Diskussion: Kirche und Taufe


Beiträge zum Thema christlicher Fundamentalismus

 

 

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Hinweis in eigener Sache: Die vielstimmigen Diskussionsbeiträge und Zitate dieser Website geben nicht notwendig unsere eigene Meinung (www.fundamentalismusdebatte.de) wieder.

Wir möchten uns an dieser Stelle ausdrücklich von Texten distanzieren, die dazu auffordern im Namen Gottes Menschen zu töten!


Kirchenzucht in der Tauffrage (EKD)

 


"Fundamentalisten sind immer die Anderen."

Dr. Raúl Páramo-Ortega (2008, Fundamentalisten sind immer die Anderen. Freud im Zeitalter des Fundamentalismus)

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"Religionen können Gewalt hervorrufen und legitimieren. Und sie können vor Gewalt warnen. Dazu sind alle Religionen in der Lage. Dazu ist der Islam in der Lage, aber das Christentum auch.
Der große Bernhard von Clairvaux hat im zwölften Jahrhundert zu Kreuzzügen aufgerufen, und er hat seine Gefolgsleute angestachelt mit der Parole: Gott will es! Das hat es auch bei bedeutenden Christen gegeben.

Nur, eines muss ich sagen: Wir haben unsere Lektion gelernt. Die furchtbaren Gewaltausbrüche im Mittelalter haben dazu geführt, dass wir gesagt haben, Gewalt und Religion gehen nicht zusammen, und da kam es in unserem Land am Ende zur Trennung von Staat und Kirche, damit die Kirchen nicht mehr die staatliche Gewalt zur Durchsetzung ihrer Interessen nutzen können. Die Lektion haben wir gelernt.

Das ist in islamischen Ländern anders. Eine christliche Republik Deutschland wäre undenkbar. Eine islamische Republik Iran gibt es aber! Da sind die Entwicklungen sehr unterschiedlich verlaufen.

Da, wo ein Glaube fundamentalistisch verstanden und gelebt wird, hat er eine Tendenz zur Gewalt, Weil es in allen heiligen Büchern, auch in der Bibel, Passagen gibt, die Gewalt legitimieren. Und die werden von Fundamentalisten als Selbstermächtigung genutzt, um andere mit Gewalt zu überziehen."

Präses Dr. h.c. Nikolaus Schneider (7. Oktober 2010, Theologe, 2010 - 2014  Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, „Tacheles“ - die Talkshow der evangelischen Kirche: Marktkirche Hannover, Streit über Religion und Gewalt: Von Diskriminierung und Fundamentalismus, Sendung "Talk am roten Tisch", Ausgestrahlt von Phoenix am 17. Oktober 2010, www.tacheles.tv/streit-um-religion-und-gewalt.php)

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Bild: Am 24. Januar 1539 soll Anna Jansz auf dem Weg zu ihrer Hinrichtung demjenigen ihr gesamtes
Erbe versprochen haben, der bereit sei, ihren 15 Monate alten Sohn zu adoptieren. Im November
1538 machte sich Anna Jansz durch das Singen eines täuferischen Liedes verdächtig. Sie wurde
verhaftet ... gefoltert und zum Tode durch Ertränken verurteilt. (http://de.wikipedia.org/wiki/Anna_Jansz)

 


Punkt 1: „Wer wiedergetauft oder sich der Wiedertaufe unterzogen hat, ob Mann oder Frau, ist mit dem Tode zu bestrafen, ohne dass vorher noch ein geistliches Inquisitionsgericht tätig zu werden braucht.“ […]

Punkt 5: „Wer die Taufe für seine neugeborenen Kinder verweigert, fällt ebenfalls unter die Strafe, die auf die Wiedertaufe steht.“ [siehe Punkt 1]

Protestation zu Speyer (1529, Geburtsstunde des Protestantismus, www.ekd.de/aktuell_presse/news_2004_04_16_1_475_jahre_protestation.html, Wiedertäufermandat von Speyer, Speyerer Reichstag von 1529, Speyer II, http://de.wikipedia.org/wiki/Täufer u. Deutsche Reichstagsakten unter Kaiser Karl V., VII. Band, 2. Halbband, bearbeitet von Johannes Kühn, Göttingen 1963, S. 1325 ff.)

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"Die rechtliche Grundlage der Täuferverfolgung im 16. und 17.Jahrhundert bildete das sogenannte Wiedertäufermandat, das 1529 auf dem Reichstag zu Speyer beschlossen worden war. Auch das nach wie vor gültige Augsburger Bekenntnis der lutherischen Kirchen legitimierte die Verfolgungen, in dem es die Täufer ausdrücklich verdammt.

An den Verfolgungen waren die jeweiligen Landesherren und gleichermaßen die Römisch-katholische Kirche, die lutherische und reformierte Geistlichkeit beteiligt."

(http://de.wikipedia.org/wiki/Märtyrer_der_Täuferbewegung, Stand 2013)

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Ab der Reformationszeit bis ins 17. Jahrhundert wurden im vierstelligen Bereich Männer, Frauen und Teenager aufgrund ihres Glaubens ermordet.

(Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Täufer, Stand 2013)

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"Gestatten Sie mir, Ihnen zu entgegnen, dass unsere heutigen Religionen der Religion Christi so wenig gleichen wie der der Irokesen."


Friedrich der Große (1770, König von Preußen, Briefwechsel mit Jean le Rond d'Alembert, Rudolf Augstein, Jesus Menschensohn, Deutscher Taschenbuch Verlag, 2001, S. 70)

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Evangelische Kirche der Pfalz (Protestantische Landeskirche)

 


"Die Protestation zu Speyer von 1529"

"Geburtsstunde des Protestantismus"

"Sie ist protestantisch und ganz besonders stolz darauf: Die «Evangelische Kirche der Pfalz (Protestantische Landeskirche)» ist die einzige evangelische Landeskirche in Deutschland, die in Erinnerung an die Protestation auf dem Speyerer Reichstag von 1529 das Prädikat «protestantisch» im Namen trägt.

Am 19. April 1529 erhob eine evangelische Minderheit von sechs deutschen Fürsten und 14 Reichsstädten Einspruch gegen einen Mehrheitsbeschluss des Reichstags, der die Reformation zum Stillstand bringen wollte. Mit zahlreichen Veranstaltungen feiert die pfälzische Landeskirche in diesem Jahr das 475. Protestationsjubiläum."


epd / Alexander Lang (16. April 2004, Die Protestation zu Speyer von 1529. Geburtsstunde des Protestantismus, Speyer epd, News Archiv 2004: www.ekd.de)

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"Der Zweite Reichstag zu Speyer 1529 ist ein Meilenstein auf dem Wege zu neuzeitlicher Gewissensfreiheit. Er ist auch eine Wegmarke in der Geschichte der Intoleranz gegenüber Andersgläubigen und Nonkonformisten, sofern diese ohne politischen Schutz und Rückhalt waren.
Auf der einen Seite steht die mutige Protestation der neunzehn evangelischen Reichsstände, die sich ihr religiöses Gewissen politisch nicht binden ließen, und auf der anderen Seite steht das Mandat, das die Todesstrafe gegen die Täufer reichsrechtlich verfügte. […]

Das Wiedertäufermandat wurde vielmehr einmütig zum Reichsgesetz erhoben und dem Reichsabschied einverleibt. Der Speyerer Reichstag ist die Geburtsstunde des Protestantismus genannt worden.
Es darf jedoch nicht vergessen werden, dass mit diesem Reichstag auch die Sterbestunde des Täufertums eingeläutet wurde. Einige Gruppen konnten die schweren Verfolgungen zwar überstehen, der vitale Schwung des Aufbruchs wurde aber gebrochen und verflüchtigte sich zu Kümmerformen täuferischer Gemeindebildungen.

Das Wiedertäufermandat von Speyer

Der Inhalt des Wiedertäufermandats, genauer der »Konstitution«, die dem Reichsabschied beigefügt wurde, ist schnell zusammengefasst:

1. Wer wiedertauft oder sich der Wiedertaufe unterzogen hat, ob Mann oder Frau, ist mit dem Tode zu bestrafen, ohne dass vorher noch ein geistliches Inquisitionsgericht tätig zu werden braucht.

2. Wer sein Bekenntnis zu den Wiedertäufern widerruft und bereit ist, für seinen Irrtum zu sühnen, soll begnadigt werden. Er darf jedoch nicht Gelegenheit erhalten, sich durch Ausweisung in ein anderes Territorium einer ständigen Aufsicht zu entziehen und eventuell rückfällig zu werden. Die hartnäckig auf der täuferischen Lehre beharren, werden mit dem Tode bestraft.

3. Wer die Wiedertäufer anführt oder ihre Ausbreitung vorantreibt (Fürprediger, Hauptsacher, Landlauffer und die aufrührerischen Aufwiegler), soll »keines wegs«, also auch bei Widerruf nicht, begnadigt werden.

4. Wer nach einem ersten Widerruf rückfällig geworden ist und abermals widerruft, soll nicht mehr begnadigt werden. Ihn trifft die volle Strafe.

5. Wer die Taufe für seine neugeborenen Kinder verweigert, fällt ebenfalls unter die Strafe, die auf Wiedertaufe steht.

6. Wer von den Täufern in ein anderes Territorium entwichen ist, soll dort verfolgt und der Bestrafung zugeführt werden.

7. Wer von den Amtspersonen nicht bereit ist, nach diesen Anordnungen streng zu verfahren, muss mit kaiserlicher Ungnade und schwerer Strafe rechnen. […] (Deutsche Reichstagsakten unter Kaiser Karl V., VII. Band, 2. Halbband, bearbeitet von Johannes Kühn, Göttingen 1963, S. 1325 ff.)

Mit der Wiedertaufe ist ein Strafbestand so eindeutig gegeben, dass ohne Umschweife und Verzögerung zur Bestrafung geschritten werden kann. Eindeutigkeit und schnelles Aburteilen sollen langwierige und laxe Gerichtsverfahren gegen die Täufer gar nicht erst weiter einreißen lassen. Was noch alles hinzukommen, zur Entlastung oder Milderung der Strafe beigebracht werden mag, Wiedertaufe ist ein eindeutiger und ausreichender Strafbestand. Sie ist Ketzerei und wird mit dem Tode bestraft."

Prof. Dr. Hans-Jürgen Goertz (1980, Die Täufer. Geschichte und Deutung. C. H. Beck Verlag, München 1980, 2. erweiterte Aufl. 1988, S. 121 f. u. Evangelischen Verlagsanstalt, Berlin 1988)

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Pfarrer Paul Veraguth, Evangelisch-Reformierte Kirchgemeinde Wattenwil-Forst (Schweiz)

 


"Für Menschen, die sich in Kirchengeschichte ein bisschen eingelesen haben, ist es kein Geheimnis mehr, dass die allgemeine Taufe, der eigentliche Taufzwang für jedermann („jedes- kind“), zu einem Instrument der Macht mutierte oder gemacht wurde. In der einen Waagschale lagen die Interessen der grosskirchlichen Gebilde, in der andern die seelisch-geistlichen Bedürfnisse der zahllosen Mitglieder.

Denn bekanntlich sehnen sich alle Menschen nach dem Seelenheil und nach einem Rechtsein vor Gott. Dieses bekamen sie stets zugesprochen, jedoch zum Preis der Kirchenmitgliedschaft durch Taufe und Kirchensteuer. Es war ein ausgeklügeltes Spiel der Kräfte und Bedürfnisse. Es überlebte sogar die Reformation, die Grundlagenemeuerung der Kirche. Das Spiel ging weiter. Man erfand auch noch ein paar neue Regeln. […]

Also schufen wir die Konfirmation, das lateinische Wort für die persönliche „Bestätigung“ der Taufe. Trotzdem verzichten verantwortungsvolle Geistliche darauf, von Sechzehnjährigen vor versammelter Gemeinde ein Bekenntnis abzuverlangen. Wer möchte sie schon zum Heucheln zwingen? […] Ohne geistlichen Missbrauch."

Pfarrer Paul Veraguth (Februar 2005, Evangelisch-Reformierte Kirchgemeinde Wattenwil-Forst - Schweiz, Paul Veraguth: Sag mir, wo die Blumen sind. Das Anliegen der Wiedertaufe, Schleife Verlag Winterthur 2005, S. 16-17)

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"Es verstärkt sich der Eindruck, dass es bezüglich der Taufe offensichtlich gar kein Gespräch geben kann und darf. Alles ist in der Kirche und Theologie verhandelbar, selbst Gott; nur die [Baby] Taufe in ihrem bisherigen Verständnis als absolut einmaliger unwiederholbarer Akt ist davon ausgenommen. 

Daran ändert auch die offizielle Feststellung nichts, dass unsere reale Taufpraxis mehrheitlich als „in-discriminate baptisme“, d. h. als ein theologisch eher diffuses Geschehen zu betrachten sei, welches sich phänomenologisch vom Taufverständnis des NT erheblich unterscheidet. [...]

Die Kirche hat den Schrei gleichgeschlechtlich Empfindender gehört; aber hört sie auch den Schrei jener Minderheit, die als wirksames Zeichen für ihr Leben mit Christus eine Taufe in den Tod und die Auferstehung Jesu brauchen!? [...]

Realisieren wir, dass wir uns mit unserer dogmatischen Unbeugsamkeit zu Herren des Glaubens machen, wo wir doch Mitarbeiter der Freude sein sollten (2. Korinther 1,24)? Als die Starken im Glauben können wir nicht länger die zutiefst Taufbedürftigen am Wege sehen und an ihnen vorübergehen - in der Erwartung, dass sich ja die Freikirchler ihrer annehmen werden, falls sie sich mit ihrer Kindertaufe nicht zufrieden geben wollen. [...]

Nicht um das Rad der Geschichte zurückzudrehen. Dazu ist es zu spät. Und in den Aufbrüchen der Jugend- und Hauskirchen wird längst ungefragt und fröhlich getauft. Aber es müsste doch - mit Gottes Hilfe und der Bereitschaft, das Leben füreinander hinzugeben - möglich sein, dass die Zwinglis, Bullingers, Grebels und Manzens unserer Tage einander ihre Freundschaft nicht mehr länger aufkündigen, sondern gemeinsam einen Weg suchen, wie sie unter dem Dach der grossen Kirche ihrem Hauptmann Jesus Christus nachfolgen können."

Pfarrer Geri Keller (Februar 2005, Evangelisch-Reformierte Kirchgemeinde Wattenwil-Forst - Schweiz, Paul Veraguth: Sag mir, wo die Blumen sind. Das Anliegen der Wiedertaufe, Schleife Verlag Winterthur 2005, S.9-11)

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Wiedertäufer-Käfige am Kirchturm der Lambertikirche in Münster.

 


"Gottfried Kirschner … 1980 hatte er plötzlich die Idee, die Bibel einmal für sich zu lesen. Als er feststellte, dass im Neuen Testament keine Babys getauft werden sondern Erwachsene, begann eine Entwicklung, die das Ende als praktizierender Theologe bedeutete. Gottfried Kirschner ließ sich wiedertaufen und wurde prompt vom Dienst suspendiert."

SÜDKURIER (15. April 2003, Gott hilft nicht immer, www.suedkurier.de)

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"Erstmals hat die evangelische Kirche einen Pfarrer wegen einer Wiedertaufe gefeuert [1982]. Die Bischöfe fürchten eine Abkehr vom Prinzip der Babytaufe - und damit katastrophale finanzielle Folgen.

In der Pfarrgemeinde Schönstadt bei Marburg war Gottfried Kirschner allseits beliebt. Auch der Kirchenvorstand zeigte sich "äußerst zufrieden": "Ein fähiger Seelsorger."
Trotzdem wurde der Gefeierte gefeuert. Weil der Pastor, 38, sich Ende letzten Jahres noch einmal hatte taufen lassen, habe er, so das Kündigungsschreiben der protestantischen Kirchenoberen zu Kassel, "in schwerwiegender Weise gegen das Bekenntnis unserer Kirche verstoßen".

Der Rausschmiss hat Hirten wie Gläubige innerhalb der evangelischen Kirche überrascht: Mit Kirschner ist erstmals ein Pfarrer wegen einer Wiedertaufe entlassen worden - aber nicht nur deshalb.

Offiziell zwar geht es um den Vorwurf, Kirschner habe, so der Bischof der Evangelischen. Kirche von Kurhessen-Waldeck, Hans-Gernot Jung, mit seiner Zweit-Taufe die "heilige Kindestaufe für ungültig erklärt". Im Hintergrund aber steht das Misstrauen der Kirchenleitung gegenüber einer von Kirschner repräsentierten theologischen Strömung, deren Anhänger eine "charismatische Gemeindeerneuerung" fordern und der weitgehend erstarrten Amtskirche "erheblich zu schaffen" machen, wie Hessens Kirchenpräsident Helmut Hild einräumt.

Denn die charismatische Bewegung, die schon länger Katholiken, Baptisten und Methodisten fasziniert, entzündet seit etwa fünf Jahren zunehmend auch bei Protestanten "die Flamme der Gottesliebe", wie die Betschrift "Charisma" jubelt. Zur Anhängerschar, die von der evangelischen Kirchenführung auf rund 10 000 Christen geschätzt wird, zählen vor allem junge Leute, die sich von einer Tauferneuerung "neues Leben durch den Heiligen Geist" versprechen.

Pfarrer Kirschner ließ sich samt Ehefrau Irmlind und sechs weiteren Christen in der Ecclesia-Gemeinde zu Gießen nach urchristlichem Brauch wiedertaufen - "wie bei Petrus und Paulus, in weißen Gewändern und ganz unter" (Kirschner). Erst in der Taufe des erwachsenen Menschen komme die "wirkliche Entscheidung für Gott" zum Ausdruck. "Babys", so Kirschner, "haben noch keinen Glauben", der jedoch gehöre "unverzichtbar zum Sakrament".

Die Amtskirche beschimpft Geistliche wie Kirschner als "Revolutionäre" und "Sektierer" - vor allem, so scheint es, weil die Kirchenfunktionäre katastrophale finanzielle Folgen zu befürchten haben, falls das Beispiel der Charismatiker Schule macht und damit die Kindstaufe in Frage gestellt wird.

Denn allein die Babytaufe macht die Kirche zu einer Institution, bei der man leichter hinein- als herauskommt (nur durch amtlich beglaubigte Austrittserklärung). Die Kirchenoberen, argwöhnt Ketzer Kirschner, hätten erkannt, dass die Kirche "nicht von Gott erhalten wird, sondern vom Steuerzahler" - zu dem jeder im Kindesalter Getaufte "automatisch wird, sobald er Geld verdient".

Nach außen hin argumentieren die Kirchenleitungen nicht mit finanziellen, sondern mit theologischen Argumenten gegen die Erwachsenentaufe. Kassels Bischof Jung beruft sich auf den seit Luthers Reformation "gängigen Konsensus der Gläubigen", eine einzige, die erste Taufe genüge: "Alles andere berührt theologische Grundlagen." Der Herborner Theologie-Professor Wolfgang Kratz hält das abermalige Taufen gar für ein "Misstrauensvotum gegen Gott" - wenngleich Kratz gesteht, dass "die Ansicht der Amtskirche biblisch nicht belegt ist".

Tatsächlich gibt es im Alten wie im Neuen Testament, das auch die Erwachsenentaufe Jesu durch Johannes den Täufer schildert, weder ein Gebot der Kindstaufe noch ein Verbot der Wiedertaufe - ein Umstand, der offenbar dazu beiträgt, dass die Kirchenleitung eine breite öffentliche Diskussion des Falles Kirschner scheut. "Um weiteren Schaden von seiner Gemeinde abzuwenden", hat das Landeskirchenamt in Kassel den Schönstädter Pfarrer "dringend" aufgefordert, sich "in Gesprächen mit Gemeindegliedern" über den Grund seiner Entlassung "zurückzuhalten".

Im übrigen möge Kirschner sich "eine Wohnung an einem anderen Ort" suchen."

DER SPIEGEL (29. März 1982, KIRCHE. Leichter rein als raus, DER SPIEGEL 13/1982, www.spiegel.de)

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"Historisch gesehen kehren die einst aus Europa verdrängten spiritualistischen und „wiedertäuferischen" Strömungen zurück. Die Gestalt des Christentums, das sich im nordamerikanischen Kontext entwickelte, wird in ihrer globalen Bedeutung oft unterschätzt. Sie begegnet heute insbesondere in der Ausbreitung pentekostaler [pfingstlicher] Bewegungen. [...]

Im Kontext religiöser Globalisierungsprozesse nimmt ihr Einfluss auf das europäische Christentum zu.
Vielfältige Beziehungen und signifikante Unterschiede bestehen zum Pietismus. Dieser blieb weitgehend im Umfeld kirchlicher Organisationen und landeskirchlicher Grenzen und behielt vielerorts bis heute den Charakter einer kirchlichen Erneuerungsbewegung.

Erweckungsbewegungen aus dem angloamerikanischen Bereich überschreiten jedoch Konfessions- und Ländergrenzen. In den historischen Kirchen werden erweckliche Erneuerungsgruppen teils als Hoffnungszeichen, teils als Störung und Provokation empfunden.

Für ein christliches Selbstverständnis, das sich eng mit der säkularen Kultur verbunden hat, sind charismatisch und evangelikal geprägte Gemeinden und Gruppen ein Thema, das in direkten Zusammenhang mit der Fundamentalismusdiskussion gestellt und als Bedrohung für ein modernes, aufgeklärtes Christentum empfunden wird."

Dr. Reinhard Hempelmann (Dezember 2009, Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen - EZW, Evangelikalismus und nordamerikanische Erweckungsfrömmigkeit. In: Reinhard Hempelmann u.a. (Hg.), Evangelikale Bewegungen. Beiträge zur Resonanz des konservativen Protestantismus, EZW-Texte 206, Berlin: EZW, 2009, S. 5-6)

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Ausstellung in Langnau (Schweiz) zur Täuferverfolgung des 16.-18. Jahrhunderts (2007)

 


Artikel 5: Vom Predigtamt: "Gott hat das Predigtamt eingesetzt und das Evangelium (d.h. die Bibel) und die Sakramente gegeben. Nur dadurch kann der in CA 4 beschriebene rechtfertigende Glaube vermittelt werden.

Verdammt werden die Wiedertäufer, die davon ausgehen, dass in ihnen selbst der Heilige Geist spricht ohne die oben genannte Vermittlung" […]

Artikel 9: Von der Taufe: "Die Taufe ist notwendig zum Heil, da auch durch die Taufe die Gnade Gottes dargeboten wird. Folglich müssen auch bereits die Kinder getauft werden, weil sie in die Gnade Gottes durch die Taufe aufgenommen werden. Die Täufer, die die Kindertaufe ablehnen, werden hier verworfen." […]

Confessio Augustana (Augsburger Bekenntnis) (25. Juni 1530, Reichstag zu Augsburg, bis heute eine verbindliche Bekenntnisschrift der lutherischen Kirchen, https://de.wikipedia.org/wiki/Confessio_Augustana, Stand 2013)

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1. "Der Wiedertaufbeschluss des Landeskirchentages vom 28. August 1947 stellt fest: „Gemeindeglieder, die sich unter Missachtung einmal geschehener Taufe zum zweiten Male taufen lassen, haben sich selbst aus der Gemeinde und ihrem Leben ausgeschlossen.“ Dies bedeutet, dass jemand, der die Wiedertaufe an sich vollziehen lässt, von diesem Augenblick an nicht mehr zur evangelisch-reformierten Gemeinde gehört.

2. Der Beschluss stellt jedoch weiter fest: „Wiedertäuflinge können wieder aufgenommen werden, wenn sie ihre zweite Taufe als Versündigung erkannt haben" […]

Wiedertaufbeschluss des Landeskirchentages der Evangelisch-reformierte Kirche (28. August 1947, GVBl. Bd. 13, S. 117, www.kirchenrecht-erk.de/showdocument/id/11843, Stand 2013)

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"Die … vollzogene Taufe ist einmalig und unwiederholbar."

Orientierungshilfe zu Verständnis und Praxis der Taufe in der evangelischen Kirche (2008, Rat der EKD, www.ekd.de/download/TaufeEKD.pdf, S. 7, vgl. S.48, Stand 2013)

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(1) "Die evangelisch-lutherische Kirche erkennt alle Taufen an, die nach dem Auftrag Jesu Christi mit Wasser im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes vollzogen worden sind.

(2) Eine auf diese Weise vollzogene Taufe darf nicht wiederholt werden. Sie bleibt in jedem Fall gültig, auch beim Übertritt in eine andere christliche Kirche.

(3) Wer sich wiedertaufen lässt, bezweifelt die Geltung der als Kind oder Erwachsener empfangenen Taufe und widerspricht der Lehre und Praxis der Taufe in der evangelisch-lutherischen Kirche. Dem ist seelsorgerlich nachzugehen, auch der bekundeten Absicht dazu.

Mit einer Wiedertaufe geschieht die Trennung von der Landeskirche, solange die Betreffenden sich nicht von der Wiedertaufe distanzieren und ihr Einverständnis mit Lehre und Praxis der Taufe in der evangelisch-lutherischen Kirche bekunden."

Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsen (11. April 2005, Taufordnung Nr. 188, ABl. S. A 77, 10. Gültigkeit und Anerkennung der Taufe, www.kirchenrecht-ekd.de/getpdffile/id/3589, S. 452, Stand 2013)

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"Wenn sich jemand ein zweites Mal taufen lässt, stellt das aus der Sicht der Landeskirchen einen recht schweren Verstoß gegen ihre Lehre dar. Die taufe ist für die evangelischen Landeskirchen in jedem Fall ein einzigartiger Akt, dem man niemals wiederholen soll.

Wenn man es trotzdem tut und anschließend wieder in die Kirche eintreten will, so sollte man sich das gut überlegen und in einem Gespräch mit der Pfarrerin oder dem Pfarrer vor Ort deutlich machen, dass man diese zweite Taufe mittlerweile bereut."

Pfarrer Frank Muchlinsky (16. Juni 2014, Redakteur bei evangelisch.de, Eintritt nach zweiter Taufe? http://fragen.evangelisch.de/frage/3427/eintritt-nach-zweiter-taufe)

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"Die Taufe markiert die Aufnahme in die eine christliche Kirche. Diese verwirklicht sich nach evangelischem Verständnis nicht in einer Kirche allein. Der Getaufte gehört als Glied am Leib Christi zugleich auch einer Kirche an. Wechselt er in eine andere Kirche, bleibt die Taufe davon unberührt. Sie ist einmalig und unwiederholbar."

Evangelische Kirche in Deutschland - EKD (Taufe - Glaubens-ABC, www.ekd.de/glauben/abc/taufe.html, Stand 2013)

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"Theologisch muss festgehalten werden, dass die Taufe nicht geeignet ist, Ausdruck einer aktiven Antwort des Glaubenden zu sein; sie setzt nicht die Mündigkeit und den Glauben voraus, sondern ruft ihn hervor. Die Taufe von Säuglingen ist von daher eine Anerkennung der Voraussetzungslosigkeit des Handelns Gottes."

Orientierungshilfe zu Verständnis und Praxis der Taufe in der Evangelischen Kirche (2008, Rat der EKD, www.ekd.de/download/TaufeEKD.pdf, S. 7, vgl. S.43, Stand 2013)

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"Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden." [Luther-Übersetzung]

Jesus Christus (Markus 16,16)

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Dr. Margot Käßmann, 2009-2010 Ratsvorsitzende d. EKD, 1999-2010 Bischöfin d. EVLKA

 


"Luther war ein Kind seiner Zeit. Und ja, beim Thema Kindertaufe war er nicht tolerant. Mir war wichtig, dass wir diese Schattenseiten der Reformation in einem der Themenjahre zeigen, auch, weil mich immer wieder Menschen fragen, wie ich einen Menschen feiern kann, der so viele negative Seiten hat.

Dazu sage ich: Wir feiern ihn nicht blind. Als Nachkommen der Reformation nehmen wir das gesamte Erbe an. So hat es 2010 zum Beispiel einen Buß- und Versöhnungsgottesdienst mit dem Lutherischen Weltbund und den Mennoniten gegeben. […]

Ich denke, das Thema Taufe bleibt aktuell. 2007 haben sich Katholiken, Protestanten und Orthodoxe in Deutschland geeinigt, die Taufe wechselseitig anzuerkennen. Da konnten die Baptisten nicht unterschreiben. Das finde ich traurig.

Auch, wer Kinder aus theologischen Gründen nicht taufen möchte, sollte meiner Meinung nach nicht ein zweites Mal taufen, sondern in einer Zeremonie an die erste Taufe erinnern. Da bleibt also Diskussionsbedarf, vor allem zwischen EKD und Baptisten. […]

Es ist wichtig, dass wir die deutschen Freikirchen als Teil der reformatorischen Bewegung sehen. […] Wenn uns von außen vorgeworfen wird, der Protestantismus spalte sich ständig, dann müssen wir das ernst nehmen. Wir müssen im Dialog bleiben und zeigen: Wir sind gemeinsam evangelisch mit unterschiedlichen Akzentuierungen. Es liegt eine kreative Kraft in dieser Vielfalt."

Altbischöfin Dr. Margot Käßmann (10. November 2013, 2009-2010 Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, 1999–2010 Bischöfin der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover, Drei Fragen an Margot Käßmann, Christliches Medienmagazin pro, Ausgabe 6/2013, S. 5, www.pro-medienmagazin.de)

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"„Denken und reflektieren, verstehen können und fragen dürfen“, so Käßmann, sei und bleibe ein wichtiges „reformatorisches Anliegen“. Dieser wichtige Impuls konterkariere die Haltung „nicht fragen, schlicht glauben!“ [...] Jedweder Ausprägung von Fundamentalismus aber, so die Botschafterin weiter, stelle sich eine wichtige Kernbotschaft der Reformation entgegen, nämlich: „Selbst denken!“"

Prof. Dr. Dr. h.c. Margot Käßmann (25. März 2014, Botschafterin des Rates der EKD für das Reformationsjubiläum 2017, 2009-2010 Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, 1999–2010 Bischöfin der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover, Kernbotschaft der Reformation: „Selbst denken!“, EKD-Botschafterin Margot Käßmann würdigt Jan Hus in Prag, Pressestelle der EKD, www.ekd.de)

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Dann war da noch..  Schlusslichter

 

Eine feine Frau kommt zum katholischen Pfarrer: "Herr Pfarrer, ich möchte meinen Hund taufen lassen." "Das geht nicht", so der Geistliche. Die Frau: "Ja, dann gehe ich eben zum evangelischen Kollegen und bringe ihm die Spende von 5.000 Euro." Darauf der Pfarrer: "Warum haben Sie es nicht gleich gesagt, dass der Hund katholisch ist?"

Die Aktion bleibt aber nicht lange geheim und schon bald wird der Pfarrer zum Bischof zitiert. Nach einer Moralpredigt des Kirchenfürsten, erklärt der schuldige Pfarrer, dass die Hundebesitzerin immerhin 5.000 Euro gespendet habe. Da meint der Bischof: "Ist der Hund auch schon gefirmt?"

(Unbekannter Autor?)

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