Diskussion: Christlicher Terrorismus


Beiträge zum Thema christlicher Fundamentalismus

 

 

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Hinweis in eigener Sache: Die vielstimmigen Diskussionsbeiträge und Zitate dieser Website geben nicht notwendig unsere eigene Meinung (fundamentalismusdebatte.de) wieder.

Wir möchten uns an dieser Stelle ausdrücklich von christlichen Terrorgruppen distanzieren! Wir lehnen jede Form von Gewalt ab - sei sie physischer oder psychischer, personaler oder struktureller Natur!

 

Harm Bengen, www.harmbengen.de, gesehen auf www.toonpool.com

 


"Kirchenvertreter haben mit Entsetzen und Trauer auf die verheerenden Anschläge mit 92 Toten in Norwegen reagiert. […] Am Freitag waren bei einer Bombenexplosion im Regierungsviertel von Oslo sieben Menschen und bei einem anschließenden Massaker in einem sozialdemokratischen Ferienlager auf der Insel Utöya 85 Menschen getötet worden. ["Die norwegische Polizei hat die Zahl der Opfer der Anschläge nach unten korrigiert. Insgesamt starben 76 Menschen. Acht wurden bei der Bombenexplosion in der Osloer Innenstadt, 68 Menschen auf der Insel Utöya getötet. Zuvor ging die Polizei von 93 Toten aus." 26. Juli 2011, www.tagesschau.de]

Der 32-jährige mutmaßliche Täter gehört der rechten Szene an und ist nach Polizeiangaben "christlich-fundamentalistisch" orientiert. […]

Der EKD-Ratsvorsitzende Schneider äußerte sich in Hannover "tief erschüttert von den brutalen Gewalttaten". Keine politische oder religiöse Lehre könne Begründung sein für diesen Akt des kaltblütigen Mordens, unterstrich der rheinische Präses. [...]

Der nordelbische Bischof Gerhard Ulrich unterstrich, wenn der Täter tatsächlich einen christlich-fundamentalistischen Hintergrund habe, dann müsse "ein ganz klarer und ganz scharfer Trennungsstrich" gezogen werden. Terror und Mord ließen sich auf keine Weise rechtfertigten und hätten mit Glaube, Liebe und Hoffnung im christlichen Sinn "absolut nichts zu tun".

Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers (24. Juli 2011, Trauergottesdienst in Oslo / Gedenken in vielen Sonntagsgottesdiensten in Deutschland, epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen, www.evlka.de)

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"Ich bin tief erschüttert von den brutalen Gewalttaten, die sich gestern in Norwegen ereignet haben und die so viele unschuldige Menschen in den Tod gerissen haben.

Unsere Gedanken und Gebete sind bei den Familien und Freunden der Getöteten und bei allen Menschen, die fassungslos sind angesichts dieser Gewalt. Wir trauern um die vielen Jugendlichen, die auf der Insel Utoya ihr Leben lassen mussten. Und wir beklagen die Opfer der Bombardierung der Regierungsgebäude in Oslo.

Nichts und niemand kann solche feigen Anschläge rechtfertigen, keine politische oder religiöse Lehre können Begründung sein für diesen Akt des kaltblütigen Mordens.

Am morgigen Sonntag werden Christinnen und Christen in den Gottesdiensten in Deutschland die Betroffenen und das norwegischen Volk in ihre Gebete einschließen. Wir bringen unsere Trauer und unsere Fassungslosigkeit vor Gott.

Wir vertrauen darauf, dass Gott die Verstorbenen beim Namen ruft, er ruft aus der Finsternis ins Licht. Und wir vertrauen darauf, dass Gott einst den Schmerz überwindet, wie es uns in der Offenbarung des Johannes gesagt wird: „Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein."

Präses Dr. h.c. Nikolaus Schneider (23. Juli 2011, 2010 - 2014 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland - EKD, 2003-2013 Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR), EKD-Ratsvorsitzender: Trauer und Bestürzung angesichts der Anschläge in Norwegen, Pressestelle der EKD, www.ekd.de/presse)

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24. Juli 2011, Trauer in der Innenstadt von Oslo, www.faz.net

 


"Nach dem Doppelanschlag in Norwegen wurde zunächst gemutmaßt, hinter den Taten stünden Islamisten. Doch nun steht ein christlicher Fundamentalist im Fokus - und damit ein Spektrum, das die Behörden so gar nicht auf dem Schirm hatten. Dass die Gewaltakte mit mindestens 91 Todesopfern nach Angaben der Polizei von einem christlichen Fundamentalisten verübt wurden, hatten auch die norwegischen Behörden nicht kommen sehen. [...]

Die tödlichsten Anschläge in Europa seit den islamistischen Anschlägen 2004 in Madrid wurden am Freitag aber nicht von irregeleiteten Muslimen verübt, sondern offenbar von einem 32-jährigen Norweger, den die Polizei am Samstag als rechtsgerichteten christlichen Fundamentalisten einstufte. Medienberichten zufolge beschrieb er sich auf seiner Facebook-Seite als "christlich", "konservativ" und der Jagd zugetan. Außerdem soll er Kontakte zur rechtsextremen Szene unterhalten haben. [...]

Außenminister Jonas Gahr Store sagte am Samstag bei einer Pressekonferenz in Oslo: "Das ist ein Phänomen, das wir sehr ernst nehmen müssen." Store warnte vor voreiligen Schlüssen, weil die Polizei erst am Anfang ihrer Ermittlungsarbeit stehe. Zugleich zeigte sich der norwegische Außenminister fassungslos über das Blutbad in Oslo und Utoya mit insgesamt mehr als 90 Toten: "Es ist eigentlich unmöglich zu glauben, dass ein Mensch so etwas tun kann." [...]

Anders Behring B. kannte kein Erbarmen. Einige Jugendliche hatten vergeblich versucht, sich tot zu stellen. Anders Behring B. tötete sie dennoch - durch Kopfschuss. Die Überlebenden des Sommercamps der norwegischen Arbeiterpartei schildern Minuten der Hölle. Einige von ihnen werden noch immer vermisst.

Die Überlebenden des Jugendcamps auf der norwegischen Insel Utoya können das Grauen kaum in Worte fassen. Der Mann, der dort am Freitag mindestens 85 Menschen getötet hat, hatte sich als Polizist verkleidet, um die Jugendlichen in Sicherheit zu wiegen. Er habe sie gebeten, näherzukommen und habe anschließend das Feuer eröffnet, berichteten die Überlebenden, die nach dem Massaker in das Dorf Sundvollen gebracht worden waren. Noch ist nicht das Schicksal aller Jugendlichen klar. Vier bis fünf von ihnen werden noch immer vermisst, wie die Polizei am Samstagabend mitteilt.

Viele der Überlebenden, die Mitglieder der Jugendgruppe der sozialdemokratischen Arbeiterpartei sind, wirken äußerlich ruhig, als sie in Sundvollen von ihren Eltern abgeholt werden. Doch die Erlebnisse, von denen sie erzählen, zeugen von Momenten des Grauens.

Der Schütze habe zwei Mal auf seine Opfer geschossen, um sicherzugehen, dass sie tot seien, sagt einer der Überlebenden, Dana Berzingi, als er mit blutverschmierter Hose darauf wartet, nach Hause zu kommen. Einige der Opfer hätten auch vergeblich versucht, sich tot zu stellen, ihnen sei aber in den Kopf geschossen worden. "Ich habe viele Freunde verloren", sagt der 21-Jährige. […]

"Erst schoss er auf Leute auf der Insel, dann begann er auf die im Wasser zu schießen", sagt das Mädchen. Sie habe sich hinter einem Felsen versteckt, auf dem der Täter stand. "Ich konnte ihn atmen hören", beschreibt die 15-Jährige die schrecklichen Minuten auf der Insel. Sie habe ihre Eltern auf dem Handy angerufen und ihnen zugeflüstert, was gerade geschehe. "Sie haben mir gesagt, ich soll nicht in Panik geraten, alles würde gut werden."

Focus (23. Juli 2011, Kein Islamist, sondern ein christlicher Fundamentalist. Behörden waren auf dem rechten Auge blind. u. Massaker im Jugendlager auf Utoya. Anders Behring B. kannte kein Erbarmen, www.focus.de)

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April 2012, Prozessauftakt in Oslo, Massenmörder Breivik: "Ja, ich würde das wieder machen"

 


Der Massenmörder Anders Behring Breivik verfasste 2011 ein Dokument mit dem Titel: "2083. A European Declaration of Indepence" (2011) [2083. Eine europäische Unabhängigkeitserklärung]

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Wortsuche "God" [Gott]: 330 Ergebnisse

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"Seit gestern sind das Orte des Schreckens: Ein zerstörtes Regierungsviertel, sieben Tote; ein Sommercamp, das zur Hölle wurde, weil ein einziger Mann 84 Jugendliche niederschoss. Die Polizei hat jetzt den mutmaßlichen Täter festgenommen: Ein christlicher Fundamentalist mit rechten Überzeugungen. So heißt es.

Und dazu soll ich nun ein Wort zum Sonntag zu Ihnen sprechen. Das fällt mir schwer. Denn das Ausmaß des Terrors ist so groß, dass ich kaum glauben kann, dass ein einzelner Mensch dazu fähig ist. Einer, der sich selbst auch noch als christlich beschreibt.

Der Mann wollte der Polizei gegenüber seine Motive darlegen. Irgendwie möchten wir alle ja eine Erklärung. Aber im Grunde kann kein Motiv die Opfer aufwiegen. Die toten jungen Menschen, ihre Familien, ihre Trauer - da wirkt doch jedes scheinbar noch so starke Motiv wie Hohn.

Mir wird fast schlecht, wenn ich lese, was der Täter im Internet veröffentlich hat: Er schreibt: „Der Glaube eines einzelnen Menschen ist gleich wie die Kraft von 100.000, die nur Interessen haben.“ Was für ein Glaube nimmt dieser Mann für sich in Anspruch? Ein Glaube, der im Töten endet? Das ist nicht mein Glaube. Das ist nicht mein christlicher Glaube.

Es ist ein fundamentalistischer Glaube. Fundamentalisten, egal welcher Couleur, dulden keine Widersprüche. Sie können die lebendige Auseinandersetzung nicht ertragen. Sie können überhaupt das Leben nicht zulassen. Da läuft etwas grundsätzlich schief, wenn Gedanken extrem werden, ob sie nun christlich, islamisch, rechts- oder linkspolitisch sind. Sie führen dazu, dass sich Menschen radikalisieren. Wer fundamentalistisch denkt, schätzt leicht den Tod höher als das Leben.

Der Täter von Oslo, vielleicht waren es ja auch mehrere, er hat seine Mordobjekte gezielt ausgesucht: Das Regierungsviertel in Oslo ist Sitz einer Demokratie. Demokratie ist immer etwas Lebendiges. Da werden Kompromisse ausgehandelte, Widersprüche diskutiert, Grundwerte verfochten. Genau ins Herz dieser lebendigen Demokratie hat der Täter getroffen. Und die Ferieninsel Utoya, auch sie steht mit seinem Jugendcamp für Leben, für junge Menschen, für lebendige Beziehungen. Genau ins Herz dieses pulsierenden Lebens hat der Täter getroffen.

Er wurde damit zum Anwalt des Todes. Nimmt er dafür einen Gott für sich in Anspruch? Dann ist das ein Götze des Todes. Aber wo ist mein Gott, der Gott an den ich glaube, der christliche Gott? - Ganz tief in mir drin hätte ich mir gewünscht, dass er sich dem jungen Mann in den Weg gestellt hätte, dass er ihn an seiner furchtbaren Tat gehindert hätte. Aber so ist es nicht gelaufen. So funktioniert diese Welt nicht. Das Böse kann sich offensichtlich immer wieder sinnlos austoben und Tote fordern.

Wenn es aber Gott gibt, und ich glaube daran, dann ist er Anwalt des Lebens. Dann war er bei der Tragödie von Oslo auf der Seite der Lebenden, auf der Seite der Jugendlichen im Sommercamp, dann ist er auch jetzt bei den trauernden Familien, die ihre Kinder beweinen. Darin steckt mehr Leben und Glauben als in jener sinnlosen Tat."

Pfarrerin Adelheid Ruck-Schröder / Das Wort zum Sonntag (24. Juli 2011, Das Wort zum Sonntag - Bombenterror in Oslo schockiert die Welt, Saarländischen Rundfunk, ARD, Das Erste, www.rundfunk.evangelisch.de)

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Juli 2011, Insel Utøya bei Oslo: am Ufer zugedeckte Opfer, www.faz.net

 


"Christen weltweit haben den Doppelanschlag von Oslo scharf verurteilt. Wie der christliche Glaube des mutmaßlichen Täters Anders B. aussieht, ist bislang unklar. Ein langes Manifest des 32-Jährigen verrät nun aber viel über seine kruden Ansichten, die kaum mit christlichen Überzeugungen zu vereinbaren sind. Es legt nahe, dass sich B. selbst als "kulturellen Christen" sieht und nicht als "religiösen".

Ein "christlicher Fundamentalist" habe den Bombenanschlag in der Osloer Innenstadt verübt und auf der Insel Utøya auf Menschen geschossen, meldeten in diesen Tagen viele Medien. Nun versuchen Polizei und Medien, ein Profil des Attentäters zu zeichnen und die Frage zu beantworten, ob er Christ war. [...]

Wie die "Christian Post" berichtet, ließ sich der Norweger offenbar im Alter von 15 Jahren protestantisch taufen, zeigte sich später aber sehr enttäuscht von der Kirche. Die protestantische Kirche müsse "zurück zur katholischen Kirche" kommen. Die Zeitung trug aus verschiedenen Internet-Foren Zitate des Norwegers zusammen. "Heute ist die protestantische Kirche ein Witz", schrieb der Norweger in einem Forum. "Priester marschieren in Jeans für Palästina, und die Kirchen sehen aus wie kleine Shopping-Center." [...]

Wenige Tage vor dem Attentat hat der Norweger ein 1.500 Seiten umfassendes "Manifest" verfasst und im Internet veröffentlicht. Wie die Nachrichtenagentur NTB am Samstagabend meldete, soll das Buch unter dem Titel "2083. A European Declaration of Indepence" unter dem Pseudonym Andrew Berwick veröffentlicht worden sein.
Es handele unter anderem von "Rassenkrieg" und der Frage, wie Europa sich von Zuwanderern befreien könne. Als letzter Eintrag sei vermerkt: "Ich glaube, dies ist der letzte Eintrag, den ich schreibe, Es ist jetzt Freitag, der 22. Juli, 12.51." Etwa zweieinhalb Stunden später explodierte in der Osloer Innenstadt die Bombe. In dem englischsprachigen Manifest bezeichnete sich B. als Tempelritter. Unterzeichnet ist es mit "Arme Ritterschaft Christi und des salomonischen Tempels".

Darin heißt es unter anderem: "Nicht alle Kulturen sind gleichwertig. Einige Kulturen sind besser als andere, einige sind unsere Freunde, einige unsere Feinde." Muslime und Marxisten seien dabei, die europäischen Kulturen zu unterwandern und zu zerstören, schreibt B. "Gewalt ist die Mutter des Wandels", heißt es weiter. B. listet zudem verschiedene Rezepte zur Herstellung von Sprengstoffen und Chemikalien auf.

Bezüglich seines eigenen christlichen Glaubens schreibt B. dort: "Eine Mehrheit der so genannten Agnostiker und Atheisten in Europa sind kulturelle konservative Christen, ohne es selbst zu wissen. Was also ist der Unterschied zwischen kulturellen Christen und religiösen Christen? Wenn man eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus und Gott hat, dann ist mein ein religiöser Christ. Ich und viele andere wie ich haben nicht notwendigerweise eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus und Gott. Wir glauben aber an das Christentum als kulturelle, soziale und moralische Plattform. Das macht uns zu Christen."

Christliches Medienmagazin pro (24. Juli 2011, Wer war der Attentäter von Oslo? www.pro-medienmagazin.de)

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"Breivik sieht sich als Kreuzritter, der an der Spitze einer neuen "westeuropäischen Widerstandsbewegung" reitet. In seiner Schrift propagiert er den Wiederaufstieg der Templer, jenes geistlichen Ritterordens, der in Folge des Ersten Kreuzzugs entstand, als die Christen Palästina von den Muslimen zurückeroberten.

Die "europäische Reinigung" müsse ebenso gewaltsam sein wie dieser Kreuzzug, schreibt Breivik. Ein ganzes Kapitel lang legt er detailliert dar, warum es ausdrücklich nötig sei, Frauen zu töten. So lasse sich besonders gut Druck aufbauen, um die eigenen politischen Ziele durchzusetzen."

DER SPIEGEL (24. Juli 2011, 1516 Seiten Wahn. Manifest des Massenmörders, www.spiegel.de)

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Juli 2011, Bombenexplosion im Regierungsviertel von Oslo

 


"In einer ersten Stellungnahme am Freitag hatte die norwegische Polizei den Attentäter Anders Breivik etwas unbeholfen als "christlich-fundamentalistisch“ beschrieben. Mit der Bezugnahme des Attentäters nicht nur auf das Christentum, sondern auch auf die Freimaurerei lässt sich diese Aussage nicht in Übereinstimmung bringen. Denn die Freimaurerei beruft sich in deistischer Manier nur sehr vage auf einen "Allmächtigen Baumeister aller Welten“, ist aber strikt auf das Diesseits gerichtet und zudem – gerade in den katholisch geprägten Ländern Europas – in fast allen ihren Facetten feindlich gegen die Kirche eingestellt.

Als christlicher Fundamentalist kann Breivik auch deshalb nicht gelten, weil er sich in seinem 1518 Seiten starken Schriftenkonglomerat so gut wie gar nicht darum bemüht, seine Ansichten aus der Bibel heraus zu begründen, was das wichtigste Kriterium für Fundamentalismus wäre. Für die wesentlichen Themen des christlichen Fundamentalismus – Irrtumslosigkeit der Bibel, leibliche Auferstehung, Sühnetod Christi – zeigt Breivik in seinem Pamphlet keinerlei Interesse.

In seiner Polemik gegen den "Multikulturalismus“, der den Westen im Kampf gegen den Islam schwächt, kommt Breivik allerdings fortwährend auf Gott, Kirche und Christentum zu sprechen. Für den Attentäter hat das ihm vorschwebende, ideale Christentum aber keinen im engeren Sinne religiösen Zweck, sondern vor allem den, als kulturelle Klammer für ein wehrhaftes Abendland zu dienen. Breiviks Ausführungen in Fragen der Religion ähneln den ausführlichen Passagen des anonymen anti-islamischen Bloggers "Fjordman“, die der Attentäter in sein Pamphlet eingebaut hat. "Fjordman“ tritt als "nichtreligiöse Person“ für eine Wiederbelebung des Europäischen Christentums ein."

Frankfurter Allgemeine Zeitung F.A.Z. (26. Juli 2011, Fanatische Fantasy von Reinhard Bingener, www.faz.net)

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"Jeder Versuch, Breivik als faschistoiden Rechtsextremen oder christlichen Fundamentalisten zu beschreiben, ist nicht mehr als ein hilfloser Reflex. [...]

Was ist es, das diesen Mann antreibt und ein Jahrzehnt lang planen lässt, wenn nicht die Geltungssucht? Oder besser: Was außer übersteigertem Islam-Hass ist es, was ihn so abstieß, dass er, der in recht durchschnittlichen Verhältnissen aufwuchs, zu einem Massenmörder wurde, zu einem paranioden Killer, der nächtelang Chemikalien für Bomben braut, sich mit Steroiden vollpumpt und Jubelschreie ausstößt, während er junge Menschen der (wie er sagt) „Stoltenberg-Jugend“ förmlich hinrichtet, in falscher Polizeiuniform? [...]

Womöglich kam dieser Mann einfach aus der Mitte. Oder, wie ein Polizist es sagte: Aus dem Nichts. Antworten auf die Frage, wie das alles sein kann, in einem mustergültigen „kleinen Land“ wie diesem, wird Norwegen freilich nicht über Nacht erhalten. Fest steht nur: Eine Insel am Rande Europas, eine Insel des Glücks wie jene inmitten des kaltes Fjordes, ist Norwegen seit Freitag nicht mehr. Ein Albtraum."

Frankfurter Allgemeine Zeitung F.A.Z. (25. Juli 2011, Norwegen nach den Anschlägen. Mein kleines Land gibt es nicht mehr, www.faz.net)

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Anders Behring Breivik (Bild), DER SPIEGEL 31/2011

 


"Übrigens erinnert mich Breiviks Stil sehr an ein Buch, dass ich in einer Dissertation gründlich analysiert habe: Hitlers ‚Mein Kampf‘. Sich selbst als Nabel der Welt und Beginn eines neuen Zeitalters zu sehen und zu glauben, dass aus der fehlenden Anhängerschaft einmal Millionen werden, ein krudes Gemisch aus angelesenen vermeintlichen Geschichtswahrheiten, ein chaotischer Stil, der den Leser verzweifeln lässt und manches mehr haben Hitler und Beivik gemeinsam."

Prof. Dr. theol. Dr. phil. Thomas Schirrmacher (10. August 2011, Vorsitzender der Theologischen Kommission der Weltweiten Evangelischen Allianz, ProMundis Blogeintrag: Breivik und die Stunde der Pharisäer [Auszug], www.thomasschirrmacher.info/archives/1944)

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"Der Anwalt des 32-Jährigen Attentäters, Geir Lippestad, hatte gesagt, der gesamte Fall deute darauf hin, dass sein Mandant "verrückt" sei. Psychiater sollten nun seinen Geisteszustand untersuchen. Die Geheimdienstchefin äußerte sich zu dieser Möglichkeit ablehnend:

"Meiner Meinung nach ist er durchaus ein zurechnungsfähiger Mensch", sagte sie. Er sei konzentriert und berechnend und habe über Jahre hinweg an seinen Plänen gefeilt. All das passe nicht zu einem verrückten Menschen. Breivik sei vielmehr "vollkommen böse"."

DIE ZEIT (27. Juli 2011, Anschläge in Norwegen. Geheimdienst nennt Breivik "einsamen Wolf", www.zeit.de)

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"Wie kann man sich gegen Anschläge auf die Freiheit schützen, ohne die Freiheit zu zerstören? Wie kann man den Opfern von Mördern Gerechtigkeit widerfahren lassen, ohne den Mördern selbst das Leben zu nehmen? Wie kann man mit Bösem leben, ohne böse zu werden? […]

Böses mit Bösem zu überwinden, ist eine Strategie, vor der man sich hüten muss. Wenn wir die Gefährdungen der Freiheit dadurch bekämpfen wollen, dass wir die Freiheit selbst aufheben, spielen wir dem Bösen in die Hände. Der Glaube kennt es anders. Er lebt von der Erfahrung, dass Böses nicht das letzte Wort behält"

Prof. Dr. Dr. h.c. Ingolf U. Dalferth (Februar 2010, Direktor des Instituts für Hermeneutik und Religionsphilosphie an der Universität Zürich und Professor für Religion und Philosophie an der Claremount Graduate University in Kalifornien, Das Böse ist immer und überall - aber was genau ist es bloß? http://chrismon.evangelisch.de)

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"Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem."

(Römerbrief, Kapitel 12, Vers 21)

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Dr. Peter Frey, ZDF-Chefredakteur, 2011

 


"Sicher, Anders Breivik ist ein Irrer, ein eiskalter Killer […] der erste antimuslimische Terrorist in Europa. Er ist aber auch ein Ideologe. Einer, der seinen Mordplan mit absurden Thesen zu rechtfertigen sucht.

Zu unserem Entsetzen darüber, dass er Jugendliche wie Aliens in einem Computerspiel abgeschossen hat, kommt ein Erschrecken über einen Terroristen, der blond und blauäugig im Namen des Christentums tötet. Dabei hat mit Christentum Breivik wirklich nichts zu tun. Genauso wenig übrigens wie Islamisten mit dem Islam. Breivik ist ein Hasstäter, einer der totschießt, was nicht in sein Weltbild passt. Breiviks Taten sind ganz einfach Gotteslästerei. Und das gilt auch für Terroristen im Namen Allahs.

Breivik hat heute behauptet, er sei nicht allein. Wir wissen, es gibt ähnliche Taten, von Oklahoma City bis zu Anschlägen auf Abtreibungskliniken. 'Kreuzzug' hat auch George Bush den Irak-Krieg genannt, und mancher Amerikaner sieht das immer noch so.

Dabei ist das Christentum keine Religion des Mordens, nicht absolute Wahrheit, mit Blut, Kampf. Im Gegenteil, Barmherzigkeit und Feindesliebe stehen über allem. Deswegen müssen die christlichen Kirchen die Trennlinie zu fundamentalistischen Gruppen scharf ziehen, ihnen nicht überlassen zu definieren, was christlich ist. Die Kreuzzüge sind vorbei, Glaube und Moderne vereinbar. […] Wir müssen uns schützen vor den Unauffälligen, die unsere Gesellschaft zerstören wollen."

Dr. Peter Frey (25. Juli 2011, ZDF-Chefredakteur, heute journal Diskussion zum Osloer Attentat des 32-Jährigen Anders Behring Breivik, ZDF heute journal, www.zdf.de/ZDFmediathek)

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KNA: "Herr Hempelmann, der Attentäter wird in der Presse als christlicher Fundamentalist bezeichnet. Was kennzeichnet einen religiösen Fundamentalisten?

Dr. Reinhard Hempelmann: Er beruft sich pointiert auf bestimmte heilige Schriften und versteht sie wortwörtlich. Ferner bezieht er sich auf ein spezifisches Religionssystem und möchte seine religiösen Überzeugungen durchsetzen.

KNA: Ist dies bei Breivik der Fall?

Hempelmann: In seinem im Internet veröffentlichten Pamphlet lassen sich diese Charakteristika nicht finden.

KNA: Dennoch gibt es deutliche Feindbilder, etwa den Islam oder die Demokratie.

Hempelmann: Sicherlich orientiert sich der Fundamentalismus auch an Feindbildern. Aber ich kann keinerlei Bezug zu einer organisierten Form des Fundamentalismus entdecken. Breiviks Antiislamismus ist eher politisch und nicht religiös motiviert. Ferner findet sich eine dezidierte Ablehnung der Demokratie.

KNA: Inwiefern ist die Anwendung von Gewalt Teil des Fundamentalismus?

Hempelmann: Diese Verbindung findet sich vor allem in Teilen des Islamismus, wie dies auch die Anschläge vom 11. September 2001 zeigten. Sie ist aber keineswegs zwangsläufig. Im christlichen Fundamentalismus führt die besondere Auslegung der Heiligen Texte nicht automatisch zur Gewalt. Deshalb muss etwa zwischen Fundamentalismus und Terrorismus beziehungsweise der Anwendung von Gewalt unterschieden werden; auch wenn es gewaltbereite Gruppen gibt, die fundamentalistische Begründungen für sich in Anspruch nehmen.

KNA: Gibt es in Europa christlich-fundamentalistische Gruppen, die Gewalt legitimieren?

Hempelmann: Europa gehört nach den Worten des nordamerikanische Fundamentalismus-Forschers Martin Marty zum "fundamentalismusschwachen Gürtel", der sich gleichsam um den Erdball zieht. Eine enge Verbindung zur Gewalt oder zu gesellschaftlichem Machtstreben zeigt sich hier nicht.

KNA: Welche politische Bedeutung kommt ihnen dann zu?

Hempelmann: Sie sind politisch begrenzt relevant. Der US-Soziologe Martin Riesebrodt unterscheidet zwischen einem "Fundamentalismus der Weltentsagung" und einem "Fundamentalismus der Welteroberung", der nach politischer Macht strebt. In Europa dominiert die Variante der Weltentsagung.

KNA: Wie bewerten Sie vor diesem Hintergrund die Charakterisierung Breiviks als "Fundamentalist"?

Hempelmann: Ein solcher Sprachgebrauch ist irreführend. Damit wird suggeriert, es gebe einen Bezug zu derartigen Strömungen oder Gruppen.

KNA: Wie steht es aber um die persönliche Überzeugung?

Hempelmann: Auch hier spielt die religiöse Überzeugung als Motivation für die monströse und menschenverachtende Tat offenbar keine Rolle, soweit man dies den bekannt gewordenen Schriften entnehmen kann.

KNA: Wie bewerten Sie also den Bezug des Attentäters zur Religion?

Hempelmann: Er ist ideologisches und eklektisches Beiwerk, spielt aber, soweit man sehen kann, keine wesentliche Rolle. Es stellt sich aber ganz grundsätzlich die Frage, ob die Texte des Pamphlets überhaupt als in sich schlüssig anzusehen sind. Nach meiner Überzeugung ist der Versuch, dieses Attentat auf dem Hintergrund eines christlichen Fundamentalismus zu interpretieren, nicht zielführend. Viele andere Aspekte spielen eine wesentlich dominierendere Rolle."

Dr. Reinhard Hempelmann / KNA Katholische Nachrichten-Agentur (26. Juli 2011, Leiter der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen EZW Berlin, Der Begriff Fundamentalist ist irreführend, www.katholisch.de)

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Dr. Reinhard Hempelmann, Leiter EZW Berlin, www.ekd.de/ezw/

 


"DIE ZEIT: Ist Anders Breivik ein christlicher Fundamentalist?

Prof. Dr. Saskia Wendel: Ja und nein. Einerseits bezeichnet er sich als nicht religiös, andererseits nimmt er das Christentum in Anspruch, um sein Handeln zu legitimieren. Er hat ein ganz klar christlich aufgeladenes Weltbild und misst der katholischen Kirche die Funktion zu, Schwert im sogenannten Kampf um Europa zu sein. Er sagt, der Papst wäre das schärfste Schwert, wenn er denn richtig funktionieren würde. […]

DIE ZEIT: Und was hat er gegen den amtierenden Papst?

Wendel: Der Papst soll nach Meinung des Attentäters ein crusader pope sein, der zum Kreuzzug aufruft. Da würde Benedikt XVI. versagen, findet Breivik. Im Übrigen hält er alle Päpste seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil, also seit Johannes XXIII., für illegitim.

DIE ZEIT: Was ist Konservatismus, was Fundamentalismus?

Wendel: Konservative Katholiken, die viele von Breiviks Ansichten teilen, sind deshalb noch keine Fundamentalisten. Aber es gibt durchaus eine fließende Grenze. Mit Furcht vor Freiheit und Pluralität fängt es an, und wenn dann noch ein überzogenes Sendungsbewusstsein ins Spiel kommt, wenn das staatliche Gewaltmonopol nicht mehr anerkannt wird, wenn aus religiösen Überzeugungen direkt politische Forderungen abgeleitet werden – dann wird die Grenze zum Fundamentalismus überschritten. Bei bestimmten traditionalistischen Gruppierungen in der katholischen Kirche gibt es womöglich auch antidemokratische Einstellungen. Sollte hier ein Gewaltpotenzial entstehen, muss der Staat seine Schutzfunktion erfüllen. Das sind dann keine rein innerkirchlichen Angelegenheiten mehr.

DIE ZEIT: Ist der Papst ein Fundamentalist?

Wendel: Nein! Er ist kein Fundamentalist, er ist ein sehr konservativer Katholik mit Positionen in Kirchenverständnis und Morallehre, die ich kritisiere. Aber er ist immer noch Joseph Ratzinger, der das Zweite Vatikanum maßgeblich beeinflusst hat. […]

DIE ZEIT: Haben Sie Verständnis dafür, dass manche Christen jetzt sagen, Breivik sei kein Christ?

Wendel: Ja, aber ich halte diese Position für naiv. Die Kirchengeschichte zeigt, dass es immer Christen gab, die im Namen des Seelenheils oder der Rettung der Welt mordeten. Wer christlichen Fundamentalismus tabuisiert, der leistet dem Irrtum Vorschub, religiösen Terror gebe es nur im Islam. […]

DIE ZEIT: Sehen Sie in Europa derzeit einen bewaffneten christlichen Fundamentalismus?

Wendel: Nein. Aber es gibt auch einen Fundamentalismus der Köpfe und Herzen. […]

DIE ZEIT: Breivik ist ein Apokalyptiker, der die Welt heilen will, indem er sie zerstört. Enthält das Christentum ein Gegengift zu solchem Fanatismus?

Wendel: Natürlich. Erstens die Botschaft von der unbedingten Liebe Gottes. Zweitens die Praxis Jesu, die in Versöhnung und Gewaltverzicht besteht."

Prof. Dr. Saskia Wendel / DIE ZEIT (4. August 2011, Institut für Katholische Theologie Uni Köln, Attentate in Norwegen: Seine Kirche soll ein Schwert sein. War Anders Breivik ein christlicher Fundamentalist? Ein Gespräch mit der katholischen Theologin Saskia Wendel. DIE ZEIT, 4.8.2011 Nr. 32, www.zeit.de)

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"Entwarnung: Papst doch kein Terrorist!" […]

"Nein, Breivik war kein christlicher Tempelritter. Er hat sich nur mit deren Schürze dekoriert. Er war auch kein Christ. Er hat sich dessen Vokabular übergestülpt wie in einem monströsen Horrorfilm. Er hat die Kindlein zu sich gewinkt, nicht um ihnen das Himmelreich zu versprechen, sondern um sie zu töten wie Schlachtopfer in einem dunklen hysterischen Privatkult. […]

Der Papst übrigens hat Glück. Breivik hält ihn für nicht kämpferisch genug. Er ist kein Kreuzzügler-Material. Auch Saskia Wendel [siehe oben] spricht ihn vom "Fundamentalismus" frei, einstweilen, aber er ist dann doch auch "sehr konservativ", was ihn näher in die Risikozone rückt.

Nun gut, einstweilen spricht für ihn, dass er das reformfreudige "Zweite Vatikanische Konzil maßgeblich beeinflusst hat". Aber das ist lange her. So geht das derzeit. Jeder wird überprüft. […]

Die Rasterfahndung. Die linke Sympathisantenjagd auf Islamkritiker oder Konservative oder Christliche oder alle, die man sowieso nie leiden konnte und die jetzt mal, im Schatten eines Massenmordes, ordentlich abgeschrubbt werden dürfen."

Matthias Matussek (07. August 2011, Journalist und Publizist u. a. Spiegel Online, Breivik-Debatte. Entwarnung: Papst doch kein Terrorist! DER SPIEGEL, www.spiegel.de)

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"Gewaltsamer Aufstand christlicher Fundamentalisten"

"In den USA wird eine Gruppe fundamentalistischer Christen der gewaltsamen Verschwörung gegen die US-Regierung beschuldigt. Die US-Ermittlungsbehörden haben nach eigenen Angaben eine Verschwörung militanter Christen gegen die Regierung aufgedeckt. Die Staatsanwaltschaft in Detroit erhob am Montag Anklage gegen neun mutmaßliche Mitglieder der radikalen Gruppe Hutaree.

Sie sollen seit 2008 regelmäßig mit Waffen trainiert und den Bau von Sprengsätzen geübt haben. Die Gruppe habe geplant, einen Polizisten zu töten und dann bei dessen Beerdigung Bomben zu zünden, heißt es in der Anklageschrift

Hutaree habe geglaubt, auf diese Weise "einen Aufstand gegen die Regierung" anzetteln zu können. Acht der neun Angeklagten waren am Wochenende bei Razzien der Bundespolizei FBI in den US-Staaten Michigan, Indiana und Ohio festgenommen worden.

Der neunte wurde erst nach der Anklage-Erhebung am Montagabend in Michigan gefasst, wie das FBI mitteilte. US-Justizminister Eric Holder nannte die Festnahmen "einen Schlag gegen eine gefährliche Organisation, die heute einer Verschwörung beschuldigt wird, Krieg gegen die Vereinigten Staaten zu führen"."

stern (30. März 2010, Gewaltsamer Aufstand christlicher Fundamentalisten, www.stern.de)

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"Krieg gegen den Antichristen in Washington"

"Der Plan der "Hutaree"-Gotteskrieger war teuflisch simpel: Ermordet einen Polizisten, tötet Hunderte Polizisten, die zu seinem Begräbnis zusammenkommen, dann greift die Herrschaft des Antichristen in Washington an.

Am Wochenende vereitelten Einheiten der US-Bundespolizei FBI mit Festnahmen in den Staaten Michigan, Indiana und Ohio diesen Plan, der auch von Dschihadisten in einem afghanischen oder irakischen Dorf hätte ersonnen werden können.
Neun amerikanische Christenmenschen, acht Männer und eine Frau zwischen 20 und 46 Jahren, werden von US-Justizminister Eric Holder beschuldigt, sich heimtückisch "zum Krieg gegen die Vereinigten Staaten" verschworen zu haben. Die Anklage umfasst Volksverhetzung, Einsatz von Waffen für ein Verbrechen, Ausbildung und versuchter Gebrauch von Massenvernichtungswaffen.

Alles im Namen des Herrn: "Um das Zeugnis Jesu mit dem Schwert gegen den Antichristen zu verteidigen."

Das FBI und die lokalen Polizeieinheiten, die im Morgengrauen mit Hundertschaften, Panzerspähwagen und schwerer Bewaffnung anrückten, um die Milizionäre festzunehmen, mussten mit bewaffnetem Widerstand rechnen. [...]
Die Hutaree-Krieger taten sich durch ihre radikale Frömmigkeit hervor. Zu den wenigen weltlich politischen Äußerungen der Gruppe findet sich auf ihrer Webseite immerhin der Hinweis, die Einigung Europas sei der Beginn der Weltherrschaft des Bösen und Javier Solana vielleicht der Antichrist selbst. Die Selbstbeweihräucherung der US-Apokalyptiker gleicht bis in die Phrasen ("So Gott will") ihren islamistischen Geistesbrüdern in aller Welt."

DIE WELT (31. März 2010, Krieg gegen den Antichristen in Washington, www.welt.de)

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"Was also ist geschehen? Was weiß man sicher? Vorigen Samstag führte eine gemeinsame Anti-Terror-Einsatzgruppe von FBI und Homeland Security Hausdurchsuchungen in Michigan, Ohio und Indiana durch. Sie hatten das Treiben der Hutaree ("christliche Krieger") bereits seit einiger Zeit beobachtet. Nun nahmen sie acht Verdächtige fest. Der neunte wurde erst nach der Anklage-Erhebung in Michigan gefasst.

Diese "christian warriors", die sich laut ihrer Internet-Selbstdarstellung auf die Endzeit vorbereiten und den "Kampf gegen den Antichristen trainieren", sollen einen perfiden Plan gehabt haben: zunächst einen Polizisten umbringen, dann die anschließende Trauerfeier sprengen - im wahrsten Wortsinne. Denn weil vermutlich viele Kollegen gekommen wären, hätten sie mit dem geplanten Sprengstoffattentat gleich viele "Feinde aus dem Regierungsdienst" erledigen können. [...]

Wie gefährlich diese Militia-Gruppe wirklich war und wie gut die Beweislage ist, wird der Prozess zeigen. Noch hat das FBI nicht erklärt, ob es auch die Michiganer Truppe zu jenen 363 rechten Privatmilizen zählt, die es im vorigen Jahr als "ernsthaft gefährlich" eingestuft hatte. Seit 2008 fallen die christlichen Fundamentalisten jedenfalls auf."

tagesschau (30. März 2010, Verschwörung christlicher Milizionäre aufgedeckt, Nachrichten der ARD, www.tagesschau.de)

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 Christliche Terrorgruppe Hutaree (www.hutaree.com, Stand März 2010)

 


"Der Fall "Hutaree" zeigt das explosive Potential radikaler US-Christen [...]

Auf ihrer Homepage machen die Hutaree bereitwillig Angaben zu ihren Ansichten und ihrem Ziel, eine neue Weltordnung zu schaffen. Die Gruppe zeigt ihr Wappen und ihre Flagge, gewährt Einblick in ihr Rangordnungssystem und versucht, mit ihrer Doktrin und ihren Kampfvideos "jene zu erreichen, die das Wort Gottes verloren haben".

Über alledem steht das Motto "Preparing for the end time battles to keep the testimony of Jesus Christ alive", sie bereiten sich also vor "auf die Endzeitschlachten, um das Zeugnis Jesu Christi aufrechtzuerhalten".

Die Doktrin der paramilitärischen Truppe, die sich für den Weltuntergang rüstet, ist gespickt mit Bibelzitaten, kaum ein Satz, in dem nicht das Wort christlich oder der Name Jesus vorkommt. Doch die Verschwörungstheorien haben nichts mit christlichen Tugenden zu tun: "Wir glauben, dass eines Tages (...) der Antichrist kommt." Den gelte es zu bekämpfen und zu vertreiben.

Laut Chip Berlet vom Forschungsinstitut Political Research Associates gehen sie Verschwörungs-theorien der Gruppe noch weiter: Die Hutaree haben seiner Meinung nach Angst vor einem die ganze Welt umfassenden Regime. Auch Europa sei eine Bedrohung, zeitweise vermuteten die Hutaree sogar im damaligen Hohen Repräsentanten der EU-Außenpolitik, Javier Solana, den Antichrist.

Hutaree hat den satanischen Feind im eigenen Land ausgemacht, genauer: Er sitzt im Weißen Haus und heißt Barack Obama. In der US-Regierung sähen Stone und seine Leute den Antichrist, den es zu vernichten gelte, sagte Michael Barkun, Extremismusexperte der Syracuse University im Bundestaat New York, der Detroit Free Press.

Alle Christen müssten sich auf den Kampf vorbereiten, schreibt die Gruppe beschwörend auf ihrer Homepage, so habe es Christus - er wird als "Top General" bezeichnet - angeordnet. "Eines Tags werden die Hutaree ihren Feind erkennen und, so Gott will, auf dem Schlachtfeld treffen."

Donna Stone, die Exfrau des Hutaree-Chefs Brian Stone, hat sich inzwischen zu der Causa zu Wort gemeldet. Sie versucht zu erklären, wie die Gruppierung immer radikaler wurde: "Es begann als christliche Sache“, zitiert sie der Christian Science Monitor. "Du gehst zur Kirche. Du betest. Du kümmerst dich um deine Familie." Irgendwann habe David Stone aufgerüstet: von Handfeuerwaffen zu "big guns", großen Waffen; und dauernd habe er vom Jüngsten Tag gesprochen, so wie er in der Bibel beschrieben wird. [...]

Die Hutaree-Miliz ist nur eine unter vielen rechtsextremen Kampfgruppen in den USA, die Bürgerrechtsorganisation Southern Poverty Law Center zählt 127 weitere Gruppierungen. Die meisten berufen sich darauf, das uramerikanische Erbe zu verteidigen, was in deren kruder Vorstellung bedeutet: weiße Christen gegen Unmoral, Schwarze, Linke, Liberale, Muslime, die Washingtoner Regierung und den Rest der Welt.

Ausgerechnet die puritanischen "Pilgerväter" haben den Keim für Amerikas Gotteskriegertum gelegt. Im 17. Jahrhundert waren mit der Mayflower die frömmelnden Männer und Frauen aus England in der Neuen Welt gelandet. Hier, fernab des verdorbenen Europas, wollten die Siedler ein strenges wie gottgefälliges Leben führen, was sie nicht daran hinderte, brutal gegen die indianischen Ureinwohner vorzugehen. Gods Own Country nannten sie ihre prosperierende Christenkolonie, inzwischen längst das Synonym vieler Amerikaner für ihren Staat. [...]

Dass der Glaube an das nahende Weltende nicht nur unter Hinterwäldlern verbreitet ist, zeigt das Beispiel Ed Kalnins. Der Priester der Pfingstkirche im Örtchen Wasilla verkündete, Alaska werde in der kriegerischen Endzeit einer der letzten Zufluchtsorte für Gläubige sein.

Bis 2002 war auch Sarah Palin, Alaskas frühere Gouverneurin und gewesene Vizepräsidentschaftskandidatin Mitglied dieser Kirche. Inzwischen agitiert die forsche Erzkonservative kräftig gegen die Regierung von US-Präsident Barack Obama und setzt dabei auf die Tea-Party-Bewegung, eine Art rechtlastiger Apo.

Zuletzt giftete die Gläubige Sarah Palin gegen die durchgepaukte Gesundheitsreform Obamas und zeigte unverhohlen, wie nah sie am Abzug formuliert: "Es ist jetzt nicht die Zeit, sich zurückzuziehen," schrieb sie an ihre Fans auf Facebook, "sondern durchzuladen."

Diesen Satz würden wohl auch die Hutaree-Leute unterschreiben."

Süddeutsche Zeitung
(30. März 2010, USA: Vereitelter Anschlag militanter Christen. Der göttliche Krieg der Hutaree, www.sueddeutsche.de

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"Hutaree ist eine militante christlich-fundamentalistische Gruppierung, die hauptsächlich im US-Bundesstaat Michigan vertreten ist, aber auch Mitglieder in Ohio und Indiana hat. [...]

Kommentatoren hoben hervor, dass die Glaubensgrundlage der Gruppe eigentlich nicht christlich sei. Ihre Ansichten basierten lediglich auf einigen wenigen Bibelversen, die aus dem Zusammenhang gerissen wurden und auf denen dann eine eigene Theorie aufgebaut wurde."

(http://de.wikipedia.org/wiki/Hutaree, Stand April 2010)

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"Kritik an US-Medien: Terroristen sind keine Christen"

"Die Christliche Anti-Verleumdungskommission (Christian Anti-Defamation Commission) mit Sitz in Vista (Kalifornien) kritisiert, dass die Medien die Hutarees [siehe oben] mit Christen gleichsetzten. Es handele sich vielmehr um religiös irregeleitete Terroristen, so der Präsident der Organisation, Gary Cass.

Die Hutaree-Mitglieder seien „geisteskrank“. Sie rissen Bibelworte aus dem Zusammenhang, um ihre Gewalttaten zu begründen, die jedoch nicht mit der Friedensbotschaft Jesu in Einklang zu bringen seien.

Cass wirft den Medien vor, mit zweierlei Maß zu messen: Einerseits scheuten sie sich aus Angst vor Muslimen, Dschihad-Attentäter als islamische Terroristen zu bezeichnen, doch wenn jemand Verbrechen plane, die dem christlichen Glauben diametral [lat. diametralis, „auf den Durchmesser bezogen“, im übertragenen Sinn auch „entgegengesetzt“, „völlig anders“] entgegenstünden, würden die mutmaßlichen Täter als Christen beschrieben."

idea (31. März 2010, Kritik an US-Medien: Terroristen sind keine Christen, www.idea.de)

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Christliche Terrorgruppe Hutaree (www.hutaree.com, Stand März 2010)



 

"Liebt eure Feinde; tut wohl denen, die euch hassen; segnet, die euch verfluchen; bittet für die, die euch beleidigen. [...]

Und wie ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, so tut ihnen auch! [...]

Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Und richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr nicht verdammt. Vergebt, so wird euch vergeben. [...]

Was nennt ihr mich aber Herr, Herr, und tut nicht, was ich euch sage?"

Jesus Christus (Lukas 6, ab 27)

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Dann war da noch..  Schlusslichter (Humor)

 

Auf einer Propaganda-Tournee durch Amerika besucht Präsident George Bush eine Schule und erklärt dort den Schülern seine Regierungspolitik. Danach bittet er die Kinder, Fragen zu stellen.

Der kleine Bob ergreift das Wort:

Herr Präsident, ich habe drei Fragen:
1. Wenn sie als wiedergeborener Christ* die Legalisierung der Folter verlangen - spricht dann Gott zu uns?
2. Warum haben Sie den Irak angegriffen?
3. Denken Sie nicht, dass die Bombe auf Hiroshima der größte terroristische Anschlag aller Zeiten war?

In diesem Moment läutet die Pausenklingel und alle Schüler laufen aus dem Klassenzimmer. Als sie von der Pause zurück kommen, lädt Präsident Bush erneut ein, Fragen zu stellen, und diesmal ergreift Joey das Wort:

Herr Präsident, ich habe fünf Fragen:
1. Wenn sie als wiedergeborener Christ die Legalisierung der Folter verlangen - spricht dann Gott zu uns?
2. Warum haben Sie den Irak angegriffen?
3. Denken Sie nicht, dass die Bombe auf Hiroshima der größte terroristische Anschlag aller Zeiten war?
4. Warum hat die Pausenklingel heute 20 Minuten früher geklingelt?
5. Wo ist Bob?

* http://de.wikipedia.org/wiki/George_W._Bush

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