
Diskussion:
Christlicher Terrorismus
Beiträge zum Thema christlicher Fundamentalismus
Hinweis in eigener Sache:
Die vielstimmigen Diskussionsbeiträge und Zitate dieser Website geben nicht
notwendig unsere eigene Meinung (www.Fundamentalismusdebatte.de) wieder.
Wir möchten uns an dieser Stelle ausdrücklich von christlichen Terrorgruppen
distanzieren! Wir lehnen jede Form von Gewalt ab - sei sie physischer oder
psychischer, personaler oder struktureller Natur!
Kommentar
"Gewaltsamer Aufstand christlicher Fundamentalisten"
"In den USA wird eine Gruppe fundamentalistischer Christen der gewaltsamen
Verschwörung gegen die US-Regierung beschuldigt.
Die US-Ermittlungsbehörden haben nach eigenen Angaben eine Verschwörung
militanter Christen gegen die Regierung aufgedeckt. Die Staatsanwaltschaft
in Detroit erhob am Montag Anklage gegen neun mutmaßliche Mitglieder der
radikalen Gruppe Hutaree.
Sie sollen seit 2008 regelmäßig mit Waffen trainiert und den Bau von
Sprengsätzen geübt haben. Die Gruppe habe geplant, einen Polizisten zu töten
und dann bei dessen Beerdigung Bomben zu zünden, heißt es in der
Anklageschrift
Hutaree habe geglaubt, auf diese Weise "einen Aufstand gegen die Regierung"
anzetteln zu können. Acht der neun Angeklagten waren am Wochenende bei
Razzien der Bundespolizei FBI in den US-Staaten Michigan, Indiana und Ohio
festgenommen worden.
Der neunte wurde erst nach der Anklage-Erhebung am Montagabend in Michigan
gefasst, wie das FBI mitteilte. US-Justizminister Eric Holder nannte die
Festnahmen "einen Schlag gegen eine gefährliche Organisation, die heute
einer Verschwörung beschuldigt wird, Krieg gegen die Vereinigten Staaten zu
führen"."
stern (30. März 2010, Gewaltsamer Aufstand
christlicher Fundamentalisten, www.stern.de)
Kommentar
"Krieg gegen den Antichristen in Washington"
"Der Plan der "Hutaree"-Gotteskrieger war teuflisch simpel: Ermordet einen
Polizisten, tötet Hunderte Polizisten, die zu seinem Begräbnis
zusammenkommen, dann greift die Herrschaft des Antichristen in Washington
an.
Am Wochenende vereitelten Einheiten der US-Bundespolizei FBI mit Festnahmen
in den Staaten Michigan, Indiana und Ohio diesen Plan, der auch von
Dschihadisten in einem afghanischen oder irakischen Dorf hätte ersonnen
werden können.
Neun amerikanische Christenmenschen, acht Männer und eine Frau zwischen 20
und 46 Jahren, werden von US-Justizminister Eric Holder beschuldigt, sich
heimtückisch "zum Krieg gegen die Vereinigten Staaten" verschworen zu haben.
Die Anklage umfasst Volksverhetzung, Einsatz von Waffen für ein Verbrechen,
Ausbildung und versuchter Gebrauch von Massenvernichtungswaffen.
Alles im Namen des Herrn: "Um das Zeugnis Jesu mit dem Schwert gegen den
Antichristen zu verteidigen."
Das FBI und die lokalen Polizeieinheiten, die im Morgengrauen mit
Hundertschaften, Panzerspähwagen und schwerer Bewaffnung anrückten, um die
Milizionäre festzunehmen, mussten mit bewaffnetem Widerstand rechnen. [...]
Die Hutaree-Krieger taten sich durch ihre radikale Frömmigkeit hervor. Zu
den wenigen weltlich politischen Äußerungen der Gruppe findet sich auf ihrer
Webseite immerhin der Hinweis, die Einigung Europas sei der Beginn der
Weltherrschaft des Bösen und Javier Solana vielleicht der Antichrist selbst.
Die Selbstbeweihräucherung der US-Apokalyptiker gleicht bis in die Phrasen
("So Gott will") ihren islamistischen Geistesbrüdern in aller Welt."
DIE WELT (31. März 2010, Krieg gegen den
Antichristen in Washington, www.welt.de)
Kommentar
"Was also ist geschehen? Was weiß man sicher? Vorigen Samstag führte eine
gemeinsame Anti-Terror-Einsatzgruppe von FBI und Homeland Security
Hausdurchsuchungen in Michigan, Ohio und Indiana durch. Sie hatten das
Treiben der Hutaree ("christliche Krieger") bereits seit einiger Zeit
beobachtet. Nun nahmen sie acht Verdächtige fest. Der neunte wurde erst nach
der Anklage-Erhebung in Michigan gefasst.
Diese "christian warriors", die sich laut ihrer Internet-Selbstdarstellung
auf die Endzeit vorbereiten und den "Kampf gegen den Antichristen
trainieren", sollen einen perfiden Plan gehabt haben: zunächst einen
Polizisten umbringen, dann die anschließende Trauerfeier sprengen - im
wahrsten Wortsinne. Denn weil vermutlich viele Kollegen gekommen wären,
hätten sie mit dem geplanten Sprengstoffattentat gleich viele "Feinde aus
dem Regierungsdienst" erledigen können. [...]
Wie gefährlich diese Militia-Gruppe wirklich war und wie gut die Beweislage
ist, wird der Prozess zeigen. Noch hat das FBI nicht erklärt, ob es auch die
Michiganer Truppe zu jenen 363 rechten Privatmilizen zählt, die es im
vorigen Jahr als "ernsthaft gefährlich" eingestuft hatte. Seit 2008 fallen
die christlichen Fundamentalisten jedenfalls auf."
tagesschau
(30. März 2010, Verschwörung
christlicher Milizionäre aufgedeckt, Nachrichten der ARD, www.tagesschau.de)
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Christliche
Terrorgruppe
Hutaree (www.hutaree.com,
Stand März 2010)
"Der Fall "Hutaree" zeigt das explosive Potential radikaler US-Christen
[...]
Auf ihrer Homepage machen die Hutaree bereitwillig Angaben zu ihren
Ansichten und ihrem Ziel, eine neue Weltordnung zu schaffen. Die Gruppe
zeigt ihr Wappen und ihre Flagge, gewährt Einblick in ihr Rangordnungssystem
und versucht, mit ihrer Doktrin und ihren Kampfvideos "jene zu erreichen,
die das Wort Gottes verloren haben".
Über alledem steht das Motto "Preparing for the end time battles to keep the
testimony of Jesus Christ alive", sie bereiten sich also vor "auf die
Endzeitschlachten, um das Zeugnis Jesu Christi aufrechtzuerhalten".
Die Doktrin der paramilitärischen Truppe, die sich für den Weltuntergang
rüstet, ist gespickt mit Bibelzitaten, kaum ein Satz, in dem nicht das Wort
christlich oder der Name Jesus vorkommt. Doch die Verschwörungstheorien
haben nichts mit christlichen Tugenden zu tun: "Wir glauben, dass eines
Tages (...) der Antichrist kommt." Den gelte es zu bekämpfen und zu
vertreiben.
Laut Chip Berlet vom Forschungsinstitut Political Research Associates gehen
sie Verschwörungs-theorien der Gruppe noch weiter: Die Hutaree haben seiner
Meinung nach Angst vor einem die ganze Welt umfassenden Regime. Auch Europa
sei eine Bedrohung, zeitweise vermuteten die Hutaree sogar im damaligen
Hohen Repräsentanten der EU-Außenpolitik, Javier Solana, den Antichrist.
Hutaree hat den satanischen Feind im eigenen Land ausgemacht, genauer: Er
sitzt im Weißen Haus und heißt Barack Obama. In der US-Regierung sähen Stone
und seine Leute den Antichrist, den es zu vernichten gelte, sagte Michael
Barkun, Extremismusexperte der Syracuse University im Bundestaat New York,
der Detroit Free Press.
Alle Christen müssten sich auf den Kampf vorbereiten, schreibt die Gruppe
beschwörend auf ihrer Homepage, so habe es Christus - er wird als "Top
General" bezeichnet - angeordnet. "Eines Tags werden die Hutaree ihren Feind
erkennen und, so Gott will, auf dem Schlachtfeld treffen."
Donna Stone, die Exfrau des Hutaree-Chefs Brian Stone, hat sich inzwischen
zu der Causa zu Wort gemeldet. Sie versucht zu erklären, wie die Gruppierung
immer radikaler wurde: "Es begann als christliche Sache“, zitiert sie der
Christian Science Monitor. "Du gehst zur Kirche. Du betest. Du kümmerst dich
um deine Familie." Irgendwann habe David Stone aufgerüstet: von
Handfeuerwaffen zu "big guns", großen Waffen; und dauernd habe er vom
Jüngsten Tag gesprochen, so wie er in der Bibel beschrieben wird. [...]
Die Hutaree-Miliz ist nur eine unter vielen rechtsextremen Kampfgruppen in
den USA, die Bürgerrechtsorganisation Southern Poverty Law Center zählt 127
weitere Gruppierungen. Die meisten berufen sich darauf, das uramerikanische
Erbe zu verteidigen, was in deren kruder Vorstellung bedeutet: weiße
Christen gegen Unmoral, Schwarze, Linke, Liberale, Muslime, die Washingtoner
Regierung und den Rest der Welt.
Ausgerechnet die puritanischen "Pilgerväter" haben den Keim für Amerikas
Gotteskriegertum gelegt. Im 17. Jahrhundert waren mit der Mayflower die
frömmelnden Männer und Frauen aus England in der Neuen Welt gelandet. Hier,
fernab des verdorbenen Europas, wollten die Siedler ein strenges wie
gottgefälliges Leben führen, was sie nicht daran hinderte, brutal gegen die
indianischen Ureinwohner vorzugehen. Gods Own Country nannten sie ihre
prosperierende Christenkolonie, inzwischen längst das Synonym vieler
Amerikaner für ihren Staat. [...]
Dass der Glaube an das nahende Weltende nicht nur unter Hinterwäldlern
verbreitet ist, zeigt das Beispiel Ed Kalnins. Der Priester der
Pfingstkirche im Örtchen Wasilla verkündete, Alaska werde in der
kriegerischen Endzeit einer der letzten Zufluchtsorte für Gläubige sein.
Bis 2002 war auch Sarah Palin, Alaskas frühere Gouverneurin und gewesene
Vizepräsidentschaftskandidatin Mitglied dieser Kirche. Inzwischen agitiert
die forsche Erzkonservative kräftig gegen die Regierung von US-Präsident
Barack Obama und setzt dabei auf die Tea-Party-Bewegung, eine Art
rechtlastiger Apo.
Zuletzt giftete die Gläubige Sarah Palin gegen die durchgepaukte
Gesundheitsreform Obamas und zeigte unverhohlen, wie nah sie am Abzug
formuliert: "Es ist jetzt nicht die Zeit, sich zurückzuziehen," schrieb sie
an ihre Fans auf Facebook, "sondern durchzuladen."
Diesen Satz würden wohl auch die Hutaree-Leute unterschreiben."
Süddeutsche Zeitung
(30. März 2010,
USA: Vereitelter Anschlag militanter Christen. Der göttliche Krieg der
Hutaree, www.sueddeutsche.de
Kommentar
"Hutaree ist eine militante christlich-fundamentalistische Gruppierung, die
hauptsächlich im US-Bundesstaat Michigan vertreten ist, aber auch Mitglieder
in Ohio und Indiana hat. [...]
Kommentatoren hoben hervor, dass die Glaubensgrundlage der Gruppe eigentlich
nicht christlich sei. Ihre Ansichten basierten lediglich auf einigen wenigen
Bibelversen, die aus dem Zusammenhang gerissen wurden und auf denen dann
eine eigene Theorie aufgebaut wurde."
(http://de.wikipedia.org/wiki/Hutaree, Stand April 2010)
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"Kritik an US-Medien: Terroristen sind keine Christen"
"Die Christliche Anti-Verleumdungskommission (Christian Anti-Defamation
Commission) mit Sitz in Vista (Kalifornien) kritisiert, dass die Medien die
Hutarees [siehe oben]
mit Christen
gleichsetzten. Es handele sich vielmehr um religiös irregeleitete
Terroristen, so der Präsident der Organisation, Gary Cass.
Die Hutaree-Mitglieder seien „geisteskrank“. Sie rissen Bibelworte aus dem
Zusammenhang, um ihre Gewalttaten zu begründen, die jedoch nicht mit der
Friedensbotschaft Jesu in Einklang zu bringen seien.
Cass wirft den Medien vor, mit zweierlei Maß zu messen: Einerseits scheuten
sie sich aus Angst vor Muslimen, Dschihad-Attentäter als islamische
Terroristen zu bezeichnen, doch wenn jemand Verbrechen plane, die dem
christlichen Glauben diametral [lat. diametralis,
„auf den Durchmesser bezogen“, im übertragenen Sinn auch „entgegengesetzt“,
„völlig anders“] entgegenstünden, würden die mutmaßlichen Täter
als Christen beschrieben."
idea (31. März 2010, Kritik an US-Medien:
Terroristen sind keine Christen, www.idea.de)
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Christliche
Terrorgruppe
Hutaree (www.hutaree.com, Stand März 2010)
"Liebt eure Feinde; tut wohl denen, die euch hassen; segnet, die euch
verfluchen; bittet für die, die euch beleidigen. [...]
Und wie ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, so tut ihnen auch! [...]
Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Und richtet nicht, so
werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr nicht
verdammt. Vergebt, so wird euch vergeben. [...]
Was nennt ihr mich aber Herr, Herr, und tut nicht, was ich euch sage?"
Jesus Christus (Lukas 6, ab 27)
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Dann war da noch..
Schlusslichter
Auf einer Propaganda-Tournee durch Amerika besucht Präsident George Bush eine Schule und erklärt dort den Schülern seine Regierungspolitik. Danach bittet er die Kinder, Fragen zu stellen.
Der kleine Bob ergreift das Wort:
Herr Präsident, ich habe drei Fragen:
1. Wenn sie als wiedergeborener Christ* die Legalisierung der Folter verlangen - spricht dann Gott zu uns?
2. Warum haben Sie den Irak angegriffen?
3. Denken Sie nicht, dass die Bombe auf Hiroshima der größte terroristische Anschlag aller Zeiten war?
In diesem Moment läutet die Pausenklingel und alle Schüler laufen aus dem Klassenzimmer. Als sie von der Pause zurück kommen, lädt Präsident Bush erneut ein, Fragen zu stellen, und diesmal ergreift Joey das Wort:
Herr Präsident, ich habe fünf Fragen:
1. Wenn sie als wiedergeborener Christ die Legalisierung der Folter verlangen - spricht dann Gott zu uns?
2. Warum haben Sie den Irak angegriffen?
3. Denken Sie nicht, dass die Bombe auf Hiroshima der größte terroristische Anschlag aller Zeiten war?
4. Warum hat die Pausenklingel heute 20 Minuten früher geklingelt?
5. Wo ist Bob?
*
http://de.wikipedia.org/wiki/George_W._Bush
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