ganz anders stehen dazu Gruppen wie "No Christival", "Freiheit für Vielfalt", der ökumenische Arbeitskreis Homosexuelle und Kirche und ein "Antisexistisches Bündnis", in denen sich schwul-lesbische Initiativen und Menschenrechtsorganisationen zusammengeschlossen haben. Sie planen Proteste und eine Kundgebung.

So viel Widerstand wie in Bremen hat es seit der Christival-Premiere 1976 in Essen mit damals 12.500 Teilnehmern noch nie gegeben."

epd (April 2008, Missionarischer Jugendkongress spaltet die Stadt, www.epd.de)

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"Linksextreme Autonome haben versucht, die Eröffnungsveranstaltung des konservativ-christlichen Jugendfestivals „Christival“ in Bremen [siehe Beiträge oben] zu stürmen.

Aus einer friedlichen Demonstration mit etwa tausend Teilnehmern – darunter viele Homosexuelle und Frauenrechtlerinnen – lösten sich rund hundert schwarz gekleidete Autonome, rissen den äußeren Sicherungszaun der Freiluftveranstaltung teilweise nieder, bewarfen Ordner mit Feuerwerkskörpern und drangen bis zu einer inneren Absperrung vor."

DER TAGESSPIEGEL (02.05.2008, Autonome stören evangelikales Jugendfestival)

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"Rund 100 Autonome durchbrachen die Absperrungen, einige warfen Feuerwerkskörper. Da die Polizei nicht sofort vor Ort war, bildeten Teilnehmer des Christivals zusammen mit Ordnern und freiwilligen Helfern eine Mauer, um die Demonstranten daran zu hindern, die Eröffnungsveranstaltung zu stören.

„Es ist erstaunlich, dass 16-Jährige nicht vor Angst weggelaufen sind, sondern sich gemeinsam mit den Ordnern gegen die gewalttätigen Randalierer gestellt haben“, sagte der Kabarettist und Evangelist Torsten Hebel"

idea (2. Mai 2008, Leitung würdigt Zivilcourage Jugendlicher, www.idea.de)

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"Geht mit Gott, aber geht!"  [Transparent] [Unbekannte hatten am Dach des Messegebäudes zudem ein Banner entrollt, auf dem zu lesen war "Christival abtreiben", das jedoch kurz darauf wieder entfernt wurde. 1.5.08, pro] … Auch als eine Handvoll Vermummter plötzlich eine Absperrung durchbricht und johlend Richtung Festgelände stürmt, ist die Polizei ganz schnell da. Festnahmen, ein verletzter Polizist, aber keine sichtbare Prügelei, nicht jedenfalls, während Doktor Werner unter dem Jubel der Masse von der Bühne aus "das totale Superglaubensfest" proklamiert, das Mitarbeiter-Team als "eine kreative Supertruppe" feiert und sich wünscht, "dass wir den Demonstranten total in der Liebe von Jesus Christus begegnen". …

Die Veranstalter beschreiben das Christival [http://de.wikipedia.org/wiki/Christival] gern schlicht als "Glaubensfest", als "Kongress junger Christen" oder, in fröhlicher Ignoranz gegenüber dem zwei Wochen später beginnenden Katholikentag, als "das christliche Großereignis 2008". Es hat am Mittwochabend in Bremen begonnen und dauert noch bis zum Sonntag.
Am Vorabend vom Kreuzesfindungstag beehrt auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) [2003 - 2009], Bischof Wolfgang Huber, das Treffen. Das sei, lässt das Kirchenamt wissen, kein symbolischer Vorgang. Hubers Vorgänger haben die bisherigen Christivals eher gemieden, diesmal feiert der EKD-Chef in Bremen das Abendmahl. …

Anfangs war das Verhältnis zwischen Amtskirche und den Bewegungen eher distanziert. Mittlerweile lässt sich "eine geradezu systematische Ambivalenz" in der EKD-Haltung erkennen. "Huber", so deutet Knoblauch das, "ist es gewiss so unrecht nicht, den Protestantismus deutlicher zu markieren", gerade gegenüber dem erstarkenden Katholizismus. "Diese Bewegungen geben dem Protestantismus Markanz." …

Am Rand der Bürgerweide stehen ein paar versprengte Christival-Teilnehmer. Sie haben sich verspätet, jetzt kommen sie nicht aufs Gelände. Fassungslos stehen sie vor den tausend GegendemonstrantInnen. Die haben sich, im Polizeikorridor, genau zwischen Bahnhof und Festwiese postiert.
Hastig kramen die jungen Christen in ihren Rucksäcken. "Ja, eine Demo!", ruft ein Mädchen in ihr Mobiltelefon. "Nein, nicht für!", sie schüttelt energisch den Kopf, "gegen das Christival!" Sie lauscht den elterlichen Unterweisungen. "Nein", ruft sie, "ich verstehe es auch nicht!"

taz (01.05.2008, Das totale Superglaubensfest, www.taz.de)

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"Zu Ruhe und Besonnenheit im Umgang mit Gegnern des Christivals hat der Vorsitzende Roland Werner (Marburg) die Teilnehmer des christlichen Jugendkongresses aufgerufen. „Wir wollen allen Menschen in Bremen mit der Liebe Jesu begegnen und das Licht der Gnade leuchten lassen“, sagte er bei der Eröffnungsveranstaltung am 30. April auf der Bremer Bürgerweide, an der nach Angaben der Veranstalter rund 15.000 Jugendliche teilnahmen.
Das gelte auch für die Menschen, die das Christival ablehnen, sagte er. Werner äußerte die Hoffnung auf „ein super Glaubensfest, bei dem wir unseren Glauben erneuern“. Zu dem Jugendtreffen werden bis zum 4. Mai rund 20.000 Teilnehmer erwartet.

Parallel zur Christival-Eröffnung demonstrierte ein antisexistisches Bündnis „No Christival“. ... Die Demonstranten skandierten Sprüche wie „Kein Gott, kein Staat, kein Patriarchat“, „Masturbieren statt Missionieren“ oder „Nie wieder Jesus“. Mehrfach wurden über Lautsprecher Evangelikale und Nazis in einem Atemzug genannt. In Flugblättern warfen Demonstranten den Christival-Veranstaltern „extrem konservative und rechte Weltbilder“ vor, „die gekennzeichnet sind von einer wortgetreuen Bibelinterpretation, Homophobie uns Sexismus“.
Polizei-Vertreter Kiprowski zeigte sich von der teilweise eskalierenden Situation überrascht: „Mit diesem Verlauf haben wir nicht gerechnet.“ ...

Neben der Demonstration hatte das Bündnis „No Christival“ noch weitere Veranstaltungen rund um das Jugendtreffen angekündigt. So fand am Abend des 30. April eine „Große Frauen/Lesben Walpurgisnacht-Party“ [http://de.wikipedia.org/wiki/Walpurgisnacht] in der Bremer Friedensgemeinde [Evangelische Friedensgemeinde Bremen, Bremische Evangelische Kirche BEK - Gliedkirche / Landeskirche der Evangelischen Kirche in Deutschland - EKD] statt."

idea (01.05.2008, Christival: Gegnern mit der Liebe Jesu begegnen, www.idea.de)

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"Am Rande einer Veranstaltung des christlichen Jugendkongresses Christival in Bremen ist es am Freitagabend offenbar zu einem Handgemenge zwischen homosexuellen Demonstranten und Polizisten gekommen.
Nach Angaben des Bündnisses »No Christival« hatten 35 Menschen während eines Vortrages in der Martinikirche mit dem »Austausch von homosexuellen Zärtlichkeitsbekundungen« gegen die »homophoben Äußerungen« des Redners demonstriert. Daraufhin sei es zu einem Tumult in der Kirche gekommen, weshalb die Demonstranten ihren Protest spontan vor der Kirche fortgesetzt hätten.

Auf dem Kirchenvorplatz hätten dann Polizeibeamte »ohne jegliche Begründung" versucht, die 35 Demonstranten mit »Schlagstock und Anwendung körperlicher Gewalt« vom Platz zu drängen, teilte das Bündnis »No Christival« mit.
Die Polizei wies die Darstellung der Demonstranten am Samstag auf ddp-Anfrage zurück. »Das war nichts Herausragendes«, sagte ein Sprecher. Von einem Schlagstockeinsatz sei ihm »nichts bekannt«."

ddp (03.05.2008, Christival-Gegner demonstrieren vor Kirche, http://de.news.yahoo.com)

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"Bei den Angriffen des Bundestagsabgeordneten der Grünen Volker Beck auf das Christival [http://www.christival.de] wegen eines geplanten Seminars über Hilfen für Menschen, die ihre homosexuellen Neigungen als Not empfinden, geht es offensichtlich um grundsätzliche Fragen von Gewissensfreiheit, Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit, also auch Freiheit der Verkündigung in Deutschland. ...

Dass Herr Beck und die mit ihm verbundenen Gruppen anderen nicht einmal die Freiheit zugestehen, dass sie ihre homosexuellen Empfindungen als Problem sehen können und nach Hilfen suchen, die nicht im Ausleben der Homosexualität liegen, zeigt, dass es hier um Grundfragen unseres Freiheitsverständnisses geht. ...

Niemand sollte glauben, dass sich diese Intoleranz nur auf das Gebiet der Homosexualität beschränken wird. Mit der gleichen Logik lässt sich die christliche Verkündigung, dass der Mensch in seiner Gottlosigkeit unter dem Gericht Gottes steht und nur durch Christus gerettet werden kann, als Diskriminierung des selbstbestimmten Menschen, der nicht an Gott glauben will, beurteilen. Schon das Bekenntnis der Christen zu Gott, dem Schöpfer der Welt, kann so gesehen werden. ...

Die Tonart in der angeblich so toleranten postmodernen Gesellschaft wird rauer. Toleranz gilt offensichtlich nur für die, die das Grunddogma "Alles ist gleich gültig, nichts ist verbindlich wahr für alle" glauben. Wer dem nicht wenigstens stillschweigend zustimmt, ist Fundamentalist und muss als Bedrohung für die Freiheit bekämpft werden. ...

Zugegeben, wir Christen genießen die Freiheit, die wir in unserem Rechtsstaat bisher haben. Und wir werden alles tun, um diese Freiheit zu erhalten - auch für unsere Gegner. Allerdings muss man realistisch sein. Jesus hat seinen Leuten nicht versprochen, dass sie ihren Glauben unbekümmert in Freiheit leben und äußern können.

Nur eins muss klar sein: Auch wenn uns diese Freiheit nicht zugestanden wird, werden wir Gott mehr gehorchen als den Menschen. Hoffentlich! Daran werden sich manche Christen erst wieder gewöhnen müssen.
Wir müssen aufpassen, dass wir nicht - von bequemer Freiheit verwöhnt - selbst die Schere im Kopf betätigen und uns aus Feigheit den Mund verbieten."

Pfarrer Ulrich Parzany (13.02.2008, Theologe, Steht auf, wenn ihr Christen seid. ideaSpektrum 7/2008, Seite 17, http://de.wikipedia.org/wiki/Ulrich_Parzany)

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Pfarrer Ulrich Parzany, Leiter ProChrist e.V., 1984 - 2005 Generalsekretär CVJM


 

"Die Schwulen- und Lesbenverbände behaupten, die geschlechtliche Orientierung eines Menschen sei unveränderlich festgelegt. Wer Veränderungsmöglichkeiten für Homosexuelle nachweist, wird als »Scharlatan« diffamiert.

Gleichzeitig wird aber im Rahmen des Gender-Mainstreaming-Konzepts [http://de.wikipedia.org/wiki/ Gender_Mainstreaming] behauptet, auf geschlechtlichem Gebiet sei niemand festgelegt, jeder Mensch könne seine sexuelle Orientierung nach individuellen Wünschen aussuchen, frei gestalten und verändern."

Prof. Dr. Dr. Rainer Mayer (Theologe, Wer oder was ist gerecht? Zum Gender-Mainstreaming-Konzept, Evangelische Verantwortung Ausgabe 1+2 - Evangelischen Arbeitskreis der CDU/CSU, www.eak-cducsu.de)

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22 "Du sollst nicht bei einem Mann liegen wie bei einer Frau; es ist ein Greuel."

3. Mose 18, 22

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26 "Darum hat sie Gott dahingegeben in schändliche Leidenschaften; denn ihre Frauen haben den natürlichen Verkehr vertauscht mit dem widernatürlichen;
27 desgleichen haben auch die Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau verlassen und sind in Begierde zueinander entbrannt und haben Mann mit Mann Schande getrieben und den Lohn ihrer Verirrung, wie es ja sein musste, an sich selbst empfangen."

Römer 1, 26 - 27

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Dann war da noch..
 Schlusslichter

 

"Halten Sie nicht auch manche Aussagen der Bibel für überholt? Und sind nicht viele Passagen für Ihre nichtchristlichen Freunde völlig ungeeignet?

Dann brauchen Sie den neuen Bl-BA-BO, den Bibel-Bastel-Bogen, der Bibellesen wieder zum Vergnügen macht.
Der Bibel-Bastel-Bogen, das ist eine Bibel mit vorperforierten Seiten zum leichten Raustrennen unbequemer Passagen. Stellen Sie sich Ihre ganz individuelle Bibel selbst zusammen - mit dem neuen Bl-BA-BO ein Kinderspiel.

Fragen Sie noch heute bei Ihrem freundlichen christlichen Buchhändler nach dem Bl-BA-BO und machen Sie für nur 12,95 € aus Ihrer schweren Bibel ein handliches Give-Away, für dessen Inhalt Sie sich nicht mehr schämen müssen."

(http://www.superzwei.de)

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"Die meisten Menschen haben Schwierigkeiten mit den Bibelstellen, die sie nicht verstehen. Ich für meinen Teil muss zugeben, dass mich gerade diejenigen Bibelstellen beunruhigen, die ich verstehe."

Mark Twain [Samuel Langhorne Clemens] (1835-1910, amerikanischer Schriftsteller)

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"Die lästigen Hindernisse in einschlägigen biblischen Texten lassen sich ja durch spezielle Interpretationskünstler wie Landminen aus dem Wege räumen."

Kirchenrat Hans Lachenmann (16.07.2004, Halbheiten und Kompromisse, Rheinischer Merkur, Katholischer Mediendienst - http://kath.ch/mediendienst)

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"Der englische Bischof Alfons Woodcliff reiste nach New York. Bei seiner Ankunft wurde er von einem Reporter eines Boulevardblattes provozierend gefragt, ob er auch die berühmten Nachtlokale besuchen würde.
Der Bischof, der vor den Reportern schon gewarnt worden war, erwiderte vorsichtig: "Gibt es denn Nachtlokale in New York?"

Am Tag darauf musste der Bischof in der Zeitung die Schlagzeile lesen:
"ERSTE FRAGE DES BISCHOFS WOODCLIFF: GIBT ES NACHTLOKALE IN NEW YORK?"

(Das große Buch des christlichen Humors, Annegret Kokschal, St. Benno; Auflage: Mai 2006)

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Wir lieben unsere Kirche, und wir leiden mit unserer Kirche und würden uns deshalb freuen, auch (mehr)
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