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Die Bibel

Beiträge zum Thema christlicher Fundamentalismus


 

Cartoon-Bibel

Bild: Thomas Plaßmann, thomasplassmann.de

Die nachstehende Landschaft aus Zitaten und Textfragmenten beleuchtet die Diskussion über den christlichen Fundamentalismus, angefangen bei „bibelkritischen“ Ansichten bis zu „bibeltreuen“ Standpunkten.

"Der protestantische Bibelfundamentalismus ist ein echtes Problem, das weltweit zunimmt und dessen Anhängerschaft im dreistelligen Millionenbereich liegt."


Prof. Dr. Siegfried Zimmer ‎(1. Mai 2015, Ev. Theologe, Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg, Worthaus Referent, idea Artikel - Theologieprofessor Zimmer: Ich möchte die Bibel nicht relativieren, ideaSpektrum, idea.de)

 


"Wir gehen von 1,3 Millionen Evangelikalen [in Deutschland] aus, die die Bibel wörtlich auslegen. Leider werden es mehr"

Prof. Dr. Ulrich Kutschera (31.10.2006,  Evolutionsbiologe, Kreationisten im Aufwind, DIE ZEIT)
 

"Ob Christen, Juden, Muslime, Tierschützer oder Nichtraucher - unter ihnen allen gibt es einen Glauben, der weltweit die höchsten Zuwachsraten hat: den Fundamentalismus. …

Das ist die eigentliche Häresie des Fundamentalismus: Er stellt sich über Gott, indem er das Deutungsmonopol über ihn beansprucht, sich zum Maßstab des richtigen Lebens erklärt. Er versucht dem Transzendenten, dem Ersten und Letzten des Lebens, das Geheimnis zu nehmen: Wir wissen, was Gott will. Wir kennen ihn. Er hat uns gesagt, wo es langgeht. 


Was aber ist das für ein Gott, dem das Geheimnis genommen ist, der transparent ist wie ein vollständig ausgefülltes Facebook-Profil?"

Matthias Drobinski (8. April 2012, kath. Theologe, Redakteur bei der Süddeutschen Zeitung, Die Ketzerei des Fundamentalismus: Höher als Gott, Süddeutsche Zeitung)

Matthias Drobinski (links), Margot Käßmann u. Karl-Heinz Wiesemann (2010)

"Fundamentalismus im Christentum ist nichts, womit wir uns abfinden dürfen"

Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber (10. Juli 2007, 2003-2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD,  1994-2009 Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Keine Kollekte für Moschee, Kölner Stadt-Anzeiger


„Das bedeutsamste Kriterium für Fundamentalismus ist für viele das Bibelverständnis. Schon in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde die Irrtumslosigkeit der Bibel deutlich betont. Nun hat dieser Anspruch mehrere Dimensionen. …

• alle in der Bibel erzählten Ereignisse als tatsächliches Geschehen anerkannt werden.


• alle in der Bibel benannten Weissagungen wirklich Erfüllung gefunden haben bzw. noch finden werden.


• alle biblischen Gebote, so sie nicht ausdrücklich innerhalb der Schrift aufgehoben werden, auch heute noch verbindlich sind.


• alle biblischen Äußerungen miteinander in Harmonie stehen und keine grundlegenden Spannungen oder gar Widerspruche zwischen Textaussagen angenommen werden.


• alle biblischen Beschreibungen der Wirklichkeit Gottes, der Welt und des Menschen als Wahrheit akzeptiert werden, ohne Unterscheidung von wörtlicher, metaphorischer oder symbolischer Ebene.

Vor allem der letzte Punkt gewann im Laufe des letzten Jahrhunderts an exemplarischer Relevanz. Denn wenn man einen solchen Anspruch der Irrtumslosigkeit aufstellt, ist klar, dass er sich nicht mit Ausnahmen verträgt. Daher muss dieses Schriftverständnis gerade auch bei vermeintlich schwierigen Fällen durchgehalten werden. … 

Wer sich auf diesen Weg einlässt, muss mit einer Fülle kognitiver Dissonanzen leben; oder entsprechend viel verdrängen und abblenden, um sich seiner Sache so sicher zu sein, wie es für manche notwendig zu sein scheint. … Auf diesem Weg gibt es auch keinen echten Dialog mehr in wesentlichen Fragen. Auf diesem Weg befindet man sich in einem permanenten geistigen Krieg - nach außen und vielleicht manchmal noch stärker nach innen. … 

Dieses absolute Vertrauen auf die Bibel ist die Kehrseite eines totalen Misstrauens gegenüber der modernen Welt. Wer so gläubig sein möchte, kann letztlich nur noch Menschen vertrauen, die ganz genauso der Bibel vertrauen. Alles außerhalb dieses Kreises ist nicht mehr vertrauenswürdig.

 

Dem sogenannten modernen Denken mit seinen Wissenschaften wird grundsätzlich misstraut. Das gleiche gilt für die Politik, die Bildungsinstitutionen, die Medien. Man traut auch keinen christlichen Gläubigen, die die Bibel anders lesen. Insbesondere den historischen Bibelwissenschaften begegnet man mit äußerster Aversion.“

Prof. Dr. Thorsten Dietz (7. April 2022, Ev. Theologe, bis 2022 Professor für Systematische Theologie an der Ev. Hochschule Tabor, Privatdozent Universität Marburg, Fokus Theologie Reformierten Kirche Kanton Zürich/Schweiz, Worthaus Referent, Menschen mit Mission: Eine Landkarte der evangelikalen Welt, SCM R.Brockhaus; 1. Edition 2022, S. 242 f., 274 f.)

Prof. Dr. Thorsten Dietz, Symposion 2021: „Für alles offen? th-elstal.de


"Fundamentalismus ist für mich die als Glaubensstärke verkleidete Angst"

Präses Dr. h.c. Nikolaus Schneider (16.11.2010, 2010 - 2014 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland - EKD, Integration von Muslimen: Präses Schneider fordert mehr Engagement, Rheinische Post, rp-online.de)

 


"Unübersichtlichkeit provoziert die Sehnsucht nach Verlässlichkeit, nach Klarheit, nach Verbindlichkeit, auch nach Abgrenzung. Das für alle protestantischen Kirchen charakteristische Schriftprinzip wird in zahlreichen neuen freikirchlichen Gemeinschaftsbildungen zum Verbalinspirationsdogma gesteigert und gewissermaßen in den Rang des Bekenntnisses erhoben, um anfechtungsfreie Gewissheit herzustellen."

Dr. Reinhard Hempelmann (Dezember 2013, Leiter der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen - EZW Berlin, Stichwort. Neue freikirchliche Gemeinschaftsbildungen, EZW Materialdienst-Einzelheft 12/2013, S. 477)

 


"Manche glauben, die Bibel sei in allen ihren Teilen wortwörtlich vom Geist Gottes eingegeben (verbal inspiriert). Sie dürfe darum in allen ihren Aussagen – auch in den historischen oder naturwissenschaftlichen – nicht hinterfragt oder angezweifelt werden.

Solche Christen nennen sich gerne »bibeltreu« und werfen Andersdenkenden vor, dass sie sich mit ihrem historisch-kritischen oder liberalen Bibelverständnis zu Herren über die Schrift machen und die Bibel nicht wirklich ernst nehmen. 

Die so Kritisierten wiederum halten die bibeltreuen Christen für fundamentalistische Biblizisten, die zwischen der Welt der Bibel und der modernen Welt unnötige Barrieren aufrichten. 


Die einen wie die anderen aber lesen die Bibel mit ihrer je eigenen Hermeneutik. Das heißt: Sie bringen ein Vorverständnis mit, das den Rahmen für ihre Interpretation der Bibel bildet. Das ist auch gar nicht anders möglich. Es gibt keine voraussetzungslose Auslegung der Bibel. Wichtig ist nur, sich das eigene Vorverständnis bewusst zu machen und es kritisch zu reflektieren."

Volkmar Hamp (13. Juli 2021, Ev. Theologe, Referent für Redaktionelles Bundesgeschäftsstelle Gemeindejugendwerk, Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland K.d.ö.R., Hamp, Krupinski, Schlüter, Werner (Hrsg.), glauben | lieben | hoffen, SCM Brockhaus 2021, S. 22)

 


"Glauben heißt nicht „für wahr halten“ einzelner Sätze und Geschichten, sondern Glauben heißt „Gott vertrauen“. Die Bibel ist Gotteswort und Menschenwort in einem. Sie wurde vom Geist Gottes „inspiriert“, aber nicht „diktiert“."

Präses Dr. h.c. Nikolaus Schneider (2013, 2010 - 2014 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland - EKD, Interview mit Nikolaus Schneider und Martin Urban zu Ihrem Buch*: Was kann man heute noch glauben? Internetseite der Verlagsgruppe Random House, www.randomhouse.de, Stand 4. März 2014, *Nikolaus Schneider, Martin Urban: Was kann man heute noch glauben? Ein Disput, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh, 2013)

 


"Inspiration heißt nicht: möglichst viel Gott, möglichst wenig Mensch! Dann wäre der Koran oder das Buch Mormon doch das überlegene Buch."

Prof. Dr. Heinzpeter Hempelmann (1. Juli 2004, Ev. Theologe, Prof. Systematische Theologie u. Religionsphilosophie Internationalen Hochschule Liebenzell, Prof. Systematische Theologie u. Religionsphilosophie Evangelische Hochschule Tabor, Oberkirchenrat der württembergischen Landeskirche, Nicht auf der Schrift, sondern unter ihr: Grundsätze und Grundzüge einer Hermeneutik der Demut, Hrsg. Liebenzeller Mission; 2., Aufl. 2004, S. 101)

 


"Einer der zentralen Sätze des christlichen Fundamentalismus ist der, dass die Bibel als Wort Gottes wörtlich zu nehmen sei."

Melanchthon-Akademie - Evangelischer Kirchenverband Köln u. Region (07. Februar 2006, "Christlicher Fundamentalismus heute", Vortrag in Overath, theologie-koeln.de/PDFs/Fundamentalismus.pdf)

 

"Das ist freilich die bequemste Weise, der kritischen Frage auszuweichen, indem man alles im wörtlichen Verstände bestehen lässt"

Prof. Dr. Rudolf Bultmann (1941, Ev. Theologe, Neues Testament und Mythologie. Das Problem der Entmythologisierung der neutestamentlichen Verkündigung, München: Kaiser 3. Aufl. 1988, Seite 24-25)
 

Heinzpeter Hempelmann (links), Martin Reppenhagen u. Reiner Braun (2023)

 


"Die Bibel ist das Wort Gottes." Genau genommen und provokativ formuliert ist das ein bibelkritischer Satz. Denn hier fällt ja jemand ein (logisches) Urteil über die Bibel"

Prof. Dr. Heinzpeter Hempelmann (2004, Theologe, 1996 – 2005 Direktor des Theologischen Seminars der Liebenzeller Mission, 2007 CTL-Dekan [Chrischona Tabor Liebenzell], Oberkirchenrat der württembergischen Landeskirche, Nicht auf der Schrift, sondern unter ihr, Seite 74-76)

 


"Nicht wir Menschen können die Bibel zum Wort Gottes machen, sondern die Bibel selbst beansprucht, Gottes gültiges Wort zu sein."

Pfarrer Ulrich Parzany (25.03.2009, Das Streitgespräch, ideaSpektrum 13/2009, S. 18)

 


"Denn das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert und dringt durch, bis es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens."


Hebräer 4, 12

 


"Und das sollt ihr vor allem wissen, dass keine Weissagung in der Schrift eine Sache eigener Auslegung ist. Denn es ist noch nie eine Weissagung aus menschlichem Willen hervorgebracht worden, sondern getrieben von dem heiligen Geist haben Menschen im Namen Gottes geredet."

2. PETRUS / 1. Kapitel, 20-21

"Du aber bleibe bei dem, was du gelernt hast und was dir anvertraut ist; du weißt ja, von wem du gelernt hast und dass du von Kind auf die heiligen Schriften kennst, die dich unterweisen können zur Seligkeit durch den Glauben an Christus Jesus. Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, dass der Mensch Gottes vollkommen sei, zu allem guten Werk geschickt."

2.Timotheus 3,14-17

 

 

"Der überwiegende Teil der Christenheit auf Erden liest die Bibel im wörtlichen Sinne als vom Heiligen Geist eingegebenes Wort Gottes, so wie es bis zur Aufklärung allgemein üblich war. Gleichwohl ist das dabei vorausgesetzte Schriftprinzip durch die Auflösung des Inspirationsdogmas für die wissenschaftliche Theologie ein für allemal ad acta gelegt worden. …

Die Kirche, die sich auf das Wort Gottes gründet, hat auf Sand gebaut. … ist dadurch, dass das Inspirationsdogma durch die historische Kritik aus den Angeln gehoben wurde, die Rede von der Bibel als Wort Gottes obsolet geworden. …


Wie in allen Bereichen des Lebens, so muss auch in der Religion das Wissen Konsequenzen nach sich ziehen und notfalls zu ihrer völligen Umgestaltung führen."

Prof. Dr. Gerd Lüdemann (2004, Theologe an der Georg-August-Universität Göttingen, "Das Unheilige in der heiligen Schrift")

 


zeitzeichen: "Herr Kirchenpräsident Steinacker, ist die Bibel das Wort Gottes?"


Peter Steinacker: "Nein."
zeitzeichen: "Wie bitte?"


Peter Steinacker:  "Die Bibel ist nicht mit dem Wort Gottes identisch. Das Wort Gottes ist kein Buch, sondern lebendiges Geschehen. Es ist überall in der Welt zu vernehmen, auch nonverbal, zum Beispiel in der liebevollen Zuwendung zu einem anderen Menschen, wie es in der Diakonie geschieht."

Dr. Dr. h.c. Peter Steinacker (20. September 2005,  1943 - 2015, 1993 - 2008 Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Die Bibel ist nicht Gottes Wort - Interview, zeitzeichen. Evangelische Diskussione zu Religion und Gesellschaft, zeitzeichen.net)

 


"Löst sich das Christentum in Ethik auf? Die Antwort auf diese Frage muss heißen: Ja, das tut es heute wie vor 2000 Jahren."

Prof. Dr. Dorothee Sölle (Dezember 1966, Ev. Theologin, Atheistisch an Gott glauben? Merkur. Nachdruck: Atheistisch an Gott glauben? Beiträge zur Theologie, dtv München 1983, Seite 86)
 

Dr. Hermann Barth, Präsident des Kirchenamtes der EKD (2010)


"Theologie braucht die Freiheit, bisherige Glaubensvorstellungen weiterzuentwickeln, zu korrigieren, ja zu destruieren. Theologie kann darum kritisch werden gegenüber überkommenen Auffassungen, vor allem dann, wenn sie bloß aus Denkfaulheit oder Ängstlichkeit festgehalten werden.


Daraus ergibt sich auch das bleibende Recht der historisch-kritischen Bibelexegese."

Dr. Hermann Barth (13. Dezember 2002, Präsident des Kirchenamtes der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD, Grußwort "25 Jahre Arbeitskreis für evangelikale Theologie" Gießen, www.ekd.de)

 


"Ich bin pietistisch geprägt und habe erst im Theologiestudium durch die historisch-kritische Methode der Bibelauslegung gelernt, die Bibel neu zu lesen. Ich weiß, wie schwer es ist, sich von alten Glaubensüberzeugungen zu trennen."

Superintendent Burkhard Müller (Juli 2010, Theologe, Superintendent i.R., ehemaliger Sprecher "Das Wort zum Sonntag", Sündenmanie und unterschlagene Liebe, chrismon plus rheinland, www.chrismon-rheinland.de)

 


"Es ist in Ordnung und wünschenswert, wenn sich Glaube durch ein Theologiestudium verändert. Der Abbruch von Glaubensgebäuden, die der komplexen Wirklichkeit nicht standhalten, ist vonnöten, aber wenn auf den Trümmern nichts Neues entsteht, ist auch niemandem geholfen. …

Man kann der christlichen Sache eben nicht nur durch eine allzu rationalistische Auslegung schaden, man kann dies ebenso durch eine allzu wissenschaftsfeindliche Auslegung tun. Und deshalb gibt es nicht nur Trümmergeschichten aus dem Theologiestudium, sondern ebenso niederschmetternde Geschichten von Glaubensverlust aufgrund von Gesetzlichkeit und blindem Fanatismus."

Dr. Michael Diener (3. September 2021, Ev. Theologe, Mitglied im Rat der EKD, Dekan protestantischer Kirchenbezirk Germersheim, 2009-2020 Präses Evangelischer Gnadauer Gemeinschaftsverband, 2012-2016 Vorsitzender Deutsche Evangelischen Allianz, Raus aus der Sackgasse! Wie die pietistische und evangelikale Bewegung neu an Glaubwürdigkeit gewinnt, adeo Verlag 2021, S.77 f.)

 


"Vor allem die Evangelikalen ... opponierten heftig gegen das, was ihnen die Theologie-Professoren mit - wie mir schien - heimlicher Lust an der Provokation vorsetzten. Und etliche Studenten gefielen sich sehr in ihrer Rolle als Aufklärer, gerierten sich wie kleine Voltaires und zogen, ein Vierteljahr tausend nach Voltaire, viel Lustgewinn aus ihrem Bestreben, die Evangelikalen als bemitleidenswerte Hinterwäldler vorzuführen.

Ich selbst saß meistens eher still dabei, litt ein wenig mit den Evangelikalen, konnte sie gut verstehen, aber nicht verteidigen. Jahrelang hatten sie in ihren christlichen Jugendgruppen engagiert gearbeitet, waren sie in ihren Gemeinden meistens die Einzigen, die noch was auf die Beine gestellt kriegten, hatten sie für ihr Leben viel Kraft aus den wörtlich geglaubten Geschichten der Bibel gezogen. 

Ihnen, denen es wirklich ernst war mit ihrem Glauben, wurde nun dieser Glaube ausgerechnet von der geistigen Elite der Kirche zertrümmert. Das musste ihnen teuflisch vorkommen - der Theologieprofessor als Antichrist."

Christian Nürnberger (November 2007, Journalist - "Atheistisch an Gott glauben", Jesus für Zweifler)

 


"Die Ergebnisse sog. historisch-kritischer Arbeit sind nicht schon deshalb falsch, will sie kritisch, oder zu kritisch, zu radikal, glaubensschädigend etc. wären. ...

Wir können eine Position nicht wegen ihrer negativen, unangenehmen oder ärgerlichen Ergebnisse ablehnen, - sondern nur aus einem Grund: weil sie falsch ist, weil ihre Voraussetzungen nicht tragen: theologisch nicht und wissenschaftlich nicht. ... Die Kritik an der „historisch-kritischen Methode" trägt nicht."


"Mir ist ganz wichtig, dass wir den Ehrentitel „Wissenschaft“ nichts lassen"

Prof. Dr. Heinzpeter Hempelmann (2004, Theologe, 1996 – 2005 Direktor des Theologischen Seminars der Liebenzeller Mission, 2007 CTL-Dekan [Chrischona Tabor Liebenzell], Oberkirchenrat der württembergischen Landeskirche, Nicht auf der Schrift, sondern unter ihr)

 

 


"Die christlichen Kirchen machen den Zugang zum Predigt- oder Priesteramt, zu vielfältigen anderen kirchlichen Diensten (z. B. der Pastoralassistenz) sowie in der Regel zum Lehramt für den Religionsunterricht bis heute von einem universitären Studium abhängig.

Damit bekunden sie ihr grundsätzliches Interesse an einem aufgeklärten Christentum. Beide großen Konfessionskirchen wollen durch die akademische Bildung die kritische Selbstreflexion ihrer Funktionsträger stärken, den rationalen Umgang mit den überlieferten christlichen Traditionen fördern und fundamentalistischen Lesarten der überkommenen Glaubensvorstellungen wehren."

WR Wissenschaftsrat (29. Januar 2010, wissenschaftsrat.de/texte/9678-10.pdf, S. 53, Stand 2010)

 


"Theologie an der Universität muss wie jede andere akademische Disziplin frei sein und darf nicht von wissenschaftsfremden Voraussetzungen ausgehen."

Prof. Dr. Gerd Lüdemann (19.02.2009, Theologe, Georg-August-Universität Göttingen, Papst-Kritiker verliert Streit um Religionslehrer-Ausbildung, Der Tagesspiegel)

 


"Wir haben das Ergebnis der philologischen Textanalyse ohne Rücksicht auf Gefühle und Wünsche festzustellen."

Prof. Dr. Hans Conzelmann (1959, Neutestamentler, "Zeitschrift für Theologie und Kirche", Jahrgang 56, 1959, Beiheft 1)

 


"Die evangelische Theologie verdankt ihr Ansehen und ihre Existenzberechtigung innerhalb der deutschen Universität der rücksichtslosen Anwendung der historisch-kritischen Methode. ...

Nur wenn zukünftige theologische Fakultäten in gleicher Weise sowohl mit kirchlich orientierten Forschern als auch mit solchen aus anderen Religionen und mit Religionskritikern (einschließlich Atheisten) besetzt sind, ist ein Erkenntnisfortschritt zu erwarten."

Prof. Dr. Gerd Lüdemann (1. September 2001, Das Unheilige in der Heiligen Schrift: Die dunkle Seite der Bibel, zu Klampen Verlag; 3., Neuausg. Edition)

 


"Voraussetzungslose Exegese kann es nicht geben. ... Unabdingliche Voraussetzung aber ist die historische Methode in der Befragung der Texte. Exegese ist ja als Interpretation historischer Texte ein Stück Geschichtswissenschaft."

Prof. Dr. Rudolf Bultmann (1957, Theologe, Ist voraussetzungslose Exegese möglich?, S. 410)

 


"Ausgangspunkt der modernen, exegetischen Arbeit am Neuen Testament ist zunächst ganz allgemein der wissenschaftliche Zweifel."

Prof. Dr. Hans Conzelmann u. Prof. Dr. Andreas Lindemann (1975, Arbeitsbuch zum Neuen Testament, UTB Bd.52, Stuttgart; Aufl.: Mai 2004)
 

Nichtlustig.de

 

 

 

Im "Grunde stellt das Vorgehen der wissenschaftlichen Theologen die Spitze der Heuchelei dar. Indem sie den Studierenden die Ergebnisse der historisch-kritischen Forschung vermitteln, nehmen sie ihnen den Glauben der Bekenntnisse, den sie in ihrem kirchlichen Dienst vertreten sollen."

Prof. Dr. Gerd Lüdemann (1999, Theologe, Georg-August-Universität Göttingen, "Kirche der Scheinheiligen" Evangelische Diskussione 3/1999)

 


"Intellektuelle Gottesleugnung und Frömmigkeit ... die für die Aufklärung weithin charakteristisch ist und von der auch die liberale und die historisch-kritische Theologie geprägt sind. ...

Wie konnte es dazu kommen, dass weithin die Kirche die Kritik an der Bibel zur Grundlage ihrer Theologenausbildung gemacht hat? ...​

Indem die Theologie auch die Aufklärungsphilosophie zu ihrer Denkgrundlage machte, wurde sie zur bibelkritischen Theologie. Die Theologie hat also von der Philosophie nicht nur die antitheistische Denkvoraussetzungen übernommen, sondern auch die einzelnen Elemente der Bibelkritik. ...

Alle Waffen des Atheismus wurden in der Philosophie geschmiedet. In Gebrauch genommen hat man sie vor allem in der bibelkritischen Theologie und der Literatur. ... Eine Theologie, die sich leiten lässt durch die Philosophie anstatt durch Gottes Wort, verfehlt Gottes Offenbarung. ...

Der lebendige Gott wurde in den Gott der Philosophie verwandelt, der nichts sieht, nichts hört, nichts sagt und nichts tut, der nur noch Götze ist, von dem man nichts erwarten darf. ... Sie hält das, was sie von ihren Kathedern lehrt, für wissenschaftliche Ergebnisse und kultiviert es als angeblich wissenschaftliche Methoden. Dadurch sichert sie sich ihren Verbleib an der Universität. ...

Es ist nichts in der historisch-kritischen Theologie, was nicht zuvor in der Philosophie gewesen ist. …Wundern, Auferstehungsberichten und Ähnlichem wurde von vornherein die Historizität abgesprochen, weil die historisch-kritische Theologie im Gefolge der Aufklärungsphilosophie kein Handeln Gottes in der Geschichte gelten ließ.


Durch Vor-Urteil wurde das alles für mythisch erklärt. … Geschichte wurde auf das Menschliche begrenzt. Gott ließ man darin keinen Raum. Alles singuläre Handeln Gottes wurde ausgeschlossen. …

Lebendiger Glaube an Gottes Offenbarung in seinem Wort und eine „wissenschaftliche“ Theologie, die arbeitet „als ob es Gott nicht gäbe“ schließen sich aus. … Der Jesus der Bibel und der Jesus der Bibelkritik sind Gegensätze, die sich ausschließen. Jeder muss sich entscheiden, welchen Jesus er wählt. Er soll aber wissen, dass der Jesus der Bibelkritik nicht zu retten vermag." …

Eine Theologie, die auf antitheistische Voraussetzungen beruht, ist ein Widerspruch in sich selbst. Die Kirche kann nicht gedeihen, wenn sie sich mit solch einer Theologie die Ausbildung ihrer Pastoren betreibt, kann nicht gedeihen, wie man allerorten sehen kann."

Prof. Dr. theol. Eta Linnemann (1. Oktober 2007, Theologin, Bibel oder Bibelkritik? Was ist glaubwürdig?, VTR; 2. Edition)

 


"Zimmerlings Behauptung, „die in den 70er und 80er Jahren vorherrschende Furcht, dass Theologie den Glauben zerstören könne, sei heute unbegründet", ist in sich selbst unstimmig.

Dass die historisch-kritische Theologie in vielen den Glauben zerstört, war nicht die Furcht vor einer Möglichkeit, sondern bittere Erfahrung und trifft heute nicht weniger zu, als in den 70er und 80er Jahren.

Die Furcht mag nachgelassen haben, doch die Gefahr ist geblieben. Heute sind andere Fragen aktuell als damals und einige Schulmeinungen haben sich geändert. Die historisch-kritische Theologie hat aber ihre Identität bewahrt."

Prof. Dr. theol. Eta Linnemann (04. Juli 2007, Theologin, ideaSpektrum Nr. 27/2007, Seite 4)


"Dass der Glaube Theologie braucht, wird von vielen – besonders evangelikalen – Christen bestritten. Viele sind im Gegenteil der Auffassung, dass die Universitätstheologie dem Glauben schadet oder ihn gar zerstört. Glücklicherweise stimmt dieses Pauschalurteil nicht.“

Prof. Dr. Peter Zimmerling (15.11.2007, Praktische Theologie Universität Leipzig, Worthaus Referent, KOMMENTAR: Braucht der Glaube wirklich Theologie? ideaSektrum)

"Evangelikale sollen Misstrauen gegenüber Uni-Theologie ablegen"

"Zimmerling empfahl dem Schriesheimer Zentrum und ähnlichen evangelikalen Einrichtungen in Tübingen, Marburg und Mainz, sich nicht länger als Gegenüber zu Theologischen Fakultäten profilieren zu wollen. Stattdessen sollten sie stärker ihren positiven Beitrag zur Ausbildung von Theologen und Religionspädagogen herausstellen. …

Zimmerling zufolge ist die in den 70er und 80er Jahren vorherrschende Furcht, dass Theologie den Glauben zerstören könne, heute unbegründet: „Nach biblisch-reformatorischem Verständnis ist Theologie nichts anderes als das Auslegen der Bibel.“ 

Die wissenschaftliche Theologie habe die Aufgabe, den christlichen Glauben vor dem Abgleiten in gesellschaftliche Belanglosigkeit oder individualistische Verengungen zu bewahren. 
Auch fromme Leute stünden in der Gefahr, sich von der Erlebnisorientierung ihrer Umgebung anstecken zu lassen. Sie suchten Glaubenserfahrungen und vernachlässigten das notwendige Gespräch mit Skeptikern und Kritikern des Christentums. Für den Glauben sei aber „das Denken wichtiger als die Befriedigung von Emotionen“, so der Professor."

ideaSektrum (24.06.2007, Evangelikale sollen Misstrauen gegenüber Uni-Theologie ablegen)

Pfarrer Prof. Dr. Peter Zimmerling, Praktische Theologie Universität Leipzig

 

 

"Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit.

 

Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Anleitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen.

Sapere aude! [Wage es verständig zu sein!] Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung." 

Prof. Dr. Immanuel Kant (1784, Philosoph, "Beantwortung der Frage: was ist Aufklärung?", Berlinische Monatsschrift, 1784,2, S. 481–494)

 


"Die Aufklärung lässt sich auf Dauer nicht an die Ketten des Dogmas legen. Sie stürzt wie ein brausender Strom heran, gegen den alle Glaubensschleusen und -dämme machtlos sind."

Prof. Dr. Gerd Lüdemann (20. September 2008, Theologe, Georg-August-Universität Göttingen, Vertrag von Staat und Kirche, Ketten des Dogmas. Frankfurter Rundschau)

 


"Das ist die offenkundige vor Augen liegende Wirkung der historischen Methode. Sie relativiert Alles und Jedes. ... (S. 9)

Wer ihr den kleinen Finger gegeben hat, wird von ihr so energisch ergriffen, dass er ihr die ganze Hand geben muss. ... (S. 7)
Jedenfalls können wir nun einmal nicht mehr ohne und gegen diese Methode denken und müssen wir alle unsere Forschungen über Wesen und Ziele des menschlichen Geistes auf sie aufbauen.

So hat die historische Methode auch die Theologie ergriffen, erst schüchtern und fragmentarisch mit allerhand Vorbehalten und Einschränkungen, dann immer energischer und umfassender, bis sie auch hier bewirken musste, was sie überall sonst bewirkt hat, eine prinzipielle Veränderung der gesamten Denkweise und der ganzen Stellung zum Gegenstande [Bibel]." (S. 8)

Prof. Dr. Ernst Troeltsch (1900, Ev. Theologe, Friedemann Voigt (Hrsg.): Ernst Troeltsch Lesebuch. Ausgewählte Texte. Über historische und dogmatische Methode in der Theologie (1900). UTB; Bd. 2452. Mohr Siebeck, Tübingen 2003, S. 7 ff.)

 


 

Prof. Dr. Ernst Troeltsch, Ev. Theologe

 

 

"Meine Herren, es wackelt alles"

Prof. Dr. Ernst Troeltsch (5. Oktober 1896, Ev. Theologe, Eisenacher Tagung „Freunde der Christlichen Welt“, Walther Köhler: Ernst Troeltsch. Tübingen, J. C. B. Mohr 1941, S.1)

 


"Man kann nicht elektrisches Licht und Radioapparat benutzen, in Krankheitsfällen moderne medizinische und klinische Mittel in Anspruch nehmen und gleichzeitig an die Geister- und Wunderwelt des Neuen Testaments glauben."

Prof. Dr. Rudolf Bultmann (1948, Ev. Theologe, "Kerygma und Mythos I", Bartsch, 1967)

 

"Beruf der Theologie ... in den Zweifel hineinzuführen, die naive Gläubigkeit zu erschüttern. Erziehung zur Kritik.

Prof. Dr. Rudolf Bultmann (1926, Theologe, zit.n. Rudolf Augstein, Jesus Menschensohn, Seite 368, 3. Aufl. 2003)

 


"Rudolf Bultmann entzauberte im 20. Jahrhundert radikal die Sprache der Bibel. ... Er gilt heute als einer der bedeutendsten Theologen des Protestantismus.

Bultmann ist ein Symbol für den Dialog des Christentums mit der Moderne. In seiner Person als Wissenschaftler und Christ verkörperte er zugleich den Spagat zwischen Glauben und Verstehen. ...

Seine Interpretation der Evangelien rüttelt bis heute an den Fundamenten der christlichen Bekenntnisse. ... Schließlich war die äußerste Konsequenz dieses Programms „die Verneinung der leiblichen Auferstehung Christi“, wie die Tagesschau einen Tag nach Bultmanns Tod meldete. ...

Lutherische Theologen warfen ihm vor, er betreibe die "Selbstauflösung der Theologie in eine atheistische Philosophie". ...
Die Kontroverse um Bultmanns Entmythologisierungsprogramm war für die Kirche ein notwendiger Streit, erinnert sich der 1915 geborene Theologe Heinz Zahrnt. Bultmann habe die Christen vom zwanghaften Buchstabenglauben befreien wollen"

Evangelischer Pressedienst epd (Oktober 2001, Rudolf Bultmann - Spagat zwischen Glauben und Verstehen, Marburger UniJournal Nr. 10, 10/2001, Philipps-Universität Marburg, www.uni-marburg.de)

 

"Fundamentalistische Haltungen entstehen ... wenn folgende Merkmale anzutreffen sind ... Ein nicht-symbolisches, wortwörtliches Verstehen und konkret-politisches Umsetzen heiliger Schriften."

Dr. Fritz R. Huth (Februar 2002, Theologe, Beauftragte für Weltanschauungsfragen der EKHN Evangelische Kirche in Hessen und Nassau, Arbeitshilfe Fundamentalismus. Herausgegeben vom „Zentrum Ökumene“ der EKHN)

 


"«Alles, was ich euch gebiete, das sollt ihr halten und danach tun. Ihr sollt nichts dazutun und nichts davontun.» ... Dies ist für die «Mäßigung» in der Religion kein geringes Problem: Sie wird von nichts anderem gestützt als von einer uneingestandenen Missachtung der Buchstaben des göttlichen Gesetzes.


Der einzige Grund, weshalb heute jemand in Glaubensfragen «gemäßigt» ist, besteht darin, dass er einige Früchte des menschlichen Denkens der letzten zweitausend Jahre (demokratische Politik, wissenschaftlicher Fortschritt an jeder Front, Einhaltung der Menschenrechte, das Ende der kulturellen und geografischen Isolation und so weiter) verinnerlicht hat. 

Die Türen, die von einer wörtlichen Auslegung wegführen, lassen sich nicht von innen öffnen. 

Die «Mäßigung», die wir unter Gläubigen vorfinden, die keine Fundamentalisten sind, ist kein wie auch immer geartetes Zeichen dafür, dass der Glaube sich weiterentwickelt hat; sie ist vielmehr das Resultat zahlreicher Hammerschläge der Moderne, die gewisse Glaubensinhalte dem Zweifel ausgesetzt hat.

Nicht die unbedeutendste dieser Entwicklungen war das Hervortreten der Tendenz, den Wert von Beweisen zu erkennen und von einer Behauptung nur bis zu jenem Grad überzeugt zu sein, in dem diese Behauptung sich nachweisen lässt. ...

Eine Fortentwicklung in der Religion, wie auch auf anderen Gebieten, müsste sich den Fragen von heute stellen, anstatt hartnäckig die Lehrmeinungen der Vergangenheit nachzubeten."

Dr. Sam Harris (September 2007, US-amerikanischer Schriftsteller, Philosoph u. Neurowissenschafter, Das Ende des Glaubens. Religion, Terror und das Licht der Vernunft.)
 

Dr. Sam Harris, Philosoph u. Neurowissenschafter


"Der historische Abstand zwischen dem frühchristlichen Zeitalter und der heutigen Kirche ist die Ursache eines krisenhaften Strudels geworden, der lieb gewonnene Gewohnheiten des Glaubens unbarmherzig mit sich in die Tiefe reißt.

Dies geschieht deswegen, weil die seit 250 Jahren betriebene historisch-kritische Erforschung der Bibel mit dem bis dahin vorhandenen Bild der Bibel restlos aufgeräumt und jeden einzelnen ihrer Verse als menschliches Wort verstehen gelehrt hat.

Doch sind ihre Ergebnisse - wenn überhaupt - der Öffentlichkeit nur geschönt vermittelt worden."

Prof. Dr. Gerd Lüdemann (2004, Theologe an der Georg-August-Universität Göttingen, "Das Unheilige in der heiligen Schrift")

 


"Die wissenschaftliche Erforschung der Bibel in den letzten 150 Jahren hat gezeigt, wie sowohl im Alten Testament als auch im Neuen Testament Satz für Satz von Menschen gesprochen worden ist.

Es lässt sich nicht ein einziger Satz als von jenseits geoffenbartes Wort ausmachen. Diese Kritik spitzt sich zu auf eine zweite These. Sie lautet: Redet der Mensch von Gott, dann redet er von sich selbst"

Pfarrer Dr. Paul Schulz (1979, Theologe, Frankfurter Rundschau 2.2.1979)

 

"Die Bibel ist von Menschen geschrieben, sie ist ein menschliches Buch, und darum kann sie nicht anders gelesen und verstanden und nicht nach anderen Methoden ausgelegt werden als andere menschliche Bücher auch."

Dr. theol. Heinz Zahrnt (1971 bis 1973 Präsident des Evangelischen Kirchentags, 25 Jahre theologischer Chefredakteur des "Deutschen Allgemeinen Sonntagsblatts", Es begann mit Jesus von Nazareth, Gütersloh 1960, S. 30)

 


"Die Theologen haben doch längst die Bibel und den ganzen Volks- und Aberglauben entmythologisiert ...
Kein Theologe sagt es so platt, aber auf diese Plattheit laufen all ihre Erklärungen hinaus, wenn man sie von den theologieüblichen Verschleierungen und Wissenschaftlichkeit vortäuschenden Komplizierungen befreit und über die Rücksichten auf die Kirche und religiöse Gefühle hinweggeht."

Christian Nürnberger (November 2007, Journalist - "Atheistisch an Gott glauben", Jesus für Zweifler)
 

Bild: Thomas Plaßmann, thomasplassmann.de


"Die wissenschaftliche Exegese hat die Aufgabe, den jüdischen und den christlichen Glauben vor dem religiösen Fundamentalismus zu bewahren, der sich auf die Bibel wie auf einen papierenen Fetisch beruft."

Prof. Dr. Christoph Levin (2001, Ev. Theologe, Lehrstuhlinhaber Altes Testament I - Ludwig-Maximilians-Universität München, Das Alte Testament, München 2006, S. 124)

 


"Wer Gott von Seinem Wort trennt, schafft sich einen Götzen!"

Rolf-Jürgen Schmeißing (7. Februar 2009, Diskussion, Pietisten-Präses gegen fundamentalistisches Bibelverständnis, www.idea.de)

 


"Zunächst ist [Auslassung - Eigenname Gottes], Israels Gott, ein Stammesgott wie andere semitische Gottheiten [vgl. Baal]" 

Prof. Dr. Rudolf Bultmann (1949, Ev. Theologe, Das Urchristentum im Rahmen der antiken Religionen. Artemis & Winkler Verlag Zürich 1949 u. Patmos Verlag Düsseldorf Aufl. 2005, Seite 11)

 


"[Auslassung - Eigenname Gottes] und Baal sind ebenso wie der aramäische Hadad unterschiedliche Manifestationen eines verbreiteten ursprünglichen Wettergotttypus" 

Prof. Dr. Sebastian Grätz (Mai 2006, Professur für Altes Testament: Evangelisch-Theologische Fakultät Johannes Gutenberg-Universität Mainz, JHWH und Baal, Wissenschaftliches Bibellexikon WiBiLex, Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart, bibelwissenschaft.de)

 

"Der Name Baal lebt in Balthasar und Hannibal (phönizisch für „Baal ist gnädig“) fort. Auch das Wort Beelzebub oder Baal-Sebub (Herr der Fliegen), geht auf Baal zurück und stellt im Neuen Testament eine Bezeichnung für den Teufel dar."

(Stand Juni 2010, https://de.wikipedia.org/wiki/Baal_(Gottheit)


"Mit wem wollt ihr mich also vergleichen, wer ist mir gleich?", fragt der heilige Gott."

Jesaja 40, 25

 


"Lange finden wir in der Hebräischen Bibel die Rede von vielen unterschiedlichen Göttern (Polytheismus). [Auslassung - Eigenname Gottes] ist in der frühen Zeit nur ein Gott unter vielen (z.B. Ps 82). Über das Stadium der Monolatrie (es wird nur ein Gott verehrt) entwickelt sich erst in der späten Zeit Israels bzw. im babylonischen Exil die Vorstellung des Monotheismus (es gibt überhaupt nur einen Gott).  


Vgl. hierzu: Thomas Römer, Die Erfindung Gottes. Eine Reise zu den Quellen des Monotheismus. Darmstadt, 2018) … [S.262]

Der jüdische Glaube entwickelte sich von einer polytheistischen Ausprägung (es gibt neben dem Gott  [Auslassung - Eigenname Gottes] noch viele andere Götter, aber es sind nicht unsere Götter) hin zu einer monotheistischen Ausprägung (es gibt überhaupt nur diesen einen Gott [Auslassung - Eigenname Gottes]) (vgl. Dtn 6,4). … [S. 49]

Erst allmählich wandelte sich in Israel das Bewusstsein hin zu einem monotheistischen Gottesverständnis." [S. 139]

Pastor Simon Werner (13. Juli 2021, Bildungsreferent Akademie Elstal u. Gemeindejugendwerk des BEFG, Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden BEFG in Deutschland K.d.ö.R., Hamp, Krupinski, Schlüter, Werner (Hrsg.), glauben | lieben | hoffen, SCM Brockhaus 2021)

 


"Wie mit der Sintflut-, der Mose- und der Sinai-Geschichte verhält es sich mit vielen Geschichten der Bibel. Sie transportieren ältere Erzählstoffe aus anderen Kulturen. Unsere heiligen Texte sind oft nur heidnische Texte, die jüdisch umgearbeitet und später von Christen übernommen wurden."

Christian Nürnberger (November 2007, Journalist - "Atheistisch an Gott glauben", Jesus für Zweifler)

 


„Das Christentum versteht sich seit alters als eine Religion, die auf den Geschichtstaten Gottes ruht, von denen im Alten und im Neuen Testament die Rede ist. In den Satz "Gott hat Israel aus Ägypten geführt und Jesus Christus von den Toten erweckt" konnten bisher die meisten Theologen einstimmen. Nun war die Auferstehung Jesu schon immer Gegenstand der Kritik auch in der Öffentlichkeit, während der Auszug Israels aus Ägypten davon verschont blieb.

Doch gerade am Exodus und dem mit ihm verbundenen Thema des vorstaatlichen Israel hat sich, fast unbemerkt, eine wissenschaftliche Revolution vollzogen. … Das in der Bibel entworfene Bild des vorstaatlichen Israel (vor 1000 v. Chr.) entspringt theologischen Fiktionen aus der nachstaatlichen Zeit (ab dem 6. Jh. v. Chr.). ...

Die Kirche betrachtet - weil sie sich als neues Israel auffasst - von Beginn an das im Alten Testament berichtete Handeln [Auslassung - Eigenname Gottes] an Israel als festen Bestandteil der Heilsgeschichte, die zu Jesus Christus führt.


Wenn jedoch der historische Rahmen der Geschichtsbücher des Alten Testaments fiktiv ist und es sich beim biblischen Israel, ja selbst bei dem exklusiven Gott "[Auslassung - Eigenname Gottes]  um theologische Konstrukte des nachstaatlichen Judentums handelt, dann sind die biblische Frühgeschichte Israels und damit die Vorgeschichte Jesu Christi vollständig entleert. 

Sie lösen sich in Nebel auf und mit ihnen auch die Auferstehung Jesu, denn das Zentraldatum christlichen Glaubens gilt in der Theologie inzwischen auch als unhistorisch.


Diese Erkenntnisse besiegeln nicht nur den Tod des alttestamentlichen Geschichtsgottes, sondern auch das Ende des Vaters Jesu Christi." 

Prof. Dr. Gerd Lüdemann (01.10.2006, Theologe, Georg-August-Universität Göttingen, Gott wurde spät erfunden. Gerd Lüdemann beschreibt neue Entwicklungen in der Wissenschaft vom Alten Testament, DIE WELT)

 

"Wenn ihr Mose glaubtet, so glaubtet ihr auch mir; denn er hat von mir geschrieben. Wenn ihr aber seinen Schriften nicht glaubt, wie werdet ihr meinen Worten glauben?"

Jesus Christus (Johannes 5, 46-47)

 

"Es sind in Deutschland die Theologen, die ... Gott ein Ende machen."

Heinrich Heine (1797-1865, deutscher Dichter und Publizist)

 


"Gott ist tot, er wurde auf der theologischen Werkbank zu Tode interpretiert."

Dr. Lutz Graf (2000, Langen, Leserbriefe zu dem Artikel: Grabesstimmung: Haben die Theologen die Kirche im Stich gelassen? ... Das Thema Ostern - eine einzige Konfusion, DEUTSCHES ALLGEMEINES SONNTAGSBLATT, DS 21. April 2000 Nr. 16/2000)

 


"In der Theologie vollzieht der Glaube Selbstmord"

Friedrich Josef Dürrenmatt (1990, Schweizer Schriftsteller, Dramatiker und Maler, «Turmbau»)

 


"Ein paar Früchte vom Baum der Erkenntnis sind es immer wert, dass man um ihret Willen das Paradies verliert."

Prof. Dr. Ernst Haeckel (1834 - 1919, Zoologe u. Philosoph)
 

Filmzitat - Woody Allen (2012)

 

 


"Oben ohne" - Theologie"

"Der Atheismus hat auch da seinen Platz gefunden, wo man ihn eigentlich nicht vermutet: An den theologischen Fakultäten. …

Wenn man systematisch mythologische Rede vermeiden wollte, musste man auch Gott als Person entmythologisieren und zum Beispiel durch „Liebe“ ersetzen. So kam es, dass man bist heute regelmäßig mit der Formel konfrontiert wird „Gott ist die Liebe“; das steht zwar im ersten Johannesbrief, aber als isoliertes Zitat funktioniert diese Formel als verheerender Theologie-Ersatz.


Denn wenn Gott in Wahrheit nichts weiter als „die Liebe“ ist, hat man seine Personalität und seinen „Charakter“, seine Widerständigkeit und sein Geheimnis aufgelöst. Ein solcher Gott ist kein Gegenüber mehr, das man mit „Du“ anreden kann, sondern er ereignet sich nur noch in der Begegnung von Menschen. Das Gesicht Gottes wird dann, wie man gesagt hat, nur (!) noch erkennbar als das Gesicht des anderen neben mir. … Der Atheismus in der Theologie leugnet Gott als personales Gegenüber."

Prof. Dr. Klaus Berger (29.12.2007, Theologe, Wider die „oben ohne“-Theologie, Die Tagespost)


"Leute, die an nichts mehr glauben, stellen die Behauptung auf, dass der christliche Glaube nichts ist.

Mit Hilfe dieser Kongruenzbehauptung wird von ihnen der Berechtigungsnachweis geführt, dass sie weiter ihre Gehälter den Christen aus der Tasche ziehen können - als Pastoren in einer evangelischen Kirche oder als Professoren theologischer Fakultäten, die ihre Existenz lediglich dem Gegebensein von Kirche verdanken."

Prof. Dr. theol. Eta Linnemann (1978, Ev. Theologin)

 


"Ich wäre schon dankbar, wenn ich auf Kirchenvertreter treffen würde, die glaubwürdig verkörpern, dass sie glauben."

Giovanni di Lorenzo (15.04.08, Chefredakteur der Wochenzeitung DIE ZEIT, Mitherausgeber des Berliner Tagesspiegels, "Zeit"-Chefredakteur vermisst kirchliche Vorbilder, www.evlka.de, epd Niedersachsen-Bremen)

 


"Die Menschen haben sich ... von unseren Kirchen getrennt, weil sie das Zeugnis der Zeugen nicht überzeugend fanden"

Kirchenpräsident Helge Klassohn (April 2007, Theologe, Kirchenpräsident der Evangelischen Landeskirche Anhalts, Landessynode Dessau - April 2007)

 


"Es ist verwunderlich, dass man sich bisher die Unvermeidbarkeit des Konflikts zwischen der herrschenden Theologie und der Gemeindefrömmigkeit kaum klargemacht hat."

Pfarrer Dr. Reinhold Lindner (1971, Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, Information Nr. 45 Stuttgart III/1971, Streit in der Kirche, Seite 5)

 

"Verbindliche Glaubenssätze sind symbolisch-gleichnishaft und nicht wortwörtlich zu verstehen. Dann passen sie mit dem Wahrheitsbewusstsein zusammen."

Pfarrer Dr. Andreas Rössler (26.7.2001, Undogmatisches Christentum: ein Ideal im Konflikt mit der Wirklichkeit, IARF-Tagung in der Evangelischen Akademie Bad Boll)

 

"Der (spät)moderne Experte übt das Amt eines Priesters aus, der die Menschen mit symbolisch besetzten „Antworten“ auf das Rätsel ihres Daseins speist (vgl. hierzu: J. Hoff: Spiritualität und Sprachverlust, Paderborn u.a. 1999).

Das religiöse Zersetzungspotential derartiger „Expertenreligionen“ ist weniger offenkundig als im Falle des klassischen Atheismus.
Doch es erweist sich als umso wirkungsvoller, je mehr sich das Erscheinungsbild der alten Religion an dasjenige austauschbarer Expertenkulturen angleicht und die Kirche der Entwertung ihres „symbolischen Kapitals“ bereits aus eigenem Antrieb zuarbeitet."

Dr. Johannes Hoff (15.07.2004, Theologe, Das Verschwinden des Körpers. Eine Kritik an der „Wut des Verstehens“ in der Liturgie, Tübingen)

 

"Wir brauchen keine Elitekirchen mit abgehobenem Führungspersonal, sondern echte Seelsorge-Kirche für die Menschen."


Hendrik Wüst (Dezember 23, NRW-Ministerpräsident, Bild am Sonntag)

 


"Expertenreligionen sind typischerweise das Produkt von Eliten, die sich als Geistesaristokratie begreifen."

Prof. Dr. Jürgen Renn (2005, Wissenschaftshistoriker, Vortrag Kirchentag 2005 in Hannover)

 

"Es geht "um Religion, die nur durch das Nadelöhr der Wissenschaft zugänglich wird, freilich einer Wissenschaft, die sich nicht durch ihren jeweiligen Wissensstand, sondern durch methodische Wissenssuche definiert."

Frankfurter Allgemeine Zeitung (02.01.1996, Vermutungen über das Rätsel)

 

"Mein Großvater predigte das Evangelium Christi. Mein Vater predigte das Evangelium des Sozialismus. Ich predige das Evangelium der Wissenschaft."

Sir Richard Gregory (1952, Professor für Astronomie, ehemaliger Herausgeber von "Nature", Epitaph-Inschrift, www2.hu-berlin.de/religion/dokumente/pr181.doc)

 

"Wenn alle wissenschaftlichen Probleme gelöst sind, ist noch kein einziges Lebensproblem gelöst."

Ludwig Wittgenstein (1889 - 1951, österreichischer Philosoph)

"Gott ... als »Sprachereignis«, als die in religiöser Rede geschehende Selbsttranszendenz des Menschen. ... Gott als offene Zukunft des Menschen, Gott als Sinn seines Daseins, das wird zur schönen, aber leeren Formel"

Prof. Dr. Robert Spaemann (Januar 1969, Philosoph, Was ist das eigentlich – Gott? Band 119 - Die Bücher der Neunzehn)

 

"Das Reich Gottes besteht nicht durch die Worte, mit denen man davon erzählt, es lebt durch die Kraft Gottes."

1. Korinther 4, 20

Prof. Dr. Emil Brunner (links) und Prof. Dr. Karl Barth

 

 


"Jetzt aber, wo mit jedem Tage klarer wird, dass die Krisis der Religion … von innen, nicht von außen kommt … jetzt ist es wohl an der Zeit, die Hauptaufmerksamkeit von außen nach innen, auf den Krebsschaden im Innern unserer »Innerlichkeit«, auf die Pseudochristlichkeit und Ungeistigkeit unserer modernen Theologie und Religion zu werfen."

Prof. Dr. Emil Brunner (1928, Schweizer Theologe, Die Mystik und das Wort, »Unser Problem«. 2. Aufl., 1928, S. 12)

 

"Die historische Methode beruht auf der Voraussetzung, dass die Erforschung geschichtlicher Phänomene sachgemäß nur unter Berücksichtigung ihres Kausalzusammenhangs, ihrer Wechselbeziehungen und ihrer Analogien erfolgen kann.

Ihre Arbeitsweise folgt dem methodischen Atheismus der neuzeitlichen Wissenschaft ... Die historische Methode verweigert eine Antwort auf die religiöse Wahrheitsfrage und kann nur verschiedene Wahrheitsansprüche registrieren und miteinander vergleichen."

Prof. Dr. Gerd Lüdemann (20.09.2008, Theologe, Georg-August-Universität Göttingen, Vertrag von Staat und Kirche, Ketten des Dogmas. Frankfurter Rundschau)

 

"Unglaube ist der erste Schritt zur Philosophie."

Denis Diderot (31. Juli 1784, französischer Philosoph, Schriftsteller  und Aufklärer, Letzte Worte, https://de.wikiquote.org/wiki/Denis_Diderot)

 

"Die atheistische Theologie und ihren … in die menschliche Subjektivität eingesperrten Religionsbegriff … dass die evangelischen Fakultäten der Wahrheitsfrage ausweichen, die Gottesfrage begraben und die Religion „aus der Welt erklären“. …

Die atheistische Methode sei die einzig wissenschaftliche: „Wir wollen die Welt (mit Einschluss der Religion …) aus der Welt erklären“; d.h. „wir wollen sie erklären aus den im Weltprozess liegenden Kräften ohne Zuhilfenahme eines Gottesgedankens“. Das sei heute in allen Arbeitszweigen der Wissenschaft einzig und allein das Leitmotiv, also auch in der Theologie. …

Wer alles Geschehen, Jesu Gottessohnschaft … „aus der Welt erklärt“, der ignoriert Gott nicht, sondern negiert ihn. Die Erinnerung an Gott wird hier nicht nur zeitweilig aus dem wissenschaftlichen Denken ausgeschaltete, etwa im Interesse der Erzeugung einer reinen, echten Beobachtung, sondern endgültig ausgeschlossen.

Es wird zum wesentlichen Merkmal der Theologie, dass sie für Gott blind sei. „Die wissenschaftliche Methode“ sagt Paul Jäger, „ignorant deum, weiß nichts von ihm.“
Diese Blindheit für Gott soll natürlich nur innerhalb der wissenschaftlichen Funktion das Merkmal des Theologen sein; er hat sie nicht auch als religiöser Mensch. Der letztere behält sich seine Frömmigkeit abseits von seiner Wissenschaft vor. …

Das ist der alte, scharfzackige Dualismus, den wir von Kant, Jakobi, Schleiermacher, Fries usw. her kennen: der heidnische Kopf und das fromme Herz, die atheistische Wissenschaft und die religiöse Stimmung usw. usw. …
Der Dualismus, den er uns empfiehlt, hat folgende Form: Als Theologen erklärt ihr die Religion aus der Welt; als religiöse Menschen betrachtet ihr sie als Beziehung zu Gott; ihr habt als Theologen zu beweisen, was ihr als Christen verneint, als fromme Leute zu bejahen, was ihr als Theologen bekämpft. …

Jäger gibt uns den freundlichen Rat, „die Entschlossenheit zu haben, aus der Universität auszutreten“, da wir uns mit der atheistischen Stimmung in derselben nicht im Einklang befinden. …

Wenn es einmal wirklich dazu kommt, dass unsere Studenten das Neue Testament nur so lesen wie Homer und unsere Exegeten es erklären wie Homer mit entschlossener Ausstoßung jedes aus Gott gerichteten Gedankens, dann ist es mit den theologischen Fakultäten vorbei.


Jäger fürchtet von seiner Methode keinen Verlust: Atheistisch sei ja … nur die Methode der wissenschaftlichen Arbeit, nicht die persönliche Stellung des Arbeiters. … Wie soll Zweiseeligkeit vermieden werden, wenn in einer und derselben Persönlichkeit der Theologe und der Christ in unversöhnlichem Hader gegeneinander stehen? …


Natürlich muss auch Kant als Tröster dienen: die Wissenschaft habe es ja nur mit der „Erscheinung“ zu tun, nicht mit dem „Wesen“ … „Alles nur Phänomen!“ … vom Theologen, der den religiösen Vorgang zuerst atheistisch erklärt und hernach sagt:
„Bitte nur die Erscheinung habe ich erklärt; über das Wesen könnt ihr denken was ihr wollt“ … wenn die evangelischen Fakultäten zwar noch „Religion“ kennen, aber von keinem Gott mehr wissen, und die katholischen Kollegen es allein sind, die die Gottesfrage stellen."

Prof. Dr. Adolf Schlatter (1905, Evangelischer Theologe, Atheistische Methoden in der Theologie. Eine Auseinandersetzung über "Das atheistische Denken der neueren Theologie" von Paul Jäger, R. Brockhaus Verlag Wuppertal)

 

"Evangelisch die Bibel zu lesen bedeute, sie kritisch zu lesen."

Dr. Jochen Cornelius-Bundschuh (26.09.2007, Direktor des Predigerseminars der
Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck EKKW, ideaSpektrum 39/2007, Seite 7)

 

"Welche Bibel meinen wir denn überhaupt? Das von unserer Kritik gnädig übrig gelassene Gerippe theologischer Allgemeinplätze oder das ewig gültige Wort Gottes?"

Peter Hahne (März 2008, Theologe, Ratsmitglied der EKD [EKD - Evangelische Kirche in Deutschland], Stv. Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios Berlin, Suchet der Stadt Bestes, Werte wagen – für Politik und Gesellschaft. Johannis, S. 17)


"Wir wären schon einen riesigen Schritt weiter, wenn wir uns darauf verständigen könnten, dass wir es in der Bibel nicht nur mit Menschen, sondern auch mit Gott zu tun haben"

Prof. Dr. mult. Thomas Schirrmacher (08.06.2007, Theologe, Deutscher Evangelischer Kirchentag in Köln)

 


"Der nicht erklärte, aber praktizierte Grundsatz alttestamentlicher und neutestamentlicher Wissenschaft ist: So, wie es dasteht, kann es auf keinen Fall gewesen sein. ... Der kritische Verstand entscheidet in der historisch-kritischen Theologie darüber, was in der Bibel Realität ist. …

Man geht mit der Bibel nicht so um, dass man sie als Gottes Wort respektiert. Es wird unterstellt, dass Bibelwort und Gotteswort nicht identisch sind. Das, was zwischen den beiden Buchdeckeln des Bibelbuches an Gedrucktem stehe, sei an und für sich noch nicht Gottes Wort. Gottes Wort sei es lediglich dann, wenn es sich je und dann beim Lesen oder im Hören der Predigt als solches erweise. …

Erst auf der Kanzel wird das offenbar, wenn der Prediger sich vergeblich darum bemüht, diesen toten Buchstaben zum Reden zu bringen und schließlich versucht, ihm mit Hilfe von Psychologie, Soziologie, Sozialismus und anderen -ismen Leben einzuhauchen."

Prof. Dr. Eta Linnemann (1994, Ev. Theologin, Original oder Fälschung. Historisch-kritische Theologie im Licht der Bibel, ‎6. Aufl. 2022, CLV)

 


 

 


"Wenn aber die Heilige Schrift nicht als Wort Gottes erkannt wird, dann rückt unweigerlich die jeweilige Situation und - nicht zu vergessen - die Autorität der Ausleger an die Stelle des Wortes Gottes."

Prof. Dr. Reinhard Slenczka (April 1994, Theologe, Die Autorität der Heiligen Schrift - Grund und Grenze kirchlicher Vollmacht, Vortrag beim Theologischen Konvent der Konferenz Bekennender Gemeinschaften in Erfurt)

"Nicht der hat Religion, der an eine heilige Schrift glaubt, sondern der, welcher keiner bedarf und wohl selbst eine machen könnte."

Prof. Friedrich Schleiermacher  (1799, Theologe, Klassiker neuzeitlicher Religionstheorie, Über die Religion. Reden an die Gebildeten unter ihren Verächtern)

"Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne."

Immanuel Kant (1788, Philosoph, Kritik der praktischen Vernunft: § 7 Grundgesetz der reinen praktischen Vernunft, S. 54)

 

"Immer mehr zu werden, was ich bin, das ist mein einziger Wille."

Friedrich Schleiermacher (1800, Theologe, Monologe)

 

"Ich glaube an die unendliche Menschheit, die da war, ehe sie die Hülle der Männlichkeit und der Weiblichkeit annahm."

Friedrich Schleiermacher (1800, Theologe, Idee zu einem Katechismus der Vernunft für edle Frauen)

"Gott war mein erster Gedanke,

die Vernunft mein zweiter,
der Mensch mein dritter und letzter Gedanke."

Dr. Ludwig Feuerbach (1841, Philosoph, Das Wesen des Christentums)


"Und wünsche nur, dass ich die... Aufgabe nicht verfehlt habe, ...

Sie aus Gottesfreunden zu Menschenfreunden,
aus Gläubigen zu Denkern,
aus Betern zu Arbeitern,
aus Kandidaten des Jenseits zu Studenten des Diesseits,
aus Christen, welche ihrem eigenen Bekenntnis und Geständnis zufolge‚

halb Tier, halb Engel sind,
zu Menschen, zu ganzen Menschen zu machen."

Dr. Ludwig Feuerbach (1848, Philosoph, Vorlesungen über das Wesen der Religion)

"Der Mensch ist der Anfang der Religion, der Mensch der Mittelpunkt der Religion, der Mensch das Ende der Religion."

Dr. Ludwig Feuerbach (1841, Philosoph, Das Wesen des Christentums)

 

"Der Mensch soll das Christentum aufgeben, dann erst wird er Mensch."

Dr. Ludwig Feuerbach (1804-1872, Philosoph)

"Der Mensch schuf Gott nach seinem Bilde."
 

Dr. Ludwig Feuerbach (Projektionstheorie)

 

"Die Kritik der Religion endet mit der Lehre, dass der Mensch das höchste Wesen für den Menschen sei"

Dr. Karl Marx (1844, Philosoph u. Theoretiker des Sozialismus und Kommunismus, Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Einleitung, MEW 1, 385)

 

"Am Ende steht der Mensch, der Gott für tot und die Wahrheit für abgeschafft erklärt hat, am Abgrund der Absurdität, zur Maschine degeneriert, funktioniere diese nun mechanisch oder biologisch."

Hans-Joerg Naumer (17. Dez. 2002, Die Kulturkritik der besonderen Art)

Dr. theol. h.c. Francis A. Schaeffer

 

 


"Der moderne Mensch und die moderne Theologie gelangten durch ihren Versuch, allein vom Menschen auszugehen, an denselben Punkt wie der brillante deutsche Philosoph Friedrich Nietzsche. In den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts behauptete er als erster im »modernen« Sinne, dass Gott tot sei, und er hatte sehr wohl verstanden, wo es die Menschen hinbringt, wenn sie dies sagen.

Wenn Gott tot ist, dann ist alles tot, für das Gott eine Antwort bedeutet oder dem Gott einen Sinn gibt. … Ohne den unendlich-persönlichen Gott kann der Mensch - Nietzsche weist darauf hin - nur noch »Systeme« konstruieren. …

Der Mensch kann irgendein Gebäude errichten, irgendeinen Rahmen abstecken, in welchem er lebt, sich völlig abkapselt und nicht darüber hinausschaut. ... Oder ein Wissenschaftler mag sich auf irgendein kleines Problem konzentrieren, damit er nicht an eine der großen Fragen denken muss … Oder es kann ebenso gut ein theologisches Spiel mit Wörtern innerhalb des Rahmens der existentialistischen Methodologie sein.

Zu diesem Punkt also kam der auf sich selbst bauende Mensch, und an diesem Punkt befindet er sich immer noch. ...

Paul Tillich (1886-1965) ... war einer der herausragenden neo-orthodoxen Theologen. Ein Student berichtete mir, dass Tillich, als er in Santa Barbara, Kalifornien, kurz vor seinem Tod gefragt wurde, ob er bete, geantwortet hat: »Nein, aber ich meditiere.«

Ihm blieb lediglich die Vokabel Gott, ohne die Gewissheit, ob es mehr gibt als nur diese Vokabel, oder ob dieses Wort mehr beinhaltet als nur den pantheistischen Pan-all-ismus. Die »Gott-ist-tot-Theologie«, die auf Tillich folgte, schloss folgerichtig, dass, wenn uns lediglich die Vokabel Gott bleibt, es keinen Grund gibt, weshalb wir nicht dieses Wort selbst durchstreichen sollten.

Für viele liberale Theologen (selbst wenn sie nicht behaupten, Gott sei tot) sind gewisse andere Dinge tot. Da sie die Tatsache ablehnen, dass Gott in der Bibel und durch die Offenbarung in Jesus Christus dem Menschen Wahrheiten mitgeteilt hat, die in klaren Sätzen ausgedrückt werden können, ist der Inhalt des Begriffes »Gott« tot und jegliches Wissen um die Existenz eines persönlichen Gottes ebenfalls.

Man hat damit nur noch religiöse Begriffe ohne Inhalt und die Gefühle, die durch gewisse religiöse Wörter hervorgerufen werden. Das ist alles."

Dr. theol. h.c, Dr. h.c., Dr. h.c. Francis A. Schaeffer (1983, Theologe, Wie können wir denn leben? 3. Aufl. Hänssler 1991, S. 176, 178-179)
 


Guido Kalberer: Die Wiederkehr der Religionen heute muss ein Schock für einen Religionskritiker wie Sie sein. 

Dr. Michael Schmidt-Salomon: Nicht unbedingt, ich habe diese Entwicklung schon Anfang der Neunzigerjahre prognostiziert. Es war ersichtlich, dass die Säkularisierung kein linearer, sondern ein ambivalenter Prozess ist. Es gibt also nicht nur einen Trend weg von der Religion, sondern auch eine Bewegung hin zur Religion. 

In Westeuropa ist der Säkularisierungstrend allerdings stärker: Eine Umfrage in Deutschland zum Beispiel ergab, dass nur noch 23 Prozent der evangelischen Kirchenmitglieder an einen personalen Gott glauben – was immerhin eine Grundvoraussetzung dafür ist, um sich redlicherweise als Christ bezeichnen zu können. …
Die meisten Kirchenmitglieder sind bei genauerer Betrachtung Schein-Mitglieder, genauer gesagt: Taufschein-Mitglieder. Man hat sie als Säuglinge getauft, weshalb man sie religiösen Institutionen zurechnet. …

Kalberer: Wie ordnen Sie die Gläubigen ein, die wieder selbstbewusster zu ihrer Religion stehen?

Schmidt-Salomon: Parallel zum Säkularisierungstrend gibt es einen Trend zur Verschärfung religiöser Bekenntnisse. Entweder werden die Menschen konsequenter religiös oder konsequenter areligiös. Das erklärt, warum der aufgeklärte Protestantismus an Bedeutung verliert, während die evangelikalen Kirchen zulegen. 

Die akademische Theologie hat ihre Pointen verloren. Die Erlösungstat Jesu ist ohne Voraussetzung von Hölle und Teufel so packend wie ein Elfmeterschiessen ohne gegnerische Mannschaft. Wenn der Teufel zum Spiel gar nicht mehr antritt, wird die biblische Erzählung belanglos. 
Übrig bleibt ein «religiöser Dialekt», der fromm klingt, es aber nicht mehr so meint. Menschen, die wirklich glauben wollen, befriedigt das nicht. …

Der aufgeklärte Glaube verliert seine Funktion als Vermittlungsinstanz zwischen konsequentem Säkularismus und religiösem Fundamentalismus. Das ist, wie es scheint, ein unaufhaltsamer Prozess, den man nicht ignorieren sollte. …
Wir haben eine lasche Toleranz entwickelt, ein Beliebigkeitsdenken, dem alles gleichermaßen gültig erscheint. Erst langsam beginnen wir zu erkennen: Wer für alles offen ist, ist nicht ganz dicht! …

Kalberer: Sehen Sie sich eigentlich als Atheisten? 

Schmidt-Salomon: Kommt darauf an, was man unter dem Begriff versteht. Ich empfinde es zum Beispiel nicht als kritikwürdig, wenn jemand sagt, er glaube an einen «unvorstellbaren Gott». Unvorstellbares kann existieren oder nicht – wie sollte man darüber vernünftig urteilen können? …
Vielleicht kann man es so zusammenfassen: Ich bin Agnostiker, zurückhaltend gegenüber dem «unvorstellbaren Gott» der Mystiker – und Atheist gegenüber dem «vorgestellten Gott» der Religionen. … 

Die Evolutionstheorie führt zu der Erkenntnis, dass wir Menschen eine ungeplante, vorübergehende Randerscheinung in einem sinnleeren Universum sind. Die religiöse Vorstellung, dass das ganze Universum für uns mühsam aufrecht gehende Primaten erschaffen wurde, lässt sich nur als Ausdruck eines kolossalen Größenwahnes bezeichnen. 

Alles deutet doch darauf hin, dass es nicht so war, dass «Gott» den Menschen nach seinem Ebenbilde erschuf, sondern dass wir uns unsere Götter nach unseren Ebenbildern erschaffen haben. …

In Anlehnung an Schleiermacher verstehe ich Mystik als «Sinn und Geschmack für das Unendliche». Wenn wir nachts in den Sternenhimmel schauen, bekommen wir einen Eindruck davon, wie unermesslich klein dieses Staubkorn im Weltall ist, das sich Erde nennt, und wie kurzlebig die biologische Gattung, der wir angehören. …

Unser «Ich», das uns so ungemein bedeutsam erscheint, ist in Wahrheit nur ein virtuelles Theaterstück, das von einem blumenkohlförmigen Organ in unserem Schädel inszeniert wird. Diese wissenschaftliche Perspektive ist anschlussfähig an christliche Mystiker wie Meister Eckart, an Vertreter des ZenBuddhismus, des Sufismus im Islam oder des Advaita-Hinduismus. …

Wir … glauben nicht mehr an ein Selbst, das als «unbewegter Beweger» durch die Welt geistert. Daraus lässt sich eine entspanntere Weltsicht ableiten. 
Kurz gefasst: Wer von seinem Selbst lassen kann, entwickelt ein gelasseneres Selbst. Und wer sich nicht mehr schuldig fühlen muss, der zu sein, der er ist, kann leichter daran arbeiten, der zu werden, der er sein könnte. 
Das sind Kernsätze meiner «gottlosen», humanistischen Philosophie. Ähnliche Gedanken findet man schon bei religiösen Mystikern – eine Parallele, die mich immer wieder fasziniert."

Dr. Michael Schmidt-Salomon (28.12.2010, Philosoph, Autor u. Mitbegründer / Vorstandssprecher Giordano-Bruno-Stiftung, «Wer für alles offen ist, ist nicht ganz dicht» Grosse Fragen zum Jahreswechsel: Religionskritiker Michael Schmidt-Salomon über Light-Christen, abgewürgte Aufklärung im Islam und übertriebene Toleranz, Tages-Anzeiger Zürich)

 


"Für mich gilt der alte Satz der Atheisten: Gott existiert nicht, aber ich vermisse ihn sehr."

Dr. Paul Verhoeven (13. April 2009, 1964 Promotion in Mathematik und Physik, niederländischer Filmregisseur, Drehbuchautor und Filmproduzent, Ich protestiere gegen die Schöpfung, Frankfurter Allgemeine Zeitung, www.faz.net)


"Sie glauben also fest daran, dass Gott nicht existiert. Sehen Sie, ich dagegen bin Skeptiker. Ich glaube nicht einmal das."

Dekan Rheinhold Föckersperger (2007, Dipl.-Theol., Pfarrgemeinde St. Johannes, Erding, DER SPIEGEL Nr.23/4.6.07, Seite 6)


"Und dann beginnt man auch bei Feuerbach zu zweifeln, ob er nicht in Wirklichkeit bloß ein von den Christen enttäuschter Christ ist. Der Urvater des Atheismus redet den Christen – zu Recht – ins christliche Gewissen: 

»Die wahren Atheisten sind die heutigen Christen, die behaupten, an Gott zu glauben, aber genau so leben, als ob er nicht existiere; diese Christen glauben nicht mehr an die Güte, die Gerechtigkeit, die Liebe, d.h. alles, was Gott definiert; diese Christen, die nicht mehr an das Wunder, sondern an die Technologie glauben, die mehr Vertrauen in die Lebensversicherungen setzen als ins Gebet; die angesichts des Elends nicht mehr im Gebet Zuflucht suchen, sondern beim Vorsorgestaat.« 

Nicht weniger als anonymen Atheismus wirft Feuerbach also den Christen vor. Er freut sich nicht darüber, wie er eigentlich müsste, er wirft es ihnen tatsächlich vor. Doch warum? War Ludwig Feuerbach, der ursprünglich Theologie studieren wollte, in Wirklichkeit ein an seinem Idealismus verzweifelter »anonymer Christ«?"

Dr. med. Dipl. theol. Manfred Lütz (21. September 2007, Psychiater u. kath. Theologe, Gott. Eine kleine Geschichte des Größten. Pattloch; 6. Edition, S. 231)

 


 

Dr. med. Dipl. theol. Manfred Lütz, Psychiater u. kath. Theologe

"Das Problem des Fundamentalismus besteht vor allem darin, dass er seinem Wesen nach eine Theorie intellektueller Verstocktheit ist und dem Aberglauben näher steht als der Theologie.

Der Fundamentalismus ist, wenn es um die Bibel geht, unbelehrbar, dialogunfähig und scheidet schon deshalb als ernsthafter Gesprächspartner für den alle paar Jahre in unseren Kreisen aufbrechenden Streit um das Schriftverständnis aus. …

Wo immer man auch anfängt, konkreter und ernsthaft über das fundamentalistische Verständnis biblischer Inspiration nachzudenken, wird der ganze Unfug dieser Theorie nur umso deutlicher und absurder, die keinen anderen Zweck hat, als sich gegen kritische Anfragen von vornherein zu immunisieren und sich in ein ideologisches Nirwana zu verabschieden. Eine Art Wahabismus des Christentums. …

Denn den Vater Jesu Christi für alles Morden und jede Bosheit verantwortlich zu machen, die in seinem Namen in der Bibel geschahen, hieße einen [Auslassung Insultation] zu verehren … So sind etwa die im Zusammenhang der „Landnahme" durch die Israeliten vollzogenen Vernichtungsorgien an den Kanaanäern (Jos 1-11) - gottlob - gar nicht geschehen. …

Auch die Überlieferungen der Erzväter Abraham, Isaak und Jakob, die kaum wirklich miteinander „verwandt" waren oder auch nur denselben Gott verehrten, verweisen historisch nicht auf die Zeit vor der Staatsgründung. …

Es kann noch nicht einmal als gesichert gelten, dass der salomonische Tempel wirklich dem Gott [Auslassung Gottesnamen] geweiht war. Vieles spricht dagegen, etwa die durchgängig El- oder Baalhaltigen Namen in Israel während [Auslassung Gottesnamen], der ursprünglich wohl ein midianitischer Kriegs- und Wettergott war, wurden nun auch die Eigenschaften aller anderen und einst neben [Auslassung Gottesnamen] verehrten Götter, zugeschrieben. …

So hat die Religionsgeschichte eine die Gewissen entlastende Funktion, indem sie religiöse Vorstellungen der Bibel kontextualisiert und damit auch relativiert. Ohne solche notwendigen Relativierungen wird der Glaube Ideologien aller Art empfänglich sein.

Darum dürfen wir als Theologinnen und Theologen die Bibel nicht allein den theologischen Laien überlassen, deren manchmal schlichte Schrifterkenntnis einer Ideologisierung der Bibel Tür und Tor öffnen und in die Tyrannis der Unkundigen münden kann."

Prof. Dr. theol. Kim Strübind (Mai 2008, Lehrstuhlverwalter Altes Testament - Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, 1999 – 2002 Mitglied der Kirchenleitung des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland BEFG, Warum die Bibel (nicht immer) Recht hat. Auf dem Weg zu einem „Schriftverständnis“ zwischen Fundamentalismus und Religionsgeschichte, Zeitschrift für Theologie und Gemeinde (ZThG) − 13. Jahrgang 2008, Verlag der GFTP e.V., Hamburg, S. 32–44)

 


zeitzeichen: "Die historisch-kritische Methode macht aber auch alles sehr kompliziert. ... Kann ein Laie überhaupt noch ohne Anleitung durch einen Theologen oder die Benutzung eines wissenschaftlichen Diskussions die Bibel lesen?"

Peter Steinacker: "Lesen und Verstehen ist immer ein komplexer Vorgang. Deshalb sollten sich Bibelleser nicht von uns Theologen abschrecken lassen, unbefangen mit der Bibel umzugehen. Der Heilige Geist kann ihnen die Wahrheit erschließen."

zeitzeichen: "Das heißt, es gibt auch heute noch ein unmittelbares Verstehen der Bibel?"

Peter Steinacker: "Verstehen ist immer vermittelt. Aber es gibt einen legitimen, nichtwissenschaftlichen Zugang zur Bibel."

Kirchenpräsident Prof. Dr. Peter Steinacker (November 2005, Prof. Dr. Peter Steinacker ist seit 1993 Kirchenpräsident der Evangelischen Kirchen in Hessen und Nassau. Interview: "zeitzeichen", Berlin)

Dr. Jorge Mario Bergoglio / Papst Franziskus

 

 


"Du kannst fünf Abschlüsse in Theologie haben, aber trotzdem den Geist Gottes nicht haben. Vielleicht bist du ein großer Theologe, aber kein Christ, denn du hast den Geist Gottes nicht. …

Oft finden wir uns unter Gläubigen, alten und einfachen Menschen, die vielleicht nicht einmal die Grundschule beendet haben, aber die darüber besser sprechen können als ein Theologe, weil sie den Geist Christi haben.

Das müssen auch wir uns erbitten. Herr, gib uns eine christliche Identität, die, die auch du gehabt hast. Schenke uns deinen Geist. Schenk uns deine Weise des Denkens, des Hörens, des Sprechens: Schenk uns die Salbung des Heiligen Geistes."

Dr. Jorge Mario Bergoglio / Papst Franziskus (2. September 2014, Papstmesse: Es zählt der Geist, nicht der Theologieabschluss, Radio Vatikan)

 


"Eine mündige Gemeinde sollte sich nicht amtskirchlich bevormunden lassen."

"Parzany wendet sich gegen die Entmündigung der Laien in der Kirche, denen von Hauptamtlichen vorgegeben werde, wie sie die Bibel bibelkritisch zu verstehen hätten."

Pfarrer Ulrich Parzany / idea (2005, Theologe, Reformationsfeier Pforzheim, idea.de)

 

"In ihrem Bemühen, die ideale Ordnung der Urgemeinde wiederherzustellen, erweisen sich Fundamentalisten als Reformatoren religiöser Praktiken und Autoritätsstrukturen. Gestützt auf eine bemerkenswerte Mobilisierung religiöser Laien bildet sich eine neue Schicht von Predigern und Geistlichen heraus. ...

Max Weber hat einst den religiösen Laienrationalismus als ein zentrales Element in Prozessen ethischer Rationalisierung identifiziert. Wenn er Recht hat, dann könnte die Mobilisierung religiöser Laien den interessantesten und auf Dauer kulturell folgenschwersten Aspekt der fundamentalistischen Erneuerung der Religionen darstellen."

Prof. Dr. Martin Riesebrodt (1. Dezember 2003, Soziologe, Martin Riesebrodt: Die fundamentalistische Erneuerung der Moderne - Fundamentalismus als Mobilisierung religiöser Laien, in: Kilian Kindelberger (Hrsg.): Fundamentalismus. Politisierte Religionen. Brandenburgische Landeszentrale für Politische Bildung, Potsdam 2004, S. 22 f.)

 


"Das Urchristentum hat seine Lehre auch nicht „demokratisiert", sondern die Verantwortung dafür Aposteln, Propheten und Lehrern übertragen, was eine frühe Spezialisierung in den Gemeinden voraussetzt. …

Älteste gerieren sich gerne als „religiöse Experten" der Gemeinde, auch wenn sie es de facto nicht sind, und den Pastorinnen und Pastoren sowohl hinsichtlich ihrer theologischen Kompetenz als auch ihrer pastoralen Berufserfahrung in professioneller Hinsicht gar nicht ebenbürtig sein können - dies betrifft besonders Fragen der Lehre und der Auslegung der kirchlichen oder gemeindlichen Traditionen.

Hinter der hybriden Annahme, Älteste seien eine Art Pastorinnen und Pastoren „nur ohne theologische Ausbildung", verdeckt eher die Probleme, als sie zu lösen. Hinter einer solchen Annahme verbirgt sich der Stolz einer Laienkirche, die das theologische und seelsorgerliche Amt und die dafür erforderliche Professionalität traditionell unterschätzt. …

Für Fundamentalisten ist die Bibel nicht geschrieben, sondern für Menschen, die sich nach Immanuel Kant nicht scheuen, „sich ihres Verstandes ohne Hilfe (oder besser: Bevormundung) anderer zu bedienen"."

Prof. Dr. theol. Kim Strübind (Mai 2008, Lehrstuhlverwalter Altes Testament - Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Warum die Bibel (nicht immer) Recht hat. Auf dem Weg zu einem „Schriftverständnis“ zwischen Fundamentalismus und Religionsgeschichte, Zeitschrift für Theologie und Gemeinde (ZThG) − 13. Jahrgang 2008, Verlag der GFTP e.V., Hamburg, S. 32–44)

 

Wenn du jemanden als Fundamentalisten bezeichnest, brandmarkst du ihn. „Die sind nicht zurechnungsfähig. Die sind nicht integrierbar. Jedes Gespräch ist sinnlos. 

Prof. Dr. Thorsten Dietz (7. April 2022, Ev. Theologe, bis 2022 Professor für Systematische Theologie an der Ev. Hochschule Tabor, Privatdozent Universität Marburg, Fokus Theologie Reformierten Kirche Kanton Zürich/Schweiz, Worthaus Referent, Menschen mit Mission: Eine Landkarte der evangelikalen Welt,  SCM R.Brockhaus; 1. Edition 2022, S. 239)

 


"Der Baptistenpastor Dr. Kim Strübind … bezeichnete manche angeblich bibeltreue Überzeugungen als »kollektive Verdummung«."

portal-oncken.de (7. Oktober 2005, Jahrestreffen der Gesellschaft für Freikirchliche Theologie und Publizistik (GFTP) in Berlin, Was heißt heute bibeltreu? Freikirchliche Theologen gegen »kollektive Verdummung«. www.portal-oncken.de/news/newsarchiv.php?lfdnr=1582, Stand 7. Oktober 2005)

 


"Fundamentalistische Christen ... Wir können über diese Menschen lachen, aber wir sollten sie nicht abweisen. Dass ihr Glaube schwachsinnig ist, bedeutet nicht, dass sie eine Randerscheinung sind."

Schulbuch Crossover 2 - Englischbuch 12./13. Schuljahr (Februar 2009, Schulbuch Crossover 2 - The New Edition 12./13. Schuljahr, Band 2, Berlin: Schulbuchverlag Cornelsen, 1. Auflage, 2009)

 


"Ziehen Sie also mit mir in die letzte Schlacht zwischen Intelligenz und Dummheit." 

William „Bill“ Maher (März 2009, Schauspieler, Schriftsteller und Fernsehproduzent, Bill Maher über Religulous. Religulous – man wird doch wohl Fragen dürfen. religulous.centralfilm.de)

 


"Vieles an der biblischen Überlieferung ist heute wunderlich und geradezu peinlich. Wir brauchen nur ... an die strikte Verurteilung homosexueller Praktiken, an die legendären Ausschmückungen der Weihnachts-, Oster- oder Himmelfahrtsgeschichten, an die vorwissenschaftlichen Schöpfungserzählungen, an Brutalitäten und Menschenrechtsverletzungen im Namen Gottes (z. B. bei der „Landnahme“) und die schier unüberwindliche Schwierigkeit, biblische Erzählungen und historische Ereignisse in Einklang zu bringen.

Eine Kirche die heute „aggiornamento“ sagt, muss deshalb Antwort geben können, ob und wie biblische Verankerung und moderne Wissenschaft in Übereinstimmung gedacht werden können.

Es ist doch kein Zufall, dass heute (!) besonders in bibelfesten und sogenannten „bibeltreuen“ Kreisen der Kampf gegen Evolutionstheorie, Frauenemanzipation und Bibelwissenschaft wieder so heftig entbrannt ist. … Der Weg des Fundamentalismus scheidet aus!"

Pastor Dr. theol. Dietmar Lütz (Mai 2008, Pastor Oncken-Gemeinde Hamburg, 1996 - 2006 Freikirchen-Referent und Geschäftsführer des Ökumenischen Rates Berlin-Brandenburg, 2000 – 2007 Beauftragter der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) am Sitz der Bundesregierung, "Aggiornamento" − Aufbruch ins Heute. Kirche im 21. Jahrhundert, Zeitschrift für Theologie und Gemeinde (ZThG) − 13. Jahrgang 2008, Verlag der GFTP e.V., Hamburg)

Spektrum der Wissenschaft, Dossier 3/2005

 


Da kam Jesus in die Gegend von Cäsarea Philippi und fragte seine Jünger und sprach: 
"Wer sagen die Leute, dass der Menschensohn sei?" 

Matthäus 16, 13

 


"Galiläischer Wanderprediger und Wunderarzt"

Prof. Dr. Rudolf Otto (1934, Theologe u. Religionswissenschaftler, Reich Gottes und Menschensohn, 3. Aufl. 1954 - 1934, Seite 5)

 


"Der Wanderprediger Jesus von Nazareth"

Bischof Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber (Juli 2010, 2003 - 2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD, Vernunft des Glaubens, Cicero 7/2010, Seite 62)

 


"Einzig unermesslich großen Menschen"

Prof. Dr. Albert Schweitzer (1906, Theologe, Philosoph u. Arzt, 1952 Friedensnobelpreis, Geschichte der Leben-Jesu-Forschung)

 


"Ich persönlich bin der Meinung, dass Jesus sich nicht für den Messias gehalten hat"

Prof. Dr. Rudolf Bultmann (1926, Ev. Theologe, "Jesus", Nachdruck 1988, Seite 12)

 


"Wer sich ein Bild vom historischen Jesus machen will, findet alles, und auch das Gegenteil, und alles ist angeblich irgendwie wissenschaftlich abgesichert. ...

Dazwischen tummeln sich jene, die schwer verständlich drumherumreden und eine Art Prediger-Konsens produzieren, der sich auf den Nenner bringen lässt: Gott ist Liebe, und darum meint er es gut mit uns Menschen, aber er kann nicht viel für uns tun. ...

Es hat keinen Sinn, das Unglaubliche so lange umzudeuten, bis wir es wieder glauben können. Es ist dann einfacher zu sagen: Ich kann es nicht glauben, was da geschrieben steht."

Christian Nürnberger (November 2007, Journalist - "Atheistisch an Gott glauben", Jesus für Zweifler)

 


"Der Christus, der verkündigt wird, ist nicht der historische Jesus, sondern der Christus des Glaubens und des Kultes. ... Das Christuskerygma ist also Kultuslegende, und die Evangelien sind erweiterte Kultuslegenden."

Prof. Dr. Rudolf Bultmann (1921, Die Geschichte der synoptischen Tradition. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 8.Aufl. 1970 2. Aufl. 1931, S. 395) 

 


"Die urchristliche Gemeinde hat Jesus "Worte in den Mund gelegt, die er nicht gesprochen hat, und Taten von ihm berichtet, die er nicht getan hat"

Dr. theol. Heinz Zahrnt (1971 bis 1973 Präsident des Evangelischen Kirchentags, 25 Jahre theologischer Chefredakteur des "Deutschen Allgemeinen Sonntagsblatts",  Es begann mit Jesus von Nazareth, 3. Aufl. 1967, S.67)

 


"Die Formel 'Christus ist Gott' ist falsch in jedem Sinn, in dem Gott als eine objektivierbare Größe verstanden wird, mag sie nun arianisch oder nizäisch orthodox oder liberal verstanden sein."

Prof. Dr. Rudolf Bultmann (1954, Ev. Theologe, Glauben und Verstehen (GuV). Gesammelte Aufsätze, Band 2, Tübingen 1958, S. 258)

 


"Kann die christliche Verkündigung dem Menschen heute zumuten, das mythische Weltbild als wahr anzuerkennen?

Das ist sinnlos und unmöglich. Sinnlos; denn das mythische Weltbild ist als solches gar nichts spezifisch Christliches, sondern es ist einfach das Weltbild einer vergangenen Zeit, das noch nicht durch wissenschaftliches Denken geformt ist."

Prof. Dr. Rudolf Bultmann (1941, Ev. Theologe, Neues Testament und Mythologie. Das Problem der Entmythologisierung der neutestamentlichen Verkündigung, München: Kaiser 3. Aufl. 1988, Seite 14)

 


"Für den Menschen von heute sind das mythologische Weltbild, die Vorstellung vom Ende, vom Erlöser und der Erlösung vergangen und erledigt."

Prof. Dr. Rudolf Bultmann (1965, Glauben und Verstehen: gesammelte Aufsätze, Band 4. J.C.B. Mohr (Paul Siebeck) Verlag Tübingen, 4. Aufl. 1984, Seite 144-145)

 


"Die Schriftbeweise des Neuen Testamentes müssen fallen, nicht erst auf Grund rationaler historischer Kritik"

Prof. Dr. Rudolf Bultmann (1930, Ev. Theologe, Die Bedeutung des Alten Testaments für den christlichen Glauben, Glauben und Verstehen (GuV). Gesammelte Aufsätze, Band 1, 9. Aufl. Tübingen 1993, Seite 335)

 


"Die Kirche lebt praktisch davon, dass die Ergebnisse der wissenschaftlichen Leben-Jesu-Forschung in ihr nicht publik sind."

Prof. Dr. Hans Conzelmann (1959, Neutestamentler, "Zeitschrift für Theologie und Kirche", Jahrgang 56, 1959, Beiheft 1)

 


"Die Bibel gilt den christlichen Kirchen als die Heilige Schrift. Doch was heißt heilig? Welches Schriftverständnis entspricht dem Konzept „Heilige Schrift“? Achtet etwa so genannte „bibeltreue“ Auslegung per definitionem die Bibel als heilig? Missachtet liberale Auslegung die Heiligkeit? Oder kann gerade gut gemeinte „Bibeltreue“ die Schrift entheiligen? ...

Gegen die Angriffe des Rationalismus auf die Bibel versuchten Theologen die Bibel durch Bekenntnisse zu verteidigen. ... Die Bibel ist eben auch durch diese „fundamentalistischen“ Bekenntnisse entheiligt worden. Es kann hier leider nicht analysiert werden, welch großen Schaden dieser Zugang in der Kirche angerichtet hat."

 

Prof. Dr. Peter Wick (2002, Theologe, Evangelisch- Theologische Fakultät der Ruhr- Universität Bochum, Worthaus Referent, Die Bibel als Heilige Schrift auslegen und übersetzen, bibeluebersetzungen.ch/fisch/pwick.pdf)

 

 


 

Christopher_Hitchens

Christopher Hitchens

 


Pastorin Dr. Marilyn Sewell zu Christopher Hitchens: "Die Religion, die sie in ihrem Buch [2007, Der Herr ist kein Hirte, Wie Religion die Welt vergiftet] zitieren, ist im Allgemeinen der fundamentalistische Glaube in seinen verschiedenen Formen. Ich bin ein liberaler Christ und ich glaube nicht wörtlich an die Geschichten der Schrift. Ich glaube nicht an die Lehre des Sühnopfers Christi (zum Beispiel, dass Jesus für unsere Sünden starb). Machen sie irgendeinen Unterschied zwischen fundamentalistischem Glauben und liberaler Religion?"

Christopher Hitchens: "Ich würde sagen, wenn sie nicht glauben, dass Jesus von Nazareth der Christus und Messias war und dass er von den Toten auferstand und dass durch sein Opfer unsere Sünden vergeben sind, sind sie in keiner sinnvollen Weise ein Christ."

Portland Monthly (Januar 2010, Monthly City Magazines,  Interview: Questions of Faith, portlandmonthlymag.com)


"Erlauben Sie aber, Ihnen zu sagen, dass unsere jetzige Religionen der Religion Christi so wenig gleichen, wie der Irokeseschen. … ist einem Christen des ersten gar nicht mehr ähnlich."

Friedrich der Große (23. Oktober 1770, König von Preußen, Briefwechsel mit Jean le Rond d'Alembert, einem Universalgelehrten und Verfechter der Aufklärung, Paris, Œuvres de Frédéric le Grand - Werke Friedrichs d. Großen, Digitale Ausgabe Universitätsbibliothek Trier)

 


"Es ist jedermanns gutes Recht, sich eine Religion zusammenzubrauen, in der eigene Ideen, Wünsche und Meinungen sowie ein selbst komponiertes Gemisch verschiedenster religiöser Aussagen … eingebracht werden. Niemand kann diesen Menschen auch verwehren, sich passende Versatzstücke der Bibel einzuverleiben.

Nur mit Glauben an den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs und Vertrauen in die einzig zu diesem Gott führende Erlösungstat durch den Sohn Gottes, Jesus Christus, hat das nicht mehr auch nur das Geringste zu tun. Hier sind ganz separate, neue Religionen erdacht worden. So „christlich“ sich das auch immer nennen … mag."

Martin C.R. Krüger (26. Mai 2005, Prüfet alles, das Gute haltet fest, BoD, S. 39)

"Das liberale Christentum hat nicht nur Kritik an der Religion geübt, es hat die Religion aufgelöst."

Prof. Dr. Paul Tillich (1942, Theologe und Religionsphilosoph, Prinzipien des Protestantismus, Our Protestant Principles. In: The Protestant Vol.4, No.7, New York 1942, S.10-11, u. P. Tillich, Gesammelte Werke VII: Der Protestantismus als Kritik und Gestaltung. Schriften zur Theologie I, Stuttgart 1962, S.133-140)

 


"Gott existiert nicht."

Prof. Dr. Paul Tillich (1951, Theologe und Religionsphilosoph, Systematische Theologie I, hrsg. v. Christian Danz, de Gruyter, Berlin / Boston 9. Aufl. 2017, Seite 239)

 


"Wenn man einfach voraussetzt, Gott existiere nicht, dann ist jedem sofort klar, dass die religiösen Verhaltensweisen von Menschen unter dieser Voraussetzung ziemlich merkwürdig, wenn nicht gar verrückt erscheinen müssen. …

Das Gefühl der überlegenen Kenntnis des religionsgeschichtlichen Materials und des Eingeweihtseins in die Mythen der Völker machen es wahrscheinlich schwieriger, sich selbst höchstpersönlich der existenziellen und für das eigene Leben alles entscheidenden Frage zu stellen, ob es Gott wirklich gibt oder nicht. … Mit anderen Worten … die Religionswissenschaften helfen bei der Frage, ob Gott wirklich existiert, überhaupt nicht weiter. ... 

Das ganze großartige antireligiöse Gebäude … steht und fällt also mit einem tönernen Fundament, der völlig unbewiesenen Behauptung, Gott existiere nicht."

Dr. Manfred Lütz (21. September 2007, Psychiater u. kath. Theologe, Gott. Eine kleine Geschichte des Größten. Pattloch; 6. Edition, S. 14 u. 16)
 

Prof. Dr. Ulrich Beck, Soziologe

"Selig ohne Gott … Wir erleben einen Übergang von der Religion zur Religiosität."

Prof. Dr. Ulrich Beck (26.11.2009, Soziologe, Selig ohne Gott, stern Nr. 49, S. 60)

 


"Nicht der Anschluss an fundamentalistische Wahrheiten, sondern eine aufgeklärte religiöse Identität ist das Ziel." 

Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber (09. Juni 2004, 2003 - 2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, Religion und Politik in Deutschland und den USA - ein Vergleich, Atlantikbrücke in Berlin)


"Man sollte sich angewöhnen, zwischen gläubig und religiös zu unterscheiden.

Wer gläubig ist, glaubt an ... Jesu... in der Grippen und am Kreuz, an die Auferstehung und die Unbefleckte Empfängnis Mariens. Das ist ein echter Märchenwald.

Ein religiöser Mensch hält es mit Kant, Goethe, Schiller: Er hält fest an Gott, der Unsterblichkeit und der Glückseligkeit."

Prof. Dr. Erwin Leibfried (04.06.2007, Institut für Neuere Deutsche Literatur, Justus-Liebig-Universität Giessen, DER SPIEGEL Nr.23/4.6.07, Seite 6)

 

"In der philosophischen Tradition wurde vorrangig die Vorstellung von der Unsterblichkeit der Seele verhandelt. Kant zählt deshalb die Unsterblichkeit – neben Gott und der Freiheit – zu den großen Themen der Metaphysik. ...

Wenn ein Theologe sich mit Kant beschäftigt, dann bejaht er das Ziel: die Frage nach Gott mit der Klarheit der Vernunft zu verbinden."

Bischof Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber (12.02.2004, 2003-2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD, 1994-2009 Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Unsterblichkeit und Würde. Kant zu Ehren, St. Michaelis zu Hamburg auf Einladung der Patriotischen Gesellschaft von 1765 und der ZEIT-Stiftung)

 


"Das Argument des EKD-Ratsvorsitzenden [Wolfgang Huber], der Philosoph [Immanuel Kant] habe Vernunft und Glauben nicht auseinander gerissen, sondern einen Weg dazu gebahnt „dass der Gottesgedanke auch vor dem Forum der philosophischen Vernunft Bestand haben könne“ unterschlage, dass bei Kant nur noch ein schemenhafter Gottesgedanke übrig bleibe, „der gerade noch zur Unterscheidung von blankem Atheismus taugt“."

Die Tagespost (20.09.2007, Wider das kränkelnde abendländische Denken, Tagung in Schloss Spindlhof über Erwiderungen deutscher Gelehrter auf die Regensburger Vorlesung)

 


"Nicht darin, dass er [Immanuel Kant] die Gottesfrage zu Ende gebracht, sondern darin, dass er sie offen gehalten hat, liegt sein großes Verdienst."

Bischof Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber (12. Februar 2004, 2003 - 2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD, Unsterblichkeit und Würde. Kant zu Ehren, St. Michaelis zu Hamburg auf Einladung der Patriotischen Gesellschaft von 1765 und der ZEIT-Stiftung)

 


"Wir müssen so glauben, als wenn es Gott nicht gäbe."

Dr. theol. Dietrich Bonhoeffer (1944, Evangelisch-lutherischer Theologe, Gefängnis Berlin-Tegel, www.franz-sales-verlag.de/fsvwiki/index.php/Lexikon/Dreifaltigkeitssonntag-LJA)

 


"Einen Gott, den es gibt, gibt es nicht."

Dr. theol. Dietrich Bonhoeffer (1930, Evangelisch-lutherischer Theologe, Habilitationsschrift: Akt und Sein. Transzendentalphilosophie u. Ontologie in der systematischen Theologie, S. 68)

"Wenn mein Christentum nur die zufällig historisch gewachsene Gestalt eines allgemeinen religiösen Empfindens ist, dann ist es nicht mehr besonders sinnvoll, an diesen Zufällen festzuhalten und sie weiter zu pflegen. ...
Mit anderen Worten: Dann kann man das Christentum auch bleiben lassen. Auch das Religiössein kann man dann bleiben lassen. … Man kann, wenn überhaupt, nur noch auf aufgeklärte Weise religiös sein."

Christian Nürnberger (21. September 2007, Das Christentum. Was man wirklich wissen muss.)

Nichtlustig.de

 

 


"Neben die individuelle Vernunft tritt in Gestalt der Theologie die wissenschaftliche Vernunft."

Bischof Prof. Dr. Wolfgang Huber (31.10.2006, 2003 - 2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD, Religion im 21. Jahrhundert - Glaube und Vernunft, Frankfurter Allgemeine Zeitung F.A.Z.)

 


"Die Natur wollte wissen, wie die Vernunft aussieht, da erschuf sie Kant."

Pfarrer Gerson Raabe (Februar 2004, Immanuel Kant: Philosoph des Protestantismus, www.erloeserkirche.de)

 


"Kant ... nach meiner Überzeugung ... der Philosoph des Protestantismus."

Bischof Prof. Dr. Wolfgang Huber (12.02.2004, 2003 - 2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD, Unsterblichkeit und Würde. Kant zu Ehren, St. Michaelis zu Hamburg auf Einladung der Patriotischen Gesellschaft von 1765 und der ZEIT-Stiftung)

 

"Kants religiöse Entwicklung …

Wie steht es mit seiner Stellung zum offiziellen Kirchenglauben in jener Zeit? … Auffallender ist eine … Mitteilung von Kants Schüler und späterem Kollegen Pörschke (1751—1812) … "Er [Kant] sei schon lange Magister gewesen und habe noch an keinem Satze des Christentums gezweifelt; nach und nach sei ein Stück ums andere abgefallen. ...

Wie befruchtend die kritische Methode in den letzten Jahrzehnten auf die verschiedensten Wissenschaftsgebiete gewirkt hat und noch wirkt, weiß jeder, der im wissenschaftlichen Leben steht."

Prof. Dr. Karl Vorländer (1924, Philosoph, Immanuel Kant. Der Mann und das Werk, Erneuerung des Kritizismus seit 1860)

 


"So viel ist gewiss: wer einmal die Kritik gekostet hat, den ekelt auf immer alles dogmatische Gewäsche, womit er vorher aus Not vorlieb nahm, weil seine Vernunft etwas bedurfte, und nichts Besseres zu ihrer Unterhaltung finden konnte."

Prof. Dr. Immanuel Kant (1783, Philosoph, Prolegomena zu einer jeden künftigen Metaphysik, die als Wissenschaft wird auftreten können, A 191, § 60)


"Schwärmer und Mucker sind beide schrifttoll … Herrnhuter und Pietist Böhm"

Prof. Dr. Immanuel Kant (1798, Philosoph, Kant: AA XV, Reflexionen zur Anthropologie, Seite 219, www.korpora.org/Kant/aa15/219.html)

 


"Früher galten Fundamentalisten als Schwärmer"

Das Erste (5. Dezember 2007, Dokumentation "Fanatisch, fundamentalistisch, fromm." "SWR, NDR und WDR begeben sich in den USA, in Israel und im Jemen auf Spurensuche, wie aus Frömmigkeit Fundamentalismus und Fanatismus werden kann.")


"Unser Zeitalter ist das eigentliche Zeitalter der Kritik, der sich alles unterwerfen muss. Religion, durch ihre Heiligkeit, und Gesetzgebung, durch ihre Majestät, wollen sich gemeiniglich derselben entziehen."

Prof. Dr. Immanuel Kant (1781, Philosoph, Kritik der reinen Vernunft - Vorrede, Fußnote, Vollständiger Text: https://de.wikisource.org/wiki/Critik_der_reinen_Vernunft_(1781)/Vorrede)

 


"Christentum wie Islam sind Buchreligionen. … In unseren beiden Religionen gibt es Gruppen, die sich einem reflektierten und wissenschaftlich fundierten Umgang mit den grundlegenden Schriften entziehen und fundamentalistische Auslegungen vertreten. ...

Keine Religion kann mehr davon ausgehen, dass sie für sich allein existiert und eine absolute Wahrheit nur für sich beanspruchen kann."

Bischof Prof. Dr. Wolfgang Huber (16. März 2009, 2003 - 2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD, „Herausforderungen des interreligiösen Dialogs. Hermeneutische Fragestellungen.“ - Vorlesung in der Theologischen Fakultät in Ankara)


"Wer Jesus über andere Religionen stellt, macht hier keinen Abschluss."

Prof. Dr. theol. Stefan Alkier (Sommersemester 2006, 2006 Dekan am Fachbereich Evangelische Theologie der Goethe-Universität Frankfurt am Main, Professur für Neues Testament und Geschichte der Alten Kirche, Proseminar: Theologie(n) der Auferweckung)
 


"Wenn für mich das Christentum wahr ist, kann ich von diesem Standpunkt aus keine objektive Schlussfolgerung über die Wahrheit anderer Religionen für andere Menschen ziehen und diese dementsprechend bewerten. Ich kann nur aus der Perspektive der eigenen Religion – an dieser Stelle des Christentums – auf die anderen Religionen und Weltanschauungen blicken."

Prof. Dr. Michael Schroth (13. Juli 2021, Praktische Theologie FeG-Theologische Hochschule Ewersbach, Bund Freier evangelischer Gemeinden in Deutschland, Hamp, Krupinski, Schlüter, Werner (Hrsg.), glauben | lieben | hoffen, SCM Brockhaus 2021, S.215)

 


"Nur noch der Islam nimmt heute einen religiösen Absolutheitsanspruch für sich in Anspruch."

Altbischof Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber (22. Januar 2011, 2003-2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD, 1994-2009 Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Verschieden und doch gleich, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.01.2011, Nr. 18, S. 8, www.faz.net)

 


"Ich zitiere den Publizisten Robert Leicht. Er hat kritisiert: „Wir sind nicht islamisch, wir sind nicht katholisch, aber was evangelisch sein heißt, sagen wir nicht“"

Deutschlandfunk (06.11.2007, Evangelischer Theologe: Wir müssen die Ausstrahlungskraft verstärken, Deutschlandfunk)

 

 


 

 

 


"Früher dachte ich: Es gibt nur Ja oder Nein, Schwarz oder Weiß, Richtig oder Falsch. Heute sehe ich, dass in den „Wahrheiten“, von denen wir am meisten überzeugt sind, oft viel Lüge eingemischt ist. Und das, was wir für Lüge halten, nicht selten eine wichtige Wahrheit für uns transportiert. ...

Je älter ich werde, desto mehr merke ich, dass „Wahrheit“ für uns Menschen ein höchst relativer Begriff ist. ... Es gibt zwei Arten von Wahrheiten: kleine Wahrheiten und große Wahrheiten. Eine kleine Wahrheit erkennt man daran, dass ihr Gegenteil falsch ist. Das Gegenteil einer großen Wahrheit ist oft eine andere große Wahrheit. (Wahrheit) ...

Als „Religion“ bezeichne ich die Suche des Menschen nach Gott und alles, was sich an Denk- Regelsystemen um diese Suche herum aufbaut. In aller Religion steckt Wahrheit, denn sie fragt über den Menschen hinaus. Teilweise sind die Antworten der Religion allerdings erschreckend primitiv und menschenverachtend. Wenn Jesus Christus wirklich der Sohn Gottes ist (was ich persönlich glaube), muss sich alle Religion an ihm messen lassen – auch die christliche.

Ich vertrete keinen Absolutheitsanspruch des Christentums, wohl aber den Absolutheitsanspruch Jesu Christi. Er ist der Weg zu Gott. Gleichzeitig hat er gesagt: „In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen“ (vgl. Johannes 14,2+6).

Ich vertraue darauf, dass solche Wohnungen auch für Vertreter anderer Religionen bereitstehen." 

Dr. Klaus Douglass (2006, Worthaus Referent, theologischer Referent Personalabteilung d. Kirchenverwaltung der EKHN [Evangelische Kirche in Hessen und Nassau], 1989-2009 Gemeindepfarrer in d. Ev. Andreasgemeinde Niederhöchstadt bei Frankfurt a. M. (EKHN), Partner im Willow-Creek-Netzwerk. www.willowcreek.de/partnerschaft/partner-gemeinden, https://www.douglass.de/person/philosophie)

"Wahrheit ist in der Bibel vor allem ein Beziehungsbegriff. ... Wahrheit ist hebräisch ämät, und ämät bedeutet: Wahrheit, Treue, Zuverlässigkeit, Bestehen in Bewährungen."

Prof. Dr. Heinzpeter Hempelmann (2004, 1996 – 2005 Direktor des Theologischen Seminars der Liebenzeller Mission, 2007 CTL-Dekan [Chrischona Tabor Liebenzell], Oberkirchenrat der württembergischen Landeskirche, Nicht auf der Schrift, sondern unter ihr, Seite 108)

"Es gibt zwei Arten von Wahrheiten. Bei der flachen ist das Gegenteil von einer wahren Aussage falsch. In der tieferen ist das Gegenteil von einer wahren Aussage ebenso wahr."

Prof. Dr. Niels Bohr (1885 - 1962, dänischer Physiker, 1922 Nobelpreis für Physik)

 

"Eine Wahrheit zu verkündigen, die gleichzeitig Unwahrheit sein könnte, ist widersinnig. Darauf kann kein Mensch sein Leben bauen."

Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) (November 2006, Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Klarheit und gute Nachbarschaft - Christen und Muslime in Deutschland, Eine Handreichung des Rates der EKD, ekd.de/download/ekd_texte_86.pdf, Seite 17)

»Was sagen die Leute, wer ich sei?«  Und sie antworteten:


»Du bist die Manifestation unseres eschatologischen Wesensgrundes, die Verkündigung, die sich kundtut im Konflikt und im Ablauf des Harmonisierungsprozesses.«

["Da kam Jesus in die Gegend von Cäsarea Philippi und fragte seine Jünger und sprach:
Wer sagen die Leute, dass der Menschensohn sei? (Matthäus 16, 13]

Arno Backhaus (1997, Lache, und die Welt lacht mit dir! Schnarche, und du schläfst allein!, Seite 13)

 


"Sagt ein Vater zu seinem Kind: ,Geh ins Bett!', so weiß das Kind wohl, woran es ist. Ein pseudotheologisch dressiertes Kind aber müsste nun folgendermaßen argumentieren: ,Der Vater sagt: Geh ins Bett. Er meint, du bist müde; er will nicht, dass ich müde bin. Ich kann über meine Müdigkeit auch hinwegkommen, indem ich spielen gehe. Also, der Vater sagt zwar: Geh' ins Bett!, er meint aber eigentlich: Geh spielen.' "

Pfarrer Dr. Dietrich Bonhoeffer (1937, Theologe, Nachfolge)


"Man kann nicht jede beliebige religiöse Meinung damit retten, sie sei zwar nicht wortwörtlich, aber doch noch symbolisch wahr. … Schließlich droht das Ideal des undogmatischen Christentums in die dürftige Wirklichkeit eines womöglich auf die Humanität eingeschränkten Christentums zurückzufallen. …

Damit gibt das undogmatische Christentum keinem postmodernen Zeitgeist nach, im Sinn des Slogans ,,Anything goes, man kann glauben, was man will, und die Wahrheit ist nur das, was die Einzelnen dafür halten“. Eine derartige Gleichgültigkeit gegenüber der Wahrheitsfrage löst das Christentum auf."

Pfarrer Dr. Andreas Rössler (26.7.2001, Undogmatisches Christentum: ein Ideal im Konflikt mit der Wirklichkeit, IARF-Tagung in der Evangelischen Akademie Bad Boll)

"Um der Wahrheit willen ... Die Männer, die sich nur auf ihr Gewissen stellen können, "das in Gottes Wort gefangen ist", werden dem Politiker immer sehr unbequem sein. Denn sie verstehen die größte Kunst des Politikers nicht: die Kunst des Kompromisses! ...  (Karl Hesselbacher)"

Walter Rominger (Juni 2007, Theologe, "Ich bin ein Gast auf Erden" - Paul Gerhardt, Albstadt bei Tübingen)

 


Jesus Christus: "Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, dass ich die Wahrheit bezeugen soll. Wer aus der Wahrheit ist, der hört meine Stimme. Spricht Pilatus zu ihm: Was ist Wahrheit?"

JOHANNES / 18. Kapitel, 37+38

Jesus Christus zu seinem Vater: "Dein Wort ist die Wahrheit."

Johannes 17, 17

Jesus Christus: "Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte werden nicht vergehen."

MATTHÄUS / 24. Kapitel, 35

 


"Wenn alles gleich gültig ist, ist auch schnell alles gleichgültig"
"Wenn alles Wahrheit ist, ist nichts mehr Wahrheit."

Peter Hahne (November 2004, Ev. Theologe, 1992 - 2009 Ratsmitglied der EKD, ZDF-Programmdirektion, Berlin, Schluss mit lustig! Das Ende der Spassgesellschaft, ISBN: 3501051808)

"Dem Christentum von morgen ist nichts heilig. Dem Christentum von morgen ist alles heilig." 

[Auszug 16 Thesen für ein Christentum von morgen]

Pfarrer Tilmann Haberer (19.02.2024, #231 Ist die Kirche am Ende? m. Tilmann Haberer, 16 Thesen, hossa-talk.de. „Kirche am Ende – 16 Anfänge für das Christsein von morgen“)

Pfarrer Tilmann Haberer, #231 Ist die Kirche am Ende? hossa-talk.de (2024)

 


"Wahrheit ist doch nur was für Idioten», hört man derzeit im Radio, wenn die deutschen Popmusiker von Rosenstolz ihren Song «Ich geh in Flammen auf» singen. Und Tocotronic, eine Hamburger Band, die den Zeitgeist ebenfalls klug zu predigen weiß, singt auf ihrer Platte «Pure Vernunft darf niemals siegen»: «Pure Vernunft darf niemals siegen. Wir brauchen dringend neue Lügen. Die unsere Schönheit uns erhalten. Uns aber tief im Innern spalten.»

Wer meint, diese zynischen Lobeshymnen auf die Lüge seien nicht zu überbieten, muss sich von dem Amerikaner Harry Frankfurt eines Besseren belehren lassen. Noch schlimmer als die Anstiftung zur Lüge oder das Lügen ist nämlich für ihn die Verbreitung von «Bullshit».


Das muss ich kurz erläutern. Der Philosoph Harry Frankfurt versteht unter «Bullshit» Aussagen, die vortäuschen, um Wahrheit und Aufrichtigkeit bemüht zu sein, für deren Absender jedoch letztlich ein Wahrheitsbezug mehr oder weniger belanglos ist. «Bullshiter» tun so, als betrieben sie Vermittlung von Informationen, tatsächlich manipulieren sie Meinungen und Einstellungen von Menschen in ihrem eigenen Interesse. ...

Dieser allgegenwärtige Bullshit ist nun nach Harry Frankfurt moralisch verwerflicher als die Lüge. Der Lügner hat nämlich noch einen gewissen Respekt vor der Wahrheit. Wer lügt, weiß, dass ihm die Wahrheit gefährlich werden kann. Der Bullshiter kümmert sich nicht um Wahrheiten, da sie ihm «gleich gültig» sind. Er sorgt vor allem für die Durchsetzung seiner Ambitionen.

Diese zunehmende Entfremdung von der Wahrheit führt unsere Gesellschaft in einen tiefen Vertrauensverlust. Wir sind inzwischen von so viel Meinungsmüll umgeben, dass eine Unterscheidung von Wahrheit und Lüge kaum mehr möglich ist. ...

Doch können wir ohne Wahrheit leben? In allen Dingen, die wir unternehmen, und daher im Leben überhaupt, hängt der Erfolg oder Misserfolg davon ab, ob wir uns von der Wahrheit leiten lassen oder ob wir in Unwissenheit oder auf der Grundlage von Unwahrheit vorgehen. So schlussfolgert Frankfurt: «Wir brauchen die Wahrheit nicht nur, um zu verstehen, wie wir gut leben sollen, sondern auch, um zu wissen, wie wir überhaupt überleben können.»"

Die Entfremdung von der Wahrheit ist kein neues Phänomen. Schon der Prophet Jesaja warnt im 59. Kapitel vor «Bullshit»: Die Menschen brüten Lügenworte aus und reden bedenkenlos daher (Vers 13). Das «Recht ist zurückgewichen, und die Gerechtigkeit hat sich entfernt; denn die Wahrheit ist auf der Gasse zu Fall gekommen, und die Aufrichtigkeit findet keinen Eingang» (Vers 14). Die «Wahrheit ist dahin» (Vers 15).

Im 1. Kapitel des Römerbriefes spricht der Apostel Paulus sogar davon, dass wir Menschen die Wahrheit Gottes niederdrücken und in Lüge verkehren. Gott missfällt das sehr und er sucht nach Menschen, die diesem Trend entgegentreten (also gegen den Strom schwimmen). «Aber niemand ist auf dem Plan» (Jesaja 59,15).

Nach dem Zeugnis der Bibel ist Gott selbst wahr (z. B. Jeremia 10,10; Johannes 14,6 und 1. Johannesbrief 5,6 und 20). Seine Wahrheit ist die Festigkeit und Verlässlichkeit, mit der er zu dem steht, was er tut und sagt.


In Jesus Christus brachte er den Menschen Gnade und Wahrheit (vgl. Johannes 1,14-17). Wer sein Leben auf Gottes Wahrheit aufbaut, baut nicht auf Sand, sondern auf Fels und kann deshalb die Stürme des Lebens überstehen (vgl. Matthäus 7,24-27).
Wer auf Jesus Christus hört und ihm folgt, der «ist aus der Wahrheit» (Johannes 18,37). Weil die Wahrheit «Jesus» ist (vgl. Johannes 14,6 und Epheser 4,21), gilt es, ihr zu gehorchen (Galater 5,7).

Das Annehmen und Bleiben in dieser Wahrheit führt in die Freiheit und zum Leben (Johannes 8,31-32). Deshalb legen Christen die Lüge ab und reden die Wahrheit (Epheser 4,25). Sind wir Menschen, die in und mit der Wahrheit leben?

Vor vielen Jahren fragte Gerhard Maier, damals Rektor des Albrecht-Bengel-Hauses in Tübingen, seine Studenten, worauf es beim missionarischen Zeugnis ankomme. Die klassischen Antworten kennen wir:

«Das Christentum muss attraktiv sein. Wir müssen das Evangelium verständlich kommunizieren. Es geht darum, Beziehungen aufzubauen, nicht Bibelstellen um die Ohren zu schmeißen.»

Gerhard Maier sagte damals lapidar: «Sagen Sie die Wahrheit.»

Gott sucht Menschen, die sich von Jesus Christus in die Wahrheit bringen lassen, diese Wahrheit lieben und sie «in die Gassen tragen». Sind Sie dabei?"

Ron Kubsch (Februar 2008, Dozent für Seelsorge und Neuere Theologiegeschichte am Martin Bucer Seminar in Bonn, theoblog.de)

 

Prof. Dr. Harry G. Frankfurt, Philosoph

Bullshit, Suhrkamp Verlag; 5. Edition (2014)

(Rezession Ron Kubsch, siehe oben)

 

 

"Subversive Toleranz"

"Bedenkt man, dass die Einwände der Toleranzgegner nicht durch eine für beide Seiten zwingende Argumentation zu widerlegen sind, so ist klar, dass nur eine subversive Argumentation möglich ist. Subversiv, weil sie das Grundprinzip der Intoleranz angreifen muss, nämlich dass es die eine, reine Wahrheit gibt, der ein Sonderstatus zukommt.

Mehr als eine Wahrheit kann es freilich auch nicht geben; die Sache läuft also darauf hinaus, dass auf dem strittigen Feld überhaupt keine Wahrheiten zu holen sind, d. h. alle miteinander streitenden Positionen falsch oder gar sinnlos sind. Dieser logisch einzig möglichen Einschätzung der Situation wird sich der Aufklärer oft nicht anschließen wollen, sie geht vielleicht weit über seine persönliche Überzeugung hinaus. Aber wie sich die einzelnen Aufklärer selbst interpretierten, ist nicht wesentlich.

Der noch gutwillige, aber sozusagen postklassische Toleranzverfechter wird ungefähr sagen: „Es gibt nur einen Weg zur Seligkeit, aber es ist noch zweifelhaft, welches dieser Weg ist."


Wir haben es bei Castellion deutlich sehen können. Es liegt nahe, dass das Publikum daraufhin sagt: „Wenn die Sache derart zweifelhaft ist, dann hat es wenig Sinn, sich mit ihr abzugeben."

Und so entschwindet allmählich das Interesse an den religiösen Streitfragen und damit womöglich an der Religion. Darin besteht die faktische Subversivität des Argumentierens für Toleranz. …

 

Eine altgediente Religion hat im Verlauf ihrer Geschichte so viel Kritik erfahren und ertragen, dass alle überhaupt denkbaren Argumentationsfiguren mit Sicherheit schon mehrfach benützt worden sind. Das gilt besonders für das Christentum; es gibt eine reichhaltige Palette antichristlicher Argumente - für den Kenner ist hier wahrlich nichts Neues mehr zu erwarten. Und doch hat scheinbar keines davon eine nachhaltige Erschütterung dieser Religion bewirkt, keines liefert die eine, endgültige, zwingende Widerlegung, von der Atheisten oder Anhänger einer anderen Religion geträumt haben mögen.

Wie kommt es, dass eine Religion, die sich durch Jahrhunderte mit einer Fülle schwerster Kritik konfrontiert sehen musste, nicht unter der Last der Angriffe zusammengebrochen ist? ...

Erwägt man das alles, so könnte man darüber erstaunen, dass die christlichen Religionen, die … mit Argumenten nicht niederzuzwingen sind, trotzdem seit dem Aufkommen einer freien Kritik langsam, aber sicher den Boden unter den Füßen verloren haben.

Man bekommt den Eindruck, dass die Mauern einer Festung, nachdem sie allen Angriffen widerstanden haben, schließlich doch einstürzen, dabei hat man nirgends die entscheidenden Posaunen erschallen gehört, wie seinerzeit beim Fall von Jericho.

Dies ist ein logisch zunächst unerklärbares Phänomen. Ideologien scheinen argumentativ unangreifbar, sie können jeden Einwand, jeden Vorwurf, jede Kritik abschmettern und sinken dann doch dahin.

Waren die Attacken, der riesige Aufwand an kritischem Geist, doch nicht so wirkungslos? Auch wenn es unmöglich ist, die Ursachen dafür im einzelnen zu benennen und zu gewichten, ist doch gewiss, dass die aufklärerische Arbeit ihre Wirkung gehabt hat, langsam, aber nachhaltig hat sie die Mauern der ideologischen Festungen untergraben.

Dies ist es, was wir mit dem Begriff Subversive Vernunft ausdrücken wollten.

Am Ende des Kampfes versteht man - zumindest in weiten Teilen der westlichen Welt - die Erbitterung nicht mehr, mit der man in den Streit zog; der große, mächtige ideologische Gegner ist - uninteressant geworden. Die Zeit der ernsthaften, bitteren Auseinandersetzung mit ihm ist passe, schon lange passe.

Zuletzt tritt ein Denker wie Nietzsche auf, der die Situation klarsichtig zusammenfasst – „Jetzt entscheidet unser Geschmack gegen das Christentum, nicht mehr unsere Gründe“ Der Gläubige wird das als schauriges Zeugnis der Arroganz deuten; für den Kritiker ist es Ausdruck der logischen Struktur ideologischer Kontroversen."

Prof. Dr. Hubert Schleichert (September 2001, Philosoph, Wie man mit Fundamentalisten diskutiert, ohne den Verstand zu verlieren. Anleitung zum subversiven Denken. Seite Seite 143, 169+174)

 

"Gott ist tot! Gott bleibt tot! Und wir haben ihn getötet!


Wie trösten wir uns, die Mörder aller Mörder? Das Heiligste und Mächtigste, was die Welt bisher besaß, es ist unter unsern Messern verblutet - wer wischt dies Blut von uns ab? Mit welchem Wasser könnten wir uns reinigen? ...
 

Ist nicht die Größe dieser Tat zu groß für uns? Müssen wir nicht selber zu Göttern werden, um nur ihrer würdig zu erscheinen? Es gab nie eine größere Tat - und wer nun immer nach uns geboren wird, gehört um dieser Tat willen in eine höhere Geschichte, als alle Geschichte bisher war! …

Was sind denn diese Kirchen noch, wenn sie nicht die Gräber und die Grabmäler Gottes sind?

Wohin bewegen wir uns? Fort von allen Sonnen? Stürzen wir nicht fortwährend? Und rückwärts, seitwärts, vorwärts, nach allen Seiten? Gibt es noch ein Oben und ein Unten? Irren wir nicht wie durch ein unendliches Nichts? Haucht uns nicht der leere Raum an? Ist es nicht kälter geworden?

Kommt nicht immerfort die Nacht und mehr Nacht?"

Friedrich Nietzsche (1844 - 1900, Deutscher Philosoph, Die fröhliche Wissenschaft, München 1959, S. 166 f)

 

"Ich bin kein Theologe mehr; ich treibe keine einzige Wissenschaft ex professo, und alle nur insofern als sie mich ergötzen oder in meine Schriftstellerei einschlagen; und selbst die Philosophie ist mir gleichgültig, seitdem ich an allem zweifle. ... Niemand ist im All so sehr allein als ein Gottesleugner"

"»Christus! ist kein Gott?« Er antwortete: »Es ist keiner.« ...  »Ich ging durch die Welten, ich stieg in die Sonnen und flog mit den Milchstraßen durch die Wüsten des Himmels; aber es ist kein Gott.

Ich stieg herab, soweit das Sein seine Schatten wirft, und schauete in den Abgrund und rief: 'Vater, wo bist du?' aber ich hörte nur den ewigen Sturm, den niemand regiert, und der schimmernde Regenbogen aus Wesen stand ohne eine Sonne, die ihn schuf, über dem Abgrunde und tropfte hinunter.

 

Und als ich aufblickte zur unermesslichen Welt nach dem göttlichen Auge, starrte sie mich mit einer leeren bodenlosen Augenhöhle an; und die Ewigkeit lag auf dem Chaos und zernagte es und wiederkäuete sich. - Schreiet fort, Mißtöne, zerschreiet die Schatten; denn Er ist nicht!« ...

»Jesus! haben wir keinen Vater?« - Und er antwortete mit strömenden Tränen: »Wir sind alle Waisen, ich und ihr, wir sind ohne Vater.« ... Starres, stummes Nichts!"

Johann Paul Friedrich Richter (1796 [Jean Paul] Siebenkäs: Erstes Blumenstück - Rede des toten Christus vom Weltgebäude herab, dass kein Gott sei.)

"Die Krähen schrei’n
Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schnei’n —
Wohl dem‚ der jetzt noch — Heimat hat!

Nun stehst du starr‚
Schaust rückwärts ach! wie lange schon!
Was bist du Narr
Vor Winters in die Welt — entflohn?

Die Welt — ein Tor
Zu tausend Wüsten stumm und kalt!
Wer das verlor‚
Was du verlorst‚ macht nirgends Halt.

Nun stehst du bleich‚
Zur Winter-Wanderschaft verflucht‚
Dem Rauche gleich‚
Der stets nach kältern Himmeln sucht.

Flieg’‚ Vogel‚ schnarr’
Dein Lied im Wüsten-Vogel-Ton! —
Versteck’‚ du Narr‚
Dein blutend Herz in Eis und Hohn!

Die Krähen schrei’n
Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schnei’n‚
Weh dem‚ der keine Heimat hat!"

Friedrich Nietzsche (1884, Deutscher Philosoph, Fragment (Auszug), Die Fragmente von Juli 1882 bis Herbst 1885 bestehen aus 36 Handschriften aufgeteilt in 21 Heften, 12 Notizbücher, 3 Mappen mit losen Blättern.)

 

 


"Dass Gott tot ist, wird gern von denen ausgestreut, die sein Erbe anzutreten hoffen."

Prof. Dr. Erwin Chargaff (1905 - 2002, österreichisch-amerikanischer Biochemiker)

 

"Die Zeit ist reif für uns Brights [von engl. bright – hell, klar, heiter, aufgeweckt], uns zu bekennen. Was ist ein Bright? Ein Bright ist eine Person mit einem naturalistischen Weltbild, frei von Übernatürlichem. Wir Brights glauben nicht an Geister, Elfen oder den Osterhasen - oder an Gott."

Daniel C. Dennett (12. Juli 2003, The Bright Stuff, New York Times)

 

"Ich bin ein Bright. Sie sind (wahrscheinlich) ein Bright. Die meisten der Menschen, die ich kenne, sind Brights. Die Mehrzahl der Wissenschaftler sind Brights."

Prof. Dr. Richard Dawkins (11.10.2003, Evolutionsbiologe, Let There Be Brights, Wired Magazine)

 


"Gott ist an allem Schuld - Der Kreuzzug der Gottlosen" [Der Spiegel]

"In den letzten rund 20 Jahren, sagt Richard Dawkins, ist es der Religion sehr leicht gemacht worden. ... Manche Denkmuster wie "Es gibt ein Leben nach dem Tod" sind wie Viren. Sie verbreiten sich und man kann sie nicht ausrotten. Nur vorsehen kann man sich: Kein ungeschützter Verkehr mit Gläubigen!

 

Die friedliche Koexistenz mit den Gläubigen ist vorbei. ... Vorbei die Zeit der bequemen Toleranz gegenüber dem Glauben. ... Es ist das Coming-out all jener, die lange glaubten, die Gottesfrage würde sich von selbst erledigen. Und jetzt merken, wie ihre Gesellschaften den Glauben an die Gottlosigkeit zu verlieren beginnen. Und wie in der Politik und auf Cocktailpartys immer öfter über Religion und Glauben gesprochen wird. ...

Es ist, als würde nun auch die Aufklärung ihre Fundamentalisten hervorbringen. Mit Eifer und Zorn wird gegen alles zu Felde gezogen, was nur entfernt nach Unvernunft ... Weihrauch riecht. ... Ihre Waffen sind Wissenschaft und Vernunft und ... das Internet - Hort allen Wissens und allen Wahns.

Die Botschaft ... lässt sich in zehn Geboten zusammenfassen:

"Du sollst nicht Glauben." ... 
"Gott ist ein Produkt der Menschen und nicht umgekehrt." ... 
"Du sollst keine Götter neben Dir dulden." ... "
„Du sollst keinen Schöpfer haben" ... 
"Der Mensch ist Schöpfer und Herr der Norm" ... 
"Du sollst nicht knien als Schöpfer" ... 
"Du sollst keine anderen Götter neben der Wissenschaft haben." ...

"Zurück zu der Fackel der Aufklärung ... das letzte Gefecht gegen den theologischen Hokuspokus ... Wir brauchen  keinen Gott ...

Dr. Richard Dawkins: "Es ist wahr, dass es bis vor kurzem ein religiöses Revival gab. Aber das wird enden. Und wir helfen dabei." ... Dawkins genießt es, auf alles eine Antwort zu haben."


Zu den heftigsten Kritikern ... gehören kurioserweise jene, die es laut Dawkins gar nicht geben dürfte: Wissenschaftler, für die "Gott" keinen Angriff auf ihr Weltbild darstellt. Sie fühlen sich von der Unbedingtheit, dem missionarischen Habitus Dawkins abgestoßen"

DER SPIEGEL (26. Mai 2007, Alexander Smoltczyk: Gott ist an allem Schuld. Der Kreuzzug der Gottlosen, DER SPIEGEL Nr.22, 26.05.2007, S. 56 f.)

 

"Der spätmoderne Rationalismus und Relativismus bläst zur Christenjagd. Dem, der die Bibel ernst nimmt, wird das Etikett „Fundamentalist" angeheftet ... Die intellektuelle Philosophie der Aufklärung lehnte Gott und alles, was mit Religion zu tun hat, ab und ersetzte Gott durch das "Licht" der menschlichen Vernunft."

Werner Graf (Oktober 2007, Studiendirektor, Die Gottesfrage in der Postmoderne)

 

"Recherchen im Internet zeigen, dass es sich bei 'Pro Christ' um eine Veranstaltung mit eindeutig missionarischer Zielstellung und mit Bezug auf Homosexualität um grundgesetzwidrige Positionen handelt."

Fraktion DIE LINKE. Chemnitz (24. März 2009, Hubert Gintschel, Fraktionsvorsitzender der Ratsfraktion „Die Linke“ in Chemnitz, Anfrage an den Stadtrat der Stadt Chemnitz vom 24. März 2009, www.pro-medienmagazin.de, www.freiepresse.de)

 


"Zählt man etwa die Attentate und Gewaltakte, die in den USA aus christlich deklarierter Motivation in den letzten ein, zwei Jahrzehnten verübt worden sind (nicht nur gegen Abtreibungskliniken und -ärzte), so kann man durchaus zu dem Ergebnis kommen, dass dieser religiöse Terrorismus es in der Summe mit dem 9/11-Anschlag aufnehmen kann."

Prof. Dr. h.c. Robert Leicht (17.09.2007, 1997 bis 2003 Ratsmitglied der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präsident der Evangelischen Akademie zu Berlin, Christlicher Fundamentalismus ist nicht besser als islamischer, Der Tagesspiegel)

 

"Der ehemalige Chefredakteur der ZEIT und Präsident der Evangelischen Akademie zu Berlin [Robert Leicht] schrieb für den Berliner Tagesspiegel einen Diskussion, in dem er den islamischen Fundamentalismus mit dem christlichen verglich. ... Leicht nennt keine Fälle (bis auf die Gewaltakte gegen Abtreibungsärzte) und keine Zahlen, und deswegen müssen wir uns auf sein Wort verlassen. Ein ehemaliges Ratsmitglied der EKD lügt nicht.

“In der Summe” kann es also der christlich-religiöse Terrorismus mit dem islamischen aufnehmen. Das entspricht auch unserer Alltagserfahrung. ...

Die Geiselnahmen unschuldiger Pilger und Touristen durch christliche Terroristen, die ihre Opfer erst mit Weihwasser foltern, bevor sie ihnen die Kehlen durchschneiden; die Selbstmordattentate vor Striptease-Lokalen, bei denen die Täter “Im Namen Jesu, des Allmächtigen!” rufen, bevor sie die Leine ziehen. “In der Summe” kommt da was zusammen."

Henryk M. Broder (18.09.2007, Journalist, Die Freiheit des Robert Leicht)

 


"Christlicher Fundamentalismus ist nicht besser als islamischer. ...

Das Problem ... ist, dass die Religion – obwohl ihre Freiheit im Grundgesetz geschützt ist – durchaus zum Problem für den freiheitlichen Staat werden kann. Schon für die Vergangenheit, gerade auch für die christliche, galt der Doppelsatz: Nie kann die Freiheit die Religion beschädigen, sehr wohl aber die Religion die Freiheit.
Nun sehen wir: Dieser Satz kann auch für die Zukunft gelten – auch hier nicht nur für islamischen, sondern durchaus auch für christlichen Fundamentalismus."

Prof. Dr. h.c. Robert Leicht (17. September 2007, 1997 bis 2003 Ratsmitglied der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präsident der Evangelischen Akademie zu Berlin, Christlicher Fundamentalismus ist nicht besser als islamischer, Der Tagesspiegel)

 

Dr. Margot Käßmann: "Fundamentalismus ist immer ein Problem." ...

Alice Schwarzer: "Sie sehen den christlichen Fundamentalismus also nicht minder kritisch wie den islamischen?"

Dr. Margot Käßmann: "Selbstverständlich! Aber in Europa sind die christlichen Fundamentalisten in einer absoluten Minderheit. ... In Europa gibt es die weltweit liberalsten Christinnen und Christen."

Prof. Dr. Dr. h.c. Margot Käßmann (Mai 2005, Botschafterin des Rates der EKD für das Reformationsjubiläum 2017, 2009-2010 Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), 1999–2010 Bischöfin der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover, Interviewerin Alice Schwarzer, Margot Käßmann. Keine Lust, mich zu verstellen, EMMA 3/2005, www.emma.de)

 

"Das Verbot, sich leidenschaftlich zu seinem Glauben zu bekennen, erklärt, warum „Kultur“ zu einer zentralen lebensweltlichen Kategorie geworden ist. Religion ist erlaubt – aber nicht als eine substanzielle Lebensweise, sondern als „Kultur“ und Lifestyle-Phänomen.

Was sie legitimiert, ist nicht ihr innerer Wahrheitsanspruch, sondern die Art, wie sie uns den Ausdruck innerster Gefühle erlaubt. Wir müssen nicht mehr „wirklich gläubig sein“, solange wir bloß (einige) religiöse Rituale und Sitten befolgen. Sogar die Religionen selbst, von der New-Age-Spiritualität bis zum Hedonismus des Dalai Lama, bedienen inzwischen den postmodernen Vergnügungshunger,  die Religion als „Kultur“.

Vielleicht ist „Kultur“ der Name für all jene Dinge, die wir praktizieren, ohne wirklich an sie zu glauben, ohne sie „ernst zu nehmen“. Ist das nicht auch der Grund dafür, warum wir fundamentalistische Gläubige als kulturfeindliche „Barbaren“ abtun – nur deshalb, weil sie es wagen, ihre Überzeugungen ernst zu nehmen?" …

Wir kennen eine Reihe von Produkten, deren schädigende Eigenschaft neutralisiert wurde: Kaffee ohne Koffein, Sahne ohne Fett, Bier ohne Alkohol. Die Liste ließe sich fortsetzen … Auch die liberale und tolerante Einstellung gegenüber anderen Menschen gehört in dieses Bild, die Forderung nach Offenheit gegenüber seinem Anderssein bei gleichzeitig obsessiver Angst vor Belästigung: Der andere ist einem recht, solange er nicht wirklich anders ist."

DIE ZEIT (11.03.2004, Gefährlicher Glaube. Die westliche Toleranz verfehlt das Wesen der Religion, Die Zeit Nr.12)

>>> Baustelle: Dieser Teilbereich wird gerade bearbeitet und neu aufgelegt. Der Umbau erfolgt im laufenden Betrieb (geplant ca. 200 Seiten)

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