
Diskussion:
Christlicher Terrorismus
Beiträge zum Thema christlicher Fundamentalismus
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Die vielstimmigen Diskussionsbeiträge und Zitate dieser Website geben nicht
notwendig unsere eigene Meinung (fundamentalismusdebatte.de) wieder.
Wir möchten uns an dieser Stelle ausdrücklich von christlichen Terrorgruppen
distanzieren! Wir lehnen jede Form von Gewalt ab - sei sie physischer oder
psychischer, personaler oder struktureller Natur!
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Diskussion
"Kirchenvertreter haben mit Entsetzen und Trauer auf die verheerenden
Anschläge mit 92 Toten in Norwegen reagiert. […] Am Freitag waren bei einer
Bombenexplosion im Regierungsviertel von Oslo sieben Menschen und bei einem
anschließenden Massaker in einem sozialdemokratischen Ferienlager auf der
Insel Utöya 85 Menschen getötet worden.
["Die norwegische Polizei hat die Zahl der Opfer
der Anschläge nach unten korrigiert. Insgesamt starben 76 Menschen. Acht
wurden bei der Bombenexplosion in der Osloer Innenstadt, 68 Menschen auf der
Insel Utöya getötet. Zuvor ging die Polizei von 93 Toten aus." 26. Juli
2011, www.tagesschau.de]
Der 32-jährige mutmaßliche Täter
gehört der rechten Szene an und ist nach Polizeiangaben
"christlich-fundamentalistisch" orientiert. […]
Der EKD-Ratsvorsitzende Schneider äußerte sich in Hannover "tief erschüttert
von den brutalen Gewalttaten". Keine politische oder religiöse Lehre könne
Begründung sein für diesen Akt des kaltblütigen Mordens, unterstrich der
rheinische Präses. [...]
Der nordelbische Bischof Gerhard Ulrich unterstrich, wenn der Täter
tatsächlich einen christlich-fundamentalistischen Hintergrund habe, dann
müsse "ein ganz klarer und ganz scharfer Trennungsstrich" gezogen werden.
Terror und Mord ließen sich auf keine Weise rechtfertigten und hätten mit
Glaube, Liebe und Hoffnung im christlichen Sinn "absolut nichts zu tun".
Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers
(24. Juli 2011, Trauergottesdienst in Oslo / Gedenken in vielen
Sonntagsgottesdiensten in Deutschland, epd-Landesdienst
Niedersachsen-Bremen, www.evlka.de)
Diskussion
"Ich bin tief erschüttert von den brutalen Gewalttaten, die sich gestern in
Norwegen ereignet haben und die so viele unschuldige Menschen in den Tod
gerissen haben.
Unsere Gedanken und Gebete sind bei den Familien und Freunden der Getöteten
und bei allen Menschen, die fassungslos sind angesichts dieser Gewalt. Wir
trauern um die vielen Jugendlichen, die auf der Insel Utoya ihr Leben lassen
mussten. Und wir beklagen die Opfer der Bombardierung der Regierungsgebäude
in Oslo.
Nichts und niemand kann solche feigen Anschläge rechtfertigen, keine
politische oder religiöse Lehre können Begründung sein für diesen Akt des
kaltblütigen Mordens.
Am morgigen Sonntag werden Christinnen und Christen in den Gottesdiensten in
Deutschland die Betroffenen und das norwegischen Volk in ihre Gebete
einschließen. Wir bringen unsere Trauer und unsere Fassungslosigkeit vor
Gott.
Wir vertrauen darauf, dass Gott die Verstorbenen beim Namen ruft, er ruft
aus der Finsternis ins Licht. Und wir vertrauen darauf, dass Gott einst den
Schmerz überwindet, wie es uns in der Offenbarung des Johannes gesagt wird:
„Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht
mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein."
Präses Nikolaus Schneider (23. Juli 2011,
Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland - EKD,
Präses der Evangelischen
Kirche im Rheinland (EKiR),
EKD-Ratsvorsitzender: Trauer und Bestürzung angesichts der Anschläge in
Norwegen, Pressestelle der EKD,
www.ekd.de/presse
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24. Juli 2011, Trauer in der Innenstadt von
Oslo, www.faz.net
"Nach dem Doppelanschlag in Norwegen wurde zunächst
gemutmaßt, hinter den Taten stünden Islamisten. Doch nun steht ein
christlicher Fundamentalist im Fokus - und damit ein Spektrum, das die
Behörden so gar nicht auf dem Schirm hatten.
Dass die Gewaltakte mit mindestens 91 Todesopfern nach Angaben der Polizei
von einem christlichen Fundamentalisten verübt wurden, hatten auch die
norwegischen Behörden nicht kommen sehen. [...]
Die tödlichsten Anschläge in Europa seit den islamistischen Anschlägen 2004
in Madrid wurden am Freitag aber nicht von irregeleiteten Muslimen verübt,
sondern offenbar von einem 32-jährigen Norweger, den die Polizei am Samstag
als rechtsgerichteten christlichen Fundamentalisten einstufte.
Medienberichten zufolge beschrieb er sich auf seiner Facebook-Seite als
"christlich", "konservativ" und der Jagd zugetan. Außerdem soll er Kontakte
zur rechtsextremen Szene unterhalten haben. [...]
Außenminister Jonas Gahr Store sagte am Samstag bei einer Pressekonferenz in
Oslo: "Das ist ein Phänomen, das wir sehr ernst nehmen müssen." Store warnte
vor voreiligen Schlüssen, weil die Polizei erst am Anfang ihrer
Ermittlungsarbeit stehe. Zugleich zeigte sich der norwegische Außenminister
fassungslos über das Blutbad in Oslo und Utoya mit insgesamt mehr als 90
Toten: "Es ist eigentlich unmöglich zu glauben, dass ein Mensch so etwas tun
kann." [...]
Anders Behring B. kannte kein Erbarmen. Einige Jugendliche hatten vergeblich
versucht, sich tot zu stellen. Anders Behring B. tötete sie dennoch - durch
Kopfschuss. Die Überlebenden des Sommercamps der norwegischen Arbeiterpartei
schildern Minuten der Hölle. Einige von ihnen werden noch immer vermisst.
Die Überlebenden des Jugendcamps auf der norwegischen Insel Utoya können das
Grauen kaum in Worte fassen. Der Mann, der dort am Freitag mindestens 85
Menschen getötet hat, hatte sich als Polizist verkleidet, um die
Jugendlichen in Sicherheit zu wiegen. Er habe sie gebeten, näherzukommen und
habe anschließend das Feuer eröffnet, berichteten die Überlebenden, die nach
dem Massaker in das Dorf Sundvollen gebracht worden waren. Noch ist nicht
das Schicksal aller Jugendlichen klar. Vier bis fünf von ihnen werden noch
immer vermisst, wie die Polizei am Samstagabend mitteilt.
Viele der Überlebenden, die Mitglieder der Jugendgruppe der
sozialdemokratischen Arbeiterpartei sind, wirken äußerlich ruhig, als sie in
Sundvollen von ihren Eltern abgeholt werden. Doch die Erlebnisse, von denen
sie erzählen, zeugen von Momenten des Grauens.
Der Schütze habe zwei Mal auf seine Opfer geschossen, um sicherzugehen, dass
sie tot seien, sagt einer der Überlebenden, Dana Berzingi, als er mit
blutverschmierter Hose darauf wartet, nach Hause zu kommen. Einige der Opfer
hätten auch vergeblich versucht, sich tot zu stellen, ihnen sei aber in den
Kopf geschossen worden. "Ich habe viele Freunde verloren", sagt der
21-Jährige. […]
"Erst schoss er auf Leute auf der Insel, dann begann er auf die im Wasser zu
schießen", sagt das Mädchen. Sie habe sich hinter einem Felsen versteckt,
auf dem der Täter stand. "Ich konnte ihn atmen hören", beschreibt die
15-Jährige die schrecklichen Minuten auf der Insel. Sie habe ihre Eltern auf
dem Handy angerufen und ihnen zugeflüstert, was gerade geschehe. "Sie haben
mir gesagt, ich soll nicht in Panik geraten, alles würde gut werden."
Focus (23. Juli 2011, Kein Islamist, sondern
ein christlicher Fundamentalist. Behörden waren auf dem rechten Auge blind.
u. Massaker im Jugendlager auf Utoya. Anders Behring B. kannte kein
Erbarmen, www.focus.de)
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Anders Behring Breivik (Bild) verfasste ein
Dokument mit dem Titel:
"2083. A European Declaration of Indepence"
[2083. Eine europäische Unabhängigkeitserklärung]
Wortsuche "Jesus": 62 Ergebnisse
Wortsuche "God" [Gott]: 330 Ergebnisse
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Die vielstimmigen Diskussionsbeiträge und Zitate dieser Website geben
nicht notwendig unsere eigene Meinung (Fundamentalismusdebatte.de) wieder.
Wir möchten uns an dieser Stelle ausdrücklich von dem Dokument: "2083. A European Declaration of Indepence"
(siehe Beiträge) distanzieren!
Wir lehnen jede Form von Gewalt ab - sei sie physischer oder psychischer,
personaler oder struktureller Natur!
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"Seit gestern sind das Orte des Schreckens: Ein zerstörtes
Regierungsviertel, sieben Tote; ein Sommercamp, das zur Hölle wurde, weil
ein einziger Mann 84 Jugendliche niederschoss. Die Polizei hat jetzt den
mutmaßlichen Täter festgenommen: Ein christlicher Fundamentalist mit rechten
Überzeugungen. So heißt es.
Und dazu soll ich nun ein Wort zum Sonntag zu Ihnen sprechen. Das fällt mir
schwer. Denn das Ausmaß des Terrors ist so groß, dass ich kaum glauben kann,
dass ein einzelner Mensch dazu fähig ist. Einer, der sich selbst auch noch
als christlich beschreibt.
Der Mann wollte der Polizei gegenüber seine Motive darlegen. Irgendwie
möchten wir alle ja eine Erklärung. Aber im Grunde kann kein Motiv die Opfer
aufwiegen. Die toten jungen Menschen, ihre Familien, ihre Trauer - da wirkt
doch jedes scheinbar noch so starke Motiv wie Hohn.
Mir wird fast schlecht, wenn ich lese, was der Täter im Internet
veröffentlich hat: Er schreibt: „Der Glaube eines einzelnen Menschen ist
gleich wie die Kraft von 100.000, die nur Interessen haben.“
Was für ein Glaube nimmt dieser Mann für sich in Anspruch? Ein Glaube, der
im Töten endet? Das ist nicht mein Glaube.
Das ist nicht mein christlicher Glaube.
Es ist ein fundamentalistischer Glaube. Fundamentalisten, egal welcher
Couleur, dulden keine Widersprüche. Sie können die lebendige
Auseinandersetzung nicht ertragen. Sie können überhaupt das Leben nicht
zulassen. Da läuft etwas grundsätzlich schief, wenn Gedanken extrem werden,
ob sie nun christlich, islamisch, rechts- oder linkspolitisch sind. Sie
führen dazu, dass sich Menschen radikalisieren. Wer fundamentalistisch
denkt, schätzt leicht den Tod höher als das Leben.
Der Täter von Oslo, vielleicht waren es ja auch mehrere, er hat seine
Mordobjekte gezielt ausgesucht: Das Regierungsviertel in Oslo ist Sitz einer
Demokratie. Demokratie ist immer etwas Lebendiges. Da werden Kompromisse
ausgehandelte, Widersprüche diskutiert, Grundwerte verfochten. Genau ins
Herz dieser lebendigen Demokratie hat der Täter getroffen.
Und die Ferieninsel Utoya, auch sie steht mit seinem Jugendcamp für Leben,
für junge Menschen, für lebendige Beziehungen. Genau ins Herz dieses
pulsierenden Lebens hat der Täter getroffen.
Er wurde damit zum Anwalt des Todes. Nimmt er dafür einen Gott für sich in
Anspruch? Dann ist das ein Götze des Todes.
Aber wo ist mein Gott, der Gott an den ich glaube, der christliche Gott? -
Ganz tief in mir drin hätte ich mir gewünscht, dass er sich dem jungen Mann
in den Weg gestellt hätte, dass er ihn an seiner furchtbaren Tat gehindert
hätte.
Aber so ist es nicht gelaufen. So funktioniert diese Welt nicht. Das Böse
kann sich offensichtlich immer wieder sinnlos austoben und Tote fordern.
Wenn es aber Gott gibt, und ich glaube daran, dann ist er Anwalt des Lebens.
Dann war er bei der Tragödie von Oslo auf der Seite der Lebenden, auf der
Seite der Jugendlichen im Sommercamp, dann ist er auch jetzt bei den
trauernden Familien, die ihre Kinder beweinen.
Darin steckt mehr Leben und Glauben als in jener sinnlosen Tat."
Pfarrerin Adelheid Ruck-Schröder
/ Das Wort zum Sonntag (24. Juli 2011, Das Wort zum Sonntag - Bombenterror
in Oslo schockiert die Welt, Saarländischen Rundfunk, ARD, Das Erste,
www.rundfunk.evangelisch.de)
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Juli 2011, Insel Utøya bei Oslo: am Ufer
zugedeckte Opfer, www.faz.net
"Christen weltweit haben den Doppelanschlag von Oslo scharf verurteilt. Wie
der christliche Glaube des mutmaßlichen Täters Anders B. aussieht, ist
bislang unklar. Ein langes Manifest des 32-Jährigen verrät nun aber viel
über seine kruden Ansichten, die kaum mit christlichen Überzeugungen zu
vereinbaren sind. Es legt nahe, dass sich B. selbst als "kulturellen
Christen" sieht und nicht als "religiösen".
Ein "christlicher Fundamentalist" habe den Bombenanschlag in der Osloer
Innenstadt verübt und auf der Insel Utøya auf Menschen geschossen, meldeten
in diesen Tagen viele Medien. Nun versuchen Polizei und Medien, ein Profil
des Attentäters zu zeichnen und die Frage zu beantworten, ob er Christ war.
[...]
Wie die "Christian Post" berichtet, ließ sich der Norweger offenbar im Alter
von 15 Jahren protestantisch taufen, zeigte sich später aber sehr enttäuscht
von der Kirche. Die protestantische Kirche müsse "zurück zur katholischen
Kirche" kommen. Die Zeitung trug aus verschiedenen Internet-Foren Zitate des
Norwegers zusammen. "Heute ist die protestantische Kirche ein Witz", schrieb
der Norweger in einem Forum. "Priester marschieren in Jeans für Palästina,
und die Kirchen sehen aus wie kleine Shopping-Center." [...]
Wenige Tage vor dem Attentat hat der Norweger ein 1.500 Seiten umfassendes
"Manifest" verfasst und im Internet veröffentlicht. Wie die
Nachrichtenagentur NTB am Samstagabend meldete, soll das Buch unter dem
Titel "2083. A European Declaration of Indepence" unter dem Pseudonym Andrew
Berwick veröffentlicht worden sein.
Es handele unter anderem von "Rassenkrieg" und der Frage, wie Europa sich
von Zuwanderern befreien könne. Als letzter Eintrag sei vermerkt: "Ich
glaube, dies ist der letzte Eintrag, den ich schreibe, Es ist jetzt Freitag,
der 22. Juli, 12.51." Etwa zweieinhalb Stunden später explodierte in der
Osloer Innenstadt die Bombe. In dem englischsprachigen Manifest bezeichnete
sich B. als Tempelritter. Unterzeichnet ist es mit "Arme Ritterschaft
Christi und des salomonischen Tempels".
Darin heißt es unter anderem: "Nicht alle Kulturen sind gleichwertig. Einige
Kulturen sind besser als andere, einige sind unsere Freunde, einige unsere
Feinde." Muslime und Marxisten seien dabei, die europäischen Kulturen zu
unterwandern und zu zerstören, schreibt B. "Gewalt ist die Mutter des
Wandels", heißt es weiter. B. listet zudem verschiedene Rezepte zur
Herstellung von Sprengstoffen und Chemikalien auf.
Bezüglich seines eigenen christlichen Glaubens schreibt B. dort: "Eine
Mehrheit der so genannten Agnostiker und Atheisten in Europa sind kulturelle
konservative Christen, ohne es selbst zu wissen. Was also ist der
Unterschied zwischen kulturellen Christen und religiösen Christen? Wenn man
eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus und Gott hat, dann ist mein ein
religiöser Christ. Ich und viele andere wie ich haben nicht notwendigerweise
eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus und Gott. Wir glauben aber an
das Christentum als kulturelle, soziale und moralische Plattform. Das macht
uns zu Christen."
Christliches Medienmagazin pro (24. Juli
2011, Wer war der Attentäter von Oslo? www.pro-medienmagazin.de)
Diskussion
"Breivik sieht sich als Kreuzritter, der an der Spitze einer neuen
"westeuropäischen Widerstandsbewegung" reitet. In seiner Schrift propagiert
er den Wiederaufstieg der Templer, jenes geistlichen Ritterordens, der in
Folge des Ersten Kreuzzugs entstand, als die Christen Palästina von den
Muslimen zurückeroberten.
Die "europäische Reinigung" müsse ebenso gewaltsam sein wie dieser Kreuzzug,
schreibt Breivik. Ein ganzes Kapitel lang legt er detailliert dar, warum es
ausdrücklich nötig sei, Frauen zu töten. So lasse sich besonders gut Druck
aufbauen, um die eigenen politischen Ziele durchzusetzen."
DER SPIEGEL (24. Juli 2011, 1516 Seiten
Wahn. Manifest des Massenmörders, www.spiegel.de)
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Juli 2011, Bombenexplosion im Regierungsviertel
von Oslo
"In einer ersten Stellungnahme am Freitag hatte die norwegische Polizei den
Attentäter Anders Breivik etwas unbeholfen als
"christlich-fundamentalistisch“ beschrieben. Mit der Bezugnahme des
Attentäters nicht nur auf das Christentum, sondern auch auf die Freimaurerei
lässt sich diese Aussage nicht in Übereinstimmung bringen. Denn die
Freimaurerei beruft sich in deistischer Manier nur sehr vage auf einen
"Allmächtigen Baumeister aller Welten“, ist aber strikt auf das Diesseits
gerichtet und zudem – gerade in den katholisch geprägten Ländern Europas –
in fast allen ihren Facetten feindlich gegen die Kirche eingestellt.
Als christlicher Fundamentalist kann Breivik auch deshalb nicht gelten, weil
er sich in seinem 1518 Seiten starken Schriftenkonglomerat so gut wie gar
nicht darum bemüht, seine Ansichten aus der Bibel heraus zu begründen, was
das wichtigste Kriterium für Fundamentalismus wäre. Für die wesentlichen
Themen des christlichen Fundamentalismus – Irrtumslosigkeit der Bibel,
leibliche Auferstehung, Sühnetod Christi – zeigt Breivik in seinem Pamphlet
keinerlei Interesse.
In seiner Polemik gegen den "Multikulturalismus“, der den Westen im Kampf
gegen den Islam schwächt, kommt Breivik allerdings fortwährend auf Gott,
Kirche und Christentum zu sprechen. Für den Attentäter hat das ihm
vorschwebende, ideale Christentum aber keinen im engeren Sinne religiösen
Zweck, sondern vor allem den, als kulturelle Klammer für ein wehrhaftes
Abendland zu dienen. Breiviks Ausführungen in Fragen der Religion ähneln den
ausführlichen Passagen des anonymen anti-islamischen Bloggers "Fjordman“,
die der Attentäter in sein Pamphlet eingebaut hat. "Fjordman“ tritt als
"nichtreligiöse Person“ für eine Wiederbelebung des Europäischen
Christentums ein."
Frankfurter Allgemeine Zeitung F.A.Z. (26. Juli 2011, Fanatische Fantasy von Reinhard Bingener, www.faz.net)
Diskussion
"Jeder Versuch, Breivik als faschistoiden Rechtsextremen oder christlichen
Fundamentalisten zu beschreiben, ist nicht mehr als ein hilfloser Reflex.
[...]
Was ist es, das diesen Mann antreibt und ein Jahrzehnt lang planen lässt,
wenn nicht die Geltungssucht? Oder besser: Was außer übersteigertem
Islam-Hass ist es, was ihn so abstieß, dass er, der in recht
durchschnittlichen Verhältnissen aufwuchs, zu einem Massenmörder wurde, zu
einem paranioden Killer, der nächtelang Chemikalien für Bomben braut, sich
mit Steroiden vollpumpt und Jubelschreie ausstößt, während er junge Menschen
der (wie er sagt) „Stoltenberg-Jugend“ förmlich hinrichtet, in falscher
Polizeiuniform? [...]
Womöglich kam dieser Mann einfach aus der Mitte. Oder, wie ein Polizist es
sagte: Aus dem Nichts. Antworten auf die Frage, wie das alles sein kann, in
einem mustergültigen „kleinen Land“ wie diesem, wird Norwegen freilich nicht
über Nacht erhalten. Fest steht nur: Eine Insel am Rande Europas, eine Insel
des Glücks wie jene inmitten des kaltes Fjordes, ist Norwegen seit Freitag
nicht mehr. Ein Albtraum."
Frankfurter Allgemeine Zeitung F.A.Z. (25.
Juli 2011, Norwegen nach den Anschlägen. Mein kleines Land gibt es nicht
mehr, www.faz.net)
Diskussion
"Sicher, Anders Breivik ist ein Irrer, ein eiskalter Killer […] der erste
antimuslimische Terrorist in Europa. Er ist aber auch ein Ideologe. Einer,
der seinen Mordplan mit absurden Thesen zu rechtfertigen sucht.
Zu unserem Entsetzen darüber, dass er Jugendliche wie Aliens in einem
Computerspiel abgeschossen hat, kommt ein Erschrecken über einen
Terroristen, der blond und blauäugig im Namen des Christentums tötet. Dabei
hat mit Christentum Breivik wirklich nichts zu tun. Genauso wenig übrigens
wie Islamisten mit dem Islam. Breivik ist ein Hasstäter, einer der
totschießt, was nicht in sein Weltbild passt. Breiviks Taten sind ganz
einfach Gotteslästerei. Und das gilt auch für Terroristen im Namen Allahs.
Breivik hat heute behauptet, er sei nicht allein. Wir wissen, es gibt
ähnliche Taten, von Oklahoma City bis zu Anschlägen auf Abtreibungskliniken.
'Kreuzzug' hat auch George Bush den Irak-Krieg genannt, und mancher
Amerikaner sieht das immer noch so.
Dabei ist das Christentum keine Religion des Mordens, nicht absolute
Wahrheit, mit Blut, Kampf. Im Gegenteil, Barmherzigkeit und Feindesliebe
stehen über allem. Deswegen müssen die christlichen Kirchen die Trennlinie
zu fundamentalistischen Gruppen scharf ziehen, ihnen nicht überlassen zu
definieren, was christlich ist. Die Kreuzzüge sind vorbei, Glaube und
Moderne vereinbar. […] Wir müssen uns schützen vor den Unauffälligen, die
unser Gesellschaft zerstören wollen."
Dr. Peter Frey (25. Juli 2011,
ZDF-Chefredakteur, heute journal Diskussion zum Osloer Attentat des
32-Jährigen Anders Behring Breivik, ZDF heute journal, www.zdf.de/ZDFmediathek)
Diskussion

Dr. Peter Frey, ZDF-Chefredakteur, 2011
KNA: "Herr Hempelmann, der Attentäter wird in der Presse als
christlicher Fundamentalist bezeichnet. Was kennzeichnet einen religiösen
Fundamentalisten?
Dr. Reinhard Hempelmann: Er beruft sich pointiert auf bestimmte
heilige Schriften und versteht sie wortwörtlich. Ferner bezieht er sich auf
ein spezifisches Religionssystem und möchte seine religiösen Überzeugungen
durchsetzen.
KNA: Ist dies bei Breivik der Fall?
Hempelmann: In seinem im Internet veröffentlichten Pamphlet lassen
sich diese Charakteristika nicht finden.
KNA: Dennoch gibt es deutliche Feindbilder, etwa den Islam oder die
Demokratie.
Hempelmann: Sicherlich orientiert sich der Fundamentalismus auch an
Feindbildern. Aber ich kann keinerlei Bezug zu einer organisierten Form des
Fundamentalismus entdecken. Breiviks Antiislamismus ist eher politisch und
nicht religiös motiviert. Ferner findet sich eine dezidierte Ablehnung der
Demokratie.
KNA: Inwiefern ist die Anwendung von Gewalt Teil des
Fundamentalismus?
Hempelmann: Diese Verbindung findet sich vor allem in Teilen des
Islamismus, wie dies auch die Anschläge vom 11. September 2001 zeigten. Sie
ist aber keineswegs zwangsläufig. Im christlichen Fundamentalismus führt die
besondere Auslegung der Heiligen Texte nicht automatisch zur Gewalt. Deshalb
muss etwa zwischen Fundamentalismus und Terrorismus beziehungsweise der
Anwendung von Gewalt unterschieden werden; auch wenn es gewaltbereite
Gruppen gibt, die fundamentalistische Begründungen für sich in Anspruch
nehmen.
KNA: Gibt es in Europa christlich-fundamentalistische Gruppen, die
Gewalt legitimieren?
Hempelmann: Europa gehört nach den Worten des nordamerikanische
Fundamentalismus-Forschers Martin Marty zum "fundamentalismusschwachen
Gürtel", der sich gleichsam um den Erdball zieht. Eine enge Verbindung zur
Gewalt oder zu gesellschaftlichem Machtstreben zeigt sich hier nicht.
KNA: Welche politische Bedeutung kommt ihnen dann zu?
Hempelmann: Sie sind politisch begrenzt relevant. Der US-Soziologe
Martin Riesebrodt unterscheidet zwischen einem "Fundamentalismus der
Weltentsagung" und einem "Fundamentalismus der Welteroberung", der nach
politischer Macht strebt. In Europa dominiert die Variante der
Weltentsagung.
KNA: Wie bewerten Sie vor diesem Hintergrund die Charakterisierung
Breiviks als "Fundamentalist"?
Hempelmann: Ein solcher Sprachgebrauch ist irreführend. Damit wird
suggeriert, es gebe einen Bezug zu derartigen Strömungen oder Gruppen.
KNA: Wie steht es aber um die persönliche Überzeugung?
Hempelmann: Auch hier spielt die religiöse Überzeugung als Motivation
für die monströse und menschenverachtende Tat offenbar keine Rolle, soweit
man dies den bekannt gewordenen Schriften entnehmen kann.
KNA: Wie bewerten Sie also den Bezug des Attentäters zur Religion?
Hempelmann: Er ist ideologisches und eklektisches Beiwerk, spielt
aber, soweit man sehen kann, keine wesentliche Rolle. Es stellt sich aber
ganz grundsätzlich die Frage, ob die Texte des Pamphlets überhaupt als in
sich schlüssig anzusehen sind. Nach meiner Überzeugung ist der Versuch,
dieses Attentat auf dem Hintergrund eines christlichen Fundamentalismus zu
interpretieren, nicht zielführend. Viele andere Aspekte spielen eine
wesentlich dominierendere Rolle."
Dr.
Reinhard Hempelmann / KNA
Katholische Nachrichten-Agentur (26. Juli 2011, Leiter der
Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen EZW Berlin, Der
Begriff Fundamentalist ist irreführend, www.katholisch.de)
Diskussion

Dr. Reinhard Hempelmann, Leiter EZW Berlin,
www.ekd.de/ezw/
"Gewaltsamer Aufstand christlicher Fundamentalisten"
"In den USA wird eine Gruppe fundamentalistischer Christen der gewaltsamen
Verschwörung gegen die US-Regierung beschuldigt.
Die US-Ermittlungsbehörden haben nach eigenen Angaben eine Verschwörung
militanter Christen gegen die Regierung aufgedeckt. Die Staatsanwaltschaft
in Detroit erhob am Montag Anklage gegen neun mutmaßliche Mitglieder der
radikalen Gruppe Hutaree.
Sie sollen seit 2008 regelmäßig mit Waffen trainiert und den Bau von
Sprengsätzen geübt haben. Die Gruppe habe geplant, einen Polizisten zu töten
und dann bei dessen Beerdigung Bomben zu zünden, heißt es in der
Anklageschrift
Hutaree habe geglaubt, auf diese Weise "einen Aufstand gegen die Regierung"
anzetteln zu können. Acht der neun Angeklagten waren am Wochenende bei
Razzien der Bundespolizei FBI in den US-Staaten Michigan, Indiana und Ohio
festgenommen worden.
Der neunte wurde erst nach der Anklage-Erhebung am Montagabend in Michigan
gefasst, wie das FBI mitteilte. US-Justizminister Eric Holder nannte die
Festnahmen "einen Schlag gegen eine gefährliche Organisation, die heute
einer Verschwörung beschuldigt wird, Krieg gegen die Vereinigten Staaten zu
führen"."
stern (30. März 2010, Gewaltsamer Aufstand
christlicher Fundamentalisten, www.stern.de)
Diskussion
"Krieg gegen den Antichristen in Washington"
"Der Plan der "Hutaree"-Gotteskrieger war teuflisch simpel: Ermordet einen
Polizisten, tötet Hunderte Polizisten, die zu seinem Begräbnis
zusammenkommen, dann greift die Herrschaft des Antichristen in Washington
an.
Am Wochenende vereitelten Einheiten der US-Bundespolizei FBI mit Festnahmen
in den Staaten Michigan, Indiana und Ohio diesen Plan, der auch von
Dschihadisten in einem afghanischen oder irakischen Dorf hätte ersonnen
werden können.
Neun amerikanische Christenmenschen, acht Männer und eine Frau zwischen 20
und 46 Jahren, werden von US-Justizminister Eric Holder beschuldigt, sich
heimtückisch "zum Krieg gegen die Vereinigten Staaten" verschworen zu haben.
Die Anklage umfasst Volksverhetzung, Einsatz von Waffen für ein Verbrechen,
Ausbildung und versuchter Gebrauch von Massenvernichtungswaffen.
Alles im Namen des Herrn: "Um das Zeugnis Jesu mit dem Schwert gegen den
Antichristen zu verteidigen."
Das FBI und die lokalen Polizeieinheiten, die im Morgengrauen mit
Hundertschaften, Panzerspähwagen und schwerer Bewaffnung anrückten, um die
Milizionäre festzunehmen, mussten mit bewaffnetem Widerstand rechnen. [...]
Die Hutaree-Krieger taten sich durch ihre radikale Frömmigkeit hervor. Zu
den wenigen weltlich politischen Äußerungen der Gruppe findet sich auf ihrer
Webseite immerhin der Hinweis, die Einigung Europas sei der Beginn der
Weltherrschaft des Bösen und Javier Solana vielleicht der Antichrist selbst.
Die Selbstbeweihräucherung der US-Apokalyptiker gleicht bis in die Phrasen
("So Gott will") ihren islamistischen Geistesbrüdern in aller Welt."
DIE WELT (31. März 2010, Krieg gegen den
Antichristen in Washington, www.welt.de)
Diskussion
"Was also ist geschehen? Was weiß man sicher? Vorigen Samstag führte eine
gemeinsame Anti-Terror-Einsatzgruppe von FBI und Homeland Security
Hausdurchsuchungen in Michigan, Ohio und Indiana durch. Sie hatten das
Treiben der Hutaree ("christliche Krieger") bereits seit einiger Zeit
beobachtet. Nun nahmen sie acht Verdächtige fest. Der neunte wurde erst nach
der Anklage-Erhebung in Michigan gefasst.
Diese "christian warriors", die sich laut ihrer Internet-Selbstdarstellung
auf die Endzeit vorbereiten und den "Kampf gegen den Antichristen
trainieren", sollen einen perfiden Plan gehabt haben: zunächst einen
Polizisten umbringen, dann die anschließende Trauerfeier sprengen - im
wahrsten Wortsinne. Denn weil vermutlich viele Kollegen gekommen wären,
hätten sie mit dem geplanten Sprengstoffattentat gleich viele "Feinde aus
dem Regierungsdienst" erledigen können. [...]
Wie gefährlich diese Militia-Gruppe wirklich war und wie gut die Beweislage
ist, wird der Prozess zeigen. Noch hat das FBI nicht erklärt, ob es auch die
Michiganer Truppe zu jenen 363 rechten Privatmilizen zählt, die es im
vorigen Jahr als "ernsthaft gefährlich" eingestuft hatte. Seit 2008 fallen
die christlichen Fundamentalisten jedenfalls auf."
tagesschau
(30. März 2010, Verschwörung
christlicher Milizionäre aufgedeckt, Nachrichten der ARD, www.tagesschau.de)
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Christliche
Terrorgruppe
Hutaree (www.hutaree.com,
Stand März 2010)
"Der Fall "Hutaree" zeigt das explosive Potential radikaler US-Christen
[...]
Auf ihrer Homepage machen die Hutaree bereitwillig Angaben zu ihren
Ansichten und ihrem Ziel, eine neue Weltordnung zu schaffen. Die Gruppe
zeigt ihr Wappen und ihre Flagge, gewährt Einblick in ihr Rangordnungssystem
und versucht, mit ihrer Doktrin und ihren Kampfvideos "jene zu erreichen,
die das Wort Gottes verloren haben".
Über alledem steht das Motto "Preparing for the end time battles to keep the
testimony of Jesus Christ alive", sie bereiten sich also vor "auf die
Endzeitschlachten, um das Zeugnis Jesu Christi aufrechtzuerhalten".
Die Doktrin der paramilitärischen Truppe, die sich für den Weltuntergang
rüstet, ist gespickt mit Bibelzitaten, kaum ein Satz, in dem nicht das Wort
christlich oder der Name Jesus vorkommt. Doch die Verschwörungstheorien
haben nichts mit christlichen Tugenden zu tun: "Wir glauben, dass eines
Tages (...) der Antichrist kommt." Den gelte es zu bekämpfen und zu
vertreiben.
Laut Chip Berlet vom Forschungsinstitut Political Research Associates gehen
sie Verschwörungs-theorien der Gruppe noch weiter: Die Hutaree haben seiner
Meinung nach Angst vor einem die ganze Welt umfassenden Regime. Auch Europa
sei eine Bedrohung, zeitweise vermuteten die Hutaree sogar im damaligen
Hohen Repräsentanten der EU-Außenpolitik, Javier Solana, den Antichrist.
Hutaree hat den satanischen Feind im eigenen Land ausgemacht, genauer: Er
sitzt im Weißen Haus und heißt Barack Obama. In der US-Regierung sähen Stone
und seine Leute den Antichrist, den es zu vernichten gelte, sagte Michael
Barkun, Extremismusexperte der Syracuse University im Bundestaat New York,
der Detroit Free Press.
Alle Christen müssten sich auf den Kampf vorbereiten, schreibt die Gruppe
beschwörend auf ihrer Homepage, so habe es Christus - er wird als "Top
General" bezeichnet - angeordnet. "Eines Tags werden die Hutaree ihren Feind
erkennen und, so Gott will, auf dem Schlachtfeld treffen."
Donna Stone, die Exfrau des Hutaree-Chefs Brian Stone, hat sich inzwischen
zu der Causa zu Wort gemeldet. Sie versucht zu erklären, wie die Gruppierung
immer radikaler wurde: "Es begann als christliche Sache“, zitiert sie der
Christian Science Monitor. "Du gehst zur Kirche. Du betest. Du kümmerst dich
um deine Familie." Irgendwann habe David Stone aufgerüstet: von
Handfeuerwaffen zu "big guns", großen Waffen; und dauernd habe er vom
Jüngsten Tag gesprochen, so wie er in der Bibel beschrieben wird. [...]
Die Hutaree-Miliz ist nur eine unter vielen rechtsextremen Kampfgruppen in
den USA, die Bürgerrechtsorganisation Southern Poverty Law Center zählt 127
weitere Gruppierungen. Die meisten berufen sich darauf, das uramerikanische
Erbe zu verteidigen, was in deren kruder Vorstellung bedeutet: weiße
Christen gegen Unmoral, Schwarze, Linke, Liberale, Muslime, die Washingtoner
Regierung und den Rest der Welt.
Ausgerechnet die puritanischen "Pilgerväter" haben den Keim für Amerikas
Gotteskriegertum gelegt. Im 17. Jahrhundert waren mit der Mayflower die
frömmelnden Männer und Frauen aus England in der Neuen Welt gelandet. Hier,
fernab des verdorbenen Europas, wollten die Siedler ein strenges wie
gottgefälliges Leben führen, was sie nicht daran hinderte, brutal gegen die
indianischen Ureinwohner vorzugehen. Gods Own Country nannten sie ihre
prosperierende Christenkolonie, inzwischen längst das Synonym vieler
Amerikaner für ihren Staat. [...]
Dass der Glaube an das nahende Weltende nicht nur unter Hinterwäldlern
verbreitet ist, zeigt das Beispiel Ed Kalnins. Der Priester der
Pfingstkirche im Örtchen Wasilla verkündete, Alaska werde in der
kriegerischen Endzeit einer der letzten Zufluchtsorte für Gläubige sein.
Bis 2002 war auch Sarah Palin, Alaskas frühere Gouverneurin und gewesene
Vizepräsidentschaftskandidatin Mitglied dieser Kirche. Inzwischen agitiert
die forsche Erzkonservative kräftig gegen die Regierung von US-Präsident
Barack Obama und setzt dabei auf die Tea-Party-Bewegung, eine Art
rechtlastiger Apo.
Zuletzt giftete die Gläubige Sarah Palin gegen die durchgepaukte
Gesundheitsreform Obamas und zeigte unverhohlen, wie nah sie am Abzug
formuliert: "Es ist jetzt nicht die Zeit, sich zurückzuziehen," schrieb sie
an ihre Fans auf Facebook, "sondern durchzuladen."
Diesen Satz würden wohl auch die Hutaree-Leute unterschreiben."
Süddeutsche Zeitung
(30. März 2010,
USA: Vereitelter Anschlag militanter Christen. Der göttliche Krieg der
Hutaree, www.sueddeutsche.de
Diskussion
"Hutaree ist eine militante christlich-fundamentalistische Gruppierung, die
hauptsächlich im US-Bundesstaat Michigan vertreten ist, aber auch Mitglieder
in Ohio und Indiana hat. [...]
Kommentatoren hoben hervor, dass die Glaubensgrundlage der Gruppe eigentlich
nicht christlich sei. Ihre Ansichten basierten lediglich auf einigen wenigen
Bibelversen, die aus dem Zusammenhang gerissen wurden und auf denen dann
eine eigene Theorie aufgebaut wurde."
(http://de.wikipedia.org/wiki/Hutaree, Stand April
2010)
Diskussion
"Kritik an US-Medien: Terroristen sind keine Christen"
"Die Christliche Anti-Verleumdungskommission (Christian Anti-Defamation
Commission) mit Sitz in Vista (Kalifornien) kritisiert, dass die Medien die
Hutarees [siehe oben]
mit Christen
gleichsetzten. Es handele sich vielmehr um religiös irregeleitete
Terroristen, so der Präsident der Organisation, Gary Cass.
Die Hutaree-Mitglieder seien „geisteskrank“. Sie rissen Bibelworte aus dem
Zusammenhang, um ihre Gewalttaten zu begründen, die jedoch nicht mit der
Friedensbotschaft Jesu in Einklang zu bringen seien.
Cass wirft den Medien vor, mit zweierlei Maß zu messen: Einerseits scheuten
sie sich aus Angst vor Muslimen, Dschihad-Attentäter als islamische
Terroristen zu bezeichnen, doch wenn jemand Verbrechen plane, die dem
christlichen Glauben diametral [lat. diametralis,
„auf den Durchmesser bezogen“, im übertragenen Sinn auch „entgegengesetzt“,
„völlig anders“] entgegenstünden, würden die mutmaßlichen Täter
als Christen beschrieben."
idea (31. März 2010, Kritik an US-Medien:
Terroristen sind keine Christen, www.idea.de)
Diskussion

Christliche
Terrorgruppe
Hutaree (www.hutaree.com, Stand März 2010)
Diskussion
"Liebt eure Feinde; tut wohl denen, die euch hassen; segnet, die euch
verfluchen; bittet für die, die euch beleidigen. [...]
Und wie ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, so tut ihnen auch! [...]
Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Und richtet nicht, so
werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr nicht
verdammt. Vergebt, so wird euch vergeben. [...]
Was nennt ihr mich aber Herr, Herr, und tut nicht, was ich euch sage?"
Jesus Christus (Lukas 6, ab 27)
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Dann war da noch..
Schlusslichter (Humor)
Auf einer Propaganda-Tournee durch Amerika besucht Präsident George Bush eine Schule und erklärt dort den Schülern seine Regierungspolitik. Danach bittet er die Kinder, Fragen zu stellen.
Der kleine Bob ergreift das Wort:
Herr Präsident, ich habe drei Fragen:
1. Wenn sie als wiedergeborener Christ* die Legalisierung der Folter verlangen - spricht dann Gott zu uns?
2. Warum haben Sie den Irak angegriffen?
3. Denken Sie nicht, dass die Bombe auf Hiroshima der größte terroristische Anschlag aller Zeiten war?
In diesem Moment läutet die Pausenklingel und alle Schüler laufen aus dem Klassenzimmer. Als sie von der Pause zurück kommen, lädt Präsident Bush erneut ein, Fragen zu stellen, und diesmal ergreift Joey das Wort:
Herr Präsident, ich habe fünf Fragen:
1. Wenn sie als wiedergeborener Christ die Legalisierung der Folter verlangen - spricht dann Gott zu uns?
2. Warum haben Sie den Irak angegriffen?
3. Denken Sie nicht, dass die Bombe auf Hiroshima der größte terroristische Anschlag aller Zeiten war?
4. Warum hat die Pausenklingel heute 20 Minuten früher geklingelt?
5. Wo ist Bob?
*
http://de.wikipedia.org/wiki/George_W._Bush
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