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Die Bibel

Beiträge zum Thema christlicher Fundamentalismus


 

Copyright Thomas Plaßmann

Die nachstehende Landschaft aus Zitaten und Textfragmenten beleuchtet die Diskussion über den christlichen Fundamentalismus, angefangen bei „bibelkritischen“ Ansichten bis zu „bibeltreuen“ Standpunkten.

"Der protestantische Bibelfundamentalismus ist ein echtes Problem, das weltweit zunimmt und dessen Anhängerschaft im dreistelligen Millionenbereich liegt."


Prof. Dr. Siegfried Zimmer ‎(1. Mai 2015, Ev. Theologe, Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg, Worthaus Referent, idea Artikel - Theologieprofessor Zimmer: Ich möchte die Bibel nicht relativieren, ideaSpektrum, idea.de)

 


"Wir gehen von 1,3 Millionen Evangelikalen [in Deutschland] aus, die die Bibel wörtlich auslegen. Leider werden es mehr"

Prof. Dr. Ulrich Kutschera (31.10.2006,  Evolutionsbiologe, Kreationisten im Aufwind, DIE ZEIT)
 

"Ob Christen, Juden, Muslime, Tierschützer oder Nichtraucher - unter ihnen allen gibt es einen Glauben, der weltweit die höchsten Zuwachsraten hat: den Fundamentalismus. …

Das ist die eigentliche Häresie des Fundamentalismus: Er stellt sich über Gott, indem er das Deutungsmonopol über ihn beansprucht, sich zum Maßstab des richtigen Lebens erklärt. Er versucht dem Transzendenten, dem Ersten und Letzten des Lebens, das Geheimnis zu nehmen: Wir wissen, was Gott will. Wir kennen ihn. Er hat uns gesagt, wo es langgeht. 


Was aber ist das für ein Gott, dem das Geheimnis genommen ist, der transparent ist wie ein vollständig ausgefülltes Facebook-Profil?"

Matthias Drobinski (8. April 2012, kath. Theologe, Redakteur bei der Süddeutschen Zeitung, Die Ketzerei des Fundamentalismus: Höher als Gott, Süddeutsche Zeitung)

Matthias-Drobinski

Matthias Drobinski (links), Marburger Ökumenegespräch (2010)

File:Marburger Ökumenegespräch (2010)-01.jpg“ von Rolf K. Wegst from Germany ist lizenziert unter CC BY-SA 2.0.

"Fundamentalismus im Christentum ist nichts, womit wir uns abfinden dürfen"

Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber (10. Juli 2007, 2003-2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD,  1994-2009 Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Keine Kollekte für Moschee, Kölner Stadt-Anzeiger


„Das bedeutsamste Kriterium für Fundamentalismus ist für viele das Bibelverständnis. Schon in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde die Irrtumslosigkeit der Bibel deutlich betont. Nun hat dieser Anspruch mehrere Dimensionen. …

• alle in der Bibel erzählten Ereignisse als tatsächliches Geschehen anerkannt werden.


• alle in der Bibel benannten Weissagungen wirklich Erfüllung gefunden haben bzw. noch finden werden.


• alle biblischen Gebote, so sie nicht ausdrücklich innerhalb der Schrift aufgehoben werden, auch heute noch verbindlich sind.


• alle biblischen Äußerungen miteinander in Harmonie stehen und keine grundlegenden Spannungen oder gar Widerspruche zwischen Textaussagen angenommen werden.


• alle biblischen Beschreibungen der Wirklichkeit Gottes, der Welt und des Menschen als Wahrheit akzeptiert werden, ohne Unterscheidung von wörtlicher, metaphorischer oder symbolischer Ebene.

Vor allem der letzte Punkt gewann im Laufe des letzten Jahrhunderts an exemplarischer Relevanz. Denn wenn man einen solchen Anspruch der Irrtumslosigkeit aufstellt, ist klar, dass er sich nicht mit Ausnahmen verträgt. Daher muss dieses Schriftverständnis gerade auch bei vermeintlich schwierigen Fällen durchgehalten werden. … 

Wer sich auf diesen Weg einlässt, muss mit einer Fülle kognitiver Dissonanzen leben; oder entsprechend viel verdrängen und abblenden, um sich seiner Sache so sicher zu sein, wie es für manche notwendig zu sein scheint. … Auf diesem Weg gibt es auch keinen echten Dialog mehr in wesentlichen Fragen. Auf diesem Weg befindet man sich in einem permanenten geistigen Krieg - nach außen und vielleicht manchmal noch stärker nach innen. … 

Dieses absolute Vertrauen auf die Bibel ist die Kehrseite eines totalen Misstrauens gegenüber der modernen Welt. Wer so gläubig sein möchte, kann letztlich nur noch Menschen vertrauen, die ganz genauso der Bibel vertrauen. Alles außerhalb dieses Kreises ist nicht mehr vertrauenswürdig.

 

Dem sogenannten modernen Denken mit seinen Wissenschaften wird grundsätzlich misstraut. Das gleiche gilt für die Politik, die Bildungsinstitutionen, die Medien. Man traut auch keinen christlichen Gläubigen, die die Bibel anders lesen. Insbesondere den historischen Bibelwissenschaften begegnet man mit äußerster Aversion.“

Prof. Dr. Thorsten Dietz (7. April 2022, Ev. Theologe, bis 2022 Professor für Systematische Theologie an der Ev. Hochschule Tabor, Privatdozent Universität Marburg, Fokus Theologie Reformierten Kirche Kanton Zürich/Schweiz, Worthaus Referent, Menschen mit Mission: Eine Landkarte der evangelikalen Welt, SCM R.Brockhaus; 1. Edition 2022, S. 242 f., 274 f.)

Prof. Dr. Thorsten Dietz (23.06.2022)

 

"Es gibt so viele Christenleute, welche erschrocken sind, wenn sie sehen, wie man an der Burg des Wortes Gottes abreißen und dazu bauen will. Es wird ihnen angst und bange. Und nun meinen sie, man müsse in diesem Sturm die Mauern stützen - durch eine Lehre über die Bibel.

So taucht die alte Lehre von der Verbal-Inspiration wieder auf. In Amerika gibt es viele solche Mauern-Stützer. Man nennt sie Fundamentalisten. Da hat man eine Lehre über die Bibel, die so lautet: Jedes Wort der Bibel ist von Gott inspiriert.

Ich bin überzeugt, dass diese Fundamentalisten es ernst meinen mit der Bibel und dasselbe wollen wie wir. Aber aus solch einer Lehre spricht die Sorge und die Angst, die Mauern der Bibel würden umfallen, wenn man sie nicht durch ein Dogma stützt.

Es hat mich immer misstrauisch gemacht, dass diese Lehre von der Verbalinspiration zuerst von der Orthodoxie aufgebracht wurde. Und die Orthodoxie ist zu allen Zeiten der schrecklichste Feind alles geistlichen Lebens gewesen. Die Orthodoxie züchtet einen rechthaberischen Kopfglauben, wobei Herz und Gewissen umkommen können.

Es ist mir auch immer unheimlich, wenn Menschen ein Urteil über die Bibel abgeben wollen, das man glauben soll, ehe man die Bibel aufgeschlagen hat. Ich meine, wir sollten jedem raten: Lies Du ohne Vorurteil und ohne vorher gefasstes Dogma dies Wort, dann wirst Du bald merken, dass die Bibel ein Urteil über uns hat.

Zur Zeit Tersteegens hat man über die Bibel gestritten. Orthodoxe und Aufklärer [https://de.wikipedia.org/wiki/Zeitalter_der_Aufkl%C3%A4rung]  gaben ihre Urteile über die Bibel ab. Die Stillen im Lande haben sich daran nicht beteiligt. Sie haben vielmehr die Bibel aufgeschlagen, und sie haben sich richten und trösten lassen von diesem lebendigen Wort Gottes.

Wir brauchen die Autorität der Bibel nicht zu stützen mit irgendwelchen Dogmen, die wir von den Orthodoxen entlehnt haben. Die Bibel erweist sich schon selbst als das, was sie ist:

„Das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer denn ein zweischneidig Schwert, und dringt durch, bis dass es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens. Und keine Kreatur ist vor ihm unsichtbar; es ist aber alles bloß und entdeckt vor seinen Augen; von dem reden wir" (Hebr. 4,12 und 13)."

Pfarrer Wilhelm Busch (1957, 1929 bis 1962 protestantischer Jugendpfarrer - Essen, Was bremst denn da?: Aufsätze für ein unverkrampftes Christensein, Neukirchener Verlagsges.; 2. Aufl. 2002, S. 59-60)
 


"Fundamentalismus ist für mich die als Glaubensstärke verkleidete Angst"

Präses Dr. h.c. Nikolaus Schneider (16.11.2010, 2010 - 2014 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland - EKD, Integration von Muslimen: Präses Schneider fordert mehr Engagement, Rheinische Post, rp-online.de)

 


"Unübersichtlichkeit provoziert die Sehnsucht nach Verlässlichkeit, nach Klarheit, nach Verbindlichkeit, auch nach Abgrenzung. Das für alle protestantischen Kirchen charakteristische Schriftprinzip wird in zahlreichen neuen freikirchlichen Gemeinschaftsbildungen zum Verbalinspirationsdogma gesteigert und gewissermaßen in den Rang des Bekenntnisses erhoben, um anfechtungsfreie Gewissheit herzustellen."

Dr. Reinhard Hempelmann (Dezember 2013, Leiter der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen - EZW Berlin, Stichwort. Neue freikirchliche Gemeinschaftsbildungen, EZW Materialdienst-Einzelheft 12/2013, S. 477)

 


"Manche glauben, die Bibel sei in allen ihren Teilen wortwörtlich vom Geist Gottes eingegeben (verbal inspiriert). Sie dürfe darum in allen ihren Aussagen – auch in den historischen oder naturwissenschaftlichen – nicht hinterfragt oder angezweifelt werden.

Solche Christen nennen sich gerne »bibeltreu« und werfen Andersdenkenden vor, dass sie sich mit ihrem historisch-kritischen oder liberalen Bibelverständnis zu Herren über die Schrift machen und die Bibel nicht wirklich ernst nehmen. 

Die so Kritisierten wiederum halten die bibeltreuen Christen für fundamentalistische Biblizisten, die zwischen der Welt der Bibel und der modernen Welt unnötige Barrieren aufrichten. 


Die einen wie die anderen aber lesen die Bibel mit ihrer je eigenen Hermeneutik. Das heißt: Sie bringen ein Vorverständnis mit, das den Rahmen für ihre Interpretation der Bibel bildet. Das ist auch gar nicht anders möglich. Es gibt keine voraussetzungslose Auslegung der Bibel. Wichtig ist nur, sich das eigene Vorverständnis bewusst zu machen und es kritisch zu reflektieren."

Volkmar Hamp (13. Juli 2021, Ev. Theologe, Referent für Redaktionelles Bundesgeschäftsstelle Gemeindejugendwerk, Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland K.d.ö.R., Hamp, Krupinski, Schlüter, Werner (Hrsg.), glauben | lieben | hoffen, SCM Brockhaus 2021, S. 22)

 


"Glauben heißt nicht „für wahr halten“ einzelner Sätze und Geschichten, sondern Glauben heißt „Gott vertrauen“. Die Bibel ist Gotteswort und Menschenwort in einem. Sie wurde vom Geist Gottes „inspiriert“, aber nicht „diktiert“."

Präses Dr. h.c. Nikolaus Schneider (2013, 2010 - 2014 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland - EKD, Interview mit Nikolaus Schneider und Martin Urban zu Ihrem Buch*: Was kann man heute noch glauben? Internetseite der Verlagsgruppe Random House, www.randomhouse.de, Stand 4. März 2014, *Nikolaus Schneider, Martin Urban: Was kann man heute noch glauben? Ein Disput, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh, 2013)

 


"Inspiration heißt nicht: möglichst viel Gott, möglichst wenig Mensch! Dann wäre der Koran oder das Buch Mormon doch das überlegene Buch."

Prof. Dr. Heinzpeter Hempelmann (1. Juli 2004, Ev. Theologe, Prof. Systematische Theologie u. Religionsphilosophie Internationalen Hochschule Liebenzell, Prof. Systematische Theologie u. Religionsphilosophie Evangelische Hochschule Tabor, Oberkirchenrat der württembergischen Landeskirche, Nicht auf der Schrift, sondern unter ihr: Grundsätze und Grundzüge einer Hermeneutik der Demut, Hrsg. Liebenzeller Mission; 2., Aufl. 2004, S. 101)

 


"Einer der zentralen Sätze des christlichen Fundamentalismus ist der, dass die Bibel als Wort Gottes wörtlich zu nehmen sei."

Melanchthon-Akademie - Evangelischer Kirchenverband Köln u. Region (07. Februar 2006, "Christlicher Fundamentalismus heute", Vortrag in Overath, theologie-koeln.de/PDFs/Fundamentalismus.pdf)

 

"Das ist freilich die bequemste Weise, der kritischen Frage auszuweichen, indem man alles im wörtlichen Verstände bestehen lässt"

Prof. Dr. Rudolf Bultmann (1941, Ev. Theologe, Neues Testament und Mythologie. Das Problem der Entmythologisierung der neutestamentlichen Verkündigung, München: Kaiser 3. Aufl. 1988, Seite 24-25)
 

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Prof. Dr. Heinzpeter Hempelmann (2011)

File:Hempelmann Heinzpeter 2011-04-05.jpg“ Foto: Martin Boettinger

Nutzungsrechte: Liebenzeller Mission ist lizenziert unter CC BY-SA 3.0.

 


"Die Bibel ist das Wort Gottes." Genau genommen und provokativ formuliert ist das ein bibelkritischer Satz. Denn hier fällt ja jemand ein (logisches) Urteil über die Bibel"

Prof. Dr. Heinzpeter Hempelmann (2004, Theologe, 1996 – 2005 Direktor des Theologischen Seminars der Liebenzeller Mission, 2007 CTL-Dekan [Chrischona Tabor Liebenzell], Oberkirchenrat der württembergischen Landeskirche, Nicht auf der Schrift, sondern unter ihr, Seite 74-76)

 


"Nicht wir Menschen können die Bibel zum Wort Gottes machen, sondern die Bibel selbst beansprucht, Gottes gültiges Wort zu sein."

Pfarrer Ulrich Parzany (25.03.2009, Das Streitgespräch, ideaSpektrum 13/2009, S. 18)

 


"Denn das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert und dringt durch, bis es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens."


Hebräer 4, 12

 


"Und das sollt ihr vor allem wissen, dass keine Weissagung in der Schrift eine Sache eigener Auslegung ist. Denn es ist noch nie eine Weissagung aus menschlichem Willen hervorgebracht worden, sondern getrieben von dem heiligen Geist haben Menschen im Namen Gottes geredet."

2. PETRUS / 1. Kapitel, 20-21

"Du aber bleibe bei dem, was du gelernt hast und was dir anvertraut ist; du weißt ja, von wem du gelernt hast und dass du von Kind auf die heiligen Schriften kennst, die dich unterweisen können zur Seligkeit durch den Glauben an Christus Jesus. Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, dass der Mensch Gottes vollkommen sei, zu allem guten Werk geschickt."

2.Timotheus 3,14-17

 

 

"Der überwiegende Teil der Christenheit auf Erden liest die Bibel im wörtlichen Sinne als vom Heiligen Geist eingegebenes Wort Gottes, so wie es bis zur Aufklärung allgemein üblich war. Gleichwohl ist das dabei vorausgesetzte Schriftprinzip durch die Auflösung des Inspirationsdogmas für die wissenschaftliche Theologie ein für allemal ad acta gelegt worden. …

Die Kirche, die sich auf das Wort Gottes gründet, hat auf Sand gebaut. … ist dadurch, dass das Inspirationsdogma durch die historische Kritik aus den Angeln gehoben wurde, die Rede von der Bibel als Wort Gottes obsolet geworden. …


Wie in allen Bereichen des Lebens, so muss auch in der Religion das Wissen Konsequenzen nach sich ziehen und notfalls zu ihrer völligen Umgestaltung führen."

Prof. Dr. Gerd Lüdemann (2004, Theologe an der Georg-August-Universität Göttingen, "Das Unheilige in der heiligen Schrift")

 


zeitzeichen: "Herr Kirchenpräsident Steinacker, ist die Bibel das Wort Gottes?"


Peter Steinacker: "Nein."
zeitzeichen: "Wie bitte?"


Peter Steinacker:  "Die Bibel ist nicht mit dem Wort Gottes identisch. Das Wort Gottes ist kein Buch, sondern lebendiges Geschehen. Es ist überall in der Welt zu vernehmen, auch nonverbal, zum Beispiel in der liebevollen Zuwendung zu einem anderen Menschen, wie es in der Diakonie geschieht."

Dr. Dr. h.c. Peter Steinacker (20. September 2005,  1943 - 2015, 1993 - 2008 Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Die Bibel ist nicht Gottes Wort - Interview, zeitzeichen. Evangelische Diskussione zu Religion und Gesellschaft, zeitzeichen.net)

 


"Löst sich das Christentum in Ethik auf? Die Antwort auf diese Frage muss heißen: Ja, das tut es heute wie vor 2000 Jahren."

Prof. Dr. Dorothee Sölle (Dezember 1966, Ev. Theologin, Atheistisch an Gott glauben? Merkur. Nachdruck: Atheistisch an Gott glauben? Beiträge zur Theologie, dtv München 1983, Seite 86)
 

Dorothee-Solle

Prof. Dr. Dorothee Sölle (1998)

DorotheeSolle1998“ von Fotoburo de Boer ist markiert mit CC0 1.0.


"Theologie braucht die Freiheit, bisherige Glaubensvorstellungen weiterzuentwickeln, zu korrigieren, ja zu destruieren. Theologie kann darum kritisch werden gegenüber überkommenen Auffassungen, vor allem dann, wenn sie bloß aus Denkfaulheit oder Ängstlichkeit festgehalten werden.


Daraus ergibt sich auch das bleibende Recht der historisch-kritischen Bibelexegese."

Dr. Hermann Barth (13. Dezember 2002, Präsident des Kirchenamtes der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD, Grußwort "25 Jahre Arbeitskreis für evangelikale Theologie" Gießen, www.ekd.de)

 


"Ich bin pietistisch geprägt und habe erst im Theologiestudium durch die historisch-kritische Methode der Bibelauslegung gelernt, die Bibel neu zu lesen. Ich weiß, wie schwer es ist, sich von alten Glaubensüberzeugungen zu trennen."

Superintendent Burkhard Müller (Juli 2010, Theologe, Superintendent i.R., ehemaliger Sprecher "Das Wort zum Sonntag", Sündenmanie und unterschlagene Liebe, chrismon plus rheinland, www.chrismon-rheinland.de)

 


"Es ist in Ordnung und wünschenswert, wenn sich Glaube durch ein Theologiestudium verändert. Der Abbruch von Glaubensgebäuden, die der komplexen Wirklichkeit nicht standhalten, ist vonnöten, aber wenn auf den Trümmern nichts Neues entsteht, ist auch niemandem geholfen. …

Man kann der christlichen Sache eben nicht nur durch eine allzu rationalistische Auslegung schaden, man kann dies ebenso durch eine allzu wissenschaftsfeindliche Auslegung tun. Und deshalb gibt es nicht nur Trümmergeschichten aus dem Theologiestudium, sondern ebenso niederschmetternde Geschichten von Glaubensverlust aufgrund von Gesetzlichkeit und blindem Fanatismus."

Dr. Michael Diener (3. September 2021, Ev. Theologe, Mitglied im Rat der EKD, Dekan protestantischer Kirchenbezirk Germersheim, 2009-2020 Präses Evangelischer Gnadauer Gemeinschaftsverband, 2012-2016 Vorsitzender Deutsche Evangelischen Allianz, Raus aus der Sackgasse! Wie die pietistische und evangelikale Bewegung neu an Glaubwürdigkeit gewinnt, adeo Verlag 2021, S.77 f.)

 


"Vor allem die Evangelikalen ... opponierten heftig gegen das, was ihnen die Theologie-Professoren mit - wie mir schien - heimlicher Lust an der Provokation vorsetzten. Und etliche Studenten gefielen sich sehr in ihrer Rolle als Aufklärer, gerierten sich wie kleine Voltaires und zogen, ein Vierteljahr tausend nach Voltaire, viel Lustgewinn aus ihrem Bestreben, die Evangelikalen als bemitleidenswerte Hinterwäldler vorzuführen.

Ich selbst saß meistens eher still dabei, litt ein wenig mit den Evangelikalen, konnte sie gut verstehen, aber nicht verteidigen. Jahrelang hatten sie in ihren christlichen Jugendgruppen engagiert gearbeitet, waren sie in ihren Gemeinden meistens die Einzigen, die noch was auf die Beine gestellt kriegten, hatten sie für ihr Leben viel Kraft aus den wörtlich geglaubten Geschichten der Bibel gezogen. 

Ihnen, denen es wirklich ernst war mit ihrem Glauben, wurde nun dieser Glaube ausgerechnet von der geistigen Elite der Kirche zertrümmert. Das musste ihnen teuflisch vorkommen - der Theologieprofessor als Antichrist."

Christian Nürnberger (November 2007, Journalist - "Atheistisch an Gott glauben", Jesus für Zweifler)

 


"Die Ergebnisse sog. historisch-kritischer Arbeit sind nicht schon deshalb falsch, will sie kritisch, oder zu kritisch, zu radikal, glaubensschädigend etc. wären. ...

Wir können eine Position nicht wegen ihrer negativen, unangenehmen oder ärgerlichen Ergebnisse ablehnen, - sondern nur aus einem Grund: weil sie falsch ist, weil ihre Voraussetzungen nicht tragen: theologisch nicht und wissenschaftlich nicht. ... Die Kritik an der „historisch-kritischen Methode" trägt nicht."


"Mir ist ganz wichtig, dass wir den Ehrentitel „Wissenschaft“ nichts lassen"

Prof. Dr. Heinzpeter Hempelmann (2004, Theologe, 1996 – 2005 Direktor des Theologischen Seminars der Liebenzeller Mission, 2007 CTL-Dekan [Chrischona Tabor Liebenzell], Oberkirchenrat der württembergischen Landeskirche, Nicht auf der Schrift, sondern unter ihr)

Prof. Dr. Heinzpeter Hempelmann (2015)

 

 

"Die christlichen Kirchen machen den Zugang zum Predigt- oder Priesteramt, zu vielfältigen anderen kirchlichen Diensten (z. B. der Pastoralassistenz) sowie in der Regel zum Lehramt für den Religionsunterricht bis heute von einem universitären Studium abhängig.

Damit bekunden sie ihr grundsätzliches Interesse an einem aufgeklärten Christentum. Beide großen Konfessionskirchen wollen durch die akademische Bildung die kritische Selbstreflexion ihrer Funktionsträger stärken, den rationalen Umgang mit den überlieferten christlichen Traditionen fördern und fundamentalistischen Lesarten der überkommenen Glaubensvorstellungen wehren."

WR Wissenschaftsrat (29. Januar 2010, wissenschaftsrat.de/texte/9678-10.pdf, S. 53, Stand 2010)

 


"Theologie an der Universität muss wie jede andere akademische Disziplin frei sein und darf nicht von wissenschaftsfremden Voraussetzungen ausgehen."

Prof. Dr. Gerd Lüdemann (19.02.2009, Theologe, Georg-August-Universität Göttingen, Papst-Kritiker verliert Streit um Religionslehrer-Ausbildung, Der Tagesspiegel)

 


"Wir haben das Ergebnis der philologischen Textanalyse ohne Rücksicht auf Gefühle und Wünsche festzustellen."

Prof. Dr. Hans Conzelmann (1959, Neutestamentler, "Zeitschrift für Theologie und Kirche", Jahrgang 56, 1959, Beiheft 1)

 


"Die evangelische Theologie verdankt ihr Ansehen und ihre Existenzberechtigung innerhalb der deutschen Universität der rücksichtslosen Anwendung der historisch-kritischen Methode. ...

Nur wenn zukünftige theologische Fakultäten in gleicher Weise sowohl mit kirchlich orientierten Forschern als auch mit solchen aus anderen Religionen und mit Religionskritikern (einschließlich Atheisten) besetzt sind, ist ein Erkenntnisfortschritt zu erwarten."

Prof. Dr. Gerd Lüdemann (1. September 2001, Das Unheilige in der Heiligen Schrift: Die dunkle Seite der Bibel, zu Klampen Verlag; 3., Neuausg. Edition)

 


"Voraussetzungslose Exegese kann es nicht geben. ... Unabdingliche Voraussetzung aber ist die historische Methode in der Befragung der Texte. Exegese ist ja als Interpretation historischer Texte ein Stück Geschichtswissenschaft."

Prof. Dr. Rudolf Bultmann (1957, Theologe, Ist voraussetzungslose Exegese möglich?, S. 410)

 


"Ausgangspunkt der modernen, exegetischen Arbeit am Neuen Testament ist zunächst ganz allgemein der wissenschaftliche Zweifel."

Prof. Dr. Hans Conzelmann u. Prof. Dr. Andreas Lindemann (1975, Arbeitsbuch zum Neuen Testament, UTB Bd.52, Stuttgart; Aufl.: Mai 2004)
 

Zweifel

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Im "Grunde stellt das Vorgehen der wissenschaftlichen Theologen die Spitze der Heuchelei dar. Indem sie den Studierenden die Ergebnisse der historisch-kritischen Forschung vermitteln, nehmen sie ihnen den Glauben der Bekenntnisse, den sie in ihrem kirchlichen Dienst vertreten sollen."

Prof. Dr. Gerd Lüdemann (1999, Theologe, Georg-August-Universität Göttingen, "Kirche der Scheinheiligen" Evangelische Diskussione 3/1999)

 


"Intellektuelle Gottesleugnung und Frömmigkeit ... die für die Aufklärung weithin charakteristisch ist und von der auch die liberale und die historisch-kritische Theologie geprägt sind. ...

Wie konnte es dazu kommen, dass weithin die Kirche die Kritik an der Bibel zur Grundlage ihrer Theologenausbildung gemacht hat? ...​

Indem die Theologie auch die Aufklärungsphilosophie zu ihrer Denkgrundlage machte, wurde sie zur bibelkritischen Theologie. Die Theologie hat also von der Philosophie nicht nur die antitheistische Denkvoraussetzungen übernommen, sondern auch die einzelnen Elemente der Bibelkritik. ...

Alle Waffen des Atheismus wurden in der Philosophie geschmiedet. In Gebrauch genommen hat man sie vor allem in der bibelkritischen Theologie und der Literatur. ... Eine Theologie, die sich leiten lässt durch die Philosophie anstatt durch Gottes Wort, verfehlt Gottes Offenbarung. ...

Der lebendige Gott wurde in den Gott der Philosophie verwandelt, der nichts sieht, nichts hört, nichts sagt und nichts tut, der nur noch Götze ist, von dem man nichts erwarten darf. ... Sie hält das, was sie von ihren Kathedern lehrt, für wissenschaftliche Ergebnisse und kultiviert es als angeblich wissenschaftliche Methoden. Dadurch sichert sie sich ihren Verbleib an der Universität. ...

Es ist nichts in der historisch-kritischen Theologie, was nicht zuvor in der Philosophie gewesen ist. …Wundern, Auferstehungsberichten und Ähnlichem wurde von vornherein die Historizität abgesprochen, weil die historisch-kritische Theologie im Gefolge der Aufklärungsphilosophie kein Handeln Gottes in der Geschichte gelten ließ.


Durch Vor-Urteil wurde das alles für mythisch erklärt. … Geschichte wurde auf das Menschliche begrenzt. Gott ließ man darin keinen Raum. Alles singuläre Handeln Gottes wurde ausgeschlossen. …

Lebendiger Glaube an Gottes Offenbarung in seinem Wort und eine „wissenschaftliche“ Theologie, die arbeitet „als ob es Gott nicht gäbe“ schließen sich aus. … Der Jesus der Bibel und der Jesus der Bibelkritik sind Gegensätze, die sich ausschließen. Jeder muss sich entscheiden, welchen Jesus er wählt. Er soll aber wissen, dass der Jesus der Bibelkritik nicht zu retten vermag." …

Eine Theologie, die auf antitheistische Voraussetzungen beruht, ist ein Widerspruch in sich selbst. Die Kirche kann nicht gedeihen, wenn sie sich mit solch einer Theologie die Ausbildung ihrer Pastoren betreibt, kann nicht gedeihen, wie man allerorten sehen kann."

Prof. Dr. theol. Eta Linnemann (1. Oktober 2007, Theologin, Bibel oder Bibelkritik? Was ist glaubwürdig?, VTR; 2. Edition)

 


"Zimmerlings Behauptung, „die in den 70er und 80er Jahren vorherrschende Furcht, dass Theologie den Glauben zerstören könne, sei heute unbegründet", ist in sich selbst unstimmig.

Dass die historisch-kritische Theologie in vielen den Glauben zerstört, war nicht die Furcht vor einer Möglichkeit, sondern bittere Erfahrung und trifft heute nicht weniger zu, als in den 70er und 80er Jahren.

Die Furcht mag nachgelassen haben, doch die Gefahr ist geblieben. Heute sind andere Fragen aktuell als damals und einige Schulmeinungen haben sich geändert. Die historisch-kritische Theologie hat aber ihre Identität bewahrt."

Prof. Dr. theol. Eta Linnemann (04. Juli 2007, Theologin, ideaSpektrum Nr. 27/2007, Seite 4)


"Dass der Glaube Theologie braucht, wird von vielen – besonders evangelikalen – Christen bestritten. Viele sind im Gegenteil der Auffassung, dass die Universitätstheologie dem Glauben schadet oder ihn gar zerstört. Glücklicherweise stimmt dieses Pauschalurteil nicht.“

Prof. Dr. Peter Zimmerling (15.11.2007, Praktische Theologie Universität Leipzig, Worthaus Referent, KOMMENTAR: Braucht der Glaube wirklich Theologie? ideaSektrum)

"Evangelikale sollen Misstrauen gegenüber Uni-Theologie ablegen"

"Zimmerling empfahl dem Schriesheimer Zentrum und ähnlichen evangelikalen Einrichtungen in Tübingen, Marburg und Mainz, sich nicht länger als Gegenüber zu Theologischen Fakultäten profilieren zu wollen. Stattdessen sollten sie stärker ihren positiven Beitrag zur Ausbildung von Theologen und Religionspädagogen herausstellen. …

Zimmerling zufolge ist die in den 70er und 80er Jahren vorherrschende Furcht, dass Theologie den Glauben zerstören könne, heute unbegründet: „Nach biblisch-reformatorischem Verständnis ist Theologie nichts anderes als das Auslegen der Bibel.“ 

Die wissenschaftliche Theologie habe die Aufgabe, den christlichen Glauben vor dem Abgleiten in gesellschaftliche Belanglosigkeit oder individualistische Verengungen zu bewahren. 
Auch fromme Leute stünden in der Gefahr, sich von der Erlebnisorientierung ihrer Umgebung anstecken zu lassen. Sie suchten Glaubenserfahrungen und vernachlässigten das notwendige Gespräch mit Skeptikern und Kritikern des Christentums. Für den Glauben sei aber „das Denken wichtiger als die Befriedigung von Emotionen“, so der Professor."

ideaSektrum (24.06.2007, Evangelikale sollen Misstrauen gegenüber Uni-Theologie ablegen)

Unterschrift Immanuel Kant

de.wikipedia.org/wiki/Immanuel_Kant

 

"Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit.

 

Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Anleitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen.

Sapere aude! [Wage es verständig zu sein!] Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung." 

Prof. Dr. Immanuel Kant (1784, Philosoph, "Beantwortung der Frage: was ist Aufklärung?", Berlinische Monatsschrift, 1784,2, S. 481–494)

 


"Die Aufklärung lässt sich auf Dauer nicht an die Ketten des Dogmas legen. Sie stürzt wie ein brausender Strom heran, gegen den alle Glaubensschleusen und -dämme machtlos sind."

Prof. Dr. Gerd Lüdemann (20. September 2008, Theologe, Georg-August-Universität Göttingen, Vertrag von Staat und Kirche, Ketten des Dogmas. Frankfurter Rundschau)

 


"Das ist die offenkundige vor Augen liegende Wirkung der historischen Methode. Sie relativiert Alles und Jedes. ... (S. 9)

Wer ihr den kleinen Finger gegeben hat, wird von ihr so energisch ergriffen, dass er ihr die ganze Hand geben muss. ... (S. 7)
Jedenfalls können wir nun einmal nicht mehr ohne und gegen diese Methode denken und müssen wir alle unsere Forschungen über Wesen und Ziele des menschlichen Geistes auf sie aufbauen.

So hat die historische Methode auch die Theologie ergriffen, erst schüchtern und fragmentarisch mit allerhand Vorbehalten und Einschränkungen, dann immer energischer und umfassender, bis sie auch hier bewirken musste, was sie überall sonst bewirkt hat, eine prinzipielle Veränderung der gesamten Denkweise und der ganzen Stellung zum Gegenstande [Bibel]." (S. 8)

Prof. Dr. Ernst Troeltsch (1900, Ev. Theologe, Friedemann Voigt (Hrsg.): Ernst Troeltsch Lesebuch. Ausgewählte Texte. Über historische und dogmatische Methode in der Theologie (1900). UTB; Bd. 2452. Mohr Siebeck, Tübingen 2003, S. 7 ff.)

 


 

 Ernst-Troeltsch

Prof. Dr. Ernst Troeltsch

Bildnachweis: AKG12132, akg-images.de

 

 

"Meine Herren, es wackelt alles"

Prof. Dr. Ernst Troeltsch (5. Oktober 1896, Ev. Theologe, Eisenacher Tagung „Freunde der Christlichen Welt“, Walther Köhler: Ernst Troeltsch. Tübingen, J. C. B. Mohr 1941, S.1)

 


"Man kann nicht elektrisches Licht und Radioapparat benutzen, in Krankheitsfällen moderne medizinische und klinische Mittel in Anspruch nehmen und gleichzeitig an die Geister- und Wunderwelt des Neuen Testaments glauben."

Prof. Dr. Rudolf Bultmann (1948, Ev. Theologe, "Kerygma und Mythos I", Bartsch, 1967)

 

"Beruf der Theologie ... in den Zweifel hineinzuführen, die naive Gläubigkeit zu erschüttern. Erziehung zur Kritik.

Prof. Dr. Rudolf Bultmann (1926, Theologe, zit.n. Rudolf Augstein, Jesus Menschensohn, Seite 368, 3. Aufl. 2003)

 


"Rudolf Bultmann entzauberte im 20. Jahrhundert radikal die Sprache der Bibel. ... Er gilt heute als einer der bedeutendsten Theologen des Protestantismus.

Bultmann ist ein Symbol für den Dialog des Christentums mit der Moderne. In seiner Person als Wissenschaftler und Christ verkörperte er zugleich den Spagat zwischen Glauben und Verstehen. ...

Seine Interpretation der Evangelien rüttelt bis heute an den Fundamenten der christlichen Bekenntnisse. ... Schließlich war die äußerste Konsequenz dieses Programms „die Verneinung der leiblichen Auferstehung Christi“, wie die Tagesschau einen Tag nach Bultmanns Tod meldete. ...

Lutherische Theologen warfen ihm vor, er betreibe die "Selbstauflösung der Theologie in eine atheistische Philosophie". ...
Die Kontroverse um Bultmanns Entmythologisierungsprogramm war für die Kirche ein notwendiger Streit, erinnert sich der 1915 geborene Theologe Heinz Zahrnt. Bultmann habe die Christen vom zwanghaften Buchstabenglauben befreien wollen"

Evangelischer Pressedienst epd (Oktober 2001, Rudolf Bultmann - Spagat zwischen Glauben und Verstehen, Marburger UniJournal Nr. 10, 10/2001, Philipps-Universität Marburg, www.uni-marburg.de)

 

"Fundamentalistische Haltungen entstehen ... wenn folgende Merkmale anzutreffen sind ... Ein nicht-symbolisches, wortwörtliches Verstehen und konkret-politisches Umsetzen heiliger Schriften."

Dr. Fritz R. Huth (Februar 2002, Theologe, Beauftragte für Weltanschauungsfragen der EKHN Evangelische Kirche in Hessen und Nassau, Arbeitshilfe Fundamentalismus. Herausgegeben vom „Zentrum Ökumene“ der EKHN)

 


"«Alles, was ich euch gebiete, das sollt ihr halten und danach tun. Ihr sollt nichts dazutun und nichts davontun.» ... Dies ist für die «Mäßigung» in der Religion kein geringes Problem: Sie wird von nichts anderem gestützt als von einer uneingestandenen Missachtung der Buchstaben des göttlichen Gesetzes.


Der einzige Grund, weshalb heute jemand in Glaubensfragen «gemäßigt» ist, besteht darin, dass er einige Früchte des menschlichen Denkens der letzten zweitausend Jahre (demokratische Politik, wissenschaftlicher Fortschritt an jeder Front, Einhaltung der Menschenrechte, das Ende der kulturellen und geografischen Isolation und so weiter) verinnerlicht hat. 

Die Türen, die von einer wörtlichen Auslegung wegführen, lassen sich nicht von innen öffnen. 

Die «Mäßigung», die wir unter Gläubigen vorfinden, die keine Fundamentalisten sind, ist kein wie auch immer geartetes Zeichen dafür, dass der Glaube sich weiterentwickelt hat; sie ist vielmehr das Resultat zahlreicher Hammerschläge der Moderne, die gewisse Glaubensinhalte dem Zweifel ausgesetzt hat.

Nicht die unbedeutendste dieser Entwicklungen war das Hervortreten der Tendenz, den Wert von Beweisen zu erkennen und von einer Behauptung nur bis zu jenem Grad überzeugt zu sein, in dem diese Behauptung sich nachweisen lässt. ...

Eine Fortentwicklung in der Religion, wie auch auf anderen Gebieten, müsste sich den Fragen von heute stellen, anstatt hartnäckig die Lehrmeinungen der Vergangenheit nachzubeten."

Dr. Sam Harris (September 2007, US-amerikanischer Schriftsteller, Philosoph u. Neurowissenschafter, Das Ende des Glaubens. Religion, Terror und das Licht der Vernunft.)
 

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Dr. Sam Harris (2016)

Sam Harris 2016 (cropped)“ Cmichel67 (Christopher Michel) CC BY-SA 4.0.


"Der historische Abstand zwischen dem frühchristlichen Zeitalter und der heutigen Kirche ist die Ursache eines krisenhaften Strudels geworden, der lieb gewonnene Gewohnheiten des Glaubens unbarmherzig mit sich in die Tiefe reißt.

Dies geschieht deswegen, weil die seit 250 Jahren betriebene historisch-kritische Erforschung der Bibel mit dem bis dahin vorhandenen Bild der Bibel restlos aufgeräumt und jeden einzelnen ihrer Verse als menschliches Wort verstehen gelehrt hat.

Doch sind ihre Ergebnisse - wenn überhaupt - der Öffentlichkeit nur geschönt vermittelt worden."

Prof. Dr. Gerd Lüdemann (2004, Theologe an der Georg-August-Universität Göttingen, "Das Unheilige in der heiligen Schrift")

 


"Die wissenschaftliche Erforschung der Bibel in den letzten 150 Jahren hat gezeigt, wie sowohl im Alten Testament als auch im Neuen Testament Satz für Satz von Menschen gesprochen worden ist.

Es lässt sich nicht ein einziger Satz als von jenseits geoffenbartes Wort ausmachen. Diese Kritik spitzt sich zu auf eine zweite These. Sie lautet: Redet der Mensch von Gott, dann redet er von sich selbst"

Pfarrer Dr. Paul Schulz (1979, Theologe, Frankfurter Rundschau 2.2.1979)

 

"Die Bibel ist von Menschen geschrieben, sie ist ein menschliches Buch, und darum kann sie nicht anders gelesen und verstanden und nicht nach anderen Methoden ausgelegt werden als andere menschliche Bücher auch."

Dr. theol. Heinz Zahrnt (1971 bis 1973 Präsident des Evangelischen Kirchentags, 25 Jahre theologischer Chefredakteur des "Deutschen Allgemeinen Sonntagsblatts", Es begann mit Jesus von Nazareth, Gütersloh 1960, S. 30)

 


"Die Theologen haben doch längst die Bibel und den ganzen Volks- und Aberglauben entmythologisiert ...
Kein Theologe sagt es so platt, aber auf diese Plattheit laufen all ihre Erklärungen hinaus, wenn man sie von den theologieüblichen Verschleierungen und Wissenschaftlichkeit vortäuschenden Komplizierungen befreit und über die Rücksichten auf die Kirche und religiöse Gefühle hinweggeht."

Christian Nürnberger (November 2007, Journalist - "Atheistisch an Gott glauben", Jesus für Zweifler)
 

Christ

Copyright Thomas Plaßmann


"Die wissenschaftliche Exegese hat die Aufgabe, den jüdischen und den christlichen Glauben vor dem religiösen Fundamentalismus zu bewahren, der sich auf die Bibel wie auf einen papierenen Fetisch beruft."

Prof. Dr. Christoph Levin (2001, Ev. Theologe, Lehrstuhlinhaber Altes Testament I - Ludwig-Maximilians-Universität München, Das Alte Testament, München 2006, S. 124)

 


"Wer Gott von Seinem Wort trennt, schafft sich einen Götzen!"

Rolf-Jürgen Schmeißing (7. Februar 2009, Diskussion, Pietisten-Präses gegen fundamentalistisches Bibelverständnis, www.idea.de)

 


"Zunächst ist [Auslassung - Eigenname Gottes], Israels Gott, ein Stammesgott wie andere semitische Gottheiten [vgl. Baal]" 

Prof. Dr. Rudolf Bultmann (1949, Ev. Theologe, Das Urchristentum im Rahmen der antiken Religionen. Artemis & Winkler Verlag Zürich 1949 u. Patmos Verlag Düsseldorf Aufl. 2005, Seite 11)

 


"[Auslassung - Eigenname Gottes] und Baal sind ebenso wie der aramäische Hadad unterschiedliche Manifestationen eines verbreiteten ursprünglichen Wettergotttypus" 

Prof. Dr. Sebastian Grätz (Mai 2006, Professur für Altes Testament: Evangelisch-Theologische Fakultät Johannes Gutenberg-Universität Mainz, JHWH und Baal, Wissenschaftliches Bibellexikon WiBiLex, Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart, bibelwissenschaft.de)

 

"Der Name Baal lebt in Balthasar und Hannibal (phönizisch für „Baal ist gnädig“) fort. Auch das Wort Beelzebub oder Baal-Sebub (Herr der Fliegen), geht auf Baal zurück und stellt im Neuen Testament eine Bezeichnung für den Teufel dar."

(Stand Juni 2010, https://de.wikipedia.org/wiki/Baal_(Gottheit)


"Mit wem wollt ihr mich also vergleichen, wer ist mir gleich?", fragt der heilige Gott."

Jesaja 40, 25

 


"Lange finden wir in der Hebräischen Bibel die Rede von vielen unterschiedlichen Göttern (Polytheismus). [Auslassung - Eigenname Gottes] ist in der frühen Zeit nur ein Gott unter vielen (z.B. Ps 82). Über das Stadium der Monolatrie (es wird nur ein Gott verehrt) entwickelt sich erst in der späten Zeit Israels bzw. im babylonischen Exil die Vorstellung des Monotheismus (es gibt überhaupt nur einen Gott).  


Vgl. hierzu: Thomas Römer, Die Erfindung Gottes. Eine Reise zu den Quellen des Monotheismus. Darmstadt, 2018) … [S.262]

Der jüdische Glaube entwickelte sich von einer polytheistischen Ausprägung (es gibt neben dem Gott  [Auslassung - Eigenname Gottes] noch viele andere Götter, aber es sind nicht unsere Götter) hin zu einer monotheistischen Ausprägung (es gibt überhaupt nur diesen einen Gott [Auslassung - Eigenname Gottes]) (vgl. Dtn 6,4). … [S. 49]

Erst allmählich wandelte sich in Israel das Bewusstsein hin zu einem monotheistischen Gottesverständnis." [S. 139]

Pastor Simon Werner (13. Juli 2021, Bildungsreferent Akademie Elstal u. Gemeindejugendwerk des BEFG, Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden BEFG in Deutschland K.d.ö.R., Hamp, Krupinski, Schlüter, Werner (Hrsg.), glauben | lieben | hoffen, SCM Brockhaus 2021)

 

 

"Wenn ihr Mose glaubtet, so glaubtet ihr auch mir; denn er hat von mir geschrieben. Wenn ihr aber seinen Schriften nicht glaubt, wie werdet ihr meinen Worten glauben?"

Jesus Christus (Johannes 5, 46-47)



"Das Christentum versteht sich seit alters als eine Religion, die auf den Geschichtstaten Gottes ruht, von denen im Alten und im Neuen Testament die Rede ist. In den Satz "Gott hat Israel aus Ägypten geführt und Jesus Christus von den Toten erweckt" konnten bisher die meisten Theologen einstimmen. Nun war die Auferstehung Jesu schon immer Gegenstand der Kritik auch in der Öffentlichkeit, während der Auszug Israels aus Ägypten davon verschont blieb.

Doch gerade am Exodus und dem mit ihm verbundenen Thema des vorstaatlichen Israel hat sich, fast unbemerkt, eine wissenschaftliche Revolution vollzogen. … Das in der Bibel entworfene Bild des vorstaatlichen Israel (vor 1000 v. Chr.) entspringt theologischen Fiktionen aus der nachstaatlichen Zeit (ab dem 6. Jh. v. Chr.). ...

Die Kirche betrachtet - weil sie sich als neues Israel auffasst - von Beginn an das im Alten Testament berichtete Handeln [Auslassung - Eigenname Gottes] an Israel als festen Bestandteil der Heilsgeschichte, die zu Jesus Christus führt.


Wenn jedoch der historische Rahmen der Geschichtsbücher des Alten Testaments fiktiv ist und es sich beim biblischen Israel, ja selbst bei dem exklusiven Gott "[Auslassung - Eigenname Gottes]  um theologische Konstrukte des nachstaatlichen Judentums handelt, dann sind die biblische Frühgeschichte Israels und damit die Vorgeschichte Jesu Christi vollständig entleert. 

Sie lösen sich in Nebel auf und mit ihnen auch die Auferstehung Jesu, denn das Zentraldatum christlichen Glaubens gilt in der Theologie inzwischen auch als unhistorisch.


Diese Erkenntnisse besiegeln nicht nur den Tod des alttestamentlichen Geschichtsgottes, sondern auch das Ende des Vaters Jesu Christi."

Prof. Dr. Gerd Lüdemann (01.10.2006, Theologe, Georg-August-Universität Göttingen, Gott wurde spät erfunden. Gerd Lüdemann beschreibt neue Entwicklungen in der Wissenschaft vom Alten Testament, DIE WELT)

 


"Wenn man einfach voraussetzt, Gott existiere nicht, dann ist jedem sofort klar, dass die religiösen Verhaltensweisen von Menschen unter dieser Voraussetzung ziemlich merkwürdig, wenn nicht gar verrückt erscheinen müssen. …

Das Gefühl der überlegenen Kenntnis des religionsgeschichtlichen Materials und des Eingeweihtseins in die Mythen der Völker machen es wahrscheinlich schwieriger, sich selbst höchstpersönlich der existenziellen und für das eigene Leben alles entscheidenden Frage zu stellen, ob es Gott wirklich gibt oder nicht. … Mit anderen Worten … die Religionswissenschaften helfen bei der Frage, ob Gott wirklich existiert, überhaupt nicht weiter. ... 

Das ganze großartige antireligiöse Gebäude … steht und fällt also mit einem tönernen Fundament, der völlig unbewiesenen Behauptung, Gott existiere nicht."

 

Dr. Manfred Lütz (21. September 2007, Psychiater u. kath. Theologe, Gott. Eine kleine Geschichte des Größten. Pattloch; 6. Edition, S. 14 u. 16)
 

"Es sind in Deutschland die Theologen, die ... Gott ein Ende machen."

Heinrich Heine (1797-1865, deutscher Dichter und Publizist)

 


"Gott ist tot, er wurde auf der theologischen Werkbank zu Tode interpretiert."

Dr. Lutz Graf (2000, Langen, Leserbriefe zu dem Artikel: Grabesstimmung: Haben die Theologen die Kirche im Stich gelassen? ... Das Thema Ostern - eine einzige Konfusion, DEUTSCHES ALLGEMEINES SONNTAGSBLATT, DS 21. April 2000 Nr. 16/2000)

 


"In der Theologie vollzieht der Glaube Selbstmord"

Friedrich Josef Dürrenmatt (1990, Schweizer Schriftsteller, Dramatiker und Maler, «Turmbau»)

 


"Ein paar Früchte vom Baum der Erkenntnis sind es immer wert, dass man um ihret Willen das Paradies verliert."

Prof. Dr. Ernst Haeckel (1834 - 1919, Zoologe u. Philosoph)

Filmzitat - Woody Allen (2012)

 

 


"Oben ohne" - Theologie"

"Der Atheismus hat auch da seinen Platz gefunden, wo man ihn eigentlich nicht vermutet: An den theologischen Fakultäten. …

Wenn man systematisch mythologische Rede vermeiden wollte, musste man auch Gott als Person entmythologisieren und zum Beispiel durch „Liebe“ ersetzen. So kam es, dass man bist heute regelmäßig mit der Formel konfrontiert wird „Gott ist die Liebe“; das steht zwar im ersten Johannesbrief, aber als isoliertes Zitat funktioniert diese Formel als verheerender Theologie-Ersatz.


Denn wenn Gott in Wahrheit nichts weiter als „die Liebe“ ist, hat man seine Personalität und seinen „Charakter“, seine Widerständigkeit und sein Geheimnis aufgelöst. Ein solcher Gott ist kein Gegenüber mehr, das man mit „Du“ anreden kann, sondern er ereignet sich nur noch in der Begegnung von Menschen. Das Gesicht Gottes wird dann, wie man gesagt hat, nur (!) noch erkennbar als das Gesicht des anderen neben mir. … Der Atheismus in der Theologie leugnet Gott als personales Gegenüber."

Prof. Dr. Klaus Berger (29.12.2007, Theologe, Wider die „oben ohne“-Theologie, Die Tagespost)


"Leute, die an nichts mehr glauben, stellen die Behauptung auf, dass der christliche Glaube nichts ist.

Mit Hilfe dieser Kongruenzbehauptung wird von ihnen der Berechtigungsnachweis geführt, dass sie weiter ihre Gehälter den Christen aus der Tasche ziehen können - als Pastoren in einer evangelischen Kirche oder als Professoren theologischer Fakultäten, die ihre Existenz lediglich dem Gegebensein von Kirche verdanken."

Prof. Dr. theol. Eta Linnemann (1978, Ev. Theologin)

 


"Ich wäre schon dankbar, wenn ich auf Kirchenvertreter treffen würde, die glaubwürdig verkörpern, dass sie glauben."

Giovanni di Lorenzo (15.04.08, Chefredakteur der Wochenzeitung DIE ZEIT, Mitherausgeber des Berliner Tagesspiegels, "Zeit"-Chefredakteur vermisst kirchliche Vorbilder, www.evlka.de, epd Niedersachsen-Bremen)

 


"Die Menschen haben sich ... von unseren Kirchen getrennt, weil sie das Zeugnis der Zeugen nicht überzeugend fanden"

Kirchenpräsident Helge Klassohn (April 2007, Theologe, Kirchenpräsident der Evangelischen Landeskirche Anhalts, Landessynode Dessau - April 2007)

 


"Es ist verwunderlich, dass man sich bisher die Unvermeidbarkeit des Konflikts zwischen der herrschenden Theologie und der Gemeindefrömmigkeit kaum klargemacht hat."

Pfarrer Dr. Reinhold Lindner (1971, Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, Information Nr. 45 Stuttgart III/1971, Streit in der Kirche, Seite 5)

 

"Verbindliche Glaubenssätze sind symbolisch-gleichnishaft und nicht wortwörtlich zu verstehen. Dann passen sie mit dem Wahrheitsbewusstsein zusammen."

Pfarrer Dr. Andreas Rössler (26.7.2001, Undogmatisches Christentum: ein Ideal im Konflikt mit der Wirklichkeit, IARF-Tagung in der Evangelischen Akademie Bad Boll)

 

"Der (spät)moderne Experte übt das Amt eines Priesters aus, der die Menschen mit symbolisch besetzten „Antworten“ auf das Rätsel ihres Daseins speist (vgl. hierzu: J. Hoff: Spiritualität und Sprachverlust, Paderborn u.a. 1999).

Das religiöse Zersetzungspotential derartiger „Expertenreligionen“ ist weniger offenkundig als im Falle des klassischen Atheismus.
Doch es erweist sich als umso wirkungsvoller, je mehr sich das Erscheinungsbild der alten Religion an dasjenige austauschbarer Expertenkulturen angleicht und die Kirche der Entwertung ihres „symbolischen Kapitals“ bereits aus eigenem Antrieb zuarbeitet."

Dr. Johannes Hoff (15.07.2004, Theologe, Das Verschwinden des Körpers. Eine Kritik an der „Wut des Verstehens“ in der Liturgie, Tübingen)

 

"Wir brauchen keine Elitekirchen mit abgehobenem Führungspersonal, sondern echte Seelsorge-Kirche für die Menschen."


Hendrik Wüst (Dezember 23, NRW-Ministerpräsident, Bild am Sonntag)

 


"Expertenreligionen sind typischerweise das Produkt von Eliten, die sich als Geistesaristokratie begreifen."

Prof. Dr. Jürgen Renn (2005, Wissenschaftshistoriker, Vortrag Kirchentag 2005 in Hannover)

 

"Es geht "um Religion, die nur durch das Nadelöhr der Wissenschaft zugänglich wird, freilich einer Wissenschaft, die sich nicht durch ihren jeweiligen Wissensstand, sondern durch methodische Wissenssuche definiert."

Frankfurter Allgemeine Zeitung (02.01.1996, Vermutungen über das Rätsel)

 

"Mein Großvater predigte das Evangelium Christi. Mein Vater predigte das Evangelium des Sozialismus. Ich predige das Evangelium der Wissenschaft."

Sir Richard Gregory (1952, Professor für Astronomie, ehemaliger Herausgeber von "Nature", Epitaph-Inschrift, www2.hu-berlin.de/religion/dokumente/pr181.doc)

 

"Wenn alle wissenschaftlichen Probleme gelöst sind, ist noch kein einziges Lebensproblem gelöst."

Ludwig Wittgenstein (1889 - 1951, österreichischer Philosoph)

"Gott ... als »Sprachereignis«, als die in religiöser Rede geschehende Selbsttranszendenz des Menschen. ... Gott als offene Zukunft des Menschen, Gott als Sinn seines Daseins, das wird zur schönen, aber leeren Formel"

Prof. Dr. Robert Spaemann (Januar 1969, Philosoph, Was ist das eigentlich – Gott? Band 119 - Die Bücher der Neunzehn)

 

"Das Reich Gottes besteht nicht durch die Worte, mit denen man davon erzählt, es lebt durch die Kraft Gottes."

1. Korinther 4, 20

 


"Jetzt aber, wo mit jedem Tage klarer wird, dass die Krisis der Religion … von innen, nicht von außen kommt … jetzt ist es wohl an der Zeit, die Hauptaufmerksamkeit von außen nach innen, auf den Krebsschaden im Innern unserer »Innerlichkeit«, auf die Pseudochristlichkeit und Ungeistigkeit unserer modernen Theologie und Religion zu werfen."

Prof. Dr. Emil Brunner (1928, Schweizer Theologe, Die Mystik und das Wort, »Unser Problem«. 2. Aufl., 1928, S. 12)

 

"Die historische Methode beruht auf der Voraussetzung, dass die Erforschung geschichtlicher Phänomene sachgemäß nur unter Berücksichtigung ihres Kausalzusammenhangs, ihrer Wechselbeziehungen und ihrer Analogien erfolgen kann.

Ihre Arbeitsweise folgt dem methodischen Atheismus der neuzeitlichen Wissenschaft ... Die historische Methode verweigert eine Antwort auf die religiöse Wahrheitsfrage und kann nur verschiedene Wahrheitsansprüche registrieren und miteinander vergleichen."

Prof. Dr. Gerd Lüdemann (20.09.2008, Theologe, Georg-August-Universität Göttingen, Vertrag von Staat und Kirche, Ketten des Dogmas. Frankfurter Rundschau)

 

"Unglaube ist der erste Schritt zur Philosophie."

Denis Diderot (31. Juli 1784, französischer Philosoph, Schriftsteller  und Aufklärer, Letzte Worte, https://de.wikiquote.org/wiki/Denis_Diderot)

 

"Die atheistische Theologie und ihren … in die menschliche Subjektivität eingesperrten Religionsbegriff … dass die evangelischen Fakultäten der Wahrheitsfrage ausweichen, die Gottesfrage begraben und die Religion „aus der Welt erklären“. …

Die atheistische Methode sei die einzig wissenschaftliche: „Wir wollen die Welt (mit Einschluss der Religion …) aus der Welt erklären“; d.h. „wir wollen sie erklären aus den im Weltprozess liegenden Kräften ohne Zuhilfenahme eines Gottesgedankens“. Das sei heute in allen Arbeitszweigen der Wissenschaft einzig und allein das Leitmotiv, also auch in der Theologie. …

Wer alles Geschehen, Jesu Gottessohnschaft … „aus der Welt erklärt“, der ignoriert Gott nicht, sondern negiert ihn. Die Erinnerung an Gott wird hier nicht nur zeitweilig aus dem wissenschaftlichen Denken ausgeschaltete, etwa im Interesse der Erzeugung einer reinen, echten Beobachtung, sondern endgültig ausgeschlossen.

Es wird zum wesentlichen Merkmal der Theologie, dass sie für Gott blind sei. „Die wissenschaftliche Methode“ sagt Paul Jäger, „ignorant deum, weiß nichts von ihm.“
Diese Blindheit für Gott soll natürlich nur innerhalb der wissenschaftlichen Funktion das Merkmal des Theologen sein; er hat sie nicht auch als religiöser Mensch. Der letztere behält sich seine Frömmigkeit abseits von seiner Wissenschaft vor. …

Das ist der alte, scharfzackige Dualismus, den wir von Kant, Jakobi, Schleiermacher, Fries usw. her kennen: der heidnische Kopf und das fromme Herz, die atheistische Wissenschaft und die religiöse Stimmung usw. usw. …
Der Dualismus, den er uns empfiehlt, hat folgende Form: Als Theologen erklärt ihr die Religion aus der Welt; als religiöse Menschen betrachtet ihr sie als Beziehung zu Gott; ihr habt als Theologen zu beweisen, was ihr als Christen verneint, als fromme Leute zu bejahen, was ihr als Theologen bekämpft. …

Jäger gibt uns den freundlichen Rat, „die Entschlossenheit zu haben, aus der Universität auszutreten“, da wir uns mit der atheistischen Stimmung in derselben nicht im Einklang befinden. …

Wenn es einmal wirklich dazu kommt, dass unsere Studenten das Neue Testament nur so lesen wie Homer und unsere Exegeten es erklären wie Homer mit entschlossener Ausstoßung jedes aus Gott gerichteten Gedankens, dann ist es mit den theologischen Fakultäten vorbei.


Jäger fürchtet von seiner Methode keinen Verlust: Atheistisch sei ja … nur die Methode der wissenschaftlichen Arbeit, nicht die persönliche Stellung des Arbeiters. … Wie soll Zweiseeligkeit vermieden werden, wenn in einer und derselben Persönlichkeit der Theologe und der Christ in unversöhnlichem Hader gegeneinander stehen? …


Natürlich muss auch Kant als Tröster dienen: die Wissenschaft habe es ja nur mit der „Erscheinung“ zu tun, nicht mit dem „Wesen“ … „Alles nur Phänomen!“ … vom Theologen, der den religiösen Vorgang zuerst atheistisch erklärt und hernach sagt:
„Bitte nur die Erscheinung habe ich erklärt; über das Wesen könnt ihr denken was ihr wollt“ … wenn die evangelischen Fakultäten zwar noch „Religion“ kennen, aber von keinem Gott mehr wissen, und die katholischen Kollegen es allein sind, die die Gottesfrage stellen."

Prof. Dr. Adolf Schlatter (1905, Evangelischer Theologe, Atheistische Methoden in der Theologie. Eine Auseinandersetzung über "Das atheistische Denken der neueren Theologie" von Paul Jäger, R. Brockhaus Verlag Wuppertal)

 

"Evangelisch die Bibel zu lesen bedeute, sie kritisch zu lesen."

Dr. Jochen Cornelius-Bundschuh (26.09.2007, Direktor des Predigerseminars der
Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck EKKW, ideaSpektrum 39/2007, Seite 7)

 

"Welche Bibel meinen wir denn überhaupt? Das von unserer Kritik gnädig übrig gelassene Gerippe theologischer Allgemeinplätze oder das ewig gültige Wort Gottes?"

Peter Hahne (März 2008, Theologe, Ratsmitglied der EKD [EKD - Evangelische Kirche in Deutschland], Stv. Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios Berlin, Suchet der Stadt Bestes, Werte wagen – für Politik und Gesellschaft. Johannis, S. 17)


"Wir wären schon einen riesigen Schritt weiter, wenn wir uns darauf verständigen könnten, dass wir es in der Bibel nicht nur mit Menschen, sondern auch mit Gott zu tun haben"

Prof. Dr. mult. Thomas Schirrmacher (08.06.2007, Ev. Theologe, 2021 bis 2024 Generalsekretär der Weltweiten Evangelischen Allianz, Deutscher Evangelischer Kirchentag in Köln)


 

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Prof. Dr. mult. Thomas Schirrmacher (links) u. António Guterres (2022)

Thomas Schirrmacher and António Guterres 2022Religionssoziologe lizenziert CC BY-SA 4.0.

 

 


"Wenn aber die Heilige Schrift nicht als Wort Gottes erkannt wird, dann rückt unweigerlich die jeweilige Situation und - nicht zu vergessen - die Autorität der Ausleger an die Stelle des Wortes Gottes."

Prof. Dr. Reinhard Slenczka (April 1994, Theologe, Die Autorität der Heiligen Schrift - Grund und Grenze kirchlicher Vollmacht, Vortrag beim Theologischen Konvent der Konferenz Bekennender Gemeinschaften in Erfurt)

"Nicht der hat Religion, der an eine heilige Schrift glaubt, sondern der, welcher keiner bedarf und wohl selbst eine machen könnte."

Prof. Friedrich Schleiermacher  (1799, Theologe, Klassiker neuzeitlicher Religionstheorie, Über die Religion. Reden an die Gebildeten unter ihren Verächtern)

"Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne."

Immanuel Kant (1788, Philosoph, Kritik der praktischen Vernunft: § 7 Grundgesetz der reinen praktischen Vernunft, S. 54)

 

"Immer mehr zu werden, was ich bin, das ist mein einziger Wille."

Friedrich Schleiermacher (1800, Theologe, Monologe)

 

"Ich glaube an die unendliche Menschheit, die da war, ehe sie die Hülle der Männlichkeit und der Weiblichkeit annahm."

Friedrich Schleiermacher (1800, Theologe, Idee zu einem Katechismus der Vernunft für edle Frauen)

"Gott war mein erster Gedanke,

die Vernunft mein zweiter,
der Mensch mein dritter und letzter Gedanke."

Dr. Ludwig Feuerbach (1841, Philosoph, Das Wesen des Christentums)


"Und wünsche nur, dass ich die... Aufgabe nicht verfehlt habe, ...

Sie aus Gottesfreunden zu Menschenfreunden,
aus Gläubigen zu Denkern,
aus Betern zu Arbeitern,
aus Kandidaten des Jenseits zu Studenten des Diesseits,
aus Christen, welche ihrem eigenen Bekenntnis und Geständnis zufolge‚

halb Tier, halb Engel sind,
zu Menschen, zu ganzen Menschen zu machen."

Dr. Ludwig Feuerbach (1848, Philosoph, Vorlesungen über das Wesen der Religion)

"Der Mensch ist der Anfang der Religion, der Mensch der Mittelpunkt der Religion, der Mensch das Ende der Religion."

Dr. Ludwig Feuerbach (1841, Philosoph, Das Wesen des Christentums)

 

"Der Mensch soll das Christentum aufgeben, dann erst wird er Mensch."

Dr. Ludwig Feuerbach (1804-1872, Philosoph)

"Der Mensch schuf Gott nach seinem Bilde."
 

Dr. Ludwig Feuerbach (Projektionstheorie)

 

"Die Kritik der Religion endet mit der Lehre, dass der Mensch das höchste Wesen für den Menschen sei"

Dr. Karl Marx (1844, Philosoph u. Theoretiker des Sozialismus und Kommunismus, Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Einleitung, MEW 1, 385)

 

"Am Ende steht der Mensch, der Gott für tot und die Wahrheit für abgeschafft erklärt hat, am Abgrund der Absurdität, zur Maschine degeneriert, funktioniere diese nun mechanisch oder biologisch."

Hans-Joerg Naumer (17. Dez. 2002, Die Kulturkritik der besonderen Art)

 


"Der moderne Mensch und die moderne Theologie gelangten durch ihren Versuch, allein vom Menschen auszugehen, an denselben Punkt wie der brillante deutsche Philosoph Friedrich Nietzsche. In den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts behauptete er als erster im »modernen« Sinne, dass Gott tot sei, und er hatte sehr wohl verstanden, wo es die Menschen hinbringt, wenn sie dies sagen.

Wenn Gott tot ist, dann ist alles tot, für das Gott eine Antwort bedeutet oder dem Gott einen Sinn gibt. … Ohne den unendlich-persönlichen Gott kann der Mensch - Nietzsche weist darauf hin - nur noch »Systeme« konstruieren. …

Der Mensch kann irgendein Gebäude errichten, irgendeinen Rahmen abstecken, in welchem er lebt, sich völlig abkapselt und nicht darüber hinausschaut. ... Oder ein Wissenschaftler mag sich auf irgendein kleines Problem konzentrieren, damit er nicht an eine der großen Fragen denken muss … Oder es kann ebenso gut ein theologisches Spiel mit Wörtern innerhalb des Rahmens der existentialistischen Methodologie sein.

Zu diesem Punkt also kam der auf sich selbst bauende Mensch, und an diesem Punkt befindet er sich immer noch. ...

Paul Tillich (1886-1965) ... war einer der herausragenden neo-orthodoxen Theologen. Ein Student berichtete mir, dass Tillich, als er in Santa Barbara, Kalifornien, kurz vor seinem Tod gefragt wurde, ob er bete, geantwortet hat: »Nein, aber ich meditiere.«

Ihm blieb lediglich die Vokabel Gott, ohne die Gewissheit, ob es mehr gibt als nur diese Vokabel, oder ob dieses Wort mehr beinhaltet als nur den pantheistischen Pan-all-ismus. Die »Gott-ist-tot-Theologie«, die auf Tillich folgte, schloss folgerichtig, dass, wenn uns lediglich die Vokabel Gott bleibt, es keinen Grund gibt, weshalb wir nicht dieses Wort selbst durchstreichen sollten.

Für viele liberale Theologen (selbst wenn sie nicht behaupten, Gott sei tot) sind gewisse andere Dinge tot. Da sie die Tatsache ablehnen, dass Gott in der Bibel und durch die Offenbarung in Jesus Christus dem Menschen Wahrheiten mitgeteilt hat, die in klaren Sätzen ausgedrückt werden können, ist der Inhalt des Begriffes »Gott« tot und jegliches Wissen um die Existenz eines persönlichen Gottes ebenfalls.

Man hat damit nur noch religiöse Begriffe ohne Inhalt und die Gefühle, die durch gewisse religiöse Wörter hervorgerufen werden. Das ist alles."

Dr. theol. h.c, Dr. h.c., Dr. h.c. Francis A. Schaeffer (1983, Theologe, Wie können wir denn leben? 3. Aufl. Hänssler 1991, S. 176, 178-179)
 


Guido Kalberer: Die Wiederkehr der Religionen heute muss ein Schock für einen Religionskritiker wie Sie sein. 

Dr. Michael Schmidt-Salomon: Nicht unbedingt, ich habe diese Entwicklung schon Anfang der Neunzigerjahre prognostiziert. Es war ersichtlich, dass die Säkularisierung kein linearer, sondern ein ambivalenter Prozess ist. Es gibt also nicht nur einen Trend weg von der Religion, sondern auch eine Bewegung hin zur Religion. 

In Westeuropa ist der Säkularisierungstrend allerdings stärker: Eine Umfrage in Deutschland zum Beispiel ergab, dass nur noch 23 Prozent der evangelischen Kirchenmitglieder an einen personalen Gott glauben – was immerhin eine Grundvoraussetzung dafür ist, um sich redlicherweise als Christ bezeichnen zu können. …
Die meisten Kirchenmitglieder sind bei genauerer Betrachtung Schein-Mitglieder, genauer gesagt: Taufschein-Mitglieder. Man hat sie als Säuglinge getauft, weshalb man sie religiösen Institutionen zurechnet. …

Kalberer: Wie ordnen Sie die Gläubigen ein, die wieder selbstbewusster zu ihrer Religion stehen?

Schmidt-Salomon: Parallel zum Säkularisierungstrend gibt es einen Trend zur Verschärfung religiöser Bekenntnisse. Entweder werden die Menschen konsequenter religiös oder konsequenter areligiös. Das erklärt, warum der aufgeklärte Protestantismus an Bedeutung verliert, während die evangelikalen Kirchen zulegen. 

Die akademische Theologie hat ihre Pointen verloren. Die Erlösungstat Jesu ist ohne Voraussetzung von Hölle und Teufel so packend wie ein Elfmeterschiessen ohne gegnerische Mannschaft. Wenn der Teufel zum Spiel gar nicht mehr antritt, wird die biblische Erzählung belanglos. 
Übrig bleibt ein «religiöser Dialekt», der fromm klingt, es aber nicht mehr so meint. Menschen, die wirklich glauben wollen, befriedigt das nicht. …

Der aufgeklärte Glaube verliert seine Funktion als Vermittlungsinstanz zwischen konsequentem Säkularismus und religiösem Fundamentalismus. Das ist, wie es scheint, ein unaufhaltsamer Prozess, den man nicht ignorieren sollte. …
Wir haben eine lasche Toleranz entwickelt, ein Beliebigkeitsdenken, dem alles gleichermaßen gültig erscheint. Erst langsam beginnen wir zu erkennen: Wer für alles offen ist, ist nicht ganz dicht! …

Kalberer: Sehen Sie sich eigentlich als Atheisten? 

Schmidt-Salomon: Kommt darauf an, was man unter dem Begriff versteht. Ich empfinde es zum Beispiel nicht als kritikwürdig, wenn jemand sagt, er glaube an einen «unvorstellbaren Gott». Unvorstellbares kann existieren oder nicht – wie sollte man darüber vernünftig urteilen können? …
Vielleicht kann man es so zusammenfassen: Ich bin Agnostiker, zurückhaltend gegenüber dem «unvorstellbaren Gott» der Mystiker – und Atheist gegenüber dem «vorgestellten Gott» der Religionen. … 

Die Evolutionstheorie führt zu der Erkenntnis, dass wir Menschen eine ungeplante, vorübergehende Randerscheinung in einem sinnleeren Universum sind. Die religiöse Vorstellung, dass das ganze Universum für uns mühsam aufrecht gehende Primaten erschaffen wurde, lässt sich nur als Ausdruck eines kolossalen Größenwahnes bezeichnen. 

Alles deutet doch darauf hin, dass es nicht so war, dass «Gott» den Menschen nach seinem Ebenbilde erschuf, sondern dass wir uns unsere Götter nach unseren Ebenbildern erschaffen haben. …

In Anlehnung an Schleiermacher verstehe ich Mystik als «Sinn und Geschmack für das Unendliche». Wenn wir nachts in den Sternenhimmel schauen, bekommen wir einen Eindruck davon, wie unermesslich klein dieses Staubkorn im Weltall ist, das sich Erde nennt, und wie kurzlebig die biologische Gattung, der wir angehören. …

Unser «Ich», das uns so ungemein bedeutsam erscheint, ist in Wahrheit nur ein virtuelles Theaterstück, das von einem blumenkohlförmigen Organ in unserem Schädel inszeniert wird. Diese wissenschaftliche Perspektive ist anschlussfähig an christliche Mystiker wie Meister Eckart, an Vertreter des ZenBuddhismus, des Sufismus im Islam oder des Advaita-Hinduismus. …

Wir … glauben nicht mehr an ein Selbst, das als «unbewegter Beweger» durch die Welt geistert. Daraus lässt sich eine entspanntere Weltsicht ableiten. 
Kurz gefasst: Wer von seinem Selbst lassen kann, entwickelt ein gelasseneres Selbst. Und wer sich nicht mehr schuldig fühlen muss, der zu sein, der er ist, kann leichter daran arbeiten, der zu werden, der er sein könnte. 
Das sind Kernsätze meiner «gottlosen», humanistischen Philosophie. Ähnliche Gedanken findet man schon bei religiösen Mystikern – eine Parallele, die mich immer wieder fasziniert."

Dr. Michael Schmidt-Salomon (28.12.2010, Philosoph, Autor u. Mitbegründer / Vorstandssprecher Giordano-Bruno-Stiftung, «Wer für alles offen ist, ist nicht ganz dicht» Grosse Fragen zum Jahreswechsel: Religionskritiker Michael Schmidt-Salomon über Light-Christen, abgewürgte Aufklärung im Islam und übertriebene Toleranz, Tages-Anzeiger Zürich)

 


"Für mich gilt der alte Satz der Atheisten: Gott existiert nicht, aber ich vermisse ihn sehr."

Dr. Paul Verhoeven (13. April 2009, 1964 Promotion in Mathematik und Physik, niederländischer Filmregisseur, Drehbuchautor und Filmproduzent, Ich protestiere gegen die Schöpfung, Frankfurter Allgemeine Zeitung, www.faz.net)


"Sie glauben also fest daran, dass Gott nicht existiert. Sehen Sie, ich dagegen bin Skeptiker. Ich glaube nicht einmal das."

Dekan Rheinhold Föckersperger (2007, Dipl.-Theol., Pfarrgemeinde St. Johannes, Erding, DER SPIEGEL Nr.23/4.6.07, Seite 6)


"Und dann beginnt man auch bei Feuerbach zu zweifeln, ob er nicht in Wirklichkeit bloß ein von den Christen enttäuschter Christ ist. Der Urvater des Atheismus redet den Christen – zu Recht – ins christliche Gewissen: 

»Die wahren Atheisten sind die heutigen Christen, die behaupten, an Gott zu glauben, aber genau so leben, als ob er nicht existiere; diese Christen glauben nicht mehr an die Güte, die Gerechtigkeit, die Liebe, d.h. alles, was Gott definiert; diese Christen, die nicht mehr an das Wunder, sondern an die Technologie glauben, die mehr Vertrauen in die Lebensversicherungen setzen als ins Gebet; die angesichts des Elends nicht mehr im Gebet Zuflucht suchen, sondern beim Vorsorgestaat.« 

Nicht weniger als anonymen Atheismus wirft Feuerbach also den Christen vor. Er freut sich nicht darüber, wie er eigentlich müsste, er wirft es ihnen tatsächlich vor. Doch warum? War Ludwig Feuerbach, der ursprünglich Theologie studieren wollte, in Wirklichkeit ein an seinem Idealismus verzweifelter »anonymer Christ«?"

Dr. med. Dipl. theol. Manfred Lütz (21. September 2007, Psychiater u. kath. Theologe, Gott. Eine kleine Geschichte des Größten. Pattloch; 6. Edition, S. 231)

 


 

Manfred_Lütz

Dr. med. Dipl. theol. Manfred Lütz (2015)

Manfred Lütz (16749546356)“ von Christliches Medienmagazin pro ist lizenziert unter CC BY-SA 2.0.

"Das Problem des Fundamentalismus besteht vor allem darin, dass er seinem Wesen nach eine Theorie intellektueller Verstocktheit ist und dem Aberglauben näher steht als der Theologie.

Der Fundamentalismus ist, wenn es um die Bibel geht, unbelehrbar, dialogunfähig und scheidet schon deshalb als ernsthafter Gesprächspartner für den alle paar Jahre in unseren Kreisen aufbrechenden Streit um das Schriftverständnis aus. …

Wo immer man auch anfängt, konkreter und ernsthaft über das fundamentalistische Verständnis biblischer Inspiration nachzudenken, wird der ganze Unfug dieser Theorie nur umso deutlicher und absurder, die keinen anderen Zweck hat, als sich gegen kritische Anfragen von vornherein zu immunisieren und sich in ein ideologisches Nirwana zu verabschieden. Eine Art Wahabismus des Christentums. …

Denn den Vater Jesu Christi für alles Morden und jede Bosheit verantwortlich zu machen, die in seinem Namen in der Bibel geschahen, hieße einen [Auslassung Insultation] zu verehren … So sind etwa die im Zusammenhang der „Landnahme" durch die Israeliten vollzogenen Vernichtungsorgien an den Kanaanäern (Jos 1-11) - gottlob - gar nicht geschehen. …

Auch die Überlieferungen der Erzväter Abraham, Isaak und Jakob, die kaum wirklich miteinander „verwandt" waren oder auch nur denselben Gott verehrten, verweisen historisch nicht auf die Zeit vor der Staatsgründung. …

Es kann noch nicht einmal als gesichert gelten, dass der salomonische Tempel wirklich dem Gott [Auslassung Gottesnamen] geweiht war. Vieles spricht dagegen, etwa die durchgängig El- oder Baalhaltigen Namen in Israel während [Auslassung Gottesnamen], der ursprünglich wohl ein midianitischer Kriegs- und Wettergott war, wurden nun auch die Eigenschaften aller anderen und einst neben [Auslassung Gottesnamen] verehrten Götter, zugeschrieben. …

So hat die Religionsgeschichte eine die Gewissen entlastende Funktion, indem sie religiöse Vorstellungen der Bibel kontextualisiert und damit auch relativiert. Ohne solche notwendigen Relativierungen wird der Glaube Ideologien aller Art empfänglich sein.

Darum dürfen wir als Theologinnen und Theologen die Bibel nicht allein den theologischen Laien überlassen, deren manchmal schlichte Schrifterkenntnis einer Ideologisierung der Bibel Tür und Tor öffnen und in die Tyrannis der Unkundigen münden kann."

Prof. Dr. theol. Kim Strübind (Mai 2008, Lehrstuhlverwalter Altes Testament - Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, 1999 – 2002 Mitglied der Kirchenleitung des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland BEFG, Warum die Bibel (nicht immer) Recht hat. Auf dem Weg zu einem „Schriftverständnis“ zwischen Fundamentalismus und Religionsgeschichte, Zeitschrift für Theologie und Gemeinde (ZThG) − 13. Jahrgang 2008, Verlag der GFTP e.V., Hamburg, S. 32–44)

 


zeitzeichen: "Die historisch-kritische Methode macht aber auch alles sehr kompliziert. ... Kann ein Laie überhaupt noch ohne Anleitung durch einen Theologen oder die Benutzung eines wissenschaftlichen Diskussions die Bibel lesen?"

Peter Steinacker: "Lesen und Verstehen ist immer ein komplexer Vorgang. Deshalb sollten sich Bibelleser nicht von uns Theologen abschrecken lassen, unbefangen mit der Bibel umzugehen. Der Heilige Geist kann ihnen die Wahrheit erschließen."

zeitzeichen: "Das heißt, es gibt auch heute noch ein unmittelbares Verstehen der Bibel?"

Peter Steinacker: "Verstehen ist immer vermittelt. Aber es gibt einen legitimen, nichtwissenschaftlichen Zugang zur Bibel."

Kirchenpräsident Prof. Dr. Peter Steinacker (November 2005, Prof. Dr. Peter Steinacker ist seit 1993 Kirchenpräsident der Evangelischen Kirchen in Hessen und Nassau. Interview: "zeitzeichen", Berlin)

Franziskus

Audienz bei Papst Franziskus (2017)

Audienz bei Papst Franziskus“ von specialolympics2017 ist markiert mit CC0 1.0.

 


"Du kannst fünf Abschlüsse in Theologie haben, aber trotzdem den Geist Gottes nicht haben. Vielleicht bist du ein großer Theologe, aber kein Christ, denn du hast den Geist Gottes nicht. …

Oft finden wir uns unter Gläubigen, alten und einfachen Menschen, die vielleicht nicht einmal die Grundschule beendet haben, aber die darüber besser sprechen können als ein Theologe, weil sie den Geist Christi haben.

Das müssen auch wir uns erbitten. Herr, gib uns eine christliche Identität, die, die auch du gehabt hast. Schenke uns deinen Geist. Schenk uns deine Weise des Denkens, des Hörens, des Sprechens: Schenk uns die Salbung des Heiligen Geistes."

Dr. Jorge Mario Bergoglio / Papst Franziskus (2. September 2014, Chemietechniker u. katholischer Theologe, Papstmesse: Es zählt der Geist, nicht der Theologieabschluss, Radio Vatikan)

 


"Eine mündige Gemeinde sollte sich nicht amtskirchlich bevormunden lassen."

"Parzany wendet sich gegen die Entmündigung der Laien in der Kirche, denen von Hauptamtlichen vorgegeben werde, wie sie die Bibel bibelkritisch zu verstehen hätten."

Pfarrer Ulrich Parzany / idea (2005, Theologe, Reformationsfeier Pforzheim, idea.de)

 

"In ihrem Bemühen, die ideale Ordnung der Urgemeinde wiederherzustellen, erweisen sich Fundamentalisten als Reformatoren religiöser Praktiken und Autoritätsstrukturen. Gestützt auf eine bemerkenswerte Mobilisierung religiöser Laien bildet sich eine neue Schicht von Predigern und Geistlichen heraus. ...

Max Weber hat einst den religiösen Laienrationalismus als ein zentrales Element in Prozessen ethischer Rationalisierung identifiziert. Wenn er Recht hat, dann könnte die Mobilisierung religiöser Laien den interessantesten und auf Dauer kulturell folgenschwersten Aspekt der fundamentalistischen Erneuerung der Religionen darstellen."

Prof. Dr. Martin Riesebrodt (1. Dezember 2003, Soziologe, Martin Riesebrodt: Die fundamentalistische Erneuerung der Moderne - Fundamentalismus als Mobilisierung religiöser Laien, in: Kilian Kindelberger (Hrsg.): Fundamentalismus. Politisierte Religionen. Brandenburgische Landeszentrale für Politische Bildung, Potsdam 2004, S. 22 f.)

 


"Das Urchristentum hat seine Lehre auch nicht „demokratisiert", sondern die Verantwortung dafür Aposteln, Propheten und Lehrern übertragen, was eine frühe Spezialisierung in den Gemeinden voraussetzt. …

Älteste gerieren sich gerne als „religiöse Experten" der Gemeinde, auch wenn sie es de facto nicht sind, und den Pastorinnen und Pastoren sowohl hinsichtlich ihrer theologischen Kompetenz als auch ihrer pastoralen Berufserfahrung in professioneller Hinsicht gar nicht ebenbürtig sein können - dies betrifft besonders Fragen der Lehre und der Auslegung der kirchlichen oder gemeindlichen Traditionen.

Hinter der hybriden Annahme, Älteste seien eine Art Pastorinnen und Pastoren „nur ohne theologische Ausbildung", verdeckt eher die Probleme, als sie zu lösen. Hinter einer solchen Annahme verbirgt sich der Stolz einer Laienkirche, die das theologische und seelsorgerliche Amt und die dafür erforderliche Professionalität traditionell unterschätzt. …

Für Fundamentalisten ist die Bibel nicht geschrieben, sondern für Menschen, die sich nach Immanuel Kant nicht scheuen, „sich ihres Verstandes ohne Hilfe (oder besser: Bevormundung) anderer zu bedienen"."

Prof. Dr. theol. Kim Strübind (Mai 2008, Lehrstuhlverwalter Altes Testament - Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Warum die Bibel (nicht immer) Recht hat. Auf dem Weg zu einem „Schriftverständnis“ zwischen Fundamentalismus und Religionsgeschichte, Zeitschrift für Theologie und Gemeinde (ZThG) − 13. Jahrgang 2008, Verlag der GFTP e.V., Hamburg, S. 32–44)

 

Wenn du jemanden als Fundamentalisten bezeichnest, brandmarkst du ihn. „Die sind nicht zurechnungsfähig. Die sind nicht integrierbar. Jedes Gespräch ist sinnlos. 

Prof. Dr. Thorsten Dietz (7. April 2022, Ev. Theologe, bis 2022 Professor für Systematische Theologie an der Ev. Hochschule Tabor, Privatdozent Universität Marburg, Fokus Theologie Reformierten Kirche Kanton Zürich/Schweiz, Worthaus Referent, Menschen mit Mission: Eine Landkarte der evangelikalen Welt,  SCM R.Brockhaus; 1. Edition 2022, S. 239)

 


"Der Baptistenpastor Dr. Kim Strübind … bezeichnete manche angeblich bibeltreue Überzeugungen als »kollektive Verdummung«."

portal-oncken.de (7. Oktober 2005, Jahrestreffen der Gesellschaft für Freikirchliche Theologie und Publizistik (GFTP) in Berlin, Was heißt heute bibeltreu? Freikirchliche Theologen gegen »kollektive Verdummung«. www.portal-oncken.de/news/newsarchiv.php?lfdnr=1582, Stand 7. Oktober 2005)

 


"Fundamentalistische Christen ... Wir können über diese Menschen lachen, aber wir sollten sie nicht abweisen. Dass ihr Glaube schwachsinnig ist, bedeutet nicht, dass sie eine Randerscheinung sind."

Schulbuch Crossover 2 - Englischbuch 12./13. Schuljahr (Februar 2009, Schulbuch Crossover 2 - The New Edition 12./13. Schuljahr, Band 2, Berlin: Schulbuchverlag Cornelsen, 1. Auflage, 2009)

 


"Ziehen Sie also mit mir in die letzte Schlacht zwischen Intelligenz und Dummheit." 

William „Bill“ Maher (März 2009, Schauspieler, Schriftsteller und Fernsehproduzent, Bill Maher über Religulous. Religulous – man wird doch wohl Fragen dürfen. religulous.centralfilm.de)

 


"Vieles an der biblischen Überlieferung ist heute wunderlich und geradezu peinlich. Wir brauchen nur ... an die strikte Verurteilung homosexueller Praktiken, an die legendären Ausschmückungen der Weihnachts-, Oster- oder Himmelfahrtsgeschichten, an die vorwissenschaftlichen Schöpfungserzählungen, an Brutalitäten und Menschenrechtsverletzungen im Namen Gottes (z. B. bei der „Landnahme“) und die schier unüberwindliche Schwierigkeit, biblische Erzählungen und historische Ereignisse in Einklang zu bringen.

Eine Kirche die heute „aggiornamento“ sagt, muss deshalb Antwort geben können, ob und wie biblische Verankerung und moderne Wissenschaft in Übereinstimmung gedacht werden können.

Es ist doch kein Zufall, dass heute (!) besonders in bibelfesten und sogenannten „bibeltreuen“ Kreisen der Kampf gegen Evolutionstheorie, Frauenemanzipation und Bibelwissenschaft wieder so heftig entbrannt ist. … Der Weg des Fundamentalismus scheidet aus!"

Pastor Dr. theol. Dietmar Lütz (Mai 2008, Pastor Oncken-Gemeinde Hamburg, 1996 - 2006 Freikirchen-Referent und Geschäftsführer des Ökumenischen Rates Berlin-Brandenburg, 2000 – 2007 Beauftragter der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) am Sitz der Bundesregierung, "Aggiornamento" − Aufbruch ins Heute. Kirche im 21. Jahrhundert, Zeitschrift für Theologie und Gemeinde (ZThG) − 13. Jahrgang 2008, Verlag der GFTP e.V., Hamburg)

Kirche

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Da kam Jesus in die Gegend von Cäsarea Philippi und fragte seine Jünger und sprach: 
"Wer sagen die Leute, dass der Menschensohn sei?" 

Matthäus 16, 13

 


"Galiläischer Wanderprediger und Wunderarzt"

Prof. Dr. Rudolf Otto (1934, Theologe u. Religionswissenschaftler, Reich Gottes und Menschensohn, 3. Aufl. 1954 - 1934, Seite 5)

 


"Der Wanderprediger Jesus von Nazareth"

Bischof Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber (Juli 2010, 2003 - 2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD, Vernunft des Glaubens, Cicero 7/2010, Seite 62)

 


"Einzig unermesslich großen Menschen"

Prof. Dr. Albert Schweitzer (1906, Theologe, Philosoph u. Arzt, 1952 Friedensnobelpreis, Geschichte der Leben-Jesu-Forschung)

 


"Ich persönlich bin der Meinung, dass Jesus sich nicht für den Messias gehalten hat"

Prof. Dr. Rudolf Bultmann (1926, Ev. Theologe, "Jesus", Nachdruck 1988, Seite 12)

 


"Wer sich ein Bild vom historischen Jesus machen will, findet alles, und auch das Gegenteil, und alles ist angeblich irgendwie wissenschaftlich abgesichert. ...

Dazwischen tummeln sich jene, die schwer verständlich drumherumreden und eine Art Prediger-Konsens produzieren, der sich auf den Nenner bringen lässt: Gott ist Liebe, und darum meint er es gut mit uns Menschen, aber er kann nicht viel für uns tun. ...

Es hat keinen Sinn, das Unglaubliche so lange umzudeuten, bis wir es wieder glauben können. Es ist dann einfacher zu sagen: Ich kann es nicht glauben, was da geschrieben steht."

Christian Nürnberger (November 2007, Journalist - "Atheistisch an Gott glauben", Jesus für Zweifler)

 


"Der Christus, der verkündigt wird, ist nicht der historische Jesus, sondern der Christus des Glaubens und des Kultes. ... Das Christuskerygma ist also Kultuslegende, und die Evangelien sind erweiterte Kultuslegenden."

Prof. Dr. Rudolf Bultmann (1921, Die Geschichte der synoptischen Tradition. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 8.Aufl. 1970 2. Aufl. 1931, S. 395) 

 


"Die urchristliche Gemeinde hat Jesus "Worte in den Mund gelegt, die er nicht gesprochen hat, und Taten von ihm berichtet, die er nicht getan hat"

Dr. theol. Heinz Zahrnt (1971 bis 1973 Präsident des Evangelischen Kirchentags, 25 Jahre theologischer Chefredakteur des "Deutschen Allgemeinen Sonntagsblatts",  Es begann mit Jesus von Nazareth, 3. Aufl. 1967, S.67)

 


"Die Formel 'Christus ist Gott' ist falsch in jedem Sinn, in dem Gott als eine objektivierbare Größe verstanden wird, mag sie nun arianisch oder nizäisch orthodox oder liberal verstanden sein."

Prof. Dr. Rudolf Bultmann (1954, Ev. Theologe, Glauben und Verstehen (GuV). Gesammelte Aufsätze, Band 2, Tübingen 1958, S. 258)

 


"Kann die christliche Verkündigung dem Menschen heute zumuten, das mythische Weltbild als wahr anzuerkennen?

Das ist sinnlos und unmöglich. Sinnlos; denn das mythische Weltbild ist als solches gar nichts spezifisch Christliches, sondern es ist einfach das Weltbild einer vergangenen Zeit, das noch nicht durch wissenschaftliches Denken geformt ist."

Prof. Dr. Rudolf Bultmann (1941, Ev. Theologe, Neues Testament und Mythologie. Das Problem der Entmythologisierung der neutestamentlichen Verkündigung, München: Kaiser 3. Aufl. 1988, Seite 14)

 


"Für den Menschen von heute sind das mythologische Weltbild, die Vorstellung vom Ende, vom Erlöser und der Erlösung vergangen und erledigt."

Prof. Dr. Rudolf Bultmann (1965, Glauben und Verstehen: gesammelte Aufsätze, Band 4. J.C.B. Mohr (Paul Siebeck) Verlag Tübingen, 4. Aufl. 1984, Seite 144-145)

 


"Die Schriftbeweise des Neuen Testamentes müssen fallen, nicht erst auf Grund rationaler historischer Kritik"

Prof. Dr. Rudolf Bultmann (1930, Ev. Theologe, Die Bedeutung des Alten Testaments für den christlichen Glauben, Glauben und Verstehen (GuV). Gesammelte Aufsätze, Band 1, 9. Aufl. Tübingen 1993, Seite 335)

 


"Die Kirche lebt praktisch davon, dass die Ergebnisse der wissenschaftlichen Leben-Jesu-Forschung in ihr nicht publik sind."

Prof. Dr. Hans Conzelmann (1959, Neutestamentler, "Zeitschrift für Theologie und Kirche", Jahrgang 56, 1959, Beiheft 1)

 


"Die Bibel gilt den christlichen Kirchen als die Heilige Schrift. Doch was heißt heilig? Welches Schriftverständnis entspricht dem Konzept „Heilige Schrift“? Achtet etwa so genannte „bibeltreue“ Auslegung per definitionem die Bibel als heilig? Missachtet liberale Auslegung die Heiligkeit? Oder kann gerade gut gemeinte „Bibeltreue“ die Schrift entheiligen? ...

Gegen die Angriffe des Rationalismus auf die Bibel versuchten Theologen die Bibel durch Bekenntnisse zu verteidigen. ... Die Bibel ist eben auch durch diese „fundamentalistischen“ Bekenntnisse entheiligt worden. Es kann hier leider nicht analysiert werden, welch großen Schaden dieser Zugang in der Kirche angerichtet hat."

 

Prof. Dr. Peter Wick (2002, Theologe, Evangelisch- Theologische Fakultät der Ruhr- Universität Bochum, Worthaus Referent, Die Bibel als Heilige Schrift auslegen und übersetzen, bibeluebersetzungen.ch/fisch/pwick.pdf)

 

 


 

Christopher_Hitchens

Christopher Hitchens (2007)

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Pastorin Dr. Marilyn Sewell zu Christopher Hitchens: "Die Religion, die sie in ihrem Buch [2007, Der Herr ist kein Hirte, Wie Religion die Welt vergiftet] zitieren, ist im Allgemeinen der fundamentalistische Glaube in seinen verschiedenen Formen. Ich bin ein liberaler Christ und ich glaube nicht wörtlich an die Geschichten der Schrift. Ich glaube nicht an die Lehre des Sühnopfers Christi (zum Beispiel, dass Jesus für unsere Sünden starb). Machen sie irgendeinen Unterschied zwischen fundamentalistischem Glauben und liberaler Religion?"

Christopher Hitchens: "Ich würde sagen, wenn sie nicht glauben, dass Jesus von Nazareth der Christus und Messias war und dass er von den Toten auferstand und dass durch sein Opfer unsere Sünden vergeben sind, sind sie in keiner sinnvollen Weise ein Christ."

Portland Monthly (Januar 2010, Monthly City Magazines,  Interview: Questions of Faith, portlandmonthlymag.com)


"Erlauben Sie aber, Ihnen zu sagen, dass unsere jetzige Religionen der Religion Christi so wenig gleichen, wie der Irokeseschen. … ist einem Christen des ersten gar nicht mehr ähnlich."

Friedrich der Große (23. Oktober 1770, König von Preußen, Briefwechsel mit Jean le Rond d'Alembert, einem Universalgelehrten und Verfechter der Aufklärung, Paris, Œuvres de Frédéric le Grand - Werke Friedrichs d. Großen, Digitale Ausgabe Universitätsbibliothek Trier)

 


"Es ist jedermanns gutes Recht, sich eine Religion zusammenzubrauen, in der eigene Ideen, Wünsche und Meinungen sowie ein selbst komponiertes Gemisch verschiedenster religiöser Aussagen … eingebracht werden. Niemand kann diesen Menschen auch verwehren, sich passende Versatzstücke der Bibel einzuverleiben.

Nur mit Glauben an den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs und Vertrauen in die einzig zu diesem Gott führende Erlösungstat durch den Sohn Gottes, Jesus Christus, hat das nicht mehr auch nur das Geringste zu tun. Hier sind ganz separate, neue Religionen erdacht worden. So „christlich“ sich das auch immer nennen … mag."

Martin C.R. Krüger (26. Mai 2005, Prüfet alles, das Gute haltet fest, BoD, S. 39)

"Das liberale Christentum hat nicht nur Kritik an der Religion geübt, es hat die Religion aufgelöst."

Prof. Dr. Paul Tillich (1942, Theologe und Religionsphilosoph, Prinzipien des Protestantismus, Our Protestant Principles. In: The Protestant Vol.4, No.7, New York 1942, S.10-11, u. P. Tillich, Gesammelte Werke VII: Der Protestantismus als Kritik und Gestaltung. Schriften zur Theologie I, Stuttgart 1962, S.133-140)

 


"Gott existiert nicht."

Prof. Dr. Paul Tillich (1951, Theologe und Religionsphilosoph, Systematische Theologie I, hrsg. v. Christian Danz, de Gruyter, Berlin / Boston 9. Aufl. 2017, Seite 239)



Ohne-Gott

Handschrift Altgriechisch ἄθεος átheos, deutsch ‚ohne Gott‘

Handschrift des Briefes des Apostels Paulus an die Epheser (Papyrus 46) Epheser 2,12. de.wikipedia.org/wiki/Atheismus

"Selig ohne Gott … Wir erleben einen Übergang von der Religion zur Religiosität."

Prof. Dr. Ulrich Beck (26.11.2009, Soziologe, Selig ohne Gott, stern Nr. 49, S. 60)

 


"Nicht der Anschluss an fundamentalistische Wahrheiten, sondern eine aufgeklärte religiöse Identität ist das Ziel." 

Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber (09. Juni 2004, 2003 - 2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, Religion und Politik in Deutschland und den USA - ein Vergleich, Atlantikbrücke in Berlin)


"Man sollte sich angewöhnen, zwischen gläubig und religiös zu unterscheiden.

Wer gläubig ist, glaubt an ... Jesu... in der Grippen und am Kreuz, an die Auferstehung und die Unbefleckte Empfängnis Mariens. Das ist ein echter Märchenwald.

Ein religiöser Mensch hält es mit Kant, Goethe, Schiller: Er hält fest an Gott, der Unsterblichkeit und der Glückseligkeit."

Prof. Dr. Erwin Leibfried (04.06.2007, Institut für Neuere Deutsche Literatur, Justus-Liebig-Universität Giessen, DER SPIEGEL Nr.23/4.6.07, Seite 6)

 

"In der philosophischen Tradition wurde vorrangig die Vorstellung von der Unsterblichkeit der Seele verhandelt. Kant zählt deshalb die Unsterblichkeit – neben Gott und der Freiheit – zu den großen Themen der Metaphysik. ...

Wenn ein Theologe sich mit Kant beschäftigt, dann bejaht er das Ziel: die Frage nach Gott mit der Klarheit der Vernunft zu verbinden."

Bischof Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber (12.02.2004, 2003-2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD, 1994-2009 Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Unsterblichkeit und Würde. Kant zu Ehren, St. Michaelis zu Hamburg auf Einladung der Patriotischen Gesellschaft von 1765 und der ZEIT-Stiftung)

 


"Das Argument des EKD-Ratsvorsitzenden [Wolfgang Huber], der Philosoph [Immanuel Kant] habe Vernunft und Glauben nicht auseinander gerissen, sondern einen Weg dazu gebahnt „dass der Gottesgedanke auch vor dem Forum der philosophischen Vernunft Bestand haben könne“ unterschlage, dass bei Kant nur noch ein schemenhafter Gottesgedanke übrig bleibe, „der gerade noch zur Unterscheidung von blankem Atheismus taugt“."

Die Tagespost (20.09.2007, Wider das kränkelnde abendländische Denken, Tagung in Schloss Spindlhof über Erwiderungen deutscher Gelehrter auf die Regensburger Vorlesung)

 


"Nicht darin, dass er [Immanuel Kant] die Gottesfrage zu Ende gebracht, sondern darin, dass er sie offen gehalten hat, liegt sein großes Verdienst."

Bischof Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber (12. Februar 2004, 2003 - 2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD, Unsterblichkeit und Würde. Kant zu Ehren, St. Michaelis zu Hamburg auf Einladung der Patriotischen Gesellschaft von 1765 und der ZEIT-Stiftung)

 


"Wir müssen so glauben, als wenn es Gott nicht gäbe."

Dr. theol. Dietrich Bonhoeffer (1944, Evangelisch-lutherischer Theologe, Gefängnis Berlin-Tegel, www.franz-sales-verlag.de/fsvwiki/index.php/Lexikon/Dreifaltigkeitssonntag-LJA)

 


"Einen Gott, den es gibt, gibt es nicht."

Dr. theol. Dietrich Bonhoeffer (1930, Evangelisch-lutherischer Theologe, Habilitationsschrift: Akt und Sein. Transzendentalphilosophie u. Ontologie in der systematischen Theologie, S. 68)

"Wenn mein Christentum nur die zufällig historisch gewachsene Gestalt eines allgemeinen religiösen Empfindens ist, dann ist es nicht mehr besonders sinnvoll, an diesen Zufällen festzuhalten und sie weiter zu pflegen. ...
Mit anderen Worten: Dann kann man das Christentum auch bleiben lassen. Auch das Religiössein kann man dann bleiben lassen. … Man kann, wenn überhaupt, nur noch auf aufgeklärte Weise religiös sein."

Christian Nürnberger (21. September 2007, Das Christentum. Was man wirklich wissen muss.)

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Bischof Prof. Dr. Wolfgang Huber (2007)

„File:Rosenkranz-Basilika Sterzinsky Huber.jpg“ von Jörg-Johannes Heidrich, Berlin ist markiert mit CC0 1.0.

 


"Neben die individuelle Vernunft tritt in Gestalt der Theologie die wissenschaftliche Vernunft."

Bischof Prof. Dr. Wolfgang Huber (31.10.2006, 2003 - 2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD, Religion im 21. Jahrhundert - Glaube und Vernunft, Frankfurter Allgemeine Zeitung F.A.Z.)

 


"Die Natur wollte wissen, wie die Vernunft aussieht, da erschuf sie Kant."

Pfarrer Gerson Raabe (Februar 2004, Immanuel Kant: Philosoph des Protestantismus, www.erloeserkirche.de)

 


"Kant ... nach meiner Überzeugung ... der Philosoph des Protestantismus."

Bischof Prof. Dr. Wolfgang Huber (12.02.2004, 2003 - 2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD, Unsterblichkeit und Würde. Kant zu Ehren, St. Michaelis zu Hamburg auf Einladung der Patriotischen Gesellschaft von 1765 und der ZEIT-Stiftung)

 

"Kants religiöse Entwicklung …

Wie steht es mit seiner Stellung zum offiziellen Kirchenglauben in jener Zeit? … Auffallender ist eine … Mitteilung von Kants Schüler und späterem Kollegen Pörschke (1751—1812) … "Er [Kant] sei schon lange Magister gewesen und habe noch an keinem Satze des Christentums gezweifelt; nach und nach sei ein Stück ums andere abgefallen. ...

Wie befruchtend die kritische Methode in den letzten Jahrzehnten auf die verschiedensten Wissenschaftsgebiete gewirkt hat und noch wirkt, weiß jeder, der im wissenschaftlichen Leben steht."

Prof. Dr. Karl Vorländer (1924, Philosoph, Immanuel Kant. Der Mann und das Werk, Erneuerung des Kritizismus seit 1860)

 


"So viel ist gewiss: wer einmal die Kritik gekostet hat, den ekelt auf immer alles dogmatische Gewäsche, womit er vorher aus Not vorlieb nahm, weil seine Vernunft etwas bedurfte, und nichts Besseres zu ihrer Unterhaltung finden konnte."

Prof. Dr. Immanuel Kant (1783, Philosoph, Prolegomena zu einer jeden künftigen Metaphysik, die als Wissenschaft wird auftreten können, A 191, § 60)


"Schwärmer und Mucker sind beide schrifttoll … Herrnhuter und Pietist Böhm"

Prof. Dr. Immanuel Kant (1798, Philosoph, Kant: AA XV, Reflexionen zur Anthropologie, Seite 219, www.korpora.org/Kant/aa15/219.html)

 


"Früher galten Fundamentalisten als Schwärmer"

Das Erste (5. Dezember 2007, Dokumentation "Fanatisch, fundamentalistisch, fromm." "SWR, NDR und WDR begeben sich in den USA, in Israel und im Jemen auf Spurensuche, wie aus Frömmigkeit Fundamentalismus und Fanatismus werden kann.")


"Unser Zeitalter ist das eigentliche Zeitalter der Kritik, der sich alles unterwerfen muss. Religion, durch ihre Heiligkeit, und Gesetzgebung, durch ihre Majestät, wollen sich gemeiniglich derselben entziehen."

Prof. Dr. Immanuel Kant (1781, Philosoph, Kritik der reinen Vernunft - Vorrede, Fußnote, Vollständiger Text: https://de.wikisource.org/wiki/Critik_der_reinen_Vernunft_(1781)/Vorrede)

 


"Christentum wie Islam sind Buchreligionen. … In unseren beiden Religionen gibt es Gruppen, die sich einem reflektierten und wissenschaftlich fundierten Umgang mit den grundlegenden Schriften entziehen und fundamentalistische Auslegungen vertreten. ...

Keine Religion kann mehr davon ausgehen, dass sie für sich allein existiert und eine absolute Wahrheit nur für sich beanspruchen kann."

Bischof Prof. Dr. Wolfgang Huber (16. März 2009, 2003 - 2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD, „Herausforderungen des interreligiösen Dialogs. Hermeneutische Fragestellungen.“ - Vorlesung in der Theologischen Fakultät in Ankara)


"Wer Jesus über andere Religionen stellt, macht hier keinen Abschluss."

Prof. Dr. theol. Stefan Alkier (Sommersemester 2006, 2006 Dekan am Fachbereich Evangelische Theologie der Goethe-Universität Frankfurt am Main, Professur für Neues Testament und Geschichte der Alten Kirche, Proseminar: Theologie(n) der Auferweckung)
 


"Wenn für mich das Christentum wahr ist, kann ich von diesem Standpunkt aus keine objektive Schlussfolgerung über die Wahrheit anderer Religionen für andere Menschen ziehen und diese dementsprechend bewerten. Ich kann nur aus der Perspektive der eigenen Religion – an dieser Stelle des Christentums – auf die anderen Religionen und Weltanschauungen blicken."

Prof. Dr. Michael Schroth (13. Juli 2021, Praktische Theologie FeG-Theologische Hochschule Ewersbach, Bund Freier evangelischer Gemeinden in Deutschland, Hamp, Krupinski, Schlüter, Werner (Hrsg.), glauben | lieben | hoffen, SCM Brockhaus 2021, S.215)

 


"Nur noch der Islam nimmt heute einen religiösen Absolutheitsanspruch für sich in Anspruch."

Altbischof Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber (22. Januar 2011, 2003-2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD, 1994-2009 Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Verschieden und doch gleich, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.01.2011, Nr. 18, S. 8, www.faz.net)

 


"Ich zitiere den Publizisten Robert Leicht. Er hat kritisiert: „Wir sind nicht islamisch, wir sind nicht katholisch, aber was evangelisch sein heißt, sagen wir nicht“"

Deutschlandfunk (06.11.2007, Evangelischer Theologe: Wir müssen die Ausstrahlungskraft verstärken, Deutschlandfunk)

 

 


 

Allein

Opera house - Oslo, Norway - Black and white street photography“ von Giuseppe Milo (www.pixael.com) ist lizenziert CC BY 2.0.

 

 


"Früher dachte ich: Es gibt nur Ja oder Nein, Schwarz oder Weiß, Richtig oder Falsch. Heute sehe ich, dass in den „Wahrheiten“, von denen wir am meisten überzeugt sind, oft viel Lüge eingemischt ist. Und das, was wir für Lüge halten, nicht selten eine wichtige Wahrheit für uns transportiert. ...

Je älter ich werde, desto mehr merke ich, dass „Wahrheit“ für uns Menschen ein höchst relativer Begriff ist. ... Es gibt zwei Arten von Wahrheiten: kleine Wahrheiten und große Wahrheiten. Eine kleine Wahrheit erkennt man daran, dass ihr Gegenteil falsch ist. Das Gegenteil einer großen Wahrheit ist oft eine andere große Wahrheit. (Wahrheit) ...

Als „Religion“ bezeichne ich die Suche des Menschen nach Gott und alles, was sich an Denk- Regelsystemen um diese Suche herum aufbaut. In aller Religion steckt Wahrheit, denn sie fragt über den Menschen hinaus. Teilweise sind die Antworten der Religion allerdings erschreckend primitiv und menschenverachtend. Wenn Jesus Christus wirklich der Sohn Gottes ist (was ich persönlich glaube), muss sich alle Religion an ihm messen lassen – auch die christliche.

Ich vertrete keinen Absolutheitsanspruch des Christentums, wohl aber den Absolutheitsanspruch Jesu Christi. Er ist der Weg zu Gott. Gleichzeitig hat er gesagt: „In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen“ (vgl. Johannes 14,2+6).

Ich vertraue darauf, dass solche Wohnungen auch für Vertreter anderer Religionen bereitstehen." 

Pfarrer Dr. Klaus Douglass (2006, Worthaus Referent, theologischer Referent Personalabteilung d. Kirchenverwaltung der EKHN [Evangelische Kirche in Hessen und Nassau], 1989-2009 Gemeindepfarrer in d. Ev. Andreasgemeinde Niederhöchstadt bei Frankfurt a. M. (EKHN), Partner im Willow-Creek-Netzwerk. www.willowcreek.de/partnerschaft/partner-gemeinden, https://www.douglass.de/person/philosophie)

"Wahrheit ist in der Bibel vor allem ein Beziehungsbegriff. ... Wahrheit ist hebräisch ämät, und ämät bedeutet: Wahrheit, Treue, Zuverlässigkeit, Bestehen in Bewährungen."

Prof. Dr. Heinzpeter Hempelmann (2004, 1996 – 2005 Direktor des Theologischen Seminars der Liebenzeller Mission, 2007 CTL-Dekan [Chrischona Tabor Liebenzell], Oberkirchenrat der württembergischen Landeskirche, Nicht auf der Schrift, sondern unter ihr, Seite 108)

"Es gibt zwei Arten von Wahrheiten. Bei der flachen ist das Gegenteil von einer wahren Aussage falsch. In der tieferen ist das Gegenteil von einer wahren Aussage ebenso wahr."

Prof. Dr. Niels Bohr (1885 - 1962, dänischer Physiker, 1922 Nobelpreis für Physik)

 

"Eine Wahrheit zu verkündigen, die gleichzeitig Unwahrheit sein könnte, ist widersinnig. Darauf kann kein Mensch sein Leben bauen."

Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) (November 2006, Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Klarheit und gute Nachbarschaft - Christen und Muslime in Deutschland, Eine Handreichung des Rates der EKD, ekd.de/download/ekd_texte_86.pdf, Seite 17)

»Was sagen die Leute, wer ich sei?«  Und sie antworteten:


»Du bist die Manifestation unseres eschatologischen Wesensgrundes, die Verkündigung, die sich kundtut im Konflikt und im Ablauf des Harmonisierungsprozesses.«

["Da kam Jesus in die Gegend von Cäsarea Philippi und fragte seine Jünger und sprach:
Wer sagen die Leute, dass der Menschensohn sei? (Matthäus 16, 13]

Arno Backhaus (1997, Lache, und die Welt lacht mit dir! Schnarche, und du schläfst allein!, Seite 13)

 


"Sagt ein Vater zu seinem Kind: ,Geh ins Bett!', so weiß das Kind wohl, woran es ist. Ein pseudotheologisch dressiertes Kind aber müsste nun folgendermaßen argumentieren: ,Der Vater sagt: Geh ins Bett. Er meint, du bist müde; er will nicht, dass ich müde bin. Ich kann über meine Müdigkeit auch hinwegkommen, indem ich spielen gehe. Also, der Vater sagt zwar: Geh' ins Bett!, er meint aber eigentlich: Geh spielen.' "

Pfarrer Dr. Dietrich Bonhoeffer (1937, Theologe, Nachfolge)


"Man kann nicht jede beliebige religiöse Meinung damit retten, sie sei zwar nicht wortwörtlich, aber doch noch symbolisch wahr. … Schließlich droht das Ideal des undogmatischen Christentums in die dürftige Wirklichkeit eines womöglich auf die Humanität eingeschränkten Christentums zurückzufallen. …

Damit gibt das undogmatische Christentum keinem postmodernen Zeitgeist nach, im Sinn des Slogans ,,Anything goes, man kann glauben, was man will, und die Wahrheit ist nur das, was die Einzelnen dafür halten“. Eine derartige Gleichgültigkeit gegenüber der Wahrheitsfrage löst das Christentum auf."

Pfarrer Dr. Andreas Rössler (26.7.2001, Undogmatisches Christentum: ein Ideal im Konflikt mit der Wirklichkeit, IARF-Tagung in der Evangelischen Akademie Bad Boll)

"Um der Wahrheit willen ... Die Männer, die sich nur auf ihr Gewissen stellen können, "das in Gottes Wort gefangen ist", werden dem Politiker immer sehr unbequem sein. Denn sie verstehen die größte Kunst des Politikers nicht: die Kunst des Kompromisses! ...  (Karl Hesselbacher)"

Walter Rominger (Juni 2007, Theologe, "Ich bin ein Gast auf Erden" - Paul Gerhardt, Albstadt bei Tübingen)

 


Jesus Christus: "Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, dass ich die Wahrheit bezeugen soll. Wer aus der Wahrheit ist, der hört meine Stimme. Spricht Pilatus zu ihm: Was ist Wahrheit?"

JOHANNES / 18. Kapitel, 37+38

Jesus Christus zu seinem Vater: "Dein Wort ist die Wahrheit."

Johannes 17, 17

Jesus Christus: "Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte werden nicht vergehen."

MATTHÄUS / 24. Kapitel, 35

 


"Wenn alles gleich gültig ist, ist auch schnell alles gleichgültig"
"Wenn alles Wahrheit ist, ist nichts mehr Wahrheit."

Peter Hahne (November 2004, Ev. Theologe, 1992 - 2009 Ratsmitglied der EKD, ZDF-Programmdirektion, Berlin, Schluss mit lustig! Das Ende der Spassgesellschaft, ISBN: 3501051808)

"Dem Christentum von morgen ist nichts heilig. Dem Christentum von morgen ist alles heilig." 

[Auszug 16 Thesen für ein Christentum von morgen]

Pfarrer Tilmann Haberer (19.02.2024, #231 Ist die Kirche am Ende? m. Tilmann Haberer, 16 Thesen, hossa-talk.de. „Kirche am Ende – 16 Anfänge für das Christsein von morgen“)

Rosenstolz

Rosenstolz (2013)

Yay new Rosenstolz imports in the mail. I'm glad AnNa is carrying on, but I'll miss them together.

#Rosenstolz #germanpop #europop #endofanera #christmasgifttomyself #AnNaR

von enigmaarts ist lizenziert unter CC BY-NC-ND 2.0.

 


"Wahrheit ist doch nur was für Idioten», hört man derzeit im Radio, wenn die deutschen Popmusiker von Rosenstolz ihren Song «Ich geh in Flammen auf» singen. Und Tocotronic, eine Hamburger Band, die den Zeitgeist ebenfalls klug zu predigen weiß, singt auf ihrer Platte «Pure Vernunft darf niemals siegen»: «Pure Vernunft darf niemals siegen. Wir brauchen dringend neue Lügen. Die unsere Schönheit uns erhalten. Uns aber tief im Innern spalten.»

Wer meint, diese zynischen Lobeshymnen auf die Lüge seien nicht zu überbieten, muss sich von dem Amerikaner Harry Frankfurt eines Besseren belehren lassen. Noch schlimmer als die Anstiftung zur Lüge oder das Lügen ist nämlich für ihn die Verbreitung von «Bullshit».


Das muss ich kurz erläutern. Der Philosoph Harry Frankfurt versteht unter «Bullshit» Aussagen, die vortäuschen, um Wahrheit und Aufrichtigkeit bemüht zu sein, für deren Absender jedoch letztlich ein Wahrheitsbezug mehr oder weniger belanglos ist. «Bullshiter» tun so, als betrieben sie Vermittlung von Informationen, tatsächlich manipulieren sie Meinungen und Einstellungen von Menschen in ihrem eigenen Interesse. ...

Dieser allgegenwärtige Bullshit ist nun nach Harry Frankfurt moralisch verwerflicher als die Lüge. Der Lügner hat nämlich noch einen gewissen Respekt vor der Wahrheit. Wer lügt, weiß, dass ihm die Wahrheit gefährlich werden kann. Der Bullshiter kümmert sich nicht um Wahrheiten, da sie ihm «gleich gültig» sind. Er sorgt vor allem für die Durchsetzung seiner Ambitionen.

Diese zunehmende Entfremdung von der Wahrheit führt unsere Gesellschaft in einen tiefen Vertrauensverlust. Wir sind inzwischen von so viel Meinungsmüll umgeben, dass eine Unterscheidung von Wahrheit und Lüge kaum mehr möglich ist. ...

Doch können wir ohne Wahrheit leben? In allen Dingen, die wir unternehmen, und daher im Leben überhaupt, hängt der Erfolg oder Misserfolg davon ab, ob wir uns von der Wahrheit leiten lassen oder ob wir in Unwissenheit oder auf der Grundlage von Unwahrheit vorgehen. So schlussfolgert Frankfurt: «Wir brauchen die Wahrheit nicht nur, um zu verstehen, wie wir gut leben sollen, sondern auch, um zu wissen, wie wir überhaupt überleben können.»"

Die Entfremdung von der Wahrheit ist kein neues Phänomen. Schon der Prophet Jesaja warnt im 59. Kapitel vor «Bullshit»: Die Menschen brüten Lügenworte aus und reden bedenkenlos daher (Vers 13). Das «Recht ist zurückgewichen, und die Gerechtigkeit hat sich entfernt; denn die Wahrheit ist auf der Gasse zu Fall gekommen, und die Aufrichtigkeit findet keinen Eingang» (Vers 14). Die «Wahrheit ist dahin» (Vers 15).

Im 1. Kapitel des Römerbriefes spricht der Apostel Paulus sogar davon, dass wir Menschen die Wahrheit Gottes niederdrücken und in Lüge verkehren. Gott missfällt das sehr und er sucht nach Menschen, die diesem Trend entgegentreten (also gegen den Strom schwimmen). «Aber niemand ist auf dem Plan» (Jesaja 59,15).

Nach dem Zeugnis der Bibel ist Gott selbst wahr (z. B. Jeremia 10,10; Johannes 14,6 und 1. Johannesbrief 5,6 und 20). Seine Wahrheit ist die Festigkeit und Verlässlichkeit, mit der er zu dem steht, was er tut und sagt.


In Jesus Christus brachte er den Menschen Gnade und Wahrheit (vgl. Johannes 1,14-17). Wer sein Leben auf Gottes Wahrheit aufbaut, baut nicht auf Sand, sondern auf Fels und kann deshalb die Stürme des Lebens überstehen (vgl. Matthäus 7,24-27).
Wer auf Jesus Christus hört und ihm folgt, der «ist aus der Wahrheit» (Johannes 18,37). Weil die Wahrheit «Jesus» ist (vgl. Johannes 14,6 und Epheser 4,21), gilt es, ihr zu gehorchen (Galater 5,7).

Das Annehmen und Bleiben in dieser Wahrheit führt in die Freiheit und zum Leben (Johannes 8,31-32). Deshalb legen Christen die Lüge ab und reden die Wahrheit (Epheser 4,25). Sind wir Menschen, die in und mit der Wahrheit leben?

Vor vielen Jahren fragte Gerhard Maier, damals Rektor des Albrecht-Bengel-Hauses in Tübingen, seine Studenten, worauf es beim missionarischen Zeugnis ankomme. Die klassischen Antworten kennen wir:

«Das Christentum muss attraktiv sein. Wir müssen das Evangelium verständlich kommunizieren. Es geht darum, Beziehungen aufzubauen, nicht Bibelstellen um die Ohren zu schmeißen.»

Gerhard Maier sagte damals lapidar: «Sagen Sie die Wahrheit.»

Gott sucht Menschen, die sich von Jesus Christus in die Wahrheit bringen lassen, diese Wahrheit lieben und sie «in die Gassen tragen». Sind Sie dabei?"

Ron Kubsch (Februar 2008, Dozent für Seelsorge und Neuere Theologiegeschichte am Martin Bucer Seminar in Bonn, theoblog.de)

 

 

 

"Subversive Toleranz"

"Bedenkt man, dass die Einwände der Toleranzgegner nicht durch eine für beide Seiten zwingende Argumentation zu widerlegen sind, so ist klar, dass nur eine subversive Argumentation möglich ist. Subversiv, weil sie das Grundprinzip der Intoleranz angreifen muss, nämlich dass es die eine, reine Wahrheit gibt, der ein Sonderstatus zukommt.

Mehr als eine Wahrheit kann es freilich auch nicht geben; die Sache läuft also darauf hinaus, dass auf dem strittigen Feld überhaupt keine Wahrheiten zu holen sind, d. h. alle miteinander streitenden Positionen falsch oder gar sinnlos sind. Dieser logisch einzig möglichen Einschätzung der Situation wird sich der Aufklärer oft nicht anschließen wollen, sie geht vielleicht weit über seine persönliche Überzeugung hinaus. Aber wie sich die einzelnen Aufklärer selbst interpretierten, ist nicht wesentlich.

Der noch gutwillige, aber sozusagen postklassische Toleranzverfechter wird ungefähr sagen: „Es gibt nur einen Weg zur Seligkeit, aber es ist noch zweifelhaft, welches dieser Weg ist."


Wir haben es bei Castellion deutlich sehen können. Es liegt nahe, dass das Publikum daraufhin sagt: „Wenn die Sache derart zweifelhaft ist, dann hat es wenig Sinn, sich mit ihr abzugeben."

Und so entschwindet allmählich das Interesse an den religiösen Streitfragen und damit womöglich an der Religion. Darin besteht die faktische Subversivität des Argumentierens für Toleranz. …

 

Eine altgediente Religion hat im Verlauf ihrer Geschichte so viel Kritik erfahren und ertragen, dass alle überhaupt denkbaren Argumentationsfiguren mit Sicherheit schon mehrfach benützt worden sind. Das gilt besonders für das Christentum; es gibt eine reichhaltige Palette antichristlicher Argumente - für den Kenner ist hier wahrlich nichts Neues mehr zu erwarten. Und doch hat scheinbar keines davon eine nachhaltige Erschütterung dieser Religion bewirkt, keines liefert die eine, endgültige, zwingende Widerlegung, von der Atheisten oder Anhänger einer anderen Religion geträumt haben mögen.

Wie kommt es, dass eine Religion, die sich durch Jahrhunderte mit einer Fülle schwerster Kritik konfrontiert sehen musste, nicht unter der Last der Angriffe zusammengebrochen ist? ...

Erwägt man das alles, so könnte man darüber erstaunen, dass die christlichen Religionen, die … mit Argumenten nicht niederzuzwingen sind, trotzdem seit dem Aufkommen einer freien Kritik langsam, aber sicher den Boden unter den Füßen verloren haben.

Man bekommt den Eindruck, dass die Mauern einer Festung, nachdem sie allen Angriffen widerstanden haben, schließlich doch einstürzen, dabei hat man nirgends die entscheidenden Posaunen erschallen gehört, wie seinerzeit beim Fall von Jericho.

Dies ist ein logisch zunächst unerklärbares Phänomen. Ideologien scheinen argumentativ unangreifbar, sie können jeden Einwand, jeden Vorwurf, jede Kritik abschmettern und sinken dann doch dahin.

Waren die Attacken, der riesige Aufwand an kritischem Geist, doch nicht so wirkungslos? Auch wenn es unmöglich ist, die Ursachen dafür im einzelnen zu benennen und zu gewichten, ist doch gewiss, dass die aufklärerische Arbeit ihre Wirkung gehabt hat, langsam, aber nachhaltig hat sie die Mauern der ideologischen Festungen untergraben.

Dies ist es, was wir mit dem Begriff Subversive Vernunft ausdrücken wollten.

Am Ende des Kampfes versteht man - zumindest in weiten Teilen der westlichen Welt - die Erbitterung nicht mehr, mit der man in den Streit zog; der große, mächtige ideologische Gegner ist - uninteressant geworden. Die Zeit der ernsthaften, bitteren Auseinandersetzung mit ihm ist passe, schon lange passe.

Zuletzt tritt ein Denker wie Nietzsche auf, der die Situation klarsichtig zusammenfasst – „Jetzt entscheidet unser Geschmack gegen das Christentum, nicht mehr unsere Gründe“ Der Gläubige wird das als schauriges Zeugnis der Arroganz deuten; für den Kritiker ist es Ausdruck der logischen Struktur ideologischer Kontroversen."

Prof. Dr. Hubert Schleichert (September 2001, Philosoph, Wie man mit Fundamentalisten diskutiert, ohne den Verstand zu verlieren. Anleitung zum subversiven Denken. C.H.Beck, Seite 143, 169+174)

 

"Gott ist tot! Gott bleibt tot! Wir haben ihn getötet, - ihr und ich. Wir alle sind seine Mörder. Aber wie haben wir dies gemacht? Wie vermochten wir das Meer auszutrinken? Wer gab uns den Schwamm, um den ganzen Horizont wegzuwischen? ...


Wie trösten wir uns, die Mörder aller Mörder? Das Heiligste und Mächtigste, was die Welt bisher besaß, es ist unter unsern Messern verblutet - wer wischt dies Blut von uns ab? Mit welchem Wasser könnten wir uns reinigen? ...
 

Ist nicht die Größe dieser Tat zu groß für uns? Müssen wir nicht selber zu Göttern werden, um nur ihrer würdig zu erscheinen? Es gab nie eine größere Tat - und wer nun immer nach uns geboren wird, gehört um dieser Tat willen in eine höhere Geschichte, als alle Geschichte bisher war! … Was sind denn diese Kirchen noch, wenn sie nicht die Gräber und die Grabmäler Gottes sind? ... 

Wohin bewegen wir uns? Fort von allen Sonnen? Stürzen wir nicht fortwährend? Und rückwärts, seitwärts, vorwärts, nach allen Seiten? Gibt es noch ein Oben und ein Unten? Irren wir nicht wie durch ein unendliches Nichts? Haucht uns nicht der leere Raum an? Ist es nicht kälter geworden?​ Kommt nicht immerfort die Nacht und mehr Nacht?"

Friedrich Nietzsche (1844 - 1900, Deutscher Philosoph, Die fröhliche Wissenschaft, München 1959)

 

"Ich bin kein Theologe mehr; ich treibe keine einzige Wissenschaft ex professo, und alle nur insofern als sie mich ergötzen oder in meine Schriftstellerei einschlagen; und selbst die Philosophie ist mir gleichgültig, seitdem ich an allem zweifle. ... Niemand ist im All so sehr allein als ein Gottesleugner"

"»Christus! ist kein Gott?« Er antwortete: »Es ist keiner.« ...  »Ich ging durch die Welten, ich stieg in die Sonnen und flog mit den Milchstraßen durch die Wüsten des Himmels; aber es ist kein Gott.

Ich stieg herab, soweit das Sein seine Schatten wirft, und schauete in den Abgrund und rief: 'Vater, wo bist du?' aber ich hörte nur den ewigen Sturm, den niemand regiert, und der schimmernde Regenbogen aus Wesen stand ohne eine Sonne, die ihn schuf, über dem Abgrunde und tropfte hinunter.

 

Und als ich aufblickte zur unermesslichen Welt nach dem göttlichen Auge, starrte sie mich mit einer leeren bodenlosen Augenhöhle an; und die Ewigkeit lag auf dem Chaos und zernagte es und wiederkäuete sich. - Schreiet fort, Mißtöne, zerschreiet die Schatten; denn Er ist nicht!« ...

»Jesus! haben wir keinen Vater?« - Und er antwortete mit strömenden Tränen: »Wir sind alle Waisen, ich und ihr, wir sind ohne Vater.« ...

Starres, stummes Nichts! ... Wann zerschlagt ihr das Gebäude und mich?" 

Johann Paul Friedrich Richter (1796, [Jean Paul] Siebenkäs: Erstes Blumenstück - Rede des toten Christus vom Weltgebäude herab, dass kein Gott sei)

"Die Krähen schrei’n
Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schnei’n —
Wohl dem‚ der jetzt noch — Heimat hat!

Nun stehst du starr‚
Schaust rückwärts ach! wie lange schon!
Was bist du Narr
Vor Winters in die Welt — entflohn?

Die Welt — ein Tor
Zu tausend Wüsten stumm und kalt!
Wer das verlor‚
Was du verlorst‚ macht nirgends Halt.

Nun stehst du bleich‚
Zur Winter-Wanderschaft verflucht‚
Dem Rauche gleich‚
Der stets nach kältern Himmeln sucht.

Flieg’‚ Vogel‚ schnarr’
Dein Lied im Wüsten-Vogel-Ton! —
Versteck’‚ du Narr‚
Dein blutend Herz in Eis und Hohn!

Die Krähen schrei’n
Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schnei’n‚
Weh dem‚ der keine Heimat hat!"

Friedrich Nietzsche (1884, Deutscher Philosoph, Fragment (Auszug), Die Fragmente von Juli 1882 bis Herbst 1885 bestehen aus 36 Handschriften aufgeteilt in 21 Heften, 12 Notizbücher, 3 Mappen mit losen Blättern.)

 

 


"Dass Gott tot ist, wird gern von denen ausgestreut, die sein Erbe anzutreten hoffen."

Prof. Dr. Erwin Chargaff (1905 - 2002, österreichisch-amerikanischer Biochemiker)

 

"Die Zeit ist reif für uns Brights [von engl. bright – hell, klar, heiter, aufgeweckt], uns zu bekennen. Was ist ein Bright? Ein Bright ist eine Person mit einem naturalistischen Weltbild, frei von Übernatürlichem. Wir Brights glauben nicht an Geister, Elfen oder den Osterhasen - oder an Gott."

Daniel C. Dennett (12. Juli 2003, The Bright Stuff, New York Times)

 

"Ich bin ein Bright. Sie sind (wahrscheinlich) ein Bright. Die meisten der Menschen, die ich kenne, sind Brights. Die Mehrzahl der Wissenschaftler sind Brights."

Prof. Dr. Richard Dawkins (11.10.2003, Evolutionsbiologe, Let There Be Brights, Wired Magazine)

 


"Gott ist an allem Schuld - Der Kreuzzug der Gottlosen" [Der Spiegel]

"In den letzten rund 20 Jahren, sagt Richard Dawkins, ist es der Religion sehr leicht gemacht worden. ... Manche Denkmuster wie "Es gibt ein Leben nach dem Tod" sind wie Viren. Sie verbreiten sich und man kann sie nicht ausrotten. Nur vorsehen kann man sich: Kein ungeschützter Verkehr mit Gläubigen!

 

Die friedliche Koexistenz mit den Gläubigen ist vorbei. ... Vorbei die Zeit der bequemen Toleranz gegenüber dem Glauben. ... Es ist das Coming-out all jener, die lange glaubten, die Gottesfrage würde sich von selbst erledigen. Und jetzt merken, wie ihre Gesellschaften den Glauben an die Gottlosigkeit zu verlieren beginnen. Und wie in der Politik und auf Cocktailpartys immer öfter über Religion und Glauben gesprochen wird. ...

Es ist, als würde nun auch die Aufklärung ihre Fundamentalisten hervorbringen. Mit Eifer und Zorn wird gegen alles zu Felde gezogen, was nur entfernt nach Unvernunft ... Weihrauch riecht. ... Ihre Waffen sind Wissenschaft und Vernunft und ... das Internet - Hort allen Wissens und allen Wahns.

Die Botschaft ... lässt sich in zehn Geboten zusammenfassen:

"Du sollst nicht Glauben." ... 
"Gott ist ein Produkt der Menschen und nicht umgekehrt." ... 
"Du sollst keine Götter neben Dir dulden." ... "
„Du sollst keinen Schöpfer haben" ... 
"Der Mensch ist Schöpfer und Herr der Norm" ... 
"Du sollst nicht knien als Schöpfer" ... 
"Du sollst keine anderen Götter neben der Wissenschaft haben." ...

"Zurück zu der Fackel der Aufklärung ... das letzte Gefecht gegen den theologischen Hokuspokus ... Wir brauchen  keinen Gott ...

Dr. Richard Dawkins: "Es ist wahr, dass es bis vor kurzem ein religiöses Revival gab. Aber das wird enden. Und wir helfen dabei." ... Dawkins genießt es, auf alles eine Antwort zu haben."


Zu den heftigsten Kritikern ... gehören kurioserweise jene, die es laut Dawkins gar nicht geben dürfte: Wissenschaftler, für die "Gott" keinen Angriff auf ihr Weltbild darstellt. Sie fühlen sich von der Unbedingtheit, dem missionarischen Habitus Dawkins abgestoßen"

DER SPIEGEL (26. Mai 2007, Alexander Smoltczyk: Gott ist an allem Schuld. Der Kreuzzug der Gottlosen, DER SPIEGEL Nr.22, 26.05.2007, S. 56 f.)

 

"Der spätmoderne Rationalismus und Relativismus bläst zur Christenjagd. Dem, der die Bibel ernst nimmt, wird das Etikett „Fundamentalist" angeheftet ... Die intellektuelle Philosophie der Aufklärung lehnte Gott und alles, was mit Religion zu tun hat, ab und ersetzte Gott durch das "Licht" der menschlichen Vernunft."

Werner Graf (Oktober 2007, Studiendirektor, Die Gottesfrage in der Postmoderne)

 

"Recherchen im Internet zeigen, dass es sich bei 'Pro Christ' um eine Veranstaltung mit eindeutig missionarischer Zielstellung und mit Bezug auf Homosexualität um grundgesetzwidrige Positionen handelt."

Fraktion DIE LINKE. Chemnitz (24. März 2009, Hubert Gintschel, Fraktionsvorsitzender der Ratsfraktion „Die Linke“ in Chemnitz, Anfrage an den Stadtrat der Stadt Chemnitz vom 24. März 2009, www.pro-medienmagazin.de, www.freiepresse.de)

 


"Zählt man etwa die Attentate und Gewaltakte, die in den USA aus christlich deklarierter Motivation in den letzten ein, zwei Jahrzehnten verübt worden sind (nicht nur gegen Abtreibungskliniken und -ärzte), so kann man durchaus zu dem Ergebnis kommen, dass dieser religiöse Terrorismus es in der Summe mit dem 9/11-Anschlag aufnehmen kann."

Prof. Dr. h.c. Robert Leicht (17.09.2007, 1997 bis 2003 Ratsmitglied der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präsident der Evangelischen Akademie zu Berlin, Christlicher Fundamentalismus ist nicht besser als islamischer, Der Tagesspiegel)

 

"Der ehemalige Chefredakteur der ZEIT und Präsident der Evangelischen Akademie zu Berlin [Robert Leicht] schrieb für den Berliner Tagesspiegel einen Diskussion, in dem er den islamischen Fundamentalismus mit dem christlichen verglich. ... Leicht nennt keine Fälle (bis auf die Gewaltakte gegen Abtreibungsärzte) und keine Zahlen, und deswegen müssen wir uns auf sein Wort verlassen. Ein ehemaliges Ratsmitglied der EKD lügt nicht.

“In der Summe” kann es also der christlich-religiöse Terrorismus mit dem islamischen aufnehmen. Das entspricht auch unserer Alltagserfahrung. ...

Die Geiselnahmen unschuldiger Pilger und Touristen durch christliche Terroristen, die ihre Opfer erst mit Weihwasser foltern, bevor sie ihnen die Kehlen durchschneiden; die Selbstmordattentate vor Striptease-Lokalen, bei denen die Täter “Im Namen Jesu, des Allmächtigen!” rufen, bevor sie die Leine ziehen. “In der Summe” kommt da was zusammen."

Henryk M. Broder (18.09.2007, Journalist, Die Freiheit des Robert Leicht)

 


"Christlicher Fundamentalismus ist nicht besser als islamischer. ...

Das Problem ... ist, dass die Religion – obwohl ihre Freiheit im Grundgesetz geschützt ist – durchaus zum Problem für den freiheitlichen Staat werden kann. Schon für die Vergangenheit, gerade auch für die christliche, galt der Doppelsatz: Nie kann die Freiheit die Religion beschädigen, sehr wohl aber die Religion die Freiheit.
Nun sehen wir: Dieser Satz kann auch für die Zukunft gelten – auch hier nicht nur für islamischen, sondern durchaus auch für christlichen Fundamentalismus."

Prof. Dr. h.c. Robert Leicht (17. September 2007, 1997 bis 2003 Ratsmitglied der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präsident der Evangelischen Akademie zu Berlin, Christlicher Fundamentalismus ist nicht besser als islamischer, Der Tagesspiegel)

 

Dr. Margot Käßmann: "Fundamentalismus ist immer ein Problem." ...

Alice Schwarzer: "Sie sehen den christlichen Fundamentalismus also nicht minder kritisch wie den islamischen?"

Dr. Margot Käßmann: "Selbstverständlich! Aber in Europa sind die christlichen Fundamentalisten in einer absoluten Minderheit. ... In Europa gibt es die weltweit liberalsten Christinnen und Christen."

Prof. Dr. Dr. h.c. Margot Käßmann (Mai 2005, Botschafterin des Rates der EKD für das Reformationsjubiläum 2017, 2009-2010 Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), 1999–2010 Bischöfin der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover, Interviewerin Alice Schwarzer, Margot Käßmann. Keine Lust, mich zu verstellen, EMMA 3/2005, www.emma.de)

 

"Das Verbot, sich leidenschaftlich zu seinem Glauben zu bekennen, erklärt, warum „Kultur“ zu einer zentralen lebensweltlichen Kategorie geworden ist. Religion ist erlaubt – aber nicht als eine substanzielle Lebensweise, sondern als „Kultur“ und Lifestyle-Phänomen.

Was sie legitimiert, ist nicht ihr innerer Wahrheitsanspruch, sondern die Art, wie sie uns den Ausdruck innerster Gefühle erlaubt. Wir müssen nicht mehr „wirklich gläubig sein“, solange wir bloß (einige) religiöse Rituale und Sitten befolgen. Sogar die Religionen selbst, von der New-Age-Spiritualität bis zum Hedonismus des Dalai Lama, bedienen inzwischen den postmodernen Vergnügungshunger,  die Religion als „Kultur“.

Vielleicht ist „Kultur“ der Name für all jene Dinge, die wir praktizieren, ohne wirklich an sie zu glauben, ohne sie „ernst zu nehmen“. Ist das nicht auch der Grund dafür, warum wir fundamentalistische Gläubige als kulturfeindliche „Barbaren“ abtun – nur deshalb, weil sie es wagen, ihre Überzeugungen ernst zu nehmen?" …

Wir kennen eine Reihe von Produkten, deren schädigende Eigenschaft neutralisiert wurde: Kaffee ohne Koffein, Sahne ohne Fett, Bier ohne Alkohol. Die Liste ließe sich fortsetzen … Auch die liberale und tolerante Einstellung gegenüber anderen Menschen gehört in dieses Bild, die Forderung nach Offenheit gegenüber seinem Anderssein bei gleichzeitig obsessiver Angst vor Belästigung: Der andere ist einem recht, solange er nicht wirklich anders ist."

Prof. Dr. Slavoj Zizek (11.03.2004, Philosoph, Gefährlicher Glaube. Die westliche Toleranz verfehlt das Wesen der Religion, DIE ZEIT)

 

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Prof. Dr. Slavoj Zizek, Philosoph (2019)

Golden Drum Award 2019 Slavoj Zizek Photo Ziga Intihar (1)“ izenziert unter CC BY-ND 4.0.

 

 

"Was geschieht in einer Kirche, zu der man automatisch gehört, in der die Religion geerbt, aber nicht gewählt wurde? …  

Aus einer radikalen Bewegung der Nachfolge Christi, wurde eine angepasste Staatskirche, aus dem Glauben, der in der totalen Hingabe an den Auferstandenen bestand, wurde eine opportunistische Staatsreligion. … Ein oberflächliches Minimalchristentum wurde zum Normalchristentum, der halbherzige Durchschnitt zum Standard. …

Die Volkskirche sieht sich unter Druck, den Glauben für alle akzeptabel zu machen und anzugleichen an einen allgemein gebilligten Standard. Dieser religiöse Populismus findet in der EKD seine Umsetzung darin, dass man alles das über Bord werfen möchte, was in einer säkularen Gesellschaft auf Ablehnung stoßen könnte. Was den Kuschelkurs mit der Gesellschaft stört, wird wegreformiert oder uminterpretiert, damit möglichst niemand mehr Anstoß nimmt.

 

Die Frage ist nur: Wird die Kirche dadurch ihrem Auftrag besser gerecht, Jüngergemeinde Jesu zu bauen und die Mission Gottes in dieser Welt voran zu bringen? Das Resultat der Anpassung ist ein weichgespültes Evangelium und eine profillose Kirche. Die Logik dahinter: Je geringer die Unterschiede zur Gesellschaft, um so eher werden uns die Leute die Treue halten. Dennoch verstärkt sich der Trend zum Kirchenaustritt. Die Logik geht nicht auf. Der Nivellierungskurs führt zu einer Banalisierung des Glaubens.

 

Kaum einer weiß noch, wofür die evangelische Kirche eigentlich steht - außer natürlich für das, wofür auch der gesellschaftliche Mainstream steht. Aber dafür braucht es keine Kirche. Wer in der Kirche auf Anpassung setzt, schafft sie ab. Die Kirche verliert ihr Alleinstellungsmerkmal als Sozialgestalt gewordene Einladung zum Heil in Christus, ihre Berufung als Gegenmodell zur Welt, ihr Profil als Familie Gottes, ihre Bestimmung, Licht und Salz der Welt zu sein. Eine an die Allgemeinheit angepasste Kirche produziert Langeweile und Gleichgültigkeit. …


Wie können sich auch die mit einem individualisierten »Glauben light« bei uns heimisch fühlen? Die Antwort liegt auf der Hand. Man senkt die Preise. Man formatiert den Glauben neu. Man passt ihn an das an, was die Leute bejahen können.

Genau diese Konsequenz zieht Klaus-Peter Jörns in seinem 2004 erschienen Buch »Notwendige Abschiede: Auf dem Weg zu einem glaubwürdigen Christentum«. Darin entwirft er ein Christentum der Zukunft und entsorgt alles, was für den volkskirchlichen Skeptiker fragwürdig ist: Offenbarung, Sünde, Sündenfall, Sühnetod Jesu, Heiligkeit der Bibel, Einzigartigkeit Jesu, Erlösungsglaube, Erwählung zum Volk Gottes.

Um die Glaubwürdigkeit des Christentums zu erhalten, will Jörns die Distanz überwinden zwischen dem, was die Leute wirklich glauben und dem, was die traditionellen Inhalte sind.

 

Das Problem ist nur: Der kühne Entwurf von Jörns ist gar kein Christentum mehr. Es ist die letzte Phase einer sterbenden Religion. …

Christsein in Deutschland heißt, dass man formal zu einer Kirche gehört, aber zumeist mit den Glaubensinhalten nichts anzufangen weiß und auch den Glauben kaum praktiziert. … Die Gemeinden können zwar rein statistisch auf viele Tausend Mitglieder verweisen, aber die meisten davon sind völlig inaktiv und betrachten Kirche vor allem als Dienstleister an bestimmten Eckpunkten des Lebens. …

Dr. Johannes Hartl, katholischer Theologe und Gründer des Gebetshauses Augsburg, schrieb in einem Facebook-post: »Es gibt genau eine Sache, die die Kirche attraktiv macht: die Gegenwart Gottes. In allem anderen sind politische Parteien, Rockkonzerte oder Erlebnisparks besser.«“ …

Ich sehe im Niedergang des Systems Volkskirche, der sicher ein schmerzhafter Prozess ist, die enorme Chance, dass Kirche wieder das werden kann, wozu sie berufen ist: eine Kontrastgesellschaft zur Bürgergesellschaft, ein göttlicher Gegenentwurf zur Welt, eine Einladung Christi, Gottes Alternative zu leben. ...

 

Eine neue Ära bricht für die Kirchen in Europa an. Die privilegierte Stellung der klassischen Großkirchen und überhaupt des Christentums auf diesem Kontinent wird Schritt für Schritt abnehmen. Das bedeutet, wir müssen opferbereiter, vollmächtiger, glaubwürdiger, geistinspirierter Gemeinde bauen.

Wir können uns nicht mehr verlassen auf Gelder, staatliche Subventionen, Privilegien. Aber der weltweite Aufbruch des Christentums zeigt, dass Gemeinden unter anderen Bedingungen – ohne Staatsleistungen, ohne die schönsten Gebäude in den besten Lagen der Stadt, ohne sichere Gehälter der Pastoren, ohne dicke Listen mit tausenden von inaktiven Gemeindemitgliedern – effektiver und dynamischer arbeiten als hierzulande."

Pfarrer Alexander Garth (9. September 2021, Berliner Stadtmission, Untergehen oder Umkehren: Warum der christliche Glaube seine beste Zeit noch vor sich hat, Evangelische Verlagsanstalt Leipzig) 

Kirchenbesuch

Copyright Thomas Plaßmann

 

F.A.Z.: "Bischof Huber, mangelt es der Kirche hierzulande an einer gewissen Leidenschaft im Glauben, die anderswo, in China oder Südamerika, vorgelebt wird?"

Bischof Huber: "Der Protestantismus, den ich in China und Südamerika erlebt habe, ist zu einem guten Stück eine Religion ohne Aufklärung." 

Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber (23.02.2007, 2003-2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, 1994-2009 Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Evangelische Kirche. Wir wollen, dass die Gottesdienste noch besser werden. Frankfurter Allgemeine Zeitung F.A.Z., 23.02.2007, Nr. 46, S. 42)

 


DS: "Während die Pfingstkirchen wachsen, stagnieren die klassischen Kirchen wie die Lutheraner oder nehmen sogar ab. Sie sind anders als die Pfingstler von der Aufklärung geprägt und nehmen die Bibel nicht wörtlich, sondern interpretieren sie historisch-kritisch. War es ein Irrweg, dass sich die evangelischen Kirchen für die Aufklärung geöffnet haben und die Bibel historisch-kritisch interpretieren und erklären?"

Bischöfin Käßmann: "Ich bin überzeugt, dass die Pfingstkirchen wie die anderen Kirchen Afrikas und die orthodoxen Kirchen die Aufklärung noch vor sich haben."  

Bischöfin Dr. Margot Käßmann (21. April 2000, Oktober 2009 - Februar 2010 Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), 1999 - 2010 Bischöfin der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover, DS - DEUTSCHES ALLGEMEINES SONNTAGSBLATT, 21. April 2000 - Nr. 16/2000)

 

"Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Wolfgang Huber, hat sich kritisch über die gegenwärtige Annäherung zwischen Vatikan und orthodoxer Kirche geäußert.

Es gebe in beiden Kirchen eine unterschiedlich stark ausgeprägte Tendenz, eine Gestalt des christlichen Glaubens zu leben, "die mit der Aufklärung nichts zu tun hat", sagte der Berliner Bischof am Samstag im NDR-Hörfunk (Hamburg)."  

epd / Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber (29.12.2006, Huber kritisch zur Annäherung zwischen Vatikan und Orthodoxie, Evangelischer Pressedienst (epd) Hamburg)

"Insgesamt ... bedeutet das päpstliche Jesusbuch [Jesus von Nazareth, Dr. Joseph Ratzinger, April 2007] eine Rückkehr zu einem Jesusverständnis, das hinter die Aufklärung zurückführt" 

Prof. Dr. theol. Werner Zager (Dezember 2007, Evangelischer Theologe, Fachbereich Evangelische Theologie - Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main, Präsident des Bundes für Freies Christentum, Wer war Jesus wirklich? Deutsches Pfarrerblatt, Heft 12, S. 650/651)

 


"Die Protestanten haben aber weithin seit der Aufklärung das verlassen, wofür sie einst bereit waren zu sterben: Die Bibel wird nicht mehr als Gottes Wort verstanden, sondern nur noch als religionsgeschichtliches Zeugnis der Antike."

Dr. theol. Friedhelm Jung (4. Januar 2007, Theologe, Was ist evangelikal?, CV Dillenburg, 2007, S. 9)

 


"Wenn die Alternative der religiöse Fundamentalismus ist, wie wir ihn in Teilen der Vereinigten Staaten von Amerika sehen, kann auch die christliche Religion dazu tendieren, Vielfalt, alternative Meinungen und Freiheit zu unterdrücken.

Deshalb wäre es ungeheuer wichtig, dass ein europäisches Christentum hier die Vernunft wahrt, für die Freiheit eintritt und Atheismus wie andere Religionen nicht durch Unterdrückung bekämpft, sondern im Diskurs aufnimmt.

Das ist umso wichtiger, als sich von den Europäern nicht beachtet in Afrika, Asien und Lateinamerika das Christentum rapide ausbreitet. Dabei werden allerdings oft gerade nicht die freiheitlichen Tendenzen gestärkt. …

Wenn das europäische Christentum nicht hellwach bleibt und für die eigenen Traditionen entschlossen und mit Profil eintritt, räumt es den Platz für Leere oder Fundamentalismus."

Bischöfin Dr. Margot Käßmann (2005, Oktober 2009 - Februar 2010 Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Impulspapier - Strategien für die Gesellschaft von morgen, 2005, in: www.cap.lmu.de/download/foresight/foresight-kaessmann.pdf)

 


"Glaubt, was ihr für glaubwürdig und wahr haltet, aber bleibt kritisch."

Pfarrer Friedrich Schorlemmer (25.04.2004, Speyerer Protokolle: Der Protestantismus als Kritik und Gestaltung, Symposium und Gottesdienst zum 475-jährigen Protestationsjubiläum, 24./25. April 2004 Speyer, hg.v. Ev. Akademie der Pfalz)

 


"Es gehört zu den Kernbehauptungen zumindest aller christlichen Fundamentalisten, dass man die Wahrheit mit absoluter Geltung gefunden hat. Von da aus geschieht direkte, distanzlose Berufung auf biblische Sätze in konkreten Lebenssituationen."

Prof. Dr. Hans-Günter Heimbrock (1. Juli 2005, Ev. Theologe, Goethe-Universität Frankfurt am Main, Wahrheit – Lebensform – Subjekt. Praktisch-theologische Anmerkungen zu christlichen Fundamentalismen - Wahrheit im Fundamentalismus?; in: Stefan Alkier / Hermann Deuser / Gesche Linde (Hg.), Religiöser Fundamentalismus. Analysen und Kritiken, Tübingen: Francke, 2005, S. 40)

 


"Fundamentalismus heißt nicht, einen Wahrheitsanspruch zu haben. Dann gäbe es auf dieser Welt fast nur Fundamentalisten ...

Ein Mensch, der irgendetwas für absolut richtig oder falsch hält, wird dadurch nicht gefährlich. Ein Problem wird er für die Gesellschaft erst, wenn er daraus ableitet, dass er andere zwingen darf, dasselbe zu glauben, dasselbe zu tun, und dass die ganze Gesellschaft so zu funktionieren hat, wie er es für richtig hält."  

Prof. Dr. theol. Dr. phil. Thomas Schirrmacher (29. August 2012, Vorsitzender der Theologischen Kommission der Weltweiten Evangelischen Allianz, Deutschland: CSU-Kongress: Christenverfolgung im 21. Jahrhundert, www.ead.de/nachrichten)

"Was an der Fundamentalismusdiskussion indes bedenklich stimmt, ist eine oft geradezu irrationale Angst vor jeder Art von unbedingten Wahrheitsansprüchen und Glaubensgewissheiten. Als Gefahr für die liberale Gesellschaft gilt vielfach nicht nur, wer dem anderen seine Überzeugungen aufzwingen will, sondern schon, wer überhaupt welche hat.

Der Papst ist offenbar ein besonders schwerer Fall."

Jan Ross (September 2001, Redakteur der ZEIT, Glaubenswahn. Was ist Fundamentalismus? DIE ZEIT - Nr. 40, 2001, Aktualisiert am 4. September 2006, in: www.zeit.de/2001/40/200140_fundamentalismus.xml)

"Der „Kirche des Wortes“ ist die Bibel als Wort Gottes verloren gegangen. Genauer gesagt: Die Evangelische Kirche hat sich von der „Heiligen Schrift“ entfernt und betrachtet sie aus kritischer Distanz als ein altes Buch unter vielen anderen."

Pfarrer Wolfgang Sickinger (28.07.2005, Kirche ohne Bibel?)

 


"Die Evangelien sind … Nacherzählungen etwa 40 bis 70 Jahre nach den Ereignissen. … Historisch verbürgt ist im Detail aber nichts."

Vizepräsident Dr. Thies Gundlach (17.03.2004, Vizepräsidenten des Kirchenamtes der EKD, "Das sind die Hollywood-Bilder von Jesus", Interview mit der taz, www.taz.de)

 


"Die Passion des biblischen Jesus entspricht nicht der wirklichen Geschichte, sondern wurde aus dem Alten Testament zusammenfabuliert. ...

Das wichtigste Ergebnis der dogmatisch ungebundenen Bibelkritik des 19. und 20.Jahrhunderts ist die Erkenntnis der Nichtidentität des Jesus von Nazareth mit dem biblischen und kirchlichen Christus."

Dr. Karlheinz Deschner (Historiker)

"Deschner hat sich informiert. Er wird sich auf nichts einlassen als: Information"

Prof. Dr. Hans Conzelmann (1915 - 1989, Theologe, Neutestamentler)

 


"Den Theologen kann man nichts falsch machen."

Rudolf Augstein  (September 2001, Jesus Menschensohn, Seite 98, 3. Aufl. 2003)

"Die Grundannahme des "Priesterbetruges", die bei uns seit dem Hamburger Philosophen Hermann Samuel Reimarus (1694-1768) herrscht und behauptet:
Jesus sei einfach ein guter Mensch gewesen, alles andere hätten Kirchenleute hinzugedichtet.

Seitdem kämpft die aufgeklärte Exegese gegen die Kirche. Ziel ist zu zeigen: Die Priester (bzw. Kirchenvertreter) sind Lügner und Betrüger.

 

Das gipfelt nun in neuesten amerikanischen Forschungsthesen, die besagen: Vielleicht gibt es überhaupt kein echtes Jesus-Wort. Solche Aussagen gelten als flott, sind aber völlig willkürlich."

Prof. Dr. Klaus Berger (Dezember 2004, Theologe, Interview mit dem Neutestamentler Klaus Berger in Heidelberg)

"Heftige Kritik übt Berger [Prof. Dr. Klaus Berger] an einem historisch-kritischen Schriftverständnis, bei dem Bibelkritik zum Instrument von Kirchenkritik gemacht werde. Es gebe keinen sichereren Weg, den Glauben zu verlieren, als das Studium dieser Methode. Diese Exegese finde immer heraus, „dass angeblich alles das nicht stimmt, was wir glauben“."

idea (19.10.08, Exegeten haben die Bibel „zum Steinbruch gemacht“, www.idea.de)

 


"Den Inhalt der Bibel bilden eben gar nicht die rechten Menschengedanken über Gott, sondern die rechten Gottesgedanken über den Menschen."

Prof. Dr. Karl Barth (1925, Ev. Theologe, Das Wort Gottes und die Theologie)

 

"In dieser Debatte sei es erlaubt, an Aussagen Karl Barths zum Thema [Was ist gute Theologie?] zu erinnern, die manche als höchst unzeitgemäß empfinden mögen. Doch bisweilen ist gerade das Unzeitgemäße höchst an der Zeit."

Prof. Dr. Ulrich Körtner (2004, Theologe, "Wissenschaftler des Jahres 2001", Was ist gute Theologie? Stuttgart: Kreuzverlag, Seite 77)

"Keiner glaubt uns, was wir selbst nicht glauben"

Prof. Dr. Dr. Otto. B. Roegele (März 1988, Kommunikationswissenschaftler, Keiner glaubt uns, was wir selbst nicht glauben, IKZ Internationale Katholische Zeitschrift Communio 2/1988 (17. Jg.), S. 144-153. www.communio.de)

 

"Im Übrigen gilt für uns "Kirchenpersonal" der alte Spruch: Wer Opel verkaufen will, sollte möglichst auch Opel fahren."

Dr. Joachim Wanke (08. April 2007, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 8.4.07, Nr. 14, Seite 7)

 

 

 

"Der Glaube hat es nicht nötig, durch eine bibelkritische Theologie gesellschaftlichen Belang zu erhalten.

Was die Heilige Schrift sagt, muss nicht durch theologische Anstrengung für den jeweiligen Zeitgeist passend gemacht werden. Der Heilige Geist vermag jede Generation zu erreichen. ... Echter Glaube an die Erlösung in Jesus Christus wird durch Gottes Gnade vor dieser Gefahr bewahrt."

Prof. Dr. theol. Eta Linnemann (04. Juli 2007, Theologin, ideaSpektrum Nr. 27/2007, Seite 4)

 


"Wie viele Winde der Lehre haben wir in den letzten Jahrzehnten erlebt! Wie viele ideologische Strömungen! Wie viele Moden des Denkens... Das Schifflein des Denkens vieler Christen ist nicht selten von diesen Wellen bewegt worden, umhergeworfen von einem Extrem zum andern. Vom Marxismus zum Liberalismus, bis zur Libertinage; vom Kollektivismus zum radikalen Individualismus; vom Atheismus zu einer vagen religiösen Mystik; vom Agnostizismus zum Synkretismus und so weiter. ...

Einen klaren christlichen Glauben zu haben, gemäß dem Credo der Kirche, wird häufig als Fundamentalismus etikettiert.

Dabei erscheint der Relativismus, das heißt, das Sich-treiben-lassen hierhin und dorthin von jedwedem Wind der Lehre, als die einzige Haltung auf der Höhe der Zeit. Es bildet sich eine Diktatur des Relativismus heraus, die nichts als definitiv anerkennt und die als letztes Maß nur das eigene Ich und seine Wünsche gelten lässt.

Wir hingegen haben ein anderes Maß: den Sohn Gottes, den wahren Menschen.

Reif ist nicht ein Glaube, der den Wellen der Mode und der letzten Neuheit folgt. Erwachsen und reif ist ein Glaube, der zutiefst verwurzelt ist in der Freundschaft mit Christus. Dies gibt uns das Kriterium zu unterscheiden zwischen wahr und falsch, zwischen Betrug und Wahrheit."

Dr. Joseph Ratzinger (20.04.2005, 2005-2013 Papst Benedikt XVI., Frankfurter Allgemeine Zeitung F.A.Z. Nr. 91 / Seite 3, Wider die Diktatur des Relativismus)

 

"Wer nicht auf den Felsen der Gottheit Christi baut, wird zerschellen; die Kirche aber, auf diesen Felsen gegründet, wird die Jahrtausende überdauern und bestehen, bis die Sterne vom Himmel fallen."

Bischof Athanasius (298 - 373, Bischof von Alexandria in Ägypten, Kirchenvater)

 


"Die Theologie, wie sie heute rings um den Erdball - sowohl in Ost-West- als auch in Nord-Süd-Richtung an den meisten Universitäten gelehrt wird und die ganz gewiss in Deutschland an den staatlichen Universitäten das Monopol hat und den Alleinvertretungsanspruch erhebt, basiert auf der historisch-kritischen Methode.

Diese ist nicht nur Grundlage in den exegetischen Disziplinen. Sie entscheidet auch darüber, was der Systematiker sagen kann und was man ihm abnimmt und wie man in Katechetik, Homiletik und Ethik vorzugehen pflegt. …

Meine früheren Kollegen, mit denen ich bei den Meetings der Society for New Testament Studies [SNTS ist ein internationaler Verband habilitierter Theologinnen und Theologen, die im Fachgebiet Neues Testament arbeiten] Gemeinschaft hatte, würden sich streng dagegen verwahren, wenn man sie als historisch-kritische Methodiker einstufen würde anstatt als Theologen. Denn sie selber verstehen sich als Theologen und wollen als solche ernst genommen werden.

Dann ist es aber doch wohl nicht verkehrt, ihre Arbeit als historisch-kritische Theologie anzusprechen und nicht bloß von historisch-kritischer Methode zu reden."

Prof. Dr. Eta Linnemann (1994, Theologin, Original oder Fälschung. Historisch-kritische Theologie im Licht der Bibel, ISBN 978-3893977543)

 


 

KI-Cartoon

Copyright Thomas Plaßmann

 


"An den theologischen Fakultäten deutscher Universitäten ist immer noch eine Methode Standard, die ein historistisches, reduktives Weltbild als Denkvoraussetzung für die Erforschung der Bibel setzt: die historisch kritische Methode. …
So kann man in einem Arbeitsbuch für Studenten von 2004 den Satz lesen: »Die biblischen Texte werden methodisch nicht anders behandelt als andere literarische Zeugnisse, insbesondere solche der Antike«.


Durch die Übernahme dieses Arbeitsgrundsatzes, der auf unangemessenen Vorentscheidungen beruht, scheidet alles aus, was den beobachtbaren Naturgesetzen widerspricht: die Wunder wie überhaupt die in der Bibel bezeugten heilsgeschichtlichen Ereignisse bis hin zur Auferstehung Christi. …

Alles, was nicht in ein materielles Weltbild passt, das man damals für wissenschaftlich hielt, wird wegrationalisiert, zum mythologischen Beiwerk deklariert oder eigenartig uminterpretiert als Seelenzustände religiös Begabter. …

Wir haben in den europäischen Kirchen, besonders im deutschen Protestantismus, eine beschädigte Christologie als Folge einer Jahrhunderte währenden Demontage der Christologie: Jesus nicht geboren von einer Jungfrau, keine Erlösung durch seinen Tod, keine Höllenfahrt, um auch den toten Seelen die Erlösung zu verkünden, keine leibliche Auferstehung, keine Präexistenz Jesu, keine Wunder, keine Totenauferweckungen durch den in der Autorität Gottes handelnden Jesus, keine Messianität Christi, keine Gottessohnschaft und damit auch keine Dreieinigkeit Gottes. 

Und Jesus? Wer war er nun in den Augen der Demonteure? Je nach Vorliebe: ein religiös begabter Wanderprediger, ein frommer Sozialarbeiter, ein Morallehrer, ein pazifistischer Revolutionär, ein Kritiker der etablierten Religion, ein Weisheitslehrer des richtigen Weges, auf jeden Fall ein toller Typ, aber nicht der gottgesandte Erlöser. Dieser klein gemachte, auf ein bürgerlich erträgliches Maß zurechtgestutzte Jesus ist weithin der Theologenschaft gelehrt worden und prägt als Grundrauschen die kirchliche Wirklichkeit. …

Dem Protestantismus, der als alleinige Grundlage die Bibel hat, wird das Fundament entzogen. Die Konsequenz dieser Theologie heißt Atheismus."

Pfarrer Alexander Garth (9. September 2021, Untergehen oder Umkehren: Warum der christliche Glaube seine beste Zeit noch vor sich hat, Evangelische Verlagsanstalt Leipzig)

"Eine Wissenschaft vom christlichen Glauben ist sowenig christlich, wie die Wissenschaft vom Verbrechen verbrecherisch."

Dr. Oskar Pfister (1923, Theologe, Schweiz)

 

Man kann "gelegentlich die Tendenz beobachten, die evangelische Theologie in eine Religionswissenschaft des Christentums zu verwandeln."

Dr. Wolfgang Huber (27. Oktober 2005, 2003 - 2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, Gute Theologie – zum Verhältnis von Theologie und Kirche. Festvortrag zum 100jährigen Jubiläum der Kirchlichen Hochschule Bethel, www.ekd.de/vortraege/2005/051027_huber_bethel.html)

"Die Theologie betreibt freilich ihre eigene Liquidation, wenn sie sich nur noch religions- bzw. kultur-wissenschaftlich zu legitimieren versucht.

Sie beschleunigt auf diese Weise ihre Eingliederung in kulturwissenschaftliche Fachbereiche und die Auflösung eigenständiger theologischer Fakultäten. Auf »religiöse Kulturhermeneutik« (Grab) verstehen sich, wie der Philosoph Norbert Bolz feststellt, andere Disziplinen zumindest ebenso gut wie die Theologie."

Prof. Dr. DDr. h.c. Ulrich H.J. Körtner (2004, Ev. Theologe, "Wissenschaftler des Jahres 2001", in: Wolfgang Huber (Hg.): Was ist gute Theologie? Stuttgart Kreuzverlag 2004, S. 81)

Uni_Frankfurt

Uni-Campus West der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main

commons.wikimedia.org/wiki/File:IG_Farben_Gebaeude_Uni_Frankfurt.jpg (2009)

[Nach der Architektur mein spätes Zweitstudium am Fachbereich 06, Evangelische Theologie]

 

 


"Wenn christliche Theologie nämlich als Theologie und nicht nur als eine Kulturwissenschaft unter anderen verstanden werden soll, dann ist sie eine Wissenschaft, welche den Glauben an das „Heilshandeln“ Gottes am Menschen in der Person Jesu Christi zum Gegenstand hat und somit Glaube und Kirche für die Entfaltung ihres wissenschaftlichen Denkens voraussetzt. …

Das ist kein geringer Anspruch, aber ich fürchte, er kann nicht unterschritten werden, weil im Begriff des den Menschen zugewandten (persönlichen) Gottes „der schöpferische Ursprung aller Wirklichkeit“ mitgedacht ist. ...

Bekanntlich gehört die christliche Theologie seit mehreren Jahrhunderten zum Kernbestand der europäischen Universität. Sie scheint mir heute, erstmals in ihrer Geschichte, substantiell bedroht, weil die seit Jahren zu beobachtende Entkoppelung von Religion und Theologie ein Symptom ist für die sich aufstauende Woge der Irrationalität einerseits und einer gefühllosen Rationalität andererseits. …

Die Zugehörigkeit der Theologischen Fakultäten zur staatlichen Universität der Moderne ist dabei nicht so sehr durch Sparmaßnahmen und den Rückgang der Studentenzahlen gefährdet, als vielmehr dadurch, dass das öffentliche Interesse an ihren Forschungsergebnissen und Lehrmeinungen erlahmt, dass das interfakultative Gespräch abzureißen droht und schon weithin abgerissen ist, das über die Zeitalter hin stets kontrovers und daher lebendig geführt wurde."

Prof. Dr. Wolfgang Frühwald (16. März 2011, Literaturwissenschaftler, 1992 bis 1997 Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Die Pluralisierung der Theologie oder Theologie in Universität und Gesellschaft heute, In: Erich Garhammer (Hg.) Theologie, wohin? Blicke von außen und von innen, Würzburger Theologie, Band 6 Echter Verlag Würzburg, S. 15-17)

 

"Die Vorstellung, die Theologie könne sich dadurch unentbehrlich machen, dass sie genau tut, was andere ohnehin tun, erscheint mir als verwegen.

Im Dialog mit anderen Kulturwissenschaften zeigt sich die Unentbehrlichkeit der Theologie darin, dass sie Theologie ist - nicht darin, dass sie unausgesetzt betont, sie sei eine Kulturwissenschaft. Schon vor einer Generation sah Helmut Schelsky die Falle für die Theologie darin, dass sie verdoppelt, was in anderen wissenschaftlichen Disziplinen ohnehin geschieht.

Ihren wissenschaftlichen Charakter demonstriert die Theologie gegenüber den Historikern dadurch, dass sie historisch, gegenüber den Philosophen dadurch, dass sie philosophisch, gegenüber den Soziologen dadurch, dass sie soziologisch ist.

Und gegenüber den geistigen Trends der jeweiligen Zeit möchte sie gern beweisen, dass sie auch dazu gehört. Wenn Subjektivitätstheorie modern ist, rekonstruiert man den Glauben subjektivitätstheoretisch; wenn ein cultural turn angesagt ist, wird Kulturhermeneutik hochgehalten. Wenn ein Jahr der Lebenswissenschaften ausgerufen wird, möchte man auch dabei sein.

Zeichnet »gute« Theologie sich dadurch aus, dass sie sich den jeweils aktuellen wissenschaftlichen Strömungen anschmiegt?"

Bischof Prof. Dr. Wolfgang Huber (2004, "Was ist gute Theologie?", Stuttgart: Kreuzverlag)

 

"Was die Kirche zu politischen und gesellschaftlichen Fragen sagt, unterscheidet sich oft kaum von dem, was andere Gremien aus Politik, Wirtschaft und Kultur auch schon zu Papier gebracht hatten.

Nach dem Motto: Es ist zwar schon alles gesagt - aber noch nicht von uns."

Wolfgang Polzer (2001, Journalist, ideaSpektrum, 46/2001, S.15)
 

Jan-Fleischhauer

Jan Fleischhauer,  SPIEGEL Redakteur (2021)

Munich Transition for Tomorrow“ von Hubert Burda Media ist lizenziert unter CC BY-NC-SA 2.0.

 


"Die Selbstsäkularisierung der Protestanten strebt einem neuen Höhepunkt zu. … Die Evangelische Kirche ist in der Selbstsäkularisierung schon weit vorangekommen, muss man sagen. … Man sollte im Gegenzug nur nicht mehr erwarten, dass man weiterhin auch zu den Fragen verlässlich Auskunft bekommt, für die sie bislang das Privileg besaß - also alle, die über das Diesseits hinaus weisen."

Jan Fleischhauer (20. Juli 2013,  SPIEGEL Redakteur, S.P.O.N. - Der Schwarze Kanal: Scheidung leichtgemacht, spiegel.de)


"Gott lässt sich nicht säkularisieren … Deshalb ist es ein Trugschluss, wenn die Kirche selbst auf die Säkularisierung der ihr anvertrauten Glaubensgehalte mit einer Selbstsäkularisierung antwortet, statt unter der Asche der Säkularisierung die Glut der ursprünglichen Glaubensmotive freizulegen."

Prof. Dr. Wolfgang Huber (04. April 2006, 2003 - 2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, Kirche der Reformation am Beginn des 21. Jahrhunderts - Eine Ortsbestimmung", Vortrag zum 450jährigen Reformationsjubiläums in Baden)

 

"Gerne würde ich dieses Gottvertrauen auch an meine Kinder weitergeben. Geht aber nicht mehr, mein Kinderglaube ist weg, zu einem Erwachsenenglauben habe ich nie gefunden, für den Atheismus hat's aber auch nicht gereicht."

Christian Nürnberger (3. November 2003, Journalist, 34. Rhein. Pfarrerinnen- und Pfarrertag Bonn)

 

"Peter Scholl-Latour hat das heutige Christentum mit dem Islam verglichen und im Ergebnis nur der römisch-katholischen Kirche noch einige Bedeutung zuerkannt.
Dem europäischen Protestantismus attestierte er, als wirklichkeitsgestaltende Kraft längst irrelevant geworden zu sein. Er führte es darauf zurück, dass die evangelische Christenheit als religiöse Kraft erlahmt sei. Eine Kirche, die geistlich-spirituell nichtssagend geworden sei, habe auch weltlich nichts mehr zu sagen."

Dr. Walter Schöpsdau (3. November 2003, Theologe, Protestantisches Profil. Protestantismus in der Außenperspektive, Pfälzisches Pfarrerblatt)

 

"Gute Theologie muss es wagen, von Gott zu reden, nicht nur über irgendwelche »Gottesgedanken« als Restbestände einer Religionskultur, deren Schwundstufen offenbar die ganze Hoffnung einer neuen Generation von Kulturprotestanten sind."

Prof. Dr. Ulrich Körtner (2004, Ev. Theologe, "Wissenschaftler des Jahres 2001", Was ist gute Theologie? Stuttgart: Kreuzverlag, Seite 85)

 

"Wir sind in einer gewissen geistlichen Leere angekommen."

Vizepräsident Dr. Thies Gundlach (11.02.2009, Vizepräsident EKD, Vortrag vom 11. Februar 2009 an der Evangelischen Akademie Arnoldshain, Schmitten/Taunus, in: Evangelisch sein auf dem Markt, www.unserekirche.de/glaube/aktuell/evangelisch-sein-auf-dem-markt_2982.html)

 

"Viele erkennen, dass eine finanzielle Insolvenz nicht so dramatische Folgen wie eine spirituelle Insolvenz hat."

Pfarrer Peer-Detlev Schladebusch (14.05.2008, Theologe, Trainer im Projekt Spiritual Consulting. Haus kirchlicher Dienste der Evangelisch-lutherischen Landeskirch Hannover, Wenn der Zeitdruck chronisch wird. evlka.de)

 

 

"Aus meiner Sicht beschäftigen sich die Kirchen zu viel mit sich selbst. … Schon während der Corona-Pandemie, als die Menschen Orientierung suchten, hörte man von den Kirchen relativ wenig. … Es ist ein Vakuum entstanden. … Die Kirchen fehlen. Ich bedaure das sehr." 

Armin Laschet (18.05.2024, 2017 bis 2021 nordrhein-westfälischer Ministerpräsident, Laschet bedauert Fehlen von Kirchen in Gesellschaft. Zu viel Selbstbeschäftigung, domradio.de und Laschet: Kirchen vernachlässigen wichtige Aufgabe. idea.de)
 


"Keine andere gesellschaftliche Institution hat so schnell an Bindewirkung verloren wie die Kirche – und wir wissen noch nicht einmal, ob uns etwas und, wenn überhaupt, was genau fehlt."

Dr. Susanne Gaschke (28.12.2021, Journalistin, Publizistin und Autorin, Neue deutsche Glaubenswelten – Die Fragmentierung der Gesellschaft, Zeitung DIE WELT)

 

 

"Wenn ich bei der Predigt am Sonntag den Eindruck habe, dass der Pastor im Augenblick dabei ist, die Erkenntnisse zu vermitteln, die er in der vergangenen Woche im Feuilleton der ‚Frankfurter Rundschau’ gelesen hat, dann spüre ich, dass er vielleicht noch die Köpfe, aber nicht mehr die Herzen seiner Gemeindeglieder erreicht. […] 

Die entscheidende Frage ist: Habt Ihr eine Existenzberechtigung, die sich aus Eurer Botschaft ergibt? Sagt Ihr das den Menschen auch? [...] Die Boten müssen Boten bleiben!"

Altbundespräsident Johannes Rau (1994, 1999 - 2004 achter Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland, Interview Rheinisches Pfarrerblatt)

"Mehr Gott wagen! ... Glaube erhebt Wahrheitsansprüche…

Eine moderne, liberale, offene Gesellschaft entsteht nicht dadurch, dass alle möglichst modern, liberal und offen sein wollen.
Sie lebt davon, dass jeder er selbst ist, erkennbar und deutlich redet. Es ist der Streit, der die Vielfalt hervorbringt, nicht die ängstliche Ausgewogenheit, die gleich mit dem Kompromisshaften und Konsensfähigen beginnen möchte."

Jan Ross (Mai 2003, Redakteur der ZEIT, Autor, Mehr Gott wagen, DIE ZEIT)

 

"Wie weit soll dieses in der evangelischen Kirche schon fast zur Folklore gewordene kirchliche Bemühen, sich bis zur eigenen Unkenntlichkeit mit der Welt zu "verständigen", noch führen?"

Dr. Florian Illies (16.11.02, Frankfurter Allgemeine Zeitung F.A.Z.)

 

"Die einzige Grenzmarkierung, zu der eine solche Institution in der Lage ist, ist die tendenzielle Ausgrenzung jener, die die allgemeine Orientierungsvielfalt als Orientierungslosigkeit in Frage stellen. ...
Eine Kirche, die mehr sein will als eine funktionierende Großorganisation und mehr auch als ein Milieu frommer, netter oder friedliebender Menschen, eine solche Kirche wird fragen müssen, wie die Christen aus der Kraft evangelischer Fundamente glauben und leben können."

Prof. Dr. theol. Manfred Josuttis (1996, PTh 85, S.76)

 


"Vom Christentum bleibt nichts übrig, wenn der Christ sich anstrengt, der Welt nicht töricht zu erscheinen."

Nicolás Gómez Dávila (1913 - 1994, Philosoph)

 


"Wenn es wirklich ein Wiederaufleben der Religion geben wird, dann wird es nicht von denen ausgehen, die einander darin übertrumpft haben, 'für den modernen Menschen relevant zu sein'."

Prof. Dr. Peter L. Berger (* 1929 in Wien, Soziologe)

"Was die Kirche ... anbietet, unterscheidet sich oft nicht mehr von dem, was man in esoterischen Wochenendseminaren lernen kann."

DER SPIEGEL (29.04.2006, Gottes Wert, Seite 50, Nr. 18/2006)

 

"Sinnfindungsklamauk"

(Sonntag Aktuell, Stuttgart)

"Esoterische Bespaßung"

(21.07.2006, Süddeutsche Zeitung, München)

 


"Wer ... die staubtrockene evangelische Synode betrachtet, denkt nicht an Gott, sondern eher an Versicherungsverträge. …
Wer sich der schweren Prüfung eines protestantischen Gottesdienstes an einem beliebigen Sonntag unterzieht, muss auf einem harten Brett sitzen und auf ein nacktes Kreuz starren. Sachliche Seelsorger geben unablässig vernünftige Worte von sich ... Das Ganze hat das Ambiente eines Mathematikunterrichts an einer Gesamtschule."

stern (26.11.2009, Selig ohne Gott, stern Nr. 49, S. 62)

John_Gray

Prof. John N. Gray, Philosoph (2014)

John Gray 2014“ von TheNexusInstitute (youtube) ist lizenziert unter CC BY 3.0.

 

"Der viktorianische Dichter Matthew Arnold schrieb von Gläubigen, die das Zurückweichen des Glaubensmeers als schmerzlichen Verlust erleben. Heute verebbt der säkulare Glaube, und es sind die Apostel des Unglaubens, die mit leeren Händen dastehen."

Prof. John N. Gray (29.03.2008, britischer Philosoph, Professor an der London School of Economics, Was führen die Atheisten im Schilde?, F.A.Z., 29.03.2008, Nr. 74 / Seite Z1)

"Die Niederlande entwickeln sich zu einem „Land von Nicht-Kirchlichen“. Das erklärte der Präses der Protestantischen Kirche in den Niederlanden, Pfarrer Jan-Geert Heetderks, beim EKD-Zukunftskongress am 26. Januar in Wittenberg. …
Mittelfristig werde es nur noch zwei relevante religiöse Gruppen geben - die römisch-katholische Kirche und den Islam. Der organisierte Protestantismus wird Prognosen dieser Untersuchung zufolge zu „einer substantiellen Gruppe von kleinen Gemeinschaften“ gehören, so Heetderks.

Gehörten 1960 noch mehr als 30 Prozent der Niederländer zur evangelischen Kirche, werden es 2020 nur noch vier Prozent sein."

idea (27.01.07, Evangelische Nachrichtenagentur)


"Die vom Meinungsforschungsinstitut Forsa unter 5252 Befragten repräsentativ durchgeführte Studie geht davon aus, dass sich die Zahl der Christen in Deutschland durch Kirchenaustritte spätestens bis 2040 halbiert.

Das wäre 20 Jahre früher als eine Studie der Uni Freiburg von 2019 prognostiziert, die viele Bistümer für pastorale und finanzielle Strategien zugrunde gelegt haben. Damit nicht genug: Die KMU sieht eine „Dynamik, die sich bei der katholischen Kirche gegebenenfalls sogar noch schneller vollziehen könnte“."

Kirchenmitgliedschafts-Untersuchung KMU (14.11.2023, Kirchen legen gemeinsame Studie vor, Katholische Kirche am Kipppunkt: Halbierung viel schneller als erwartet, KIRCHE+LEBEN, www.kirche-und-leben.de/artikel/katholische-kirche-am-kipppunkt-halbierung-viel-schneller-als-erwartet, Stand 24.03.2024)

 


Spiegel: "Es gibt kaum eine gesellschaftliche Debatte in Deutschland, auf die nicht unmittelbar eine Stellungnahme von Bischof Huber folgen würde. ... Man weiß aber nicht so richtig, warum man zu Bischof Huber in den Gottesdienst kommen soll.

Bischof Dr. Huber: "Weil Sie im Gottesdienst das Wort Gottes hören. Ich lade Sie herzlich dazu ein."

DER SPIEGEL (29.04.2006, Gottes Wert, Seite 50, Nr. 18/2006)

"Wir weichen weiter und weiter zentrale Aussagen der Bibel auf. Wir verlassen mehr und mehr die biblische Grundlage zugunsten einer allgemeinen beliebigen, multikulturellen und international akzeptierten Religiosität."

Pfarrer Eberhard Hoppe (15.03.08, Kirche öffnet Tür für „weichgespültes Evangelium“. Kritik an einer Stellungnahme des Leitenden Geistlichen Amts (LGA) der hessen-nassauischen Kirche zur Lehre vom Sühnetod Jesu Christi haben pietistische Gemeinschaftsverbände geübt. www.idea.de)

 


"Endlich können die Christen ehrlich sein und ihren so lange mit Gewalt, Kattun und Gelehrsamkeit verteidigten Anspruch auf die Alleinvertretung Gottes aufgeben und sich in die Gemeinschaft der Weltreligionen einreihen ...
Daher geht die Christenheit unserer Tage ... auf eine größere Ökumene als bisher zu: auf die Ökumene der Religionen."

»Appell aus Baden« (Mai 2006, Baden-Baden, Hans-Joachim Girock, Dr. Gerhard Liedke u. Prof. Dr. Gottfried Gerner-Wolfhard, Vorwort v. Bischof Dr. Ulrich Fischer - Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Baden, Baden-Baden, epd Dokumentation 26/2006, ekiba.de/images/Was-jetzt-dringlich-ist.pdf)

 

"Staatstheologen" [F.A.Z.]

"Kann die neue Universalreligion der Welt endgültig Frieden und Wohlstand bringen … selbstverständlich nach Beseitigung all der hinderlichen Bekenntnisse und nachdem eine moderne Bibelkritik die Person Jesu und die Gebote Gottes auf ein den Zeitgenossen zumutbares Maß zurückgestutzt hat.

Heute aber, da diese Forderungen von unseren Schriftgelehrten ... tatsächlich und lauthals erhoben werden, sollten wir da nicht endlich wach werden? …
Weil ihre Theologieprofessoren an den Fakultäten staatlicher Universitäten … lebenslänglich auf hohem Niveau alimentiert werden, ohne jede Rücksicht darauf, ob sie ihrem Auftrag nachkommen ...

Ja selbst wenn sie, wie mehrfach geschehen, aus der Kirche austreten und nur noch gegen die Kirche agieren, ist nach geltendem Recht der Staat (das heißt der Steuerzahler) verpflichtet, nicht nur sie, sondern auch noch ihre Ersatzmänner zu finanzieren...
Der Missbrauch dieser Rechtsstellung hat inzwischen einen Umfang und eine Wirkung in der Öffentlichkeit erreicht, dass es berechtigt erscheint, die Frage nach der Überprüfung des ganzen Systems zu stellen. Dies auch im Hinblick auf unsere Verantwortung gegenüber dem theologischen Nachwuchs.

Kaum hatte ich dieses Tabu aber einmal angerührt, da hörte ich von hoher Warte, dass ein Eingriff in diesen Gral "den Anfang vom Ende einer wissenschaftlichen Theologie" bedeuten würde. Das klingt zunächst beeindruckend.
Wenn man dieses Argument aber wirklich ernst nehmen wollte, müsste man folgerichtig zu dem Schluss kommen, dass es in den letzten zwei Jahrtausenden nirgendwo - mit Ausnahme Deutschlands im vergangenen Jahrhundert - wissenschaftliche Theologie gegeben hat oder geben konnte:

Nie und nirgendwo gab es ja je die Voraussetzungen unserer heimischen Konkordate."

Erzbischof Dr. Dr. Johannes Dyba (5.4.1995, Theologe, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 81, S. 14)

 


"Nirgendwo auf der Welt gibt es eine so hohe Dichte von staatsfinanzierter universitärer Theologie wie in Deutschland. …

Fast einzigartig in der Welt ist die Konstruktion, dass die Ausbildung der Pfarrerschaft so gut wie vollständig von staatlichen Universitäten finanziert und betrieben wird. Bis heute gibt es theologische Fakultäten an den größten und wichtigsten Universitäten des Landes. Hinzu kommt:  Religionsunterricht ist in Deutschland ein ordentliches Lehrfach in allen Schulstufen. Es gibt tausende promovierte Theologinnen und Theologen und Zehntausend«, die Theologie studiert haben. Diese weltweit einzigartige Konstellation prägt natürlich die deutsche Situation. …

An Bibelschulen und freien Hochschulen studieren inzwischen deutlich mehr Menschen Theologie als im klassischen Pfarramtsstudium an den Universitäten. Es gibt mittlerweile auch tausende von Evangelikalen, die einen theologischen Abschluss in irgendeiner Form erworben haben."

Prof. Dr. Thorsten Dietz (7. April 2022, Ev. Theologe, bis 2022 Professor für Systematische Theologie an der Ev. Hochschule Tabor, Privatdozent Universität Marburg, Fokus Theologie Reformierten Kirche Kanton Zürich/Schweiz, Worthaus Referent, Menschen mit Mission: Eine Landkarte der evangelikalen Welt,  SCM R.Brockhaus; 1. Edition 2022, S. 63 u. 193)


"Abgesehen von einigen Grundannahmen und der Übereinstimmung in den Methoden kann man sicher sein, dass da, wo sich zwei Theologen über Ergebnisse ihrer Arbeit austauschen, in der Regel zwei verschiedene Meinungen zutage treten."

Prof. Dr. Eta Linnemann (1994, Theologin, Original oder Fälschung. Historisch-kritische Theologie im Licht der Bibel.)


"Immer findet sich bei Theologen, auch bei den bekanntesten, eine Gegenmeinung."

Prof. Dr. Rudolf Bultmann (1884-1976, Theologe, Die Geschichte der synoptische Tradition, Seite 97, 10. Aufl. Göttingen 1995)

Benedikt

Briefkopf und Unterschrift von Papst Benedikt XVI. emeritus (2015)

https://de.wikipedia.org/wiki/Benedikt_XVI. (28 February 2015)


"Am Beginn des dritten christlichen Jahrtausends befindet sich das Christentum gerade im Raum seiner ursprünglichen Ausdehnung, in Europa, in einer tief gehenden Krise, die auf der Krise seines Wahrheitsanspruches beruht. …

Die kritische Exegese relativiert die Gestalt Jesu und setzt Fragezeichen gegenüber seinem Sohnesbewusstsein; der Ursprung der Kirche in Jesus erscheint zweifelhaft und so fort … seine historischen Grundlagen stehen infolge der modernen historischen Methoden im Zwielicht.

So liegt es auch von daher nahe, die christlichen Inhalte ins Symbolische zurückzunehmen, ihnen keine höhere Wahrheit zuzusprechen als den Mythen der Religionsgeschichte - sie als Weise der religiösen Erfahrung anzusehen, die sich demütig neben andere zu stellen hätte.
In diesem Sinn kann man dann - wie es scheint - fortfahren, ein Christ zu bleiben; man bedient sich weiterhin der Ausdrucksformen des Christentums, deren Anspruch freilich von Grund auf verändert ist:

Was als Wahrheit verpflichtende Kraft und verlässliche Verheißung für den Menschen gewesen war, wird nun zu einer kulturellen Ausdrucksform des allgemeinen religiösen Empfindens, die uns durch die Zufälle unserer europäischen Herkunft nahe gelegt ist. …

Ist demnach der Anspruch des Christentums, religio vera zu sein, durch den Fortgang der Aufklärung überholt?
Muss es von seinem Anspruch heruntersteigen und sich in die neuplatonische oder buddhistische oder hinduistische Sicht von Wahrheit und Symbol einfügen, sich - wie Troeltsch es vorgeschlagen hatte - damit bescheiden, die den Europäern zugewandte Seite des Antlitzes Gottes zu zeigen?

Muss es vielleicht sogar einen Schritt weiter gehen als Troeltsch, der noch meinte, das Christentum sei die für Europa angemessene Religion, während doch heute gerade Europa an dieser Angemessenheit zweifelt? Dies ist die eigentliche Frage, der sich heute Kirche und Theologie zu stellen haben.

Alle Krisen im Inneren des Christentums, die wir gegenwärtig beobachten, beruhen nur ganz sekundär auf institutionellen Problemen. Die Probleme der Institutionen wie der Personen in der Kirche rühren letztlich von der gewaltigen Wucht dieser Frage her. Dies ist die grundsätzliche Herausforderung am Beginn des dritten christlichen Jahrtausends."

Prof. Dr. Joseph Ratzinger (08.01.2000, 2005-2013 Papst Benedikt XVI., Der angezweifelte Wahrheitsanspruch. Die Krise des Christentums am Beginn des dritten Jahrtausends, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.01.2000, Nr. 6, S. I)

 


"Lasst euch nicht um die Wahrheit betrügen!"

Kölner Erzbischof Kardinal Dr. Joachim Meisner (08.06.2007, Dialogbibelarbeit von Präses Nikolaus Schneider und Joachim Kardinal Meisner beim 31. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Köln, Manuskript der gemeinsamen Bibelarbeit: Pressemitteilung Nr. 119 / 2007)

 

"Die neuzeitliche Exegese wird bis in die Gegenwart hinein durch die historisch-kritische Methode bestimmt. Gegenüber dieser Methode erschien die Schriftauslegung der Väter als minderwertig, ja als nicht eigentlich »wissenschaftlich«."

Prof. Dr. Andreas Merkt (2006, Regensburg, uni-regensburg.de/Fakultaeten/Theologie/alte-kg/ntp/)

 

"Die historisch-kritische Methode wird ... als unumgängliche Sicherung gegen Unwissenschaftlichkeit, Verwilderung der Theologie, Verarmung der Predigt, Schwärmerei und Gefährdung des Glaubens statuiert!

Ist diese Feststellung richtig, dann müssen die 1700 Jahre Kirchen- und Theologiegeschichte vor der Aufklärung geistlich-theologisch eine einzige Katastrophe gewesen sein!"

Prof. Dr. theol. Armin Sierszyn (1978, Schweizer Theologe, Die Bibel im Griff? − Historisch-kritische Denkweise und biblische Theologie, Hänssler; Auflage: 2001)

Nikolaus-Schneider

Präses Dr. h.c. Nikolaus Schneider (2007)

Nikolas schneider 20070607“ von Elke Wetzig (Elya) ist lizenziert unter CC BY-SA 3.0.

 

 

"Ich halte es für vermessen zu meinen, nur eine historisch-kritische Forschung könne uns das »wahre« Jesusbild vermitteln. Auch sie wird das nicht schaffen. Christliche Theologie hat für mich nicht erst nach der Aufklärung und durch die Aufklärung Annäherungen an die Wahrheit Gottes ermöglichen können.

 

Und deshalb sehe ich weder für mich noch für meine Kirche die Notwendigkeit, dass sich heutige Theologie von allen Erkenntnissen und Bekenntnissen vor der Aufklärung zu verabschieden hätte. ... (S. 105)

Jesus lebte und predigte nach den Zeugnissen der Evangelien ein Gottvertrauen, das Menschen mit Zuversicht und Nächstenliebe erfüllte und das ihnen eine Hoffnung über den Tod hinaus schenkte.
Ein solches Gottvertrauen vermag Menschen bis heute aus vielerlei »Gefangenschaften des Denkens« zu befreien: aus der Gefangenschaft in Vorurteilen, Selbstzweifeln und Denkfaulheit ebenso wie aus der Gefangenschaft in Überheblichkeit, Fundamentalismus, Skeptizismus und Wissenschaftsgläubigkeit.

Meines Erachtens kann nämlich auch die Überschätzung und Verabsolutierung wissenschaftlicher Methoden und Erkenntnisse in eine Gefangenschaft des Denkens führen und der Liebesfähigkeit des Menschen im Blick auf Gott und im Blick auf seine Mitmenschen im Wege stehen." (S. 116)

Präses Dr. h.c. Nikolaus Schneider (23. September 2013, 2010 - 2014 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD, 2003-2013 Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland EKiR, Nikolaus Schneider, Martin Urban: Was kann man heute noch glauben? Ein Disput, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh, 2013, S. 105 u. 116)

 

"Nur wer noch in dem Mindsetting eines Monopolisten des volkskirchlichen Zeitalters steckt, wird andere christliche Player als Bedrohung sehen. …
In weiten Teilen der Theologenschaft werden fundamentale Glaubensinhalte, die konstitutiv für das Christsein sind, als veraltet, unwissenschaftlich, unglaubwürdig, fundamentalistisch, mythologisch, mittelalterlich apostrophiert: Trinität, Gottheit Jesu, Wunder, Sühnetod und leibliche Auferstehung Jesu, Jungfrauengeburt. …

Die universitäre Theologie - eine eigene Welt … Völlig abgehoben von der gemeindlichen Basis samt ihren Nöten und Bedürfnissen werden Theorien entwickelt, welche das christliche Zeugnis in einer zunehmend säkularen Welt beschädigen und langfristig zur Selbstauflösung der Kirche führen. … 

Das Denkraster liberaler Theologie ist ein Auslaufmodell … Ein Denkraster erzeugt als ideologisches Auswahlverfahren Denkverbote. Das liberale reduktive Denkraster ist das Resultat einer reduktiven Vorannahme, nämlich der wissenschaftlich nicht begründbaren Entscheidung, Wunder, Offenbarungen und göttliches Eingreifen von vornherein auszuschließen. 

Der Rechtsphilosoph Hugo Grotius führte im 17. Jahrhundert ein wichtiges Forschungsprinzip ein, dass nämlich Wissenschaft forschen muss etsi Deus non daretur – als ob es Gott nicht gäbe. … Dieser Grundsatz ist seit der Aufklärung im 18. Jahrhundert allmählich auch in der universitären Theologie zur Anwendung gekommen. Die Gotteswissenschaft unterwirft sich dem erkenntnistheoretischen Ansatz, so zu arbeiten »als ob es Gott nicht gebe«.

Dieser Grundsatz dominiert heute als methodisches Axiom die exegetischen Wissenschaften und entzieht damit den anderen theologischen Disziplinen ihr biblisches Fundament. …

Theologische Wissenschaft als Gotteswissenschaft darf mit dem Eingreifen Gottes rechnen. Wenn sie das ausklammert, ist sie keine Theologie mehr, sondern säkulare Geschichtsforschung. Die Bibel erzählt nicht einfach historische Ereignisse, sondern die Geschichte Gottes mit dem Menschen. Gott greift ein in die Geschehnisse dieser Welt. Darum »ist kein Ding unmöglich«. …

Ein Bekannter von mir, ein kluger und theologisch gebildeter Nichtchrist, meinte zu mir: »Wenn das mit Gott so stimmt, warum tut ihr euch so schwer mit »geboren von der Jungfrau«? Wenn Gott Gott ist, dann ist das kein Problem. Wenn Gott nicht Gott ist, dann kann man alles anzweifeln, Glauben, Jesus, Christentum, Kirche.« …

Die Konsequenz ist ein farbloses, moralisierendes, langweiliges, banales Christentum ohne Offenbarungen, ohne Wunder, ohne Totenauferweckungen, ohne Visionen, ohne Engel, ohne Heilungen, ohne Eingreifen Gottes, ohne die Werke des Heiligen Geistes, die in der Heiligen Schrift und in der Geschichte der Kirche überreich bezeugt sind. …

Mit einer Theologie der leeren Krippe und des vollen Grabes gibt es keine Zukunft für die Kirche. Kein Mensch, gleich gar keine erlösungsbedürftige Welt, braucht so eine Religion mit einem Glauben an einen stummen, abwesenden Gott, an einen Erlöser, der gar keiner ist, sondern lediglich ein religiös begabter Mensch, an einen Messias, der letztlich am Kreuz scheiterte. 


Dieser fundamentalistische Rationalismus macht aus der großen Geschichte Gottes mit der Menschheit ein armseliges Trauerspiel der Auflösung des Glaubens in lauter harmlose Existenzialismen und Moralismen. Das ist nicht nur eng, das ist langweilig.

Ein Blick in die weltweite Christenheit und ihre vielfältige Theologie führt in eine erlösende Weite weg von einer elitären und gleichzeitig kleinkarierten Schreibtischtheologie bildungsbürgerlicher und irgendwie auch spießiger Gelehrsamkeit. …


Fast alle Gemeinden in der Welt arbeiten in einem anderen Betriebsmodell von Kirche. … Die Heiligen Schrift bezeugt den Schöpfer allen Seins als handelnden Gott in dieser Welt durch Jesus Christus und durch das Wirken des Heiligen Geistes in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft."

Pfarrer Alexander Garth (9. September 2021, Untergehen oder Umkehren: Warum der christliche Glaube seine beste Zeit noch vor sich hat, Evangelische Verlagsanstalt Leipzig) 

Dirk-Pilz

Dr. Dirk Pilz, rechts im Bild (2013)

Konferenz: Theater und Netz“ von boellstiftung ist lizenziert unter CC BY-SA 2.0.

"Die Kirchen sind theologisch verarmt, sie wissen immer weniger zu vermitteln, was christlicher Glaube, Gott, Gebet, Gemeinde im 21. Jahrhundert überhaupt bedeutet. Sucht man nach großen, systematischen Entwürfen in der Theologie, die sich diesen Fragen stellen - man findet nichts. Hört man sich an, was auf den Kanzeln gepredigt wird - man hört kaum etwas dazu.

Dass christlicher Glaube kein Glaube an einen kuscheligen Wertekanon ist, sondern an eine deutliche Erlösungsbotschaft, dass er immer Wagnis und Offenbarung ist, sich weder berechnen noch vernutzen lässt, davon müsste die Rede sein. "Wir leben", hat der Theologe Eberhard Jüngel vor über 30 Jahren geschrieben, "im Zeitalter der sprachlichen Ortlosigkeit und der Sprachlosigkeit der Theologie." Das gilt noch immer, man kann es, unter anderem, an den Austrittszahlen ablesen.

Die Kirchen stehen also vor der theologischen Aufgabe einer geistlichen Reformation. Das ist nicht neu in der Kirchengeschichte, selten aber war sie so dringlich wie jetzt."

Dr. Dirk Pilz (21. April 2011, Redakteur, Theaterkritiker, Von guten Geistern verlassen, Berliner Zeitung, www.berliner-zeitung.de)

 

"Du verlangst von mir eine Anleitung zur Erforschung der Heiligen Schrift?

Du forderst etwas, das weit meine Kräfte übersteigt ... Zuerst steht dies ganz fest, dass man in die Heilige Schrift weder durchs Studium noch mit dem Verstand ganz eindringen kann. Darum ist es die erste Obliegenheit, mit Gebet zu beginnen ...
Denn es gibt keinen Meister der göttlichen Worte, außer dem selbst, der seines Wortes Urheber ist."

Dr. Martin Luther (18.1.1518, Reformator, Brief Luthers an Georg Spalatin)

 


"Gott kann nur durch Gott erkannt werden."

Anselm von Canterbury (1033 - 1109, Philosoph)

 


"Die Heilige Schrift legt sich selber aus."  [Scrip tura sacra sui ipsius interpres]

Dr. Martin Luther (15.Jhr., Reformator)

 

"Die Geschichte der christlichen Theologie ist die Leidensgeschichte des Christus;
nicht nur einmal ist dieser von den Theologen gekreuzigt worden."

Prof. Fritz Buri (1907 - 1995, Theologe, Rudolf Bultmanns Theologie der Entmythologisierung geht Buri nicht weit genug und er fordert darüber hinaus die Entkerygmatisierung der Predigt)

 

"Ein Lehrer der Theologie hat zwar die liberale Freiheit, aus den theologischen Bindungen seines Amtes zu entweichen, die er in voller Kenntnis freiwillig zu erfüllen versprach - aber er hat keineswegs die Freiheit, die Glaubenslehre seiner Kirche gegen deren Willen durch sein staatliches Lehramt zu verkehren."

Prof. Dr. Martin Heckel (1986, Professor für Kirchenrecht und Öffentliches Recht der Universität Tübingen, "Die theologischen Fakultäten im weltlichen Verfassungsstaat")

 

"Die Folge der historisch-kritischen Theologie ist in erster Linie der Verlust des Vertrauens in die Bibel und damit der Verlust des Glaubensfundaments. Unglaube gegenüber Gottes Wort ist die Wurzel dieser Theologie - und es ist auch ihre Saat und ihre Frucht.

Die Folge des inneren Glaubensverlusts ist naturgemäß eine geistliche Leere und wortklingelnde Sprachlosigkeit. Liberale Theologie wird in immer kleiner werdenden Gemeinden in immer leereren Kirchengebäuden gepredigt. ...

Die historisch-kritische Theologie liegt wie ein Mehltau über dem geistlichen Leben" der Kirchen."

Ingmar Niederkleine (2006, Rechtsanwalt)

 

"Nicht leere Kassen oder eine leerlaufende Organisation fordern heraus, sondern leere Herzen - und Kirchen."

Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) (06. Juli 2006, Impulspapiers des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) "Kirche der Freiheit. Perspektiven für die evangelische Kirche im 21. Jahrhundert", https://www.ekd.de/download/kirche-der-freiheit.pdf, Seite 41)

 


"Die Welt wäre vermutlich erschüttert, wenn morgen der Kölner Dom zu Staub zerfiele. Wenn aber morgen alle haupt- und nebenamtlichen Mitarbeiter aller Kirchen für immer aufhörten zu arbeiten, würden es die meisten über eine lange Zeit gar nicht bemerken."

Christian Nürnberger (21. September 2007, Das Christentum. Was man wirklich wissen muss.)

 

Gedächtniskirche-Berlin

Gedächtnis-Kirche, Berlin (2008)

egon eiermann, gedächtnis-kirche, berlin 1957-1963“ von seier+seier CC BY 2.0.


"Innerhalb von nur drei Jahrhunderten haben… die Jünger … die Botschaft Jesu durch die ganze damals bekannte Welt getragen. Sie haben überall Gemeinden gegründet. Das Christentum ist trotz massiver Widerstände derart schnell gewachsen, dass die Machthaber schließlich sagen mussten: Wir können den christlichen Zug nicht stoppen. Dann setzen wir uns eben selbst ins Führerhaus. 

Wir machen das Christentum zur Staatsreligion.


Was dann geschah, bezeichnen wir heute als die „konstantinische Wende“: Aus einer Freiwilligen- und Minderheitenkirche wurde eine Staats- oder Volkskirche, wie wir heute sagen. 

Die Folge war: … Wenn das ganze Volk schon per Definition zur Kirche gehört, dann muss man nicht mehr evangelisieren. … Die Leute kommen zur Kirche, ob man sich um sie bemüht oder nicht.
Dieses System hat viele Jahrhunderte lang funktioniert. Aber seit rund 70 Jahren leben wir in einer Zeitenwende. Die wachsende Individualisierung und Säkularisierung hat zur Folge, dass Staat und Gesellschaft in Bezug auf Glaube und Religion keine Vorgaben mehr machen. Jeder entscheidet selbst, was er glauben möchte. Auch die Eltern überlassen es ihren Kindern, wie sie es mit Glaube und Kirche halten wollen. 


Die Folge ist: Die konstantinische Wende wird rückabgewickelt. Das „Volk“ läuft den großen Kirchen in Scharen davon. Sie sind faktisch schon jetzt wieder Minderheiten- und Freiwilligenkirchen."

Dr. Markus Till (06.11.2023, Biologe, Schriftsteller, Kirche wohin? – 9,5 Thesen zur Situation und zur Zukunft der (evangelischen) Kirche, Blog: Aufatmen in Gottes Gegenwart, https://blog.aigg.de/?p=7162, Stand 24.03.2024)

Kirchenaustritt

Copyright Thomas Plaßmann

 


"In Europa geht eine Ära zu Ende. Das Modell der Volkskirche, zu der einmal alle (mit Ausnahme der Juden) automatisch und ungefragt gehörten, ist Vergangenheit. … Die Religionssoziologie konstatiert zwei religiöse Megatrends, die eine stimmige Erklärung für den Niedergang des Volkskirchenmodells liefern: 

1. Der Niedergang institutioneller bzw. geerbter Religion. 
2. Der Aufschwung individueller bzw. gewählter Religion. …

Liberales reduktives Christentum ist in einer offenen Gesellschaft, in welcher der christliche Glaube gewählt wird, nicht zukunftsfähig. Wie der Journalist und ehemalige Leiter des ARD-Studios Südasien Markus Spieker in seinem Zukunftsbuch «Übermorgenland« aus globaler Perspektive schreibt, wird die theologisch liberale Schule als Elitephänomen »nur an einigen Universitäten überleben«. Ich ergänze: Sie wird auch überleben auf einigen bildungsbürgerlichen Inseln westlicher Metropolen."

Pfarrer Alexander Garth (9. September 2021, Berliner Stadtmission Untergehen oder Umkehren: Warum der christliche Glaube seine beste Zeit noch vor sich hat, Evangelische Verlagsanstalt Leipzig)

 


"Der deutsche Protestantismus, der 1950 noch 46 Millionen Gläubige versammelte, hat jetzt noch 23 Millionen. Das ist praktisch eine Halbierung in zwei Generationen. ... Das ist keine Erosion mehr, sondern eine Implosion des Christentums. ...

Gregor Gysi hat völlig Recht, wenn er sagt: Auch als Nichtgläubiger fürchte ich eine gottlose Gesellschaft. ... Man muss nicht fromm sein, man muss nur die sozialwissenschaftlichen Daten studieren, dann wird man erkennen, dass sich das gesellschaftliche Klima erheblich verändern wird, wenn der christliche Glaube weiter verdampft.

Dann bekommen wir eine Klimakatastrophe ganz anderen Ausmaßes als die, von der heute unentwegt die Rede ist."

Dr. phil. Andreas Püttmann (10.Juni 2010, Politikwissenschaftler, Wenn das Christentum verdampft, Interview, Medienmagazin pro, www.pro-medienmagazin.de)

 

"Erstmals wird in Württemberg eine evangelische Kirche an einen Bauträger verkauft und abgerissen. …
Ihre Entwidmung findet am 15. Juli statt. Dabei werden die liturgischen Gegenstände wie Altarbibel, Taufschale und Kanne sowie Abendmahlsgerät und Altarleuchter in einem feierlichen Auszug aus der Kirche getragen."

idea (10.07.07, Ulm, Württemberg: Kirche wird abgerissen, idea.de)

 

"Sag beim Abschied leise Amen" [DIE ZEIT]

"Das Bistum Essen schließt fast hundert Kirchen. Eine Reise durch das Revier der verletzten Seelen." … "Sie raten »bei der Profanisierung« [Entweihung] zu einem Ritus »mit aller Feierlichkeit«.

Am besten ist die Kirche beim Abschied »festlich geschmückt, alle Kerzen sind entzündet.«"

DIE ZEIT (12.04.2006 Nr.16, Sag beim Abschied leise Amen, Hanns-Bruno Kammertöns, DIE ZEIT)


Kirchenentweihung

Kerzen“ von frank-hl ist lizenziert unter CC BY-SA 2.0.

"Viele der 21.000 evangelischen und 24.000 katholischen Gotteshäuser können aufgrund der zurückgehenden Mitgliederzahlen und Kirchensteuern nicht mehr finanziert werden – Experten sprechen von bis zu einem Drittel."

ideaSpektrum (5. März 2008, Gottes Nachmieter, ideaSpektrum Nr.10, Seite 24)

 

"In den 23 Landeskirchen gibt es rund 27.000 Kirchengebäude, deren Erhalt jährlich rund 1,224 Milliarden Euro kostet. Den EKD-Prognosen zufolge wird auch im Jahr 2030 dieselbe Summe benötigt werden, obwohl bis dahin die Zahl der Kirchenmitglieder um ein Drittel zurückgegangen und die Kirchensteuern von derzeit 9,95 Milliarden Euro um die Hälfte geschrumpft sein werden."

idea (13.04.08, Kirchengebäude ehrenvoll sterben lassen, idea.de)

 

"Deutschland schleift seine Gotteshäuser" [F.A.Z.]

"Von dem Verlust, der die deutsche Kulturlandschaft bedroht, hat sich die Öffentlichkeit noch keine Vorstellung gemacht. Ein Bildersturm fegt über das Land. Die Ruhrdiözese, die ihre Probleme mit größerer Offenheit darlegt als andere Kirchenprovinzen, erklärt, sie werde sich von einem Drittel ihrer Kirchen trennen müssen. ...

"Da nichts mehr ist, wie es war, müssen die Gemeinden lernen, sich auf ihre neue Diaspora-Situation einzulassen: nur kleine Raumteile noch nutzen, wenn das Ganze nicht mehr zu bewirtschaften ist. Lange Bedenkzeiten bei der Suche nach anderen Nutzungen einräumen.

Und wenn Nutzungsphantasie und Verhandlungsgeschick auf Dauer nicht fruchten, wäre dann nicht zu handeln, wie frühere Jahrhunderte gehandelt haben? Nämlich ein Bauwerk stillzulegen statt es abzuräumen. Es zu schließen und zu sichern.
Gelegentlich Wallfahrten zu den aus dem Gebrauch gefallenen Sakralstätten zu organisieren. Notfalls die Natur ihr Werk verrichten zu lassen. Den Verfall planend zu begleiten.

Ruinen binden Erinnerung auf lange Zeit. Erinnerung angesichts eines lädierten Bestandes ist allemal besser als der bald vergessene Totalverlust."

Frankfurter Allgemeine Zeitung (04. März 2008, Deutschland schleift seine Gotteshäuser, F.A.Z., 30.08.2005, Nr. 201 / Seite 35)

 


"Verliert die evangelische Kirche ihre Seele?"

Der Tagesspiegel (11.02.2007)

"Wir haben die Wege des Bruders nicht in der Hand, wir können nicht zusammenhalten, was zerbrechen will, wir können nicht am Leben erhalten, was sterben will. 

Aber Gott verbindet im Zerbrechen, schafft Gemeinschaft in der Trennung, gibt Gnade durch Gericht. Sein Wort aber hat er in unseren Mund gelegt. Durch uns will er es gesagt haben."

 

Pfarrer Dr. Dietrich Bonhoeffer (September 1938, Gemeinsames Leben, 28. Aufl., Juli 2006, Seite 91, ISBN: 978-3579071312)

 

 

"Wenn mich die Verzweiflung an der Kirche überflutet, dann tröstet mich ein Wort, ein Wort der Bibel, ein gewaltiges Wort. Und mit diesem Wort grüße ich euch, meine Freunde: So spricht der Herr: Ich will mich meiner Herde selbst annehmen." [Hesekiel 34, 11]

 

Pfarrer Wilhelm Busch (1966, Dortmund, Bekenntnistag in Dortmund d. Bekenntnisbewegung „Kein anderes Evangelium“, 1929 bis 1962 protestantischer Jugendpfarrer - Essen)

 


"Wir sind es doch nicht, die da die Kirche erhalten könnten, unsere Vorfahren sind es auch nicht gewesen, unsere Nachkommen werdens auch nicht sein; sondern der ists gewesen, ists noch, wirds sein, der da spricht: "Ich bin bei euch bis an der Welt Ende" wie Hebr, 13 stehet: "Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit«, und Offb. 1, 4: »Der da war, der da ist, der da kommt. ...

Denn du und ich sind vor tausend Jahren nichts gewesen, da dennoch die Kirche ohne uns erhalten worden ist, und hats der tun müssen, der da heißt: "Der da war" und "gestern". So sind wirs jetzt auch nicht bei unserm Leben, denn die Kirche wird nicht durch uns erhalten."

 

Dr. Martin Luther (1539, Reformator, WA 50, S. 476, WA = Weimarer Ausgabe, D. Martin Luthers Werke, Kritische Gesamtausgabe, Weimar 1883 ff..)

 


"Ist Gott noch Mitglied der evangelischen Kirche?" (Friederike Gräff, taz)

"Das letzte Mal überraschte mich die evangelische Kirche angenehm, als ein Pfarrer über das Böse sprach. Es war in einem Gottesdienst vor ein paar Wochen in Hamburg, und der Pfarrer sagte, dass die Kirche aufgehört habe, über das Böse zu sprechen, weil sie ihr bürgerliches Publikum nicht vertreiben wolle. Ich habe das oft gedacht, aber die Kirche wäre einer der letzten Orte, wo ich einen Verfechter dieser These vermuten würde.

Wenn ich mein Unbehagen an der evangelischen Kirche in einem Wort zusammenfassen müsste, dann ist es ihre Leisetreterei. Hauptanliegen der Kirche scheint es zu sein, niemanden vor den Kopf zu stoßen, sei es mit den unerfreulichen Geschichten des Alten Testaments, mit Ideen, was ein gläubiger Christ nicht tun sollte, oder laut gesprochenen Gebeten in kirchlichen Einrichtungen.


Als ich bei der für religionspädagogische Fragen Zuständigen in der EKD nachfragte, wie man es damit in kirchlichen Kindergärten halte, sagte sie, dass es da keine einheitliche Richtlinie gebe. Aber sie verwies darauf, dass Studien zufolge Religiosität zu größerer Resilienz bei Kindern führe. Ich finde es deprimierend, wenn die Kirche glaubt, Werbeargumente finden zu müssen; demnächst wird sie Statistiken suchen, wonach religiöse Jugendliche bessere Noten bekommen und später glücklichere Ehen führen.

Natürlich ist es nicht so, dass die Kirche keine Positionen vertreten würde: Sie ist für den Klimaschutz und gegen Menschenhandel, sie ist gegen Massenvernichtungswaffen und für gerechten Handel. Sie ist für alles, wofür bürgerliche Mehrheiten sind. Im Grunde vertritt sie das Prinzip Merkel, sich nicht zu früh und nicht zu spät die Meinungen des Wahlvolks auf die Fahne zu schreiben und dann so zu tun, als hätte man sie als Erste geschwungen.


Die evangelische Kirche prangert die Exzesse des Kapitalismus an, so wie es heute zum guten Ton gehört, und sieht mit der gleichen Verve wie die Mehrheit der Bevölkerung darauf, dass sich ihr Geld möglichst stark vermehrt. Sie fordert gerechte und sozial verträgliche Arbeitsbedingungen und wehrt sich gegen Tarifverträge für ihre Angestellten. Sie will Leben schützen und sagt gern, dass alles Leben gleich viel wert sei, aber ein klares Wort gegen Pränataldiagnostik kann sie sich nicht abringen.

Eigentlich könnte mir all das herzlich egal sein. Aber ich habe Sympathie für die Aufrechten in der Kirche, für die alten Damen, die sonntags vergeblich versuchen, Eine-Welt-Produkte an den Mann zu bringen, für die Kommunitäten, die es ernst meinen mit gelebtem Glauben, für die Freiwilligen, die unentwegt Kindergottesdienste anbieten, obwohl sich kaum mal ein Kind in den Gottesdienst verirrt. Und während ich das schreibe, sehe ich: Das ist nicht die Amtskirche, das sind Leute um sie herum.

Meine erste bewusste Erfahrung mit der Amtskirche war mein Konfirmandenunterricht. Wir waren vielleicht zehn Jugendliche und ein Pfarrer, der geschieden war, was damals noch ungewöhnlich war. Ein schmaler Mann, der aussah wie eine Mischung aus Luther und Prinz Eisenherz, es schien ihn etwas umzutreiben, aber das war sicherlich nicht der Konfirmandenunterricht.
Ich weiß nur noch, worüber wir nicht sprachen: biblische Texte, das Glaubensbekenntnis, das Vaterunser oder anderes, das etwas mit christlichem Glauben zu tun gehabt hätte. Soweit ich mich erinnere, führten wir ziellose Diskussionen, die irgendjemand vom Zaun brach.

Einmal gab es tatsächlich so etwas wie ein glaubensrelevantes Gespräch: Es ging um die Frage, warum wir uns konfirmieren ließen, und ein Junge sagte, dass seine Eltern ihm dafür eine Musikanlage versprochen hätten. Im Nachhinein glaube ich, dass das zwar stimmte, es zugleich aber ein Versuch war, so etwas wie eine Grenze zu erfahren, eine Reaktion des Pfarrers, der klargestellt hätte, dass das Ganze kein Kuhhandel sei.
Es kam nichts. Ich glaube, dass er ein religiöses Anliegen hatte, ich habe nur nicht erfahren, welches. Einmal fragte er mich, ob ich im örtlichen Altenheim Klavier vorspielen könnte, ich habe mich davor gedrückt und schäme mich immer noch dafür.

Später hatte ich eine Religionslehrerin, die im Unterricht vor allem soziale Anliegen vorbrachte, Christentum als sozial-politisches Engagement. Sie wurde abgelöst vom örtlichen Pfarrer, der stets unvorbereitet, aber im Anzug in die Stunde kam. Er hielt nichts vom sozial engagierten Christentum, er hielt auch nichts von der Lehrerin, und selbst wir Pubertierenden waren überrascht, wie unverhohlen er das kundtat. Wovon er etwas hielt, wurde nicht klar.

Ich frage mich, ob es etwas Verbindendes zwischen den Pastorinnen und Pastoren gibt, die ich inzwischen erlebt habe. Die wenigsten sind konservativ, die wenigsten sind radikal. Ein paar suchend, einige rhetorisch sehr gewandt, einige gebildet, einige den Bedürftigen in der Gemeinde zugewandt. Vielleicht kann man am ehesten sagen, dass sie bürgerlich sind, im Guten wie im Schlechten.


Es hat sich ergeben, dass ich Ordensleute privat kennengelernt habe, katholische Mönche und Nonnen. Bei der Begegnung mit ihnen hatte ich zum ersten Mal den Eindruck, dass hier die Beschäftigung mit dem Glauben die Essenz eines Lebens ist. Dass das Leben dieser Menschen durch ihren Glauben ein erfahrbar anderes ist als das von Nichtgläubigen.

Ich habe keine Pastoren so nah kennengelernt, deswegen kann ich nur vorsichtig sagen, dass ich bei keinem von ihnen einen solchen Eindruck hatte. Sie sind interessiert an Glaubensfragen, sie haben einen Beruf, der sie damit in Berührung bringt, aber sie leben nicht daraus. Und sie vermitteln nicht das Gefühl, dass Jesus Christus, dass Gott ihnen Zuversicht oder Kraft schenken.


Der letzte Pfarrer, den ich danach fragte, was ihm bei seiner Arbeit wichtig sei, nannte das Kirchencafé seiner Gemeinde. Das, so die Begründung, würden die Freiwilligen selbst auf die Beine stellen. Er belebte sich erst, als er von seinem Lieblings-Sportverein erzählte.

Pastoren müssen nicht stellvertretend für ihre lauen Gemeindemitglieder Kraftprotze des Glaubens sein. Es scheint ohnehin so, dass die Erwartungshaltung der Gemeinden, die darauf pochen, dass sie schließlich für das kirchliche Angebot zahlen, zu echter Erschöpfung bei den Pastoren führt. Sie sind Alleinunterhalter geworden für ein Publikum, das viel will und wenig tut und ohnehin nur sehr sparsam in Erscheinung tritt.


Und trotzdem: Ich erinnere mich an einen gemeinsamen Gottesdienst mit afrikanischen Christen, die von der Pastorin auf eine Art willkommen geheißen wurden, die so wohlmeinend und zugleich so freudlos war, dass man es hätte komisch finden können, wäre es nicht so schade gewesen.

Bei einer Podiumsdiskussion zum Thema Mission, bei der vier Leute zuhörten, erzählte die damalige Flüchtlingsbeauftragte der Kirche, wie die Freiwilligen und Hauptamtlichen der Amtskirche immer wieder zu den Flüchtlingen gingen, sie berieten und bei den Hausaufgaben halfen. Und dass einmal Freikirchler kamen und bei den Flüchtlingen plötzlich ein großes Bedürfnis nach christlichem Leben und Gottesdienst weckten.

Die Amtskirchler, so klang es, hatten nie über etwas anderes als Schulaufgaben und Formularhilfe gesprochen. Es ist auffallend, wie gönnerhaft in der Amtskirche über die Freikirchen gesprochen wird. Das klingt oft so, als seien es geistig wenig Bemittelte, die sich in lebhaften Gesang und enge Gruppenbindungen flüchteten. Angesichts der Zuwachsraten bei den Freikirchen, von denen die Lutherischen, Reformierten und Unierten nur träumen können, klingt es auch nach Trauben, die zu hoch hängen.

Die protestantische Kirche tritt so vorsichtig auf, dass man es getrost Leisetreterei nennen kann. Dass das nicht besonders attraktiv ist, müsste ihr eigentlich klar sein. Es ist, als schäme sie sich für das, was man ihr Innerstes nennen könnte, wie für eine unansehnliche und sozial inakzeptable alte Tante.
So wie es außerhalb der Kirche sonderbar geworden ist, über Glaubensdinge zu sprechen – jenseits von „natürlich glaube ich, dass es einen Gott gibt, aber…“ –, so ist es inzwischen auch innerhalb der Kirche unüblich. Ich erinnere mich, wie ungewohnt es für mich war, die katholischen Nonnen über ihre Beziehung zu Gott und Jesus erzählen zu hören.

Dieses Verdruckste setzt sich fort mit Pfarrerinnen, die sich, so erzählte es mir meine aufgebrachte Schwester, im Gemeindebrief darüber äußern, wie ungern und mit welchen Schwierigkeiten sie das Glaubensbekenntnis sprächen. Es setzt sich fort im zögerlichen Engagement für verfolgte Christen in den arabischen Ländern.

Als meine Schwester dem Pfarrer ihrer Gemeinde vorschlug, eine Kollekte für syrische Christen zu verwenden, meinte der, dass das Geld immer für die gesamten Innenstadtgemeinden gesammelt würde und die sich so eine Verwendung nicht vorstellen könnten. Man würde es lieber für überkonfessionelle diakonische Aufgaben nutzen. Zeitgleich bekomme ich E-Mails von einem Heer von Pressereferenten der Kirche, und es scheint Beauftragte für wirklich alles zu geben.

Die Kirche kommt allen entgegen. Sie findet so viele Bibelübersetzungen, bis alle mit dem Text zufrieden sind, sie traut Menschen, die aus der Kirche ausgetreten sind, sie hängt das Kruzifix ab, weil der Anblick verstörend sein könnte. Sie hat ihre Absolutheitsansprüche so weit über Bord geworfen, dass sie keinen erkennbaren Kurs mehr fährt. Sie ist unattraktiv, weil sie sich andient bis zur Gesichtslosigkeit.


Natürlich hat das eine Geschichte und eine Logik, natürlich war es wichtig, sich von einer autoritär-patriarchalen Kirche zu lösen, die ihren unmündig gehaltenen Mitgliedern zuverlässig mit Verdammnis drohte. Aber über diese Befreiung ist sie sich selbst abhandengekommen.

 

Ich wünschte mir, ich hätte in meiner Kirche ein Gegenüber. Eines, das sich nicht wegduckt, eines, das man respektieren kann."

Friederike Gräff (Februar 2014, Redakteurin - taz Hamburg, freie Mitarbeiterin u.a. für ZEIT u. Süddeutsche, Ist Gott noch Mitglied der evangelischen Kirche? In: Christ und Welt, Beilage in der Wochenzeitung "Die Zeit", Ausgabe 09/2014, www.christundwelt.de)

 


"Nach meiner Überzeugung sollte es nicht länger als typisch protestantisch gelten, dass wir das Innenleben des Glaubens, die spirituelle Landschaft im Herzen, die geistige Tiefe in der Seele vernachlässigen."

Bischof Prof. Dr. Wolfgang Huber (7. Mai 2007, 2003 - 2009 EKD-Ratsvorsitzende, Kongress für hauptamtliche Mitarbeiter - Evangelischer Gnadauer Gemeinschaftsverband (Vereinigung Landeskirchlicher Gemeinschaften)


"Ein grausames Dilemma: entweder die Bibelkritik zu akzeptieren und die Bibel zu einem gewöhnlichen Studienobjekt zu erklären, auf die Gefahr hin, das übernatürliche Element zu töten, was zum Unglauben führt;
oder aber in aller Strenge am heiligen und inspirierten Charakter festzuhalten, und damit alle der Vernunft und der Intelligenz Hohn sprechenden Ungereimtheiten in Kauf zu nehmen, auf die Gefahr hin, die Köpfe zu entmutigen, die sich nicht dazu durchringen können, ihre Vernunft zu opfern."

Georges Minois (2000, Französische Historiker)


"Die Berufung von Fundamentalisten auf die absolute Geltung offenbarter Wahrheiten steht zweifellos in Widerspruch zu unseren Kriterien von Vernunft."

Prof. Dr. theol. Hans Gerhard Kippenberg (1996, Theologe, Fundamentalismus: es herrscht Klärungsbedarf. Nachwort zu M.E.Marty / R.S. Appleby, Herausforderung Fundamentalismus. Radikale Christen, Moslems und Juden im Kampf gegen die Moderne. Frankfurt: Campus 1996, S. 230)
 

"Wir beantworten Christi Ruf nicht mit 'wahr' oder 'falsch', sondern mit 'ja' oder 'nein'."

Prof. Dr. Karl Barth (1886 – 1968, Ev. Theologe)

 


"Die Krankheit zum Tode ... Wenn der Mensch zum Äußersten gebracht ist, so dass da menschlich gesprochen keine Möglichkeit mehr ist. Dann gilt es, ob er glauben will, dass alles möglich ist bei Gott, das heißt, ob er glauben will.

Aber dies ist ganz und gar die Formel für ‚den Verstand verlieren’ ..., um Gott zu gewinnen."

Søren Kierkegaard (1849, dänischer Philosoph, Theologe und Schriftsteller, Die Krankheit zum Tode, GW, 24. Abtlg., 1957, 35)

 

"Ich glaube wirklich an die Bibel und denke, dass ich dabei keinen intellektuellen Selbstmord begangen habe."

Prof. David W. Gooding (1992, Die Bibel – Mythos oder Wahrheit?, Vortrag Universität Belfast, Nordirland)

 


"Die Berufung auf die Heilige Schrift war einmal das Kennzeichen der Kirchen der Reformation. Egal, ob lutherisch oder reformiert, landes- oder freikirchlich: Man stand für das ein, was die Bibel sagt. Heute steht derjenige schnell unter Extremismusverdacht, der sich zur Wahrheit der Bibel als Gottes inspiriertes Wort bekennt. ...

Strittig ist heute vor allem die Wahrheit der Bibel. Nicht selten begegnet in diesem Zusammenhang eine Doppelstrategie. Zunächst werden Widersprüche in der Bibel aufgezählt und bestimmte Texte gegeneinandergestellt.
Das Problem ist nun nicht, dass gewisse Spannungen genau beobachtet werden. Problematisch wird es, wenn solche Beobachtungen im Sinne einer Verunsicherungsstrategie instrumentalisiert werden.

Hand in Hand damit geht eine Immunisierungsstrategie: Jeder Versuch zu klären, ob die Texte tatsächlich zum selben Gegenstand sprechen, oder zu erklären, wie die Aussagen zueinander passen könnten, wird als unbilliges «Harmonisieren» abgewehrt.
Es wird dann z. B. gar nicht mehr untersucht, ob die Chronologie der Passionsereignisse in den ersten drei Evangelien und bei Johannes zusammenpassen könnte, sondern nur behauptet, dass sie sich widerspräche. Dass es ernsthafte Lösungen für dieses Problem gibt, wird übersehen.

Aber warum sollte ein wissenschaftlich denkender Mensch nicht alle Erkenntnisse ernst nehmen und Lösungen dafür suchen? Warum sollte er angesichts der lückenhaften Informationen, die oft nur verfügbar sind, nicht auch einmal eine Frage offenlassen, wenn ihn mehrere Lösungsmöglichkeiten nicht überzeugen?


Wer zu solcher Vorsicht und Zurückhaltung nicht bereit ist, entscheidet letztlich selbst, was er gelten lässt und was nicht. In diesen Entscheidungsprozess fließen dann auch weltanschauliche Vorentscheidungen ein. Am Ende hat jeder Ausleger seinen subjektiven Kanon, was noch als wahr gilt. Ein vielstimmiger Chor von «Wahrheiten» erklingt. Und wenn es schlecht läuft, wird nur derjenige nicht geduldet, der zu dem Ergebnis kommt, dass konkrete Texte mit dem, was sie sagen und weltanschaulich voraussetzen, Recht haben und stimmig sind.

Gilt die Bibel nur noch in subjektiver Auswahl, wird bald nicht mehr nur um das eine oder andere chronologische oder geschichtliche Detail diskutiert. Schnell ist man im Kernbereich dessen, wozu sich Christen mit dem Apostolischen Glaubensbekenntnis bekennen. Über den 1. Glaubensartikel (Gott als «Schöpfer des Himmels und der Erde») hat man dann oft nur noch Negatives zu sagen ...

Oder man geht noch einen Schritt weiter und verändert die Bedeutung des 2. Glaubensartikels («Jesus Christus ... geboren von der Jungfrau Maria»). Letztlich aus weltanschaulichen Gründen bestreitet man die Jungfrauengeburt Jesu wie Matthäus und Lukas sie in aller wünschenswerten Klarheit aussagen. ... Andere gehen noch einen Schritt weiter und verfahren entsprechend mit der Auferstehung von Jesus. ...

Wahrheit und Wirklichkeit gehören im Evangelium zusammen (Luk. 1,1-4; 24,34+39; Joh. 19,35; 1. Kor. 15,3-20)."

Prof. Dr. theol. Helge Stadelmann (März 2008, Rektor Freie Theologische Hochschule (FTH) Gießen, ethos 3/2008, S. 44f)

Bild: Antarktisches Trockental. Der unbewohnte Kontinent Antarktika, „am äußersten Meer“, ist der südlichste und einsamste Ort der Erde, größer als Europa, mit 4.800 m hohen Gebirgen. 
(Dry Valley, blogs.uml.edu/antarctica-2015)

"Im ... eben beschriebenen leeren Raum, können die modernen Theologen sich überhaupt nicht mehr vorstellen, dass der Begriffsinhalt, der durch das Wort Gott angedeutet wird, sich auf irgendeine wirkliche und wahre Substanz beziehen könnte.


Alles, was sie haben, ist eine semantische Antwort auf Grund einer Assoziation … eben nichts als das philosophische Andere, das unendliche, unpersönliche Alles. ... Die modernen Theologen gebrauchen assoziationsreiche Wörter anstelle von definierten Wörtern - Wörter als Symbole …

Die Bibel sagt zunächst, dass am Anfang alle Dinge von einem persönlich-unendlichen Gott geschaffen wurden, einem Gott, der schon immer existiert hat. Alles, was ist, ist daher dem Wesen nach eher persönlich als unpersönlich. ...

Gott existiert - ein persönlicher Gott, der schon immer existiert hat. … Was er geschaffen hat, besitzt objektive Realität, somit besteht ein wirklicher, geschichtlicher Ablauf von Ursache und Wirkung. Es gibt eine wirkliche Zeit und es gibt ein wirkliches Ich.


In diesen geschichtlichen Rahmen hat Gott - nach dem Wort der Bibel - den Menschen in besonderer Weise, nämlich nach seinem eigenen Bilde geschaffen, hineingestellt. …

Wenn wir den wesensmäßig persönlichen Ursprung der Welt verwerfen, welche Alternative bietet sich uns dann an? An dieser Stelle muss ganz deutlich gesagt werden, dass es in diesem Fall keine andere, letzte Antwort gibt als die, dass der Mensch ein Produkt des Unpersönlichen, plus Zeit, plus Zufall ist. …

 

Die Aussage der Bibel aber, dass der Mensch nach dem Bilde eines persönlichen Gottes geschaffen ist, gibt uns einen Ausgangspunkt. … Dies steht im totalen Gegensatz zu anderen Systemen, in denen der Mensch von sich selbst ausgeht. ...

Die Tatsache, dass der Mensch gefallen ist, bedeutet nicht, dass er aufgehört hat, Gottes Bild zu tragen. Er hat nicht aufgehört, ein Mensch zu sein, weil er gefallen ist.

Trotz seines Falles kann er lieben. Es wäre ein großer Irrtum zu sagen, dass nur ein Christ lieben könne. Auch ein nichtchristlicher Maler kann immer noch Schönheit malen. Und weil sie diese Dinge immer noch tun können, offenbaren die Menschen, dass sie Träger des Bildes Gottes sind. Oder, um es anders auszudrücken, sie erweisen damit ihr einzigartiges Menschsein als Menschen.

So ist es wirklich eine wunderbare Tatsache, dass der Mensch, der durch den Sündenfall so verdreht, so verdorben und verloren ist, immer noch ein Mensch bleibt. Er ist weder eine Maschine noch ein Tier, noch eine Pflanze geworden. Die Zeichen des Menschseins sind noch an ihm zu erkennen - Liebe - Verstand - die Frage nach dem Sinn des Lebens - die Furcht vor der Nichtexistenz.

Dies ist selbst dann der Fall, wenn sein nicht-christliches System ihn lehrt, dass diese Dinge gar nicht existieren. Durch diese Züge unterscheidet er sich vom Tier, von der Pflanzenwelt und von der Maschine."

Dr. theol. h.c, Dr. h.c., Dr. h.c. Francis A. Schaeffer (1970, Theologe, Preisgabe der Vernunft, Haus der Bibel /Genfer Bibelgesellschaft; Auflage: 7., Aufl. 1985)

 

Es "wird plötzlich erschreckend deutlich, was die protestantische Theologie in den vergangenen 200 Jahren ihrer historisch-kritischen Bibelkritik getan hat.

Wir schafften unsere eigenen Bilder von der Vergangenheit, wie sie nach unserer Meinung »wirklich« war. Wir schufen unsere Geschichtsbilder, füllten sie mit Leben und stellten sie wie Standbilder vor uns hin: so war es »wirklich«.


Auch die Gottesoffenbarung und die durch sie gegebene Beurteilung der in der Welt geschehenen und geschehenden Wirklichkeit musste vor diesen hohen Standbildern der historisch-kritischen Vernunft antreten und sich verantworten, ganz ähnlich wie einst Jesus vor Kaiphas und Pilatus stand und dabei »offensichtlich« den Kürzeren zog.

Aus Gottesdienst und Theologie, wie sie uns Gott in Jesus und durch IHN in der Bibel gegeben hat, wurde unbewusster Bilderdienst, die theologische Wissenschaft verwandelte sich ungewollt in Götzendienst. ...

Solange wir »Geschichte« sagen, während wir unsere eigenen Geschichtsbilder meinen, und uns an dieser »Wirklichkeit« orientieren, haben wir es mit dem Menschen, also nur mit uns selber zu tun.

Doch wir sollten und möchten in der Theologie von Gott reden bzw. IHN selber reden lassen von dem, was ER getan hat und tut, wie ER uns in seinem Wort die Wirklichkeit der Geschichte vollmächtig aufschließt."

Prof. Dr. theol. Armin Sierszyn (1978, Schweizer Theologe, Die Bibel im Griff? − Historisch-kritische Denkweise und biblische Theologie, Hänssler; Auflage: 2001)

 


"Klar ist, dass keine Forschung ohne Hypothesen auskommt. Sie gleichen den Windlichtern, mit deren Hilfe man einen Pfad sucht. Aber sie sind nicht der Pfad.

Das Einschwören auf Hypothesen hat theologisches Lagerdenken hervorgerufen. Es hat teilweise in die Freiheit von Dissertationen so stark eingegriffen, dass die Freiheit der Forschung auch von dieser Seite her in Gefahr geriet, und deutsche Professoren zum Teil in den Geruch kamen, eigene Thesen durch Dissertationen beweisen zu lassen, statt wie englische Professoren gerade den kritischen Test ihrer Thesen durch Dissertationen zu suchen.

Hypothesen sind ihrem Wesen nach etwas Vorläufiges. Sie kommen und gehen. Gerade deshalb sind sie niemals Ersatz für den biblischen Text."

Prof. Dr. Gerhard Maier (13.12.2002, Theologe, 2001 bis 2005 Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Gemeinsam glauben – Miteinander forschen)

 


"Gott – ich brauche diese Hypothese nicht mehr."

Pierre-Simon Laplace (Anfang 19. Jh., franz. Astronom u. Mathematiker)

Pierre-Simon

Pierre-Simon Laplace (1749-1827)

File:Les merveilles de l'industrie, 1873 'Pierre-Simon Laplace'

(4840056407).jpgvon Biblioteca de la Facultad de Derecho y Ciencias del

Trabajo Universidad de Sevilla ist lizenziert unter CC BY 2.0.

 


"Wie redet Gott denn mit Menschen?"

"Er redet durch die Bibel! Deshalb müssen Sie unbedingt anfangen, die Bibel zu lesen! »Die Bibel liest doch heute kein Mensch mehr!« denken Sie. Ja, leider! Es hat mal einer erklärt: Die Evangelischen singen am Reformationsfest immer das Luther-Lied »Ein feste Burg«. Da heißt es am Schluss: »Das Wort sie sollen lassen stahn.« Und nun lassen die Christen es »stahn« - auf dem Bücherbrett und holen es ja nicht herunter und denken: »Da steht es gut und richtig!« Aber so hat Luther das nicht gemeint!

Vielleicht gibt's Stellen, die Sie gar nicht verstehen, dann lesen Sie ruhig weiter. Ich pflege das meinen Jungen immer so zu erklären: Mir hat mal ein Farmer aus Brasilien erzählt, wie er da hinübergekommen sei, habe er ein Stück Land bekommen. Als er es besichtigte, stellte er fest, dass es ein Stück Urwald war. Da hat er Bäume umgesägt und Felsbrocken und Baumstumpfe ausgegraben.

Und eines Tages war er soweit, dass er zwei Ochsen vorspannen und zum ersten Mal pflügen konnte. Als er drei Schritte gepflügt hatte, da saß der Pflug schon wieder fest. Was machte er jetzt? Ging er nach Hause, holte Dynamit und sprengte den Felsbrocken mitsamt dem Pflug und den Kühen in die Luft? Nein!

Er führte den Pflug um den Felsbrocken herum, pflügte aber weiter. Als er am Schluss fertig war, sah das Ganze noch kläglich aus. Aber er säte und erntete schon einiges. Und als er im nächsten Jahr pflügte, war es ein bisschen besser. Dann hatte er schon wieder mehr Felsbrocken und Baumstümpfe ausgegraben, da ging es schon viel besser. Und beim dritten Mal ging es noch glatter.

So müssen Sie die Bibel lesen. Fangen Sie erst einmal an! Und wenn Sie etwas nicht verstehen, dann überschlagen Sie es zunächst. Nur weitermachen!

Und noch etwas hierzu: Lassen Sie sich von niemand die Bibel madig machen! Der dümmste Junge sagt: »Pah! So ein Buch!« Und klügste Professoren weisen nach, dass die Bibel auch nur Menschenwerk ist. Verstehen Sie? Da ist man sich einig: Sperrfeuer auf die Bibel!


Lassen Sie sich die Bibel nicht madig machen! Die Bibel sagt, dass sie geschrieben ist von Menschen, die erfüllt und erleuchtet waren vom Heiligen Geist. Und wenn Sie die Bibel lesen, werden Sie bald merken, dass ein anderer, ein göttlicher Geist darin ist.

Es klagte mir mal jemand: »Für mich ist das Wort Gottes so tot. Sein Wort hat mir nichts zu sagen.« Da habe ich geantwortet: »Bitten Sie Gott um den Heiligen Geist! Bitten Sie, wenn es sein muss, ein Vierteljahr jeden Tag: "Herr, schenke mir den Heiligen Geist, damit ich dein Wort verstehe, dass ich lebendig werde im Glauben!" Glauben Sie mir: Gott antwortet!"

Pfarrer Wilhelm Busch (1929 bis 1962 protestantischer Jugendpfarrer - Essen, Jesus unser Schicksal, Aussaat: Aufl. 2005)

 


"In der Bibel redet Gott selbst mit uns wie ein Mensch mit seinem Freund."

Dr. Martin Luther (1539, Reformator)

 


"Jede Lehre, die nicht mit der Schrift vereinbar ist, ist abzulehnen, und sollte es jeden Tag Wunder schneien."
Dr. Martin Luther 


"Wenn wir die Schrift fallen lassen und außerhalb des Wortes nach Christus tappen, so ergreift man den Teufel."

Dr. Martin Luther

 


"Wir glauben, lehren und bekennen, dass die einige Regel und Richtschnur, nach welcher zugleich alle Lehren und Lehrer gerichtet und geurteilt werden sollen, sind allein die prophetischen und apostolischen Schriften altes und neues Testament."

Formula Concordiae (1577, Die Konkordienformel (lat. formula concordiae, Eintrachtsformel, auch das Bergische Buch) ist die letzte symbolische Schrift der lutherischen Kirche, de.wikipedia.org/wiki/Konkordienformel)

 


"In hundert Jahren wird die Bibel ein vergessenes und unbekanntes Buch sein, sie wird nur noch als Rarität in den Rumpelkammern der Altertumssammlungen als Zeuge der Torheit früherer Geschlechter zu finden sein."

Voltaire [Francois Marie Arouet] (1694-1778, französische Schriftsteller u. Philosoph)

 

Im 19. Jahrhundert, 50 Jahre nach Voltaires Tod, verwendete die Genfer Bibelgesellschaft Voltaires Druckerpresse zur Herstellung von Bibeln.

(vgl. McDowell, 1999, The New Evidence That Demands a Verdict)

 


"Mein Rat ist: Wer die Heiligen Schriften nicht mit fester Überzeugung gewiss halten kann, der soll lieber die Finger davon lassen. Es ist jedenfalls sicherer, sie mit den Laien nicht zu kennen als sie für ungewiss zu halten.

Es ist unglaublich, welche Qualen der Teufel damit einem Sterbenden bereitet, wenn man sie für zweifelhaft hält. Mir scheint, dass die Sophisten alle Wahrheiten erklärten sie für relativ" - "der Mensch ist das Maß aller Dinge, nach dem auch jeder Mensch seine besondere Wahrheit habe" 

Thomas von Aquin bezeichnet die Sophisten als "qui apparent scientes et non sunt". "Sie scheinen wissend, sind es aber nicht." vom Teufel genau dazu angeregt sind, dass sie die Schriften mit ihren Wortspielereien ungewiss machen."

Dr. Martin Luther (1521, Reformator, WA 8, 113, 3-7)

 

"Darum, wenn die Leute nicht glauben wollen, so sollst du stille schweigen, denn du bist nicht schuldig, dass du sie dazu zwingst, dass sie die Schrift für Gottes Wort halten. Ist genug, dass du deinen Grund darauf gibst."

Dr. Martin Luther (1523, Reformator, WA 2, 649, 10-20. Predigt über die Petrusbriefe)

 

"Wenn du auf dem Wasser gehen willst, dann musst du aus dem Boot steigen. Wir müssen uns auf Gott und sein Wort einlassen, sonst können wir nicht erwarten Gott zu erleben. Wir müssen unsere Füße »nass machen«.
Watchman Nee hat es treffend formuliert: »Wir können nicht erwarten, dass Gott sein Leben in uns auslebt, wenn wir nicht bereit sind, ihm unser Leben zu geben, in dem er leben soll.«"

Hans Peter Royer (2007, Leiter einer Bergsteigerschule und Direktor des Christlichen Schulungszentrums "Tauernhof" Österreich, Nach dem Amen bete weiter. Hänssler; 5. Aufl. 2007, Seite 92)


"Mein Wort und meine Predigt geschahen nicht mit überredenden Worten menschlicher Weisheit, sondern in Erweisung des Geistes und der Kraft, damit euer Glaube nicht stehe auf Menschenweisheit, sondern auf Gottes Kraft."

1. KORINTHER / 2. Kapitel, 4-5


"Zu der Zeit fing Jesus an und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du dies den Weisen und Klugen verborgen hast und hast es den Unmündigen offenbart.
Ja, Vater; denn so hat es dir wohlgefallen."
"Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.
Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen."

Jesus Christus (MATTHÄUS / 11. Kapitel, 25+26, 28+29)


Jesus Christus: "Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen."

Jesus Christus (MARKUS / 10. Kapitel, 15)


"Wer aber einen dieser Kleinen, die an mich glauben, zum Abfall verführt ...
Es müssen ja Verführungen kommen; doch weh dem Menschen, der zum Abfall verführt!"

Jesus Christus (MATTHÄUS / 18. Kapitel, 6+7)


"Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte werden nicht vergehen."

Jesus Christus (Matthäus 24, 35)


"Ich habe ihnen dein Wort gegeben und die Welt hat sie gehasst; denn sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin. Ich bitte dich nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie bewahrst vor dem Bösen. Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin. Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist die Wahrheit."

Jesus Christus (Johannes 17, 14-17)

"Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, dass ich die Wahrheit bezeugen soll. Wer aus der Wahrheit ist, der hört meine Stimme."

Jesus Christus (JOHANNES / 18. Kapitel, 37+38)


"Das bekenne ich dir aber, dass ich nach dem Weg, den sie eine Sekte nennen, dem Gott meiner Väter so diene, dass ich allem glaube, was geschrieben steht im Gesetz und in den Propheten."

Apostelgeschichte 24, 14

"Predige das Wort, steh dazu ... Denn es wird eine Zeit kommen, da sie die heilsame Lehre nicht ertragen werden; sondern nach ihren eigenen Gelüsten werden sie sich selbst Lehrer aufladen, nach denen ihnen die Ohren jucken, und werden die Ohren von der Wahrheit abwenden und sich den Fabeln zukehren."

2. Timotheus 4, 2-4


"Wenn ihr bleiben werdet an meinem Wort, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen."

Jesus Christus (Johannes 8, 31-32)

Babylon

Babylon

The fall of Babylon; Cyrus the Great defeating the Chaldean ist lizenziert unter CC BY 4.0.

 

 

"Wie mit der Sintflut-, der Mose- und der Sinai-Geschichte verhält es sich mit vielen Geschichten der Bibel. Sie transportieren ältere Erzählstoffe aus anderen Kulturen. Unsere heiligen Texte sind oft nur heidnische Texte, die jüdisch umgearbeitet und später von Christen übernommen wurden."

Christian Nürnberger (November 2007, Journalist - "Atheistisch an Gott glauben", Jesus für Zweifler)

 


"Stammt die Bibel aus Babel?"

"Im Irak haben die Ausgrabungsarbeiten eine Reihe Täfelchen zutage gefördert, auf denen man Berichte über die Schöpfung und die Flut [vgl. Gilgamesch-Epos] fand. Ihre Entdeckung erregte allgemein großes Aufsehen. Als man die Texte mit der Bibel verglich, entstand unter den Forschern ein Streit, der unter dem Stichwort 'Bibel und Babel' bekannt wurde. In ihm ging es um die Frage, welche der beiden Darstellungen von der anderen abhängig sei. ...

1. Die Täfelchen Texte aus Babylonien sind vergröberte Nachahmungen der biblischen Berichte.

2. Die biblischen Berichte stammen von den babylonischen Darstellungen ab. Die Schreiber der Bibel haben diese nur vorher von allen phantastischen Verzerrungen des Polytheismus [Vielgötterei] gereinigt.

Wie nicht anders zu erwarten, schlossen sich die konservativen Forscher genauso selbstverständlich der ersten Erklärung an wie die Vertreter der kritischen Schule der zweiten. ...

Man ging von der Voraussetzung aus, dass die Genesis [1. Mose] zu einer viel späteren Zeit geschrieben ist als die babylonischen Täfelchen, woraus sich ergab, dass die biblischen Darstellungen später als die Babylonischen entstanden und infolgedessen auch von jenen abgeschrieben worden sind.

Dass sie reiner waren und ohne die phantastischen Verzerrungen, entsprach außerdem der allgemeinen Ansicht, nach der sich die Religionen erst langsam vom Polytheismus zum Monotheismus hin entwickelt hat (Evolutionstheorie). Danach hat es am Anfang der Geschichte nur ganz niedrige polytheistische, animistische Vorstellungen gegeben, die sich erst mit der Zeit geläutert und verfeinert haben."

Armin Held (Theologie. Den Glauben behalten, ohne den Verstand zu verlieren.)
 

"Sie sehen, was Sie zu sehen erwarten."

Prof. Dr. Steven J. Sherman & Prof. Dr. David L. Hamilton (1989, Personality and Social Psychology Bulletin, Vol. 15, No. 4, 559-571. 1989, Attenuation of Illusory Correlation)

 


"Ich bin auf das Gilgamesch-Epos gestoßen, das eine Sintflut beschreibt, die derjenigen der Bibel sehr ähnlich ist. Ist es möglich, dass sich die Mythen einer Flut und die Entstehungsgeschichten entwickelt haben weil Nebukadnezar begann, an Gott zu glauben, wie die Bibel sagt? Gibt es einen griechischen Mythos zur Flut und wäre es möglich, dass dieser vom Gilgamesch-Epos abstammt?

Außerbiblische Hinweise auf die Sintflut

Die Bibel sagt, dass die Menschen zur Zeit von Nimrod, einem Urenkel Noahs (das ist wohl derselbe wie Gilgamesch), einen Turm bauten, der "bis in den Himmel reichte" (1.Mose 11,4). Das war ca. 100-200 Jahre nach der Flut, also grob 2000-2500 v. Chr. (je nach Art der Berechnung; genauere Angaben über diese alte Zeit sind wohl sehr spekulativ). Kurze Zeit später ist das Gilgamesch-Epos entstanden.

Die Erinnerungen an die Flut waren noch frisch, darum ist einiges davon mit hinein geflossen. Das Gilgamesch-Epos ist kein Bericht mit dem Anspruch auf Wiedergabe historischer Ereignisse ... sondern eine Dichtung zu Ehren von König Gilgamesch. Es ist ein Sternen-Epos und handelt vom Lauf des Mondes und der Gestirne im Zeitraum eines Jahres. Von daher ist es ein fantastisches Zeugnis über die Astronomie bzw. Astrologie der damaligen Zeit (die Übergänge waren damals fließend und nicht so scharf getrennt wie heute). Darum ist es einzigartig und unvergleichlich.

In diese Dichtung wurden auch Bekanntes hinein geflochten, wie eben jene Flut. Um die Flut zu schildern, wichen die Autoren des Gilgamesch-Epos ein wenig von dem großen roten Faden der Astronomie ab, was sehr stark darauf hindeutet, dass die biblischen Berichte über die Sintflut älter sind als die entsprechenden Passagen im Gilgamesch-Epos und zumindest bruchstückhaft hineingeflossen sind. ...

Wie Religion entsteht

Nimrod und seine Anhänger sind als Mitbegründer der antiken Religionen zu sehen. Ganz bewusst wollten sie sich von Gott lossagen und ihre eigenen Wege gehen. Und doch blieben in den entstehenden Religionen einige Elemente erhalten, die auf die Erlebnisse der Urväter (z. B. Noah) mit Gott zurückzuführen sind.

Babylon gilt als der Ausgangspunkt all dieser antiken Religionen, die sich von da aus nach allen Richtungen ausgebreitet haben. Im Laufe der Jahrhunderte wurden Elemente hinzugefügt oder verändert. Eine Rolle spielt hier sicher auch die Sprachverwirrung nach der Zerstörung des Turms von Babel. Sie führte dazu, dass bestimmte Personen oder Gottesvorstellungen unterschiedliche Namen bekamen, obwohl sie auf sehr ähnlichen Geschichten beruhen. ...

Auch in der griechischen Mythologie gibt es Anklänge an die Sintflut. So soll z.B. Venus aus einem Ei hervorgegangen sein, das über längere Zeit auf dem Meer schwamm. Eine Andeutung von Noahs Arche, aus der alles Leben hervorgegangen ist? Die griechische Mythologie wurde entscheidend von der ägyptischen beeinflusst, die wiederum ihre Lehren aus dem nahen Orient also auch aus Babylon bezog.

Welche Rolle spielte Nebukadnezar?

Nebukadnezar lebte um 600 v. Chr., also viele viele Jahrhunderte nach der Flut. Zwischenzeitlich war das babylonische Reich von absoluter Bedeutungslosigkeit bedroht, erlebte durch ihn aber eine Renaissance.

Über Nebukadnezar berichtet die Bibel relativ viel, vor allem im Buch Daniel. In Daniel 4 wird geschildert, wie Nebukadnezar in den Wahnsinn verfällt, schließlich aber durch Gottes Erbarmen wieder zur Besinnung kommt und anfängt, den Gott der Bibel anzubeten. Auch wenn Nebukadnezar nicht zum Judentum übertrat, kann man wohl sagen, dass er im alttestamentlichen Sinne zum Glauben gekommen ist. Der Einfluss Daniels und Nebukadnezars ebenso wie der von Königin Esther 200 Jahre später haben viele biblische Elemente in die persische Religion, wie bei Zarathustra nachzulesen ist.

Fazit

Die alten Religionen hängen alle irgendwie zusammen und haben etliche Einflüsse aus der Bibel übernommen.

Dies ist aber keineswegs eine Relativierung der Bibel ("Die Bibel ist gar nichts Besonderes - Sintflutberichte gibt es ja in so vielen antiken Religionen"), sondern vielmehr ein starkes Indiz dafür, dass die in der Bibel geschilderten historischen Ereignisse tatsächlich stattgefunden haben und bruchstückhaft in den Religionen jener Zeit ihren Niederschlag gefunden haben. Die Bibel ist dabei einzigartig geblieben und mit keinem Werk der Antike auch nur annähernd vergleichbar. Sie ist und bleibt das Wort Gottes."

Pfarrer Winfried Bittner (2006, Gilgamesch und die Flut, nikodemus.net/1309, Stand 28. November 2006)

 


"Funde, welche die hohe Schreibkultur des damaligen Orients bestätigen."

"Zum Beispiel waren im Volk Amulette oder Gebetsriemen verbreitet, von denen man in einem Grab in der Nähe Jerusalems eines gefunden hat. Nachdem dieses Silber-Amulett 1980 entdeckt worden war, nahm man sich zweieinhalb Jahre Zeit, um es zu öffnen; Experten aus aller Welt haben das Israel-Museum dabei beraten, wie diese Rolle am besten geöffnet werden kann, ohne ihren Inhalt zu beschädigen.


Es wurde zuerst in einer speziellen Alkali-Salzlauge gereinigt, um das korrodierte Silber abzulösen. Dann wurde die äußere Schicht in einer Emulsion aus Acryllack gebadet, so dass sie sowohl konserviert wurde als auch nach dem Erhärten elastisch blieb. Nun konnte das Amulett aufgerollt werden: zuerst die äußere Schicht, dann alle weiteren Schichten. Die ausgerollte Länge der Rolle beträgt insgesamt knapp 10 cm.

Es ist die “Knetef Hinnom“-Silberrolle (Priestersegen) aus dem Jahre ca. 580 vor Christus. Der Text stimmt vollständig mit dem masoretischen Text [wichtigste Quelle für Bibelübersetzungen] überein:"

[Textauszug der Knetef Hinnom“-Silberrolle] “Es segne dich Jahwe und behüte dich! Es lasse Jahwe sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Es erhebe Jahwe sein Angesicht über dich und setze dir Frieden!“ [4. Mose 6, 24 - 26].

 

“Diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollen auf deinem Herzen sein. Und du sollst sie deinen Kindern einschärfen und davon reden, wenn du in deinem Hause sitzest, und wenn du auf dem Wege gehst, und wenn du dich niederlegst, und wenn du aufstehst“ [5. Mose 6, 6]."

Die Überlieferung der ältesten Manuskripte von Qumran, ungefähr 200 vor Christus, bis ins Mittelalter, ungefähr 1000 nach Christus, verlief praktisch ohne Fehler.
Das alles geschah trotz des babylonischen Exils, trotz der Eroberung Jerusalems durch die Römer und des Endes des jüdischen Staatswesens von 70 nach Christus bis 1948, als die Juden trotz des Holocausts wieder einen nationalen Staat gründen konnten. Das ist in der Weltgeschichte ohne Beispiel."

Dr. Martin Heide (23.2.2002, Böblingen, War Mose ein Analphabet? Die Entstehung des Alphabets, der ersten Schriftdokumente und der Bibel, dctb.de/dctb/medien/1artikel.php?we_objectID=892)

Religion

Copyright Thomas Plaßmann

 

 

 

"Voraussetzung der wissenschaftlichen Theologie ist die Einordnung der Bibel und des christlichen Glaubens in die Vergleichsebene mit anderen Religionen und ihren heiligen Schriften. Auch da, wo man das Besondere des Christentums betont, ist die allgemeine religionswissenschaftliche Einordnung die Grundvoraussetzung. Diese Vergleichsebene ist aber keine Tatsache, keine Gegebenheit, sondern sie ist eine Abstraktion, ein Kunstgebilde. …

 

Die historisch-kritische Theologie sagt: Wir können die Bibel nicht als Heilige Schrift betrachten, sondern höchstens als ein Buch, das den Anspruch erhebt, Heilige Schrift zu sein. Es gibt andere Bücher, welche den gleichen Anspruch erheben: den Koran, die Veden und andere mehr. …

Es stimmt, dass es auch andere Bücher gibt, die den Anspruch erheben, Heilige Schrift zu sein. Sollen wir deshalb die Bibel als eine Schrift unter vielen ansehen? Sollen wir sie vergleichen mit den Veden oder dem Koran, um zu sehen, ob sie nicht vielleicht hier und da noch ein wenig besser ist?

Das tut die historisch-kritische Theologie. Aber sie ist damit auf einem verkehrten Weg. … Wir möchten das für ehrwürdig halten, was anderen Menschen, die wir achten, lieben und schätzen, heilig ist. Aber der Satz ist dennoch wahr. Wenn nach Gottes Wort die Götter aller Völker »Nichtse« [1Chr 16,26; Ps 96,5; Ps 97,7; Jer 2,11; Jer 5,7] sind, dann sind zwangsläufig auch ihre heiligen Bücher, welche den Anspruch auf Offenbarung erheben, nichts, denn sie offenbaren nicht den einen wahren Gott, der nicht nur Schöpfer Himmels und der Erden, sondern auch der Vater unseres Herrn Jesus Christus ist und mit Ihm und dem Heiligen Geist ein Gott und sie können nicht den Weg zur Rettung weisen. ...


"Mit wem wollt ihr denn Gott vergleichen?" (JESAJA / 40. Kapitel, 18) ...

Es wird geforscht, ut si Deus non daretur, d.h. die Realität Gottes wird von vornherein theoretisch ausgeklammert, auch wenn die Forscher einräumen, dass er sich in seinem Wort bezeugen könne. …

Der Begriff »Heilige Schrift« wird religionsgeschichtlich relativiert: Da auch andere Religionen ihre heiligen Schriften hätten, könne man nicht von vornherein davon ausgehen, dass die Bibel die Heilige Schrift sei. Deshalb wird mit ihr umgegangen wie mit jedem anderen Buch. Man macht keinen Unterschied in der Untersuchung der Bibel und der Untersuchung der Odyssee, wenngleich man in solcher Untersuchung Unterschiede zwischen beiden feststellt.

Gerade im Feststellen solcher Unterschiede meint man der Verkündigung des Evangeliums einen Dienst zu tun. Man übersieht dabei, dass man in solchem Vergleichen das Wort Gottes zu religiösen Vorstellungen und theologischen Begriffen reduziert und dadurch aus dem lebendigen Wort einen toten Buchstaben macht.

Erst auf der Kanzel wird das offenbar, wenn der Prediger sich vergeblich darum bemüht, diesen toten Buchstaben zum Reden zu bringen und schließlich versucht, ihm mit Hilfe von Psychologie, Soziologie, Sozialismus und anderen -ismen Leben einzuhauchen.


Man geht mit der Bibel nicht so um, dass man sie als Gottes Wort respektiert. Es wird unterstellt, dass Bibelwort und Gotteswort nicht identisch sind. Das, was zwischen den beiden Buchdeckeln des Bibelbuches an Gedrucktem stehe, sei an und für sich noch nicht Gottes Wort. Gottes Wort sei es lediglich dann, wenn es sich je und dann beim Lesen oder im Hören der Predigt als solches erweise. …

Da man nicht an die Inspiration der Schrift glaubt, kann man nicht annehmen, dass die einzelnen Bücher sich ergänzen. … Da man in den biblischen Büchern nur Erzeugnisse theologischer Schriftsteller sieht, wird das einzelne Bibelwort zu einem unverbindlichen Theologumenon [gr. theologoúmenon "was von Gott gesagt wird"]. …

Der nicht erklärte, aber praktizierte Grundsatz alttestamentlicher und neutestamentlicher Wissenschaft ist: So, wie es dasteht, kann es auf keinen Fall gewesen sein.

Der Exeget ist darauf eingestellt, »Schwierigkeiten« im »Bibeltext« zu entdecken und zu lösen. Je besser der Ausleger ist, umso größer wird seine Findigkeit darin sein. Denn wenn er als Professor etwas taugen will, muss er sich »einen Namen machen«. …
Abgesehen von einigen Grundannahmen und der Übereinstimmung in den Methoden kann man sicher sein, dass da, wo sich zwei Theologen über Ergebnisse ihrer Arbeit austauschen, in der Regel zwei verschiedene Meinungen zutage treten. …

»Die Pastoralbriefe sind nicht von Paulus«, hat man gelernt; »der Verfasser des Johannesevangeliums ist natürlich nicht der Zebedaide Johannes«, »die 5 Bücher Mose sind nicht von ihm, sondern aus verschiedenen Quellen zusammengeschrieben«. Wer das im 6. Semester noch nicht gelernt hat, gilt als »bescheuert«. …

Der kritische Verstand entscheidet in der historisch-kritischen Theologie darüber, was in der Bibel Realität ist und was es nicht sein kann und zwar aufgrund der alltäglichen, jedermann zugänglichen Erfahrung. Nur das wird als Tatsache genommen, was allgemein für möglich gehalten wird. Geistliches wird fleischlich beurteilt. Erfahrungen von Gotteskindern werden völlig ignoriert.

Es kommt aufgrund der Voraussetzungen, von denen man ausgeht, gar nicht in den Blick, dass der Herr, unser Gott, der Allmächtige, regiert. Man ist offensichtlich nicht einmal in der Lage, Wunder, die heute geschehen, zur Kenntnis zu nehmen, selbst wenn sie glaubhaft bezeugt und medizinisch nachgewiesen sind. Zumeist bekommt man sie gar nicht erst in den Blick, weil die Bücher, die solches zur Ehre des Herrn berichten, nur in Verlagen erscheinen können, deren Veröffentlichungen für den historisch-kritischen Theologen von vornherein und unbesehen »unter dem Strich« sind und als »Erbauungsliteratur« abgewertet werden. ...

"2 Ihr streitet und kämpft und habt nichts, weil ihr nicht bittet; 3 ihr bittet und empfangt nichts, weil ihr in übler Absicht bittet, nämlich damit ihr's für eure Gelüste vergeuden könnt. 4 Ihr Abtrünnigen, wisst ihr nicht, dass Freundschaft mit der Welt Feindschaft mit Gott ist? Wer der Welt Freund sein will, der wird Gottes Feind sein. 5 Oder meint ihr, die Schrift sage umsonst: Mit Eifer wacht Gott über den Geist, den er in uns hat wohnen lassen, 6 und gibt um so reichlicher Gnade? Darum heißt es: «Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.»" (JAKOBUS / 4. Kapitel, 2-6)

Voraussetzung für das Bitten ist das Belehrt- und Vertraut sein mit Gottes Wort. Ich muss wissen, was Gott geben will, damit ich bitten kann. Jede Schmälerung des Wortes Gottes durch theologische Theorien (Gott will heute solches nicht mehr tun, das galt nur für die Zeit der Apostel) oder durch kritisches Messen an der alltäglichen Erfahrung hat weitreichende praktische Folgen: »Ihr habt nicht, weil ihr nicht bittet.« ...

Gottes Wort sagt: »Er bitte aber im Glauben und zweifle nicht, denn der Zweifler gleicht einer Meereswoge, die vom Wind bewegt und hin und her getrieben wird. Denn jener Mensch denke nicht, dass er etwas von dem Herrn empfangen werde, ist er doch ein wankelmütiger Mann, unbeständig in allen seinen Wegen« (Jak 1,68).

Durch Erwartungslosigkeit hindern wir Gott daran, uns zu geben, was Er uns schenken möchte und was er uns deshalb schon in Seinem Wort verheißen hat. ... Lasst uns forschen in der Schrift und lasst es uns so tun, dass wir darin den Weg zum Herzen Gottes finden. Wahre Schrifterkenntnis führt zur Anbetung Gottes im Geist und in der Wahrheit. ...

»Warum sagen Sie NEIN zur historisch-kritischen Theologie?« Diese Frage wurde mir gestellt und ich möchte ... auf sie antworten: Mein NEIN zur historisch-kritischen Theologie entspringt dem JA zu meinem wunderbaren Herrn und Heiland Jesus Christus und zu der herrlichen Erlösung, die Er auf Golgatha auch für mich vollbracht hat."

Prof. Dr. Eta Linnemann (1994, Theologin, Original oder Fälschung. Historisch-kritische Theologie im Licht der Bibel)

 

"Die sog. „Religionsgeschichtliche Schule“ … umfasste beispielsweise die Überzeugung, dass das nationale Israel wesentliche Elemente von seinen (heidnischen) Nachbarn entlehnt und sich teilweise aus den heidnischen Religionen Vorderasiens heraus evolutionär weiterentwickelt habe (vom Polytheismus zum Monotheismus etc.), indem diese entlehnten Elemente in eine monotheistische Struktur integriert worden seien. ...

Theologischer Liberalismus ist folglich kein anerkennenswerter Ausdruck des christlichen Glaubens, keine christliche Variante in Form eines konfessionell anerkennenswerten Bekenntnisses … Er verkörpert gewissermaßen den Ausdruck heidnischer Religiosität im christlichen Gewand."

Dr. theol. Berthold Schwarz (August 2005, Theologe, Dozent für Systematische Theologie an der Freien Theologischen Hochschule Gießen, Die bleibende theologische Herausforderung des „Liberalismus“, Biblisch Glauben Denken Leben Nr. 69)

 

"Dieses dem Namen nach christliche Europa ist seit rund vierhundert Jahren zur Geburtsstätte eines neuen Heidentums geworden, das im Herzen der Kirche selbst unaufhaltsam wächst und sie von innen her auszulöschen droht.

 

Das Erscheinungsbild der Kirche der Neuzeit ist wesentlich davon bestimmt, dass sie auf eine ganz neue Weise Kirche der Heiden geworden ist und noch immer mehr wird: nicht mehr wie einst Kirche aus den Heiden, die zu Christen geworden sind, sondern von Kirche von Heiden, die sich noch Christen nennen, aber in Wahrheit zu Heiden wurden."


Prof. Dr. Joseph Ratzinger (Oktober 1958, 2005-2013 Papst Benedikt XVI., Die neuen Heiden und die Kirche, in: Hochland 51,1958, s.a. 1.5, Joseph Ratzinger: Gesammelte Schriften. Band 8/2, Kirche – Zeichen unter den Völkern, Freiburg im Breisgau 2010, 1143)